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Zu den Studenkenunruhen in Heidelberg

Tragödie eines allen Geschwislerpaares.

— Königstein (Taunus). Am Mittwochvormittag er­weckte es bei Nachbarn Befremden, daß die Fensterläden und die Haustür des Cabn'fchen Anwesens in der Haupt­straße nicht geöffnet wurden. Man öffnete schließlich die Tür gewaltsam und bemerkte sofort einen starken Gasge­ruch, welcher der Küche entströmte. Hier saß das 70jährige Fräulei» Fanny Cahn mit starker Gasvergiftung in einem Sessel. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche blie­ben leider erfolglos, so daß der hinzugezogene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. In einem an die Küche anstoßenden Zimmer lag der 61jährige Bruder Bernhard Cahn in bewußtlosem Zustand im Bett, doch hatten bei ihm die Wiederbelebungsversuche den Erfolg, daß er sich nach Ueberführung in das Krankenhaus verhältnismäßig rasch erholen konnte. Ein weiterer Bruder hatte sich mor­gens auf eine Geschäftsreise begeben. Die Ermittlungen ergaben, daß das Geschwisterpaar beschlossen hatte, ge­meinsam aus dem Leben zu scheiden. Der Grund zu die­sem Entschluß dürfte in wirtschaftlichen Verhältnissen zu suchen (ein.

— Weilburg. Mittwochabend gegen %10 Uhr geriet der Güterschuppen der Reichsbahn in Weil- hurg aus bis jetzt unbekannter Ursache in Brand. Ein Teil der Güter wurde vernichtet. Der Schaden beträgt etwa 5000 RM. Der Schuppen brannte völlig aus.

— Braubach. An der Eisenbahnstrecke zwischen hier und Osterspai) l ö st e n sich in der Nähe des Dinkoldertals über Nacht F e l s m a f f e n, die weithin Straße und Bahndamm bedeckten. Glückl'cherweise wurden die für den Zugverkehr gefährlichen Hindernisse rechtzeitig von einem Streckenwärter bemerkt, so daß sogleich mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden konnte. Die Züge mußten in verlangsamter Fahrt die gefährdete Stelle passieren.

Stadtratssitzung in Geisa.

= Geisa. Donnerstag, den 22. Jan., fand in Geisa die zweite diesjährige öffantliche Stadt­ratssitzung statt. Der Voranschlag für den Holzabtrieb 19.31 wurde genehmigt. Es sollen in diesem Jahr 600 Kubikmeter Holz weniger als im Vorjahr geschlagen werden. — Zur Wahr­nehmung des Termins mit dem Kurhess. Bauern­verein wurde Herr Stadtkämmerer Deschauer be­stimmt. — Man nahm Kenntnis von den neuen Bestimmungen über Holzhauerlöhne, die aber für Geisa nickt in Frage kommen, da man hier ein anderes Lohnabkommen getroffen hat. Es wurde ferner beschlossen, die geplante Durchforstung am Rasdorferberg durch Arbeitslose unter der Auf­sicht von Herrn Lehrscholl vornehmen zu lassen. Herr Lehrsckoll soll strengstens darauf achten, daß keine „Feierholzwellen", wie das früher ge­stattet war, mit nack Hause genommen werden. — Dem Vergleicksverfabren mit der Firma Glotz­back hier wurde zugestimmt. — Auch wurden die Kosten für den in der Stadt viel besprochenen Glockenstrang genehmigt, ebenso die Rechnung des Musikkorps für Musik bei den Beerdigungen von Kriegsteilnehmern in Höhe von 60 Mark. Zum Schluß nahm man auch nock Kenntnis über die Verfügung von Gehastskürzunaen bei städtischen Beamten. — Anschließend fand noch eine kurze vertrauliche Sitzung statt.

Die Preissenkungsaktion macht weitere Fortschritte. So hat seit einiger Zeit die Firma Beiersdorf die Preise für Pebeco-Zahnpasta von 60 auf 50 Pfg., von RM. 1.— auf 80 Pfg. herabgesetzt. Auch Nivea-Creme, die jetzt int Winter fast unentbehrlich ist, wird in den Tubenpackungen für 50 und 80 Pfg. (bisher 60 Pfg. und RM. 1.—) ver­kauft. Mögen noch recht viel weitere Preissenkungen folgen, damit der Verbraucher allmählich eine fühlbare Er­leichterung verspürt.

Eisenach »nd das Elisabethjohr.

— Eisenach. Der Eisenacher Fremdenverkehr wird im kommenden Sommer vor allem im Zei- cken des 700. Erinnerungsjahres der Landgräfin Elisabeth stehen. Außer der bereits gemeldeten Wartburgseier finden hier die Tagungen folgender katholischen Vereinigungen statt: Thüringer Katho­likenbund, Augustinusverein zur Pflege der katho­lischen Presse und der Reichsverband katholischer

kaufmännischer Gehilfinnen. Mit weiteren katho­lischen, kirchlichen und weltlichen Vereinigungen schweben noch Verhandlungen.

Freistaat Hessen.

Ein verdienler Jotffmann gestorben.

= Bübingen. Im 70. Lebensjahr starb hier noch kur­zem Leiden der langjährige F ü r st l. D s e n b u r gi s ch- Büdingensche Oberforstinspektor Wilhelm Henrich. Der Gestorbene, aus einer Forstbeamtenfa- milie stammend, die seit mehr als 200 Jahren im Fürst. Psenburgschen Dienst stand, erfreute sich, zumal als För­derer der Büdinger Schützengesellschaft, allenthalben einer großen Beliebtheit und Wertschätzung.

Selbstmordversuch eines Postmeisters nach einer Revsion.

— Orlenberg. Am Dienstag nachmittag mußte der Postmeister Göllner vom hiesigen Postamt mit einem Re- volverschuß im Kopf dem Krankenhaus in Büdingen zu­geführt werden, wo er noch darniederliegt. Am Vormit­tag des Tages war ein Revisionsbeamter der Oberpost- direktion Darmstadt zur Prüfung der Postamtsgefchäste erschienen, und am Mittag kurz nach 1 Uhr wurde Göll­ner mit dem Schuß im Kops aufgefunden. Er soll sich den Schuß selbst beigebracht haben. Man vermutet, daß die Tat in Zusammenbang mit der am Vormittag stattge­fundenen Revision steht.

Wildschweinplage im nordöstlichen Oberhessen.

— Lauterbach. Seit einiger Zeit machen sich in den großen Forsten und den angrenzenden Feldern zwischen L a u t e rb a ch und Schlitz Wildschweine in außeror­dentlich starkem Umfange bemerkbar. In den letzten Wo- -chen wurde die Bekämpfung dieser Plage planmäßig durchgeführt und dabei von den Forstleuten der gräflichen Forstverwaltung in Schlitz und von den hessischen Staats­förstern bis setzt rund 30 Wildschweine, darunter mehrere große Keiler, zur Strecke gebracht.

Erst wollte er in’s Loch, jetzt nicht mehr.

— Gießen Am Abend des 3. Dezember 1930 brannte unmittelbar vor den Toren von Gießen ein großer Strohhaufen nieder, wodurch etwa 1000 Zentner Stroh eines Gießener Landwirts vernichtet wurden. Am gleichen Abend stellte sich auf der Gießener Polizei ein junger Handwerksbursche mit der Angabe, er habe in dem Strohhaufen übernachten wollen und dabei faihr« lässiger Weise mit seiner Pfeife den Brand verursacht. Jetzt stand der junge Mann vor dem Gießener Schöf­fengericht unter der Anklage der fahrlässigen Brandstiftung. Hier gab er auf einmal an, daß feine Erklärungen vor der Gießener Polizei erfunden gewesen seien, weil er für einige Zeit habe unterkommen wollen. Anscheinend im Hinblick auf den kommenden Frühling hatte er sich die Sache anders überlegt und widerrief deshalb in aller Form feine früheren Aus­lagen, lodost er vom Gericht wegen Mangels an aus­reichenden Beweisen freigesprochen werden mußte.

— Grünberg (Oberhess.) In der Nacht zum Don­nerstag drangen Einbrecher in das Schuhge­schäft des Schuhmachermeisters Kroßhaus ein, wo sie etwa zwei Dutzend Herren- und Damenstiefel aus den Kartons stahlen und mit sich nahmen. Wie man fett* stellte, waren die Einbrecher mit einem Auto von aus­wärts angekommen. Bisher gelang es nicht, die Täter festzunehmen.

Kleine Nachrichten.

In Oetzsch wurde in einer dunklen Kammer der dortigen Kirche ein altes Musikwerk, ein so­genanntes Antiphonarium, gefunden, das 400 Jahre dort verborgen war. Das Werk enthält 30 Choräle in lateinischem Text.

In Etterwinden stürzte eine angesägte Fichte zu früh und begrub einen Holzhauer unter sich, der bald nach Einlieferung in das Eisenacher Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

In Weimar explodierte ein Gasbadeofen. Durch die Explosion wurde schwerer Schaden an­gerichtet, u. a. wurden die Wasserrohre aufgeris- fen. Eine Frau, die den Ofen anzünden wollte, er­hielt durch den Schreck einen Nervenschock.

In W u t h a bei Eisenach wurde ein Dachdecker aus Rache von einem Arbeiter und dessen Söhnen überfallen. Er trug schwere Verletzungen davon.

In Schmalkalden berührte ein 19sähriger Bohrerschmied, der eine Deckenlampe eines Stal­les als Handlampe benutzte, den Metallrand des Lampenfockel. Dadurch erhielt er einen derartig starken elektrischen Schlag, daß er sofort tot zu Bo­den stürzte.

— Eisenach. Im Eisenkahntunnel zwischen Ei­senach und Epichnellen wurden zwei mit Schnee­schippen beschäftigte Arbeiter von einem Personen­zug überfahren. Während dem einen beide Beine abgefahren wurden, war der andere sofort tot. Die Arbeiter hatten.infolge ihrer wegen der Kälte an­gelegten Ohrenschützer das Nahen des Zuges überhört. '

Wertvolle musikalische .Funde im Gothaer Staats­archiv.

— Gotha. Ein Student der Musikwissenschaft hielt im Verein für Geschichte und Altertumskunde einen Vortrag über reiches Aktenmaterial, das sich im Gothaer Arckiv vorfand und sich auf den Go­thaer Kapellmeister Gottfried Heinrich Stößel be­zieht. Stößel war ein Zeitgenosse Bachs. Er stu- vierte in Leipzig, reiste im In- und Ausland und unterhielt Beziehungen zu Gera, Zeitz und Son­dershausen. Er amtierte in Gotha von 1720—1749. Aus dem Gothaer Archiomaterial eröffnen sich wertvolle Einblicke in die Musikgeschickte und die Pflege der Musik an kleinen Höfen. Einige Ton- iätze Stötzels kamen zum Vortrag.

Der llniversilälsvorplah in Heidelberg, auf dem schwere Zusammenstöße zwischen Studenten und Polizei stattfanden. Oben: Professor Meister, der Rektor der Universität.

Infolge der Auflösung der studentischen Selbstverwaltung an der Heidelberger Universität fanden in der ganzen Stadt schwere Zusammenstöße zwischen demonstrierenden Studenten und der Polizei statt. Mehrfach ging die Polizei mit dem Gummiknüppel vor.

tig heranzuziehen, sie mehr, als bisher zu umwerben. Wenn die Wirtschaftskrise auch die beachtlichen „Ställe" zu Einschränkungen zwingt, fo ist dafür das Reservoir der Landreiteroereine unerschöpflich. Der Rückgang des Pserdebestandes seit 1928 ist gering. Er beträgt nur 2.71 Prozent. Die Zahl der 5—8jährigen Pferde hat um 5 Prozent zugenommen. Es fehlt aber an Pferden im 2 Lebensjahr wegen zeitweiligen Rückgangs der Stutenbedeckungen.

In diesem national-wirtschaftlichen Zusammenhang be­trachtet, sind Reiterfeste einfacher Art im Jahre 1931 eine zwingende Notwendigkeit, damit recht viele neue Schaufenster für die Propaganda „Züchtet Pferde" auf­gemacht werden. Andernfalls droht die Freigabe der Einfuhr ausländischer Pferde. Das pferdeproduzierende Ausland, Polen und die nordischen Länder, warten ja nur darauf.

Sollen wir in Stadt und Land, zudem bei tatkräfti­ger Mithilfe unserer kurhessisckcn und thüringischen Gar­nisonen Fulda, Eisenach, Kassel, Fritzlar die Hände in den Schoß legen? Truppenteile wie die Eisenacher Fünfzehner und die reitende Batterie von Fritzlar gä­be im vergangenen Jahre fo typische Beispiele von ideen­reicher Mithilfe beim Reiterfportveranstalten, daß sie beide in der reitsportlichen Zeitschrift „St. Georg" be­sonderes Lob erhielten. Es kommt wie einangs gesagt wurde nicht auf „dick e tun" an. sondern auf zeitent- sprechende Seiftung mit gegebenen Größen!

Reues aus Frankfurt.

— Sclbffmorb eines Schupobeamten. In einem Zim­mer der Polizeiwache am Flughafen hat sich der Pol.- zeiwachtmeister Welken mit seinem Dienstrevolver

Wechsel im Kommando des Ohrdrufer Truppen­übungsplatzes.

Dem Kommaudanten des Truppenübungsplat­zes Ohrdruf, Oberst Hausen, wurde zum 1. Februar der Abschied aus dem Heeresdienst mit dem Cha­rakter als Generalmajor bewilligt. Zu seinem Nachfolger wird voraussichtlich Oberstleutnant Wol­ters vom Infanterie-Regiment 16 ernannt werden.

= Dirlos. Am Sonntag, den 25. Januar, feiern die Eheleute Leopold S e m m 1 e r und Frau Josephine das Fest der Silbernen Hochzeit.

— Neuhof, Kreis Fulda. Man schreibt uns: Am Mitt­woch-Nachmittag ist durch einen Gast in der Gastwirtschaft Klug am offenen Fenster durch lautes Schreien über die Straße hin mehrmals die christliche und auch die jüdische Religion in unflätiger Weise beschimpft worden. Eine Anzahl Krisen- Unterstützte, die sich in der Wirtschaft tra­fen, sollen über einen Hektoliter Bier dort verbraucht ha­ben. Mehrere sollen so unmäßig gewesen fein, daß sie sich im Lokal und außer bemfelben übergeben mußten. Es wäre dringend nötig, daß die Gelder, die für Unter­stützung gezahlt werden, besser angewandt werden als

' für solche Zwecke.

= Schweben (Landkreis Fulda). In körperlicher und geistiger Frische begeht am Sonntag, den 25. Januar Herr Ferdinand Stey von hier seinen 8 0. Ge­burtstag. Der Jubilar war 36 Jahre als Eisen­bahnbediensteter tätig und jahrelang Mitglied der Ge­meindevertretung. Er ist ein geschätztes und gearfjtete- Mitglied unserer Gemeinde und noch heute ein eifriger Leser der „Fuldaer Zeitung" und des „Bonifatiusboten".

— Seiferts (Rhön). In einer Gastwirtschaft gerieten zwei Handwerksburschen in Streit, in dessen Verlauf der eine ein Messer zog und es seinem Gegner in die Lunge stieß. Der Getroffene mußte mit schweren Verletzungen ins Geisaer Krankenhaus gebracht werden.

Dom Auto getötet.

— Aus der Rhön. In dem Rhöndorfe Ober­weißenbrunn wurde die Frau des Altbürgermei­sters Enders beim lieber,feiten der Straße von einem Personenkraftwagen überfahren. Die 60jährige Frau trug Brüche und eine schwere Gehirn­erschütterung davon, die ihren Tod nach kurzer Zeit her­beiführten. ______

5enfrumsfagung.

— Worbis. Aus dem hier abgehaltenen Gau­tag der Zentrumspartei des Kreises Worbis wurde Amtsvorsteher Wand-Breitenworbis als Gauvor­sitzender wiedergewählt. In den erweiterten Vor­stand wählte man Dechant Vogt-Niederorschel, Amtsgerichtsrat Faßhauer - Worbis, Arbeiter Eckardt-Breitenbach, Stellmachermeister Rittmeier- Steinbach, Hauptlehrer Wallbraun-Gernrode, Ge­werkschaftssekretär Hen-Beuren und Kaufmann Bernhard-Leinefelde. An der Gauversammlung nahmen auch Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Landtagsabgeordneter Dietrich teil.

vorlrag über Reform des Stta Vollzugs.

Die Aufgaben des Geistlichen.

— Gersfeld. Die soziale Frauenschule Schwarz­erde hatte Herrn Major a. D. Etschei d-Weimar für einen Vortrag über den Erziehungsstrafvollzug gewon­nen. Der Vortragende konnte aus Erfahrungen in den Strafanstalten Ichterhausen und Untermaßfeld (Thürin­gen) und Waldheim (Sachsen), wo er zur Information lange Zeit weilte, sprechen. Das umfangreiche Thema wurde in seinen Hauptpunkten erörtert. Der preußi­schen Justizverwaltung, die die Massen der deut­schen ©efangenenanfta’ten zu betreuen hat, wurde die ungeteilte Anerkennung als Bahnbrecherin ge­zollt, besonders bezüglich der Schließung veralteter An­stalten. Um die Einwände aus Laienkreisen zu zerstreuen, unsere Gefängnisse sorgten allzusehr für Gemütlichkeit, wie man sagt für „fidele Gefängnisse", wurde die ganze Härte der Freiheitsentziehuw' geschildert, die nicht unnütz ver­bitternde Verschärfung brauche. Der Strafvollzug mit feinen Milderungen bei Bewäbrung fei heute, auf feine W'rkung hin, noch nicht endgültig zu beurteilen, ebenso auch nicht zu verurteilen. Die erzieherische Fürsorgearbeit muß aber Früchte tragen, wenn das Problem der Ar- beitsbelchassung für Entlassene zur Lösung kommen lall. H'e>- scheint aber noch völliges Verlagen vörzuliegen (4!4 Mill. Arbeitslose). ©ehr bedeutsam waren die Ausfüh- rungen über das harte Vorurteil vieler Arbeitgeber und Arbeitsgenossen gegen Vorbestrafte. Wenn hierin die Amtsstellen (Behörden) keine Revision der Anschauung, jeder Borbestrafte sei und bleibe ein Lump, vornähmen, dann ist die Erziehungsarbeit in den Strafanstalten ver­lorene Liebesmühe. Der Vortrag ergab, daß der Staat aus Selbstschutzrücksichten die gerechte Vollziehung der Freiheitsstrafe ebenso wie das Urteil pfleglichst zu behan­deln hat . Die Mitarbeit (hauvtamtlich) von Geistlichen wurde aus (Erfahrung anempfohlen. da gerade der Geist­liche die beste Eignung dazu aufweist.

Die Grotzskadk erwacht.

Der Nachtschnellzug fährt in die weite Bahnhofs­halle. Ich gerate in einen Menschenstrom, der von den vielen Bahnsteigen her zusammenfließt und sich auf den Bahnhofsplatz ergießt. Dort saugen ihn zahllose fahr­planmäßige und E-Elektrische auf und verteilen ihn auf die Arbeitsstätten der Großstadt.

Mein Ziel ist ein Vorort. Da ich noch viel Zeit habe, beschließe ich, ihn zu Fuß zu erreichen. Das füllt die anderthalb Stunden meiner Freizeit gut aus. Vom hell- erleuchteten Bahnhofsplatz begebe ich mich gemächlichen Schrittes in die nach links abgehende Hauptverkehrs­ader und sehe vor mir eine mehrfache, endlose Kette von Straßenlampen und «latenten. Eiligen Schrittes über­holen mich Männer und Frauen. Ich bilde mir ein, daß sie sich ein paar Augenblicke in ihrem gewohnten Gedankengange durch den ungewohnten Anblick eines in dunkler Morgenstunde dahinspazierenden Menschen stören lassen, denn der Großstädter achtet auf jeden Pro­vinzler, nur hat er keine Zeit, es sich merken zu lassen.

An einer großen Straßenkreuzung steht ein Schupo, nicht als Verkehrsschutzmann. Ein Nachtposten. Er denkt: „Ein Fremder, der viel Zeit hat und Bescheid weiß."

Die Geschäfte sind natürlich noch geschlossen. Die Fenster der über ihnen liegenden Wohnungen noch dun­kel.

Von den wenigen, die mir entgegenkommen, fallen mir drei kleine, etwa 10jährige Schülerinnen auf. Da es noch eine gute Stunde bis zum Schulbeginn ist, weiß ich, wohin sie steuern. Sie wollen offenbar in die Schul- meffe. Ihr Abbiegen nach rechts in eine Seitenstraße und der muntere Ton einer Glocke von rechts her be­stätigen meine Annahme.

Ich komme an einer großen Anlage vorbei. Das Viertel wird vornehmer. Links sehe ich den Turm einer

Kirche. Da und dort klopft ein dienstbarer Geist Decken und Teppiche aus dem Fenster einer herrschaftlichen Etage. Milchkarren und Milchautos kommen mir ent­gegen. An der anderen Seite des Platzes borniert wie ein Tank eines jener unheimlich großen Müllautos daher, das buchstäblich allen Kehricht und alle Abfälle aus den Haushaltungen auffaugj.

Und fortwährend überholen mich vollgepfropfte Elek- triscke. die dem Rande der Großstadt zultreben.

Die Straßen werden jetzt auf Normalbreite schmäler und nüchterner. Es treten mehr Leute aus den Häusern: Familienväter, Geschäftsmädchen, „möblierte" Herrn oder „Herrn auf Logis", Schulkinder u. a. m. Hier und dort rattert ein Rolladen in die Höhe. Der Barbierlehrling hängt den Teller heraus und kehrt die Stube. Aus den Bäckerläden kommt ein kräftiger Backgeruch und die Le­bensmittelgeschäfte stellen den Blumenkohl vor die La­dentüre und Apfelsinen- und Weintraubenkistchen aus die Fensterbank vor dem Schaufenster.

Der für die Volksbygiene so wichtige Straßenkehrer schiebt seinen breiten Piassavabesen in der Gosse vor sich her, daß es nur so m ü I m t und daß man zu atmen aufhören möchte. Dabei ist der eifrige Mann so in Ge­danken versunken, daß ich ihn erst zweimal fragen muß, welcher Weg nach Schönhof führt.

Unterdessen hat eine bleigraue Dämmerung der Dun­kelheit Platz gemacht.

Grau ist die schaffende Großstadt, grell die t a n z e n de. Unnatürlich scheinen mir beide. Unnatür­lich ist die Anhäufung in ihr, denn diese braucht und verbraucht Leben und kann es aus sich nicht ergänzen. Das Land muß ihr immer neues Leben geben.

2ch bin froh, als ich am Rande der Großstadt wieder einen Blick ins Freie habe. Ich stehe auf hoher Eifen­bahnbrücke und fchaue dem dahinsausenden Zuge nach: „Heute abend bringst du mich wieder aufs Land!"

I. K., Fulda.

Aus der Thüringischen Rhön

Aus Geisa und Umgebung.

Fuldaer Land und Unthhnrnohtot I in «*" wmf.

<3 Wlvwvl' VUIIV Ullv vvlvl Um Sein oberJtWfem bet oottstümlidien Keiterturniere.

Verdoppelung bet Gemeindebiersteuer abgelehnt.

- — Hanau. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung am Donnerstag mit großer Mehrheit eine Vorlage des Magistrats, die eine Verdoppelung der Gemeindebiersteuer in sich schließt, abge- lehnt. Nach her Verlage sollte die Steuer für Vollbier von 5 auf 10 Mk. und für Starkbier von 7.50 auf 15 Mk. erhöht werden. Die Gastwirteinnung hatte bereits in einer Protestversammlung gegen die Verdoppelung der Steuer Stellung genommen.

Ein Arzt als Opfer seines Berufs.

— Eschwege. Im Krankenhaus zu E s ch w e g e hatte sich der Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Dr. Oskar Bartels, bei der Behandlung eines Patien­ten, der an Wundrose erkrankt war. durch eine gering­fügige Hautverletzung infiziert. Es trat eine Blutvergiftung hinzu, an deren Folgen Dr. Bar­tels starb.

Wilddieberei auf moderne Art.

— Kassel. Eine neue Art des Wilderns im großen Stil hat in Crnfthusen in der Nähe von Kallel immer größeren Umfang angenommen Mit Autos 'uhren die Wilddiebe nachts in den Wald, blendeten durch das Licht der Scheinwerfer das autg»- fcheuchte Wild, das dann von den Wildschützen leicht abgeschossen werden konnte. Eine ganze Menge Rotwild und Hasen fiel den Wilderern in die Hände. Das erlegte Wild fand in mehreren Städten des Ruhr­gebiets guten Absatz. Ohne nach der Herkunft zu fragen, kauften die Händler jede ihnen anaebotene Ware wegen des b'lligen Preises. Die inzwischen feftgenommenen Wilderer haben allein in Gelsenkirchen 20 Rehe abge­fetzt. Gegen die Händler ist ein Strafverfahren einge­leitet worden.

erschoßen. Die Tat dürfte auf einen Nervenzusammen­bruch zurückzusühren fein.

— Vollstreckte Todesstrafe an einem — Bäten. Im Frankfurter Zoologischen Garten befand sich bisher ein Exemplar der großen und sehr seltenen Grislybären. Durch seine Zerstörungswut und seinen Jähzorn war er allgemein bekannt. Noch vor nicht langer Zeit zerr-ß er tn seinem Käsig nachts einen braunen Bären, den er fürchterlich zerfleischte. Da nun einige neue Bären an- gekommen sind und man in den nächsten Tagen >m Garten selbst junge Bären erwartet, entschloß man sich, den wilden und bösartigen Grislybären zu töten.

— Die 20-Millionen-Anlrihe genehmigt. Die Stadt­verordnetenversammlung genehmigte am Donnerstag abend in einer besonderen Sitzung die Ausnahme einer Anleihe bis zum Betrag von 20 Millionen RM„ die not­wendig geworden ist, damit die Deckungsmittel für die am 1. April d. I. fällig werdenden Schatzanweisungen aus dem Jahre 1928 bereit gestellt werden können. Es handelt sich zunächst um die formale Ermächtigung zur Aufnahme der Anleihe. Die Bedingungen werden erst mit dem An» leihekonsortium im Einverständnis mit dem Bezirksaus­schuß, mit dem zentralen kommunalen Kreditausschuß des Deutschen Städtetagcs, sowie mit dem Preußiichen Innen­ministerium und dem Preußischen Finanzministerium fest­gesetzt. ___________

Von Major a. D. Etscheit»Weimar.

Die erstaunliche Zugkraft des während der in den nächsten Tagen statt findenden landwirtschaftlichen „Grü­nen Woche" in Berlin veranstalteten internationalen Großturniers mit über 3000 Nennungen, das 12 Tage (bis zum 8. Februar) dauert, kann nicht darüber hinweg­täuschen, daß in der „Provinz" an eintägige Turnier- Veranstaltungen noch immer mit großem Bedenken her­angegangen wird. In diesen Tagen beratschlagen sämt­lichen provinzialen Reiteroereine in Stadt und Land darüber. Ein wesentlicher Vorteil gegeben, wenn der Turniersport bereits so volkstümlich verankert ist, wie in der Provinz Hessen-Nassau und insbesondere in Kurhessen, welche Reitsportgebiete seit Jahren sehr gute Sportkameradschaft und gegenseitige Anregungen mit dem angrenzenden Hessenland um Gießen und Fried­berg unterhalten. Man muß einmal mit einer falschen Auffassung radikal brechen, nämlich mit der suggestiv wirkenden Anschauung, daß nur bekannte Starter, so­genannte Kanonen, zugkräftig sind. Hier liegt eine Ver­kennung der eigenen heimischen Kräfte vor. Den Reiter­geist und den Pferdesport durch die schwere Wirtschafts­und Agrarkrise hindurchzuretten, sind nicht in letzter Linie die städtischen und ländlichen Reit- und Fahrvereine be­rufen. In H ssen-Nass au haben wir zwei Tur­nierplätze, die sich rühmen können, gewissermaßen internationale Bedeutung zu haben: Wildungens und Fritzlars „Reitende Batterieturniere" von Hauptmann Forst, die 1930 sehr starken internationalen Zuzug aus bekannten Großturnier-Sportkreisen erhiel­ten. Aber ihr eigentlicher Kern ist heimatlicher, boden- ständischer Art. Notzeiten haben das Gute, daß man sich auf eigene Kraft besinnt. Es ist daher ein Gebot der Stunde, bei Veranstaltungen volkstümlicher Leiter {e ft e die ländlichen Reiteroereine als vollwer-