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Freitag, 16. Januar 1931.

58. Mrg.

Ar. 12

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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Iulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakl.

katholische Jugend,

treu zur allen Fahne auch in der neuen Zeiki

Die Jugend hat das Vorrecht, zu irren, aber nicht das Vorrecht, trotz besserer Belehrung im Irrtum zu verharren. Neulich erschien in der ka­tholischen Presse Deursclzlands ein wohlgemeintes Mahnwort von mir als einem Freunde der aka­demischen Jugend mit dem Appell:Katholische Studenten, habet acht!" Ich möchte an dieses Wort anknüpfen und der gesamten deutschen Ju­gend, die weltanschaulich zum Zentrum oder zur Bayerischen Volkspartei gehört, zurufen:

Sammelt euch unter der alten Fahne auch in der neuen Zeit!

Ich weiß, daß die heutige Jugend, namentlich die studierende, wie sie unter den Verhältnissen der Nachkriegszeit geformt wurde und gewachsen :st, zum Teil diesem Sammelruse skeptisch gegenüber« steht. Ein starker, ja leidenschaftlicher Stept'z^- mus und Kritizismus hat weite Teile der hierfür besonders empfänglichen Jugend, auch im katho­lischen Lager, erfaßt.

Es genügt für die Führer des katholischen Deutschland nicht, daß sie diese Tatsache mit be­trüblicher Miene feststellen und darüber zetern und klagen. Wir müssen vielmehr den Ursachen und Gründen dieser Stimmung nachgehen und aus den hierdurch gewonnenen Erkenntnissen die nötigen Folgerungen ziehen. Das Problem ist so wichtig, daß ich es als ein Lebensproblem der politischen Vertretung des Katholizismus in Deutschland be­zeichnen möchte. Denn wer die Jugend hat, hat bekanntlich die Zukunft. Wenn die politische Ver­tretung des deutschen Katholizismus in diesen ent­scheidenden Jahren des neuen Volksstaates die Ju­gend nicht hat, so weiß ich nicht, auf welche Zu­kunftshoffnungen sie sich im nächsten Jahrzehnt noch stutzen will.

In einem großen Blatte, das weder weltan­schaulich noch politisch zu uns gehört, las ich dieser Tage einen sehr beachtenswerten Aufsatz überJu­gend und Nationalsozialismus" von Hubertus Prinz zu Löwenstein. Der Artikel beschäftigt ich zwar hauptsächlich mit den Erfolgen des Natio­nalsozialismus bei der Jugend und zwar bei den Studenten und bei der Arbeiterjugend. Er ent­hält viele Wahrheiten, die ebensogut auch in unse­rer Presse gesagt werden können.

Unsere heutige Jugend ist mehr denn je zu einer suchenden und ringenden Jugend geworden. Das Suchen und Ringen geht nicht bloß um gei­stige Güter, um Ideale und mehr oder minder ferne nationale Hochziele, sondern auch um sehr materielle Dinge. Vielfach steht die alte Harnlet- frage mit drohender Gebärde vor einem großen Teil dieser Jugend, zu der ich vor allem die aka­demische rechne:Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage".

Cs ist klar, daß junge Menschen, die vermöge ihres jugendlichen Alters, trotz allen ehrlichen Be­mühens noch nicht als völlig gereift angesprochen werden können, den Versuchungen und Äerlockun- gen erliegen müssen» die seitens derjenigen welt­anschaulichen oder politischen Gruppen an sie her- antreten, die man als radikale Gruppen bezeich­net. Dies sind, abgesehen von den Kommunisten, in erster Linie die Nationalsozialisten und die Deukschnationcilen unter der radikalen Führung Hugenbergs. In dem von mir zitierten Artikel des Prinzen Löwenstein findet sich folgender Zu­treffende Satz:

Die wirtschaftliche Not und die Hoffnungslosig­keit weiter Schichten, die früher ein gutes Auskom­men fanden, unterstützen den Nationalsozialismus in feinem Kampfe um die Jugend. Die Studenten z. B., deren größter Teil aus dem Kleinbürger­tum stammt, das durch Krieg und Nachkrieg schwer- stens getroffen wurde, stehen auch deswegen ;o zahlreich tm nationalsozialistischen Lager, weil sie sich vorn Umsturz der bestehenden Staatsordnung eine Verbesserung ihrer Zukunftsaussichten er­hoffen. Sie meinen vielleicht, daß ihnen das Dritte Reich jene soziale Bedeutung zurückgeben wird, auf die sie, ihrer Ansicht nach, Anspruch haben."

In dem besagten Aufsatz wird weiter nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß neben den mate­riellen Beweggründen der Zulauf der Jugend zum radikalen Nationalsozialismus Hitlerscher Richtung auch durch ideelle Momente bestimmt wird. Ein Teil unserer heutigen Jugend, auch der katholischen, glaubt noch an die Erfüllung der nationalsozia­listischen Verheißungen idealer Natur. Der Glaube der Jugend hastet, wie der Verfasser ausführt, an der Verkündung des Ideals der Treue, der Gefolg­schaft und der' nationalen Befreiung. Sehr rich­tig schreibt Prinz Löwenstein aber weiter, daß der Nationalsozialismus mit vielen Worten die durch seine Taten täglich sich vollziehende Widerlegung fernes idealistischen Programms verschleiert.

Was ist es anders, wenn Dr. Frick sich auf den Versailler Vertrag beruft, um innerpolitische Geg­ner (Dr. Wirth) zu treffen? Enffpricht es dem Inhalt der Treue, wenn Ehrenworte nicht gelten, wennsozialistisch" gesagt und gleichzeitig ein Bund mit dem Großkapital versucht wird, wenn das tägliche Kampfmittel aus einer Flut von Ver­leumdungen ich füge hinzu: aus Körperverlet­zungen und politischen Mordtaten gegen poli­tisch Andersdenkende besteht?

Ebenso zutreffend ist die weitere Bemerkung des Prinzen Löwenstein, daß die Jugend den na­tionalsozialistischen Führern gerade gut genug ist, die Schlachten zu sch'agen, um dann in vormärz­liche Abhängigkeit zurückgeworfen zu werden. Wei­ter zitiere ich die m. E. sehr richtigen Sätze:

lieber weite Kreise der heutigen nationalsoziali­stischen Jugend wird über kurz oder lang eine furchtbare seelische Krise hereinbrechen. Für viele wird der Augenblick kommen, wo sie, mit einem Male sichtig geworden, die greife Fratze erkennen werden, die hinter den nationalsozialistischen Ver-

Zum Tode Dr. Herolds.

Nachruf.

3n tiefer Trauer geben wir unseren Zreunden Kenntnis von dem unerwarteten hinscheiden des Herrn Landesökonomierat

Dr. Dr. Karl Herold

Alterspräsident des Deutschen Reichstages Chrenvorsitzender der Deutschen Zentrums?artet.

Mit ihm sinkt der letzte der großen Paladine der Zentrumspartei: Gröber, Trimborn, Spahn, porsch, ins Grab. Eine Persönlichkeit, die in geradezu einziger weise die Tradition des Zentrums­gedankens verkörperte, die zugleich in bewunderungswürdiger Spannkraft sich den Aufgaben der neuen Zeit zuwandte und oft in verantwortungsvollen Stunden uns allen Stütze und Wegweiser war.

Ueber 40 Zahre war der vahingeschiedene Mitglied der preußischen Landtagsfraktion, 33 Zahre Mitglied der Feichstagsfraktion. Seide Körperschaften verlieren in ihm einen hochverehrten Zührer, einen Berater von erprobter Treue und nie versagender Sachkenntnis. 3n unübertrefflicher Pflicht­erfüllung hat er mehr als ein Menschenalter hindurch für die Ideale der Zentrumspartei in beiden Parlamenten gewirkt. Seine Arbeit gehörte mit besonderer Liebe und Hingabe den Lebensnotwendig­keiten seines Berufsstandes, für den er zäh und erfolgreich wirken konnte, weil er die Wahrung der landwirtschaftlichen Interessen stets einbaute in den Nahmen des Allgemeinwohles.

Die ganze Zentrumspartei, wie die Fraktionen des Reichstags und des preußischen Landtags, verlieren in Karl Herold einen ihrer anerkanntesten politischen Lehrmeister, dessen Sorge in wachsamer Liebe den Gedanken der Einigkeit und geistigen Geschlossenheit gewidmet war. Nicht nur seine westfälische Heimat, nicht nur die deutschen Katholiken das gesamte Vaterland verliert in ihm einen seiner besten Sohne, wir werden ihn nie vergessen und uns zur Aufgabe machen, das Werk, zu dem er so manchen Baustein beigetragen hat, in seinem Geiste weiterzuführen.

3n tiefer Trauer:

Zur die Deutsche Zentrumspartei Dr. Kaas, Vorsitzender.

Zur die Reichstagsfraktion

Esser, Dr. perlitius, stellvertretende Vorsitzende.

Zur die preußische Zentrumspartei und die Zentrumsfraktion des preußischen Landtags

Aus bet Fülle von Beileidskundgebungen zum Tode Karl Herolds seien noch folgende hervot- gehoben: Reichskanzler Dr. Brüning sagte in seiner Beileidskundgebung, die Fraktion verliere in Herold eines der befähigsten und erfahrensten Mitglieder. Mit ihm sei ein Mann aus dem poli­tischen Leben geschieden, dessen parlamentarischer Tätigkeit von den Parteien stets höchste Anerken­nung zuteil geworden sei. Seinem ausgleichenden Wirken habe Partei und Vaterland viel zu ver­danken.

Der Bischof von Münster brachte meinem Telegramm an beide Fraktionen das innigste Bei­leid zum Ausdruck. Der Präsident des Preußischen Staatsrates, Dr. Adenauer, kondolierte im Namen der Zentrumsfraktion des Preußischen Staatsrates der Reichstagsfraktion zu dem schweren Verlust. Auch die Badische Zentrumspar­tei brachte ihre Teilnahme in einem Telegramm zum Ausdruck, in dem versichert wird, daß das Andenken Herolds auch in Baden gesegnet fein werde. Ebenso sprach die Landesleitung der Bayerischen Volkspartei der Reichstags­fraktion und der Landtagsfraktion die herzlichste Teilnahme aus. Reichsminister Dietrich über­mittelte aufrichtiges Beileid im eigenen Namen und im Namen des Vorstandes der Deutschen Staatspartei. Schließlich übermittelte Präsident Lobe sein Beileid und die Teilnahme des Reichs­tages.

Zum Charakterbild Herolds ist bemerkenswert, was dieKölnische Volkszeitung" u. a. schreibt:

Es gab wohl kaum in den Parlamenten einen zweiten Mann, der so bie .alte mit der neuen Zeit zu verbinden wußte. Herold verleugnete nichts, aber auch gar nichts von der eigenen Vergangenheit und der seines Vaterlandes. Aber er verstand und begriff, was die neuen Verhält­nisse von uns fordern. Er, der das politische Leben der Vorkriegszeit jahrzehnte­lang mit gelebt hatte, stürzte sich tote em Jüngling in das parlamentarische Getriebe der Neuzeit. Und suchte es auf der Grundlage einer

Dr. heß, 1. Vorsitzender.

reichen Erfahrung und eines tiefen christlichen Gewissens mit zu gestalten. Der Uebergang von der alten zur neuen Zeit ist vielleicht diesem selbst­bewußten Westfalen nicht allzu schwer ge­worden. Denn zu manchen Erscheinungen der Vorkriegszeit, zu glänzenden Äeußerlich- keiten, hinter denen nichts steckte, zu allen Symptomen politischer und bürger­licher Knochenerweichung stand er in innerlieher Opposition. Gewissen patrio­tischen Fellen der Vorkriegszeit, bei denen es lauter als innerlicher zuging, blieb er bewußt fern. Um so inniger aber war sein Miterle ben an dem Geschick der westfälischen Heimat und um so tiefer seine Verbundenheit mit der deutschen Erde und seinem Volke. Ge­rade diese Eigenschaften befähigten ihn wohl, auch unter ganz anderen Verhältnissen rasch wieder festen Boden unter den Füßen zu gewinnen, trotz­dem er sich damals schon in einem Alter befand, in dem die Gewöhnung an neue Verhältnisse nicht leicht wird. Herold sah eben nur das Wirk­liche. Er war ein Feind alles Gemach­ten und jeder Schlagworte. Er liebte die Menschen, aber weniger die Geselligkeit. Wohl suchte und fand er nach des Tages Last und Mühe häufiger im Kreise Gleichgesinnter Erholung und Entspannung. Da konnte er der ange­nehmste Gesellschafter sein: aber die Schaustellung in. der großen Oeffentlichkeit schützte er nicht. Am liebsten hätte er wohl die Politik im Kreise von zwei bis drei gleichgestimm­ten Seelen gemacht.

*

Reichsernährungsmini st er Schiele hat zum Tode des Abgeordneten Herold an Guts­besitzer Herold jr.» Gut Lövelinkloe, folgendes Tele­gramm gerichtet:

Tief bewegt durch die Nachricht von dem Hin­scheiden Ihres auch von mir hochverehrten Herrn Vaters spreche ich Ihnen und Ihrer ganzen Fa­milie meine herzlichste Teilnahme aus. Dankbar gedenke ich b'erbei der großen Verdienste, die sich der Entschlafene um die westfälische und die gesam te deutsche Landwirt­schaft erworben hat."

heißungen grinst. Sie werden dann mit tiefster Erschütterung feststellen müssen, daß alles, woran sie lange geglaubt haben, Trug und Blendwerk war. Es darf dann nicht so sein, daß diese Ju­gend nur Leere um sich sieht und vor die Wahl gestellt wird, entweder in völlige Passivität zu versinken, oder zu den Radikalen der Linken hin- überzugehen."

Ja, vor dieser Leere müssen wir unsere Jugend bewahren. In ihrer seelischen Krise müssen wir ihr Arzt und Helfer sein!

Es wird gewiß den berufenen Führern der deutschen Katholiken leicht fallen, der weltan-chan- lich zu ihrer Fahne gehörenden Jugend durch konkrete Beispiele aus dem gegenwärtigen öffent­lichen Leden klarzumachen, daß es sich bei den lauten und anspruchsvollen Versprechungen und Drohungen des Nationalismus um Scheinverhei-

hungen handelt, die zum Teil gar nicht erfüllt werden können, weil die Mittel dazu fehlen oder die zum Teil aus rein agitatorischen Gründen aus­gesprochen werden, um diejenigen einzufangen, die nicht alle werden.

Wir müssen den raldikalen und fanatisierten Kräften, die offenbar erst auf einem Trümmerhau­fen etwas Neues erbauen wollen, von dem fi> selbst keine Ahnung haben, wie es aussehen wird, das Aktivum der lebendigen Tat entgegensetzen

Wir müssen die Jugend aufklären, in liebevol­ler Weise belehren und uns ihrer annehmen.

Wir müssen dieser schwankenden ringenden Ju­gend den Glauben an das Vaterland und die star­ken Kräfte der durch die gemeinsame Welwn- sckauung zusammerngeschweißten gleichgesinnten Menschen zurückgeben.

Wir müssen der Nachkriegsjugend die Bereit­schaft und die Befähigung des neuen Volksstaates

zeigen, sie als Gesamtheit an den Rechten mb Pflichten der Nation zu beteiligen.

Wir müssen diese Jugend bewußt und aus le­bendigem Idealismus eingliedern in die Schicksals» gemeinschaft des gesamten Volkes und müssen he daran glauben lehren, daß sie ein sehr wichtiger und gern gesehener Teil des Gesamtstaates ist.

Unsere Jugend soll, von wahren Führern ge­führt, an sich selbst erleben, daß die eigenartigen schöpferischen Kräfte, die in ihr ruhen, nutzbrin­gend für die Gesamination in deren Organismus eingegliedert werden sollen.

Nur dürfen diese Kräfte sich nicht gegenseitig dadurch aufheben, knitz die Jugend selbst unter sich aus parteipolitischer Leidenschaft Köpfe rollen läßt.

Was schließlich die große ewig lebendige Kratt des Katholizismus betrifft, so mußte es für alle diejenigen jungen Menschen, die nur einigermaßen guten Willens find, leicht sein, sich freudig und positiv, hinter die politischen Gruppen in Deutlch- land zu stellen, die kraft ihrer Geschichte, ihrer Tra­dition, ihres Programms und ihrer Talen allezeit für die Ideale des Katholizismus im Bffentn'lien Leben eingetreten sind: hinter die Deutsche Zen­trumspartei und die Bayerische Volkspartei.

In diesem Sinne bitten wir die Uebersckr'ft dieses Aufsatzes zu verstehen:

Katholische Jugend, t r e u z u r alte.n Fahne auch in der neue nZeit!

Die Aufklärungsarbeit an unsere Jugend hatte sich auch auf die Zentrumsvolitik der letzten Zwölf Jahre zu beziehen. Diese Politik ist aus den Zeit­verhältnissen sachlich zu rechtfertigen und zu be­gründen. Es kann bewiesen werden, daß unsere ölte Fahne auch noch in der neuen Zeit unbefleckt im Sturmwind flattert, und daß unsere Jungen nicht zu schämen brauchen, sich zu die,em Banner zu bekennen. , _ ,

Ich würde es im Interesse der guten SaCje dankbar begrüßen, wenn meine beiden Aufsätze An­laß zur Selbstkritik und Eewissenserforschung bet allen denjenigen, die es angeht, bieten mürben. Insbesondere dürfte es nützlich und zweckdienl-Ä fein, wenn die berufenen Instanzen der katholi- scken Studentenverbände und Studentenkorporatto- nen, aber auch aller sonstigen Jugendorganisatlo- nen katholischer Richtung innerhalb ihrer Gremien zu meinen Ausführungen in den beiben Artikeln Stellung nehmen wollten. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wenn dies in überzeugen­der Weise geschieht. Vorerst aber sehe 'ch die Dinge leider so, wie ich sie geschildert habe.

Beamtete Kaufleute.

Zur nationalsozialistischen Forderung auf Sozialisierung des Handels.

Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.

Shakespeare hat Das Wort vomköniglichen Kaufmann" geprägt. Der Vergleich, der darin liegt, enthält eine großzügige Würdigung des Hanoels- berufes und ist aus seiner Bedeutung und seinem Wesen hergeleitet. Vor allem kommt darin Zunr Ausdruck, baß der Kaufmann frei schallen und walten muß, um seiner Stellung gerecht zu wer­den, daß nur eine eigene hohe Verantwortung sein Tun zu bestimmen hat, und daß er vor allem nicht mit dem Maßslabe des Beamten gemessen werden kann. Er nimmt denn auch, was unbejlru* len ist, in der Volkswirtschaft einen ungemein wich­tigen Platz ein als Vermittler zwischen dem Wa­renhersletter und dem Verbraucher

Nun glaubt die Nationalsozialistische.Partei diese feit Menschengedenken erprobte und lederzeit sanktionierte Position des Kaufmannes ' legend ändern zu fallen, indem sie eine vollstaw dige Verwandlung der Struktur des Handels durch Sozialisierung fordert. . ,

Es braucht nicht verschwiegen zu werden, datz sich auch in den Kaufmannsstand wie in leben anderen Berus, ungeeignete Elemente emgebrangt haben und einörängen. Gerade in Notzeiten ist eine solche bedauerliche Erscheinung besonders häufig. Letzten Endes wird aber immer wieder der reelle Handel fich durchsetzen und für eine Regulierung sorgen. Dazu bedarf es keinerSo­zialisierung des Handels". Eine solche Forderung aufftellen heißt, den Sinn dieser Institution voll- ständig verkennen.

Wenn man diese Forderung aus dem theore- tischen ins praktische übersetzen, würde, so blieben zwei Wdge. Entweder men würde die Verstaat­lichung so vornehmen, daß alles bleibt, wie es ist, und nur die persönliche Verantwortung und eigene Rechnung des Händlers ausgeschaltet werden. Das würde heißen, daß der Kaufmann bann nich w> anderes wäre als ein Beamter und die Unkosten auf der bisherigen Höhe sich bewegten. Was da­gegen würde sich ändern? Vor allem würden dw Gewinnchancen lange nicht so ausgenützt werden, wie es geschieht, wenn, wie es heute der Fall ist, der Kaufmann bei geringem Nutzen feine letzten Kräfte einfetzt, ohne die Zeitdauer seiner Arbeit zu berechnen. Der einzelne Handelsmann hätte wenig Interesse mehr daran, den Konkurrenten um den Pfennig zu schlagen, damit er sein Geschäft hebe, der Kamps um den Kunden ließe erheblich nach. Dadurch würde ein Sinken des Um­satzes sich bemerkbar machen, was andererseits wieder zur Folge hätte, daß die Steuern sehr stark zurückgingen und daß die Produktion, die gerade bann einen erhöhten Jnlandsabsatz brauchen würde, wie der Warenausfuhr die Dämme einer nationa.- svzralistischen Wirtschaftspolitik im Wege lagen, einen Warfen Rückgang erfahren müßte, der seinerseits wieder in einem Abbau von Arbeitern und Angestellten äußern würde. Aber auch aus dem Handel selbst würden unzählige Men'chen, ne heute in ihm Brot finden, brotlos werden, nach­dem das Nachlassen des Konkurrenzkampfes eine Reihe von Arbeitskräften überflüssig machen würde. Es wäre also mit dieser Art, den Handel zu sozia­lisieren, eine gefährliche Situation geschaffen, die