Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt
58. Sollt®
Dienstag, 27. Januar 1931
91 'M Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Berlag «m,* *■**■ der Fuldaer Actiendruckerei ln Fulda. Fernrufe: Schrist-
:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.
mal zugemutet: 1. Die Bildung eines selb- st ä n d i g e n Staates Oberschlesien, 2. die militärische Organisation der Jugend, wahrscheinlich als Truppe dieses Staates, und 3. die Einleitung einer Gegen, reformation zur Bekämpfung des Protestantismus. Mehr kann man auf einmal nicht verlangen. Bleibt nur noch das Erstaunen darüber, daß ein solches Sammelsurium von Unsinn u n d A n g st in den immerhin ernsten Spalten der „Kreuzzeitung" Unterschlupf finden kann.
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den, sieht man aus der Behauptung der "Kreuz- zeitung", die Zentrumspartei Oberschlesiens habe ihre Mitglieder aus dem Reichsbanner zurückgezogen und wolle sie unter dem Namen „K r e u z - schar" uniformieren und militärisch organisieren. Die angeblich gutunterrichtete Seite hat h^r etwas läuten hören, ohne zu wissen, wo die Glocken Ham gen. Wie überall im Zentrum, hat man sich auch in Oberschlesien mit der Frage der besseren politischen Erziehung und Aktivierung der Jugend befaßt. Die geeigneten Methoden werden nach den lokalen Umständen verschieden sein. Darüber ist ganz offen gesprochen worden auch in der letzten Sitzung des Reichsparteivorstandes des Zentrums. Aber die Frage der „Kreuzzeitung", ob zwischen dieser „Kreuzschar" und den „Maßnahmen der oberschlesischen Zentrumspartei" ein Zusammenhang bestehe, ist von einer solchen Naivität und zeugt von einer derartigen Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, daß man beinahe aufrichtiges Mitleid für die „unterrichtete" Seite der "Kreuzzeitung" empfindet. Zurückgewiesen gehört schließlich noch die Frage der „Kreuzzeitung", ob es wahr sei, daß dieser „Kreuzschar" als geistiges Rüstzeug das Buch „Der Aufstand des Abendlan- des" mitgegeben worden sei. in dem angeblich dre große Sendung der Gegenreformation und die Mission der katholischen Jugend besprochen wird.
Dem Klerus und dem Zentrum »erden von der „gutunterrichteten Seite" viele Dinge auf ein«
Don geschätzter Seite in Berlin wird uns zu dem Vorgang in Kassel geschrieben:
Arthur Mahraun, der Gründer des Jungdeutschen Ordens, Hat zu einer Zeit, da er sich noch zur Staatspartei bekannte und daher genötigt war, sich den politischen Wind nicht aus idealistischen Büchern, sondern aus der geladenen Luft der Versammlungen um die Nase blasen zu lassen, das Wort gesprochen: Die Diktatur ist die Staatsform der Analphabeten. Als Schlagwort klingt ein solcher Satz gut und einprägsam. Aber er ist doch nicht ganz richtig. Analphabeten sind Leute, die nicht lesen und schreiben gelernt haben, aber doch recht ost, soweit sie bei uns überhaupt noch vorkommen, ganz gescheit sind. Mahraun hat daher wohl sagen wollen, die Diktatur sei die Staatsform für diejenigen, die nicht denken können, Diktatur ist die Staatsform für das liebe Vieh. Und selbst da läßt sich einiges dagegen einwenden.
Der thüringische Minister des Innern Dr. Frick, hat geglaubt, auf die furchtbare Abfuhr, die seinen Leuten kürzlich in Kassel durch den Zentrumsführer Dr. Kaas erteilt wurde, tn Kassel antworten zu müssen, und dabei hat er, was allerdings die Hugenbergsche Tele- graphen-Union schamhaft verschweigt (in der von der T. U. verbreiteten Nachricht über diese Frick-Rede ist alles, was an dieser Rede „Körner und Zähne" hatte, weggelassen. Die Rede klingt dann ganz „akademisch". Die Schrift!.), allerlei gesagt, was für Nazihörer nicht von Pappe fein mag, für solche allerdings, die die Diktatur ablehnen, spaßhaft genug wirkt. Zunächst einmal, damst
keine Mißverständnisse möglich sind: Frick hat ausdrücklich erklärt, die Nationalsozialisten seien gründ- sätzliche Anhänger der Diktatur. Schön, siehe Arthur Mahraun. Wir wissen also, wo wir Herrn Frick und seine Genossen zu rubrizieren haben. Aber Frick hat sich das Zentrum ganz besonders aus- gesucht, um an ihm sein diktatorisches (ließ: analphabetisches) Mütchen zu kühlen. Er bezog sich auf eine Bemerkung, die jüngst ein anderer Nazi im Reichstag machte, daß das Zentrum die Religion zu schmutzigen Geschäften mißbrauche und unterstrich sie als feine eigene Ueberzeugung. Nun, w:r würden uns sehr sonderbar vorkommen, wenn wir den Beifall des Herrn Frick fänden, und was den Mißbrauch der Religion durch die Politik betrifft, so kann Herr Frick, wenn er auf diesem Gebiet Studien machen will, einmal versuchen, die religiösen Auffassungen der von ihm geführten 107 Abgeordneten unter einen Hut zu bringen. Der Großteil wohl lehnt religiöse Dinge und Begriffe ab, aber um so eifriger benutzen andere ihren katholischen Taufschein, um unter der Zentrumsjugend zu krebsen. Das sieht nicht nach politischem Heldentum, noch nach tiefer Durchdrungenheit von der Reinheit der nationalsozialistischen Lehre aus.
Frick hat in Kassel auch vom Untermenscheu- tum geredet, das wohl das Gegenteil vom nationalsozialistischen Uebermenschentum bilden soll. Die Polizei hat täglich und nächtlich Gelegen- heit, .die Vertreter dieses Uebermenschentums per- sönlich kennen zu lernen, besonders intim in der Berliner Silvesternacht und zuletzt in einigen Saal- schlachten. Auch Hitler ist ein solcher lieber« mensck. Den herrlichsten Typ des Uebermenschen aber hat man in Dr. Joseph Göbbels vor sich, der sich wochenlang dem Gericht entzieht, vor dem er zu seiner Ueberzeugung stehen soll und si h dann noch zwei Tage lang in ein Mauseloch verkriecht, bis punkt 3 Uhr nachmittags die Immun:- tät ihn unter ihre schützenden Flügel nimmt. Immerhin aber müßten diejenigen sich Herrn Frick einmal kaufen, denen er Untermenschentum vor- wirft, wiewohl sie in Thüringen mit ihm in der Regierung sitzen, nämlich die Volksparteiler. Alle Parteien, sagte Frick in Kassel, die den Marn- sten Gefolgschaft leisten, die Demokraten, das Zen- trum und die Volkspartei, sind Organisationen des Untermenschentums, des professionellen Landesverrats und des organisierten Volksbetrugs. Wollen die volksparteilichen Minister in Thüringen auch diese neuen Beschimv- fungen einstecken? 'Man kann einen Köter lange kläffen lassen, aber wenn er einem an die Waden springt, muß doch die Geduld zu Ende gehen. Das ist vielleicht sogar auch für den Köter besser. Im übrigen zeigt diese Aeußerung Fricks, daß er von den einfachsten parteipolitischen Verhältnissen nichts versteht. Denn das Kabinett Müller ist an dem Gegensatz zwischen Volkspartei und Sozialdemokratie gescheitert, und im Preußischen Landtag steht die Volkspartei seit fünf Jahren gegen die I Sozialdemokraten in heftiger Opposition und würde sie lieber heute als morgen zusammenhauen, wenn
würfe Hörstngs gegen
Die „Kreuzzeitung" veröffentlicht von angeblich qutunterrichteter Seite eine Zuschrift, die eine böswillige Verdächtigung des oberfchlefifchen katholischen Klerus und des Zen- t r u m s im allgemeinen und des Abgeordneten U l i tz k a im besonderen darstellt. In dieser Zu- schrist wird behauptet, der katholische Klerus betreibe die Loslösung Deutsch-Oberschlesiens vom Reiche zugunsten eines selbständigen oberschlelischen Staates, mit dem auch Polnisch-Obenchlesien ver- bunden werden soll. Zu diesem Zweck hatten Verhandlungen zwischen dem deutschen und dem polnischen Klerus stattgefunden, und Pralat Ulitzka habe bereits mit dem Abgeordneten Korfanty wiederholt Zusammenkünfte gehabt.
Auch ohne Rückfrage kann es für einen Kenner des oberichlesifchen Klerus und vor allen Dingen des Abgeordneten Ulitzka nicht zweifelhaft fein, daß es fick hier um ein P h a n t a f i e p r o - du k t handelt. Das Deutschtum Oberschlesiens hat in d-r Zentrumspartei und in dem deutschen katholischen Klerus stets leinen besten Verteidiger gefunden. Der Plan, die deutsch-polnischen Grenzstreitigkeiten durch Schaffung eines selbständige Staates Oberschlesien zu bereinigen, wäre der schlechteste aller Lösungsversuche. Es ist ausgeschlossen, daß die von der „Kreuzzeitung" genannten Kreise mit solch abwegigen Ideen spielen.
Wie die Dinge in der Zuschrift von der „gutunterrichteten" Seite durcheinandergeworfen wer-
sie nur könnte. , ,
Dem Zentrum hat Fttck in Kassel noch die be- sondere Liebenswürdigkeit des Hinabsturzes in den Orkus angedroht. Im Dritten Reich müssen ^w:r ebenso vom Erdboden verschwinden, wie in Italien unsere katholische Schwesterpartei, die Povu- lari, von Mussolini abgewürgt worden ist. Nun, wir werden ja sehen, wie weit das Dritte Reim sich etablieren kann. Vorläufig sind wir noch des Glaubens, daß wir eher das Verschwinden Fricks im Orkus der Lächerlichkeit er- leben werden. Sollte es aber einmal zu einer nationalsozialistischen Regierung oder Diktatur kom- men, so werden die Zentrumsleute ganz bestimmt neben dem Analphabetenlager eine eigene Niederlassung gründen, und sie wird den Haken« kreuzlern erheblich zu schaffen machen. Wenn Dr. Frick Deutschland mit Italien gleichsetzt, dann kennt er Deutschland nicht.
Wir wollen auf weitere Einzelheiten von Fricks Rede nicht eingehen. Wir überlassen es der Beurteilung jedes anständigen Menschen, wenn dieser thüringische Minister den ehrwürdigen Abgeord- neten Kahl wegen seines Alters angepöbelt hat. Wir können es auch ruhig dem Humor beä Reichsinnenministers Dr. Wirth überlassen, wenn Frick es geschmackvoll gefunden hat, diesen Mann in übelster Weise zu beschimpfen, nachdem MS thüringische Staatsministerium mit ihm gerade einen Vertrag auf Treu und Glauben schloß. Aber immerhin darf man wohl die Frage stellen, ob Deutschland sich einen solchen beamteten Vertreter wie Herrn Frick eigentlich auf die Dauer gefallen laffen wist.
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Dr. Frick hat m seiner Kasseler Rede, wie erwähnt, auch den Altersnräfidenten des Reichstages, Geheimrat Kahl, persönlich angeartffen „Auch Herr Kabl", so etwa bemerkte Herr Frick, „der schon so uralt sei, daß er mit den heutigen Dlno°n n'cht mehr mitköme. wer^- nichts erreichen" Dazu bemerkt ein Berliner Blatt sehr zu Recht:
„Unverstand und Größenwahn. die sich in dieser Rede offenbaren, werden noch übertroffen durch die G ewöhnlichkeit der Gesinnung, die si-> zeigt fco non dem Professor Kahl zu sprechen, einem Mann, dem bisher noch kein Deutscher, auch nicht der schärkste Gea- ner b;e Achtung versagt bat da« zeigt tue gante Tiere des Niveaus, auf das die politische Diskusston dank den Nationalsozialisten aesunken ist. Es ist besonders ab- scheulich aus dem Alter Kahls einen ungünstigen Schluß auf feine geistigen Kräfte zu ziehen, da offenbar daw't ein versteckter und boshafter Schlag gegen einen noch höher Stehenden geführt werden fn’.te. Aber der Schlag geht ins Leere. Wenn der plumpe itrirf auch nur einen Bruchteil der K e i! es» kraft besähe, über die Kahl jederzeit w't der elegantesten Leichtigkeit verfüat, io wäre das Land Thüringen um feinen Regenten zu beneiden". ____.
So aber ist das Land Thur ngen zu he I dauern, und noch mehr die Deutsche Volksvartei, I die nach wie vor in Weimar Herrn Frick dem R:<- ter vom adligen Ge st, gehorsamst die Ste'gbugel | hält, wenn dieser das Kampsroß besteigt, um u n -
Das Ergebnis der Genfer Volen-Deballe
Eine klare Aeußerung zu Gunsten der Minderheiten.
Die Erklärung Hendersons bedeutet in der Tat für alle Minoritäten einen ganz gewaltigen Fortschritt. Sie ist das Erfreulichste des Ausgangs des deutsch-polnischen Konflikts, denn eine so klare Aeußerung zugunsten der Minderheiten hat es bisher im Völkerbund noch nicht gegeben. Es verdient festgehalten zu werden, daß sie von den anderen Ratsmitgliedern, auch von Briand, widerspruchslos hingenommen wurde.
Die Ratstagung wurde geschlossen.
Anlerredung Curtius-Briand.
In einer Besprechung, die Dr. Curtius vor seiner Abreise mit dem französischen Außenminister Briand hatte, unterhielten sich die beiden Minister über den Verlauf der Ratstagung sowie über die künftigen Arbeiten des Europa-studienkomitees. Auch wurden einige Fragen, die die Interessen Frankreichs und Deutschlands im besonderen Matze berühren, erörtert. Dr. Curtius hatte noch mit einer Reihe von Persönlichkeiten Rücksprachen. Ter deutsche Außenminister hat Genf, wie er auf dem Frühstück der Pressevertreter erklärte, mit dem Bewußtsein verlassen, eine glückliche Zeit verlebt zu haben, glücklich deshalb, weil er sich vor seinem Gewissen sagen könne, die schwere verantwortungsvolle Aufgabe, die ihm gestellt war, so durchge- führt zu haben, wie es nach besten Kräften möglich gewesen fei. Der Minister wird vielleicht schon am Dienstag dem Reichspräsidenten von Hindenburg über die Ergebnisse der Genfer Tagung Bericht erstatten. Es schließen sich dann in den nächsten Tagen Berichte des Ministers vor dem Reichskabinett sowie dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages und des Reichsrates an.
England und die Genfer Vefchlüffe.
rotb. London, 26. Jan. (Eig. Meldg ). Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph schreibt: Die soeben beendete Tagung des Volker- bundsrates ist viel weniger stürmischer verlausen als erwartet worden war. Besonders gilt dieses von dem deutsch-polnischen Streit, in dem eine Vereinbarung erreicht wurde. Polen war klug genug, zuzugeben, \ daß gegenüber der deutschen Minderheit i n S ch l e- sien schwere Ausschreitungen begangen worden sind und Deutschland hat mit gleicher Klugheit davon Abstand genommen, die Regelung der Frage der deutsch-polnischen Revision aufzuwerfen. Es bleibt abzuwarten, ob Dr. Curtius, der zweifellos einen Erfolg in der Minderheitenfrage davon getragen hat, durch den Lärm der Nationalisten und Nationalsozialisten zum Rücktritt gezwungen wird. Seine Behutsamkeit in der Grenzfrage erklärt sich vielleicht daraus, daß er und Reichskanzler Brüning die Frage eines baldigen Zahlungsaufschubes für die Reparationen für viel dringender und leichter erreichbar erachten als die Danzig und Korridor betreffenden Fragen. Deshalb haben sie es für unangebracht gehalten, allzuviele Streitfragen aufzurollen, damit sich nicht mehrere Machte zu- fammentäten, um den deutschen Forderungen Widerstand entgegenzusetzen. Andererseits hat der deutsche Delegierte bei seinem Widerstand gegen die sofortige Ernennung Dr. Beneschs zum Proi' benten der Abrüstungskonferenz und gegen die Forderung, daß der Konventionsentwurf auf der Plenarkonferenz nicht angetaftet werden dürfe, qroße Energie entwickelt. Der Korrespondent bemerkt: es würde schwierig sein, einen Konventionsentwurf, zu dem beinahe jede Macht wichtige Vorbehalte gemacht habe, als endgültig zu betrachten.
„Sammelsurium von üustnu und Angst".
Aus dem Tollhaus des politischen Radikalismus. — Eine zutreffende Betragensnote für die deutsch»«,lonale kreuzzeitung Aederalt Holzereien zwischen den Radikalen. Schwere Dor die Nationalsozialisten.
Die „Oberschlesifche Volksstimme", das maßgebende Organ der Oberschlesischen Zentrumspartei, nimmt unter der Ueberschrift „Lächerlicher Unsinn — Eine fette Ente der Kreuzzeitung" zu der obigen Aeußerung der deutschnationalen Kreuzzeitung Stellung und erklärt abschließend:
„Es liegt die begründete Vermutung nahe, daß bei der Veröffentlichung der „Kreuzzeitung" die Absicht bestand, das Zentrum und seinen oberschlesischen Führer Prälat Ulitzka aufs neue zu v e r- dächtigen und zu verleumden und ihm die nationale Ehre zu rauben. Diese unerhörte Schamlosigkeit der „Kreuzzeitung" und ihres Zuträgers richtet sich selchst."
kommunWche Vropaganda-Fahrlen.
wtb. Bismarck (Kreis Stendal), 26. 1. (Eig. Meld.) 500 auswärtige Kommunisten, die gestern auf etwa 18 Lastkraftwagen eine Propagandafahrt unternommen hatten, machten in Bismarck Halt, um für den Roten Frontkämpferbund Geld zu sammeln und kommunistische Zeitschriften zu verkaufen. Beim Umzug durch den Ort kam es zu Zusammenstößen mit Einwohnern, die sich in einer Gastwirtschaft sortsetzten, wobei Tische, Stühle und Fensterscheiben zertrümmert und anwesende Gäste verletzt wurden. Die Stendaler Staatsanwaltschaft wird sich heute zur Aufklärung der Zusammenstöße nach Bismarck begeben. Nachmittags gegen 3 Uhr trafen die Kommunisten in Calbe ein, wo sie geschloffen auf den Warst zogen. Als der Direktor der dortigen Landwirtschaftsschule Garz den Zug mit seinem Kraftwagen überholen wollte, wurde der Kraftwagen beschädigt und er und ferne Frau wurden mißhandelt. Dann zog der Zug nach Gardeleben weiter.
Diese Ausschreitungen radikaler Elemente müssen mit drakonischer Strenge unterdrückt werden. An den „Propaganda-Fahrten" der Kommunisten entzündet sich nur die Aktivität der Rechtsradikalen und der — vernünftige Volksteil muß die Zeche bezahlen, die diese hemmungslosen Elemente anrichten.
Frick und die „Anlermenschen".
Am 22. Januar sprach in Kassel der national- sozialistische Minister Dr. Frick. In seiner Rede griff er besonders das Zentrum an und sagte u. a.: j Was ein bekannter Parteifreund von mir unlängst behauptet hat, daß nämlich die Zentrumspartei die Religion zu schmutzigen Geschäften mißbrauche, unterstreiche ich, weil dieser Satz durchaus richtig ist. . . Wenn das Zentrum sich nicht von den roten Bundesgenossen lösen will, bann muß es im Orkus verschwinden, so wie die katholische Schwesterpartei in Italien von Mussolini ausgelöscht wurde . . . Alle Parteien, die den Marxisten Gefolgschaft leisten, die Demokraten, das Zentrum und die Deutsche Volkspartei, sind Organisationen des Untermenschentums, des professionellen Landesverrats und des organisierten Volksbetruges."
Ueber die Haushaltsausschußberatung des . Reichstags sagte Dr. Frick: „Jetzt fitzen sie wieder im Haushaltsausschuß zusammen, um erneut die deutsche Pleite festzustellen." Dann behandelte er die Vorgänge im Strafrechtsausschuß und griff in der unerhörtesten Weise Professor Kahl von der Deutschen Volkspartei an: „Der Vorsitzende des Strafrechtsausschusses, Herr Kahl, der so uralt ist, I daß er den Dingen nicht mehr folgen kann."
Dieser Dr. Frick hat bekanntlich im Krieg dem Vaterland in Pirmasens und München gedient. Er redet von „Untermenschen" und hält sich I für einen Propheten des „Heroismus und des Idealismus". Gedanken sind zollfrei!
Im Laufe des Samstagnachmittag wurde in Genf die Angelegenheit der deutschen Anklage ze gen Polen durch die Annahme des Berichtes des Ratsreferenten, des Japaners I o f h i s a w a, erledigt.
Der Bericht über die Minderheitenbeschwerden.
Die entscheidenden Stellen des Berichtes lauten:
Was die Angriffe gegen Personen und Eigentum, denen die Bewohner Oberschlesiens ausgesetzt sind, angeht, so hat niemand bestritten, daß Taten dieser Art, wie sie in den Beschwerden aufgezählt sind, vorgekommen sind und daß diese Vorgänge derartig schwerwiegend sind, daß man
in zahlreichen Fällen von einer Verletzung der Artikel 75 und 83 der Genfer Konvention
sprechen muß. Das sind Tatsachen, die der Rat feststellen muß. Wie der Vertreter Deutschlands vor dem Rat gesagt hat, ist entscheidend die Haltung der Behörden. Hier ist zu unterscheiden zwischen direkten und indirekten Verantwortlichkeiten. Die polnische Regierung habe mitge- teilt, daß die vom Deutschen Volksbund erwähnten Falle Gegenstand einer genauen Untersuchung seien. Der Rat wünsche aber, daß die polnische Regierung vor der nächsten Ratstagung im Mai ein ausführliches und detailliertes Expose der Ergebnisse der von ihr vorgenommenen Untersuchungen einreiche, und zwar soll sich dieser Bericht der polnischen Regierung auch auf die Vergeltungs- und die Schadensersatzmaßnahmen erstrecken, die im Verlaus dieser Untersuchungen von ihr unternommen werden. Was die indirekten Verantwortlichkeiten angeht, so sei es von großer Bedeutung, daß im Interesse der Ruhe und des Friedens in solchen Gebieten wie Schlegen alles vermieden werden müsse, was auf direkte oder indirekte Weise dazu beitragen könnte, die Gemüter zu erhitzen und die Leidenschaften zu erregen. Es sei selbstverständlich, daß sich daraus für die Behörden Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen besonders schwerer Art ergeben, die von ihrer Seite die genaueste Achtung vor den Rechten der Minderheiten erfordern. Cs sei unbedingt notwendig, daß die Behörden sich jeder Einmischung in politische Kämpfe enthielten, besonders, wenn es sich dabei um Minderheiten handele. Aus den Schriftstücken, die'dem Rate oorgelegt worden seien, und aus den De- batten vor dem Nnt habe man den Eindruck erhalten, daß
der Aussländischenverband von einem Geist erfüllt (ei, der nicht geeignet ist, die Annäherung zwischen den bei- den Elementen der Bevölkerung zu erleichtern. Es gehe nicht an, daß eine solche Organisation eine bevorzugte Stellung einnehmen dürfe, die sich zum Schaden der Minderheiten auswirke. Die polnische Regierung müsse die notwendigen Maßnahmen ergreifen und die besonderen Beziehungen, die zwischen den Behörden und solchen Organisationen, die eine politische Tätigkeit ausübten, lösen. Es sei in jedem Falle unerläßlich, daß man der deutschen Minderheit in Polnisch-Oberschlesien in dieser Beziehung Vertrauen einslöße. Dieses Vertrauen sei unglücklicherweise tief erschüttert worden. Ohne dieses Vertrauen sei eine Zusammenarbeit zwischen der Minderheit und dem Staat nicht möglich.
Der Bericht schließt, daß der Rat wünsche, vor seiner nächsten Tagung im Mai Kenntnis zu nehmen von den Entschließungen, die die polnische Regierung auch in diesem Punkte getroffen habe.
Nachdem der Bericht des Japaners widerspruchslos angenommen war, erhebt sich Herr Henderson, der Ratspräsident, um seinerseits noch ein paar Worte zu sagen. Er dankt dem Rapporteur und beglückwünscht die Parteien zu dem versöhnlichen Geist, den sie gezeigt hatten. Dann aber spricht er Worte, die in der Brust eines leben Minderheitenmenschen Gefühle ber Freude erwecken werben: „Das Minberheitenregime ist ein wesentlicher Bestaubtest bes europäischen und des internationalen Rechts," so erklärt er mit großem Nachdruck, und er ermahnt die Mehrheit in Oberschlesien wie auch die Minderheit, im rechten Geiste zusammenzuleben, er ermahnt alle Volker, dieRechtederMinderheiten zuachten.