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irr. 14

VeNage zur Fuldaer Zeitung

IS. Ianuar

Zweiter Sonntag nach Erscheinung.

EingangsNed: pj. 65, 4.

Die ganze Erde soll dich anbeten, o Gott, und dir singen, ein Loblied singen deinem Namen, Al­lerhöchster. (Ps. ebb. 12). Preiset Gott in Ju­belliedern, alle Lande; singt Psalmen seinem Na­men, gebt dem Liede festlichen Klang.

Evangelium: Johs. 2, 111.

In jener Zeit war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu war dabei, und auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit gela­den. Als nun der Wein ausging, sagte die Mut­ter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Weib, was habe ich mit dir. Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was er euch sagt, das tuet. Es standen aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge für die bei den Juden üblichen Rei­nigungen; jeder von ihn>n faßt zwei bis drei Maß. Jesus sprach zu ihnen: Füllet die Krüge mit Was­ser. Und sie füllten sie bis oben hin. Dann sprach Jesus zu ihnen: Schöpfet jetzt und bringt davon dem Speisemeister. Sie brachten ihm davon. Als aber der Speisemeister das zu Wein gewordene Wasser kostete und nicht wußte, woher der Wein war (die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es), rief er den Bräutigam und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor, und erst, wenn die Gäste genug haben, den gerin­geren; du aber hast den guten Wein bis jetzt auf­gespart. Damit machte Jeius zu Kana in Gau'äa den Anfang seiner Wunder. Er offenbarte so seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Das Hochzeitswunder.

Wenn wir beide als Gäste an der Hochzeits­tafel gesessen hätten, so hätten wir wohl gar nichts von dem Wunder gemerkt. Du hättest vielleicht bei der Kostprobe von dem neuen Krug ähnlich wie die Hochzeitsgäste im Evangelium dem Brautpaar ein Witzwort zugsrufen und wohl zu mir gesagt' So ein'Schlauberger von Bräutigam, warum gab er uns nicht gleich von dem guten Wein? Wenn er denkt, der feine Tropfen bliebe übrig, io soll er sich aber verrechnet haben! Und wir beide Hüt­ten die Gläser angestoßen und dem Bräutigam oder der Braut einen Zuspruch getan.

Ob wir wohl den Heiland an der Tischtafel als den Erlöser erkannt hätten? Was meinst du. Sicherlich wäre uns sein Gesicht bekannt vorgekom­men. Wir hätten gedacht, den hast du doch schon irgendwo gesehen. Und wir hätten nach seinem Namen gefragt und ihn wahrscheinlich sinnend an- qeschaut. Manchmal geht cs uns ja auch heutzu­tage so, daß wir jemand begegnen, daß er 'ins bekannt vorkommt und wir das Bild den ganzen Tag in uns Herumtragen, ohne etwas Rechtes da­mit anfangen zu können. Hast du dabei auch schon einmal an den Heiland gedacht? Er saat doch an einer Stelle: Was du dem geringsten meiner Bru­der getan hast, das haft du mir getan. Vielleicht schaut dich aus den Augen jenes Fremdlings der Heiland an, benutzt die Augen des anderen, um einmal mit wirklichem Blick auf dir zu ruhen.

Mag es das Auge deines Knechtes fein, wenn du Bauer bist, mag es das Auge deiner Frau fein, wenn du Gatte bist, mag es das Auge dei­nes Kindes fein, wenn du Vater oder Mutter bist es wird dir in solchen Augenblicken beklommen zu Mute sein. Es ist als ruhe ein fremdes Auge aus unendlicher Ferne auf dir. Du schlägst plötz­lich den Blick nieder, um ihn dann wieder unsicher zu erheben. Und der Mensch, der dir gegenuber- fteht, es ist dein Mitbruder in Christo selbst wenn es der geringste wäre, ein Zuchthäusler oder Gottesleugner.

Das Wunder der Verwandlung geschah in aller Stille draußen auf dem Vorplatz. Niemand wußte davon, weder das Brautpaar, noch die Hochzeits­gäste, noch der Speisemeister. Nur die Diener, die den seltsamen Befehlen gehorchten, waren dabei. Wahrscheinlich durften sie bloß den Jüngern etwas davon erzählen.Jesus hängt seine Großtat nicht an die große Glocke", sagt ein alter Einsiedler. Für Ihn, den Gottessohn, ist das Wunder das All­tägliche, es entspricht seiner göttlichen Allmacht über die Kreatur. Aber Er will kein Aufsehen, das ist

Romsahrk eines Fuldaer Fabrikarbeiters.

Von M. G.

Schon feit vielen Jahren hatte ich eine große Sehn­sucht, auch einmal die ewige Stadt Rom mit ihren Heiligtümern besuchen zu dürfen. Auch hatte mir ein guter Freund, der vor Jahren das Glück gehabt hafte, die hl. Stätten zu besuchen, die Schönheit einer Italien- Reise in den herrlichsten Farben geschildert. Da wurde der Reiz immer größer und ich entschloß mich, durch äußerste Sparsamkeit das nötige Geld zusammenzubrin­gen. Denn ein altes Sprichwort heißt:Wo ein Wille, ist auch ein Weg."

Als die Vorbedingungen geschaffen waren, setzte ich mich mit dem Reiseleiter, derRotala", der den Pil­gerzug der in «Berlin erscheinenden Märkischen ^Volkszeitung" führte, in Ver­dung. Die Pilger, die zum größten Teil aus Bersin und den Vororten waren, fuhren am Mittag des Ä Juni 1930 vom Anhalter Bahnhof ab und kamen nach!- in Frankfurt a. M. an. Ich erwartete den Pilgerzug in Frankfurt. Auf dem Bahnsteig Nr. 7 sollte ich nach Vereinbarung meine Romreise antreten. Als nun zur bestimmten Zeit der Zug einfuhr, stand ich mit klopfen­dem Herzen an der Sperre und dachte:Jetzt müßte die Sache noch schief gehen." Denn ich hatte doch noch keinen Fahrschein in den Händen; den sollten die Führer erst von Berlin mitbringen. Schon gingen einige Fahr- gäste durch die Sperre, was meine Ungeduld noch stei­gerte. Da auf einmal traten 4 Herren an die Schran­ken. Herr Paul Stiegele, Reiseleiter, Herr Dr. Domschke,

Menschenart. Es genügt, wenn die Menschen den Segen seiner Handlung erfahren.

Ist es nicht sonderbar, draußen auf dem Vor­platz geschieht das Wunder, drinnen trinken sie nach wenigen Minuten den verwandelten Wein und prosten einander zu. Das Erhabene steht mitten im Alltäglichen.

Freund, hast du schon ein Wunder miterlebt? Nimm einen Apfelkern, betrachte ihn dir genau mif seiner braunen Schale und der leichten Kerbe, dar­unter der Keim schlummert. Dann stecke ihn im Frühjahr in die Erde und laß einen Baum daraus werden. Ist dieses Leben des Baumes nicht eigen­artig? Du meinst, das ?ei selbstverständlich. Und dabei kann kein Mensch einen solch kleinen Apfel­kern machen, der wirklich keimt, wächst, blüht und Früchte trägt.

Meinst du, Jesus habe auf der Hochzeit nutzt ähnliche Gedanken gehabt? Das Wunder wirkt in aller Stille. Da sind die Brautleute. Sie lie­ben einander und nach Monaten ersteht aus ihrer Liebe das Kind. Das scheint dir wieder selbstver­ständlich. Aber betrachte einmal genau so ein Kind, wenn es dich mit großen Augen anschaut. Meinst du, das wäre die Seele von Vater und Matter, die dich anblickt? Schon während du es dir über­legst, fühlst du, daß in diesem Kind ein Eben bild Gottes vor dir steht.

Freilich den meisten Menschen ergeht es wie den Hochzeitsgästen, sie essen und trinken und ahnen nichts von dem Wunder, das sie umgibt Ja, sie lachen über die Dummen, die noch an Wun­der glauben. Und du, mein Freund, was hälft du von den Worten dieser Aufgeklärten?

Dom hl. Sebastian.

Zu seinem Gedächtnistag am 20. Ianuar.

Im Mittelalter des deutschen Volkes genoß St. Sebastian eine hohe Verehrung. Bei Krankheiten, insbesondere bei ansteckenden Seuchen rief man seine Fürsprache an. lieber sein Leben sind wir in den Hauptzügen unterrichtet. Er war zu Nar- boime in Südfrankreich im 3. Jahrhundert geboren. In Mailand wurde er erzogen. Ec zeichnete sich schon früh durch Frömmigkeit und kriegerischen Mut aus. Er trat in das römische Heer ein. We­gen feiner vorzüglichen Eigenschaften wurde er von Diokletian zum Hauptmann der kaiserlichen Leib­wache erhoben. Mit größter Gewissenhaftigkeit er­füllte er seine Soldatenpflicht, vergaß aber auch nicht in den Zeiten der Verfolgung und Not feinen christlichen Glaubensgenossen leibliche und geistliche Hilfe angedeihen zu lassen. Dem Kaiser konnte diese Tätigkeit nicht lange verborgen bleiben. Er wurde bei ihm verklagt.

Das Brevier berichtet darüber: .^Diokletian ver­suchte auf alle mögliche Meise Sevasr an vom Glau­ben an Christus abwendig zu machen. Da er aber nichts ausrichtete, befahl er» ihn an einen Pfahl zu binden und mit Pfeilen Zu erschießen.. Da er von allen für tot gehalten rou^e, ließ ihn des Nachts eine fromme Frau, mit Namen Irene, holen, aber als sie ihn noch lebend fand, pflegte sie ihn in ihrem eigenen Hause. Nicht lange darauf ward er wiederhergestellt; da trat er vor denKaiser Diokletian und hielt ihm mit größter Freimütigkeit seine Gottlosigkeit vor. Der Kaiser ergrimmte über den harten Tadel des Heiligen so sehr, daß er den Befehl erteilte, ihn solange mit Ruten zu schlagen, bis er seine Seele Gott zurückgab. Sein Leichnam wurde in eine Kloake geworfen, und ßucina, von Sebastianus im Schlafe belehrt, wo seine Lerche sei und wo er begraben fein wolle, begrub ihn (an einer Stelle der Via Appia)ad catacumbas , wo dem Namen des j)t. Sebastian eine berühmte Kirche erbaut wurde."

Diese Kirche an der alten via Appia, der Grä­berstraße des heidnischen Roms, im Tal ad cata­cumbas (in der Senke der Circus des Maxen- tius vor dem ragenden Rundbau des Grabmals der Cäcilia Metella, von der später alle Kata­komben den Namen erhielten) ist eine der sieben Hauptkirche Roms. Konstantin hatte dort schon eine Basilika errichtet.

In feiner Geschichte des Langobardenvolkes weiß Paulus Diaconus zu berichten, daß im Jahre 680 Italien und besonders Rom von einer wüten­den Pestseuche heimgesucht wurde. Als man den hl. Sebastian um eins Fürbitte anrief, fand man auffallende Hilfe in dieser Not. So wurde unser Heiliger zum Pestyatron, den man vor allem tn den Seuchen des Mittelalters um Fürsprache und Schutz anrief. Man tat dies deshalb, weil er von Pfeilen zwar' durchbohrt, aber von ihnen nicht ge­tötet worden war. Der Pfeil ist nämlich schon im hohen Altertum Symbol der plötzlich kommenden Krankheit ( z. B. bei Homer).

Auch der hl. Schrift ist diese Vorstellung nutzt fremd So heißt es im Psalm 7, 13:Seinen Bo­gen hat Gott gespannt und ihn zugerichtet. Er hat tödliche Geschosse darauf gelegt, seine Pfeile brennend gemacht." Und der hart von Krankheit geschlagene Job klagt in seinem Elend:Die Pfeile des Herrn haften in mir, deren Grimm aus!äugt meinen Lebensgeist (Job 6, 4). Weil nun St Se­bastian unter Gottes Schutz der Tötung mit Pfeu- gefchosfen entgangen war, legte es sich nahe, ihn zum Patron derjenigen zu erwählen, die von den

Pfeilen einer Krankheit oder der Pest getroffen, die Hilfe des Himmels suchten. So heißt es z. B. in einem Spruch von der Pest des Jahres 1482 (nach Hans Folz):

Die hl. Maria pit wir uns zupey geftan auch well der heilige Sebastian uns hilflich sein mit seiner gunst ob zu uns naht der giftig dunst oder die pestileneisch plag das mir vor solcher niäerlag durch fein gebet oerfünet werden als er erworben hat auf erben wer ihn heiligt feyert und ert das der werd vor der plag erroert.

Neben solchen Schutzgebeten gab es auch Pest- amulette. Besonders im 16., 17. und 18. Jahr­hundert waren dieS e b a st i a n s p f e i l e" be­liebt. Man befestigte sie an der Uhrkette usw. Da­durch glaubte man gegen ansteckende Krankheiten gefeit zu sein.Die solche Pfeile tragen, nicht nach der Peste fragen." Auf diesen Pfeilen war auch bisweilen das Jesusmonogramm (JHS) zu lesen (vergl. den Sebaftianspfeil aus Ebersberg).

In der älteren Kunst wird der hl. Sebastian dargeftellt als bärtiger bejahrter Krieger und ganz bekleidet. In der Zeit der Renaissance liebte man es, ihn in der Szene seines Martyriums darzu­stellen. Man zeigte ihn ohne Bekleidung, meist nur mit einem kurzen Lendenschurz versehen. Er wird jugendlich dargestellt, an einem Baum oder Pfahl gebunden, sein Körper mit Pfeilen gespickt, so daß man an den Satz einer Lebenbeschre:bung erinnert wird,er sei stakelicht gewesen wie ein Igel". Außerhalb seines Martyriums stellt man ihn dar mit einem oder mehreren Pfeilen in der Hand, zuweilen auch mit der Palme des Sieges. Selbst die spanische Kunst hat ihn noch als vor­nehmen Ritter mit Pfeilen im 15. Jahrhundert dargeftellt. In der neueren Kunst häufen sich un­ter'dem Einfluß der Renaissancezeit die Darstel­lungen des nackten Sebastian auch dann, wenn nicht die Szene des Martyriums dargestellt wurde derart, daß man darüber die alte Darstellung als Ritter fast ganz vergaß. Detler von Hadeln stellt für die Zeit des Ouatrocento einen Katalog der italienischen Malerei von etwa 300 solcher Bil­der zusammen. Diese Tatsache erklärt sich rucht bloß daraus, daß St. Sebafftan soviele Verehrer hatte, sondern auch aus dem Umstande, daß seine Darstellung den Künstlern Gelegenheit bot, den Körper in vollendeter Schönheit zu zeigen.

Freilich war die Zahl feiner Verehrer nicht ge­ring. Bei den Rittern des Mittelalters stand er wegen seiner vornehmen Geburt, seines Kriegs­dienstes und vor allem wegen seiner Tapferkeit in hohem Ansehen. Viele Schloßkapellen wurden ihm vom Adel geweiht. Als im Mittelalter die zahl­reichen Schützengesellschaften entstanden, wählte man ihn, weil er mit Pseisicküsien gemartert wor­den war, zum Patron und nannten sich Sebastians- b rüber.

Auch in den Sprüchen und Wetterregeln des Volkes wird Sebastians Name oft genannt. So sagt man in Holstein: Sebastian, let den Saft in't Holt gähn". Nach altem Recht durfte von diesem Tage an kein Holz mehr gefällt werden.

Ein schönes literarisches Denkmal wurde unse­rem Heiligen gesetzt von Kard. Wiieman in 'einer bekannten ErzählungFabiola" aus der Zeit der Katakomben. Mit den Worten des begeisterten Dichters wird hier verkündet, was schon die alte

Redakteur derMärkischen Volkszeitung, Herr Fahne- rlg, Kaplan von St. Bonifazius, Berlin und Herr Fi­scher, Fabrikant, die mich mit solcher Höflichkeit in Emp­fang nahmen, die mir wohl in meiner Lebzeit nie wie» verfahren ist, noch widerfahren wird.

Die Herren geleiteten mich zu den anderen Pilgern und stellen mich als neues Reifemitglied vor. So war denn die kleine Schar auf ca. 30 gestiegen. Das schönste war, daß es kein Klafsensystem gab. Wir alle hatten nur einen Sinn und ein Ziel.

Der Zug brachte uns über Darmstadt, Mannheim nach Karlsruhe, wo sich noch ein Ehepaar aus dem El­saß zu uns gesellten. Beim Morgengrauen fuhren wir durch Freiburg i. Br., wo uns der hohe gotifche Turm des Münsters begrüßte.

In Bafel war für uns auf dem Bahnhof das Früh­stück bereitgehalten. Ein kurzer Spaziergang durch die Stadt ließ uns die altehrwürdigen Gebäude bewundern; auch dem V-tter Rhein wurde ein Besuch abgestatttt

Dann ging es weiter nach Luzern und dem schönen Vierwaldstädter 'See. Wir fuhren durch fruchtbare- Land über Liestal (Hauport von Basel-Land) an den Abhängen des Iura vorbei, den der Zug im großen Hauensteintunnel (2500 Meter) durchbricht.

Wir berühren Olten, wo sich die Hauptbahnen Basel- Luzern und Zürich-Bern kreuzen. Nach einiger Zeit tauchten die Luzerner Alpen auf, rechts Pilatus und links Rigi, wir überqueren Emme und Reuß und ge­langen um 10.30 Uhr zur weltbekannten Stadt Luzern, wo wir im HotelZum weißen Rößle" einkehrten. Nach einem vorzüglichen Mittagsessen unternahm man am Nachmittag eine Fahrt über den Vierwaldstädtersee nach

Wägis. Die hohen Berge rings um den See machten einen unbeschreiblichen Eindruck. Wie schön ist Gottes weite Welt.

Gegen Abend, als die Rückfahrt nach Luzern statt- finden sollte, brach ein schweres Gewitter in den hohen Bergen aus; der See wurde vom Sturm gepeitscht, das Schiff stampfte schwer. Ich dachte unwillkürlich an die Jünger Jesu am See Genesaret.Herr, hilf uns, sonst gehen wir zu Grunde." Als wir endlich wieder in Lu­zern an Land gesetzt wurden, mußten wir mit dem Wagen zum Hotel fahren; es goß in Strömen.

Am andern Morgen war mein Kollege Sander und ich schon früh auf den Beinen. Wir besuchten das Löwendenkmal, das in der Revolution von den Fran­zosen gestiftet worden ist. Auch die Hofkirche sahen wir uns an. Dann mußten wir uns beeilen, um zum Früh­stück und zu unserem Zug zu kommen, der 8.30 Uhr abging. Die Wagen wurden von besonders starken elek­trischen Wagen gezogen, welche die Steigung bis zum Gotthardtunnel spielend überwinden. Es folgt ein Tunnel nach dem andern. Bald fesselte uns der Blick auf den See, besonders von Meggen bis Küßnach (Kuß- nacher See) im Angesicht des Rigi. Wir kamen an der Hohlen Gasse" mit der Tell-Kapelle vorbei. An der großen Station Arth-Goldau (mit Bergbahn zum Rigi) gedachten wir des furchtbaren Bergsturzes 1806 (vier Dörfer mit fast 500 Menschen wurden verschüttet), von dem man noch immer beim Bahnhof gewaltige Trüm­mer sieht. Wir umfahren nach kurzer Zeit den kleinen Lowersee mit Insel Schwanau und blicken bei Station Schwyz hinauf zu den prärfitigen Schroffen der beiden Mythen (1900 Meter hoch). Wir überqueren den Mutra-

Grabinschrift des hl. Märtyrers rühmt:Dem hl. Sebastian, dem Märtyrer und Streiter Christi, dem Verteidiger der Kirche, dem Vertreiber der Pest." H. B.

Aus der Sprechstunde einer Carikassielle.

Man wirft der organisierten Karitas immer wieder vor, sie habe die Liebe bürokratiseert. Sie unterbinde die Hilfe von Mensch zu Mensch, von Familie zu Familie. Wer das sagt, verkennt das innere Wesen der organisierten Karitas, übersieht, daß die heutige Not über die Hilfe von Menich zu Mensch hinaus besondere Formen und Erfor­dernisse verlangt. In früheren Jahrhunderten gab es keine systematisierte und organisierte Hilfstätig­keit. Es herrschte verschiedentlich eine planlose Al­mosenwirtschaft, deren Hilfeleistungen auf dem Zu- äll beruhten, daß einem gerade ein Armer auf dem Kirchgang oder ronftroo begegnete. Dem einen war dann reichlich, vielleicht sogar überreichlich ge­holfen, während andere hungerten.

Durch die Zufammenfassung der katholischen Liebesarbeit in örtlichen Karitasverbänden und Ka­ritasstellen (mit dem Oberbau der Diözesan- Karitasverbände und des Deutschen Caritasverban- des zu Freiburg i. Br.) ikt es möglich, alle oder doch wenigstens einen großen Teil unserer hilfs­bedürftigen Volksgenossen zu erfassen. In den Sprechstunden" der örtlichen Karitasverbände hat jeder, der in Not ist, Gelegenheit, seine Anliegen vorzutragen und sich auszusprechen. Wenn ge­holfen werden kann, wenn es möglich ist, die er­forderlichen Mittel aufzubringen, dann geschieht dies auch. Jedenfalls wird alles getan, was unter den obwaltenden Verhältnissen möglich ist.

Da ist es nun interessam, einmal zu sehen, wie es in einer solchenS p r e ch st u n d e" zugeht. Im Dezember-Heft der ZeitschriftKaritas" erfahren wir etwas Näheres darüber; ein schöner Artikel führt uns in eineBerliner Karitas-Sprechstunde ein.Karitassprechstunden von 101!" Das klingt sehr hart. Doch die Nächstenliebe überdauert diese Stunden der befreienden Aussprache und hel­fenden Tat. Bruder oder Schwester: Eure Not und Sorge läßt den nie mehr los, der sie selbst er­lebt, und dem sie das Herz durchschneidet. Es ist die ttagische Einsicht in die Unmöglichkeit, die Wünsche der Hilfesuchenden restlos zu erfüllen.

Man braucht Nahrung, Kleidung und Obdach! Diese Not treibt täglich 30, d. h. ttn Monat beinahe 1000 Menschen zu dieser Karitas- stelle. Oft kann man nicht genügend helfen, weil die Mittel fehlen. Viele brauchen Geld. Doch es ist unmöglich, täglich für ein Dutzend Menschen die rückständige Miete zu bezahlen. Viele verkennen übrigens ganz und gar die Aufgaben eines Karr- tasverbandes. In der heutigen Notzeit müssen wir froh sein, wenn wir den Ällerärmsten über die schlimmsten Tage hinwegyellen, ihnen das nackte Leben erhalten können! Und da kommen Menschen, die verwechseln die Karitasstelle mit einer Dar- lehnsbank! An manchen Tagen müssen Anträge abgelehnt werden, deren Ziffern erschreckend hoch sind. Zur Erhaltung eines Cityqeschciftes benötigt der eine 6000 Mark, einzelne Würstchen 500 Mk., ein anderer braucht zum Einbau eines Junkers- Motors in einen Schlepper 10 000 Mk Sie sind enttäuscht, wenn ihnen nicht geholfen werden kann und fragen entrüstet, wozu ,der Karitas' denn da sei. Daß die Karitas dringendere Sorgen hat, weil es noch viel bedauernswertere Menschen gibt, das verstehen die Meisten nicht.

Ein eigenes Kapitel bilden dieS tempel» b r ü d e r". Darüber könnte man Bücher schreiben^ Die meisten von ihnen hoffen auf eine Geldbei- hilfe. Statt ihrer erhalten fie Esfensmarken. öte sie großenteils auch sehr gerne nehmen. 2knn man kann mit dem Essen zufrieden sein. ->el Freude verursacht die Schenkung eines Kleidungs­stückes: Hosen, Schuhe, Strümp-e, Wäsche. Leider ist die Klerderkammer nicht gefüllt genug, weil die rege Nachfrage fie stark sichtet. Deshalb möge jeder einmal bet sich zuhauie Nachsehen und, was er an Beständen übrig hat, zur Karitas bringen. Denn die Kleidernot ist riesig bei Groß und Klein, bet den Erwerbslosen, oft auch bei Kaufleuten, Dokto­ren, Baronen, bei Damen des Adels.

Die Karitas will allen helfen, die wirklich in Not find. Doch fehlen überall die Mittel. Bel den vielen Arbeitslosen ist dos kein Wunder. Des­halb müssen wir aus katholischem Gememsmaits- bewußtsein und Verantwortungsgefühl heraus mck Rat und Tat untere Karitasverbände unterstützen.

Fluß und sahen bei Station Brunnen links am 23er- geshang Jngenbohl mit dem großen Mutterhaus und Lehrerinnenseminar der Kreuzschwestern liegen. Schuetz» sich berühren mir noch einmal den Vierwaldstädter See. um dann im Tal der wilden Reuß zum Gotthard empor- zuklettern, vorbei an Erstfeld, Massen (hier ist der in» terefsanteste Teil der Bahn) und Göschenen.

Das Gotthardtunnel hat eine Länge von 14 998 Me­ter (zirka 20 Minuten Durchfahrt). Wir waren froh, als wir endlich aus dem Tunnel heraus waren. Denn von Luzern bis Bellinzona (Tessin) find auf einer Strecke von 170 Kilometern 56 Tunnels und 220 Brüt» ken. Bellinzona ist Hauptort des Kantons Tesiin.

Gegen 2.30 Uhr waren wir in Mailand. Wir fahren mit der elektrischen Straßenbahn zum Dom, der größten Kirche von Europa. Sie gehört zu den Wunderwerken der Well: Ein Gedicht in Marmor könnte man ihn nennen. Die große Kuppel ruht auf vier Säulen und hat eine Höhe von 90 Metern. Unten in einer kleinen Kapelle ruht der hl. Karl Borromäus in einem ©las« sarg Bor dem Hochallar steht ein großer Bronze­leuchter, auf dem das Leben von Adam und Eva im Paradies wiedergegeben ist.. Wie uns gesagt wurde, find aus dem Leuchter schon viele Diamanten gestohlen worden. Die vier zwölf Meter hohen Säulen am Hauptportal find von Napoleon I. gestiftet. Das große schwere Tor ist aus Bronze und zeigt in Reliefbildsrn: ..Das Leben von Adam und Eva bis auf Moses und di« Propheten".Das Leben Mariens bis zu ihrem Tode/ Das Leben des Heilandes bis zur Himmelfahrt."