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Beilage zur Fuldaer Zeitung
NILS
23. Januar
Vor einer alten Ahr...
Von Michel Becker, Köln a. Rh.
Du stehst in deinem braunen Kasten, Von schönen Blumen schön bestreut, Und lächelst über all das Hasten Mit dem wir stürzen durch die Zeit.
Wie eine Greisin, tief erfahren. Die nur gedämpft noch mit uns sprich! Von Dingen, die einst um sie waren, Schenkt deine Stimme warmes Licht.
Zuweilen muß ich nach dir lauschen Und fühle mich dir ganz verwandt: Ich höre viele Ströme rauschen Und keinen fängt die kleine Hand.
Der Weg ins Leben.
Lin Wort zu der Berufswahl unserer Kinder.
Von Otto B u r g e l - Düsseldorf.
Wenige Wochen noch und viele tausend Kinder werden aus der Schule ins Leben entlassen. Die schönste Zeit des jungen Menschen ist vorüber, er wird in das Wirtschaftsleben eingespannt und soll als Lernender seinen Mann stellen. Da tritt an viele Eltern die Frage heran, was soll ich meinen Jungen, mein Mädel lernen lassen? Eine Frage, deren weittragende Bedeutung sich alle Eltern ernstlich vor Augen halten sollten, besonders in der heutigen Zeit der Wirtschaftskrise von nie gekanntem Ausmaß, in einer Zeit die jede, irgendwie geartete Kalkulation auf die Zukunft unmöglich macht.
Vernünftige Erzieher, Eltern und Lehrer, stehen auf dem Standpunkt, man solle das Kind nach Möglichkeit selbst entscheiden lassen, soll vorsichtig schon beizeiten zu erkunden suchen, wohin sich Verufsneigung und Beruis- liebe wenden, um allenfalls durch geschickte und umsichtige Beeinflussung den Beruf zu erwählen, der später im Leben Befriedigung gewährt und glücklich macht. Mit einem diktatorischen Machtwort, wie es leider früher in vielen Familien üblich war, kann man diese Frage nicht aus der Welt schaffen, denn nichts ist niederdrük- kender im Leben, wie ein Berus, der keine Freude macht der aber auch in der Regel das Kind zu einem zweit- oder drittklassigen Arbeiter werden läßt, der es im Lebens- und Berufskampf nie zu etwas rechtem bringt
Diese Dinge wollen beachtet fein, besonders in einer Zeit, die die Qualitätsauslese mehr propagiert wie je Aber nicht nur die Berufsneigung des jungen Menschen sollte beachtet werden, sondern vor allem auch die Berufseignung. Es hat z. B. keinen Sinn, einen Jungen Schriftsetzer werden zu lassen, der schwach auf der Lunge ist, der nicht orthographisch schreiben kann oder der Anlage zu Plattfüßen hat, ebensowenig wie man ein Mädel auf ein Kontor setzen wird, das sich im Haushalt gut bewährt hat und das besonders kinderlieb ist Standesrücksichten, überholte Vorurteile, Familientradition und wie die Hindernisse bei der Berufswahl alle heißen mögen, darf es nicht geben. Wir sollten uns endlich einmal zu dem Standpunkt des Amerikaners auch im Berufsleben durchringen, daß jeder Arbeiter einerlei was er tut, wenn er es nach feinen Kräften und mit frohem Arbeitswillen verrichtet, ein anständiger Kerl ist. Einerlei ob Fensterputzer. Straßenkehrer oder Arzt, wer feine Pflicht erfüllt und seinen Mann steht im Wirtschaftsleben, ist ein brauchbares Glied der Gesett- schasi ihm gebührt Ehre und Anerkennung. Auf gau» lenzer Tagediebe und Menschen, die nichts rechtes gelernt haben, können wir verzichten. Der Arbeiter aber, der um fein tägliches Brot ehrenhaft ringt, soll uns willkommen fein.
Wer mit Gedanken dieses Ueberlegungsfreifes fein Kind in der Berufswahl unterstützt, der wird den rechten Weg schon finden, besonders wenn man sich der Hilfe der staatlichen Berufsämter bedient, die in ihren Einrichtungen heute gut in der Lage sind, zu sagen, welche Aussichten in einem bestimmten Beruf bestehen und
welche Möglichkeiten sonst einem Kind osfenstehen. Man füge sich ihrem Rat und wenn die Psychotechnische Eignungsprüfung. die heute beinahe mit jedem Lehrling für einen bestimmten Beruf vorgenommen wird, negativ verläuft, d. h. wenn das Berufsamt erklärt, das Kind wird es in diesem Beruf zu nichts rechtem bringen, dann glaube man schon der Erfahrung der Berufsberater, die doch täglich nicht ein Kind, sondern viele Hunderte im Laufe eines Jahres zu begutachten haben. Die Erfahrungen der Praxis, von verschwindend wenig Ausnahmen abgeschen, haben bewiesen, daß die Berufsberatung auf dem richtigen Wege ist. Andererseits fei man aber auch darum besorgt, daß das Kind einen Lehrmeister erhalt, bet dem es wirklich etwas lernen kann. Das Beste ist auch hier gerade noch gut genug. Es ist richt notwendig, daß ein Mechaniker oder ein Schlosser das Reifezeugnis eines humanistischen Gymnasiums besitzt, es ist auch ebensowenig nötig, daß er eine fremde Sparache spricht, daß sein Lehrherr jedoch über die modernsten Einrichtungen zur Ausbilduttg verfügt, das scheint eine Forderung zu fein, die man nicht laut genug erheben kann.
Und gerade in diesem Punkt wird bei uns noch manches zu bessern sein. Es sollte nicht gestattet werden, daß Lehrlinge im ersten Jahre ihrer beruflichen Tätigkeit bessere Laufburschen sind und gerade die Berufs- ämter sollten es sich auch angelegen fein lasten, b'e Eltern vor Lehrmeistern zu warnen, die keine Gewähr für eine wirklich fachliche Ausbildung ihrer Lehrlinge bieten. Deshalb Augen auf, bevor man Lehrverträge ab schließt, denn eine vorzeitige Entlassung aus dem Lehrverhältnis bringt für Eltern und Lehrling stets unangenehme Weiterungen mit sich, ganz abgesehen da
von, daß es auch schwer ist, für einen Lehrling, der schon irgendwo anders gearbeitet hat, eine zweite Lehrstelle zu finden.
Meine Hyazinthen bleiben sitzen...!
Von Gartenmeister B r a u m a n n-Erfurt.
Eine alte Klage so vieler Hausfrauen, die man immer und immer wieder hören kann. Was ist dagegen zu tun? In diesem Jahre gar nichts mehr, liebe Hausfrau, denn es ist schon ein großer Zufall, wenn eine sitzengebliebene Hyazinthe noch nachträglich ihre Blütenknospen öffnet. Aber im nächsten Jahr, bezw. im Herbst heißt es rechtzeitig vorbauen. Vor allem gute Zwiebeln zum Treiben nehmen. Groß und fest müssen sie fein. Jede Zwiebel soll genau auf das Glas paffen. * Zu große Gläser bewirken das vorzeitige ins Kraut schießen der Zwiebeln, zu kleine hemmen die Entwicklung. Dann Geduld beim Vortreiben. Die Zwiebeln dürfen nicht eher ans Licht als bis die Wurzeln den Boden des Glases berühren. Aber auch dann laste- man ruhig das schützende Papierhütchen noch einige Wochen über der Zwiebel. Das hemmt nämlich die Entwicklung der Blätter, die erst nach dem richtigen Aufblühen nachwachsen sollen. Zeigt sich der Blütenknopf, so kann man dem Wasser etwas Pslan- zennährsalz beifügen, damit der Wachstumsprozeß beschleunigt wird. Hyazinthen lieben Licht und warme Räume, deshalb lieber langsam zwischen den Fenstern treiben, wie das rasche Vortreiben am Ofen, das allenfalls Blüten bringt, die einen oder zwei Tag- halten. Geduld bringt nämlich nicht nur Rosen, sondern auch Hyazinthen. Man muß sie nur haben!
nie geheizt haben, ist viel besser, als die in den Vorderzimmern, freilich in der Form scheußlich: die zu bessern, langte diesmal das Geld nicht: aber ich tröffe mich, weil er hatt jo gut und sparsam heizt!
Im einzelnen kannst Du Dir nun sicher ein Bild machen? Komm recht bald und bewundere die findige Haus- srau und Innenarchitektin ♦
Deine D. E.
Die Frau in der Politik.
f. Die grauen bei den badischen Gemeindewahlen. Die vor kurzem, erfolgten Gemeindewahlen brachten unter insgesamt 1236 Stadtverordneten 81 Frauen in die Gemeindeparlamente. Das sino insgesamt 6,08 Proz. Sie verteilen sich, wie das statistische Landesamt angibt, auf alle größeren Parteien, mit Ausnahme der Nationalsozialisten, die ja grundsätzlich die weiblichen Kandidaturen ablehnen. Das Zentrum hat unter 286 Mandaten 32 Frauen, also etwas mehr als 1 Proz., und nur eine Stadt der Städteordnung ist ohne Zentrumsvertreterin geblieben. Die Sozialdemokraten haben unter 227 Mandaten 21 Frauen oder 9,25 Proz., die Kommunisten unter 139 22 Frauen oder 15,0 Proz., die Staatspartei hat unter 67 3 Frauen oder 4,49 Proz, und der Evangelische Volksdienst unter 51 2 oder 3,92 Proz., die Volkspartei ebenfalls 2 unter 32 oder 6,25 Proz., die deutschnationalen Frauen gehen leer aus, ihre Partei hat 20 Mandate — denn der Pest von 2 fällt zwei kleinen Wirtschaftsgruppen zu. Die höchste Zahl der weiblichen Vertreter hat Konstanz mit 8, es folgen Karlsruhe, Freiburg und Heidelberg mit je 7, Mannheim, Baden-Baden, Durlach, Bruchsal und Singen weisens auf. Dem Beruf nach sind 44 Hausfrauen, 14 Arbeiterinnen, 10 Lehrerinnen, 7 kaufmännische Angestellte, 3 Geschäftsftauen und eine Aerztin. 3 Frauen sind beruflich Vorsitzende sozialer Organisationen. K. Ph.
Die Frau im Beruf.
Lin neuer weiblicher Arbeitsrichler. Die Vorsitzend« der Reichshausfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Frau Emily Brügger, Berlin, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1931 auf die Dauer von drei Jahren zum Arbeitsrichter berufen.
Die Frau in der Lüche.
f. Seezungen zu kochen. Man schuppe die Fische, nimmt sie aus, wäscht sie innen und außen gut ab und salzt sie, worauf sie eine ober zwei Stunden liegen bleiben. Eine Zwiebel, zwei Lorbeerblätter, Pfefferkörner und Salz gibt man in kochendes Woster, legt die Fische hinein und läßt sie einige Minuten kochen. Dazu gibt es eine Tunke wie folgt: Gute Mehlschwitze verrührt man mit Fischwasser, läßt einige feingehackte Sardellen darin aufkochen, gibt noch etwas Butter, Sahne ober ein Eigelb daran und serviert die Fische mit Salzkartoffeln.
f. Gebackene Schollen. Kleine Schollen werden wie die Seezungen oorgerichtet, dann zwei Stunden in stark gesalzenes, mit etwas Essig vermischtes Wasser gelegt. Vor dem Backen trocknet man die Schollen ab, wälzt sie in geschlagenem Ei, dann in geriebenem Zwieback und bratet sie in offener Pfanne hellbraun. Will man das Ei ersparen, wälzt man die Fische in Mehl. Kopfsalat und Salzkartoffeln oder Kartoffelsalat ergibt die Beigabe.
Die praktische Hausfrau.
verrostete Schlittschuhe werden wieder blank
wenn man sie mit Petroleum und einem Wollappen abreibt. Darauf wird mit Salz und feinem Putzsand nach- gescheuert, solange bis jeder Rostansatz verschwunden ist. Die Schlittschuhe sind bann gut einzufetten und nach jedesmaligem Gebrauch sorgfältig abzureiben. Wenn nötig, muß der Fettbelag mehrfach in einem Winter wiederholt werden.
Me man eine Alkwohnung ohne große Losten modernisiert.
Liebe Anna, nochmals herzlichen Dank, daß du uns unsere Jungen während unserer Umräumerei so gut behütet hast! Sie kamen wohl und vergnügt hier an — und ihr fassungsloses Erstaunen beim Anblick der allen neuen Wohnung hat mich für viel Arbeit und Kopfzerbrechen entschädigt, noch mehr ihre Seligkeit, nun einmal endlich richtig Platz zu haben!
Du wirst mir das nicht recht glauben nach meinem letzten Brief, als ich Dir etwas bedrückt meldete, daß wir nun doch für dauernd in der Wohnung bleiben werden, die wir jetzt zwei Jahre „möbliert* gemietet hatten: es war mir doch recht schwer, alle Träume an etwas ganz modernes aufzugeben! Nun, wir kauften wenigstens nicht die Katz im Sack — wir kannten alle Fehler gut genug! Und darauf baute ich meinen Aenderungsplan.
Wir hatten die zwei Südzimmer, „Salon* und Eßzimmer, und auf der anderen Seite des dunklen Ganges nach Norden: Küche und Schlafzimmer, in dem wir mit den Kindern schliefen und das deshalb so voll Möbel war, daß auf dem Gang die Schränke standen — ein unhaltbarer Zustand: ich glaube bestimmt, daß die vielen Halsgeschichten der Jungen durch bas ungesunde Schlafzimmer verschuldet waren: ach, und wenn mal jemand krank wurde! Daran mag ich gar nicht zurückdenken!
Ich habe also resolut die ganzen Vorderzimmermöbel verkauft — wir haben nun weder Bufett noch Kredenz, noch Ausziehtisch, keine Klubsessel und keine Rauchgarnitur mehr: ich habe (außer für zwei wichtige Anschaffungen) nicht mehr ausgegeben, als die Sachen brachten; sogar die Teppiche und Stores.und Uebergarbinen wurden mit versteigert.
Die zwei Südzimmer wurden Kinderzimmer und unser Schlafzimmer; die Buben haben zwei moderne Klappbetten, einen großen allen Küchentisch, der sich gestrichen und mit Linoleum belegt, sehr gut als Bastel- und Arbeitstisch präsentiert und zwei große auch grüngestrichene Schränke und ehemalige Küchenstühle — sonst nur viel Platz: ganz leichte, einfarbige, selbstgenähte und garnicht drapierte Sonnengardinen hab ich an allen Fenstern und
statt Teppichen in allen Räumen „Stragula", den billigen modernen Linoleumersatz. In unferm Schlafzimmer daneben hab ich die alten Betten von aller Schnitzerei befreit und ebenfalls streichen lassen, auch Schränke und Stühle, Fensterrahmen und Türen im selben kräftigen Grün; beide Zimmer haben die gleiche, sehr ruhige Tapete und geweißte Decken; waschen müssen sich alle im Bad.
Jetzt wunderst Du Dich hoffentlickund erinnerst mich, daß unsere Wohnung ja gar kein^Kad hatte! Siehst Du, das ist die eine „nötige Anschaffung*: ich hab von der übergroßen Küche fast die Hälfte durch eine Wand ab» geteilt und hier eine Badewanne, in die Einsätze zum Waschen gesetzt werden. Die Küche ist immer noch ausreichend groß, weil der gänzlich veraltete Herdheraus- gekommen ist; statt dessen hab ich einen kleinen Gasherd und für den Winter die Grude (bas ist die andere Anschaffung» die ich mir über den Erlös der Möbel hinaus leisten konnte, weil wir keine Umzugskosten hatten!). Die Küchenmöbel sind so modernisiert und vereinfacht wie die im Schlafzimmer. Der dunkle Gang ist jetzt völlig leer, ganz hell tapeziert und enthält nur einen Schirmständer und Kleiderablage; das letzte Stück ist auch durch eine Bretterwand abgeteilt, hinter der Besen, Eimer, Leiter, Wäschetruhe, Koffer nun endlich einen Platz haben. Am stolzesten aber bin ich über die Veränderung des ehemaligen Schlafzimmers: es enthält einen kleinen Eßtisch und ein paar Stühle, wie es unserem Bedarf entspricht, selbst wenn mal abends ein paar Freunde kommen; und, aus einer Matratze vom Schreiner hergestellt, ein bequemes Liegesofa, wo sogar mal einer der Jungen schlafen kann, wenn der andere hustet. Am Fenster im Schlafzimmer steht mein Nähtisch, hier im Wohnzimmer ein ganz einfacher Schreibtisch, nämlich ein ehemaliger Tisch mit großer Schublade, die durch Zwischenwände geteilt ist; er hat auch eine Linoleumauslage. Wie im Gang habe ich hier ganz lichtgelbe Tapete, gelb gestrichenes Holzwerk und eine moderne Deckenbeleuchtung, wodurch auch dies Nordzimmer freundlich wirkt. Der Kachelofen, den wir früher
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verwenden. Nivea-Kinderseife wird nach ärztlicher Vorschrift hergestellt: schonend dringt der reiche Schaum in die Hauiporen ein und macht sie frei für eine
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Und zwar vorher einrejben. bevor Sie In die rauhe Luft hinausgehen. Nivea-Creme dringt vollkommen in die Haut ein, ohne einen Glanz zu hinterlassen. Sie kräftigt und belebt die Haut und macht sie widerstandsfähig gegen Wind und Wetter. Nivea- Creme verhindert, dass die Haut rissig und spröde wird. Reiben Sie auch allabendlich vor dem Schlafen
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An rauhen Tagen, beim Wintersport
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Farbige Bestecke.
Line Studie von Dr. Karl Theo Haan en.
Linst.
Längst hatte die Menschheit Ewigkeitswerte, Denkmäler dauernder denn Erz, geschaffen, ohne den Gebrauch des Tafelbestecks zu kennen. Horaz hät nut der lieblich plätschernden Lalage den Tee eingenommen, Eft- saß beglückt und selig lächelnd beim Hochzeitsesien neben Lohengrin, Könige empfingen die Gesandten ferner Lander und gaben Urnen Feste, — nirgendwo war eine Gabel oder ein Messer zu finden. Da legten die Diener und Dienerinnen dem Gaste die Sneisen vor und we»-n vas Stück allzu dick war, dann zog der Eingeladene ein Kesser aus der Tasche, das er auf der Jagd brauchte und teilte das Fleisch. Erst später kam einer auf den Gedanken urti> teilte das Messer. So entstand die Gabel. Und wieder verging eine Zeit, bis jeder Messer und Gabel vorfand. An den Hosen der Könige und Fürsten, in den Palästen der reichen Handelsherren und Kardinale zog das Besteck ein. Die Goldschmiede aber faßten es in Gold und Elfenbein, legten das Heft mit kostbaren Steinen aus, schufen Abarten, die man in die Tasche stecken konnte, — Künstler schnitten lustige Putten und ernste Magistratsherren in Elfenbein und Bergkristall, betende Heilige hielten fromme Wacht Jagd- fzenen ließen nach fröhlicher Sauhatz Erinnerungen auf- tauchen. Und einer von den Künstlern, der fand, daß
man Gabel, Messer und Löffel auch in buntes Porzellan fassen könnte, — da blühten grünumrankt die Roschen und sehnsuchtsvoll Vergißmeinnicht, lustige Ornamente liefen über weiße Flächen, — alles war leicht und froh. Es war ja überhaupt eine fröhliche, unbetümmerte, lust- erfüKte Zeit, diese Tag« der Seligkeit und der Lebensfreude, diese Tage des Barocks und des Rokokos.
Jehl.
Aber es blieb nicht bei den Wasserspielen, b*t den musizierenden Engelchen, bei den Reifenröcken, beim Menuett und der Ouadrillie. Unaufhaltsam stürmte die Zeit und brachte Maschinen und sozialen Umschwung und breit gelagerte Lebensbedürfnisse. Der Kreis der Kulturträger stürbe größer und mit ihm wurde Besteck vom hohen Piedestal des Luxusinstrumentes gestürzt, — es wurde Gebrauchsgegenstand, — wie die Teller, die Leiter, die Bürste, — es stieg in die Niederungen der Einfachheit. Es legte ab das vornehme Gewand des Silbers, des Elfenbeins, des Goldes und zog an die Kleider des Alpakas, des Ebenholzes, des Hornes. Ja, man ließ den Hammer niedersaufen und schlug Messer und Griff mit einem einzigen Schlag Noch versuchte man ähnlich wie bei Bankgebäuden, Domen und Theatern verklungene, verstorbene Stile nachzuahmeit, — man klammerte sich ängstlich an Ornamente und Ornamentchen einer verflossenen Periode und all die Rosen und Roschen, die Muscheln und Müschelchen fanden sich getreulich im Besteck wieder. Bis der eine oder andere mutige Architekt vorstieß, und neue Formen
suchte. Auch im Besteck ließ man Sachlichkeit und Einfachheit hervortreten, kämpste aber vielfach gegen Windmühlenflügel, nur schwer ging das Publikum mit und die auf Umsätze und geschäftliche Erfolge angewiesene Industrie blieb lieber bei dem altgewohnten, leicht Verkäuflichen. So zieren auch heute noch das ff ab en* und das Rosenmuster, bas Backen- und das Berliner Besteck den Tisch des Bürgersmannes, selbst das etwas lebhaftere Cellhorn konnte nur mäßige Bewegung in das Weiß und Grau des Alltags bringen. Im Uebrigen erfüllten Gabel, Messer und Löffel ihren Zweck, sie brachten die Speisen und hatten damit ihre Schuldigkeit getan.
Morgen.
Aber es war mit diesen „oppositionellen" Ansätzen doch schon einen große nSchritt nach vorne getan. Es war der Menschheit dokumentiert, daß irgendwo neue* Kräfte schufen, daß das Althergebrachte nicht etwas Endgülliges, Gottgewolltes, Unabänderliches ist. Das Cellhorn und das Galalith hatten den Weg geebnet, modernen Innen- und Außenarchitektur hatten Ziele aufgezeichnet, denen sich weder Gardinen noch Teppiche, weder Schreibtisch noch Brieföffner, am allerwenigsten aber das Besteck verschließen konnten. Auf einmal ging ein großer, verlangender Schrei durch das Volk, — je dunkler der Tag, um so Heller und farbenfroher sollte die Umgebung fein. Zögernd wagte sich die Farbe in die Besteckindustrie, — bet Obstbestecken fing es an, — u. dann kam einer auf den Gedanken, daß in die farbige
Küche, tn die beglückende Sinfonie von Licht, Sonne und spiegelnden Reflexen eigentlich auch das farbige Besteck gehörte. Und — schlagt mich tot, wenns anders ist, — hättet ihr den nicht vor einem Jahrzehnt noch für einen Vollblutidioten gehalten, der ein Küchenmesser oder ein Brotmesser mit einem blauen, mit einem gelben oder gar mit einem roten Griff herausgebracht hätte. Und diese Küchenutensilien werden gekauft, werden gern gekauft, machen im Kranz obligater Hochzeitsgeschenke — Kristalloasen, Silberschalen, Aschenbecher und Blumenkörbe — einen fabelhaften Eindruck.
Wie die Küche, so glänzte das farbige Besteck auch auf dem Eßtisch, — es fühlt sich zwischen den roten Aepfeln, den blauen Trauben, den gelben Bananen so recht «ie zu Hause. war sich feiner nvuc-n Aufgabe bewußt, Licht und Freude in des Alltags X^rau zu bringen. Nun war es nicht mehr der nebensächliche Gegenstand, der in bescheidener Zurückhaltung sich hinter Tellern verkroch, seine dienende Stellung mar aufgegeben. Von den Menschen aber wandten sich die Neunmalklugen entsetzt von dieser „blödsinnigen Neuerung" ab. Die anderen zögerten, — wenn Tante Frieda aus Köln ober Kusine Hedwig aus Charlottenburg ihr fachmännisches Urteil abgegeben Haden, dann konnte man, ohne sich zu blamieren, der Frage einer Anschaffung näher treten. Ein kleiner Kreis aber, Freunde der Sonne und der jubilierenden Farbe, — der kaufte die farbigen Bestecke, — er fühlte, wie eine köstliche Melodie aus ihnen aufftieg.