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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Jutda. Amtliches Kreisblakt.

58. Mrg

Donnerstag, S. Ianuar 1931

Rr. 5

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

* Staatssekretär z. D. Kemples gestorben. Wie die national-liberale Korrespondenz meldet, ist Her langjährige Leiter der Gesamtorganisation der Deutschen Volkspartei, Staatssekretär z. D. Kemp- kes, am Dienstagabend' einem Herzschlag er­legen A. Kemples bat ein Alter von fast 60 Jahren erreicht. In Essen geboren, war er dort Jahrzehnte hindurch als Rechtsanwalt tätig und nahm am kommunalpolitischen Leben regen Anteil. Von 1919 bis 1928 vertrat er als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei den Wahlkreis Düssel­dorf-Ost im deutschen Reichstage; von da an bis 1930 war er auf der Reichsüste tze-

Manatlich 1.80 einschliehl. Postgebühr <48 Pfg > ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Gol.) lokal 0.15 RM.. auswärts 0.20 RM. ReNamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Lei Wiederholungen Rabatt. Poftscheckk. Frank, a M 4>>ol

Der Voung-Plan.

Aus London wird gemeldet:

In einem langen Leitartikel beschäftigt sich Times" mit der Stelle der Neujahrsansprache des Reichswehrmini st ers Groener an den Reichspräsidenten v. Hindenburg, tn der dieser auf die Möglichkeit hkngewiesen hatte, daß Deutschland nicht imstande sein werde, die ihm auferlegten finanziellen Lasten zu tragen.Times" führt dazu u. a. aus, ein vorzeitiges Austollen der Moratoriumsftage sei nur geeignet, in wirt­schaftlicher Beziehung eine Krisis herbeizufuhren, die ein Moratorium gerade verhindern solle, und in politischer Beziehung könne es nur die Solidarität der Gläubiger Deutschlands stärken, wie. dies aus den gegenwärtigen zwischen dem briti­

schen und dem französischen Schatzamt im Gang befindlichen Erörterungen deutlich hervorgehe.

DasFeder-Geld".

Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.

Immer, wenn Notzeit ist, erhebt sich ein K a m pf um das Geld. Das ist dann die Zeit, in der die Geldtheoretiker aller Schattierungen auf das Interesse der Masse rechnen dürfen. Wenn es auch noch so naiv ist, das Geld, das ja nur eine Mittler­rolle spielt, als den Urheber alles Schlechten zu betrachten, so ist es doch verständlich, denn im Feh­len des Geldes äußert sich ja vor allem die Misere der Lage.

So kommt es auch, daß gerade jetzt wieder, während wir in einer ungeheuer starken Krise stck- ken, alles Heil von der Reformierung des Geldes erwartet wird, besonders von den Menschen, die die Zusammenhänge nicht übersehen und denen ein gläubiges Vertrauen zu jenen Propheten, die mit Üeberzeugtheit sich als die patentierten Ueberw'.nder allen Elendes ausgeben, geworden ist. Es braucht daher nicht Wunder zu nehmen, daß auch die N a- t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Partei, der man ja ein geschicktes Einfühlen in die Stimmung dec not­leidenden Massen nicht abstreiten kann, sich auch mit der Geldfrage eingehend beschäftigt haben. So hat insbesondere derwirtschaftspolitische General­stabschef" dieser Partei, Herr Gottfried Feder, dem Geldproblem in seinem Programm eine starke Rolle zugedacht und neue Theorien ausgeklügelt. Man spricht daher bereits von einemFeder-Geld".

Was es mit diesemFeder-Geld" auf sich hat, ist aber durchaus nicht so einfach zu übersehen. Herr Feder spricht in zwei Abschnitten des von ihm verfaßten nationalsozialistischen Programms. von je einem Zusatzgeld, läßt aber die Frage, wie es mit dem jetzt vorhandenen Gelds gehalten werden soll, vollständig offen. Es gibt also neben dem jetzigen Selbe zwei verschiedene Arten von Feder- Geld. Das eine soll unter dem Gesichtspunkt der Aufhebung des Zinses geschaffen werden, indem das verzinsliche Wertpapier, gleichviel ob Reich, Land oder Kommune es ausgegeben haben, künftig keine Zinsen mehr abwerfen, sondern als gesetzliches Zahlungsmittel, also als Geld, gelten soll. Der Steuerzahler braucht atto kein Ä-ld mehr für die Zinsen aufzubringen, wodurch, wie Feder glaubt, die öffentlichen Institutionen entschuldet würden und infolgedessen eine allgemeine Verbes-

Neue Wege in der Arbeilslosen-Fürsorge?

Eine Rede des Reichsfinanzminifters. Der ,Lohnbeihttfe-Plan'.

wählt. Bei den letzten Wahlen verzichtete er, um jüngeren Kräften Raum zu geben, auf eine Wie- deraufftellung. Dr. Strefemann, dessen besonoe- res Vertrauen der Verstorbene besaß, berief ihn 1921 als Vorsitzenden des geschäftsführenden Aus- schuffes der Partei an die Spitze der Organi­sation. 1923 war er unter Stresemanns Kanzler­schaft Staatssestetär der Reichskanzlei. Auf Wunsch von Dr. Scholz, mit dem er aus der Studien­zeit besteundet war, behielt er nach Stresemanns Tode seine Aemter in der Partei solange, bis die von ihm selbst mitberatene neue Satzung in Kraft treten konnte. Ende 1930 hat der Verstorbene dann seinen Rücktritt von den bisherigen Parteiämtern vollzogen, aber auf Wunsch des Parteivorstandes eine Reihe wichtiger Ausgaben ehrenamtlich wei­tergeführt.

Zum Tode Ioffres

schreibt dieVossische Zeitung" in einer Würdi­gung der strategischen Bedeutung des Verstorbenen: Das Urteil über die Feldherrn- Leistung Ioffres, der als Zweiundsechzigjährioer im August 1914 das Kommando der französischen Nordostarmee übernahm, ist im Laufe der Jahre mancher W a n d lu n g unterworfen gewesen. Man kann dabei von der auf völliger Unkenntnis der tatsächlichen Vorgänge beruhenden Kritik absehen, die während des Krieges mitunter in Deutschland an Joffre geübt wurde. Aber auch in Frankreich selbst hat man erst verhältnismäßig spät einge- sehen, worin die wirkliche Leistung des ersten französischen Oberkommandierenden lag. Sie lag. um es kurz und bündig zusammenzusassen, in sei­ner durch nichts zu erschütternden Ruhe, inseineneisernenRerven. Die­ser Mann, der seine militärische Karriere als Of­fizier der technischen Truppen begann und im über­tragenen Sinne des Wortes stets ein allerdings glänzender Techniker des militärischen Handwerkes geblieben ist, hat im August und September 1914 mit geradezu bewundernswerter Ruhe die franzö­sische' Feldarmee vor den f ch w er ft en Nie­derlagen bewahrt. Seine Idee, unter kei­nen Umständen eine Umklammerung von wesentli­chen Teilen der französischen Streitkräfte zuzulas­sen, hat in der Vraxis dazu geführt, daß die deut­schen Armeen in Nordfrankreich während der ersten Wochen niemals den Gegner stellen konnten. Der Widerstand, den wir fanden, war nicht so gering, daß- wir kampflos vorwärts kamen, aber er war auch nie so heftig, daß der geschlagene Gegner nicht sehr schnell wieder kampffähig gewesen wäre. Wenn gleichwohl an der Marne das Kriegsgliick auf des Messers Schneide stand und nur durch eine tra­gische Verkettung von Zufällen und kleinen und | großen Unfähigkeiten das Pendel gegen uns aus- fchlug, so ist dennoch auch Joffre nicht ohne akti­ven Anteil an dem für Frankreich günstigen Aus­gang. Die starke Unsicherheit über Stärke und An­griffsfähigkeit des Eeaners bei den Armeen Kluck und Bülow ist ohne Zweifel zum großen Teil die Folge der Ioffrefchen Ausweichstrategie, durch die er der eioenen Truppe ersparte, das Gesetz des Handelns sich vom Gegner aufzw'naen m lassen. Der ruhige und unneroöse Führer ist Joffre auch nach demWunder an der Marne" bis zu feinem Rück­tritt im Herbst 1916 geblieben. Große Erlüge blieben ihm versagt, wenn auch seine eisernen Ner­ven noch einmal zu D^'nu des Wahres 1916 be'in deutschen Ansturm auf Verdun ihre Wirkung ge­tan haben. <5»ine Abberufung und CHebuna durch General Nwelle ging in den ehrenvollsten Formen vor sich. Er blieb formal Generalisfismus und er­hielt den Titel des Mareckal de France. Der wahre Grund für feine Kaltstellung ist wobl weni­ger in dem Zu'ammenbruch der Somme-Offensive im Sommer 1916 zu suchen, als in der allge­meinen Nervosität, die nach 'wei unendlich ovfemollen Kriegsiabren die frarnössiche Deffent= lichtest erfaßt haste, und die nach einem lebendme- ren. DormärtsUeibenhen Verführer verlangte Die im wahrsten Sinne des Wortes ..blutige" Enstäu- fchuna die Joffre? Nack^olaer N-vett<- Frankreich im-Frühjahr 1917 am Eßemin des Dam-s berei­tste map v'eUeicht die beste und nachbastiafte Re- habilstiernng des Marschalls. Unter d-"i Heerfüh­rern Frankreich« im Großen Kriege ist 'ebenfalls Joffre neben Foch berb e deut endste.

In einem außerordentlichen Kabinestsrat hat die Regierung beschlossen, dem Marschall Joffre ein nationales Begräbnis zu veranstalten..

*

wtb. Paris, 7. Ion. (Eig. Meld.) Heute vor­mittag 9 Uhr ist in der Notre Dame Kirche die Totenmeste für Marschall Joffre zelebriert War­den. Der kirchlichen T^auerfeier mahnten der Prä­sident der Republik, Doumergue, die persönlichen Vertreter der fremden Staatschefs, die Mitgsieder der Regierung, des diplomatischen Korps, des Parlaments, die Vertreter des Heeres und der ehemaligen Frontkämpfer bei, die auch andern Trauerzug teilnahmen. Rach der kirchlichen Feier wurde der Sarg des Marschalls Joffte auf eine Lafette gestellt und der Trauerzug nahm seinen Weg von der Notre Dame Kirche nach dem Jnva- lidendom. Längs des Weges bildete eine zahl­reiche Menschenmenge Spalier.

* Drewitz bleibt Führer. Der Reichsausschuß der Wirtschaltspartei hat die Vorwürfe des Neichs- tagsabgeordneten Coloffer geprüft und dem Parte,- vorfitzenben Drewitz das Vertrauen ausgesprochen, weil er keinerlei ehrenrührige Handlungen began­gen habe. Der Antrag des Vorstandes und der Reichstagsfraktion, Herrn C o l o ff e r aus der Wirt- 'chaftspartei a u s z u j ch l i e ß en, wurde dem Par­teigericht überwiesen. Colossers Verhalten wurde einmütig gewißbilligt.

serung der Lage eintreten müßte.

Diese Theorie hört sich gang schön an, hat aber leider nur den Mangel, daß ihre Durchführung zu einer Katastrophe, nämlich zu einer gewaltigen I n- f l a t i o n, führen würde. Jeder, der aufJefe Weise um seine Zinsen gebracht würde, würde sich selbstverständlich bemühen, diesen Zinsausfall durch Kauf von Ware wieder wettzuwichdff ; '!V's bedeutend mit einer Entwertung des Geldes wäre. Da die Anleihen doch immerhin einen respektablen Milliarden-Wert ausmachen, würden also die Zah­lungsmittel mit einem Male in unerhörter Weife vermehrt werden. Das käme im Grunde mf n'chts anderes heraus als auf die wahnsinnige Banknoten- Druckerei im Jahre 1923. Nur wären die Folgen viel katastrophaler, weil dieses viele Zufotzgeld mit einem Male auf den Markt geworfen würbe. . .

Nun schlägt sich aber biefe Theorie mit der anderen, die Herr Feber bei bem Kapitel berGeld­beschaffung durch Ausgabe zinsloser Staalskassen- Gutfcheine" vertritt. Hier schreibt Herr Feder:

Das leichtfertige Papiergeld-Drucken ohne Schaf­fung neuer Werte bedeutet Inflation."

Ist nun das Herauswerfen alrer Anf-'bestücke als Geld nicht gleichwertig mit demleichtfertigen Papierdrucken ohne Schaffung neuer SBerte"9 Wo sind dieneuen Werte", die mit den alten An- leihestücken geschaffen werden? Der Widerspruch ist zu offensichtlich, als daß man sich länger bei ihm aufhalten müßte.

Was nun die Geldbeschaffung durch die Abgabe zinsloser Staatskassen-Gusicheine betrifft, fo erläu­tert das nationalsozialistische Programm hier werden ausnahmsweis-» einmal Details angeführt biefe Methode zur Vermeidung des Anleihewe­ges dahin, daßdie neuen Noten ihre Deckung in dem Zug um Zug neuentftebenben Werte fänden". Was aber nun. wenn durch irgend eine Elementar­gewalt diese Werte mit einem Schlag vernichtet würden, wenn ihre Entstehung durch unvorherge­sehene Zwischenfälle nicht möglich wäre? Worin bestände dann die Deckung? Diese Art Feder-Geld ist fo ohne Basis, baß das heutige Paviergeld, das doch nur zu einem, wenn auch erhehlicken Teste durch Gold oder Valuten gedeckt ist. im Vergleiche mit diesem Feder-Geld als reines Gold zu schät­zen wäre. .

Das Feder-Geld, wie es sich im nationaftonali- ftifchen Prorgamm enthüllt, ist also wirklich feder­leicht. Möge ein gütiges Geschick das deutsche Volk bewahren, mit diesem Geldebeglückt" zu werden! Der Rest wäre die K a t a st r o p h e!

kalholischeSrudenrenhaSetachrr

Ein wohlgemeintes INahnwort von einem Freunde der akademischen Jugend.

Von hochgeachteter besonderer Seite ist der gesamtdeutschen Zentrumspresie folgende Zu­schrift zur Veröffentlichung zugegangen:

Wir gehören nicht zu denen, die über unsere heutige Jugend, insbesondere die akademische, her- fallen und nur mit negativer Kritik über sie zu Ge­richt sitzen. Wir bejahen die deutsche Jugend als Samentofn und Zukunftsgrundlage unseres Vaterlandes. Wir suchen auch gewissenhaft und ehrlich das Stürmen und Drängen zu verstehen, das heute in dieser aufgewühlten und zerrissenen Zeit ber Not nach Krieg unb Revolution in un­serer Jugend, vor allem in ber stubentischen Iung- rnannschaft, braust unb gärt.

Wir haben Verständnis dafür, daß die heutige akademische Jugend anders ist und sein muß als biejeniac, zu ber wir vor 20 unb 30 Jahren gehör­ten. Wir suchen die psychologischen Ursachen unb vielverzweigten inneren unb äußeren Voraussetzun­gen zu ergründen, unter denen die jetzige Stuben- stenschaft in diesen Gärungsprozeß hineingeraten ist. Aber manches, ja vieles, gefällt uns nicht an einem nicht unerheblichen Teste dieser akademischen In­gen. Wir würben unseren jungen Kommilitonen einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir hier Vogelstraußpolitik treiben wollten. Wahrheit unb Klarheit ist auch hier immer noch em besserer Stanbpuntt als gegenseitiges Versteckensplelen. Darum sei einem ehrlichen unb begeisterten wtu- bentenfreunbe, ber einem großen katholischen Stu- bentenoerbanb als Altherr angehört, em offenes Wort gestattet. Er spricht zugleich als überzeugter Anhänger ber Deutschen Zentrnrnspartel.

Die gegenwärtige politische Geisteshaltung eines Teiles ber deutschen Studentenschaft, auch der katho­lischen, erfüllt uns mit ernster Sorge.Wenn wir auch, wie oben bereits betont, für gewisse gefühls­mäßige Neigungen unserer jungen studentischen Freunde angesichts der außergewöhnlichen Not der Zeit auf den verschiedensten Gebieten em gewfffes i Verständnis haben, so sehen wir in ber Radikal,,e- runq unb Sanatifierung nicht weniger kathMfcher Stubenten unb Jungakademiker die große Gefahr einer allmählichen Isolierung unserer studrerenben Iugenb von bem katholischen Volks kor per. Wenn die' politische Entwicklung in manchen ©tubenten köpfen des katholischen Lagers so weiter geht nne bisher ,bann fürchten wir, daß sich das Gros de- katholischen Volkes in feinen brestesten Masten von diesem Teil des katholnchen Studententums sehr deutlich distaiizieren wird. Sehr zum Nachteil der jenigeu, die nach Erziehung unb ^dung berufen wären, die künftigen Führer tm katholischen Deutschland zu stellen! Wenn dieser Teil ber katho­lischen Studentenschaft innerhalb der Korporationen sich nicht bald eines besseren belehren laßt, unb sich nicht bald zu den Traditionen ber ^siter unb Groß­väter zurücksinbet, bann sehen wir eine ernste Krise H^Die^Krste' besteht in ber Dissonanz zwischen den Masten des katholischen Volkes und 'drer polltrschen Vertretung, ber 3entrum5Parte, unt। ber »«»en schen Volksvartei einerseits, unb bem radikal ge roorbenen Teile ber katholischen deutschen Stuben tenschast anbererseits.

Wir warnen vor dieser Krise.

Es ist heute schon eine leider nicht zu leug­nende Tatsache, daß man sich bei manchen kacho lischen Stubenten-Korporationen der verschieden­sten Verbände fast entschuldigen muß, daß man die Tradition seiner Väter fortfetzt und als deut scher Katholik sich politisch zur Zentrumspartei be kennt. Noch mehr! Manche unserer Sohne muf­fen in ihrer Korporation förmlich darunter leiden, baß sie heute noch den Mut haben, Zentrum zu wählen und gemäß der Tradition ihres Eltern Hauses vraktische Zentrumsleute zu sein. Allo eine völlige Umkehrung ber Begriffe! Wir kannten noch andere Einzelheiten Vorbringen, halten es aber tm Interesse des katholischen Studententums und des katholi'st-en Volkes für richtiger von einer osient lichen Erörterung dieser Emzelhenen abzusehen. Nock einmal: wir warnen!

Wir wollen aber gerecht fern und gleich fügen, daß vielleicht auch auf der anderen Seite Fehler gemacht worden Und. Wir glauben, v der Kontakt zwischen den führenden Zentrumspar- lamentarieren und ber katholischen Studentenschaft in den letzten Jahren hatte 'nn>ger unb gepflegter sein sotten. Vielleicht hatte auch m ben letzten Imölf Jahren mehr systematische, sachliche Auikla rungsarbeit in den Reihen unserer Kommilitonen durck bie weltanschaulich zu ihnen gehörenden Par teien geleistet werden können. Da die meisten l»n gen Studenten beuch 'ckon wab'bereck,at sind, be steht für diese Aufklärungsarbeit nicht nur ent Reckt, sondern eine sachliche Notwendigkeit, biefe Arbeit zu leisten ift. durfte m erster Lime eine Frage bes Taktes und der Klugheit fern.

Insbesondere das Verhältnis nicht weniger ka- cholifcher Studenten und Jungakademiker inner- halb' und außerhalb der Korporationen zu deut Nationalsozialismus gibt aus dogmatischen, re.i- giöskirchlichen, kulturellen, nationalen, positifchen, sozialen und volkswirtschaftlichen Gründen zu ern­ster Beanstandung Anlaß. Wir sind zwar gerecht genug, den Idealismus unb bas retne va-erian- bische Streben vieler junger National'ozmllsten an­erkennen. Die Beachtung dieser subwktwen Seite enthebt uns aber nick' der Pflicht- obiektiv. m der Sache selbst eine entschieden ablehnende Haltung einmnebmen. Es ist hier nickt bie ^^egenheit, uns mit bem Programm, den Nerf''reck'maen und den Taten ber Hitlerpartei ausemander-ufetzen

Es gibt für uns Katholiken em Kriterium, an dem mir bie Kirchentreue unserer Glau^nsaenosten unterscheiden können. Das katholffche Volk hat ein sehr feines Gefühl für dieses Kriterium, das in ber Frage besteht: Wie stehst Du zu den kirch­lichen Behörden unb Autoritäten? Es ist Tatsache,

Aus ber Drei-Könige-Tagung ber Württem­berg i s ch e n Demokraten in Stuttgart hielt Reichsfinanzminister Dr. Dietrich eine Rebe, in der er u. a. die Pläne und Absichten der Reichsregie­rung zum Arbeitslosenproblem erörterte. Ein Sy­stem, bas nicht imstande fei, mit ber ungeheueren Arbeitslosigkeit aufzuräumen, erklärte der Mini­ster, sei dem Untergang verfallen . Für Millionen von Arbeitslosen 3' Milliarden auszu­geben, ohne einen Gegenwert zu be­kommen, sei so ungeheuerlich, das das Betreten neuer Wege gewagt werden müsse. Wenn wir, er­klärte Dr. Dietrich, zur Zeit in einem Monat eine Viertelnnlliarde für die Arbeitslosen brauchen, so könnte es vielleicht angemessen sein, wenn man versuchte, mit diesem Betrage entweder die entschei­dende Rohstoffproduktion anzukurbeln oder aber eine oerarbeiten.be Industr le , die befonbers viel lebenswichtige Rohprobukte ver­braucht, in Bewegung zu bringen. Ich sehe darin keine Subvention, wenn man, nachdem bie Frage entschieden ist, wo man anfassen will, das, was bie Arbeitslosen kosten, zur Verbilligung und Vermehrung der Produktion verwendet, indem man für jeden arbeitslosen Angestellten ober Ar­beiter eine entsprech enbe Summe zu- zahlt. Ich weiß, baß über diese Dinge der größte Sturm losbrechen wirb; aber wo Millionen Men­schen in Gefahr sind, in Verzweiflung getrieben zu werden, sind Bedenken nichts, unb posit ve Maß­nahmen alles. Wir brauchen die Dinge nicht für die Ewigkeit zu machen, wir können sie einmal für ein Viertel- ober Halbjahr probieren. Vor den Wunderdo ktoren, erklärte Fmanz- minifter Dr. Dietrich, die bem Volke emreben, es gäbe neue Wege zur Beseitigung ber Not, muß aus das entschiedenste gewarnt werden. Mit Geld­theorien und Reden von der Zinsknechtschaft ist weniger als nichts anzufangen. Diejenigen, die heute an der Spitze des Reiches stehen, glauben an die Lebenskraft unb Zukunft bes beutfchen Volkes. Wir haben nicht die Absicht, bas Steuer aus ber Hastd zu geben. Wir sind entschlossen, uns durch bas ungeheuere Durcheinanber im deutschen Volke u. fein manchmal geradezu unverständliches Gebahren den Bl'ck für das praktisch Mögliche nicht trüben zu lassen unb ben Kamps ebenso sehr mit Ruhe roje mit Energie zu fuhren. *

Viele Zeitungen beschäftigen sich bereits in Leit­artikeln bzw. in Kommentaren mit dem von bem Minister vorgeschlagenen Plan einer Lohnbeihilfe zur Bekämpfung ber Arbeitslosigkeit.

DerJungdeutfche" bezeichnet. die Rede als das bedeutendste politische Ereignis der letzten Wo­chen. Der Wille zu neuen Wegen in der Arbeits­losenfrage sei hoch erfreulich. Schon jetzt müsse frei­lich vor unüberlegten Schritten gewarnt werden. Das Urteil über bie Maßnahmen ber Regierung werbe sich danach richten, ob sie nur kleine vor­läufige Mittelchen feien ober ob man ben großen Wurf einer planmäßigen neuen nationalen Wirt­schaftspolitik enblich wage.

' DerVorwärts" spricht von einemphan­tastischen Projekt" unb vonWirtfchafts- ankurbelung auf Kosten ber Arbeitslosen" unb fragt, was während der Ankurbelung aus den Ar­beitslosen werden solle, die keine Unterstützung er­hielten. t _ ....

DerLokalanzeiger" sieht trotz der Erklärung de, Ministers, er wolle keine Subventionen, in feinem Vorschläge eine Subventionspol i- t i k gegen bie ungeheuere Bedenken vorlägen. Das Blatt bezeichnet die ganze Frage als noch nicht spruchreif. t

DasTageblatt" nimmt an, daß der Fmanz- minister feine Gedankengänge nicht vorgetragen habe, ohne daß sie von ben anber en Kabinetts- mitgiiebern wenigstens in ihren Grunknügen gebil­ligt seien. Zweifellos würden bie Vorschläge Auf­sehen unb Wiberspruch Hervorrufen.

Am ausführlichsten beschäftigt sich berBörsen- Eourier" mit bem Lohnbeihilfeplan. Das Blatt bringt unter ber UeberschriftVerfehl t!" einen ArtikelVon maßgebender industrieller Seite", in dem die ernstesten Bedenken gegen den Plan erhoben werden. Der Artikel bezeichnet als ben fpringenben Punkt die Sicherung dafür, baß nicht nur vorübergehend für eine kurze Zeit Arbeitslose beschäftigt würden, sondern baß sie dauernd wieder die Möglichkeit hätten, zu arbeiten. Wenn das nicht der Fall sei, so sei bie Folge ein Zusammenbruch ber noch gefunden Be­triebe denen weitere Mittel entzogen würden. Der Vorschlag käme auf nichts anderes heraus als auf eine weitgehende Subventionierung ber privat'en Betriebe mit öffentlichen Mitteln. Durch die Suboentionen werde der Selbsthilfegedanke geradezu e i n ge­schläfert. Es sei bann kein Wunder, wenn em derartiger Betrieb schließlich in bie öffentliche Hanb übergehe. Zum Schluß fragt bas Blatt, wo man die Mittel für ben Plan hemehmen wolle.