Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Ar. 17
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Donnerstag, 22. Januar 1931.
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58. Zahrg.
Die große Polen-Debatte in Genf
Die Anklage-Rede des deutschen Außenministers.
Sn Genf hat sich am Dienstag in der Debatte über die Abrüstungsfrage eine bemerkenswerte Ueberoinstimmung der Meinungen gezeigt. Die Ausführungen des deutschen Außenministers, ferner die Darlegungen des Vertreters Englands, Henderson, und des Vertreters Italiens, Grandi, sind hier schon mitgeteilt worden. Auch Briand, der Sprecher Frankreichs, der später das Wort ergriff, hielt eine Abrüstungsrede. Daß er erneut erzählt, Frankreich habe Lurch den Umbau seiner Heeresorganisation bereits Beträchtliches in der Abrüstung geleistet, daß er dabei mit geradezu lächerlichen Zahlen aufwarte und daß er schließlich auch mit deutlichem Seitenblick auf Deutschland und Italien von Demonstrationen des Hasses sprach, muß wohl zu dem Metier eines französischen Außenministers gehören. Aber gut war es, daß er ausdrücklich den Artikel 8 des Völkerbundes als eine heilige Verpflichtung aller V ö l k er bezeichnete, und der Fortschritt lag in dem Anerkenntnis, daß die Abrüstung wegen der Sicherheit gefordert werden müsse. Wollte er sich tatsächlich der deutschen, seit einiger Zeit auch von England und Italien vertretenen These nähern, daß die Abrüstung ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheit ist? Außerdem versprach Briand, was ebenfalls erfreulich und tröstlich ist, daß die Abrüstungskonferenz, die nur die erste ihrer Art sein werbe, nicht nur eine Begrenzung der Rüstungen, sondern auch eine ernsthafte Herabseßung des allgemeinen Rüstungszustandes herbeiführen und man nach späteren Konferenzen zu voller Gleichheit aller Rüstungen zu Wasser, zu Lande und zur Luft gelangen werde.
Was die übrigen Redner sagten, nvar nicht von Bedeutung, außer daß Herr Z a l e s k i, der für Polen hier gutes Wetter machen möchte, den Beitritt seines Landes zu der Fakultativklausel des Haager Gerichtshofes verkündete. Es war auch höchste Zeit damit.
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Am Dienstag nachmittag hielt die Europa- Konferenz eine Sitzung ab, in der u. a. Außenminister Dr. C u r t i u s über die Agrarprobleme sprach. Die Europakonferenz nahm ohne Aussprache den bekannten Vorschlag des Ausschusses, die europäischen Nichtmitglied er st aaten des Völkerbundes zu den Arbeiten der Europakon- strenz über die Wirtschaftsfragen einzuladen, an. Der norwegische Mnisterpräsident Mohwinckel erklärte kurz,' er halte diese Einladung ' für verfrüht. Es wäre besser gewesen, wenn die Konferenz zu dem Memorandum der dänischen Regierung, das konkrete Vorschläge über Arbeitsmethoden enthalte, Stellung genommen hätte und wenn erst snüter c ? E nladung an Rußland und Lei Türkei eraangen wäre Diesem Bor's halt, der von dem Präsidenten der Konferenz, Briand, zur Kenntnis genommen wurde, schlossen sich die Vertreter Belgiens, Spaniens, Hollands, Schwedens, Jugoslawiens und der Schweiz an. Durch, die Annahme des Ausschußantrages hat sich die Konferenz dafür entschieden, daß durch den Generalsekretär des Völkerbundes für die nächste Konferenz des Studienkomitees für die europäische Einigung Einladungen an die genannten Staaten ergehen.
Ann zu Polen.
Im Völkerbund haben Mittwoch früh in öffentlicher Sitzung die Verhandlungen über die deutschen Beschwerden bezüglich der Terrorakte während der Wahlzeit in polnisch Oberschlesien begonnen.. Daß es sich um eine der bedeutungsvollsten Sitzungen handelt, die — neben der Abrüstungsfrage — alle anderen zur Verhandlung kommenden Fragen mehr oder minder in den Hintergrund drängt, geht aus dem großen Andrang des'Publi- k u m s und der Presse hervor. Die Tagesordnung weist zwei Punkte auf: 1. die Noten der deutschen Regierung vom 27. November und vom 12. Dezember 1930 über öie „ß a g e b e r ö e u t f d) e n 3R tn= ber f)eit in ber Wojwobs a f t Schlesien (Polen)"; bamit verbunben ist bie Petition bes beuifchen Volksbunbes vom 7. Januar 1931. Als 2. Punkt steht auf ber Tagesorbnung bte Note ber
deutschen Regierung vom 17. Dezember 1930 über die „Lage der deutschen Minderheit in der Wojwodschaft Posen und Pome- r e l l e n (Polen)".
Pünktlich um 10,30 Uhr erschien Dr. Curtius im Saale. Etwa 10 Minuten später folgte Z a l e s k i, begleitet von einem Stabe von polnischen Beamten. Der Vorsitzende Henderson eröffnete daraufhin die Sitzung und erteilte dem deutschen Außenminister das Wort.
Dr. Curtius
führte u. a. aus: _
Die deutsche Regierung war sich der Tragweite ihres Schrittes bewußt, als sie zum ersten Male von sich aus den Rat zum Schutze einer Minderheit anrief. Wenn sie nicht die Beschwerde der Minderheit abwartete, so tag der Grund in der überragenden Bedeutung und dem besonderen Charakter der Vorkommnisse, die sich im November vorigen Jahres in Oderschlesien und auch iri Posen und Pommerellen abgespielt haben. So oft auch in der Vergangenheit die deutsche Minderheit durch Unterdrückung und Gewalttaten gelitten hat, alles wurde doch übertroffen durch das Maß der Leiben, das bie beutfche Bevölkerung in Polen (währenb ber polnischen Wahlen) über sich har ergehen lassen müssen. Das Gesamtbild der Geschehnisse ließ deutlich erkennen, daß die Gruppen, die hinter dem Wahlterror standen, offenbar glaubten, jetzt eine entscheidende politische Niederlage des Deutschtums herbeiführen zu können. Ich bringe mit allem Nachbruck darauf, daß der Völkerbundsrat ohne Rücksicht auf das Land, das bie Sache begangen hat, gemäß feinen Garantiepflichten für bie Durchführung ber Minberheitenrechte sorgt. So sehr es uns barauf ankommt, bie Garantiepflicht bes Völ- kerbunbes wirksamer zu gestalten, fo wenig ben- ken wir daran, zu leugnen, baß uns mit ben Deutschen, bie jetzt jenseits ber Grenze unter frember Souveränität leben, ein starkes inneres Banb verknüpft. Daher bie ungeheure Erregung in Deutschland. In den polnischen Darlegungen sehe ich nicht ein einziges Argument, das diesen Standpunkt erschüttern könnte. Die deutsche Regierung hat nicht erwartet, schon 8 Wochen nach ben feierlichen Erklärungen in diesem Saale über die wirksamste Garantie des Minderheitenschutzes sich zu einem außergewöhnlichen Schritte entschließen und die Aufmerksamkeit des Bölkerbundsrates auf Dinge richten zu müssen, die in schroffem Gegensatz zu den von der Gesamtheit der Völkerbundsmächte niedergelegten Grundsätzen stehen. Es ist zu befürchten, baß, wenn es bem Völkerbunbsrate nicht gelingt, ähnlichen Vorkommnissen in ber Zukunft vorzubeugen unb für bie Vergangenheit volle Sühne für bas Geschehene zu schaffen, bas Vertrauen ber Minberheiten zum Völkerdunb als bem Hort ihrer Rechte unwiderbringlich verloren gehen wird. Der traurige Katalog der Gewalttaten ber Minberheitsbeschwerbe zeigt, baß von ber körperlichen Bebrohung bis zu ber Zerstörung von Eigentum unb jeber Art von moralischem Zwange jedes Mittel angewandt worden ist, um die Deutschen ihrer politischen Rechte in Polen zu berauben.
Die hauptsächlichsten Fälle dieser Gewalttaten sind durch die ganze deutsche und zum Teil durch die internationale Presse gegangen unb non aus« länbischen Berichterstattern an Ort unb Stelle bestätigt worben. Der Minister erinnert an ben Terror von Hohenbirken, an bie Mißhandlungen des 60jährigen Landwirts Erezke in Oberwilza, Hunold in Sohrau, sowie an die Terrorisierung der deutschen Bevölkerung in Golassowitz, wobei er hinzufügte, wenn die dort hervorgerufene Erregung ber Bevölkerung bebauerlicherweise zu dem Tobe eines unbeteiligten polnischen Polizisten geführt habe, so sei inzwischen burch bas Gericht festgestellt worden, daß der Polizist nicht, wie behauptet war, durch Deutsche, sondern durch Angehörige ber Mehrheit erstochen worben ist. In allen Fällen, so erklärte Dr. Curtius weiter, habe bie polnische Polizei entroeber die Ereignisse geschehen lassen ober sogar selbst gegen bie Minberheit ein« gegriffen. Ein Blick in bie Beschwebbe ber Minderheit zeige, daß während und kurze Zeit vor den polnischen Wahlen in ganz Ost-Oberschlesien eine
Auf energisches Verlangen Deutschlands, Italiens urtb Englands ist jetzt Rußland zur Teilnahme an den Wirtschaftsverhanblungen eingeladen worden.
Genfer Honig für ben Ruffen-Bär.
Welle bes polnischen Terror über bie schutzlose beutfche Bevölkerung hinweggebraust ist. Wenn jetzt manche Einzelheiten ber Fälle, insbesonbere bie Beteiligung einzelner Polizeiorgane in ben Gegenbemerkungen der polnischen Regierung bestritten werden, so ändere das nichts an dem G e - famtbilb der Ereignisse, das in der öffentlichen Meinung der Welt feststeht. Letzten Endes werde das ja auch von der polnischen Regierung selbst zugegeben, dadurch, daß sie nicht weniger als 9 9 Strafverfahren und 17 Disziplinär- verfahren eingeleitet hat. Vor allem aber verweise er auf die Beweisaufnahme, die nach ber Eingabe ber Minberheit von dem Präsi - b entere ber gemischten Kommission in bem Verfahren gemäß Artikel 585 ber Genfer Konvention veranlaßt worden ist.
Was die Vorfälle in Oderschlesien zu einer Einheit verbindet, was ihnen ein ganz besonders Gepräge gibt, ist, so fuhr Dr. Curtius fort, bie Tatsache, daß sie von einem einheitlichen, geschlossenen Willen getragen waren, ber sich gegen bas Deutschtum richtete. Frappant ist bie Tatsache, daß die Tejtor-Aktion sich wochenlang in aller Oesfentlichkeit abspielen konnte, ohne daß der oberste politische, verantwortliche^Beamte des Gebietes, der Wojwode, einschritt, obwohl er mehrfach ebenso wie der Innenminister von der Minderheit um Einschreiten gebeten wurde. Der gleiche Vorwurf mangelnder Gewährung des jedem Staatsbürger zustehenden Schutzes trifft die anderen hohen und niedrigen Beamten, welche die ihnen zur Verfügung stehenden staatlichen Machtmittel zum Schutze der Minderheit gegen den Terror nicht einfetzten.
Besonders charakterisiert wird aber die ganze Schwere der Sachlage durch systematische Aktion gewisser Verbände. Mit allem Ernst muß ich hierbei auf ben Ausstänbischen-Ver- banb Hinweisen, denn in unseren Noten ist betont worben, welche Rolle ber Ausstänbischen- 93erbanb bei ben Terrorakten gespielt hat. Dieser Verband, der mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird, ist eine halbmilitärische Organisation. Sie untersteht nach § 68 ihrer Satzungen in militärischen Angelegenheiten den Militärbehörden und stammt noch aus der Zeit der polnischen Aufstände in Oberschlesien. Sein militärischer Charakter ergibt sich daraus, daß er ständig Waffenübungen und Manöver abhält, daß feine Mitglieder die Befugnis haben, besondere Uniform zu tragen unb einen Eid leisten müssen und dergleichen mehr.
Mögen im klebrigen die Satzungen des Verbandes sein, welche sie wollen, er würde uns nicht in dem Maße interessieren, wenn nicht ber enge Zusammenhang mit den staatlichen Behörden bestände. Der Aufständigen-Verband findet nicht nur Unterstützung durch die unteren lokalen Verwaltungsbehörden, er wird vielmehr auch begünstigt und gefördert durch die ober st e n Behörden der Wojwodschaft, denn Ehrenvorsitzender des Verbandes ist der Wojwode von Schlesien. Aus seinen Reden, in denen er sich immer wieder zu den Grundsätzen des Aufständigen-Verbandes bekannt hat, entsteht nach außenhin ber Eindruck, daß die Autorität der Regierung hinter denjenigen Elementen der polnischen Bevölkerung stehe, die den Kamps gegen das Deutschtum zu ihrer Parole machten. Wie wirksam die Betätigung der Auf- ständigen war, ergibt sich daraus, baß ihnen nach Abschluß der Wahlen vom Vorsitzenden des Verbandes Dank und Anerkennung ausgesprochen wurden.
Die polnische Regierung bestreitet, so führte Dr. Curtius weiter aus, in ihren Bemerkungen nicht, daß bie Angehörigen der deutschen Minderheit im Wahlkampf unter der Tätigkeit ^des Aufständigen Verbandes zu leiden haben. Sie behauptet, nur die Aktivität des Verbandes habe sich lediglich gegen die „Deutsche Wahlgemeinschaft" gerichtet, deren Loyalität bestritten wird. Die „Deutsche Wahlgemeinfchaft" ist die i n n e n p o l i t i s ch e Organisation der Deutschen, üln ihrer Loyalität kann nicht gezweifelt werden. Mit dem „Aufstän- digen-Verband" müsse sich der Völkerbund eingehend befassen. Das System müsse geändert werden, und in ber Verwaltung sei personelle Gewähr für unparteiische Handhabung der Minderheitenschutzbestimmungen zu schaffen.
Der Rat darf sich nicht durch das Argument beeinflussen lassen, daß es ber beutschen Minderheit nicht schlechter ergangen fei als anderen Gruppen der Opposition. Ich bin weit entfernt davon, solche inneren Angelegenheiten vor diesem internationalen Forum berühren zu wollen. Anders liegt die Frage allerdings schon hinsichtlich der übrigen Minderheiten, wie z. B. der ukrainischen. Wenn sich die Aufsehen erregenden Nachrichten, die über bie auch hier verübten Gewalttaten burch die internationale Presse gegangen sind, bestätigen, so wird sich ber Rat auch mit biefen Dingen beschäftigen müssen. Auf keinen Fall aber kann mit bem Hinweis auf bie Behandlung anderer Minoritäten das Vorgehen gegen die Deutschen in Oberschlesien entschuldigt werden. Die Deutschen in Oberschlesien haben ihre besonderen verbrieften Rechte, die nicht willkürlich durch eine allgemeine Herabdrückung des Niveaus der Rechtsordnung beeinträchtigt werden dürfen. Es ist jetzt hier allein zu unterfuchen, ob diese Rechte verletzt sind.
Die Deutsche Regierung hat, so führt Dr. Curtius fort, in einer dritten Note auch die Wahlen in Posen und Pommerellen zur Sprache gebracht, wo die Eingriffe in bie freie Ausübung des Wahlrechts ber Deutschen fast, noch graoierenber als in Oberschlesien sind. Der Minister erinnerte baran, daß im Wahlbezirk 29 vor ben Wahlen 12 in ber Wahlagitation sührenbe Deutsche verhaftet unb zum Teil wochenlang in Haft geblieben finb, daß im Wahlbezirk Graubenz die gesamte deutsche Liste infolge willkürlicher Beanstandungen vollwertiger Unterschriften für ungültig erklärt wurde, was den
Ausfall von etwa 30 000 Stimmen bewirkte, daß in demselben Wahlkreis die Wahlberechtigung von Taufenden von Minderheitsangehörigen mit der Begründung beanstandet wurden,, sie besäßen nicht die polnische Staatsangehörigkeit, unb baß enblich in ber ganzen Wojwodschaft Pommerellen der deukfchen Minderheit die Veranstaltung einer ordnungsmäßigen Wahlprcpaganda unmöglich gemacht wurde.
Die polnische Regierung hat, so fuhr Dr. Curtius fort, in ihren Gegenbemerkungen darauf Hinweisen zu können geglaubt, daß alle die traurigen Vorkommnisse in Oberschlesien, deren erheblichen Umfang sie nicht bestreitet, mehr oder weniger auf deutsche Verantwortlichkeit zurückzuführep sei. Sie spielt dabei sehr deutlich auf politische Bewegungen in Deutschland an, bie gegen die Integrität bes polnischen Staates gerichtet seien. Aber Deutschland d en k t nicht daran, seine Ziele mit anderen a l s vertraglichen Mitteln verwirk! ich e n zu wollen. Ebenso einig wie über die politischen Ziele selbst ist sich das ganze deutsche Volk über die unbedingte Innehaltung friedlicher Methoden.
Weiter wies der Minister die Behauptungen zurück, daß das polnische Volk ganz spontan gegen politische Bewegungen in Deutschland mit diesen abscheulichen Vorkommnissen gegenüber loyalen Staatsbürgern deutschen Volkstums reagiert hat, dzw. daß die Aufregung der polnischen Bevölkerung in Ost-Oberschlesien auf beutfche Maßnahmen gegen bie polnische Minderheit zurückzuführen sei. Die polnische Gegenbemerkung spielt, fo sagte Dr. Curtius weiter, auf Vorkommnisfe in verschiedenen kleineren Orten an den Grenzen bes polnischen Korridors an. Ich könnte es mit vollem Recht ablehnen, mich auf Anschuldigungen einzulassen, mit Bezug auf Gebiete, in denen für Deutschland keinerlei rechtliche Verpflichtung besteht. Da aber gerade Deutschland es immer gewesen ist, das über geltende Verträge hinaus bie allgemeine moralische Idee des Minderheitenrechts in den Vordergrund gestellt hat, verzichte ich gerne darauf, mich hier auf die Unzuständigkeit bes Rates zu berufen. Ich habe feftgeftellt, daß in keinem der in der polnischen Gegenbemerkung erwähnten Fälle von irgend einem Verschulden oder Versagen der Behörden die Rede fein kann.
Wenn der polnischen Regierung so fuhr Dr. Curtius fort, daran liegt, einen Vergleich zwischen der deutschen Minderheit in Polen unb der polnischen Minderheit in Deutschland zu ziehen so kann mir nichts erwünschter sein. Ich glaube, daß die völlig freiwillige, an keinerlei Verträge gebundene großzügige Minderheitenpolitik der preußischen Regierung, insbesondere auf dem Gebiete des Schulwefens, etwas anderes verdient, als wegen irgendwelcher Einzelvorkommnisse verdächtigst zu werden. Der Minister hob besonders hervor, daß die pol-nische Presse in Deutschland völlig uneingeschränkte Freiheit genießt unb daß sich die polnische Minderheit in ihren Vereinen und mannigfachen Veranstaltungen völlig ungehindert bewege.
Warum hat denn, so fuhr er fort, die polnische Regierung nicht einfach einen Vergleich zwischen Deutsch-Oberschlesien und Polnisch-Ober sch lesien gezogen?
Die letzten Worte der Rede des Reichsaußenministers lauteten: Eine Beruhigung der Minderheiten, die im Interesse aller Staaten, im Interesse des allgemeinen Friedens liegt, ist nur zu erreichen, wenn die Verletzung der Verträge klar fest gestellt wird, wenn eine ausreichende Sühne unb Wiedergutmachung eintritt unb wenn bie Maßnahmen für bie Zukunft von dem aufrichtigen Willen aller Völkerbundsmächte getragen werden, bie Heiligkeit der Minderheiten rechte nicht antast enzu lassen.
Loucheurs Wirtschaftsplan.
wto. Paris, 21. Jan. (Eig. Meld.) Der außenpolitische Berichterstatter des Echo de Paris in Genf -glaubt berichten zu können, daß Loucheur heute dem Wirtschaftsausschuß der europäische Studienkommission einen aus drei Teilen bestehenden Programmentwurf unterbreiten wird, ber folgende Punkte enthält:
1. Maßnahmen, um die Getreideernte 193 0, soweit sie noch nicht verkauft ist, unterzubringen:
2. In Zukunft sollen die Erzeugnisse ber ackerbautreibenden Staaten im Rahmen bestimmter Kontingente zu einem ermäßigten Zollsatz eingeführt werden können. Eine durch besondere Abgaben zu speisende Ausgleichskasse soll den Landwirten behilflich fein, über fchwere Jahre Hinwegzukommen.
3. Organisierung einer internationalen Bank für Landwirtschaftskredite, die d'e Kapitalien den Landwirtschaftsbanken in den einzelnen Ländern zuführen sollen, unter Vereinheitlichung der Hypotheken-Gesetzaebung, damit die Zinsen für landwirtschaftliche Kredite namentlich in Osteuropa fi n f e n.
Nach dem in Genf weilenden Außenpolitiker des Blattes Loucheurs, des Petit Journal, wird bie geplante Landwirtschaftskreditbank in Bafel bei ber Bank für internationalen Zahlungsausgleich gegrünbet werden unb int übrigen direkt mit ben Landwirtschaftsbanken der einzelnen Länder in Verbindung treten.
Grippe-Epidemie in Spanien.
Nach einer Meldung des „Journal" sollen in Madrid schätzungsweise 300 000 Personen an Grippe erkrankt seien.