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will

daß

Wirtsckastler oder Frnanzpolitiker in Amerika.al­lein nicht getan ist, daß eine ganz andere Propa­ganda einzusetzen hat, um den deutschen berechtig­ten Reoisionsanspruch auch dort, und zwar beson­ders beim amerikanischen Volke, klar verständlich zu machen. Es liegt eben bei Amerika so, daß die­ses stets befurchtet, es würde durch eine Aufrol­lung der Revisionsfrage eine Verkettung möglich werden können zwischen seinen Forderungen gegen­über den ehemaligen Feindbundmächten und den deutschen Reparationsverpflichtungen.

Aber auch in England haben sich die Dinge sehr zu Ungunsten Deutschlands entwickelt. Das deutsch-englische Verhältnis hat eine starke Trübung erfahren. Durch den Leitartikel der „Times" vom letzten Dienstag baden wir klar sehen gelernt. Es ist nun so, daß England und noch mehr die briti­schen Dominien der deutschen Regierung den ver­tragsmäßig gesicherten Rechtsanspruch auf die An­meldung eines Moratoriums bestreiten und sich zu der Behauptung erkühnen, daß die gegenwärtige Notlage Deutichlands nicht die vereinbarte Vor­aussetzung schaffe für einen Moratoriumsanspruch.

Wie ist dieser englische Umschwung zu verste­hen? Sehr einfach. Es ist Frankreich erneut ge­lungen, die englische Regierung in das Schlepp­tau der eigenen Volitik zu bringen. Ausschlag­gebend waren die Pariser Verhandlungen der bei­derseitigen Finanzsachverständigen, und England hat wieder einmal Deutschland zum Objekt eines Geschäftes m>t Frankreich gemacht. Das ist das unrühmliche Verdienst des Herrn Snowden, der uns schon manche Heberraschungen bereitet hat.

Nach diesen Feststellungen ist eigentlich über die französische Auffassung in der Revisionsfrage nicht mehr viel zu sagen. Wohl gibt es auch dort weitblickende Kreide, die aber keinen Einfluß haben auf die Gestaltung der französischen Politik, und diese Politik läuft darauf hinaus, jede Revisions- nötwendigkeit zu bestreiten und jede Revisionsmög­lichkeit zu verhindern.

Damit ist die neue Front der Gläubiger­mächte gegen Deutschland geschaffen. Was für uns zu tun übrig bleibt, ist jetzt klar aufgezeigt. Wir müssen auf unserem Rechtsstandpunkt'behar­ren. weiter für die Einleitung von Revisionen pro­pagieren. uns aktwnsfähjg machen für die Außen­politik durch die Schaffung von völliger Ordnung in unlerer Innenpolitik, dann werden wir auch diese Widerstände überwinden und dennoch allen Kräften ?um Trotz eine bessere Zukunft Deutsch­lands erhoffen und erwarten dürfen.

* 12 Jahre Zuchthaus im Prozeß wegen des Neuhofener Zwischenfalles beantragt. (Eig. Meld.) In dem Spionageprozeß gegen den polnischen Grenzwachtkommissar Adam Biedrzynski aus Czersk im Weichsel-Korridor vor dem Reichsgericht in. Leipzig beantragte der Reichsanwalt für die «pionagstätigkeit des Angeklagten 7 Jahre Zuchthaus, für die Schießerei in Neuhöfen 5 Jahre Zuchthaus, für das Paßvergehen 6 Monate Gefängnis und für den verbotenen Waf­fenbesitz Jahre Gefängnis, aus denen eine Ge­samt strafe von 12 Jahren Zuchthaus gebildet werden soll. 7 Monate Untersuchungshaft sollen dem Angeklagten in Anrechnung gebracht werden. Die Heberzeugungs-Täterschaft wurde dem Angeklagten nicht zugebilligt. Zur Begründung wurde nur kurz aufgeführt, er habe die am mei­sten gefährdete Ostprovinz aufs schwerste bedroht, aus Ehrgeiz gehandelt und dazu noch den Tod eines Kollegen verschuldet. Das Strafmaß müsse daher besonders schwer ausfallen.

daran gewöhnen."

„Er bekommt's ja jjtzt auch leichter, wenn er Hrlfssteiger ist?"

„Wie, Hilfssteiger?"

„Ja. hat er ihnen denn nichts gesagt? — Vater ihn doch einstellen."

>,Ach deshalb war der Junge so sonderbar, er .

Kommumslen-Sesahr in Amerika.

wtb. Newyork, 10. Jan. (Eig. Meldg.). In der Carnegie Hall veranstalteten Ver reter von 70 politischen Vereinen und Gewerk- schäften eine Kundgebung gegen die kommunr- stische Bewegung in den Vereinigten Staaten. Cs wurden Maßnahmen gegen diese Bewegung, ins­besondere die Einsetzung einer Ueber­wach ungs behörde und der Ausschluß der kommunistischen Partei bei den Wahlen und gegen die Einfuhr aus Sowjet-Rußland gefordert. Das Mitglied des Repräsentantenhauses Hamilton Fish erklärte, die Gesamtzahl der amerikanischen Kom­munisten belaufe sich auf etwa 100 000.

* Festnahme einer nationalsozialistischen Sturm. Abteilung. Eine Sturmabteilung der Walden­burger Nationalsozialisten wurde gegen 10 Uhr abends hier bei einer Nachtübung In der Gegend des Hochwaldes von einem Kommando der Schutz­polizei überrascht. Von den 40 Teilnehmern an der Nachtübung wurden 17 Personen vorüber­gehend festgenommen und nach Feststellung ihrer Person wieder entlassen. Die meisten von ihnen trugen verbotene S. A.-Uniformen.

* verbot des Remarque-Films in Oesterreich. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Verordnung des Bundeskanzlersamts, womit die Vorführung des Films „Im Westen nichts Neues" im ganzen Bundesgebiet verboten wird. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft.

--- vom Turn- und Sportverein Bachrain. Die erste Mannschaft, die am Dienstag in Horas 4:4 spielte, fährt am Sonntag zu einer Rückspielverpflichtung nach Sal- m ü n st e r, um gegen die dortige Ligmannschaft zu spielen.

Greuettaken in China.

wtb. London, 10. Jan. (Cig. Meldg.). Times meldet aus Peking: Noch chinesischen Berichten, die durch amtliche und private Mitteilungen bestätigt werden, sind im südlichen Kiangsi im Laufe von neun Monaten 30 000 Menschen von Räu­bergesindel niedergemetzelt worden. Die Banditen unterstanden dem mohammedanischen Führer Matmghsin und hatten nach Abzug der Garnisontruppen, die das Gebiet verließen, um am Bürgerkriege teilzunehmen, freie Hand. Nach einer weiteren Meldung smd 20 000 Frauen von dem Gesindel gefangen genommen worden und mindestens 30 000 Personen in den ausgehunger­ten Bezirken am Hungertod gestorben. Im Gebiet mm Jhsien hätten die entmenschten Horden aus Aut über den ihnen von der Bürgerwehr geleiste­ten Widerstand die ganze Bevölkerung mit Aus­nahme der Insassen des Gefängnisses getötet. Fer­ner wird gemeldet, daß sie Gefangene, deren Fa­milien kein Lösegeld zahlten, zu verbrennen pfleg­ten. Die Nankinger Regierung habe die Entsen­dung einer Stras-Expedition angeordnet.

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Kam La nicht jemand durch das Tor? Schon klopfte es an der Tür. Sie ging öffnen und rourbe'oon einem freundlichen jungen Mädchen begrüßt. „Ach, Fräulein. Hennes, Guten Abend. Kommen Sie herein."

„Ich bringe Ihnen etwas Arbeit, Frau Breuer. Man bat seine liebe Last mit der Wäsche. Immer Regen und immer Regen. Und heute dieser Nebel. Wir können gar nicht bleichen; bei solchem Wetter fällt nämlich soviel Kohlenstaub von der Berghalde her auf die Wäsche, daß sie ganz berußt aussieht."

Frau Breuer hatte schnell einen Stuhl mit Rohr­sitz aus dem „guten Zimmer" hereingeholt und bat, Platz zu nehmen.

„Sie sind allein?" fragte die Angekommene, indem sie den braunen Tuchmantel losknöpste und sich nieder­ließ.

„Ja, Wilhelm ist vor fünf Minuten ins Dori ge­gangen. Er w ll einmal sehen was die Be'gier ma^en."

„Ach ja Ist das nicht schrecklich. Vater hat heute morgen schon beinahe einen Zusammenstoß mit ihnen vor unserer Tür gehabt. Er hat's uns nicht genau er­zählen wollen. Was sagt denn Wllbelm dazu? Ich hab' ihn noch gar nicht gesehen, seitdem er aus dem Felde zurück ist. Geht's ihm gut?"

„Ach saaa . . . Das Arbeiten geht ja nicht gleich so. wie er das gern möchte. Aber er wird sich schon wieder

II.

„Streng geheim! heule fünf Uhr bei ©en. Frank, Sampstrotze 9 21-65-21“

Wilhelm las unterwegs diesen Zettel nochmals durch, zerknüllte ihn so, daß er unleserlich wurde und zerriß ihn in Fetzen. Beide Hände in den Hosentaschen, schritt er in Gedanken versunken durch die düstere, Menschen- leere Gasse, die um das Dorf herumführte und sonst von Liebespaaren gern begangen wurde. Es war schon dunkel. Niemand begegnete ihm. Er mußte die Wand- straße überqueren, auf der der Troß der fremden Be- satzung immer noch auf und ab fuhr. Wilhelm ging mit verächtlicher Mine vorbei und erreichte in großem Bogen die Kampstraße. Obwohl Genosse Frank der erste tm Arbeiter- und Soldatenrat war, hatte man sich bis jetzt noch nix in seiner Wohnung versammelt. Die Belgier hatten die geheimen Dersommlungen verboten. Wilhelm wäre mit der Gefahr, in die er sich begab ein­verstanden gewesen. Aber, daß man ihn nun „Genosse" nannte, erregte chm ein Unbehagen; dieser sonst so in­haltvolle Ausdruck schien ihm hier mißbraucht. War er so mit der ganzen Seele bei der Revolution, daß jeder andere ihn Genosse nennen durste? — Aber hatte er sich nicht in den ASR. wählen lasten? Ja, das hatte er. aber zu einer Stunde, da behauptet wurde, nur so könne di- Ordnung aufrecht erhalten und die ruhige Heimkehr gesichert werden. Für Ruhe sorgten andere. Wilhelm mußte bitter in sich hineinlachen.

Das Haus Nummer 9 In der Kampstraße hatte eine schmale niedrige Front. Man trat durch ein kleines Tor in einen dunklen, mit muffigem Geruch erfüllten Gang, m dem ein flackerndes Oellämpchen leuchtete. Dann ofsnete sich die Tür zu einer niedrigen Wohnstube, in der Wilhelm von Frank und einigen anderen Männern begrüßt wurde. Alle rauchten die kurze Pfeise. Einige standen um einen alten Kachelofen, andere saßen auf der Bank hinter dem Tisch. Frank, ein mittelgroßer Mensch mit ziemlich schmalem Gesicht, das durch em spitzes Kinnbärtchen noch schmaler erschien, saß in einer Wolljacke da und begrüßte Wilhelm ziemlich kühl. Er trug eine Brille vor den kleinen, listig dreinblinzesnden Augen.

„Ja, Vater hat es auch so fom'7'1' gefunden, Wilhelm heute morgen nicht sofort , eschlagen hat Das blonde Mädchen fing an, erregt zu werden.

Im deutschen „Neu-Belgien

Brief aus Eupen-Malmedy.

Das Herz in der Faust

Roman eines jungen Menschen. Von Earl Marl.

* Schwerer Unfall beim Abbruch eines Montagekur- mes. Beim Abmantieren des letzten Teiles eines Mon- taaeturmes, der von der fertiggestellten Abraumförder­brücke der Grube G o l p a etwa 500 Meter entfernt stand, gab eine Abspannung nach und einige Konstruktionsteile des Turmes stürzten herab. Hierbei wurde ein Manu getötet, zwei wurden schwer und ein Mann leicht ver­letzt. _________________________________________

Landwirtschaftliches.

--- Frachtverbilligung für Kali schon ab 12. Januar. Da» Deutsche Kalisyndikat hat beschlossen, seinen Abneh­mern schon ab 12. Januar die vom 1. Februar ab do* der Reichsbahn beabsichtigte Frachtermäßigung aus eige­nen Mitteln zukommen zu lassen. Praktisch "tritt damit die Frachtverbilligung durch Herabsetzung der Dünge- mittelsrachten bereits mit dem genannten Tage in Kraft.

* Erwerbslosentumults im Saargebiet. In Dölklinge n (Saargebiet) kam es am Donners­tag zu schweren Erwerbslosenunruhen, die in Zn- sammenhana stehen mit der Einführung der St« werbslosen-Pflichtarbeit durch die Re­gierungskommission. Bereits am Vormittag war es bei Auszahlung der Erwerbslosengelder zu Zwi­schenfällen gekommen, die die Polizei und Land» jäger zum Eingreifen nötigten. Am Nachmittag bildeten etwa tausend Arbeitslose einen Demon­strationszug, der sich nach dem Rathaus zu be­wegte, das gestürmt werden sollte. Polizei und Landjäger zu Pferd traten dem Zug entgegen. Sie wurden mit Steinwürfen und Rufen „Blut­hunde!" empfangen. Der Zug wurde aufgelöst, und die Hauptschreier wurden festgenommen. Zwei Demonstranten sind verletzt worden, ein Landjäger erhielt einen Steinwurf in den Rücken. — In der Gemeinderatssitzung berichtete der Bürgermeister über ein umfassendes Programm zur Arbeits» beschaffung.

* (Einer der leitenden Beamten der Bank von England wird sich auf Einladung der brasiliani­schen Regierung nach Brasilien begeben, um die Bank von Brasilien zu reorganisieren und die Stabilisierung der brasilianischen Währung durchzuführen.

Aus Thüringen.

Das traurige Los der Schulamtskandidate« in Thüringen.

Der Thüringer Lehrerverein hat ht einer Ein­gabe an das Thür. Volksministerium Stellung ge­kommen und zu den getroffenen Maßnahmen des Schulabbaues, soweit sie die Schul- amtskandidaten betreffen. Nachdem die Monats­bezüge der seminarisch vorgebildeten Kandidaten von 210 auf 180 Mk., die der akademisch vorge- uldeten von 270 auf 200 Mk. herabgesetzt worden ind (das ist eine Gehaltskürzung von 14 bezw. 26 Prozent) ist auch der Termin ihrer festen An- tellung bezw. ihrer Einweisung als Anwärter verzögert worden, und zwar zunächst um 1—2 Jahre, dann um eine immer größere Zeitspanne, bis tm Laufe der Zeit die Entwicklung setzt an )em Punkte angekommen ist, wo sich 27-, 28- und 29-jährige Kandidaten noch nicht im Anwärterver- ßältnis, geschweige im Verhältnis der festen An- stellung befinden. Dadurch wurde den Kandidaten

scher Orte, wo an allen Sonntagen zum Prome­nieren der Bevölkerung die Musik spielt, fehl eben­sowenig wie die „Gardinenfchau": Die fabelhaften Brüsseler Gardinen schließen an den Fenstern der Wohnungen nicht unten ab, sondern lassen Raum zum Aufftellen der Kostbarkeiten (Vasen, Figuren ufn>.) ins Fenster, damit der Nachbar sie sehe--

Uebrigens nahm man aber hier wie in anderen Orten der Kreise Eupen und Malmedy bereitwil­lig deutsches Geld. Und meinen Paß mit 1,05 Reichsmark-Vifum hat weder auf der Hin- noch auf der Rückreise jemand kontrolliert; ein ungewöhn­licher Ausnahmefall, wie man mir in Aachen ver­sicherte!

Auf der Fahrt von Malmedy nach Eupen traf ich auf dem Bahnhof von Surbrodt viel belgi­sches Militär. Die Bahnlinie ist von Walheim an, also sobald sie belgisch wird, zweigleisig. Ein Dop- pelgleis von Malmedy nach Eupen wurde von den Belgiern hergestellt.

Eupen, Kreisstadt und größter Ort in Neu- Belgien, gilt als reine Industriestadt, ohne sonder­liche Reiz«. Nun, seit die Stadt Eupen ihre starke deutsche Gesinnung entdeckte, fand man auch freu­dig Lobesworte für die altertümliche Stadt, die von weiten Wäldern höchst liebevoll umschlungen wird. Heber den roten Hausdächern recken sich die Doppeltürme der außerordentlich stattlichen Kirche St. Nikolai.

Die Straßenbilder zu Eupen sind deutsch und franwsisch; mehr deutsch als welsch; im Gegensatz zu Malmedy. Die Zeitungen erscheinen in deut- lcher Sprache, und sie haben eine außerordentlich hohe Auflage: 14 000 etwa bei 15 000 Einwohnern der Stadt Eupen. Mitten in Eupen ward, an der vielgewundenen Hauptdurchgangsstraße der Rich­tung Lüttich und Aachen, vor kurzer Zeit der Monumentalbau einer Schule errichtet. Weithin kündeten große Lettern, was von der Schule im neu-belgischen Eupen ztt halten ist: „Deutschs Volksschule der Stadt Eupen." Karl Lütge.

eine Gehaltskürzung von 20—32 Prozent auf­erlegt. Dazu kommt, daß die vom Reich er­gangene Notverordnung über die Kprozeutige Ge­haltskürzung in Thüringen auch Anwendung auf die Schulamtskandwaten finden soll.

Die Eingabe bittet nun die Thüringer Regie­rung, im neuen Haushaltsplan die Festsetzung der planmäßigen und nichtplanmäßigen Lehrerstellen so zu treffen, daß die noch zurückgestellten Stelien- anroärter und Kandidaten baldmöglichst fest ange­stellt, bezw. als Stellenanwärter eingewiesen wer­den. Ferner wird gebeten, von einer weiteren Kürzung der Bezüge der Schulamtskandidaten und der akademisch vorgebildeten Stellenanwärter ab­zusehen. In einer besonderen Eingabe hat auch der Thüringer Beamtenbund die Anträge des Thürin­ger Lehrervereins unterstützt.

So die Verhältnisse im „gelobten Lande" Thüringen, in dem der Nationalsozialist Dr. Frick Kultusminister ist. Ob wohl die Junglehrer und ihre älteren Kollegen und die gesamte Beamten­schaft daraus lernen werden?

Ins deutsche Neu-Belgten führen ab Aachen so- ■ wohl Eisenbahn-, wie Auto- und Straßenbahn­linien. Hier zeigt sich deutlich, wie eng verwur­zelt diese Gebiete nut dem Deutschen Reich sind. Uebrigens fahren auf eben diesen Linstn, z. T. mit Sonderwagen, die Bewohner der abgetrennten Ge­biet nach Aachen ins Stadttheater oder zu son- lttgen Veranstaltungen der Badestadt, Großstadt, „Kaiser - Karls - Stadt" — dem Kulturmittelpunkt für die weiteren Grenzgebiete Belgiens und Hol­lands.

Die sogenannte Cifelbahn durchschneidet die beiden Kreise, die als „Neu-Belgien" heute zu ei­ner wich igen Hauptfrage europäischer Politik ge­worden sind. Die Bahn nimmt ihren Ausgang im Hauptbahnhof Aachen. Sie ist eine kuriose Buhn. Von Aachen bis zur luxemburgischen Grenze bei Ulslingen verzeichnet sie über 20 Stationen; van diesen sind heute rein deutsch nur noch drei außer Aachen — obwohl die Linie insgesamt acht deutsche Orte bedient. Weil sie stellenweise nett* belgische Zipfel berührt, wurde die gesamte Linie ab Walheim im Jahre 1922 den Belgiern zuge­sprochen. Es ergibt sich nun der höchst' jcnberbare Zustand, daß der Fahrgast von Monschau in der Eifel nach Aachen, der Regierungsbezirkshaupt- stadt, mit belgischer Eisenbahn fahren und Besuchs­reisende zu dieser Reise sogar Paß und Visum (!) benötigen. (Durch Indienststellung einer Aulolinie. die ab Aachen sämtliche deutschen Grenzorte an der Bahn befährt, ist dieser unerträgliche Zustand ge­mildert, wenn auch nicht beseitigt.)

Die Bahn klimmt vom 140 Meter hohen Bahn­hof Aachen bis auf 500 bis 600 Meter hinauf, in weitwellige, stellenweise, hübsche Waldlandschaft mit tiefgefurchten Tälern und enggescharten Ort­schaften. Der Glanzpunkt Monschau ist von der Bahn nicht zu sehen. — Wichtigste Stationen in „Neu-Belgien" sind Malmedy und St. Vith. Eupen wird von einer Abzweigung bei Raeren oder mit elektrischer Bahn ab Aachen erreicht.

Die Frage Eupen-Malmedy ist aktuell; sie harrt einer endgültigen Lösung. Im „Soir", der größ­ten belgischen Tageszeitung, äußerte sich kürzlich ein Abgeordneter, daß man ebenfalls einer neuen Abstimmung nicht hindernd im Wege stehen, aber Malmedy keineswegs aufgeben wolle. Das ist be­zeichnend! Denn Eupen und St. Vith, mit ihrer Umgebung, sind rein deutsch; bei Mcümedy ist es zumindest umstritten.

Heber die seinerzeitige „A b st i m m u n g" ist einiges zu sagen: Die beiden westlichen rheinpreu- ßischen Kreise (1036 Quadratkilometer, 60 000 Einwohner) kamen am 20. Dezember 1920 auf Grund eines durch Zwang verfälschten Options­ergebnisses an das Königreich Belgien; dazu dis Gebietsteile Neutral- und Preußifch-Moresnet und nachträglich auch die eingangs erwähnte Eifel- oder Monschauer Verbindungsbahn. Eupen mit 15 003 Einwohnern ist fast rein deutsch, Malmedy mit 6000 zu etwa vier Fünftel; nur ein Fünftel der Bevölkerung sind Wallonen.

Immerhin ist scheinbar das „Recht" auf Bel­giens Seite: Nur 271 Einwohner stimmten im Herbst 1920 gegen die Eingliederung in den bel­gischen Staat. Erklärbar wird dieser seltsame Um­stand. wenn gesagt wird, daß unter dem Druck der Besetzung, bei offen aufliegenden Listen /in der wirrsten Nachkriegs'eit, völlig abge'chmtten vom Reich!) von den Bewohnern dieser deutschen ErenzlandteUe zur Abstimmung geschritten werden mußte. — Eine wirkliche Abstimmung hätte un­zweifelhaft ein deutsches Ergebnis gezeitigt.

M a l m e d y fand ich an trübem Regentage zugeknöpft, verschlossen, trotzig. Die Umgebung, die von Aachen viel ausgesucht wird, ist reizend, aber voll herber Zurückhaltung; nirgends ist sie entfaltet großartig oder absonderlich oder sonst überwältigend. Es geht ein stiller Reiz von den Bergen der Ardennen und von den hübschen Alleen aus, der heimatlich wirkt und für das Deutschtum der Kreisstadt Malmedy zeugt.

Immerhin sind die Spuren des Deutschseins I trotzig tm engeren Bereich der Stadt verwischt. I Kaum einmal ein deutsches Schild, nicht immer gleich'eitig deutscke Straßenschilder. Die Geschäfte machen unter dem Druck der Verhältnisse aus» schließlich in Welsch; nicht einmal Vlärnisch ist 3it erblicken oder zu hören. Und doch ist ein gro­ßer Teil der Bevölkerung deutsch und ein weite­rer muß trotz des schon früher beobachteten Hin­überneigens zu den Wallonen als deutsch gelten. Die Abstimmunqsziffern wollen da nichts besagen. Bei Anlage und Bau der Stadt spielen flämische Einflüsse unzweifelhaft eine Rolle. Die Straßen sind eng mit schmalen Häusern, grobgepflastert: auf den Bürgersteigen liegen hindernd die Eften- türtn zu den Kellern. Der Musikpavillon belgi-

„Das ist das erste, was ich davon höre Fräulein Gertrud. Ich wüßte wirklich nicht, warum Wilhelm diesen Posten ausgeschlagen hat."

„Nicht? Ich dachte, bei Ihnen etwas zu erfahren. Ich habe SBater selbst den Vorschlag gemacht weil ich doch Wilhelm, damo's, als ich ihn im Lazarett pflegte, als einen braven, strebsamen Menschen kennengelernt habe."

Frau Breuer seufzte leise. Dann sagte sie kopf­schüttelnd: „Ich weiß nicht, mir kommt der Junge auch so verändert vor. Als er im Felde war, hab ich gewiß große Sorgen um ihn gehabt. Wer ich fürchte, daß das größere Leid noch kommt."

Sie war auf den Stuhl neben dem Tisch gesunken und legte die beiden, weißen Händen "gefaltet aus das Bügelbrett. v

„Warum meinen Sie das, Frau Breuer? Die Män­ner haben gewiß im Felde viel üurchgemacht. Man hört ja auch, daß manche ganz anders wiedergekommen sind, als sie waren. Aber Wilhelm . . . !"

„Daß er mit dem roten Band am Arm nach Hause kam, konnte mir schon nicht gefallen."

„Hatte er das Frau Breuer?" fragte Gertrud er­schrocken. Frau Breuer winkte ja.

Dann schwiegen die beiden Frauen nachdenklich.

Die Weckuhr auf der Anrichte zwischen den Porzel­lantöpfen tickte laut, die Katze auf dem Kanapee erhob sich, machte einen Buckel und strich schnurrend an der blankgescheuerten Lehne vorbei.

Nach einer Weile stand Frau Breuer auf. Auch Gertrud erhob sich, als wollte sie gehen.

„Sehen Sie, Fräulein Gertrud," sagte Frau Breuer weich und in sich gekehrt, „ich habe schon vieles mitge­macht. Aber man hat das hinter sich und dankt Gott, daß es überstanden Ist. Aber, was noch fommt, das weiß man nicht. Und das ist das Schlimmste."

Gertrud hörte es schweigend an und nickte zustim­mend. Dann gab sie der Witwe die Hand, sah ihr in die Augen und sagte fest und bestimmt: "

„Wir wollen's zusammen tragen, Frau Breuer, ich । meine das — mit dem Wilhelm." . ;

Ehe die Witwe antworten konnte, war Gertrud schon i fort. i

Nach Wilhelm traten noch einige Männer ein, so daß sich bald sämlliche acht ASR-Mitgüeder zusammen­fanden. 1

„Sind alle da?" fragte Frank mit einer wohlklingen­den, vollen Baritonstlmrne. Als er füll für sich abge­zählt hatte, stand er auf und schlug vor, sich noch weiter nach hinten zurückzuziehen, man könne ja nicht wissen, ob nicht schon alles verraten sei. »

Er öffnete die hintere Tür der Stube und leuchtete mit dem kleinen Oellämpchen voran. Man trat über einen engen Hof und schlüpfte durch eine niedrige Tür in einen dunklen Raum, der einmal als Hühnerstall ge­dient haben mochte. Jetzt standen allerhand Geräte und Kisten umher, auf denen die Männer Platz nahmen. Die Frau des Frank, ein kleines, sehr breit geratenes Weid, brachte die Stubenlampe und setzte sie mitten im Kreise der Männer aus einer Kiste nieder.

„Also, Genossen." begann Franck, nachdem er sich ein­mal kräftig geräuspert hatte, „Ihr habt gesehen, wer heute bei uns eingezogen ist. Unsere Gemeinde steht zwar noch unter der alten Verwaltung, aber die Gewalt ist In den Händen der Belgier. Drüben, im unbesetzten Deutschland Ist die Revolution In vollem Gange 20 Fürsten haben bereits der Krone entsagt. Die übrigen werden bald folgen. Für uns gilt es nun, die Augen offen zu halten, damit uns die Frucht dieser Revolution nicht oerlorengeht. Die Revolution mutz trotz der Be­satzung durchgeführt werden. Da mir aber gut darin tun, mit den Umständen zu rechnen wie sie nun einmal sind, habe ich euch eingeladen, um zu überlegen wie wir mit den Belgiern zusammenarbeiten können, ohne uns zu sehr In die Karten gucken zu lassen. Der Feind ist nicht der Belgier, sondern das Kapital. Ihr witzt. daß es stet» das Bestreben der internationalen Arbeiterver- bänbe gewesen ist. die Produktion in die Hände zu be­kommen. Die Belgier werden uns daran nicht hindern, wenn wir nur klug und mit aller Stille zu Werke gehen.

Was wir heute beraten wird in allen AS-Räten des besetzten Gebietes besprochen. Ich kann verraten, daß wir eine ganz bestimmte Anweisung von der Zen­trale haben.

(Fortsetzung folgt)

vor-Anzeiger

$« 6» Se£tl (51. Startete und Zosephsheim) der Ortsgruppe Ma der deutschen Zentrums-Vorbei

veranstaltet

Sonntag, den 18. Januar 1931, abends 8 Uhr im großen Saal des Ge­sellenhauses eine

WstiGseier.

Mitwirkende sind: Herr Pfarrer Riid- ling, ftleinfaffen, Sängervereinigung 1927 Fulda. Mandolinen Orchester de» kath. GeseUenverein» Fulda.

Eintritt frei.'

Die Angehörigen des 6. Bezirks und Gönner unserer Sache sind schon heute zu dieser Ver­anstaltung herzlich eingeladen. Bitte, machen Sie sich für diesen Abend frei.

ver Vorstand.