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Areikag, den S. Januar 1931.

Fuldaer Zeitung (AmMches Sreisblatt)

Nr. 6

zur Zett des Inventur-Ausverkaufs

Die Ko-

Zu haben in Apoth. und Drog.

in Packungen

von 20 Pfg an.

4 toSeftTtr*

voll Kampfesmut zieht die Hausfrau auf das ganz „unter Preis" zu ergattern. _______

Anmeldungen zu der Versteigerung rn Fulda nimmt bis zum 15. Januar 1931 tue Land­wirtschaftsschule entgegen. Das Stallbuch ist mitzubringen.

Dreikömgswauderung des Rhöukub.

Man schreibt uns:

Am Dreikönigstage unternahm der Fuldaer NyonNuv» zweigverein die übliche Wanderung nach Milseburg und Maulkuppe, verbunden mit einer Weihnachts- und Deko­rierungsfeier im Klubhaus. Die Wanderung war von autem Wetter begünstigt. Die Milseburg zeigte sich m winterlichem Gewände. Märchenhaft fchön war der Weg durch den verschneiten Nadelwald an den Bubenbader Steinen vorbei.

Die W e i h n a ch t s s e i e r in der Fuldaer Hütte ver­lief sehr stimmungsvoll. An den Wänden, auf den fein

Traumaplast der beste Wund verband

•"* —— ;——

Unser neuer Roman, mit dessen Abdruck wir heute beginnen, führt in die unruhige Zeit der ersten Nachkriegssahre. Im Mittelpunkt der dramatischen Handlung, die int Kohlenrevier am Niederrhein spielt, steht das be­wegte Lebensschicksal eines jungen Menschen. Der Verfasser, Carl Marl, hat in dem Roman

«Das Herz in -er Faust-

Menschen und Milieu so lebensecht und wirklich­keitsnah gezeichnet, daß wir die auftretenden Per­sonen in plastischer Deutlichkest vor uns sehen und alle Phasen der Handlung förmlich miter- lebey. An innerem Wert reicht der Roman er-

Die Inventur hat auch in Fulda begonnen, und Schlachtfeld der billigen Waren, um auch ja etwas

Unheimliche Wut bebte noch m seinen Worten, als er den Vorfall seinem Kollegen, dem Obersteiger Mertens, erzählte. So kam es, daß er ungewöhnlich barsch „Her­ein!" rief, als es an der Türe feines Büros klopfte.

Vor ihm stand ein junger Mann, die Mütze in den Händen, den Kaffeeblech auf dem Rücken.

„Was wollen Sie?" herrschte ihn Hennes an.

Der Angeredete trat einen Schritt zurück, wollte re­den, verzog aber grimmig das knochige, doch nicht un­edle Gesicht mit der hohen Stirn und schwieg^

„Nun sagen Sie doch wenigstens, wer Sie sind. Hennes wurde ungeduldig, aber fein Ton ließ erkennen, daß er sich mäßigte.

„Wilhelm Breuer, Herr Betriebsführer.

„So, ich habe Sie rufen lasten." .

„Jawohl, Herr Betriebsführer. Der ,unge Mann hatte noch militärische Zucht in sich. Man sah, wie er sich stramm aufreckte, so oft er Antwort gab. Eine blonde Haarsträhne siel ihm verwegen über die Stirn, seine Augen hatten einen stahlharten, fast herausfordernden Blick Der Anzug war sauber, aber abgetragen und zu klein: denn die breite Brust und die muskulösen schul­tern ließen nicht zu, daß er die Knöpfe schloß. Um sei­nen Mund lag ein Zug hämischer Verschlossenheit.

„Sie haben die Bergschule absolviert?" fragte der Be­triebsführer.

„Jawoll."

„Dann waren Sie Soldat?"

„Jawoll."

„Wie lange?" ,

„Vom Anfang bis zur Demobilmachung.

„Verwundet?"

Der junge Mann nickte.

„Warum haben wir Sie nicht wie die anderen rekla­miert?"

„Ich wollte nicht."

,chaben Sie Angehörige?"

„Nur meine Muttek."

Der Betriebsführer sann eine W/ile nach. Dann sah er den jungen Mann scharf an und sagte:

„Wir werden Sie am 1. Dezember als Hilfssteigsr einstellen. Einverstanden?"

Wilhelm Breuer jah vor sich hm und gab keine Ant­wort. ,.......... .____________,..,1 ■ I —

„Nun, paßt Ihnen das nicht?" fuhr der Betriebs­führer verwundert auf.

„Das muß ich mir erst noch überlegen, gab er be­dächtig zurück.

„So, überlegen. Jeder andere würde mit beiden Hän­den zugreifen. In Ihnen dachte ich den richtigen Kerl gefunden zu haben, und nun braucht der Herr noch Zeit zum Ueberlegen. — Na, also kommen Sie morgen wie­der!" m .

Der junge Mann machte eine kurze Verbeugung und ging. In der hellerleuchteten Zechenhalle mischte er sich unter die anderen Arbeiter, die sich in dichter Reihe am Markenschalter vorbeischoben, chre Nummer riefen, die Blechmarke in die Büchse warfen und geschäftig der Waschkaue zustrebten, um sich für die Einfahrt um-

Fulda und die jugendlichen Erwerbslose«.

Betreuung der erwerbslosen Jugend. Dankenswerte Mitarbeit. lks gibt noch Idea'isrnus.

hebstch über das übliche hinaus. Der Leser wird von ihm bis zum letzten Kapitel gefesselt sein.

"sZw. "-»d-n °°« <-»- nitionswagen. Feldküchen. Und es war auf einmal ein geschäftiges Treiben in das Dorf gekommen, wie man es lange nicht mehr gesehen hatte; denn die „Deutschen — anders wußten die Knaben jetzt keinen Unterickued zu machen — die „Deutschen" waren fast ohne Pferd und Troß gekommen, in Kolonnen zu Fuß. steilich stramm und singend, die meisten ein rotes Band am Arm. Aber sie waren sozusagen nur durchgezogen, hatten auch in der Schule geschlafen, aber „frei" Hattens darum nicht

gegeben. Damals waren die Soldaten in aller Früh« schon abgezogen.

Nun war also die Besatzung da! Fast zehn Tage hin­durch hatten die großen Leute von nichts anderem ge­sprochen. „Ruhe und Würde" müsse man bewahren, hatte der Lehrer gepredigt. Wir seien zwar wehrlos, aber nicht ehrlos. Und so vieles andere schwirrte die ganzen Tage durch das Dorf, daß die Neugier fast nicht mehr

zu ertragen gewesen war.

Aber merkwürdig! Cs kam wirklich nirgendwo zum Krawall. Die Belgier taten, als seien sie daheim, tote hatten alles bei sich, das sah man, als sie anfingen aus- zupacken. Die Jungen standen dabei und ließen sich nichts entgehen, packten sogar mit an, wo es notig war, oder zeigten dem Musjo den Weg, wenn sie Zigaretten oder Bier kaufen wollten. Die Zehmahrigen wußten nickt anders, als daß Krieg war, daß d,e großen Man- ner tarnen und gingen, verwundet wurden, kielen, in Ur laub tarnen, Briefe schrieben, daß die Zeche die Baier retlamierte, daß die Arbeiter extra Brotkarten bekamen, und daß in jeder Woche besondere Karten für die SV. egs- kiiche ausgegeben wurden. Einige -nutzten von ihren Vätern und Brüdern, datz die Belgier gut lebten, mel Weißbrot aßen und Fleisch und Käse, und em paar ganz Schlaue behaupteten, die Besatzung sei gar m so sck"mrn. Sie w'-ri- m-niostens ^6 ?er

was zu „Hessen" habe. Wenn diese Behauptung be­stritten wurde, mutzten wieder die Väter oder die großen Brüder, die in Belgien gewesen waren, mit ihrer Auto­rität eintreten. .

Gegen Mittag dieses Tages glich das Dorf einem «ei­nen Heerlager. An allen Dorsausgängen stand ein Po­sten, der mit geschultertem Gewehr auf und ab tippelte und niemand passieren ließ, der nicht eine Bescheinigung vom „Kommandant" vorzeigte. D.eser hatte vor dem Rathaus sogar zwei Posten aufgestellt, n"t aufgepflanz- tem Seitengewehr, zwei baumlange, gefährlich orem- schauende Kerle, die wie ein aufgezogenes Uhrwerk aus kurzen Entfernungen gegeneinander marlchierten, fchars Kehrt mochten, abgingen, wieder zuructtamen unb fo hin und her liefen, als hätten sie einen Rekord m null tärischen Wendungen zu schlagen. Stehenbleiben ober gar den Bürgersteig betreten, durfte niemand. Im Rat Haus selbst herrschte ein fieberhafter Betrieb.

Das Herz in der Faust.

Roman eines jungen Menschen.

Von Carl Marl.

L

Der 28. November des Jahres» in dem der Krieg zu Ende ging, begann für die Bewohner von Neudorf mit einem düsteren, feuchtkalten nebligen Morgen. Es war, al« sollte ihnen der Einmarsch der fremden Besatzung ztmächst wie hinter einem Schleier gezeigt werden. Aber die Pferde und Wagen standen schon sett Stunden dicht­gedrängt auf der Hauptstraße, die Soldaten lärmten. Ketten rassetten, Kommandos gellten durch die Dunkelheit. Da und dort ging ganz leise ein Fenster aus. Licht durfte nicht gemacht werden. Die Bekanntmachung des belgischen Kommandeurs, die am Tage vorher an den Straßenecken angeschlagen worden war, enthielt nichts wie „Verboten, verboten, verboten . . ."

Um sechs Uhr tutete die Dampfsirene der Zeche, wie gewöhnlich die Arbeiter zum Werk rufend Es war ein heiserer Ton, aber den Leuten des Jndustnedorfes oer- traut wie der Klang einer Glocke. Die Bogenlampen standen wie Blutstropfen im Nebel, der Geruch der Koh­lengase. die den Koksösen entströmen, lag m den Gas en und in den dunklen Gärten hinter den kleinen geduckten Koloniehäusern. Bon allen Seiten trotteten die Arbeiter in ihren schweren Stiefeln heran, einzeln, wortkarg und scheinbar ohne die fremden Kolonnen zu beachten Be­triebschef Hennes, der in einer kleinen Villa am Aus- flanq des Dorfes wohnte, hatte den ersten Zusammenstoß mit den Fremden. Er hatte das kleine Eisentor seines Dorgartchens vorsorglich hinter sich abgeschlossen, war eine Weile stehengeblieben, um sich die „Bescherung zu besehen und hatte sich dann durch die Kolonne ge zwängt, die ihm den Weg aus die offene Straße vor- sperrte Zwei Belgier hatten ihn angefaucht und drohend die Reitpeitsche erhoben. Hennes, ein Hüne von Gestalt, war stehengeblieben, hatte die Fäuste in den Hosen­taschen geballt und seinen Zorn niedergedampft Dann war er in weitem Bogen um die Kolonne herumge­gangen. .. ------ —-----* L

heitsstrafen, 5 Jahre Ehrverlust), in 1929 und 1930, also innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren, aber bisher 23 Personen (37 Jahre, 2 Monate, 3 Wochen Freiheitsstrafen, 25 Jahre Ehrverlust). Auch die Verurteilungen wegen fahr­lässiger Brandstiftungen haben in den letzten Jah­ren eine beachtliche Zunahme erfahren.

Der Unterricht

an den Fuldaer Schulen hat nach Ablauf der Weihnachtsferien heute wieder begonnen. Fleckviehzuchtgenossenschaft Fulda.

Die nächsten Bullenversteigerunaen finden statt am Mittwoch, den 4. Februar 1931 in Kirchhain, am Donnerstag, den 5. Februar 1931 in Hersfeld, und am Freitag, den 6. Februar 1931 in Fulda.

feen weil sie mit der Bewilligung der Kapttalabfm- dung in späterer Zeit rechnen. Da zur Zett nicht übersehen werden kann, ob und in welchem Um­fange künftig Mittel für die^Kapitalabfindung bereit gestellt werden können, kann eine schwere Schädigung und unter Umständen eine Ge­fährdung der wirtschaftlichen Ex ist en; der betreffenden Rentenempfänger die Folge sol­cher Verträge sein. Der Reichsarbeitsminister mutz nachdrücklich vor der Uebernahme von Verpflichtun­gen warnen, solange nicht das Siedlungsun­ternehmen einwandfrei finanziert und die Kapi­talabfindung bewilligt ist. Es kann nicht daran gerechnet werden, daß die aus solchen voreilig abgeschlossenen Verträgen entstehenden Schwierig­keiten durch bevorzugte Bewilligung einer Ab­findung zum Nachteile derjenigen, die den Bestim­mungen gemäß sich vor der Bewilligung nicht vertraglich gebunden haben, oder aus sonstigen öffentlichen Mitteln behoben werden könnten.

Bekämpfung -er Vraudftislungeu.

Zur Tagung des Bezirksfeuerwehrbrirats im Regierungsbezirk Kassel.

Im Ständehaus zu Kassel tagte der Bezirks­feuerwehrbeirat für den Regierungsbezirk Kchsel unter dem Vorsitz des Direktors der Hessischen Brandversicherungsanstalt. Außer den Mitgliedern des Beirats — dem Feuerlöschdirektor für den Re­gierungsbezirk Kassel, dem Vertreter der Land- räte dem Vorsitzenden des Kurhesslschen Feuer­wehrverbandes, dem Branddirektor der Berufs­feuerwehr zu Kassel und zwei Kreisbrandmeistern — nahm ein Kommissar zugleich für den Ober­präsidenten und den Regierungspräsidenten ander Sitzung teil. ,, ...

Die Tagung gast der Beratung von Unfall- verhütungsvorschristen für die Be­triebe der Feuerwehren, einer Frage, die durch die reichsgesetzliche Regelung der Unfalwer- sicherung der Feuerwehren spruchreif geworden ist und weiterhin der Erörterung von Brandver- hütunqsfragen, denen in der heutigen wirtschaftlich kritischen Zeit allenthalben besondere Beachtung ge­schenkt wird.

Die Erörterung über Brandverhutungsfragen befaßte sich mit den Themen a) Schule und fahr­lässige Brandstiftungen durch Kinder, b) Obdach­lose und wandernde Personen und Brandgefahr, c) Vorsätzliche Brandstiftungen und chre Bekämp­fung.

Zum Thema ,

Schule und fahrlässige Brandstiftungen durch | Kinder"

wurde mitgeteilt, daß allein an Gebäudeschäden folgende Schadenziffern, durch Fahrlässigkeit von Kindern hervorgerufen, zu verzeichnen ge­wesen sind:

In 1928 neun Schadensfälle mit rund 5 430 RM.

I Gebäudeschaden; !

In 1927 zehn Schadensfälle mit rund 25000 RM. Gebäudeschaden; .. ...

In 1928 zehn Schadensfälle mit rund 34100 RNk. Gebäudeschaden;

In 1929 sechzehn Schadensfälle mit rund 74600 RM. Gebäudeschaden;

In 1930 bisher zwanzig Schadensfälle mit runb 180000 RM. Gebäudeschaden.

Die Vorschläge über Vorbeugungsmaßnahmen gegen diese vermeidbaren Schäden werden dem Regierungspräsidenten zur Besprechung in der Schulabteilung zur Verfügung gestellt werden. Des­gleichen werden die Beratungen über fahrlässige Brandstiftungen durch Obdachlose und wandernde Personen und die in Vorschlag gebrachten Vorbeugungsmaßnahmen als Anre­gung dem Regierungspräsidenten weitergereicht werden.

Die Bekämpfung

vorsätzlicher Brandstiftungen

soll nach wie vor mit allem Nachdruck durchgeführt werden. Insbesondere gilt es, für die Zukunft mehr als bisher die Bevölkerung und die Feuer­wehren zur Mitarbe^ an der Bekämpfung vor­sätzlicher Brandstiftungen zu gewinnen. Als Aus­wirkung der verschärften Bekämpfungsmaßnahmen ist bisher folgendes Ergebnis ersichtlich geworden: von 1924 bis 1928 einschließlich, als innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren, wurden im Regierungsbezirk Kassel wegen vorsätzlicher Brand- 1 stiftung acht Personen verurteilt (11 Jahre Fret-

zuziehen. „ ...

Dumps dröhnte das Stoßen der gewalligen Maschi­nen, das Knattern der Hammerwerke, der sonst schrille Ton der Glocken in die wohlig gewärmte Zechenhalle. Der mit roten Steinen ausgelegte Boden war mit wei­ßem Sägemehl bestreut, so daß die Arbeiter daruber- schritten wie über einen wollenen Teppich.

Auch draußen wurde es allmählich Tag.

können setzten sich in Bewegung, verteilten sich tm Dorf, und räumten langsam die Straße. Die Soldaten, alle in schmutzig-braunen Uniformen und schlecht gebundenen Wickelgamaschen, gaben sich absichtlich frech und^ auf­dringlich, anscheinend um die Leute rni Dorf en^ii M ck tem. Unter diesen dachte indes niemand an Widerstand Der Bürgermeister räumte gleich einige seiner Gesmafts- zimmer, tat klugerweise sehr freundlich mit dem Kom­mandeur, einem kleinen, dicken Major, und war damit einverstanden, daß zunächst die Schulen als Quartier ge-

Julda. öe- 8 Januar it-30

Hohes Lebensalter.

Am 10. Januar vollendet Frau Witwe Amalla I Schäfer, geb. Kämpf, ihr 85. Lebensjahr. — Am I 11. Januar wird, wie schon erwähnt, Herr Walter Plappert senior 80 Jahre alt. — Am morgigen Tage vollendet der Rentner Johann Schleichert, Petersbergerstraße 45, ebenfalls fein 80. Lebens­jahr in geistiger und körperlicher Frische.

Direktor i. R. Heinrich Dietrich f.

Namentlich in weiten Kreisen der katholischen Pädagogen wird die Nachricht daß der bochbetagte Schulmann Heinrich Dietrich in die Ewigkeit gegangen ist, allgemeiner Teilnahme begegnen. In Fulda, wo er seinen Lebensabend verbrachte, ist er jetzt nach kurzer Krankheit im 87. Lebensjahr gestorben. Direktor Dietrich war von Juli 1870 bis zum März 1898 als Lehrer an dem Fuldaer Lehrer-Seminar tätig. Seine pädagogischen Fähig­keiten und sein Charakter zeichneten chn aus und stellten unvergeßliche Verbindungen zwischen ihm und seinen Schülern her. Aber auch unter seinen Mitbürgern erwarb er sich höchste Achtung. In den ersten Jahren seiner Fuldaer Tätigkeit tobte noch der Kulturkamvs, der gerade auch die Lehrer­bildung in bedeutsamster Weise traf. Dietrich, ein Mann von Schrot und Korn, hielt die katholische Anpassung hoch, unerschütterlich, mutig, ritterlich. Spatere Generationen mußten in unwillkürlicher Ehrfurcht aufschauen zu dieser ehrwürdigen Ge­stalt, die auch durch das Aeußere, den riesenhaften Wuchs und den Silberbart, so starken Eindruck machte. Von Fulda wurde Dietrich im Jahre 1898 als Leiter an das Lehrerseminar in Münster­maifeld (Reg.-Bez. Koblenz) berufen, wo er tm gleichen Geiste und mit erfreulichem Erfolg bis zum Jahre 1914 gewirkt hat. Umhegt von sei­ner Familie, geschätzt und hochgeachtet von allen, die chn kannten, lebte er dann wieder in Fulda im Ruhestand. Noch bis in die letzten Wochen be­gann er früh den Tag mit dem Besuch der hl. Messe. Die Zeit hatte den kraftvollen Mann kaum zu Beugen vermocht. Jetzt ist er in die ewige Heimat gegangen. R. I. P.

Don der Justiz-Behörde.

Ernannt wurde der Gerichtsassessor Dr. Lau - pert zum Gerichtsrat in Neuhof (Kr. Fulda), EifenbahnPerfonen-Rachrichlen.

Ernannt wurde zum Reichsbahn-Sekretär der Bahnhofsmeister Jäger in Eiterfeld. Verletzt wurde der Ooerbahnmeffter Henk von Eiterfeld nach Offenburg (Baden). — In den Ruhestand getreten ist der Lokomotivführer Deigmöller aus Fulda.

Kapitalabfindung für Kriegsbeschädigte.

Man schreibt uns von amtlicher Stelle: Die ungünstige Finanzlage des Reichs läßt die Be­willigung von Kapitalabfindungen im laufenden Rechnungsjahr n i ch t m e h r zu. Gleichwohl sollen Beschädigte vielfach Verträge über Erwerb von Grundstücken und Errichtung von Häusern abschlie-

Insolge der schlechten Lage des Arbeitsmarktes ist auch eine verhältnismäßig große Anzahl I u - gendlicher arbeitslos geworden. Cs besteht daher die Gefahr, daß diese jugendl chen Personen Schaden an ihrer beruflichen Ausbildung erleiden, der Arbeit entwöhnt werden und dem Müßiggang verfallen. Um die Folgen zu vermeiden, die aus der Erwerbslosigkeit, sowohl für d e Charakter­entwicklung des einzelnen, als auch für Volk und Staat entstehen muffen, ist es notwendig, Matz- nahrnen zu treffen, um nach Möglichkeit die gesamte arbeitslose Jugend beruflich zu betreuen.

Der vorn preußischen Minister für Handel und Gewerbe im Dezember vorigen Jahres herausge- qebene Erlaß für die Betreuung der erwerbslosen Jugend hat auch in Fulda Verwirklichung ge­funden. Seit Beginn des neuen Jahres befinden sich in der Betreuung des Ards tsamtes rund 50 männliche und 20 weibliche, in der des Wohlfahrts­amtes ungefähr 40 männliche und 4 weibliche iu- aendliche Personen. Von den männlichen Ernxrbs- lofen gehören 41 dem Handwerk und 10 dem Kauf­mannsstand an; 35 find ungelernte Arbeiter. Von den weibl chen Jugendlichen find 6 inj gewerblichen Beruf, 8 im kaufmännischen Beruf tätig, die übri­gen sind Arbeiterinnen.

Nach dieser Aufteilung hat man auch die Er­fassung der iugendlichen Personen vorgenommen. D'e Handwerker und Kaufleute erhalten m ihren Berufsschulen Gelegenheit, sich beruflich weiter fortzubilden So sind in der gewerblichen Berufs­schule Arbeitsgemeinschaften entstanden für Jugend­liche, die dem Metallgewerbe (Schleifer, Dreher, ' Instrumentenmacher) und solche, die dem Bau- und । Holzgewerbe angehören. D e Jugendlichen erhalten I hier Unterricht in allen Berufsfächern. Dazu kommt

noch Bürger- und Lebenskunde, sowie wöchentlich zwei Stunden Betätigung in den Lei­besübungen. Die Kaufleute werden mit Maschi» nenschre ben und Stenographie, Kalkulationsrech- nung und mit den Geheimnissen der Buchtühning weiter vertraut gemacht. Auch sie erhalten neben ihrem Fachunterricht Gelegenheit, ihr Wisien m Staatsbürgerkunde zu vervollkommnen-

Die weibl'chen Erwerbslosen erhalten die Mög­lichkeit, sich im Hauswirtschaftswesen weiter fortzubilden. Sie sind wöchentlich einen Vormittag in der Küche der Berufsschule tätig; sie werden mit Nahen, Säuglingspflege und den son­stigen Kenntnissen, die zur Gründung eines Haus­standes erforderlich sind, vertraut gemacht.

Den ungelernten Arbeitern hat man Gelegen­heit geboten, zu unterhaltenden und lehrreichen Zu­sammenkünften (belehrende und yrilnwortrage) zusammenzukommen. Auch sie benutzen zu ihrer körperlichen Ausbildung die Turnhalle des Reichs- lahnausbesserungswerkes, die der Stadtverwaltung in anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt wurde. , . _ ... .

Richt unerwähnt soll bleiben, daß sämtliche Herren, die sich der Erwerbslosenpflege angenom­men haben unentgeltlich ihre Tätigkeit n den Dienst der guten Sache gestellt haben. Für die jugendlichen Erwerbslosen bietet die regelmäßige Teilnahme an den von der Stadtverwaltung ge­troffenen Maßnahmen die Annehmlichkeit, von der wöchentlichen Kontrolle am Ar­beitsamt befreit zu fein. Es besteht der Wunsch, daß alle jugendlichen Erwerbslosen die sich bisher an den Veranstaltungen noch nicht beteiligt haben, von der ihnen gebotenen Vergünstigung ausgiebigen Gebrauch machen mögen.