Fulda erZertung
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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt tm Bild" und „Buchenvlätter". Rotationsdruck und ^Zerlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Zchrist- :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Samstag, 10. Ianuar 1931.
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58. Zahrg.
C.N.B. Berlin, 9. Jan. (Erg. Meld.) Wie wir erfahren, hat der Reichspräsident heute vormittag die Notverordnung bereits unterzeichnet, durch die die Schlichtungsordnung so abgeändert wird, daß die Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen auch dann möglich ist, wenn sich nach dem bisherigen -System eine Mehrheit nicht findet. Die Neuordnung führt nicht, wie man gestern angenommen hatte, den sogenannten Einmann-Schiedsspruch wieder ein sondern legt fest, daß ein Sonderschlichter aus Anordnung des Reichsarbeitsministers 2 Unparteiische zu berufen hat, wenn eine Mehrheits- bildung mit Hilfe der Parteien nicht möglich ist. Die Neuordnung wird bereits bei der für morgen vormittag angesetzten weiteren Verhandlung im Ruhrkonflikt • angewandt werden und zwar wird Prof. Dr. Brahm als Sonderschlichter bestellt, sodaß er sofort die Unparteiischen hinzuziehen und ein Schiedsspruch gefällt werden kann, den der Reichsarbeitsmini st er für verbindlich erklärt. Es ist damit also sicher, daß der Lohnkonflikt im Ruhrbergbau bereits morgen mittag b e - endet wird.
berufen. Ist bei der Verhandlung 'ober bei der Abstimmung der Schlichtungskammer die Mitwirkung sämtlicher Beisitzer der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer oder eine Stimmenmehrheit nach der Feststellung des Vorsitzenden nicht zu erzielen, so haben der Schlichter und die beiden unparteiischen Beisitzer den Schiedsspruch im Sinne der Verordnung über das Schlichtungswesen vom 30. Oktober 1923 (Reichsgesetzblatt I, Seite 1043- mit Stimmenmehrheit abzugeben.
Die Anordnung nach Absatz 1 setzt voraus, daß sie im Staatsinteresse dringend erforderlich erscheint. Hierüber hat der Reichsarbeitsminister die Entscheidung der Reichsregierung herbeizuführen.
Die zur Durchführung dieser Verordnung erforderlichen Vorschriften erläßt der Reichsarbeitsminister. ~
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft und mit dem 31. Juli 1931 außer Kraft.
wtb. Dortmund, 9. Jan. (Eig. Meld.) Auf Grund der neuen Verordnung .über die Beilegung von Schlichtungsstreitigkeiten öffentl. Interesses, deren Veröffentlichung heute nachmittag zu erwarten ist, ist der Schlichter für Westfalen Prof. Dr. Brahn, zum Schlichter für das Verfahren im Ruhrbergbau ernannt worden. Er hat zu Beisitzern Oberbürgermeister D r. B r a ch t - E s s e n und Landesarbeitsamtspräsident D r. Link- Hannover ernannt. Die neuen Verhandlungen finden, wie gemeldet, morgen vormittag 9H Uhr in Essen statt.
Wie wir erfahren, sind die Parteien zu neuen Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau auf kommenden Samstagvormittag 9.30 Uhr nach Essen einberufen worden.
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In der Frühschicht am Donnerstag fehlten nach Mitteilung des Bergbauvereins von insgesamt 132211 Mann 2606, unter denen sich 1531 Entlassene befinden. Die G e s am t f e h l z i ff e r stellte sich auf 1.97 Proz. gegen 3.61 Proz. in der Frühschicht am Donnerstag, und ohne die Entlassenen auf 1.18 Prvz.
In den Revieren Dinslaken und Hamm sind noch je 12 Proz. der Belegschaft ausständig. In den übrigen Revieren sind die Fehlziffern so, daß der Ausstand als beendet anzusehen ist. In der letzten Nacht sind auf Zeche de Wendel durch die Polizei 14 Streikführer festgenommen worden.
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Die Verordnung über die Beilegung von Schlichtungsstreitigkeiten, die der Reichspräsident unterzeichnet hat, bestimmt folgendes:
Auf Grund des Artikels 48, Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet:
Bestellt der Reichsarbeitsminister in den Fällen des § 2, Abs. 3 der Verordnung für Ausführung der Verordnung über das Schlichtungswesen vom 29. 12. 1923 (Reichsgesetzblatt 1924 1. Seite 9) einen besonderen Schlichter zur Durchführung eines neuen Schlichtungsverfahrens, weil er ein solches im öffentlichen Interesse für erforderlich hält, so hat der Schlichter auf Anordnung des Reichsarbeitsministers zur Bildung der Schlichtungskammer außer den Besitzern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zwei unparteiische Beisitzer zu
Wichtige Kefotm im Schiichlungs-Wesen. Die Notverordnung über die Abänderung der SchNchtungs- ordnung unterschrieben. — Nicht Einmann-Schiedsspruch, sondern Dreimänner-Üotlegium.
Regierungsrat Prof. Dr. Drahn (Mille) im Gespräch mit Dergarbeikersührern.
Abschluß der Ostpreutzenreise.
Die Ostpreußenreise des Reichskanzlers hat mit dem Verlassen von Marienburg ihren Abschluß gefunden. Aus den mannigfachen in den bereisten Gebieten gesammelten Eindrücken ergibt sich als Gesamtbild die Tatsache, daß der Wil'.e der Reichsregierung, mit den vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten helfend einzugreifen, auf Verständnis gestoßen ist. Hiermit dürfte die Grundlage geschaffen sein, die der Reichskanzler als das wichtigste Fundament einer wirksamen Hilfe bezeichnet hat. $
Die Fahrt des Reichskanzlers in den deutschen Osten hatte bewußt etwas Repräsentatives und Ostentatives. Sie bedeutet, wie der Kanzler vor ihrem Beginn verlautbarte, teilweise die Einlölung eines Versprechens, das die gegenwärtige Regierung bei ihrer Amtsübernahme vor dreiviertel Jahren dem Reichspräsidenten gegeben hat, der ihr den besonderen Auf rag erteilte, die beut]ct-en Ostfrage einer Lösung näherzubringen. Damit begründet es sich schon, daß diese Reise nicht in der nüchternen und klanglosen Form vonstatten geht, mit der sich in der Zeit der Schlafwagen und^lua- zeuge Ministerreisen zu vollziehen pflegen. Es soll gewissermaßen sichtbar vor dem ganzen Reich, aber auch nickt unsichtbar vor mißgünstigen Nachbarn demonstriert werden, daß der Kanzler des Reiches selbst sich in Bewegung setzt, um den Klagen aus dem deutschen Osten an Ort und Stelle auf den Grund zu gehen. Damit verbindet sich von selbst eine gewisse Repräsentation.
Dr. Brüning hat es bei all seiner persönlichen Bescheidenheit von Anfang an verstanden, das von ihm verwaltete Amt des Reickskanzlers wieder in einen gewissen Glanz hineinzustellen, und so empfindet jeder, der den östlichen Reiseberichten folgt, unwillkürlich daß es keine Kleinigkeit ist. daß gegenwärtig Dr. Brüning mit einem Stabe von dreißig hohen Beamten Ostpreußen bereist.
Es kommt wieder die Autorität des ersten Beamten zutage und das allein ist in unserer Zeit der Hemdärmeligkeit. wenn man so sagen darf, schon etwas. Aber natürlich muß auch politisch
bei der Reise etwas herauskommen. Brüning hat in einer der Ansprachen, die er jetzt täglich vor den Vertretern der Provinz, der Städte, der Wirtschaft, des Handels zu hak en genötigt ist, betont, daß er über die Verhältnisse in Ostpreußen schon seit langem durchaus unterrichtet sei. er ließ aber durchblicken, daß ihm scheine, als ob die üblichen Berichte und Beschwerden doch nicht überall und immer an den tiefsten Kern der Dinge herankommen. Er sprach wiederholt von Fehlerquellen die aufgedeckt werden sollen, und das kann nur bedeuten, daß, wenn es notwendig ist, auch vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Unstchürfunaen nicht zurückgeschreckt werden soll. Es ist ein alter Vorwurf, den die politisch anders orientierten Parteien der östlichen Landwirtschaft zu machen pflegen, daß sie stellenweise ganz fasich aufgezogen oder auf einer Grundlage errichtet sei. die wegen Ueberalterung keinen Anspruch mehr auf Anerkennung erheben könne. Man darf dem Kanzler Dr. Brüning, dem gerade in Wirt'chaftsdingen niemand ein X für ein 11 vormachen kann, ?u‘rauen, daß er auf seiner Reise herausfinden wird, was an solchen Behcnmtungen Wahres ist. Dann aber muß das. was dies/ Reste an wirklichen Erkenntnsisen aj’frvrrrbf bat. ausaewertet und ohne parteiliche Rücksichten durchgeführt werden. Agitationsreden und Agitations-Artikel jetzt und nachher sind eben o- wenig angebracht, nve die öde komnmmstilche Demonstration am Bahnhof 'n Tilsit, die dock nur auf lehr Dumme berechnet fein konnte. Man sollte aber auch nickt versuchen, mit rechtsgerichteten Par-, teirnanövern den Blick des Kanzlers zu trüben Ab- pe>'ehen davon, daß das aussichtslos wäre, *önnte es auch der schwer notleidenden Provinz in der Endwirkung nur schaden.
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wtb Oppeln, 9. Jan. (Eia. Meld.) Reickskanz- ler Dr Brüning traf heute früh mit den ihn auf seiner Ostlandfnhrt begleitenden Herren mit dem Sonderzuq in Oppeln ein und begab fick sofort ins Oberpräsidium zu Bespreuungen mit führenden Persönlichkeiten aus der Provinz Oberschlesten.
* Der nativnalsgz'alistische R-ichstaqsabgeord- nete Strasser auf der Ski-Tour verunglückt. Einer
der führenden Persönlichkeiten der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Apotheker Gregor Strasser, ist bei einer Skitour a.if den Hohenkapf bei Oberstaufen verunglückt. Bei der Abfahrt kam er zu Fall und zog sich eine Verletzung der Wirbelsäule zu. Er wurde in das Krankenhaus nach Oberstaufen gebracht.
* Generalkonsul Haas in Klagenfurt gestorben. Der deutsche Generalkonsul Haas in Klagenfurt ist infolge Herzschlages gestorben.
* Arbeitslosenkundgebungen in Kattowih. Zu Arbeitslosenkundgebungen kam es Donnerstag nachmittag sowie in den Abendstunden in KaNo- w i tz. Annähernd 1000 Arbeitslose, die im Süd- pai? eine Versammlung abhalten wollten und durch die Polizei auseinandergesprengt wurden, begaben sich nach dem Innern der Stadt, wo sie zu demonstrieren versuchten. Da aus den Reihen der Demonstranten Rufe laut wurden, die Geschäftsläden zu plündern, schritt die Polizei mit aufgepslanz-
tem Seitengewehr gegen sie ein und drängte die Arbeitslosen nach dem Weichbild der Stadt zurück, wo sie zerstreut wurden.
Die Lage in Sowjet-Rutztand.
Die Tagung des hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion.
wtb. Moskau. 9. Jan. (Eig. Meld ) Der Haupt- Vollzugsausschuß der Sowjetunion nahm einen Antrag an, der die Innen- und Außenpolitik der Regierung billigt und den Wirtschastsplan für 1931 bestätigt. Der Haushaltsausschuß wird einen entsprechenden Beschluß über den Haushalts- und Finanzplan vorlegen. Weiter erörterte der Haupt- voll'ugsausschuß den Bericht des Arbeitskomnus- farg über die Heranbildung qualifizierter Arbeitskräfte. Die Tagung des Hauptausschusses wird m nächster Woche beschlossen werden.
Die Enzyklika über
Die neue Enzyklika des Papstes über die christliche Ehe wurde' im „Osiervakore Romano" im lateinischen Originaltext veröffentlicht. Sie trägt das Datum des 31. Dezember 1930, beginnt mit den Wor-.n „Casti-connubit" und befaßt sich n a ch Mitteilungen aus dem Vatikan mit den hauptsächlichen modernen Ehefragen, zu denen sie eine eindeutige, klare Stellung einnimmt. Rach einer Darlegung der einschlägigen christlichen Glaubenslehre und des christlichen Ehe- ideals nimmt die Enzyklika in ihrem zweiten Teil gegen die sogenannte Kameradschafts-Ehe und ähnliche Erscheinungen Stellung und verwirft grundsätzlich jede geschlechtliche Betätigung außerhalb der Ehe als sittlich unzulässig. Jeder Mißbrauch der Ehe (Geburtenkontrolle) und jede direkte Vernichtung des keimenden Lebens wird als dem Gesetz Gottes entgegen und naturwidrig zu- rückaewiesen.
Dabei sagt der Papst in seinem RunVchrewen- Jedweder Umstand, der mit der Gesundheit ober mit wirschaftlichen Verhältnissen zusammenhängt, kann keine Entschuldigung dafür bieten. Desgleichen wird die auf eugenstcker Indikation aufbauende Sterilisation schüldlo'er Personen abgelehnck Unter Aufzahlung der verschiedenen Irrungen gegen die Treue wendet sich die Enzklika gegen jede
die christliche Ehe.
Umstoßung oder Abänderung der von Gott gegebenen inneren Verfassung der Familiengemein. schäft durch Aufhebung jeder Neber- und Unterord- r.ung um dann in besonders eingehenden Darlegungen der V e r w e l t l i ck u n g de r E h e und dem' unberechtigten und leichtfertigen Abschltetzen von Mischehen und insbesondere der heutigen Ehe. fcheidungsreform entgegenzutreten, die eine erleichterte Auflösung des Ehebandes erstrebe.
In dem päpstlichen Rundschreiben wird auf die verhängnisvollen Folgen der Ehescheidung nicht nur für die Familie, sondern auch für die ftaat» ljche und menschliche Gesellschaft hm- aewlesen. Eine solche Gesetzgebung könne Staat und Volk nur einer unheilvollen Zukunft entgegen- führen. Im dritten Hauptteil schließlich werden religiös-sittliche, aber auch Heilmittel sozialer und politischer Natur namhaft gemacht. Die Enzyclika weist in diesem Zusammenhang nachdrücklichst auf die mißlichen Wirtschaftsverhältnisse hin, die nicht an letzter Stelle an der Entartung des ehelichen Lebens schuldig seien und fchläat Mittel Zu deren Behebung vor.' Dabet wird auch auf die Notwendigkeit und Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat hingewiesen. um m dem weiteren Verfall und völligen Ruin der ehelichen Gemeinschaft entgegenzuwirken.
Der Diktator über Millionen
Wer ist Stalin und wie ist seine Macht?
Stalin, der georgische Schuhmacherssohn, ist heute zu einer internationalen Figur geworden, der mächtigste Mann in Rußland.
Der Kaukasus, und vor allem Georgien hat m der Entwicklung der russischen kommunistischen Partei immer eine besondere Rolle gespielt. Georgien ist ein Land, in dem heute noch stellenwei e ein fast mittelalterlich anmutender Individualismus zu herrschen scheint. Obwohl das Land äußerlich den Anschein erweckt, als ob es zum Ausgleich und zur Anpassung neige, haben sich gerade hier schon früh sehr rege kommunistische Zellen gebildet. Auch jetzt ist Georgien einer der Sitze der Opposi.ion. Dieses Land, das inrolge feiner überaus reichen Ölquellen sicherlich noch einmal zum Streitobjekt kapi- / talistifcher Länder werden w'rd. ist das Hennastand. Stalins. Stalin, der in Wahrheit Io'ef Dschu- gaschwili heißt, wurde 1881 in dem Provinzstädtcyen Gori geboren. Wie überall in Rußland, wurden auch in Georgien vor einpm hacken Iahrhund-rt die Kinder streng nack den Grundsätzen der rufpidten Kirche erzogen. So ist es nickt verwunderlich daß der junge Dlckuqasckwili mi1 8 Jahren in das Internat der geistlichen Schule seiner Vaterstadt geschickt wurde. Es zeugt für strenge Gläubigkeit der Eltern, daß sie die Absicht hasten, ihren Sohn ,-u einem Diener der Kircke zu macken. Io'ef D chu- gaschwili sollte — 0 Trag-kkomödie des Schick'als! — Geistlicher werden. In siebenjährigem Kurs absolvierte er das Internat feiner Vaterstadt und bestand das Examen als Stipendiat. Als 16jähri- aer verließ er Gori und ging nach Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, um hier auf dem geistlichen Seminar die eigentliche Vorbildung zum Geist- lichenberur zu erhalten. Um die Jahrhundertwende — 1896 finden wir den jungen Studenten in Tiflis — setzten die Bestrebungen zur Russifiziernng Georgiens ein* und riefen bei der georgischen Jugend. vor ackern bei d-n Studenten eine fckarfe Ablehnung und Ovposition aeaen alles Russi che wach. An den Schuckn und Semmaren wurden gegen die russischen Lebrer und Pehrmethnben geheime Gruppen und Bünde gebildet. Bald gehörte auch D'chugasckwili. der schon von Hause aus ntr Hst-igkeit und zum Fanatismus ne'gte, einem hiefer Geheimbünde an. Waren diese Eruvpen ur- lprünglick nur geaen die fortschreitende 31u|f'frie= rung gegründet, so beschäftigten sie stch bald lckon mit dem Marxismus, der in Den WerJahren in ben städtischen Zentren des Kaukasus, io auch in Tiflis Fuß gewßt batte. Mit Eifer laftn die durch den Opvofitionsgeist nnoef»uerten junaen Leute ine Werke von Marx. Kauckky und Bebel Immer tiefer frost sick der Marrismus in das G'müt dieser Jugend. Eo vergangen vier Jähre. Da wurde Dfckugaschwili mit einigen anbefli wegen politischer Machenschaften aus dem Seminar entlassen. H'-r- mit endigt seine schulmäßige Ausbildung. Der 20jährige' der eben mit dem Studium des Morris- mus begonnen hatte, entschließt sich, in die Arbeiterklasse einzutreten damals nicht viel mehr, als eine sosial-romantisck-> Sckwä'-merei, die aber seinem Leben die entscheidende Wenduna gab.
Ein unstetes Wanderleben beginnt. Einen festen
Berus hat er nicht, mal ist er Gelegenheitsarbeiter, mal revolutionärer Agitator. Dann wird er nach Sibirien verbannt, entflieht nach Baku und wird hier wieder politischer Agitator für die inzwischen erstarkte marxistische Bewegung. Diese Jahre mit ihren wechselvollen Schicksalen legten den ersten Grundstein zu seinem späteren Fanatismus. Mehrmals muß er ins Gefängnis wandern, wird zum zweitenmal zu strengerer Sträflingsarbeit nach Sibirien verbannt und entflieht abermals. Der Weg feiner zweiten Flucht führt ihn nach Moskau, wo er Lenin kennen lernte. Lenin war der theoretische Fantiker. Stalin der praktische. Die Beziehungen des gleichen Kampfes waren kG0''ben und bald vereinigte die beiden ein starkes Band. Er wurde einer der regsten Mitarbeiter Lemns. Nack Lenins Tode entbrannte zwischen Stalin und Trotzki der Kampf um die Macht in Sowjeiruß- lanö. Die Ursache des Streites war, wie Lenin und fein Werk zu beurteilen, welcher Kurs jetzt em» zuscklagen. wie Lenins Werk fortzusetzen fei. Alles drehte fick um das große Problem des Blockes der Arbeiter und Bauern Der Streit endigte nur Trotzkis Zwangsausweisung. Stalin riß die ugel an sich und hält sie brutal in der Faust. Er hat die entmenschte Brutalität des Asiaten und die Ab- ckluthest des Willens, die den Mongolen eignet. Für beides war nun ein reiches Betätigungsfeld da: Rußland zu regieren.
Er empfand mit den Bauern, spurte, daß Da der Anaelpunkt Der Gefahr lag. Aber er hatte dis Partei fest in der Hand durch die mackckgen Partei- fetretäre, die er nach Belieben ernannte oder entließ. So sorgt er dafür, daß er nur leine Fre>'nde um fick hat und Unliebsame forort verjagen^kann. Zunächst ging er daran, die wirt'chaf "cke ^mha« tioe in großem Maße zu erweitern. Mit der Ub« so'utheit des brutalen Willensmenfcheis führte er feinen Plan durck lieber Warnunqm lacht er, Opposition wird beteiligt, erschossen ober aus-iewie- sen, jede Kritik ist strengstens verbot m Stal.n glaubt, je vollständiger die Wirtschaft -ozlalifierl fei, um so besser und schneller komme sie über^die Schwierigkeiten der Uebergangszeiten hinweg. Den Beweis für die Richtigkeit 'einer Ansicht ist er noch schuldig. Das ungeheure Experiment des „Pjaii- ketka". des Fünfjahresplans, soll für fünf Jahre im voraus bis zum 1. Oktober 1933 die gesamte Sowjetwirtschaft erfassen, wecken unb zum Ausbau zwingen. Wow andere Staaten Jahrzehnte brau» chen, das will Stalin in fünf Jahren erreichen. Lr duldet keine Skepsis, keinen Brockst 'ber et hat mit diesem irrsinnigen Tempo des Ausbaues Das Land und die Wirtschaft zu Tode gehetzt. Ein Teil der Zeit ist 'chon verstrichen, *.be- »r hat nur einen Brücktest des Erhofften und Geforderten erreicht. Aber Stalin rast ogit’c e~ hat uen junf» jahresplan zum kommunistischen Dogma erhoben und wer nicht in Cebensägtahr geraten wll, tut gut daran, kein Woft ^avon zu -pre Den Obwohl bas Lanb unter "'er ^cst i.nh Dem E.end stöhnt, wird ber Plan mit äußerster Rücksichtslosigkeit ^eiter burcknefickrt '"3;t brv a - Kraft verfolgt Dia- lin das Ziel des Planes, Rußland zu einem agta-