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Fuldaer Land und Nachbargeblel

Die nächste Sitzung des Landtages.

Am Dienstag nachm'ttag fand eine Sitzung des Aeltestenrats des Landtages von Thüringen statt. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung des Landtages für den 5. Februar einzuberufen. An diesem Tags werden zunächst kleinere Vorlagen, wie Grundstucksverkäufe, zur Beratung kommen. In der zweiten Sitzung wird sich der Landtag mit den auf Grund des Ermächt'gungsgefetzes erlasse­nen Verordnungen der Regierung zu befassen haben. ___________

fanterieregiment 83 in Kassel in den Krieg 1870 und war seit seiner Rückkehr bis zum Jahre 1915 am hiesigen Post­amte tätig. Reben seiner Berufsarbeit beschäftigte er sich mit der Geschichte. Er veröffentlichte mehrere Schriften, unter anderem die Stausebacher Chronik, einen Beitrag zur Geschichte des Postamts Marburg und Bebra, Lose Blätter aus der alten hessischen Postgeschichte und lieferte zahlreiche Aufsätze für die Zeitschrift des Bereins für hes­sische Geschichte und Landeskunde. Sein Leben war treueste Pflichterfüllung und freudige Arbeit, ein Vorbild für alle. Für sich aber war er anspruchslos bis zu sei­nem Tode.

— Flieden (Kr. Fulda). Man schreibt uns: Unser katholischer Gesellenverein ist auch in diesem Win­ter wieder eifrig an der Arbeit und gibt sich Mühe, durch die Verwirklichung seines Winterprogramms an der Lebens- und Zukunftsgestaltung seiner Mitglieder mitzuhelfen. In den regelmäßigen Versammlungen und Vcreinsabenden erhalten die Gesellen durch zeitgemäße und dem Leben angepaßte Vorträge, — die zum Teil von den Mitgliedern selbst gehalten werden —, sowie durch andere bildende Veranstaltungen —, Einblicke in so manche Gebiete des Lebens und haben so Gelegenheit, sich manches Wissen anzueignen, das die heutige Zeit von einem ganzen Menschen unbedingt erfordert. Ad­vents-, Nikolaus- und Weihnacht-feier wurden in echt familienhafter Weife begangen und alle im Winter­semester noch bevorstehende Veranstaltungen werden sicherlich ebenfalls dazu beitragen, daß das Wollen des großen Meisters Adolf Kolping immer mehr die Ge­dankenwelt unserer werktätigen Jugend durchdringt und sie zu selbstbewußten Männern heranreifen läßt. Wenn unser Fliedener Gesellenverein auch nicht an die großen Leistungen eines Gesellenvereins mit eigenem Heim her- ankommt, so hat er aber trotzdem in der kurzen Zeit seines Bestehens schon viel Gutes und Nützliches für un­sere Jugend und damit auch für die Gemeinde geleistet. Mit einem gewissen Stolz blickt er heute schon aus so manche Erfolge seiner mühsamen Vereinstätigkeit zurück. Am 4. Juli dieses Jahres sind es nun 5 Jahre, daß er von einer Anzahl wackerer Gesellen ins Leben ge­rufen wurde. Wie alle unsere Gesellenvereine, so ist auch er kein künstliches Erzeugnis, sondern aus dem Willen der Jugend selbst herausgeboren worden und er­fordert deswegen auch stets zu feinem fruchtbringenden Gedeihen die bei der Gründung geherrschte Atmosphäre. Und in diesem Gründergeist soll in diesem Jahre am 4. und 5. Juli das 5. Stiftungsfest begangen wer­den. Es soll dies nicht ein solches im landläufigen Sinne werden und in feiner Form und der ganzen Aufmachung auch durchaus nicht im Kontrast zu dem Ernste der heu­tigen Zeit stehen. Dieser Tag, der die Kolpingssöhne des ganzen Bezirks und darüber hinaus versammelt sehen' wird, erhält seine besondere Note dadurch, daß der hoch­würdige Herr Generalpräses Msgr. Hürth aus Köln an diesem Bezirksgesellentag persönlich anwesend sein wird. Alle Bezirksvereine und insbesondere auch die Gemeinde Flieden rechnen es sich zur hohen Ehre an, den Nachfolger Vater Kolpings an diesem Tage hier be­grüßen zu können. Jung und alt werden auch diesmal wieder nach Kräften dazu beitragen, daß dieses große Ereignis für das katholische Flieden einen eindrucksvollen und für das Jungvolk des ganzen Bezirks von Erfolg gekrönten Verlauf nimmt. Das „Königreich Flieden" । wird feine so oftmals schon unter Beweis gestellte große Gastfreundschaft auch in diesem Jahre wieder allen Kol- pingssöhnen zukommen lassen. Die Parole für alle Kolpingsbrüder und Freunde des Gesellenvereins aus nah und fern muß deswegen für den 4. und 5. Juli lau­ten: Auf nach Flieden.

— Schlüchtern. Ein nicht uninteressantes kommuna­les Problem sucht man gegenwärtig im Südosten des Kreises zu lösen, indem man die drei Kreisgemeinden Romsthal, Eckardroth und Wahlert zu einer einheitlichen Gemeinde Zusammenlegen will. Man ge­denkt hierdurch die Verwaltung der räumlich mitein­ander verbundenen Gemeinden durch Konzentration zu verbessern und zu verbilligen. <

Einbruch in ein Raisseisenlager.

— Hünfeld. In der Montag nacht sind Einbrecher I auch in das hiesige Raisseisenlager eingedrungen, nach­dem man dies in den letzten Monaten bereits an ver­schiedenen Stellen versucht hatte. Die Täter müssen von der Einzahlung eines Betrages von mehreren tausend Mark Kenntnis gehabt haben, den sie vorzufinden hoff­ten. Der Betrag war aber noch abgeliefert worden. So erbeuteten die Diebe nur ca. 80 RM. Im Büro- raum hatten sie eine große Verwüstung angerichtet, durch die ein beträchtlicher Materialschaden entstanden ist. Die Ortspolizei hat in Verbindung mit der Landjägerei die Verfolgung der Angelegenheit ausgenommen.

Aus Ob erhoffen.

Rechnungsrat Ruhl f.

— Marburg. Nach einem arbeitsreichen Leben ver­schied am vergangenen Montag der im Hessenland weit­bekannte Oberpostsekretär i. R., Rechnungsrat Joseph An­ton Ruhl im Alter von 84 Jahren. Geboren am 5. Ja­nuar 1847 in Neustad t, Kreis Kirchhain, verließ er bereits mit 12 Jahren seinen Geburtsort, um sich in Fulda auf das Abitur vorzubereiten. Mehrere Seme­ster ging er dann auf der Universität Marburg feinem Lieblingsstudium, der Geschichte und neueren Sprachen, nach. Durch die Angliederung Hessens an Preußen war dringend nötig, das Arbeitsfeld der Poft und Eisenbahn zu erweitern? Die günstige Anstellungsmöglichkeit mit der Aussicht auf Beförderung bewog ihn, das Studium mit dem Postfache zu vertauschen. Bald vermählte er sich mit Josepha Rathmann, der Tochter des Hauptlehrers seiner Vaterstadt. Ein Jahr später zog er mit dem Jn-

Die erlke Hilfe bei Verletzungen aller Art, ulle sie in jeder Haushaltung und Betrieb und bei Auwunkällen fast täglich vorkommen, ikt ein guter sauberer Verband, welcher stets zur Hand sein sollte. Nehmen Sie als erste Hilfe statt des veralteten und unbequemen Bindenoerbandes nur Traumaplast, den stets gebrauchsfertigen Wundverband, der neben größter Sauberkeit auch festen und bequemen Sitz verbürgt. Merken Sie sich: „Als erste Hilfe sei zur Hand ste«s Traumaplast, der beste Wundverband, zu haben für wenig Geld in allen Apotheken und Drogerien. Be­achten Sie bitte die Anzeige in der heutigen Ausgabe.

Aeues aus Frankfurt.

— Bekämpfung der nächtlichen Ueberfälle. Zur Be­kämpfung der nächtlichen Ueberfälle auf alleingehende Personen werden die stilleren und verkehrsarmen Stra­ßen der Stadt von Polizeistreifen in Uniform und Zivil, sowie von Polizei-Radstreifen nunmehr wieder in aus­gedehnterem Maße als bisher besucht. Die Streifen deh­nen ihre Tätigkeit auf die ganze Nacht aus und halten jede ihnen verdächtig vorkommende Person an.

Kleine Nachrichten.

Die erste Sitzung des Sonneberg er Stab t- r a t e s im neuen Jahre begann mit schweren Tu­multen. Wahrend vor dem Rathause Erwerbslose "demonstrierten, gerieten im Rathause Kommuni­sten und Nationalsozialisten hart aneinander. Da­bei warf man auf kommunistischer Seite nach den Nationalsozialisten mit schweren Aschenbechern. Ein Aschenbecher schlug gerade vor dem Tisch der Na­tionalsozialisten auf und zersplitterte. Die von bür­gerlicher Seite verlangte Entschuldigung wurde von, dem kommunistischen Sprecher abgelehnt mit der Begründung, daß er den Wurf mit vollem Be­wußtsein getan habe. Von bürgerlicher Seite wurde daraufhin beschlossen, den kommunistischen Werfer auszuschließen.

In Kriebitzsch bei Meuselwitz hatte die NlSDAP. am Montagabend eine öffentliche Ver­sammlung abgehalten, die sofort nach dem Referat geschlossen wurde. Die anwesenden Sozialdemokra- G r ä f i n a u (Ilm). Sechs Scheunen, die mit sammlung. Plötzlich erschien vor dem Lokal eine Sturmabteilung der Nationalsozialisten, und es kam zu Zusammenstößen zwischen den politischen

Das HetMALbSstt des -SeySL« LsnLes tjt die „futoaee Zsttung"!

Sie gehört in jede katholische Familie der Thüringischen Rhön.

— Bebra. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde ein aus Erfurt stammender Mann festgenommen, der ohne Fahrkarte eine Reise unternehmen wollte. Bei Fest­stellung seiner Personalien spielte er den wilden Mann, wobei er einem Beamten durch Mantel und Jacke einen schmerzhaften Biß in den Arm beibrachte.

Dom Laskauio gelötet.

— Kassel. Auf dem Heimweg von einer Festlichkeit wurde der 26jährige Schuhmacher Happel aus Gro­ßenenglis von einem Lastauto aus Borken über­fahren und schwer verletzt. Im Krankenhaus Hephata ist der Verunglückte gestorben.

Gegnern. Dabei trugen eine Anzahl Teilnehmer Kopsverletzungen davon. Fensterscheiben wurden zertrümmert, auch wurde erheblicher Materialscha­den angerichtet.

Ein Riesenbrand, desten Cntstiehungsursache noch unbekannt ist, wütete am Dienstag abend in Gräsinau (Am). Sechs Scheunen, die mit Erntevorräten bis.unter das Dach gestillt waren, wurden eingeäschert.

Ein Laborant aus Pößneck, der in einer Tuch­fabrik in Neustadt (Orla) ein chemisches Wasch­mittel zum Waschen und Entfetten der Tuche aus­probierte, atmete von den sich bei dem Prozeß bildenden giftigen Gasen derart viel ein, daß er tot zu Boden fiel. Er wurde im Versuchsraum durch einen Tuchweber aufgefunden.

In Göttendorf im Landkreis Greiz Würbe eine Eutsbesitzersehefrau auf dem Heuboden er­hängt aufgefunden. Die Frau, die Mutter von sechs Kindern ist, hatte sich kurz vor der Tat noch mit ihrem Mann friedlich auf dem Hof unterhalten.

Ein 23jähriges Mädchen wurde in Gotha von ihren Angehörigen tot in der Küche aufgefunden. Wie festgestellt wurde, hatte überkochendes Wasser die Flamme des Gaskochers gelöscht. Das EaS war ausgeströmt und die Ahnungslose war erstickt.

Ein Skiläufer kam in Ilmenau beim Skilauf zu Fall und wurde dabei schwer verletzt. Er trug einen Schädelbruch davon und brach sich mehrere Rippen, von denen eine die Lunge durchstach.

Der Besitzer und Leiter einer Annoncenexpedi­tion inEisenach, Otto Steinbach, feierte in bester Gesundheit am Dienstag seinen 60. Geburtstag. St. gab in früheren Jahren ein eigenes Tageblatt in Lengsfeld (Rhön) heraus.

Der Landwirt Tilo Beier aus B a ch r'a kam mit seinem Pferdegeschirr vom Markte in Buttstädt. Plötzlich scheuten di» Pferde und gingen durch. B. wurde vom Wagen geschleudert, erhi't einen Schä­delbruch und war sofort tot.

Lrach im Nazi-Lager.

Die Führerkrise bei den Darmstädter Nationalsozialisten.

= Darmstadt. Wir teilten vor einiger Zeit mit, daß die Funktionäre der Darmstädter Ortsgruppe der N. S. D. A. P. von ihren Aemtern enthoben und die Orts» gruppe dem Gauleiter, Reichstagsabgeordneten Rings. Haufen-Offenbach, unterstellt wurde. In der gestrigen Nummer des „Völkischen Beobachters" erscheint nun folgende überraschende Verfügung Adolf Hitlers: „Pg. Ringshausen steht ab 9. Januar zur Disposition der Reichsleitung. Er wird damit als Gauleiter von Hessen-Darmstadt beurlaubt. Seine Stelle als Gauleiter übernimmt provisorisch bis auf weiteres Pg. Gemrlkk- der, M. d. R."

Die Geifaer Sparkaffen-Angelegenheik.

Aus Geisa wird uns mitgeteilt:

Der Stadtrat hat in Gemeinschaft mit dem Ausschuß der städtischen Sparkasse in einer Sitzung am Donnerstag vormittag folgendes beschlossen:

Der Ausschuß der städtischen Sparkasse setzt sich für die Folge aus 8 Mitgliedern zusammen, zu denen der jeweilige Richter des hiesigen Amtsgerichts gehört. In den erweiterten Ausschuß wurden gewählt die Herren: a) aus der Bürgerschaft Amtsgerichtsrat Dr. Siebert und Kaufmann Franz Trabert; b) aus der Mitte des Stadtrats Stadtratsvorsitzender Apotheker Padberg und Kaufmann Wilhelm Mar« schall.

Durch diese Maßnahme dürfte den verschiedenen umlaufenden Gerüchten über die Sparkassen-Ange- legenheit die Spitze abgebrochen sein.

Zurückkrelen, bitte!

Auf dem Bahnhof vom Zuge überfahren.

— Herborn. Ein gräßliches Unglück ereignete sich am Mittwoch nachmittag auf dem Bahnhof in Dillenburg. Die Ehefrau des Pfarrers Metzler aus Driedorf im We­sterwald wollte mit ihrem Mann ihren mit dem Zug ankommenden Sohn abholen. Die Frau stand bei An­fahrt des Zuges zu dicht am Bahngleis und wollte i m letzten Augenblick zurücktreten. Hierbei glitt sie auf dem schneeglatten Boden aus und stürzte unter die Räder des Zuges. Sie war sofort tot.

Auf der Jagd erschaffen.

— Dillenburg. In Ritterhausen (Dillkreis) er­eignete sich ein eigenartiger Vorfall. Der Waldwürter Koch, der Gastwirt Erhelger und der Neffe des ersteren, ein 18jähriger junger Mann namens Oppermann, be­fanden sich auf der Jagd. Erhelger soll, als er auf dem Anstand saß, vom Hund angesprungen worden sein. Als er diesen abwehren wolle, löste sich plötzlich aus seinem Gewehr ein Schuß, der den in der Nähe stehenden Op­permann in Brust und Hals traf. Schwer verletzt wurde der junge Mann ins Dillenburger Krankenhaus gebracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung starb.

Das in diesen Tagen erschienene Jahrbuch der Katho­liken gibt einen Ueberblick über den inneren und äußeren Ausbau der Frankfurter katholischen Gemeinde, der ge­rade im letzten Jahre besonders bedeutsame Fortschritte gemacht hat, da^in ihm das am 13. August 1929 zwischen dem heiligen Stuhl und dem Freistaat Preußen abge­schlossene Konkordat praktisch wirksam geworden ist, rojs zur Folge hat, daß Frankfurt jetzt einem Bistum, nämlich Limburg zugehört, während die Stadt früher den Bischöfen von Limburg und Fulda unterstand, d h. die westlichen Vororte dem Letzteren. Mit dieser Neu­regelung, deren schwierige Ueberleitungsarbeiten auch jetzt noch nicht ganz beendet sind, da teilweise recht weit­tragende finanzielle Fragen gelöst werden müssen, wurde das lange erstrebte Ziel erreicht, die katholischen Seel- sorgsbezirke von Frankfurt in einem Diözesanverband zu vereinigen. Die Stadt Frankfurt zerfällt jetzt in ein bischöfliches Kommissariat mit den Pfarreien Dom (Nebenkirchen: St. Leonhard Liebfrauen, Kapelle der Franziskanerinnen. Heiliggeist-Hospital, Gefängnis (Hammelsgasse 6), Allerheiligen, St. Antonius, St. Ber­nardus, St. Bonifatius. Deutschordenskirche, St. Gallus, Heiliggeist im Riederwald, St. Ignatius im Trutz, St. Joseph Bornheim Heiligkreuz Bornheim, St. Anna Hau­sen, Peter und Paul Heddernheim, Mutter vom guten Rat Niederrad. Herz Jesu Oberrad, St. Antonius Rödel­heim, ferner in die Dekanate Lockenheim 'St. Elisabeth, Frauenfriedenskirche, Eckenheini mit Preunges­heim, Berkersheim und Maffenheim. Eschersheim-Ginn­heim Fechenheim. Praunheim und Seckbach mit Bergen- Enkheim). sowie Frankfurt a. M-Höchst (Io'evhs- kirche und Jultinuskirche in Höchst. Griesheim Nied Schwanheim. Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim)

Am 1. April wurde aus dem nordöstlichen Gebiet der • seitherigen Antoniusgemeinde und dem westlichen von St. Bernardus die der Frankfurter Jesuiten-Niederlas- sung zur Seelsorge übergebene Pfarrvikarie St. Ignatius im Trutz gegründet, ein Bezirk, der über 7000 Katho- I'.ten umfaßt und der auch die Seelsorge im Dornbusch-

Aus dem Gesetzgebungsausschuß.

Dem Gesetzgebungsausschuß des Landtags ist es am Dienstag in der dritten Sitzung endlich ge­lungen, >bie Landesbauordnung in der ersten Lesung zu verabschieden. Wichtig ist ledig­lich, daß trotz ernster Vorstellungen des Thüringer Städteverbandes eine Aenderung vorläufig nicht geplant ist; auf jeden Fall werden die Regierungs­parteien keine Asnderungsanträge stellen und et­waige Anträge der Opposition sind von vornherein wirkungslos.

Arn Nachmittag wurde die Vorlage wegen des Bestätigungsrechts der Bürgerrnei- fter und Beigeordneten in erster Lesung beraten. Die Vorlage begegnete auch bei verschie­denen Regierungsparteien mehrfachen Bedenken, und deshalb wurden für die zweite Lesung Abän­derungsanträge in Aussicht gestellt. Die'Sozial­demokraten und Kommunisten liefert gegen das be­absichtigte Gesetz Sturm und äußerten die gleichen Bedenken wie bereits bei der Aussprache im Ple­num. Das Gesetz bedeute die Diktatur -der Regie­rung und schädige die Selbstverwaltung. Der Thüringer Städteverband hat sich überdies mit ähnlicher Begründung ebenfalls gegen die Vorlage gewendet, weil die kommunale Selbstverwaltung eine so weitgehende Beschränkung nicht ertragen könne und weil in allen modernen Gesetzen das früher bestandene Bestätigungsrecht entweder auf­gehoben ober gemildert worden fei.

chen. Daher unser Kampf um die Rettung der Landwirtschaft, bet sowohl vom Landbtmd wie von der Laubvolkpartei geführt ro rb unb der von den Nationalsozialisten als „engstirnige Jnteresienpoli- tik" verfemt wurde."

Cs ist sehr begreiflich, wenn sich der Landbund rn?f ’ '.(:rrV n • " * *7 '

Nationalismus wehrt, da es in diesem Falle mit seiner Interessenorganisation zu Ende wäre. Dies ist doch sckließl'ch das Endziel aller nationalsozch- listischer Bestrebungen, den Landbund :n seine Tasche zu bekommen, damit seiner eigenen „eng­stirnigen Jnteressenpolitik" einer weniger im Wege steht.

„Saucfel beitzk auf Granit".

Landbund und Nationalsozialisten.

In der am Sonntag in We'mar stattgesunde- nen Versammlung des Iunglandbunds haben die Nationalsozialisten der Landvolkpartei schärfsten Kampf angekündigt. Dem „Nationalsozialist" zu- olge richtet sich dieser Kampf gegen den Landbund in seiner Thürina. Prägung. Man behauptet, nichts gegen die berufsständige Draanifation des Bauern­tums, sondern gegen den Mißbrauch dieser Orga­nisation zu parteipolit'schen Zwecken zu tänrohn. Sie verlangen vom Thüringer Landbund politische Neutralität- Damit nerträn) sich allerdings nur chleckst d e von dem Abg. Wächter bei der Be­grüßung an die „heutigen Machthaber" gerichtete Aufforderung: „Laßt uns, die nationale Ovvo- ition an die Macht", als wenn sich die Landvolk- nartei nicht auch zur nationalen Opposition rech­nete.

Die Zeitung „Der Thüringer Laub- b u n d" hat den ihr von den Nationalsozialisten binoeroorfenen Fehdehandschuh unter der lieber« chrift „Der nationalsozialistische Kamvs gegen den Landbund, Sauckel beißt auf Granit" bereits aus­genommen. Sie erklärt, der nationalsozialistische Kampf habe das Ziel, die Organisation des Land­bundes in einen nationalsozialistischen Parteiavpa- rat umzuwandeln. Der Thüringer Landbund er­klärt, für d'ese Behauptung auch die schriftli­chen Beweise in der Hand zu haben. Der Kamps gegen die Organisation des Landvolles sei gerade in der heutigen Zeit so verdammenswert wie nur denkbar und kein oernünft ger Mensch werde dem Thüringer Landbund uimuten können, ich etwa unter Herrn Sauckels Führung zu stellen. Die Sckil"ßsätzs lauten: „Der Freiheitskamvf ist unser höchstes Ziel, nicht nur die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft. Aber die Frei­heit ist ohne Nahrungsmittelfreiheit nicht zu errei-

Aus der Thüringischen Rhön

Aus Geisa und Umgebung»

Aus der Frankfurter katholischen Gemeinde

Der innere und nutzere Ausbau hat weitere Fortschritte gemacht.

gebiet solange übernommen bat, bis dort die geplante katholische Kirche gebaut werden kann.

In der Heiliggeistpfarrei im Riederwald wurde am 31. Juli der Grundstein zur Heiliggeistkirche, der e r st e n katholischen Eifenskelettkirche in Frank­furt gelegt, die sich augenblicklich noch im Bau befind-t. Der Kirchennot in Praunheim hat man durch die Er­bauung der Christuskönigskirche abgeholfen, die später­hin zu einer Vollkirche mit Gemeindehaus usw. ausge­baut werden soll. Eine Reihe weiterer Kirchenbauplöne der Frankfurter katholiscken Gemeinde sind im Ent­stehen. Nachdem die künstlerische Renovierung unb Ausschmückung der Bernarduskirche vollendet ift. soll in absehbarer Zeit mit der Ausmalung der Antoniuskirche in der Saviqnystraße begonnen werden.

Die philosophisch-theologische Lehr­anstalt S . @ e<> r g e n in der ehemaligen Villa Gru- nelius auf dem Sachsenhäuserberg wurde auch im ver­gangenen Jahre weiter ausgebaut, sie hat jetzt 21 Do­zenten und 166 Studierende, die aus 15 deutschen Diö­zesen stammen, eine große Anzahl natürlich auch aus der Heimat-Diözese Limburg, da St. Georgen mit den Aufträgen eines bisckstsilichen Priesterseminars betraut ist.

Im Ordensklerus und in den Ordenskongregationen der Stadt Frankfurt hat es im letzten Jahre ebenfalls einige Veränderungen gegeben. An männlichen Orden sind in Frankfurt augenblicklich vorhanden- Kapu­ziner. Jesuiten und barmherzige Brüder on weiblichen: Arme Schwestern vom heiligen Franzis­kus Arme Dienstmägde Christi, Schwestern vom heiligen Franziskus aus dem Mutterhaus Erlenbad hei Ackiern, Schwestern vom Heiligen Geist aus dem Mutterhaus Koblenz. Dienerinnen des heiligen Herzens Jesu ans dem Mutterhaus in Wien.' Ursulinen Binzen- t i n e r i n n e n aus dem Mutterhaus Fulda und Schwe­stern von.der göttlichen Vorsehung. Das den armen Dienstmägden Christi gehörende St. Marienkrankenhau- hat ttn vergangenen Jahre seinen großen Erweiterungs­bau bezogen unb die nach mobernsten hygienischen Grundsätzen eingerichteten Krankenräume in Benutzung genommen. sr sjr

nung. Kurz darauf ist bann die furchtbare Bluttat ge­schehen. Es besteht die Möglichkeit, daß Cazare, mit dem Rasiermesser bewaffnet, in die Wohnung eingedrun­gen ist, wo er die Tat ausgeführt hat. Zwei junge Leute nahmen sich des Mädchens an und brachten es zum Po­lizeirevier. Dort ist sie, ohne vernommen werden zu können, an der schweren Verletzung erlegen.

3m Dienst ums Leben gekommen.

= Darmstadl. Auf dem hiesigen Hauptbahnhof er­eignet sich ein schwerer Unfall, dessen Opfer ein im Dienst ergrauter Eisenbahnbeamter wurde. Der 60 Jahre alte verheiratete Oberbahnschaffner Philipp Küchler über­schritt nach Beendigung seines Dienstes das Gleise, um nach Hause zu gehen. Hierbei wurde er von einer Ma­schine ersaßt, überfahren und auf der Stelle getötet.

De. Frick gibt sich nicht zufrieden.

Er möchte das Reichsbanner ausroklen.

Wie aus Weimar berichtet wirb, hat Dr. Frick auf die Mitteilung der Reichsregierung an die thü­ringische Regierung, baß die Z u ft t m m u n g zu bem von Thüringen beabsichtigten Verbot der Ortsgruppe Gera des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gvlb nicht erteilt werben könne, da eine Ver­letzung des Artikels 177 und 178 des Vertrages von Versailles nicht vorliege, er umgehend bem Reichsin­nenminister geantwortet. Unter Bezugnahme auf bas Stahlhelmverbot im Rheinland (dieses Verbot ist doch längst wieder aufgehoben worben. D. Schrift!.), dem nach Ansicht des thüringischen In­nenministeriums berselbe Tatbestand zugrundeliegt, der auch ein Verbot des Geraer Reichsbanners rechtfertigen würde, bittet das thüringische Innen­ministerium den Reichsinnenminister, seine Auf­fassung darüber mitzuteilen, worin der grundsätz­liche Unterschied zwischen der Hebung des Stahl­helms im Rheinland und der Uebung des Reichs­banners zu erblicken ist.

Das Schreiben des thüringischen Staatsmini- sters Dr. Frick ist Dienstag vormittag eingegangen. Wenn in diesem Schreiben Dr. Frick auf die ver­schiedene Beurteilung in der Anwendung des Ge­setzes über militärische Hebungen hinweist und vom Reichsminffterium des In ne in die Angaben von Richtlinien erbittet, wie die Polizei sich in Zukunft in ähnlichen Fällen verhalten soll, so wird $m= gegenüber in unterrichteten Kreisen darauf hinge- wiesen, daß bas Reichsministerium bes Innern wiederholt Richtlinien an die Län der- reglerungen heran sg eg eben hat, in denen die Anwendung der in Frage kommenden Gesetzesbestimmungen geregelt ist. Im übrigen liegt die letzte Entscheidung bei derartigen Fragen beim Reichskabinett. Dis Angelegenheit' der Reichs- bannergruppe in Gera sieht der Reichsminister des Innern als abgeschlossen an.

Freistaat Hessen.

Die Bürgersieuer in Alsfeld.

— Alsfeld. Der hiesige Stadtvorstand beschloß mit Wirkung vom 1. April 1931 ab die Einführung der Bürgersteuer in Alsfeld. Die Annahme der neuen Steuer erfolgte mit 12 gegen 8 Stimmen der Sozial­demokraten und des Nationalsozialisten.

Schwere Bluttat in Rheinhessen.

Den Gegner niedergeschossen.

— Worms. Am Montag abend trafen sich in der Nähe der Fähre in Hamm der ledige etwa 30 Jahre alte Johann Schreiner und der verheiratete Friedrich Dromershäuser. Dromershäuser stellte Schreiner zur Rede, warum er seine Frau stets belästige. Schreiner war mit der Ehefrau von Dromershäuser verlobt, diese hatte jedoch das Verhältnis gelöst. Im Laufe der Aus­einandersetzung gerieten die beiden Männer in Streit, wobei Schreiner einen Revolver zog und auf seinen Geg­ner mehrere Schüsse abgab. Schwerverletzt brach Dro­mershäuser zusammen und wurde in bewußtlosem Zu­stand ins Wormser Krankenhaus gebracht. Die Gen­darmerie nahm den Täter, der angibt, in Notwehr ge­handelt zu haben, fest und lieferte ihn in das Amts­gerichtsgefängnis in Osthofen ein.

Am den Mainzer Oberbürgermeisterposten.

— Mainz. In der Frage der Nachfolgefchast des jetzigen Oberbürgermeisters Dr. Külb ist insofern eine Klarheit eingetreten, als Staatspräsident Dr. Adelung Mitteilen ließ, daß er bitten müßte, davon abzusehen, ihm den Oberbürgermeisterposten anzubieten, da er nicht gesonnen sei, sein gegenwärtiges Amt aufzugeben. Nun­mehr wird die Entscheidung zwischen dem Bürgermeister Dr. Ehrhardt und Beigeordneten Kraus gefällt werden. Die Parteien haben in ihren Fraktionssitzungen bisher noch keine bindenden Beschlüsse gefaßt.

Grausamer Mord eines Eiferfüchkigen.

Er durchschneidet einem Mädchen den hals.

— Mainz. Am Dienstag abend wurde die Arbeits­lose Anna Claude in ihrer Wohnung von ihrem frü­heren Liebhaber überfallen. Aus Eifersucht durchschnitt er ihr im Verlaufe eines Disputs den Hals bis zur Wirbelsäule. Das Opfer war alsbald tot. Der Täter, der 20jährige Dachdecker Cazare, stellte sich der Polizei. Die Getötete hatte seit Jahren ein Verhältnis mit dem Cazare, das vor einiger Zeit aus unbekannten Grün­den gelöst wurde. Zu dieser Zeit lernte die Claude den Arbeiter Otto Kleber kennen. Cazare, dem das Verhält­nis der Claude mit dem Kleber ein Dorn im Auge war, verfolgte ihn beständig. Es kam öfters zwischen den beiden Rivalen zu Auseinandersetzungen auf der Straße, die gewöhnlich mit einer Schlägerei endeten, bei der Kle­ber die Oberhand behielt. Kurz vor der grausigen Blut­tat wurde die Claude bis an die Haustür gebracht, und Kleber wartete vor der Tür, bis feine Braut das Zim­mer betreten hatte. Nachdem die Claude von der Zim­mertür aus ihrem Bräutigam noch einen Abschiedsgruß zugerufen hatte, begab er sich nach feiner elterlichen Woh-