Aus der Thüringischen Rhön.
Aus Geisa und Umgebung.
Das neue Landesfeuerwehrgesetz.
Das Gesetz über die einheitliche Regelung des Feuerlöschwesens für Thüringen ist nunmehr nach jahrelanger Vorbereitung im Entwurf fertiggestellt, sodaß sich nach Verabschiedung durch das Kabinett der Landtag schon in Kürze damit befassen dürfte. Die Gesetzesvereinfachung und Vereinheitlichung, die vom Reichssparkommissar dringend angeregt wurde, räumt mit den alten, teilweise unbrauchbar gewordenen Verordnungen und Gesetzen auf, die durch ihre Unheitlichkeit eine ziemliche Kompliziertheit in das ganze Feuerlöschwesen brachten.
Kommunales aus Geisa.
MN das Schicksal der Städtischen Sparkasse. — Uebernahme durch den Kreis?
= Geisa. Man schreibt uns: Anfang dieser Woche weilte Landrat Gläser von Eisenach hier, um sich an Ort und Stelle einen Ueberblick über die Angelegenheiten der Stadtgemeinde, insbesondere ihre finanziellen Verhältnisse zu verschaffen. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß bei dieser Gelegenheit auch die Sparkassenange- fegenjeit, die schon lange der Aufsichtsbehörde große Sorgen bereitet, eingehend erörtert wurde. Man weiß, daß der Kreis sich bereits seit langem mit dem Gedanken trägt, die Kasse zu übernehmen. Eine zielbewußte und tatkräftige Leitung hätte in weiser Voraussicht schon lange dafür gesorgt, daß die ständigen Beanstandungen, namentlich auch wegech der ohne die nötige Sicherheit bewilligten Kredite, beseitigt und daß, entsprechend der ständigen Wünsche der Behörde, durchgreifender Wandel geschaffen worden wäre. Hätte der Ausschuß, der sich offenbar nicht durchsetzen konnte (oder wenigstens der Stadtrat, der trotz aller Paragraphen, die ihm entgegengehalten werden mögen, «uch das Recht dazu hat), vor kurzem einem entschlußfreudigen und tatkräftigen neuen Ausschuß Platz gemacht, der der Behörde gezeigt hätte, daß künftig ein anderer Wind wehte, so hätte der Kreis wohl keine Gelegenheit gefunden, die Kasse ein- zufacken. So aber erscheint er fast als Retter aus der Rot, da die Einheimischen keinen Rat mehr wissen, und macht sogar sein Geschäft dabei. Wenn auch Einzelheiten über die Verhandlungen, zu denen außer dem Bürgermeister auch der Stadtratsvorsitzende sowie die Finanzkommission zugezogen waren, noch nicht bekannt sind, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß die Uebernahme der Sparkasse auf den Kreis nunmehr, nachdem man selber nicht durchgegriffen hat, mehr oder weniger beschlossene Sache ist. Daß der Verlust der Kasse für Geisa eine ganz erhebliche finanzielle und ideelle Schädigung bedeutet, die sich in vollem Umfang vielleicht langsam, dafür aber um so sicherer auswirken wird, darüber kann kein Zweifel sein. Daran ändert sich auch nichts, wenn der Kreis auf die frische Wunde ein Pflästerchen in Gestalt einer Abfindung oder einer gewissen
Gewinnbeteiligung legen wird. (Wir geben dieser Zuschrift Raum, weil sie uns die Stimmung der Bevölkerung wiederzugeben scheint. Ob der Stadtvorstand ein Aufgehen der Städtischen Sparkasse in der Kreissparkasse hätte verhindern können, läßt sich freilich nicht eher mit Bestimmtheit sagen, als bis die Zahlen über den Stand der Kasse vorliegen. Hoffentlich erfährt die Oef^entlichkeit recht bald Genaueres über den finanziellen Status der Kasse und das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Kreis. Sonst sind unnötigen Redereien und Verdächtigungen Tür und Ohr geöffnet. D. Schriftl.)
= Geisa. Aus Berlin wird uns mitgeteilt: In der technischen Hochschule zu Berlin sprach am 7. Januar Dipl.-Ingenieur Heinrich Georg Kiel- Geisa über eine von ihm durchgeführte Forschungsarbeit über neuartige Probleme der Flugtechnik. Am Schluß der dem Vortrag folgenden Debatte wurde von fachmännischer Seite hervorgehoben, daß die elegante und exakte Problemlösung der Kiel'schen Forschungsarbeit erstmalig vollkommen neue Gesichtspunkte bringe.
Fünf Anwesen niedergebrannt.
--- Dacha. Ein schweres Schadenfeuer suchte die Gemeinde Z i l l b a ch heim. Aus unaufgeklärter Ursache brach ein Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. Die Ortswehr und zwei Motorspritzen konnten in vielstündiger Arbeit dem Element Einhalt tun. Trotzdem sind fünf Anwesen, Wohngebäude und Stallungen eingeäschert worden. Vier Familien wurden obdachlos. Eine Familie mit sechs Kindern konnte nur das nackte Leben retten.
Kleine Nachrichten.
Der Landwirt Karl Möller aus O st h e i m (Rhön) ging am Nachmittag zur Bewässerung seiner Wiesen oberhalb der Stadt. Hierbei stürzte er in die hochgehenden Fluten der Streu und konnte nur als Leiche geborgen werden.
Der Landwirt Karl Walter aus Wohlmuthausen (Rhön) wurde auf der Treibjagd von einem unvorsichtigen Schützen angeschossen und so schwer verletzt, daß er ins Landkrankenhaus nach Meiningen gebracht werden mußte.
In Niederlauer (Rhön) kam beim Holzfahren der Landwirt Fridolin Katzenberger unter den Wagen und erlitt schwere Fuß- und Beinverletzungen, an deren Folgen der erst 35-Jährige verstarb.
Bei der Einfahrt in den Bahnhof Immelborn bei Salzungen entgleiste ein Güterzug der Nebenlinie Immelborn-Bad Liebenstein. Der Packwagen stellte sich quer über die Geleise, so daß die Abendzüge der Werrabahn über zwei Stunden Verspätung hatten. Personen wurden nicht verletzt.
Turnen und Sport.
AutzbaN.
Aus dem Bezirk Hessen-Hannover.
Rückblick und Ausblick.
Die Spiele der Oberliga gehen ihrem Ende entgegen. Am 8. Februar findet in der Nordgruppe und am 15. Februar in der Südgruppe das letzte Spiel statt. Die ausgefallenen Spiele werden in die spielfreien Sonntage eingeschoben oder nach diesen Terminen angesetzt. Der Verlauf der Verbandsspiele hat in beiden Gruppen für die Meisterschaften noch keine endgültige Klärung gebracht. Die Marburger Kurhessen sowohl wie der Sportklub 03 Kassel standen vor einigen Wochen klar in Führung, doch dieses Bild hat sich zu deren Ungunften wieder verändert, äöenn sich zur Zeit die Frage aufdrängt, wer wird wohl die Meisterschaft erringen, so ist dies nicht ohne weiteres zu beantworten. In der Südgruppe könnte man zu der Annahme gelangen, daß Kurhessen-Marburg es schaffen wird. Dieselben haben noch 4 Spiele auszutragen unb ätnar 3 auf eigenem Platz gegen Ockershausen, V. f. B. Gießen und Hsrmannia-Kassel, die aller Voraussicht nach gewonnen werden; das 4. Spiel hat Marburg in Fulda gegen Germania zu bestreiten. Die Germanen bilden also hier das Zünglein an der Waage. Der vergangene Sonntag hat gezeigt, daß die Marburger Kurhessen in Hersfeld gegen die Hessen erst gewannen, als von letzteren 3 Spieler des Feldes verwiesen waren. Die Hersfelder hatten nach Halbzeit mit einem Endspurt das Resultat auf 2:2 gestellt und die Marburger stark zurückgedrängt. Erst mit dem Verlust dieser 3 Spieler verloren die Hersselder die aussichtsreiche Partie und damit die zwei Punkte. Die Fuldaer Germanen besitzen die gleiche Spielstärke wie die Hersfelder und es besteht daher die Möglichkeit, daß die Marburger in Fulda auf energischen Widerstand stoßen werden. Das Spiel findet am 25. Januar statt. Dicht hinter Kurhessen Marburg steht Borussia- Fulda mit einem Punkt Unterschied. Die Universitätsstädter dürfen also keinen Punkt mehr einbüßen. Auch Borussia-Fulda muß alle Spiele gewinnen; dieselben haben noch drei Spiele auswärts, von denen das schwerste am Sonntag gegen Sport Kassel ist; das nächste führt die Fuldaer Borussen am 25. Januar nach Ockershausen und das letzte auswärtige findet am 15. Februar gegen V. f. B. in Gießen statt. In Fulda steht Germania am 2. Februar den Borussen in der Johannisau gegenüber und das ausgefallene Spiel Boruffia-Hermannia wird noch an- Öt. Borussia hat also nach diesen Feststellungen noch icht auf den ersten Platz. — Welche Stellung wird noch Germania-Fulda nach Erledigung der Spiele einnehmen? Diese Frage ist gegenwärtig nicht leicht zu beantworten. Der vorläufige Beschluß des westd. Spielverbandes, nach welchem 5 Vereine der Südgruppe und 4 Vereine der Nordgruppe absteigen sollen, kennzeichnet die Lage dieser 9 Vereine aus beiden Gruppen. In der Südgruppe sind es erst drei Vereine, die eine gefestigte Stellung inne haben: Kurhessen-Marburg, Borussia-Fulda und Sport-Kassel . Die übrigen 6 Vereine haben noch alle zu kämpfen, um nach oben zu kommen Diese 6 Vereine bewegen sich zwischen 12 und 15 Verlustpunkten, also dicht hintereinander. Es ist für Germania-Fulda keine leichte Aufgabe, sich erfolgreich zu behaupten. Werden denselben die noch 2 ausstehenden Punkte gegen Hersfeld qutge- schrieben und wie gerüchtweise verlautet, auch 2 Punkte von Hermannia-Kafsel? — dann ist die Lage nicht gefährdet, zumal auch die Punkte am nächsten Sonntagen Fulda gegen Ockershausen sicher sein dürften. Mit 15 Pluspunkten dürfte der 4. Platz in der Tabelle besetzt werden. Ob der Auf- und Abstieg in der gegenwärtigen Fassung aber bestehen bleibt, ist sehr zweifelhaft. Man rechnet vielmehr mit 4 absteigenden (statt 9) und 1 aufsteigenden Verein, so daß in der nächsten Spielsaison die Einheitsliga mit 14 Vereinen kommt? Der westdeutsche Ver- bandstaq wird sich aber noch mit dieser Frage befassen. — Wie steht es nun in der Nordgruppe? Anfänglich führte der Sportklub 03 Kassel unbestritten. Großalmerode saß ihm dicht auf. Unscheinbar ist aber 05 Göttingen und Kurhessen-Kassel gefolgt. Beide Vereine stehen mit je 6 Verlustpunkten gegen 4 Verlustpunkte hinter dem Sportklub. Es besteht auch hier die Möglichkeit, daß der führende Kasseler Verein eingeholt werden kann, zumal die Kasseler Kurhessen mit dem Sportklub noch ein Spiel zu bestreiten haben. Anwärter auf die Meisterschaft bleiben also vorerst noch Sportklub 03, Göttingen 05 und Kurhessen-Kassel. Die Abstiegssrage in der Nordgruppe steht dort lchon bei dem F. Kl. Grone fest, der 20 Verlustpunkte hat, ebenso dürfte die Spielvgg. Göttingen unb Einbeck 05 bem Abstieg verfallen sein. Die beiden Vereine
Großalmerode und Hessen 09 Kassel werden um den 4. Platz kämpfen müssen.
Nach Beendigung der Gruppenspiele werden beide Gruppenmeister durch ein Vor- und Rückspiel um den Be- zirksnieistertites kämpfen. Der Sieger spielt dann um die westdeutsche Meisterschaft mit den übrigen Bezirksmeistern Westdeutschlands, während der Unterlegene in der Runde der Zweiten auch an der Verbandsmeisterschaft teilnimmt.
In der Nachkriegszeit ist es das erste Mal, daß ein Kasseler Verein aus einer der beiden Gruppen ausgeschaltet wird, wie es jetzt schon in der Südgruppe der Fall ist. Borussia war immer chronischer Anwärter auf den 2. Platz. Den Borussen war es aber in keinem Jahr so leicht gemacht worden, die Meisterschaft zu erringen, wie in dieser Spielsaison. Auch Sport-Kassel hat keine Aussicht mehr auf den ersten Platz. — In der Nordgruppe ist das letzte Wort noch nicht gesprochen; vielleicht wird auch dort der Provinzler 05 Göttingen dem Sportklub 03 Kassel den Sieg streitig machen. K. F.
Das vorletzte Verbandsspiel der Fuldaer Germanen.
In einem neuen Gewände, in den grü n-we i ß e n Stadtfarben, erscheint die Ankündigung des Spielvereins „G e r m a n i a", durch die er feine Anhänger und alle Freunde des Rasensports zum kommenden Sonntag auf „Waldheim" einladet. Als Gegner der Germanenelf tritt die Mannschaft des F. C. O ck e r s h a u s e n auf. Noch in aller Erinnerung ist der beispiellose Sieg der Ockershäuser mit 4:0 Über den Tabellenersten Kurhessen-Marburg, der den Marburgern die erste Niederlage brachte. Andererseits erinnert man sich des Erfolges der Germanen, die im Vorspiel zur heutigen Begegnung ihrem jetzigen Gegner auf seinem eigenen Gelände mit 3:1 die erste Niederlage beibrachten. Der Ausgang des Vorspiels läßt die Annahme auf das erfolgreiche Abschneiden der Platzelf zu, vorausgesetzt, daß sie ihren Genger nicht unterschützt und alles aus sich herausgibt. Es wird ein spannender Kampf zu erwarten fein. Er.
— Schiedsrichter-Vereinigung Fulda. Die Schiri- Vereinigung Fulda teilt mit: Sonntag, den 11. Januar findet die übliche Pflichtverfammlung statt.
— Vom Turn- unb Sportverein 1911 Künzell. Am Samstag nachmittag findet das Verbandsrückipiel Bachrain 1. — Künzell 1. in Künzell statt. Das Vorspiel in Bachroin das 1:1 endete, beweist, daß beide Gegner sich ebenbürtig sind und daher ein sehr spannendes Spiel zu erwarten fein wird.
Wintersport.
Gau-Akaffellaus des RhönGaues.
Um den Silberfchild des Rhön-Clubs.
Der Rhön-Skigau veranstaltet am Sonntag, den 11. Januar, bei Gersfeld einen Staffellauf um den Silberschild des Rhön-Clubs.
Am Abend des Vortages findet in Gersfeld eine Kampfrichters.tzung, und anschließend eine Sitzung der Wechselobleute statt.
Am folgenden Morgen begingen um 9.30 Uhr nach ärztlicher Untersuchung die Läufe mit dem StaffeI - lauf für Herren und Altersklassen staf- fein (40 Klm.), an den sich um 10 Uhr der Staffel- Iauf für Jungmannen (20 Klm.) anschließt.
Um 16 Uhr findet im Hotel Adler die Siegeroerkündigung durch den Leiter des Kampfgerichts, Herrn West- b o f f - Fulda statt.
Die Staffelläufe sind offen für Vereinsstaffeln aller dem Rhön-Skigau angehörenden Vereine und werden nach den Bestimmungen der D. S. V Wettlaufordnung ausgetragen. Die allgemeine Leitung liegt in den Händen des W. Sp. V. Gersfeld. Voraussichtlich werden etwa 20 Staffeln, zu je 5 Läufern, starten.
— Für die internationalen Skirennen in Oberhof vom 13. bis 16 Februar hat die Schweiz jetzt ihre Vertreter bestimmt. So sollen Fritz Kaufmann und Ehiogna den Sprunglauf und Rubi und David Zogg den L.mg- lauf bestreiten Für die Kombination sind Rubi, Zogg und Juten in Aussicht genommen.
Handel und Wirkschaft.
Berliner Freitags-Börse.
wtb. Berlin, 9. Jan. (Gig. Meld.) Bis zur Festsetzung der ersten Kurse wechselten heute Hausse- und Baisse-Siimmung mehrfach ab. Zunächst hatte man in den Vormittagsstunden damit rechnen zu können geglaubt, daß der festere Schluß Newyorks und die lebhaftere Nachfrage nach deutschen Bonds und besonders nach deutschen Staatsanleihen Deckungsneigung am hiesigen Effektenmarkt auslösen würde. Die weitere Zunahme der Arbeitslosenzisser um fast 400 000 in der zweiten Dezemberhälfte ließ aber keine größere Umsatztätigkeit aufkommen. Vorbörslich schlug dann die Stimmung direkt zur Schwäche um, da man einerseits wissen wollte, daß Verkaussaufträge für versch-e- dene Werte vorlägen, andererseits die inzwischen unterschriebene NotverordnuHg, die morgen bei ergebnislosen Schlichtungsoerhandluvgen im Ruhrkonsliki von der Regierung in Anwendung kommen dürfte, Zurückhaltung auslölle. Die ersten Notierungen waren bann zwar lehr uneinheitlich, aber nicht ganz so schwach wie befürchtet. Einerseits hatten bie Banken wohl etwas interveniert, andererseits bot der Reichsbankausweis für die erste Januarwoche mit seiner überraschend großen Entlastung eine gute Stütze. Trotzdem hat sich die Deckung nur um ca. 5 Prozent gegen die Vorwoche gebessert, da im Zusammenhänge mit der Franc-Bewegung in ziemlich erheblichen' Umfange (68,8) Devisen abgegeben werden mußten, um ein Abfließen von Gold zu verhindern. Allerdings dürfte dieser Umstand die Reichsbank vorläufig von der für die Wirtschaft er- wünschenswerten Diskontsenkung abhalten. Stärkere Abweichungen gegen die gestrigen Schlußkurse hatten nach oben nur Kunstseideaktien, Julius Berger. Svenska, Reichsbank, Westeregeln und Brown Bovery Besonders stark gedrückt eröffneten dagegen Hamburg Süd, die wieder mit — —-Zeichen erschienen, unb bei einem Angebot von ca. 60 Mille 8% Prozent verloren. Dann waren noch' Bayerische Motoren und Ilse etwas stärker rückgängig. Im Verlaufe war ebenfalls kein Zeichen für eine Geschäftsbelebung erkennbar. Die uneinheitliche Tendenz blieb oorherrfchend. Von Anleihen bröckelten Altbesitz etwas ab, Ausländer und Pfandbriefe lagen sehr still, aber behauptet. De-, visen zogen weiter an, bie Schwäche ber Mark ist in gewissem Umfang vorn Franc abhängig. Gelb unverändert.
Entlastung der Reichsbank.
Abnahme ber Bestäube an Handelswechseln unb Schecks um 284 Millionen RM. — Verringerung des Lombards um 189,4 Millionen RM. — Rotenrückfluß von 486.2 Millionen RM.
wtb. Berlin, 9. Jan. (Eig Meld.) Nach bem Ausweis ber Reichsbank vom 7. Januar hat sich in ber verflossenen Bankwoche die gesamte Kapitalanlage ber Bank in Wechseln unb Schecks, Lombards unb Effekten um £63,9 Mill, auf 2266 1 Mill. Rm. o e r r i n g e rt Jrn einzelnen haben bie Bestänbe an Handelswecbiem und -Schecks um 2841 Mill, auf 2081 5 Mill Rm, die Lombardbeftände um 189,4 Mill, auf 66 6 Mill Rm. und die Bestände an Reichsfchatzwechseln um 190,5 Mill, auf 15,5 Mill. Rm. abgenommen.
An Reichsbanknoten und Rentenbank- scheinen zusammen sind 486.2 Mill Rm. in die Kcff'en der Reichsbank zurückgeflossen. Der Umlauf an Reimsbanknoten hat sich um 4^2 5 Mill, auf 4325 8 Mill. Rm., derjenige an Rentenbankscheinen um 33.7 Mill auf 405,4 Mill, Rrn verringert. Dementfvrechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 411 Mill. Rm. erhöht Die fremden Gelder zeigen mit 422.5 Mill. Rm. eine Abnabme um 229.3 Mill Rm
Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 68.7 Mill aus 2616 3 Mill. Rm ermäßigt. Im einzelnen haben die Goldbestände um 0 1 Mill auf 2215,9 Mill. Rm. zugenommen und die deckungsfähigen Devisen um 68 8 Mill, auf 400,4 Mill. Rm. abge"ommen. Die Deckung der Noten durch Gold allein erhöhte sich von 46.4 Vroz. in der NorwoMe auf 51 2 Prozent, bieienige burch G<b und beckungssähige Devisen von 56,2 Prozent auf 60,5 Prozent. ________________
■= Schlichtungsverfahren für Behördenanqestellke. In bem Tarifstreit um bie Oprozentige Gehaltskürzung bei ben Reichs- unb vreußijchen Stoatsonge- tellten hat, wie ber G. b. A.-Presiebienst mitteilt, ber Reichsarbeitsrninister Schlichtungsverhanblungen auf ben 15. Januar anberaumt.
— Der sinkende Großhandelsindex. Jrn Monatsdurchschnitt Dezember stellte sich bie Großhanbelsinber- ziffer des Statistischen Reichsamts mit 117.8 um 1.9 v. H. niedriger als im Vormonat (120.1). Von den Hauvtgruvpen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1.4 v. H. auf 110.4 (112.0), die Indexziffer für Kolonialwaren um 2.7 v. H. auf 105.2 (108.1) und diejenige für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 2.7 v. H. auf 109.9 (112.9) zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Fertigwaren ist weiter auf 142.9 (144.9) ober um 1.4 v. H. gesunken.
= Weitere Verbilligung des Kalibezuges. Die Deutsche Reichsbahn beabsichtigt am 1. Februar eine Senkung ber Frachten für Düngemittel um zirka 8 Prozent. Hierdurch werden sich bie Frachten für bie kalibeziehenbe deutsche Lanbwirtschaft, bie bereits burch ben vom Kalisynbikat eingeführten Frachtenausgleich nicht unwesentlich verbilligt worben sinb, erfreulicherweise noch weiter ermäßigen. Dem Vernehmen nach hat sich das Deutsche Kalisynbikat entsch'ossen, herüber hinaus Ersparnisse, bie es bei ben von ihm übernommenen Frachten burch bie 8prozentige Tarifsenkung ber Reichsbahn machen wirb, ber Landwirt- chaft voll zugute kommen zu lassen.
§§ Kleinmöbelfabrik Roltsch u. Co. in Kallennorbheim l Rhön). Wie uns aus Kallennorbheim (Rhön) berichtet wird, werden die nichtbevorrechtigten Gläubiger dieser in Konkurs befindlichen Kleinmöbelfabrik zunächst eine Kon- kursguotevon5Proz. erhalten. Aus den Lager- und sonstigen Vermögensbeständen sind bis jetzt rund 130 000 RM. eingegangen. Hiervon hat die Fortführung des Betriebes zwecks Aufarbeitung ber Halbfabrikate runb 45 000 RM. erfordert, so baß 85 000 RM. verblieben sinb. Hiervon hatte bie ©emeinbe Kaltennordheim ür gewährte Darlehnsvorschüsse, Steuer- und Abgabenrückstände 59500 zu fordern, bie nach getroffenen Vereinbarungen unter allen Umständen bezahlt werden mußten. An bie sonst, bevorrechtigten Gläubiger sinb 19 750 RM. ausgezahlt worben. Es sinb demnach für bie nicht bevorrechtigten Gläubiger zunächst nur 5750 RM. übrig geblieben. Der Konkurs soll nun bis zum 31. März 1931 zu Enbe geführt werben; da die Kleinmöbelfabrik Roltsch u. Co. auch noch an e l f K o n k u r s e n als Gläubigerin beteiligt ist, erhofft man für die nicht bevorrechtigten Gläubiger doch noch eine weitere Wschlagszah- lung .
— Zahlungsschwierigkeiten pubbel- unb Walzwerk August Herwig Söhne in Dillenburg. Die Firma Pudbel- unb Walzwerk August Herwig Söhne in Dillenburg be- inbet sich in Zahlungsschwierigkeiten. Unter ben Gläubigern, bie voll gebeckt fein sollen burch hypothekarische Sicherheitsleistungen, befinben sich u. a. auch bie Vereinigten Stahlwerke und der Klöckner-Konzern. Eine in Dillenburg ftattgefunbene Gläubiger-Versammlung hak beschlos- en, die Betriebe vorläufig weiterführen zu lassen, um eoentl. eine Sanierung zu erreichen.
— Der bivibendentose Abschluß ber Bembetg A. G. Die Gesellschaft schließt 1929-30 nach normalen Abschreibungen unbRückstellungenvon 7,55 Mill. RM. ^“t'onolifierungst offen mit 115 718 RM. (i. B-3,24 Mill. RM., baraus 8 Proz. Divibenbe). Der AR beschloß außerbem ber GV noch Sonberabschrei- bungenvonl4,3 5Mill RM. ausBeteiligun- g e n unb bie stillgelegten Anlagen von Siegburg unb Rittershausen' vorzuschlagen. Diese Sonberabschreibungen werben bem baburch auf 4 Mill, (bei Mill. RM AK.) zu- rückgehenben Reservesonbs entnommen. Eine Divibenbe wirb nicht ausgeschüttet.
— Aus den, katstadt-konzern. Die Epa (Einheits- peris A.-G.) Zürich, an ber die Rudolf Karstadt Hamburg
beteiligt ist. hat ihr A.-K. von 600 000 auf 1,2 Mill. Franken erhöht.
§§ Schwer enttäuschte Gläubiger. In der am Donnerstag in Kassel abgehaltenen Gläubigerveriammlung der Henry-Ford- Generalvertretung für ben Bezirk Kassel, Autohaus Koch u Co. in Kassel, teilte ber Konkursverwalter Rechtsanwalt Dr. Hüneburg mit, daß bei 218 365 RM. anerkannten Sonfursforberungen bie gesamten Gläubiger mit alleiniger Ausnahme der wenigen bevorrechtigten und gesicherten Gläubiger, die insgesamt 21365 RM zu fordern haben, völlig teer ausgehen, da insgesamt nur rund 14 000 RM. in der Konkursmasse liegen. Durch den Konkurs des Autohauses Koch u. Co. in Kassel ist auch das alte und angesehene Bankhaus Wecke u. Co. in Uslar am Solling zufammengebrochen.
— Große Kasseler Straßenbahn AG., Kassel. Bei der Gesellschaft wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 1929-30 insgesamt 3 710 000 Personen weniger als im Vorjahre befördert. Infolge der im Oktober 1929 durchgeführten Tariferhöhung konnte dennoch eine Mehrein- nahme von 176 000 RM. erzielt werden (i. V. betrugen die gesamten Betriebseinnahmen 3 871 378 RM.). Es wird daher möglich fein, die Vorjahrsdividende von 4 Prozent auf die 3.534 Mill. RM. St.-A, und von 7 Prozent auf die 3 Mill RM. V.-A. aufrechtzuerhalten. A.-R.-Sitzung Ende Januar.
§§ Lokoniotivfabrik Henschel u. Sohn AG. in Kassel. Diese größte europäische Lokomotivsabrik hat jetzt einen Auftrag auf Lieferung von zehn schwere nLoko- m o t i o e n des Garrat-Typs für Brasilien erhalten — Bei ber bevorstehenben Verteilung bes Lokomo- tioauftrags ber Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft für bas Jahr 1931 wirb bie Henschel u. Sohn AG. anstelle ber vorgesehenen 21 Lokomotiven jeboch nur 20 erhalten, dafür aber 13 schwere Schnellzugslokomotiven neuester Bauart unb 7 schwere Güterzugslokomotioen; bie,er Auftrag wirb insgesamt einen Gesamtwert von 3.2 Mill. RM. haben.
— Erweiterungsbau bes Ring-Meßhaufes in Leipzig. Das Ring-Meßhaus, der größte und modernste Meßpalast der Leipziger Innenstadt, wird zur Leipziger Frühjahrsmesse 1931 durch einen Lindau vergrößert werden, um für die Möbelmesse unb Sportartikelmefse weitere Aus- stellungsmöglichkeiten zu schaffen.
Wie werden die Schweinepreise?
Der Schweinebestanb hat auch nach ber Zählung vom 1. Dezember 1930, wie wir bereits berichtet haben, wieder eine ganz erhebliche Steigerung um 3.3 Mill, (plus 17 Prozent) gegenüber dem Vorjahre erfahren. Auf Grund eingehender Prüfung zieht der Sachverständigenausschuß beim Reichsministerium für Ernährung unb Landwirtschaft die folgenden Folgerungen für den Schweinehalter:
Die Gefahren einer Pr e i s ka t a st r o p h e können nur gemildert werden, wenn die Umstellung auf das leichte Fleischschwein in noch viel größerem Umfange als bisher erfolgt Wer in den nächsten Monaten Ferkel zur Mast ankaufen will, bedenke, daß die schlachtreifen Schweine in einer Zeit sehr niedriger Preise zum Verkaufe gelangen werden. Größte Vorsicht ist deshalb den Betrieben anzuraten, die ihre Mast mit gekauften Ferkeln und gekauften Futtermitteln betreiben; sie müssen bedenken, daß viele Schweinehalter durch bie besonders hohen Vorräte anderweitig nicht verwertbarer Futtermittel gezwungen sind, ihre Schweineproduktion ohne Rücksicht auf die zu erwartenden niedrig. Preise auf der gegenwärtigen Höhe zu halten, unter Umständen sogar noch auszudehnen. Angesichts des hohen Sauenbestandes hat auch der Züchter, der jetzt Sauen
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decken läßt, beim Absatz ber Ferkel mit niebrigen Preisen zu rechnen. In ben (Begenben, in benen bie Mast mit wirtschaftseigenen Futtermitteln betrieben wirb, sollen bie Züchter auch bebenten, baß bie Ferkel aus ben jetzt geheckten Sauen für bie Vertilgung ber Kartoffel« unb Roggenüberschüsse aus ber Ernte 1930 zu spät kommen. Wie aber bie Roggen- unb Kartofselpreise nach ber nächsten Ernte fein werben, kann noch niemanb wißen.
Maßnahmen gegen bie überhanbnehmenbe Einfuhr litauischer Schweine gefordert.
Der preußische Ganbtagsabgeorbnete Dr Graß (Zentrum) richtete folgende' Anfrage an bie preußische Regierung:
In letzter Zeit sind dem Frankfurter Schlachtvieh m a r 11 e wöchentlich 600 Stück litauische Schweine zugeführt worben. Infolge biefer Zufuhr wurde ber an ich scbon stark gebrückte Preis für Schweine um weitere 4—6 Pfg. pro Pfund gesenkt. Eine weitere Folge war ein ebensolcher Preisrückgang an den benachbarten Märkten. Der Preis für Schlachtgewicht sank am Koblenzer Markt am 22. 12. auf 76—77 Pfg. Durch diese große Senkung ber Preise infolge ber Ueberein» fuhr iitauifrfier Schweine wird bie Rentabilität der Kleinlanhwirffcbaft in Frage aeiteöt Da letztere einen wesentlichen Bestandteil der Wirffcbaft dieser (Bebirgs* landw'rte ausmacht, wird ihre Cxistenzmöglichkeit stark gefährdet.
Ich frage das Staatsminifterium: Ist es bereit, darauf hinzuwirken, daß die durch bie Einfuhr litauischer Schweine hervorgerusene Gefahr vermindert bezw. beseitigt wird?
Viehmärkte.
Dorbericht des Berliner Schlachtviehmarktes.
= Berlin, 9. Jan. (Eig. Meld.) Es wurden bezahlt für je einen Zentner Lebendgewicht:
Rinder: 24—58; Kälber 42—75; Schafe: 35—62; Schweine: Fettschweine über 309 Pfd. Lebendgewicht 57—59, vollfl. Schweine 240 bis 300 Pfd. Lebendgew. 58—60, vollfl. Schweine 200 bis 240 Pfd. Lebendgew. 57—60, vollfl. Schweine von 160—200 Pfd. Lebendgew. 55—58, vollfl. Schweine von 120—160 Pfd. Lebendgew. 50 bis 55, Sauen 53.
Aufgetrieben waren: Rinder 2284, Kälber 1975, Schafe 4418 Schweine 10 836.
Marktverlauf: Bei allen Viehgattungen ruhig.
§§ Kasseler Zuchkschweiuemarkl. Dem Zuchtschweine- markt am 7. Januar in Kassel waren 618. (am 17. Dezember 458) Ferkel und 65 (111) Läuferschweine, insgesamt 683 (569) Zuchtschweine, zugefahren. Es kosteten: Ferkel. 6 Wochen alt, 16—24 RM. (am 17. Dezember 17—24 RM.), 6—8 Wochen 24—34 (24—34 RM.), 8 bis 13 Wochen 34—42 RM. (34—42 RM.), Läufer- Schweine, 3—4 Monate 42—50 RM. (42—50 RM.), 4 bis 5 Monate 50—56 RM. (50—56 RM.) unb über 5 Monate alt 56 RM. (56 RM.) unb mehr, alles für das Stück. Bei mittelmäß'gem Geschäftsgang räumte ich der Markt noch zum Sch'uß Nächster Zuchtschweine- marft in Kassel am 21. Januar.
21. Husum, 7. Jan. Dem heutigen zweiten Mastvieh m a r k t waren 140 Rinder, und zwar 65 Ochsen, 59 Kühe und 16 Färsen zugeführt. Der Besuch von auswärtigen Händlern war nur gering, infolgedessen verlief ber Handel langsam. Gegen den im Dezember abgehaltenen ersten Mastoiehmarkt wurde heute für Ochsen 1 Mk. und für Kühe 1—2 Mk. für 100 Pfund weniger erzielt, während Färsen denselben Preis behaupten konnten. Der Marktbestand wurde fast geräumt. Bezahlt wurde für: Ochsen: 1. Qualität 50—52 Mk., 2 Qualität 46—49 Mk. Kühe: 1. Qualität 46—48 Mk., 2. Qualität 40—45 Mk., 3. Qualität 35—40 Mk. Färsen: 1. Qualität 49—52 Mk., 2. Qualität 44—48 Mk., 3. Qualität 37—42 Mk. für 100 Pfund Lebendgewicht. — Vom heutigen Viehmarkt wurden verschiedene Wagenladungen ausgefiihrt nach Essen, Hamburg, Flensburg unb Kiel. Der nächste Mastviehmarkt finbet hier am Mittwoch, 4. Februar, statt.