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58. 3ührg

Freitag, 9. Januar 1931

Nr. 6

fortgesetzt.

*

Der Kanzler im Osten.

Vor^Lyck aus ging dir Kanzlerreise nach Al- lenst ch' n.

Auf der Fahrt empfing der Kanzler die Land­räte der Kreise Iohannisburg und Ortelsburg, Vertreter dieser Kreise somie mehrere Siedler und Kleinbauern aus der dortigen Umge­bung und nahm von ihnen zur Sprache gebrachte Wünsche entgegen.

In Allenstein, wo der inzwischen über Königs­berg eingetrosfene Reichsbankpräsident Dr. Luther sich den Teilnehmern an der Ostreise anschloß, fand eine eingehende Besprechung auf dem Rathaus statt, in der die Notlage des Regierungsbezirkes Allenftein und die sich daraus ergebenden Bedürf­nisse auf den verschiedensten Gebieten, insbesondere denen des Kredit- und Steuerwesens, von den dazu abgeordneten Vertretern der behördlichen Organi­sationen und Berufsstände dargelegt wurden.

Abends wurde die Weiterfahrt nach Deutsch- Eylau angetreten. Von Deutsch-Eylau trat der Direktor der Reichsbahngesellschaft Dorpmüller die Rückreise nach Berlin an.

Die Herren übernachteten dort im Sonderzuge. Donnerstag früh um 6 Uhr wurde die Fahrt über Riesenberg, Freistadt und Bischofswerder nach Marienwerder und nach Marienburg

Erjcheinl iechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenvlätter'. Rotationsdruck und Bering der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 11ö2..Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Die Huqenberg-Deutschnationalen sind natürlich über den Verlauf der Ostlandfahrt, die der Kanz­ler in besonderem Auftrag des Reichspräsidenten v. Hindenburg unternommen hat, nicht erbaut. Darum verhöhnen sie jetzt in mehr als un- gezogener und würdeloser Weise d i e Ostreise des Kanzlers, sprechen von einer „Reprä­sentationsreise und Partei- und Agitationsreise, bei der der einzig wirklich Tätige der Herr Pressechef ist, der die Hofberichte zu schreiben hat." Sie wagen es also wiederum, aus der schweren Rot des deutschen Ostens Parteikapital zu schlagen und versuchen erneut, eine künstliche Erregung in der Ost-Bevölkerung zu schaffen in geradezu frivoler Weise Und das nennt sich national und verantwortungsbewußt.

Der Kanzler ebensowenig wie die Reichsregie­rung brauchen keine Agitationsreise. Ihnen ist die Not' des deutschen Ostens wirklich Herzensangele­genheit. Die Angriffe der Deutschnationolen kön­nen den Kanzler persönlich gar. mcht treffen. Denn die Kreiie, aus denen sie kommen, haben scheinbar schon längst jedes voll tische Anstands- gefühl vergessen. Sie betreiben eine ge­fährliche Katastrophenpolitik, die sich einstmals bit­ter rächen wird.

Der Kan-ler redet nicht, er handelt. Für ihn und das Kabinett ist die Ostfrage nicht nur ein dringliches innenpolitisches, sondern ebenso ein außenpolitisches Problem, dessen Lö­sung er ernstlich zu Leibe gehen will und wird.

sich die maßgebenden Kreise noch unterhalten. Aber alles muß der Erreichung des Endzieles die­nen, jetzt denProduktionsprozeß zu fördern, der eine verstärkte Warenausfuhr mit sich zu bringen hat und keineswegs dienen soll einer Uebersüllung des inneren Warenmarktes. Wenn wir neue Kräfte in die Arbeit bringen, durch sie die Pro- duktionsmöglichkciten steigern, dann haben neben der Wirtschaft gerade den größten Nutzen auch die Handwerker, die Kaufleute, die Einzelhändler. Denn die Kauftraft wird in gleichem Maße er­höht, die Absatzmöglichkeit gesteigert, d-e Gelder sind in vollem Umfange produktiv angelegt.

Wenn nach der Rückkehr des Kanzlers und des Reichsfinanzministers nach Berlin die entsprechen­den Reichsressorts jene Maßnahmen vorbereiten und Pläne ausarbeiten, die zu einer Vermehrung und Verbilligung der Produktion und zu einer fühlbaren Belebung der Arbeitslosigkeit und Mil­derung des Arbeitslosenelends führen müssen, dür­fen wir auch erwarten, daß die Organisationen der schaffenden Kräfte unseres Volkes, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, sich zu gemeinsamen Hilfsaktio­nen zusammenfinden, um eine Basis der allge­meinen Verständigung zu schaffen und um der Reichsregierung auch jede erdenkliche Möglichkeit zu geben, das brennende Problem der Arbeits­losenpolitik erfolgreich zu lösen und einen wirk­lichen Arbeitsfrieden und ebenso eine umfassende Gesundung der Wirtschaft in die Wege zu I*V ten.

Jeder, der an die Lebenskraft und an die Zu­kunft des deutschen Volkes glaubt, muß hier Mit­arbeiten, muß diesen Kampf mit aller Ruhe und Energie aufnehmen. Reich, Staat, Länder und Gemeinden sind hierbei vor die wichtigsten Auf­gaben gestellt. Sie können sie erfüllen, wenn das notwendige Vertrauen im Volke gestärkt wird, wenn es gelingt, über alle Jnteressentenwünschs hinweg dem allgemeinen Ziele, das den Interes­sen des ganzen Volkes dient, in gemeinsamer Ar­beit zuzustreben. Und so fassen wir die Rede des Reichslinanzministers Dr. Dietrich auf als ein Signal zur Selbstbesinnung, zur Selbstverantwor­tung.

Ditz Syndikate als Gegner.

Reichsfinanzminister Dietrich setzte sich in seiner Rede in Heilbronn mit der Kritik auseinander, die seine Stuttgarter Ausführungen zur Frage der Arbeitslosigkeit und ihrer Bekämpfung gefunden haben. Er wies besonders den V o r w u r f der Subventionspolitik zurück. Darunter habe man bisher verstanden, daß an sich kranke und zu­rückgebliebene Betriebe mit staatlichen Mitteln künstlich über Wasser gehalten werden wollen. Eine solche Politik habe er bisher schon immer a b g e - lehnt. Aber es handle sich hier um etwas voll­kommen anderes, nämlich darum, zu versuchen, eine an sich gesunde und leistungsfähige Industrie wieder stärker in Gang zu bringen, als sie es im Augenblick aus eigener Kraft zu tun imstande sei, nicht um der Inhaber, sondern um der Arbeiter und Angestellten willen. Daß die heutige Wirt­schaftskrise im allgemeinen in erster Linie von der A b s a tz s e i t e her angefaßt werden müsse, wisse er auch. Aber es könne auch von der anderen Seite her vieles getan werden, was auch den Kon­sum wieder anrege. Dietrich verwahrte sich da­gegen, daß er generell die Syndikate oder ihre Führer habe angreifen wollen. Er habe nur die Auffassung vertreten, daß der einzelne Unternehmer ein besseres Schicksal in der deutschen Wirtschaft verdient hatte und unter dem Gesichtspunkt der Arbeits- und Marktbeschaffung wertvolle Dienste geleistet habe und noch) leisten könne. Man könne mit hergebrachten Meinungen allein mit einer so ungeheuren und gefahrvollen Notlage nicht fertig werden. 3m übrigen müsse man erst genauere Pläne abwarten, ehe man sich hemmungslos dagegen festlege.

Besprechungen über die Arbeitsdienskpflichl.

ERB. Berlin, 8. Jan. (Eig. Meld.) Bespre­chungen mit den Spitzenverbänden der Arbeit­geber und Arbeitnehmer über die Frage der Ar­beitsdienstpflicht werden am 12. Jan. im Reichs- arbeitsministerium abgehalten werden. Es sollen bei dieser Gelegenheit alle im Reichstage vorliegenden Anträge über die Einführung der Ar­beitsdienstpflicht e r ö r t e rt werden.

* silagges in Braunschweig Zum Regierungsrat ernannt. Wie Braunschweiger Blätter berichten, ist der frühere Mittelschulkonrektor Klag- ges in Beneckenstein im Harz (Regierungsbezirk

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Der Konflikt im Ruhrbergbai^

Nur noch 3,3 Prozent der Brlegfch-ft im Ausstand.

Nach Mitteilung des Bergbauvereins waren in der Mittagsschicht am Mittwoch am Ausstand noch 3,3 Prozent der Belegschaft beteiligt (2454 Mann einschließlich 208 Entlassenen) gegen 3,64 Prozent in der Frühschicht am Mittwoch und 6,61 Prozent in der Mittagsschicht vom Montag. Die Beteili­gung am Streik war am stärksten in der Mittags­schicht vom 2. Januar mit 14,85 Prozent.

wtb. Duisburz-Hamborn, 8. Januar. (Eigene Meldung.) Im Duisburg-Hamborner Be­zirk ist die Streftbeteiligung weiterhin zurückge­gangen. So fuhren in der heutigen Frühschicht von einer Gesamtbelegschaft von 7280 Mann nur 605 Bergleute nicht ein.

Der ergebnislose Verlauf der Lohn» «Handlungen.

Zu dem Scheitern der Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau wird uns von Gewerkschaftsseite noch berichtet, daß die Verhandlungen nach halb­stündiger Dauer ergebnislos abgebrochen werden mußten, da beide Parteien auf ihrem Standpunkt stehen blieben. Die Zechenbesitzer verlang­ten bekanntlich ursprünglich eine Lohnherabsetzung von 12 Prozent und sind im Laufe der vorigen Schlichtungsverhandlungen auf acht Prozent zurückgegangen, während die Bergarbeiter­gewerkschaften nur eine Lohnherabset­zung von vier Prozent zugestehen zu kön­nen erklären.

Bei den Verhandlungen hatte der Schlichter, Prof. Dr. B r a h n, wie die „Voss. Ztg." berichtet, einen sechsprozentigen Lohnabbau vorgeschlagen.

Außerordentliche Generalversammlung des Christl. Bergarbeiter-V erbandes.

Der Christliche Bergarbeiter-Verband hat zum lammenden Sonntag eine außerordentliche Gene­ralversammlung nach Essen einberufen. In Berg­arbeiterkreisen wird darauf hingewiesen, daß diese Versammlung nur bei äußerst wichtigen Anlassen Zusammentritt, so daß die Einberufung geeignet sei, den E r n st der Situation zu zeigen.

Wilde Streiks im oberschlesischen Bergbau.

Wie aus Beulhen gemeldet wird, kam es unter dem Einfluß kommunistischer Propaganda am Mitt­woch im oberschlesischen Bergbaugebiet .zu wilden Streiks. Am Donnerstag vormittag bei der Früh­schicht fuhr die Belegschaft, abgesehen von kleinen Gruben, zum größten Teil wieder ein. Arbeits­willige wurden heute nirgends belästigt. Vor den einzelnen Grubentoren ist es. zu größeren Ansamm­lungen gekommen.

Dafür hat er seine Ostfahrt angetreten, um Bevölkerung des Ostens klar und deutlich den weis zu erbringen, daß ihm geholfen wird allen Kräften und Mitteln, daß sich in: Bevölkerung schicksalsverbunden fühlen darf

deutsche Osten muß gerettet werden, und seine Widerstandskraft muß erhalten bleiben. Das allein ist Sinn -und Zweck der Ostreise des Kanzlers.

Ankurbelung der Wirtschaft, Arbeitsbeschaf­fung, das find die Themen, die Regierung, Par­teien wie die gesamte Oeffentlichkeit beschäftigen. Wir haben erkennen müssen, daß auf dem Wege der Arbeitslosenunterstützung allein die Ar­beitskrise nicht behoben, das Arbeitslosenelend nicht beseitigt werden kann.

Schon im Dezember des vergangenen Jahres hat der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald in seiner Rede über das Arbeitslosenproblem auf die notwendig werdenden neuen Maßnahmen hin- pemiefen und hat auf den Versuch aufmerksam ge­macht, an die Stelle der Arbeitslosenunterstützung eine Lohnhilfe zu setzen, die es der Wirtschaft ermöglich-en soll, nicht nur von weiteren Kündigun­gen abmsehen, sondern vielmehr neue Arbeitskräfte emzustellen.

Es bereitet sich demnach eine Umstellung der Arbeitslosenpolitik vor. Man darf annehmen, daß die Reichsregierung bereits zweckentsprechende Pläne erwogen und vielleicht auch ausgearbeitet hat, über die allerdings noch nichts bekanntgegeben werden konnte.

Nunmehr hat aber der Reichsfinanzminister Dr. D i e t r i ch in seiner Stuttgarter Rede per­sönliche Vorschläge zur Arbeitslosenfrage ge­macht, die äußerst beachtenswert find. Mit vol­lem Recht wies ex darauf hin, daß es heute einzig und allein darum gehen müsse, die Arbeitskräfte in die Produktion wiedereinzuführen, nicht sie brachliegen zu lassen und mit Unterstützungen vor­übergehend zu Helsen.

Die Vorschläge und Forderungen des Reichs­finanzministers sind nicht neu. Es sind die gerade von der Zentrumspartei schon feit Jahren aestellten Forderungen, die Arbeitslosigkeit dadurch zu beheben, daß man die Wirtschaft kräftigt, Ar­beitsmöglichkeiten schafft und die erforderlichen Summen produktiv in dem Wirtschaftsprozeß un­terbringt.

In diesen Zeiten, in denen Millionen von Ar­beitslosen in einem geradezu verzweifelten Zustand sich befinden, in denen Milliarden ausgegeben wer­den müssen, ohne daß man dafür einen Gegenwert bekommt, können auch einmal Experimente ge­macht werden. Und es ist schon so, daß jeder Kri­tik gegenüber umso stärker zu betonen ist, daß B e- denken nichts fein können, sondern daß die T a t auch hier entscheidet. Es muß unbedingt et­was geschehen. Wie und auf welchem Wege, das kann noch reiflich erwogen werden, darf aber nicht zu lange Zeit in Anspruch nehmen.

Wir wissen wohl, daß den neuen Vorschlägen gegenüber sehr starke volkswirtschaftliche Beden­ken bestehen können. Manches, wenn nicht vieles, wird uns mit der überlieferten Volkswirtschaft vor­läufig als unvereinbar erscheinen. Aber wenn das Haus brennt, dann fragen wir nicht erst, ob mit der Motorspritze oder mit anderen Behelfs­mitteln der Brand' gelöscht werden soll, welche kostbare Tapete in dem einen oder anderen Zim­mer gerettet werden soll, sondern wir rücken ener­gisch'dem gefährlichen Element zuleibe, versuchen das Ganze zu retten.

So auch hier. Ohne Kritik an der Vergangen­heit zu üben, ist dennoch festzustellen, das vieles wohl anders gekommen märe, wenn wir zu ge­gebener Zeit den Mut gehabt hätten, die Dinge energisch anzupacken, wenn wir auch einmal experi­mentiert und eine Jnteressentenkritik außer Acht gelassen hatten. Fehler, die gemacht wurden, müssen uns deshalb heute umsomehr an­spornen, durchzugreifen und auch vor Experimen­ten nicht zurückzuschrecken, die wir vielleicht in ihrer Auswirkung noch nicht zu verstehen vermö­gen. Das eine ist sicher. Wenn vier Millionen Menschen in Gefahr sind, noch mehr der Verzweif­lung anheimzufallen, wenn Milliarden über Mil­liarden zwar nicht nutzlos, aber doch völlig un­produktiv ausgeworfen werden, __ ohne daß durch sie irgendetwas Besseres geschaffen werden kann, dann haben wir für jeden neuen sich brauch­bar zeigenden Vorschlag einzutreten und ihn zu versuchen. Es kann der Wirtschaft, es kann auch dem Mittelstand doch keineswegs gleichgültig fern, w i e die Milliarden verwandt werden, ob produk­tiv oder unproduktiv, die sie durch ihre Steuern und anderen Abgaben aufzubringen haben. Ge­rade sie müssen dankbar dafür fein, daß Arbeits- möglichkeiten versucht werden, die die Wirtschaft beleben, die Produktion fördern.

Wir sagten schon einleitend, wie und auf wel­chem Wege das zu geschehen hat. Darüber können

Der Kampf im Rechksausschutz.

Wie die Nationalsozialisten die Wahrheit umbiegen.

Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Frank n, der juristische Beirat Hitlers in München, hat seinerzeit im Plenum des Reichstags die Zentrumspartei und die Mitglieder der Zcn- trumsfraktion aufs schwerste beleidigt. Frank H ist auch Vorsitzender des Rechtsausschusses des Reichstags und hat gleich in der er­sten Sitzung dieses Ausschusses bewiesen, daß er weder persönlich noch sachlich für diesen Posten geeignet ist. Das Zentrum hat wiederholt gegen Den nationastozmlisti'ckun Vorsitzenden im Rcchts- ausschuß protestiert und eine Klärung der ganzen Angelegenheit durch den Aelteftenaasschuß des Reichstags gefordert.

Nun ist es wirklich interessant, aus dem amt­lichen Protokoll der dritten Sitzung des Rechts- ausschiisfes des Reichstags nachzulesen, wie der Abg. Frank II sich bemühte, für seine Person bei der Zentrumsfraktion wieder Stimmung zu ma­cken, nur damit er Vorsitzender bleiben kann. Wir lesen:

„Zwar habe er bereis in der letzten Sitzung Gelegenheit genommen, ausdrücklich und ohne jede 'Einschränkung zu erklären, daß er die Mitglieder der Zentrumsfraktion, fei es im Ple­num, fei es im Rechtsausschaß, auch nicht be­ziehungsweise mit seinen Aeußerungen über die 'Zentrumspartei in Verbindung brachte. Es sei ihm vollkommenfernegelegen, M>t- gl: eder des Reichstage sim allgemeinen und des Rechtsausschusses im besonderen zu be­leidigen . . . Der Vorsitzende (Frank n) be­trachtet im übrigen die Angelegenheit als erle­digt, zumal er in der letzten Sitzung erklärt habe, die Mitglieder der Zentrumsfraktion könnten sich durch seine Aeußerungen nicht getroffen fühlen, und der sein Bedauern darüber ausge­sprochen habe, wenn dies doch geschehen 'ei."

Wir brauchen diesen Erklärungen nichts hinzu- zufügen. Dafür ist es aber noch bei weitem in­teressanter, wie die nationalsozialistische Presse das Verhalten ihres Abg. Frantz II im Rechtsausschuß schildert. Wir berufen uns hier auf die Parlaments-KorrePou' n der NSDAP, und ihren Bericht über die dritte Sitzung des Rechtsausschusses vom 13. Dezember 1930:

„PG. Dr. Frank II lehnt es nach wie vor ab, auf die unerhörte Art des Zentrums, Vorgänge im Plenum, die

lediglich parteipolitisch bedingt sind, in die sachliche Arbeu des Ausschusses zu übertragen. Er erklärt unter lebhafter Zustimmung von allen Seiten das Vorhaben des Zen­trums als aussichtslos und nur geeignet, die sachliche Ar­beit im Ausschuß zu sabotieren. Die Nationalsozialisten seien es nicht gewohnt, sich von irgend jemandem Richtlinien für ihr Vorgehen geben zu lassen. Diesen der parlamentarischen Diktatur des Zentrums fei vorüber, infolge Anwachsens der nationalsozialistischen Bewegung. Frank stellt außerdem fest, daß das Zentrum nichts ge­tan habe, um die falsche Darstellung seiner Aussagen im Plenum der Zentrumspresse zu berichtigen".

Hier finden mir die gleiche Methode der Wahr­heitsverdrehung, wie schon einmal Eris zu Reventlow anwandte. Die nationalsoziali­stische Presse veröffentlicht das, was Frank II wohl gerne gesagt hätte, wenn er nicht fo sehr an seinem Vorsitz klebte und unterschlägt alles, was der Wahrheit entspncht.

Erfurt), der der NSDAP, angehört und vor eini­ger Zeit von der preußischen Regierung ent­lassen worden war, zum 1. Januar 1931 zum Regierungsrat bei der braunschweigischen Staatsregierung ernannt worden. Es sind ihm die Geschäfte eines Hilfsreferenten übertragen worden. — Das kann ja nett werden, wenn die von der preußischen Regierung gemnfsreael-en Beamten der Gruppe 4 in Braunschweig in Stellen der Gruppe 2 berufen werden. Was wollen die Braunschweiger schließlich mit allen den Regierungsrcken anfan- qen, da das ganze Land nicht viel mehr Einwohner hat als eine der weniger großen deutschen Groß­städte. Vielleicht soll das nationalsozialistische Braunschweig em „M u s e u m politischer Mätzchen" werden.

* Rechtzeitige Entdeckung einer Verschwörung aus Euba. Die Regierung hat eine Verschwörung entdeckt, die die Einäscherung der Zuk - kerplantage auf ganz Cuba vom 15. 1. ab zum Ziele hatte. Sie hat strenge Vorsichts­maßnahme» ergriffen.

Wie schaffen wir Arbeit?

Zu der aufsehenerregenden Rede des Reichsfinanzministers

Katzen-Jammer.

Deutschnationale und Rationalsozialisten.

Selbst in deutschnationalen Kreisen erregt das Liebeswerben der H u g e n b e r g p r e \ f e um öte 'Nationalsozialisten starke Entrüstung. Man weiß dort zu genau, daß die Nationalsozialisten die Deutschnationalen nur als Zutreiber betrachten, man kennt die maßlose Beschimpfung der Partei, durch Dr. Goebbels, hat noch in guter Erin­nerung, daß der Nationalsozialist Graf zu R e • vent'low der Hugenbergpresse auf ihre Ankün­digung eines „Deutschland Hugenbergs und Hul«s grob in seinem „Reichsmart" zuriickschrreb: „W:r bedanken uns!" Man ist weiter erstaunt darüber, daß der Deutschnationale Pressed:enst dem „An­griff" Dr. Goebbels Artikel zur Verfügung »eilt und bezeichnet mit Recht ein solches Verhalten als würdelos.

Immerhin gibt es noch Kreise, die ängstlich dar. auf bedacht sind, nur nicht bei Hitlers anzuecken. Zu ihnen gehört der Konteradmiral a. D. Lub - bert, der an Graf zu Reventlow einen Brief schrieb und ihn wegen seiner Angriffe gegen Hu- genberg abkanzelte. Dieser Admiral ist einer von denen, die zwar Hugenberg wählten, aber Tur Hitler schwärmen, denen eine politische Ueberlegung völlig abgeht. .

Im „Reickswart" Nr. 1 bleibt nun Gras zu Reventlow die Antwort nicht schuldig. Er schreibt u. a.:

„Der Herr Verfasser gehört auch zu denen, welche im Nationalsozialismus nur einen „ r a b taten Flügel" des Deutfchncttionalentums er« blicken, nach der Melodie: wir wollen^ doch genau dasselbe! — Ein deutschnationaler Schriftsteller, wenn ich nicht irre, war es Dr. Stäbler, W'Äeb vor Jahr und Tag: Hugenberg mit der Masse der Nationalen sei das Gros, die Masse der Heere»- rnacht, die Nationalsozialisten seien die Stogtruvps. Der Vater solcher Auffassungen ist der Munich, denn der Oberbefehl dieses Heeres liegt 1« natürlich bei der Leitung der Deutschnationalen Volkspartei. In der Tat: bequemer könnte man es nicht haben! ...

Daß das ewige Mißverständnis immer wieder kommt, beruht einmal auf den erwähnten Wün­schen der D.N.Vpt., als Väter ihrer Gedanken, dann auf der inneren Unmöglichkeit, den Ernst und die Tiefe nt begreifen, in denen die Nationalsoziali­stische Deut'cke Arbeiterpartei ihren Sozialis­mus auffaßt." ,

Ebenso derb sagt auch der „Völkische Beobacy- ter" Nr. 3 den Deutschnationalen die Wahrheit:

„Ein deutschnationaler Neujahrsaufsatz begann mit folgenden Worten: „Seit einem Jahr fuhren die politischen Gedanken Dr. Hugenbergs die na­tionale Opposition in Deutschland " Und Water heißt es, am 14. September 1930 sei der Repu- blik eine entscheidende Schlappe erteilt morsen. Wir begreifen die deutschnationalen Note rein menschlich: daß die Deutschnationalen ihre fünfzig Prozent Dezimierung aber als Schlappe der Re­publik und als Sieg des nationalen Gedankens auslegen, ohne den Sieg des Nationalsozialismus

der Be- mit Ost- mit dem ganzen deutschen Volke, daß sie Vertrauen ha­ben kann zur Regierung und ihren Taten. Der

Fuld aerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblall.______