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Donnerstag, den 15, Januar 193L

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)

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^ulva npn 14 Januar ,930

Fulda und der IS. Januar.

Wir werden vom Standortältesten Fulda, Herrn Oberst und Regiments-Kommandeur Beck um Bekanntgabe des Folgenden gebeten:

Die Reichsregierung hat bekanntlich beschlossen, den 60sährigen Reichsgründungstag feierlich zu begehen. Nach Anordnung des Herrn Chefs der Heeresleitung finden im Standort Fulda am 18. Januar 1931 statt:

1. Militärgoktesdienste in der evangelischen Kirche um 9,30 Uhr, in der Kirche auf dem Frauen­berg um 9,00 Uhr.

2. Um 12,00 Uhr Appell der I. Abtei­lung 5. Artillerie-ReLiments in der Kaserne- eine Batterie schießt 21 Schuß Salut. Anschließend Truppenparade vor dem Standort­ältesten, Oberst Beck.

Behörden und Presse werden zur Teilnahme hierdurch ergebenst eingeladen.

Die Teilnahme ist im übrigen jedermann freigestellt, soweit die Platzverhältnisse es erlauben.

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Wie gelegentlich verlautete, beabsichtigen auch die Fuldaer Militärvereine, des Reichsgründungs­tages durch eine Abendfeier zu gedenken. Ferner wird in der am 18. Januar im Gesellenhaus statt­findenden Zentrums-Veranstaltung des Reichsgründungstages in geziemender Weise gedacht werden.

Wichtig für Sozialrentner.

Am Freitag, dem 16. Januar 1931, vormittags 8.30—12 Uhr wird die Unterstützung für Januar 1931 an die hilfsbedürftigen Sozialrentner der Stadt Fulda ausgezahlt. Rote Ausweisnummer­karten sind vorzulegen. Unterstützungen, die an die­sem Tage nicht abgeholt sind, werden den Emp­fangsberechtigten auf ihre Kosten durch die Post übersandt. «

An der gewerblichen Berufsschule

sollen zu Ostern 1931 je ein Gewerbelehrer mit Fachrichtung: Baugewerbe und Holz- g e w e r b e zur auftragsweisen vollen Beschäftigung einberufen werden. Da Planstellen nicht vorhanden sind, ist die Beschäftigung vorerst nur als eine vorübergehende anzusehen. Vergütung nach den gesetzlichen Vorschriften. Bewerber mit guter Praxis und Unterrichtserfahrung müssen Gesuche bis 1. März 1931 an den Magistrat der Stadt Fulda einreichen.

Reichsgrundsätze für den Kleinwohnungsbau.

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsiden­ten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 (Notverordnung) veröffent­licht der Reichsarbeitsminister im Reichsanzeiger mit dem Datum vom 10. Januar die im Benehmen mit den Ländern aufgestellten Reichsgrundsätze über die Verwendung der zur Förderung der Bautätig­keit auf dem Gebiete des Siedlungs- und Woh­nungswesens bestimmten Mittel.

Es wird gewarnt!

Im Kreise Fritzlar hat ein Kolporteur Lange eine Sammlung für den Hessen-Nassauischen Pro- vin.zialverein „Taubstummenheim" e. V. getätigt, ohne dazu beauftragt gewesen zu sein. Auffallend war, daß er bei Geistlichen und Lehrern nicht vorgesprochen hat, obschon er durch eine Begleitperson, die das Schwindelunternehmen noch nicht erkannte, gerade auf die Persönlichkeiten hingewiesen worden war. Im Betretungssalle möge der Polizeibehörde Anzeige erstattet werden.

Achtung! Falsche Reichsbanknolen zu 10 Mark.

Im Dezember ist in Berlin wieder eine neue Fälschung einer Zehn-Marknote der Ausgabe vom 11. Okt. 1924 festgestellt worden, die im Buchdruck­verfahren hergestellt worden ist. Die Falschschsme sind in ähnlicher Stärke der echten Noten, jedoch im Griff etwas weicher. Die Pflanzenfasern fhf durch schwache, bräunliche Druckstreifen angedeu- tet. Das Wasserzeichen ist auf der Vorderseite durch Aufdruck nachgeahmt. Die gemusterte Blindprä­gung fehlt. Das Gesicht des männlichen Bildnis­ses macht einen verschwommenen Eindruck. Die

kein Haus ohne.Fuldaer Zeitung'.

Das Herz in der Faust.

Kornau eines jungen Menschen.

Von Carl Marl.

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Dumpfes Gemurmel erfüllte den weiten Raum Hier und da wurde rasselnd ein Kleiderhaken hochgezogen. Die Unruhe schwoll an. Gelles Schreien und Ruten drang über di- Köpfe hinweg zu der Empore hin. End­lich erscheint Frank, gefolgt von vier anderen Arbeitern.

„Ruhe, Ruhe!" wird kommandiert. Franks Augen blinzeln hinter der Brille unter dem Schirm seiner ab­gegriffenen Mütze über die Menge hinweg. Er legt die Hände auf das Geländer und beginnt:

„Genossen, Ihr wißt, warum wir Euch zusammenge- rufe'n haben. Einer aus dem von Euch gewählten Ar­beiter- und Soldatenrat ist unserer Sache untreu gewor­den. Die Stunde ist so ernst, daß wir keinen Verräter unter uns dulden können. Wer nicht für uns ist ist wider uns, der muß aus unseren Reihen verschwinden. (Bravo, bravo!)

Der ehemalige Unteroffizier Wilhelm Breuer hat ge­stern in einer Versammlung des Arbeiter- und Soldaten­rates erklärt, daß der AS.-Rat keine Daseinsberechtigung mehr habe. (Hört! Pfui!) Seid Ihr auch der Meinung?"

Ein Sturm der Entrüstung bricht los. Rufe werden laut: „Wo ist der Kerl? Hinaus mit chm!"

Eine Bewegung geht durch die Masse, die unten zu­sammengeballt steht Ein Mensch bahnt sich mit Gewalt einen Weg zur Empore: „Wilhelm. Er fliegt die schmaie Treppe hinauf und steht ragend und blaß neben Frank. Ohrenbetäubender Lärm schlägt ihm entgegen. Rach einer Weile legt sich der Sturm. Man ruft „Ruhe!" „Anhören!"

Frank will wieder reden. Wilhelm drängt ihn zuruck und donnert mit Stentorstimme in die Menge hinein:

„Kameraden!" (Stillgestanden! kommandiert einer von unten spöttisch näselnd Darob lautes Gelächter.) Wilhelm läßt sich nickt beirren.

„Kameraden, der Verräter steht neben mir."

Das ist zuviel. Tosendes Gebrüll verschlang jedes Wort, das Wilhelm noch sprach. Im Ru packten ihn die Männer auf der Empore und stießen ihn unsanft die Treppe hinunter. Es wäre zu einem wüsten Tumult

Verlust soweit er nicht schon bei der letzten Ver­anlagung berücksichtigt ist. Bei Steuerpflichtigen, die keine ordnungsgemäße Buchführung haben, wird der Gewerbeertrag im Wege der Schätzung ermittelt, bei der in erster Linie vom Umsatz aus­zugehen ist.

Das Gewerbekapital darf nur noch hilfs­weise als Korrektiv bei der Bemessung der Be­steuerung herangezogen werden. Erreicht der Ge- werbeertraq nicht 6 v. H. des Gewerbekapitals, so sind als steuerpflichtiger Gewerbemindestertrag 6 v H. dieses Gewerbekapitals anzusetzen. Unter Ge­werbskapital ist der gewerbliche Betrieb als sol­cher zu verstehen, d. h. das dem Betriebsinhaber gehörige Betriebsvermögen, dessen Wert aber wie­der um gewisse im Reichsbewertungsgesetz näher genannte Werte zu kürzen ist. Insbesondere ge­hören die Betriebsgrundstücke nicht mehr zum Ge­werbekapital.

Die Höhe der Gewerbesteuer wird von den Ländern kraft eigenen Rechts und von den Ge­meinden nach Maßgabe der landesrechtlichen Vor­schriften bestimmt. Der Berechnung der Steuer werden sogenannte Steuermeßbeträge zugrunde ge­legt. Die Länder und Gemeinden erheben zu die­sen Reichsmeßbeträgen ihrerseits sogenannte Um­lagesätze, die m einem Hundertsatz der Meßbetrage bestehen Der Steuermeßbetrag. alias Grund­betrag, beträgt bei juristischen Personen und oer Steuerpflichtigen mit einem gewerblichen Einkom-

katholikentag 1931.

Aus Mainz wird uns geschrieben:

Unter dem Vorsitz des Fürsten Alois zu Löwen­stein tagte am Donnerstag 8. Januar 1931, in Mainz das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Fürst Löwenstein widmete dem ver­storbenen zweiten Vorsitzenden Geh.-Rat Felix P o r s ch einen warmen Nachruf. Im Auftraae des Zentralkomitees wurde ein Kranz am Grabe des verdienten Katholikenführers im benachbarten Elt­ville niedergelegt. An Stelle des Berftocbenen wählte man Herrn Reichskanzler a. D. Di W l- helm Marx zum zweiten Vorsitzenden. Die gei- stigte Lage der Gegenwart schilderte der Präsident des Karitasverbandes Prälat Dr. Kreutz aufgrund der reliaiösen, kulturellen und kirchenpol' tischen Geschehnisse des letzten Jahres. Das Referat war ein starker Weckruf zu werktätiger Liebe md glaubensfreudiger Arbeit, der durch ein weheres Referat des Abg. Joos noch lebhaft unterstrichen wurde. Nur durch werktätigen Glauben nach dem Vorbild jener Heiligen, deren 700 'ährigen Todes­tag wir in diesem Jahre feiern, der hl. E. i s a- beth von Thüringen, sei die vielfältige Not der Gegenwart zu überwinden. Es soll dar­um versucht werden, den Geist der bl. Elisabeth auf der 70. Generalversammlung der deutschen Ka­tholiken, die in den Tagen vom 26.—30. A t» gust in Nürnberg geplant ist, in den deut­schen Katholiken zu erwecken.

Hoher die Bemühungen des Zentralkomi. es, die Entfchließunaen der Generalversammlungen insbesondere in Verbindung mit den örfticken ka­tholischen Verbänden zur Durchführung zu bringen, berichtete Generalsekretär Dr. L e g g e. Das Zen­tralkomitee beschloß nach aufschlußreichen 'Nittei­lungen über die öffentlichen und geheimen Aktionen der'Gottlosen-Verbände, gegen die Ver­legung der Internationalen Zentrale der Gottlasen- Verbände von Rußland nach Berlin bei den r- rß- gebenden staatlichen und politischen Instanzen vor­stellig zu werden und in der Oeffentlichkeit zweck­dienliche Gegenmaßnahmen ins Werk zu letzen.

Trotz stieg in ihm aus. Jo daß die Ader aus seiner Stirn dick anschwoll, ein Zeichen, daß die durch die Verwun­dung angegriffenen Kopfnerven fieberhaft arbeiteten Die Narbe links an der Stirne wurde weiß und zeichnete sich erschreckend deutlich von der sonst gesunden Gesichts­farbe ab. Mutier Breuer fürchtete diese Zeichen als Vorboten eines drohenden Gehirnschlages und versuchte Wilhelm zu zefftreuen und abzulenken. Sie nahm also seine Hand, legte die Linke auf die Sttrnwunde und sagte, weicher als es sonst eine Arbeiterfrau zu tun ge­wohnt ist: „Junge, warum quälst du dich so? Denk an deinen Kopf und mach keine Dummheiten."

Eine schlecht verb->roene Angst lag in den gütigen Worten: denn Frau Breuer konnte sich nicht verhehlen, daß mehr auf dem Spiele stand, als Wilhelm ihr er­zählte.

Wllhelm wandte sich ab damit die Mutter feine Trä­nen nicht sehe. Ein Wust von Gefühlen, Enttäuschung. Wut. Angst. Liebe zur Mittter überwältigte ihn. so daß er nicht imstande war, ein Wort zu erwidern. Er setzte sich neben den Herd, brannte eine Zigarette an und nahm die Zeitung zur Hand. Oft hatte er so geiesien und die heimelige Wärme genossen, während die Mut­ter hin und her ging zwischen Tisch und Herd und An­richte. immer beschäftigt, wenn auch ohne Hast und Ueberstürzung. Diese abgeklärte Rude hotte etwas still Melancholisches, das sich wie ein Stimmer von Ehr­furcht um die Mutter breitete Für Wilhelm wenigstens war es so, und gerne verschanzte er sich hinter die Zei­tung, um d«e Mutter ungestört und unbemerkt in ihrem Walten beobachten zu können. Er tat das immer dann, wenn er mit seinen Gedanken nicht zurechtkommen konnte. Als wäre die Ruhe und Ordnung, die von der Mutter ausginq, auf seine erregten Nerven überge­flossen. Die Mutter selbst schien sein Wohlbehagen zu merken und ließ ihn stets ungestört, wenn sie ihm auch ihre Freude nicht verhehlte, so ost er sich entschloß, ihr ein Stündlein neben dem Herd zu leisten.

An diesem Abend sprach Wilhelm wenig. Die Mut­ter merkte, daß er mit seinen Gedanken beschäftigt war und fragte hie und da nur ganz belanglose Dinge Wil­helm antwortete darauf kurz mit ia oder nein. Gegen 8 Uhr stand er auf, faltete das Blatt und bemerkte er müsse doch zum Betriebschef Hennes gehen, um sich Ge­wißheit über die ganze Angelegenheit zu verfchasfen.

Freundes Beethovens: „Vom Steirischen zum Wiener Walzer" seine Entstehung verdantt, und knüpfte daran sehr interessante Ausführungen über die Stellung des Dreivierteltaktes in Tanz und Bolksgesang wobei er er­wähnte, daß von den 600 Liedern Franz Schuberts nur 138 Dreivierteltakt haben, während Beethoven immer noch den Dreivierteltakt bsrvorzugt Die Wiener Musik in ihrer Weiterentwicklung schildernd, hob der Redner hervor: Es steckt in der Wiener Musik erfreulich viel Schönes, aber auch viel Kitsch, sogar viel Edelkitsch, der durch die ganze Welt gegangen ist. Wir gingen nun mit dem Redner durch die Zeit des Rokoko, durch die Bieder­meierzeit mit ihrer still-beschaulichen Romantik hörten u. a. drei Liederperlen: „Das Veilchen" von Mozart. . Der Lindenbaum" von Schubert und „Ständchen" von Haydn, dann einiae Schubert-Walzer und die große Walzervhantasie: „Traumbilder" von Ioh. Strauß, wie Dr. Günther urteilt, vielleicht der letzte Romantiker im edelsten Sinne des Wortes. — Von dem künstlerischen Musizieren gina er dann über zur Volksmusik. Er zeigte uns die Bratl-Geiger diele Sänger der ganz alten Volkslieder aus dem 14. u. 15. Iahrh., sowie die Zunft der bodenständigen österr. Spielleute, und trug am Müael mehrere ihrer Lieder vor, darunter ein typisches Abschiedslied. M'lgezeichnet im ..K'östergärtlein" her Benediktiner in Merk. Einige Soldatenlieder schlossen sich an. Dann wurde der Wiener von der ungemüt'ichen Seite genommen: „Die Geschichte von einem Tanz­boden"' in Dialogsorm. Das besondere Interesse der Zu­hörer beanspruchten auch die musikalischen Straßenrufe Die Aepselverkäufer singen mehr auf einem Ton die Scherenschleifer mehr in Terzen die Lavendelfrauen rufen fe nachdem in Bur oder Moll. Ein ganz lust oer Strok-enruf ist der der Bäcken (lies: Bäcker)-bnben Mit der Wiedergabe des ebenso rührenden wie kindlich-from­men und herzlichen Nachtwächterrufes schloß der Vor­

Das Seiet Dr Günthers am Flügel offenbarte große Sachlichkeit und Klarheit und hervorragende Ge­staltungskraft die alles mit eigenem Leben erfüllt Einen besonderen Genuß bot die arundmusikalische Begleitung, die jeder kleinsten Regung der Sängerin elastisch folgte In Lore K o r n e l l lernten wir eine hochbegabte Künst­lerin kennen, die mit einer feinst geschliffenen Kesanges- kunst dem Schmelz ihres Organs und der großen Skaia ihrer Ausdrucksmittel die Zuhörer in ihren Btnn zog Die Wiedergabe der ..Lavendelfrau" war em Seelen* qemälde von bestrickender Lebenswahrheit.

Der geftriae Abend zählt zu den besten, bte m den 14 Jahren d->s Bestehens der Vortragsvereinfgung geboten worden sind. In inniger Dankbarkeit wurde be-den Künstlern starker Beifall gezollt. A. W.

Die Siuhlverstopfnng.

Von Dr. meb. kanellis, Berlin.

Bei Stuhlverstopfung und Hartleibigkeit wird der Leib durch Anhäufung unverdauter Nahrungsreste im Darm gespannt und aufgebläht. Man fühlt sich unbehaglich und leidet unter dem Gefühl der Völle und an Appetitlosigkeit. Blutandrang, Eingenommensein des Kopfes und leichte Schwindelgefühle machen sich bemerkbar. Hier schafft man am zweckmäßigsten dadurch Abhilfe, daß man gleich bet den ersten Stuhlbeschwerden ein pflanzlrches Abführmittel anwendet, wie es die mild und zuverlässig abführenden Apotheker Richard Brandts Schweizerpillen sind, bte man in allen Apotheken erhält. Am besten nimmt man bte Pillen abends vor dem Schlafengehen ein. Die Wirkung erfolat bann am nächsten Morgen, ohne baß bte Nachtruhe gestört wird.

Ziffer „1" der linken unteren Wertzahl ,10" ist qrößor und nach links unten verstümmelt gedrucki Die Rückseite ist in der Färbung bunter ils die der echten Noten, auch ist der Druck unsauber Für die Aufdeckung der Falschmünzwerkstätte b ft die Reichsbank eine Belohnung bis zu 3000 Mk. aus­gesetzt.

3n der Kapelle des Herz-Jesu-He'ms

wird am Freitag (16. 1.) morgens 7 Uhr ein See­lenamt für den hochw. Herrn Generalvikar D r. Müller gehalten, zu welchem die Verwandten und Nahestehenden eingeladen sind.

Der Landesausschuß

beschloß, den diesjährigen Kommunalland- tag für den Regierungsbezirk Kassel auf den 23. März nach Kassel einzuberufen. Die Voranschläge für die einzelnen Landeskrarttcn- bäuser, für den Landwege- und Landstraßen-Bau- Etat und die sonstigen Anstalten des Bezirksver- s'andes Kassel sollen in der nächsten Sitzung des Landesausschusses am 24. Februar bearbeitet wer­den. Diese Arbeit wird mehrere Tage umfassen.

Der langjährige Präsident der Landwirtschaft s- kammer für Surheffen und Waldeck

Landrat a. D„ Alexander von Keudell, auf Schloß Wolfsbrunn bei Schwebda im Kreise Eschwcge, begeht am 16. Januar feinen 70. Ge­st u r t s t a q. Landrat a. D- von Keudell sst fest mehreren Jahrzehnten der Vorsitzende des Kom­munallandtages für den Regierungsbezirk Kastel und war bis 1918 Landrat im Kreise Eschwege.

»

Ls schneit.

Immer wieder wird der Blick von der Arbeit abgelenkt auf das feine weiße ©erinfel vor dem Fenster, das nun schon den ganzen Tag aus Hellen Wolken auf die Erde niederläuft und die gegen­überliegenden Dächer, und Bäume unmerklich in eine weiße Decke hüllt. Es geht zwar sehr langsam, aber wenn es noch viele Stunden geruhsam schneit, dann sind alle Vorbedingungen für ein frohes Wochenend in der Rhön gegeben.

kein Tagegeld für Sraflwagenreisen der Forst- beamken.

Da ein Kraftwagen unverhältnismäßig leistungs­fähiger ist als ein Pferdegespann, so ist es, wie d:e Deutsche Beamtenbvnd-Korrespondenz erfahrt, nach einem Erlaß des Preuß. LandwirtsäMftsmiwfters nicht angängig, Forstbeamten mit, eigen en Kraftwagen, für die sie eine entsvrechende Dienstaufwandsentfchädigung aus der Staatskoste erhalten, für kürzere Reisen zu dienstlich angeord- neten forstlichen Besprechungen, gemeinsamen Holz- verkäufen und berat Fahrkosten zu zahlen. Unter solchen „kürzeren Reif-n" sind fortan Fahrten bis zu 50 Km. in einer Richtung vom Wohnorte des Beamten aus zu verstehen. Die Zahlung des ge­setzlichen Tagegeldes wird durch die Anordnung nicht berührt. ———

Vortrags-Vereinigung.

Dr. Felix Günther und Lore Sornell. Berlin: Wien, ein musikalisches Porträt.

In warmen leuchtenden Farben, bie auch des heite­ren Kolorits nicht entbehrten, entwarf gestern Dr Fe -r Günther ein Bild von der Musikhauptstadt her Wett Seine Ausführungen waren natürlich nickt wissenschaft­licher Art: was er bot, war ein Stück Musikgeschick.e zugleich ein Stück Kulturgeschichte, ein Stuck deutscher Volkskunde. Der Redner widerlegte bte furchtbar schwer auszuräumende Auffassung, daß Wien vollständig iden­tisch sei mit dem Walzer. Das Ursprüngliche an der Wiener Musik ist der Walzer gar nicht. Zum Beweise spielt der Vortragende einen Wiener Volkstanz aus dem 16 Jahrhundert, der ganz typisch slawischer und einen solchen von Michael Haydn, der ungarischer und einen dritten, im „Wiener Tanzbüchlein" des 16. Sahrunberts ausgezeichneten Tanz, der ganz italienischer Herkunft ist. Der Grund der Wiener Musik beruht ganz auf fremden Einflüssen: unabhängig von dieser fremden Beeinflus­sung hat Wien es immer verstanden, auch unter schwie­rigsten Verhältnissen seinen deutschen Charakter zu wah­ren Es ist ein großer Austausch musikalischer Gedan­ken, der sich jahrhundertelang hier vollzieht, und der bil­det bas Grundelement der Wiener Musik. Durch unge­heuere Musizierfreudigkeit und ausgeprägten, durch fleißige Gesangsübungen gepflegten Klangsinn zeichnet sich die Wiener Musik'des 15. und 16. Jahrhunderts aus. Es hat lange gewährt, bis Wien ausdauernd ernsthaft musizierte. Die Erbauung des ersten Opernhauses in Wien zu Anfang des 18. Jahrhunderts bildete den Aus­gangspunkt. Mitte dieses Jahrhunderts begann Io etwas wie ein höfisches Musizieren, bis Ende des 18. Jahrhunderts, wo deutsche Künstter Gluck, Mozart usw. mit Erfolg gegen den italienischen Geist kämvsten, sich eine Evolution bemerkbar macht. Dje persönliche Note kam jedoch erst anfangs des 19 Jahrhunderts beim Wie­ner Kongreß. Wien wurde Schauplatz der größten Feite und des aristokratischen Lebens. Bei den Empfangen wurde viel getanzt. Der Vortragende bot weiterhin eine Geschickte des Wiener Walzers, der dem Buche eines

Mit den verheißungsvollen Worten „Steuerver­einfachung und Steuervereinheitlichung" ist der dritte Teil der Verordnung des Reichspräsidenten vom 1. 12.1930 überschrieben. Die Grundzüge die­ser Bestimmungen, soweit sie allgemein interessie­ren, sollen im folgenden kurz besprochen werden.

Die wesentlichste Neuerung besteht in der Ver­einheitlichung des Grund- und Gewerbe­steuer r e ch t s, dessen Durchführung für die Zeit vom 1. April 1932 ab vorgesehen ist.

Vorweg sei bemerkt, daß Grund- und Ge­werbesteuern Lcmdessteuern bleiben.

Besteuerungsgrundlage ?ür die Grund steuer — übrigens auch für dis Grund erwerb steuer ! — ist in Zukunft der nach den Vorschriften des Reichsbewertungsgesetzes für den Steuergegenstand festgeftellte Einheitswert. Damit ist ein für alle Mal den bisher buntscheckigen Grundbeträgen der verschiedenen Landesgrundsteuern der Garaus ge­macht. Die Höhe der Grundsteuer wird von den Ländern kraft eigenen Rechts und von den Ge­meinden nach Maßgabe der landesrechtlichen Vor­schriften festgesetzt. Als Steuersätze kommen nur Taulendsätze' vom Einbeitswert in Frage. Ab­stufungen '(z. B. nach Wert oder Größe) sind nur noch für landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder gärtnerische Betriebe möglich.

Maßstab für die Gewerbe steuer ist in Zu­kunft in erster Linie der Gewerbeertrag. Unter Gewerbeertrag versteht man den Betrag, der sich bei Steuerpflichtigen mit ordnungsgemäßer kauf­männischer Buchführung ergibt, wenn dem nach den Vorschriften des Einkommen- bzw. Körpsr- sckastssteuergesetzes berechneten Gewinn (d. h. den Reineinkünften) gewisse im Gesetz näher aufge­führte Beträge hinzugerechnet werden und die Summe (Reineinrünfte und Hinzurechnungen) wie­der um gewisse im Gesetz genannte Betrage ge­kürzt wird. Hinzuzusetzen sind u. a. Schuldenzimen, soweit sie nickt aus laufenden Verbindlichkeiten her- rühren, Gehälter, Tantiemen und Vergütungen. Zu kürzen ist die Summe der Reineinkünfte und Hinzurechnungen insbesondere um die Fehlbeträge, die sich bei Ermittlung des Gewerbeertrages für die beiden vorausgegangenen Rechnungsjahre er­geben haben, also um den sogenannten Gewerbe-

getommen, hätte Frank nicht sofort wieder das Wort er­griffen und zur Ruhe gemahnt. Als er sich wieder ver­ständlich machen konnte, legte er der Versammlung den Beschluß des AS.-Rates vor: Die Belegschaftsversamm­lung verlangt die fristlose Entlassung des Arbeiters Wil­helm Breuer. Weigert sich die Zechendirektion, so tritt die ganze Belegschaft in den tSreik. Morgen früh um sechs Uhr versammelt sich die Belegschaft wieder in der Waschkaue, um das Resultat der Verhandlungen des AS.-Rates entgegenzunehmen.

Der Beschluß wurde angenommen. Die Senk ver­ließen laut disputierend die Waschkaue. Der 21« -Rat begab sich sofort in das Büro des Betriebschefs. Wil­helm hatte sich unbemerkt entfernt.

Während das ganze Dorf an diesem Wend in Heller Erregung die unerquickliche Sage besprach, saß Wilhelm daheim bei seiner Mutter und erzählte ihr nach und nach den Hergang der Ereignisse feit gestern Abend. Zuviel war in vierundzwanzig Stunden auf ihn einge­stürmt, er mutzte sich Luft machen.

Als er gegessen hatte, schob er den Teller beiseite und seufzte tief. ,

„Was hast du Junge?" fragte Frau Breuer zaghaft.

-„2Id) nichts!" Dann stierte er grimimg vor sich hin „Wilhelm, du hast Aerger gehabt, ich seh es dir an", drang Mutter Breuer in ihn.

„Wenn du es absolut wissen mußt — ja! Ich werde wohl morgen meine Papiere bekommen."

„Du? — Du sollst doch Hilfssteiger werden."

„Wer hat dir das gesagt?" Wilhelm sprang hoch bei diesen Worten.

„Die Gertrud Hennes war doch gestern abend noch hier. Sie wußte es von ihrem Vater.

„Die Gertrick Hennes, die mich im Lazarett gepflegt hat?" — Frau Breuer bekam große Augen, als sie sah, wie Wilhelm bei dieser Frage stutzig wurde und wie eine leichte Röte fein breites Gesicht überflog

Es gibt im Leben Augenblicke, da wir uns weder aus noch ein wissen. Schwarzes Dunkel umgibt uns. düstere Gestalten treten von allen Seiten auf uns zu Aus ein­mal taucht ein Licht auf. Ungeahnte Helle breitet sich aus.

So erging es Wllhelm in diesem Augenblick Sofort war sein Enffchluß gefaßt. Er mußte wissen, ob er auch jetzt noch das Vertrauen des Betriebschefs besaß. Wilder

Aeuervereinsachung und SleuervereinheiMchung

Von Regierungsrat Jacobson.

Das sei wohl das beste, meinte die Mutter, und bat ihn, der Gertrud zu bestellen, daß sie morgen früh dir Wäsche abholen könne.

Wilhelm winkte und ging. Die Straße war leer. Di« Nachtschicht mußte schon begonnen haben, denn niemand der Koloniebewohner kam oder ging.

Daß er „der Gertrud" etwas mitzuteilen habe, be» fchäftigte Wilhelm unterwegs mehr, als ihm recht war. Er wollte doch vom Betriebsckef wissen, was nun wer­den sollte; was ging ihn das Mädchen an! Aber Ger­trud hatte scheinbar noch mehr gewußt, hatte sich eitrig für ihn eingesetzt bei ihrem Vater. Der Alte hatte, ihn prompt kommen lassen, der Tochter also den Willen getan. Seine Frau war tot — und einem Weibeswillen jnuß der Mann ja unterstehen. Wilhelm lachte hämisch in sich hinein, und unbewußter Trotz formte in chm den Satz: „Ich tu nicht, was die Gertrud will". Dennoch nahm ihn eine eigenartige Beklommenheit gefangen als Wilhelm sich der kleinen Billa des Chefs draußen vor dem Dorfe näherte Das Mädchen hatte ihm damals im Lazarett schon einen gewaltigen Respekt eingeflößt, als sie ihn pflegte. Niemand von den Schwestern hatte so frisch zugepackt, wenn sein Bett gemacht werden mutzte. Keine war fo sanft in ihren Bewegungen so angenehm leise im Sprechen gewesen. Eer ertappte sich darauf, leise im Sprechen gewesen. Er ertappte sich daraul, das war nicht schwer: denn wer diese Kinderhände ein­mal gesehen hat, vergißt sie nicht wieder Fast errötete Wilhelm jetzt noch, als er sich des Verlangens er- innerte, diese Hände einmal küssen zu dürfen. Aber, war sie nicht allen Soldaten gleich gut gewesen? Hatte sie nicht jedem kleine Veilchensträutze mitgebracht? Wur- den nicht im ganzen Lazarett Verse auf die blonde Schwester, aus ihre schwarzen Augen, auf ihre schlanke, herrliche Gestalt gemacht. ....

Je näher Wllhelm dem Hause des Betriebschefs kam, um so deutlicher trat alles das wieder vor feine Phan­tast- Eine Bitterkeit hatten diese Erinnerungen: Schwe- ster Gertrud hatte den ersten und einzigen Brief, den er ihr von der Somme her geschrieben, nickst beantwor- tet. Lange lange war Wilhelm mit sich zu Rate gegan­gen, wie das wohl zu erklären sei. und schließlich bl eb immer nur als einziger Grund der soziale Unterschied: Sie. die einzige Tochter eines Betriebschef, er, der Sohn einer Arbeiterwitwe.

(Fortsetzung folgt)