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isen ... ;.-’ng auf die Tagesordnung der kom­menden Ra.<mgung gesetzt würden.

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wtb. Berlin, 13. Januar. (Eig. Meld.) Ter Herr Reichspräsident empfing heute den Reichsminister Dr. Curtius zum Vortrag.

Wahlen in Rußland.

Das die russische Regierung milteilt.

wtb. Moskau, 13. Jan. (Eig. Meldg.). In der gesamten Sowjet-Union ist gegenwärtig die Wahlkampagne für die Sowjet im Gange, die sich in diesem Jahre durch besonders rege Betei­ligung der Bevölkerung auszeichnet. Die Wahl­beteiligung bei den Wahlen der Dorf-Sowjets be­trägt durchschnittlich 70 Prozent (60 Proz. 1929). Die Gesamtzahl der Stimmberechtigten beläuft sich auf 83 Mill. (74 Mill 1929). Unter großer Be­geisterung gehen die Wahlen in Leningrad vor sich, wo die Wahlbeteiligung 96 Prozent erreicht.

Alles „legale" Mittel?

Bor dem Schöffengericht in Wiesbaden fand eine Verhandlung gegen einige nationalsozialistische Funktionäre statt, die unter der Anklage der Be­günstigung standen. Ein wegen Mordes zum Tode verurteilter Kommunist Felix Neu- m a n n, dessen Strafe später in lebenslängliche Zuchthausstrafe und weiter in 7% Jahre Gefäng­nis umgewandelt war, ist im September 1928 aus ter Anstalt Plötzensee ausgebrochen. Dieser Neu­mann wurde vom Staatsanwalt als ein Tscheka- mörder bezeichnet, der sogar mit Bazillen-Kultu- ren arbeite, um seine politischen Gegner unschäd­lich zu machen. Derselbe Neumann war inzwi­schen überzeugter Nationalsozialist (!!) ge­worden und flüchtete nach Karlsruhe. Dort brachte ihn der nationalsozialistische Funktionär mit dem nationalsozialistischen Stadtverordneten Habicht in Wiesbaden zusammen. Nachdem sich dieser von der „Zuverlässigkeit" des nunmehrigen Pg. Neu­mann überzeugt hatte, war es für ihn Tatsache, öcifj dieser nicht mehr an die Polizei ausgeliefert werden durfte. Habicht überwies den Neumann dem nationalsozialistischen Landessekretär Wald, der im Wiesbadener Landeshaus Beamter ist. Dieser besorgte nun dem Neumann eine Invali­de n k a r te, die er auf den Namen K i l b aus­stellte. Der Schwindel kam heraus und Habicht wurde nun vom Gericht zu drei Monaten Gefäng­nis, Wald anstelle einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen zu einer Geldstrafe von 600 Mark verur­teilt. Gegen andere Beschuldigte schwebt das Ver­fahren noch.

Zu feiner Verteidigung erklärte der National­sozialist Habicht, daß in feiner Partei das „Füh­rerprinzip" gelte. Die Führer entscheiden, die an­deren haben nur zu folgen. Eine Diskussion gäbe es nicht. Also durfte der „Beamte" Wald auch nicht anders handeln, wie es der Führer befahl.

Diese Feststellung veranlaßt uns zu der Frage, ob das Verhalten der nationalsozialistischen Funk­tionäre mit der dauernden Behauptung Hitlers noch übereinstimmt, daß sich die Partei keiner ille­galen Mittel bediene. Oder ist es vielleicht ein „legales" Mittel, wenn ein Beamter zum Bruch feiner Amtspflicht veranlaßt wird? Wir werden

Bilder vom Tage.

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Prof. Nicolai Hartmann, der Kölner Philosoph, hat den Berliner Lehr­stuhl für Geschichtsphilolophie, der seit dem Tode Ernst Troeltschs verwaist war, angenommen.

natürlich vergebens auf eine Antwort der NSDAP, warten.

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Auch die Deutsche Vollspartei beklagt sich über diese „legale" Kampfesweife der NSDAP. Aber sie zieht doch keine Konsequenzen. Wohl hört man aus dem Munde des nationalsozialistischen braun­schweigischen Landtagspräsidenten Z o e r n e r, daß dort die Deutsche Voltspartei koalitionsmüde ge­worden fei. Vielleicht ist es darauf zurückzufüh­ren, daß die Volkspartei sich nicht verantwortlich dafür machen lassen will, was der Nationalsozialist Franzen täglich „legal" durchführt. In Braun­schweig werden rücksichtslos alle Beamten, die nicht nationalsozialistisch sind, abgebaut, jener National­sozialist Zoorner hat mit einem Zynismus sonder­gleichen in iner öffentlichen Versammlung sogar zum Semir eren aufqefordert. Nun liegt es wirk­lich einmal an der Deutschen Volkspartei, zu zei­gen, daß sie nickst gewillt ist die Nationalsoziali­sten schalten und walten zu lassen, wie es sich diese „legal" ausdenken.

* Die Verbreitung der französischen Sprache im Elsaß. Aus Paris wird gemeldet: Im Elsaß ist eine statistische Aufnahme über die Verbreitung der französischen Sprache erfolgt, die ergeben hat, daß gegenwärtig etwa 30 Prozent der elsässischen Bevölkerung die französische Sprache versteht. Von den 1779186 Bewohnern des Elsaß haben 1668 628 auf die Anfrage geantwortet. (Die Be­antwortung war nicht obligatorisch.) 493 216 be­zeichnen die französische Sprache als ihre Umgangs­sprache. Bei der letzten deutschen Volkszählung 1910, bei der die Angabe der Umgangssprache obUgatorisch war, erklärten 207 497 Elsässer von 1874014 Bewohnern dieses Gebietes, daß sie fran­zösisch sprechen.

* Gastod in einer Aukogarage. Der Autover- mieter Greif ans Conz wurde in seinem Kraft­wagen, der in der Garage stand, tot aufgefun­den. Er war nachts nach Trier gekommen und im Saufe des Tages trotz eifrigen Suchens nicht auf­gefunden worden. Als man im Laufe des Abends in der Autogarage nach ihm suchte, fand man Greif tot in seinem Wagen. Als Todesursache wird Oxydgasvergiftung angenommen. Wahrscheinlich ist der Äutovermieter in seinem Wagen eingeschlasen und durch die bei lausendem Motor sich entwickelnden Gase getötet worden.

* Neuer Ausbruch des Vulkans Merapi auf Java. Meldungen aus Batavia zufolge ereignete sich ein Ausbruch des mitteljavanischen Vulkans Merapi. Der Vulkan warf neue Lavamassen aus, die sich mit einer Geschwindigkeit von 30 Stunden­meilen bergabwärts ergossen. Der Lavastrom nimmt dieselbe Richtung wie bei dem letzten gro­ßen Ausbruch. Durch diesen neuen Ausbruch ist unter der Bevölkerung der umliegenden Ortschaften erneut starke Beunruhigung entstanden. Bis jetzt liegen noch keine Meldungen über Todesopfer vor.

Wit der Rasse durchgegangen.

Ein Gemeinderechner flüchtet unter Mitnahme von 100 000 Mark.

Der 36 Jahre alte Rendant des Bürgermeister­amts T u e r n i ch (Kreis Bergheim), Gerhard K,xh.l o ch n unter Mitnahme der Gemeinde­kasse, in der sich über 100 000 Mark befanden, flüch­tig. Zur Flucht benutzte er einen Kraftwagen. Er ist im Besitz eines internationalen Fahrtausweises, den er sich vor wenigen Tagen vom Landratsamt hatte ausstellen lassen, sowie eines Führerscheines. Man nimmt an, daß er ins Ausland, wahrscheinlich nach Holland, geflüchtet ist, da er sich vor wenigen Tagen einen Paß beschafft hatte. Die polizeilichen Ermittelungen sind eingeleitet.

Schwer gebüßter Leichtsinn.

Durch bodenlosen Leichtsinn ereignete sich in der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr auf der Forbacher Landstraße bei Saarbrücken ein schweres Motorradunglück. Vier junge Leuts wollten auf einem Motorrad, das nicht einmal einen Soziussitz hatte, gemeinsam von einer Wirtschaft die Heimfahrt antreten. In rasender Fahrt geriet das Motorrad in einer Kurve ins Schleudern und prallte gegen einen Straßenbaum. Einer der Fahrer war sofort tot, ein zweiter wurde schwer, die beiden anderen leichter verletzt.

Dell« an die frierenden Sellenhunde»

1 Begebenheiten aus aller Wett.

Schwere Schneestürwe in Japan

Ganz Japan wird von heftigen Schneestürmen heimgesucht, die bereits ungeheueren Scha­den angerichtet haben. Der Verkehr ist an vielen Stellen unterbrochen. Zahlreiche Per'onen wur­den getötet und verletzt. In der Hauptstadt herrscht strenge Kälte. Man befürchtet, daß viele Schiffe auf See untergegangen sind.

* Bei einem Mrkshausstreil erschossen. In einer Wirtschaft in Saarbrücken kam es zwischen Gästen zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der 46jährige Schreiner Breier drei lebensgefährliche Messerstiche in den Leib erhielt. Dreier starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Der Messerheld wurde verhaftet.

* Alke deutsche Münzen in Venedig gefunden. In Venedig wurden bei Erdarbeiten in dem Hof des Palastes, der zurzeit der Republik die spanische Botschaft beherbergte, deutsche und ungarische Mün­zen gefunden. Arbeiter stießen dort auf eine Ka- ette, die 234, meist verschiedene und recht gut er­haltene Münzen aus den Jahren 1758 bis 1784

* Ein alter kurhessischer Offizier gestorben. Jrn hohen Alter von 85 Jahren starb in Mar- |burg nach längerem Leiden oer Generalleutnant a. D. Ludwig v. Kaltenborn-S t a ch a u , ein alter Offizier aus der kurhessischen Zeit. Der Ver­blichene, 1846 geboren, trgt am 11. Juni 1865 . in das kurfürstlich hessische Bundeskontingent ein, in dem er dann am 4. Oktober 1835 Offi'ier wurde. Nach Teilnahme an dem Feldzug 1866 auf kur­hessischer Seite trat er ins preutzstche Heer über.

* Auffindung eines Waffenlagers in Berlin. In einem Hause in der Georgenkirchftraße ist durch die Abteilung 1A des Polizeipräsidiums ein Mu - nitions- und Waffenlager ausgehoben worden. Der Wohnungsinhaber, in dessen Räu­men der Fund gemacht wurde, wurde festgenom­men. Es handelt sich um mehrere Kisten Jnfante- riemunition und eine Anzahl Mafchinengewchr- teile. Wem das Munitions- und Waffenlager ge­hört, steht bisher noch nicht einwandfrei fest. Die Ermittlungen der politischen Polizei sind im Gange.

* Gewerbsmäßige Hühnerdiebe auf dem Mo- korrad. Der Neuwieder Polizei gelang es, Hühner­diebe, die seit vielen Monaten die Höhen des Westerwaldes und die benachbarten Rheinorte un­sicher machten, hinter Schloß und Riegel zu set­zen. Es handelt sich um zwei junge Leute aus Breitscheid bei Waldbreitbach. Die beiden waren mit dem Motorrad vom Wiedbachtal gekommen und hatten das Motorrad einige hundert Meter vor der Geflügelfarm Falkenburg im Felde unter» gebracht und statteten dann der Farm einen Be­such ab. Mit sechs wertvollen Zuchthühnern, die sie in einem Sacke verstauten, wollten sie das Weite suchen, wurden jedoch überrascht und von mehreren Leuten festgehalten bis die Polizei zur Stelle war. Bei der Feststellung Der Personalien stellte sich dann heraus, welchen wertvollen Fang man ge­macht hatte, da beiden die zahlreichen Hühnerdieb-, stähle der letzten Monate im Westerwald aufs Konto zu schreiben sind.

Schafdiebe vor Gericht. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Andernach wurde gegen drei Andernacher Schafdiebe verhandelt, die im Dezem­ber vorigen Jahres in Baden e in e Scha f h e r de gestohlen und nach Andernach gebracht hatten, um sie dort an den Mann zu bringen. Während der Schafhirt Weber, der den raffinierten Dieb­stahl eingefädelt hatte, geständig war, bestritten die beiden anderen Angeklagten, der Arbeiter Anton Schweitzer und der Schafhirt Michael Hanft aus Andernach den Diebstahl. Sie wollen nicht gewußt haben, daß es sich bei den Schafen um Diebesgut gehandelt habe. Das Gericht verurteilte den An­geklagten Weber zu neun Monaten. Schweitzer zu vier und Hanft zu sechs Monaten Gefängnis. Den Angeklagten wurde die Untersuchungshaft ange­rechnet.

* Selbstmord eines Reichswehroffiziers. Leut­nant v. G l a f e n a p p, der im Reiterregiment Nr. 3 in Ratbenow Dienst tat, hat sich Montag früh in feiner Wohnung erschossen. Erst m Laufe des Dienstag entdeckte man die Tat des jungen Offiziers. Welche Gründe ihn bewogen, aus dem Leben zu scheiden, konnte bisher noch nicht festge­stellt werden.

empfohlen zum Schutz gegen 1>Ä^<jrippe

Grimmige Kälte in China.

In Charbin sank das Thermometer auf 48 Grad nnler Rull. — Hunderte von Einwohnern erfroren.

Ueber fast ganz China ist ein derartig strenger Winter hereingebrochen, wi,e er feit Men­schengedenken nicht 3u verzeichnen war, und der unter der ärmeren Bevölkerung be­reits Hunderte von Toten gefordert hat. In Ch a r b i n sank das Thermometer auf 4 8 Grad unter den Gefrierpunkt. Sämtliche Flüsse derMand- schurei sind eingefroren und viele Personen der grimmigen Kälte zum Opfer gefallen. Auch aus Saigon und anderen Städten im Nord west- Schansi werden zahlreiche Tote infolge der Kälte gemeldet. Seit Freitag sind über 100 Personen der ärmeren Bevölkerung erfroren. Peking wurde von einem überaus heftigen Schneesturm heim­gesucht. In Tientsin verzeichnet man bis jetzt mehr als 30 Todesopfer. Der Peiho-Fluß ist bin­nen einer Nacht zugefroren und hat den Hafenver­kehr von Tientsin völlig lahmgelegt, wo über 20 Küstendampfer im Eis eingeschlossen liegen. In Nanking, wo das Thermometer minus 25Grad Celsius zeigt, ist die Zahl der Todesopfer geringer. Auch Mittelchina wurde von einem Sch'neefturm heimgelucht, der so gut wie sämtliche Verkehrsver­bindungen unterbrach.

* Der Brand auf der Beste hohenwerfeu. Wie jetzt fesfftehk, ist der gemeldete Brand auf der Veste Hohenwerfen bei Salzburg dadurch entstanden, daß in einer Räucherkammer der vermorschte Holz­boden Feuer fing. Im Haupttrakt des Schlosses wurden alle Privatzimmer des früheren Erzher­zogs Eugen und das Paradezimmer mit teilweise sehr wertvollen Altertümern, ferner die oberen Holzzimmer mit nicht ersetzbarem Notenmaterial vernichtet. In dem Prunkzimmer konnten die Al- I tertümer gerettet werden, ebenso die Jnnenein- richtung der Schloßkirche.

Opfer der Luftfahrt.

Vier Toke bei Flugzeugunfällen in England.

wtb. London, 13. Ian. (Eig. Meld.) Bei Flug- zeugunfällen fanden gestern vier Mitglieder der britischen L u f t ft r e i 11 r ä f t e den Tod. Im ganzen sind hiermit im neuen Jahr bisher 7 Mitglieder der britischen Luftstreit- kräste tödlich verunglückt.

Schmuggel-Skandal.

Das gesamke Grenzzollamt mit dem Amtsleiter an der Spitze beteiligt.

CNB. Wien, 13. Jan. (Eig. Meldg.). Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat das rumänische Finanzministerium eine besondere Kommission in den Grenzort 23 a l e a Mihai entsandt zwecks Erhebungen in einer großen Schmuggelaffäre, an der nicht nur ein Teil der Bevölkerung, sondern auch das g e s a m t e G r e n z z o 11 a m t mit dem Amtsleiter an der Spitze, sowie der Sta- tionschef beteiligt sind. Sämtliche Beamte werden suspendiert und eine Untersuchung gegen sie eingeleitet. Die Kommission hat eine Geld­strafe von 26 Millionen Lei festgesetzt, die von allen Schuldigen gemeinsam zu zahlen "ist. Balia Mihia ist ein kleiner abgelegener, mehrere Stun­den von Eroßwardein entfernter Grenzort, wo der Schmuggel ungestört feit Jahren blühen konnte. Die Einwohner hatten sich unter" Duldung und Mitarbeit der Beamtenschaft vollständig auf diese Tätigkeit verlegt.

enthielt. Zum größten Teil stammen sie aus Bayern und dem Großherzogtum Hessen.

- Ungarische Giftmischerin durch den Strang hingerichtet. (E'g. Meld.) An der Bäuerin K a r = dos aus Nagyrev (Ungarn), die zum Tode durch den Strang verurteilt worden war, weil sie ihren Gatten und ihren Sohn mit Arsenik vergiftet hatte, um sie beerben zu können, wurde Dienstag früh 7 Uhr im Hof des Szolnoker Gefängnisses das Urteil vollstreckt. ________________

Winterlieb.

Von Julius Banfmer.

Nun liegt die Well in tiefem Schlaf, Bedeckt vom weißen Sternenkleide;

Weiß nichts rom Schmerz, der jäh sie traf, Und weiß auch nichts von künft'gem Leide.

Seif’ raunt ein Sieb, daß diese Ruh Das reinste Glück der Welt bedeute.

Sacht fällt der Schnee. Ich schau ihm zn Und lausche fernem Nachtgeläute.

Krieg im Kriege.

Ich hatte nicht geträumt. Ein gellender, herzzerrei­ßender Vogelschrei hatte mich aufgerissen aus dem Schlaf. Als ich zum Fenster stürze, liegt da ein gro­ßer, schöner Maimorgen mit allem Tauglanze vor mir. Alles war Frieden, aller Schrecken vorbei. Ganz matt entsann ich mich nun eines dumpfen Schlages, der gleich­sam erst jetzt in die Erinnerung einfiel und den ich jetzt erst hörte. Kein Zweifel: ein Raubvogel hatte hier sein Opfer gefunden.

Meine Gedanken wandern zurück. Vor zwölf Jahren war es, ich sehe das Bild aber noch heute. Wütende Kämpfe hatten wir an der Somme hinter uns, wir „jungen Bengels". Jeder Quadratmeter Boden war zweimal zerhackt, einmal vom rissigen Eisen der Gra­naten und dann vom letzten Schmerzenskampfe der Schwerverwundeten. Aeltere Granattrichter waren mit einer dicken Riedgrasschicht überzogen, so dicht, daß selbst die Sonne, die sich auch in diese Hölle erhaben­hohnlachend wagte, kein Grün hervorzupfen konnte. Wie ein Wellenmeer war die Erde, so weit man sah, eine Wüste. Nur hin und wieder, weit fort, stand ein Baum­stumpf oder ein Stücklein Hecke, das noch Ansätze zum Grünen machte. Mitten im April. Wie begrüßten wir das erste Grün, die ersten zagenden Knöspchen! Zwei Monate lang lagen wir vonn Feinde, zwei lange Mo­nate hatten wir nichts als Grau gesehen, nur Feldgrau --. Jetzt kamen auch ein paar Vöglein, eine Lerche trillerte und kletterte in das Himmelsblau mit ihren Lie­dern und schüttete von oben alle Sangesfreude, alle lockenden Friedenstöne auf uns, die immer Gleichen, her­ab. Und dann kamen noch mehr: Ein paar Staare, ich

glaube sogar, eine Amsel, und ein paar Buchfinken. All das Menschen- und Maschinengepolter hatte sie nicht ge­stört, alle Stätten wieder auszusuchen. Was machte es ihnen letzthin, daß Baum und Strauch, und Haus und Hof, daß Acker und Garten ein riesiges Kraterfeld wa­ren? Sie kamen dennoch in die Heimat. Ein Spät- Nachmittag. Die Dämmerung rückte im Schritte heran. Seife verklangen die munteren Stimmen. Wir waren „Störungssucher", die das Kabel von unserer Batterie zur Beobachtung, zum Feinde hin, instand zu setzen hatten. Wir kamen an einem kümmerlich zerschossenen kleinen Busch vorbei — da hörte ich jenen Schrei, wie er mich heute morgen entsetzte, jenen dumpfen Anprall vorher. Aufschauen, zum Karabiner greifen war eins, der Schuß das zweite. Aber im selben Augenblick hagelte es von englischen Jnsanteriekugeln in unsere Gegend. Wir wa­ren in unsere Busch-Deckung gebannt, bis der Tommy sich beruhigt hatte. Jetzt erst lief ich in die Richtung, wo ich die großen Flügel und die scharfen Schlagkrallen des Raubvogels und das zuckende Vögelchen eine Se­kunde lang gesehen hatte, als ich abdrückte. Wir kamen zu spät. Wohl hatte ich dem Räuber den Kopf weg­geschossen, das Vögelchen aber, ein schöner Buchfink, war durch den Krallengriff verendet. Krieg im Kriege — ein sonderbarer Eindruck.

Aakur in Faksimile.

Erbsen spielen Theaker. — Es regnet in die Badewanne!

— Häuser stürzen vor dem Mikrophon zusammen. — Ge­räusche, die „echt" sind.

Von Paul Ryttenberg.

Sendespiel!

Mit oder ohne Textbuch sitzen wir an unserem Laut­sprecher zu Hause. Ein Gong ertönt. Das Spiel be­ginnt!

Jetzt weiß jeder, daß nun die geheimnisvollen Appa­rate, die er vielleicht neulich in feiner Zeitschrift abge­bildet sah, in Funktion treten.

Ist es nun schwer, Naturereignisse akustisch wieder­zugeben? — Schwer? Nein, doch erfordert die Wieder­gabe die größte Aufmerksamkeit des T o n r e g i s s e u r s. Wie im Theater, so auch beim Funk, wird zur Dar­stellung des Windes die bekannte $8*i ndmaschine gebraucht. Eine Windmaschine besteht aus einer Holt-

gittertrommel, über die Seinen gespannt ist. Durch Dre­hen der Trommel veranlaßt man eine Reibung an der Leinwand, wodurch das akustische Bild gewonnen wird. Wenn der Wind heult, durch die Luken der Häuser' durch die Blätter der Bäume, über Stadt und Land, wenn die Straßen entlang fegt, dann fehlt selten der Regen. Und wenn der Wind zum Sturm anschwillt, wird die Windmaschine schneller gedreht, und wenn der Regen herniederprasselt, bann steht ber Regisseur vor dem Mikrophon unb schüttelt einen Behälter mit — Erbsen. (Oftmals auch bedient er sich einer ganz ein­fachen Brause, wie sie über jeder Badewanne zu finden ist. Hauptsächlich aber bann, wenn Regen auf Wasser herrscht.)

Damit sinb wir zum Sturm über bem Meer ge­kommen. Wagt sich jemanb zum Stranb hinaus, dann schlägt uns bas Klatschen ber Meereswellen gegen bas Felfenufer ans Ohr. Diese Erscheinung wirb durch takt- mäßiges Schlagen einer flachen Scheibe auf die Ober­fläche eines großen Wasserbottichs ausgeführt. Es besteht auch die Möglichkeit, durch Gurgeln mit Wasser dieselbe Wirkung zu erzielen. Fegt nun der Wind über das vom Regen gepeitschte Meer, stellt sich auch Blitz und Don­ner ein.

Ein einsames Haus steht am Ufer. Unheimliche Stille herrscht in dem Zimmer, in dem eben zwei Menschen gesprochen haben, nur ab und zu dröhnt der Donner durch bas ganze Haus. Das Geräusch bes Donners kann täuschenb nachgeahmt werben, inbem man meh­rere Blechplatten vor bem Mikrophon mehr ober weni­ger schüttelt. Plötzlich ein Aufschrei — ein Zischen unb Knistern! Der Blitz hat eingefchlagen! Er hat ge- zünbek--bas Haus brennt! Unsere Ohren hören

das Ergebnis des Zerknitterns von hartem Papier vor dem Mikrophon. Wir hören die aufge­regten Rufe ber Einwohner. Das Rauschen bes Meeres, bas Peitschen des Regens, bas Schlagen ber Wellen, bas Brennen bes Hauses, bas Knistern unb Krachen bes H°l^es — unb schließlich bas ' instürzen bes brennenben ■L'adjes. Der Tonregisseur hat bann alle Hänbe voll zu tun. Alle Maschinen sinb in Bewegung, unb vor bem Mikrophon wird zum Ueberfluß noch eine Streichholz­schachtel zerbrochen. Balkenbrüche trvrben durch hartes Aufsetzen von Stiifjlen auf dem Boden dargestellt. Ein Benzintank explodiert, daß es den Hörern schaudert: Im Senderaum wird ein Eimer mit Glasscherben hin- und hergeschüttelt.

Und wenn dieses Unwetter abflaut, wird die Wind­maschine langsamer gedreht . . die Erbsen kommen all­mählich zur Ruhe, die Blechplatten werden nur noch selten und in gewissen immer größer werdenden Ab­ständen geschüttelt . . . und Streichholzschachteln werden überhaupt nicht mehr zerbrochen — — —

Man ist im Senderaum überhaupt schon so weit, daß man, ift es irgend möglich, richtige Maschinen verwendet. So bei einem ausfahrenden Dampfer. Man kann zwar durch Klopfen unb Schlagen auf eine dünne Blechwandung das Laufen und Rattern einer Maschine täuschend imitieren, trotzdem aber entschließt man sich zur Aufstellung einer — wenn auch kleinen, so doch echten — Maschine. Mit Hilfe einer Kohiensäureflasche läßt sich bas Abfahren eines Dampfers leicht darstellen. Ist aber die Badewanne — die ja sowieso ein unent­behrliches Requisit des Senderaums ist ( f. o. zum Re­gen) gar mit einem Außenbordmotor ausgeftattef, so kann die schwimmende Stadt wirklich plastisch und ohren­fällig in Erscheinung treten.

E ch t beim Hörspiel sind auch die zerbrochenen Gläser, Teller und Fensterscheiben. Ueberhaupt alle Geräusche, die innerhalb der vier Wände im gewöhnlichen Leben auch erzeugt werden können, werden nicht imitiert. So das Klappern einer Schreibmaschine, das Auf- und Ab- schreiten von Personen im hallenden Korridor, das Zu­schlägen und Zuschließen von Türen. Allerdings wirb das Schließen einer Tür mit Hilfe eines Modellfchloffes dem Mikrophon zugeführt.

Es gibt jedoch auch schon eine „Geräuschma« schin e“. Telephon- und anderes Klingeln, Glocken­läuten unb Straßenlärm, alles können wir hören burch Nieberbrücken einer einzigen Taste. Ja, sogar Pferdetrap- peln ist so spezialisiert, daß man es auf Steinen, Holz unb auf Sanb hören kann.

Sehr leicht möglich ist es, daß man jetzt den Ton­film als Hilfsmittel heranziehen wird. Nur sehr schwer kann man mit Hilfe der oben beschriebenen Mittel das Getöse und Getriebe auf Straßen unb Plätzen akustisch zeichnen. Dazu könnte also eine Tonbildausnahme ge­macht werden, die uns — den Hörern — durch das Mikrophon naturgetreu wiedergegeben werden kann.

Relativ sind ja beide Einrichtungen — der Rundfunk und der Tonfilm noch sehr, sehr jung. Deshalb nicht die Geduld verlieren. Gut Ding will Weile haben!