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NILS

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Beilage zur Fuldaer Zeitung

14, Ianuar

Jeden Morgen.

Jeden Morgen, wenn die Stadt erwacht und Millionen ins Mahlwerk schleudert, gehe auch ich in der endlosen Reihe und stürze hin in die Arbeit.

Wir fahren über und unter der Erde hin zu den Büros und den Fabriken. Die großen Autos büffeln über die Straßen, die Stadtbahnzüge find überfüllt.

In diesem großen, mächtigen Atemholen der Arbeit am frühen Morgen gehen wir hin, Männer und Frauen, Mädchen, Jünglinge und halbe Kinder.

Lächell der Tag? Wir wissen es nicht. Leuchtet die Sonne? Wir sehen sie kaum. Wehen die Winde? Für uns sind sie tot. Wir stehen im Werk und an den Maschinen.

Gärten gibt es und Hügel mit Wiesenschaumkraut, Bibliotheken, Honigwaben des Wissens,

Meere, smaragden und blau, Tanzplatz der Stürme, und Schiffe fahren vom Norden zum strahlenden Süden.

Manchmal halten wir inne im Schaffen, laut hämmert das Herz, und hinter den eisernen Türen, den großen Maschinen sehen wir Licht.

Aussteigt eine neue, psalmende Sonne.

Max B a r t h e l*),

Mil frischer Kraft ans Werk.

Wieder hat ein neues Jahr begonnen. Was wird es uns bringen? Kommt die Wendung zum Besseren oder wird die Arbeitslosigkeit weiter um sich greifen? Niemand weiß es. Doch ist der größte Teil unseres Volkes bereit, die Voraussetzungen für die Ueberwin- dung der Krise zu schaffen, indem er den Elementen, die aus Unruhe und Umsturz sinnen, eine bewunde­rungswürdige Ruhe entgegensetzt. Obwohl die Not in diesem Winter größer ist als im Vorjahre, hört man weniger von Unruhen der von radikalen Parteien ver­hetzten Massen. Diese Tatsache verstärkt die Hoffnung, daß das deutsche Volk sich ebenso ungebrochen aus dem Drangsal der W e l t w i r t s ch a f.t s k r i f e erheben wird wie es den Zusammenbruch im Weltkrieg und die Inflation in wenigen Jahren überwunden hat. Freilich müssen sich alle darüber klar sein, daß die Un­ordnung in der Wirtschaft nicht von heute auf morgen beseitigt werden kann. Man braucht dazu Jahre, und die Anstrengungen der besten Geister müssen sich ver­einigen, um die Organisation der Wirtschaft durchzu­führen. Auf keinen Fall kann sich unser Volk und die Menschheit auf das Gelingen nationalsozialistischer und kommunistischer Experimente verlassen. Die Kosten der Versuche müssen letzten Endes doch nur die breiten Mas­sen tragen, mit dem Ergebnis, daß sie am Ende vor einem Trümmerhaufen stehen.

Die Hoffnung, daß unser Volk vor diesem grausamen Ende bewahrt bleibt, ist gestiegen, seitdem ein Mann die Führung in Deutschland übernommen hat, der ent­schlossen ist, ein groß angelegtes Reformwerk durchzu- sühren: Reichskanzler Brüning. Zu Beginn des Jahres 1930 fragten wir imBlatt der Jugend" in einer BetrachtungWie wird es im Jahre 1930":Wo sind die Männer, die einmal durchgreifen, die einmal ohne Rücksicht auf das Geschrei zur Rechten und zur Linken das tun, was sie als richtig erkannt haben? . . . Von der Regierung erwarten die innerpolttische Reform. Sie darf nicht zulassen, daß Nichtskönner in Deutsch­land heute den Mund am weitesten aufreißen!" Wir ga­ben dem Wunsche der staatstreuen Jugend nach einer m u- tigen und kraftvollen Führung Ausdruck. Heute können wir mit Genugtuung feststellen, daß Deutschland in seiner schweren Zeit wieder einen Führer gefunden hat. Natürlich ist auch Brüning kein Zauber­künstler, er kann nicht die Verhältnisse durch ein Kom­mando ändern. Aber was ihm die Achtung aller Deut­schen, die noch sachlich denken können, eingetragen hat, ist die Tatsache, daß er h a n d e l t, daß er keine große Worte macht und die politisch unreifen Deutschen nicht durch ge­wagte Versprechungen für eine Partei zu gewinnen sucht

*) AusWir Werkleute all", ein Querschnitt durch die soziale Dichtung nach der Jahrhundertwende, Volksvereinsverlag, M.-Gladbach. __________

Als Zimper, Flieger und Zöger in Süd-Amerika.

Von Bernhard Schroeder-Wiborg.

Copyright by Fischer Verlag, Berlin.

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Jetzt schien es mir, als wenn mein Gegenüber sich an die Eisenleiter lehnte und schlief.

Ich erschrak und rief:Holla, lieber Freund, nicht schlafen! Wir sind gleich da!" Ich sagte das nur in der Hoffnung, ihn wach zu halten.

Wenn wir bald da wären--?" klang es

stockend mit einer verschlafenen und jetzt noch schöneren, weicheren Stimme zurück.

Heftiges Mitleid ergriff mich mit diesem Menschen. Um meiner inneren Bewegung besser Herr zu werden, zog ich die Pfeife aus der Tasche und füllte sie mit Tabak.

In diesem Augenblick huschte ein Schatten neben mir durch die Brückenschwellen in die Tiefe.---

Der andere Puffer war leer.

Ich stand wie versteinert und krallte mich an die Eisenleiter. Mein erster Gedanke war:Vielleicht ist er noch zu retten!"

Der Zug verließ eben die Brück« und begann wieder Geschwindigkeit aufzuholen.

Ich sprang und landete glücklich, mich mehrfach über­schlagend, unten an der hohen Böfchung des Bahndam- mens. Nicht die geringste Verletzung brachte mir diese Notlandung.

An den Fluß gehend sah ich, daß das Wasier sehr tief war. Es schien mir ziemlich sicher, daß mein Reise­gefährte ertrunken war.

Da ich in der Dunkelheit nichts sehen konnte, schleppte ich mir von dem im Walde reichlich vorhandenen Bruch­holz zusammen und zündete ein Lagerfeuer an.

Solle der Mann sich auf diese Seite des Flusses ge­rettet haben, so würde er ja das Feuer sehen und sich einstellen. Daß der Aermste auch wieder eingeschlafen war!

mit es der laute Trommler Hitler und dessen unzähligen Funktionäre tun.

Die organisierte katholische Jugend hat sich geschloßen hinter Brüning gestellt. Der Gedanke, einejunge Volksfront" gegen die Gegner eines freien deutschen Volksstaates und christlicher Lebensauffassung zu bilden, greift immer weiter um sich. Er hat schon in vielen Dör­fern des Fuldaer Landes Fuß gefaßt. Ueberall gliedern sich junge Katholiken in dasjunge Zentrum" ein, frei­willig, nicht weil sie die Partei haben will oder weil sie sich persönliche Vorteile versprechen. Sie wollen nicht von der Parteigehabt" werden und sich in die Organisations- Zweige der Partei hineinschieben lassen, wie das neuer­dings die Sozialdemokratie mit jungen Sozialisten ver­sucht. (Sergi, einen Artikel vom M. d. R. S o l l m a n n in der VolksstimmeVerjüngung"). Der Aufbruch des jungen Zentrum" kam spontan, er war die Konsequenz aus dem Streben der katholischen Jugend nach der Ver­wirklichung des Christus-König-Gedankens.

Diese politische Bewegung der katholischen Jugend wird nicht durch kindische Sticheleien der radikalen Geg­ner aufgehalten werden. Im Gegenteil, alle Angriffe wer­den nur den Willen stählen, alles zu tun, damit die g e - famte katholische Jugend erwacht und hilft das deutsche Volk aus dem Bann des radikalen Sozialismus und Na­tionalismus zu befreien. Unsere Aufgabe in 1931 muß es fein, bte Kräfte zu sammeln, die zum Aufbau einer deutschen Volksgemeinschaft und eines g e- sunden Staates befähigt sind. Das Jahr 1931 ist ein Kampfjahr um die Seele des deutschen Volkes; es finoet uns entschlossen und zum vollen Ein­satz bereit.

Jugendverein und Arbeitslose.

Aus einem Bauern- und Arbeiterdorf des Fuldaer Landes wird uns geschrieben:

Hei, das war ein schöner Abend! Um 7.30 Uhr war die Versammlung ins D o r f h e i m einberufen. Die Arbeitslosenkommission des Vereins hatte jedem jugend­lichen Arbeitslosen über 18 Jahre eine schriftliche Ein­ladung zugestellt. Aber alle Jungmänner waren will­kommen. Mollig war das Heim erwärmt. In Huf­eisenform standen die Tische. Zur festgesetzten Stunde kamen sie, zunächst einzeln und schüchtern, dann in

Trupps. Langsam füllte sich der Saal. 95 Prozent aller Jungmänner waren erschienen. Auch die Lehr­personen des Ortes hatten sich eingefunden.

Der Präses leitet heute selbst die Versammlung. Zur Begrüßung. Notzeit verlangt außerordentliche Mittel. Darum wollen wir eine Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Jungmännerverein und der übrigen Jugend bilden. Alle wollen wir in diesem Notwinter Mitarbeiten, freund­schaftlich, ohne Hervorkehrung der Gegensätze. Dann werden die Gäste mit dem Vereinslied begrüßt.

Danach zeichnet der Präses den Plan für die Winter­arbeit. Er geht aus von den Schäden der Arbeits­losigkeit gerade für den Jungmann in wirtschaftlicher, beruflicher, geistiger und seelischer Hinsicht. Durch die ge­schlossene Arbeitsgemeinschaft soll einerseits bei den Mitbürgern das Verständnis für die Sage gerade der jugendlichen Arbeitslosen geweckt und gefördert werden. Zwei Arbeitsabende sollen diesem Ziele dienen, ein Abend für die B e r u f s f ch u l u n g und eine zweite für die Lebenskunde. Der Abend für Lebenskunde soll dreiteilig gehalten werden. Im ersten Teil Anstands­und Höflichkeitsfragen, im zweiten soll das Verhältnis von Jungmann und Jungmädchen im Anschluß an Schilgens BuchDu und sie" besprochen werden und der dritte Teil soll Fragen der Wirtschaft, Staatsbürger- künde, Geschichte und des Allgemeinwissens enthalten. In diesem dritten Teil werden die Jungmänner selbst die Vorträge halten und durch Rede und Gegenrede ge­schult werden. Lied und gesunder Humor werden nicht vergessen werden.

Der Hauptlehrer entwickelte dann seinen Plan für die Berufsschulung. Obstbaumpflege, Raumlehre, Deutsch und Buchführung sollen in geschickter Verbindung be­trieben werden. Dazwischen eingelegte Lichtbildabende, die in das Gebiet der Berufsschulung und Lebenskunde fallen, sollen Abwechselung bieten.

In der jetzt einsetzenden lebhaften Aussprache werden noch die Einzelheiten für die Abende nach den örtlichen Verhältnissen besprochen. Gemeinsame Lieder, manches eingestreute humorvolle Wort lassen rasch die Zeit ver­streichen.

Möge der Abend dem Gemeinschaftsgeist der Dorfjugend gedient und den Willen zur treuen Mit­arbeit gefördert haben. Deutsche Jugend, es werden auch wieder bessere Tage kommen! Heil dir, katholische deutsche Jugend!

der Jugendbewegung, das, was sie an vielen positiven Werten brachte, sollte die neue kath. Jugend doch be­gierig aufnehmen. Aus der Vereinsmeierei müssen wir heraus. Der Verein mußSchmiß und Schni11ig- k e i t" erhalten, wie Dr. Sonnenschein sich ausdrückt. Aus der Lebendigkeit dieser Vereinsarbeit heraus wollen wir unsere Fragen, Schwierigkeiten und Anregungen ge» meinfam in diesem Blatt besprechen. Nicht blutleere, blasse Gedankenabyandlungen sollen hier stehen, sondern Niederschläge unsers Ringens um Klärung und Er­füllung unserer Aufgaben, wie sie zahllos am Horizont von 1931 stehen.

Zum dritten. Wir werden jedoch nicht in den Tau­mel eines oberflächlichen Kulturkatholi­zismus fallen. Letztes Ziel ist Einfügung der viel­fachen Wissensgebiete in den großen Rahmen einheit­lichen und christlichen Denkens. Alles, was uns an gei­stigen und kulturellen Kräften gegeben ist, soll uns die­nen, das Reich Gottes überall hineinzutragen, das Zeichen Christi auch der modernsten Welt auszuprägen. Dazu bedarf es aber Männer und Frauen, die ein star­kes religiöses Leben leben. Nur unter den Händen derer, die ein wahres Christentum in der Seele tragen, wird sich all das, was sie anfassen, in christlichen Geist formen. Nur diese werden wieder verstehen, ein feines Familienleben zu führen, die Freude am Kinde zu finden, den Beruf als Dienst an der Familie und der Volksgemeinschaft aufzufassen. Aber dazu müs­sen den jungen Menschen wieder die großen Kraftquellen unseres Glaubens aufspringen. Wir müssen wieder ler­nen: staunend still zu stehen vor der Größe Gottes, ein­zudringen in das Geheimnis der Sünde und Erlösungs­bedürftigkeit der Menschheit und in das Geheimnis des Kreuzes in Christi und des Christen Leben, froh zu wer­den im Bewußtsein, daß Gott unser Vater ist. Das Verständnis müßte wieder einen Weg finden zu dem

Zungbaueru" Kursus im Dekanat Hilders.

Vom 18. bis 25. Januar findet für die reifere kathol. Bauernjugend des Ulstertales ein Iungbauern-Wander- kursus statt. Geleitet wird der Kursus von Herrn O p de Hipp, Referent für das Landjugendwesen bei dem kathol. Jungmännerverband in Düsseldorf.

Alle Pfarreien des Hilderser Dekanates sollen nach Möglichkeit damit bedacht werden, und zwar Reul- b a ch am Sonntag den 18. Jan. Wüstenfüchsen am Montag, den 19. Jan., Batten, am Dienstag, den 20. Jan., Hilders, am Mittwoch, den 21. Jan., Eck- weisdach, am Donnerstag, den 22. Jan., Sim­mershausen, am Freitag, den 23. Jan., Lahrbach, am Samstag den 24. Jan.

Gewiß wäre bet einem Wochenkurs an der Zentrale in Hilders gründlichere Schulungsarbeit für unsere Jungbauern möglich als bei solchen Tageskursen von von Pfarrei zu Pfarrei. Wer es könnten dann auch nur Wenige aus jedem Dorf erfaßt werden, die Teilnehmer hätten weite Wege und große Opfer und deshalb nur geteiltes Interesse an der Sache. Die Bezirksleitung der kathol. Jugendverbände ist wegen Mangel an Mit­teln diesmal nicht in der Lage, eine mehrtägige zentrale Veranstaltung aus ihren Mitteln zu finanzieren.

Getragen wird die ganze Veranstaltung von den kath. Iugendverbänden, dem Jungmännerverband, dem Ge­sellenverband, der Deutschen Iugendkraft und von den kathol. Pfarrämtern. Wir hoffen, daß auch die Bauern- vereine und Darlehnskassenvereine unsere Arbeit begrü­ßen und unterstützen.

Die Teilnahme ist kostenlos für alle Jungbauern ohne Unterschied. Das Programm der Tagung ist wegen der Umstellung vom Fünf-Tagekurs auf Ein-Tagkurs sehr gedrängt.

Bon 9 bis 12 Uhr vormittags: Jungbauer und Beruf (mit Lied und Kurzweil-Einlage).

Von 2 bis 5 Uhr nachmittags: Jungbauer und Wirt- fchast (mit Spiel-Einlage).

Von 7 bis 10 Uhr abends: Familie, Volk und Staat (Gemeinschaftsabend mit Eltern- und Lichtbilderoorttag).

Wir Höften, daß unsere Tagung vom ganzen Bauern- tum getragen wird und daß trotz des Pefsimisrnus, der sich überall breit macht, an jedem Ort eine recht zahlreiche und eifrig strebende Jungbauernschaft diese Gelegenheit gern ergreifen wird, um sich geistiges Rüstzeug für die Erhaltung eines gesunden Bauerntums zu holen.

Die kath. Jugendverbände des Bezirks Hohe Rhön.

Erschrocken gehorchte ich und wurde dann vor den Eingang des Bahnhofsgebäudes geführt. Hier stand noch so ein armer Sünder, den man ebenfalls geschnappt hatte. Man verlangte uns die Papiere ab und trug sie in das Bahnhofsgebäude. Was würde werden? Droh­ten mir wiederum die Ketten?

Der uns bewachende Polizist stand etwas abseits, da­her konnte ich mich mit meinem Leidensgenossen flüsternd unterhalten. Dieser, ein Mexikaner, war ebenfalls nie­dergeschlagen, er fürchtete, daß es uns übel gehen würde. Wir warteten eine Stunde und dann noch eine!

Dann erschien der andere Polizist wieder mit unseren Papieren und sagte ein klein wenig lächelnd:Jener Güterzug dort auf dem dritten Geleise läuft in einer Stunde nach dem Süden aus!"

Ich war so freudig überrascht, daß ich dem Polizei- mann meinen letzten Tabak schenkte. Dann krochen der Mexikaner und ich auf einen offenen Waggon, zwischen die geladenen Ouebrachohölzer.

Da waren wir nun wirklich gut versteckt, das mußte aber auch fein, denn die Polizei war überall verschieden. Dennoch war es zwischen den Hölzern sehr gefährlich zu hocken. Mancher blinde Passagier hat schon feinen Tod darunter gefunden.

Neujahr.

(Ein Schuljunge schreibt einen Aufsatz über Silvester.

Als der letzte Abend im alten Jahr 1930 herannahte, wurde 5% Uhr mit dem Schießen begonnen. Auf den Straßen wurden schon Kanonenschüße, Knallfrösche ge­hört. Auch ich habe mir etwa 1718 Knallfrösche gekauft, die ich meistens schon am Tage knallen ließ. Gegen etwa 9 Uhr Abends habe ich noch sechs gekauft. Nachdem ich nach Hause gehen wollte sah ich Mädchen an der Straßen­ecke stehen. Ich dachte an meine Frösche und setzte einen auf den Randstein, steckt ihn an und hüpfte den Mädchen an die Beine. So verbrachte ich den Abend mit solchen Sachen. Am Morgen des ersten Jahres ließ ich noch eine los. Als er nicht knallte, wollte ein vorwitziger Knabe hingehen und noch einmal anstecken. Diesem sprang er ins Gesicht, wo die ganze Gesellschaft lachte. Er aber ging heulend nach Hause. Das war Neujahr.

Die Fuldaer Jugend von 1931.

Aus dem Leserkreis desBlatt der Jugend" wurde uns zum Jahreswechsel geschrieben:

Mehr als Rückblicke interessiert uns die Zukunft. Graf Reventlow wollte sie uns deuten mit den Worten:Die kath. Jugend marschiert aus der Kirche." Die kath. Jugend Berlins wehrte sich gegen diese Prophezeiung des Nationalsozialisten in einer großen Kundgebung mit Paralleloersammlungen. Was gedenkt die Fuldaer Ju­gend zu tun? Ihre Antwort muß sein die Tat von 1931!

Worauf es ankommt, Ist, daß die Kräfte der kath. Jugend des Fuldaer Landes recht erfaßt, geleitet und angewandt werden. Dazu scheint mir ein Zweifaches nötig zu fein: 1. Schulung in politischer, kul­tureller und religiöser Hinsicht. 2. Zu­sammenschluß aller Verbände.

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Zum ersten. Man fragt sich immer wieder, wie es nur kommen konnte, daß der Nationalsozialismus so stark anwuchs, warum auch die Jugend des Fuldaer Landes sich von ihm imponieren ließ. Die Jugend, von der all­gemein wirtschaftlichen Not zum Aktioismus aufgeweckt, möchte auch geachtet und gezählt fein, möchte mitzu­packen. Der Nationalsozialismus faßt sie zusammen in uniformierten Massen, läßt sie in Sprechchören ihr Deutschland erwache" hinausrufen. Hier fühlt sie Schwung und Kraft. Diese (Energieentfaltung spricht sie an; hier leuchtet ihr in den flammenden Farben der ge­weckten Zukunftshoffnungen das Morgenrot der Er­lösung aus all dem Elend der Arbeitslosigkeit unserer Tage. Die Phantastik und Verschwommenheit dieser Heilsverkünder erkennt sie nicht. Berauscht und selig hört sie die Apostel Hitlers und klatscht ihnen begeistert Beifall. Die Gewecktesten treten zum Teil zu ihnen über und reißen ganze Scharen ihrer Kameraden mit.

Es ist höchste Zeit, daß die politische Schulung einsetzt. Das Donnern von der Kanzel kann sie nicht ersetzen. Der junge Mensch will Ein­

blick, Rechenschaft von den Dingen haben. Wenn er dann sieht, wie die Wirklichkeit aussieht, wenn es ihm einmal klar gemacht wird, was Führer des kath. Volkes in der Politik leisten, wie kath. Jugend an­derswo sich einsetzt, ich glaube, es gibt dann keine Treu­em als die Jugend. Lebendige, moderne und am besten junge Menschen müßten kommen und sie einführen in die Verantwortung, die gerade der kath. Volksteil für unser Volk hat. Die ganze Gefahr, die hinter dem Na­tionalsozialismus steht, die kundige Männer mit Bol­schewismus bezeichnen, muß greifbar in ihren Folgen bloßgestellt werden.

Das zweite ist, daß unsere Jugendarbeit im Verein, in der Gruppe Format, Qualität be­kommt. Unsere Jugend muß sich mit Selbst- bewußtsein als kath. Jugend fühlen, muß ihr Min­derwertigkeitsgefühl anderen gegenüber überwinden. Sie muß die Leistungen des Katholizismus und feine großen Männer bis auf unsere Tage kennen lernen. Unsere mo­dernen Schriftsteller und Dichter dürfen ihr nicht unbe­kannt bleiben. Fragen, die fast in jeder Zeitungsnummer wiederkehren, wie Sozialismus, Kapitalismus, Pazifis­mus, Bodenreform ufw. müßten in etwa gekannt fein. Volkstum und Staat mit ihren berechtigten Forderungen und Pflichten, aber auch in ihren Grenzen, sollen auch von unfern Leuten recht gewertet werden. Kunst und Musik zu kennen ist nicht ausschließliches Sonderrecht der sog.Gebildeten". Von der Bühne muß das öde geistlose Zeug verschwinden; die Laienspielbewegung muß auch bei uns endlich durchbrechen. Um das Kunst­empfinden wachzurufen, kommt es auch sehr darauf an, wie man das Jugendheim herrichtet, wie man ge­meinsame Feiern aufzieht. In einen Wirtshaussaal mit Bierhumpen und Zigarettenqualm wird sich die ka­tholische Persönlichkeit nicht formen lassen. Wir müssen unsere Arbeit darauf anlegen, daß wir Führer des Vol­kes heranbilden, Männer, die im öffentlichen Leben als Persönlichkeiten einmal auftreten können. Das Erbe

Ich faß am Feuer und starrte in die Glut bis zum Morgen. Noch lag leichter, grauer Dunst üiber dem Fluh. Dann wurde es langsam hell.

Und mein Gott! Was sah ich? Jetzt hörte ich in Gedanken wirklich den gräßlichen Schrei des Reihers, von dem der Unglückliche gesprochen hatte.

In der Mitte des Flusses war ein kleine, flache Sand­insel, die sich unter der Brücke hinzog. Dort bemerkte ich einen großen Haufen schwarzer Vögel, die sich ftritten, aufeinander einhackten und sich alle auf einem Flecken zusammenbalgten. Dazwischen sah ich etwas Rotes auftauchen. Asgeier und der rote Mähenwolf verzehrten offenbar den irdischen Teil meines unglück­lichen Reisegenofsen.

Hastig riß ich die Jacke herunter und stürzte mich in den Fluß. Die (Strömung war schwach, und wie ich alsbald den Fuß auf die Sandbank setzte, sprangen zwei Mähnenwölfe ins Wasser und schwammen auf die andere Seite. Die Geier, die ja und auch mit Rech! in Südamerika geschont werden, waren so dreist, daß ich sie fast mit der Hand fortschlagen mußte.

In den Taschen des armen Menschen, der ein so trauriges Ende nehmen mußte, fand ich nicht ein einziges Papier oder einen Ausweis, nur ein Brustbild von einem wunderschönen Mädchen. Aus der Rückseite stand das eine Wort in deutschen Buchstaben: ,Ilse!"--

Da stand ich, wie lange, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, ich habe gemeint, aber auch das weiß ich nicht mehr. Doch dann wurde ich aufmerksam, man hatte mich von der Brücke aus gerufen.

Eine Kolonne von Eisenbahnarbettem, welche auf einer Lore saßen, die auf der Brücke hielt, schrien mir ein paar Worte zu. Ich rief ihnen hinauf, sie mochten mir doch einen Mann mit einer Schaufel schicken, um einen Toten zu begraben.

Ein Mann kam denn auch, ließ feine Schaufel am Ufer und schwamm zu mir herüber. Jetzt nahmen wir die Ueberrefte des Toten zwischen uns und schwammen zum Ufer zurück. Dort begruben mir ihn und banden ihm ein schlichtes Holzkreuz.---

*

Nach diesem traurigen Erlebnis nahm ich meine Wanderung wieder auf und zog weiter nach dem Süden.

Am Abend sprang ich bann auf einen Güterzug und gelangte nach einigen Tagen auf der Station an, wo ich zu siedeln begonnen hatte.

Hier suchte ich den alten Deutschen namens Piekst auf, der mich hocherfreut und mit offenen Armen empfing. Sechs Monate waren verstrichen, seitdem die Polizei mich damals wieder freigelassen hatte.

Aus der Estanzia war von den Siedlerfamilien mir noch die deutsch-russische, welche von dem Majordvmo mit letzter Kraft gehalten wurde. Diese Nachricht war eine moralische Genugtuung für mich.

Wie ist es denn nun mit meinen beiden Koffern geworden?" fragte ich meinen Landsmann.Sind die gleich nach Buenos Aires geschickt morden?"

Hierauf bekam ich eine ganz unerwartete Antwort. Denken Sie sich," erklärte er bekümmert,am Tage nach unserem letzten Zusammensein wurde ich schwer krank! Ich hatte einen Malariaanfall, verbunden mit einer zweitägigen Bewußtlosigkeit. Als ich wieder zu mir kam, waren Ihre Koffer verschwunden."

Zur Bekräftigung seiner Aussage rief er einen eben­falls in seinem Rancho sitzenden Polizeisoldaten auf. Der Soldat bejahte natürlich und bestätigte alles.

Da war ich nun wieder etwas klüger geworden. Ohne em Wort weiter zu sagen, schnallte ich meinen Rucksack und verließ schweigend den Raum. Draußen habe ich schwer aufgeatmet war es meiner Sachen oder der Menschen wegen?

Der Mond sah mich bald barauf auf dem Bahndamm nach Süden wandern. Ich wollte nach Buenos Aires. Auf der nächsten Station kletterte ich auf das Dach eines Waggons, da der Zug keine offenen Wagen hatte. Bald fuhr ich mtt dem auslaufenden Zug hinaus.

Der Wald wurde spärlicher und spärlicher, und bann tarn die Pampa. Und die Pampa brannte, und der Mond strahlte, und ich meinte, ein König konnte sich auf seinen Reisen nicht so glücklich fühlen wie ich in diesem Augenblick.

Wenig später liefen wir in den Bahnhof eines Städtchens ein. Ich lag flach auf bas Dach gedrückt. Da ertönten schwere Schritte hinter mir, ein Polizist be­rührte mich mit dem Fuße und gab den Befehl, daß ich sofort herunterfteigen sollte.