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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatk.______

Nr. 4

Erschein! sechsmal wöchentliche Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck unb JBerlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: «chrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Dienstag, 6. Ianuar 1931.

Monatlich 1.80 einschiietzl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezcile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks Franks a M 4051

58. 3at)tg.

Dem Sterne nach.....

Dreikönig 1931.

Friedrich Muckermann S. I.

Es bleibt für alle Zeiten eine erhabene, eine heroische Erinnerung, der Weg der Weisen aus dem Morgenlande durch die Fährnisse der Wüste dem Stern nach, der ihr Schicksalsstern, der Stern ihrer Berufung, der Stern ihrer Vorsehung war. Vorbild für einen jeden Menschen sind diese Könige, der im Leben jenem Sterne zu folgen hat, der einmal als das Zeichen Gottes in seiner Seele und an seinem Himmel aufgegangen ist. Symbol der Völker sind sie, als deren erste Vertreter sie den Stern von Bethlehem geschaut haben, den Wun­derstern, der später strahlend über so vielen Jahr­hunderten christlicher Religion und christlicher Kul­tur gestanden hat. Im Glauben an diesen Stern sind jene Könige vom Morgenland zum Abendland gefahren, haben sie die Heimat verlassen, haben sich der Wüste anvertraut, haben sie gehungert und ge­dürstet, haben sie auf des Lebens Annehmlichkeiten verzichtet, haben sie mit allem Gewohnten ge- brocheu, Gottsucher, die wußten, daß man alles verlassen muß, wenn die heilige Stimme im In­neren ertönt, Gottfinder, die erfahren haben, daß man alles gefunden hat, wenn man vor dem Kinde in der Krippe niederknien durfte.

Haben wir dieses Geheimnis des Sternes je richtig verstanden? Sind die Europäer jenem Stern treugeblieben, der damals ihr Schicksalsstern geworden ist? Ist Europa bereit gewesen, für die­sen Stern und seine Straße alles hinzugeben, was ihm lieb und teuer ist? Waren, Gold, Weih­rauch und Myrrhen, die köstlichsten Früchte dieser Erde, wie jenen Magieren ihm eben gut genug, um dem Kinde geopfert zu werden? Hat es die Kraft, auch einmal durch Wüste und Wirtschaftsnot zu wandern, eben weil es den Stern noch über sich sieht, den Stern Gottes, den Stern der he'ligsten Sehnsucht, den Stern größter Erfüllung? Oder ist im Leben Europas schon lange jene Epoche ange­brochen, die auch für die Weisen einst den Stern verbarg, damals als sie in Jerusalem weilten, bei jenem Herodes, der ein Mörder, ein Ehebrecher, ein König rein irdischer Souveränität war, ein Götze, der einen Gott nicht neben sich dulden konnte, ein Anbeter der eigenen Macht, der nicht litt, daß ein Mensch sich beugte vor einer anderen Macht aus einer anderen Welt, ein Tyrann, der die Träger der Religion wie die Träger der W ssen- schaft und selbst der heiligen Wissenschaft zu blind, zu stumpf, zu gewissenlos gehorchenden Schranzen seiner götzenhaften Renegatenherrl-chkeit gemacht hatte? In solcher Umgebung und Atmosphäre ist selbst den heiligen Weisen aus dem Morgen­lande ihr Stern verblaßt, bis sie fort waren von dieser Unheilstätte, bis sie wieder in der Einsamkeit und in den Bergen waren, wo sie Kinder sein konnten, einfach gläubig suchende Kinder, und wo ihnen zugleich der Stern wieder aufging. Dreifach gehäuft ist der Ausdruck der Freude, mit dem die Schrift den Jubel ihrer Herzen beschreibt.

Ist heute der Stern von Bethlehem unterge­gangen für Millionen nach dem Herodes brauchen wir nicht lange zu suchen. Wir kennen den Hochgesang des letzten Jahrhun­derts auf den irdischen Fortschritt, auf das mate­rielle Wohl, auf einen gottvergessenen Imperialis­mus. Wir kennen die Leute, die jederzeit bereit waren, ihre Schergen zu schicken, um alle die Kinder zu morden, dieim Geheimnis des Gotteskindes lebten. Wir kennen in tausend Farben und Wand­lungen jenen verführerischen Purpurmantel, der heute wie damals nicht nur Schwert und Macht, sondern auch Wissenschaft und Religion sogar in seinen satanischen Dienst genommen hat. Ist es ein Wunder, wenn der Stern in solchen Zellen untergegangen ist, sodaß ihn selbst die Frommen nicht mehr sehen? ,

Was sind Hunger und Durst für einen Menschen, der für eine große Idee streitet? Was wäre di? Not unserer Tage selbst für Völker, denen ihr Stern mit seinem Glanz und mit seiner Sicherheit voran­leuchtete? Sie könnten durch Wüsten z'ehen, sie könnten an dürftigen Zisternen Wasser holen, sie könnten den Brand der Sonne ertragen und die Kühle der Nacht. Nichts machten ihnen die Steine des Weges, nichts die Disteln der salzigen Erde, nichts die Abgründe und Schrecken der Einöde, wenn sie den Stern sähen. So war es doch bei den Kriegern, jenen, die einst dem Alexander gefolgt sind "und jenen, die einem Napoleon die Schlachten kämpften, so war es in viel höherem Maße bei jenen, die 1914 auf die Schreckensfelder des Welt­krieges hinauszogen. Sie alle glaubten doch an eine Idee, die es wert wäre, daß man für sie das Leben dahingäbe. Alle diese Ideen aber sind heute verblaßt in den Herzen von Millionen. Die Sterne dieser Menschheit leuchten nicht mehr. Grund und letzter und tiefster Grund dafür? Eben dieser, daß man dem einen Stern untreu geworden war. dem einen Sterne, der das Geheimnis christsicher Kultur und christlicher Staaten nun einmal ist, dem Stern der Weisen von Bethlehem. Nachdem Europa als Ganzes dftfe seine größte Liebe verraten und ver­loren hat, ist ihm keine zweite wieder aufge­glommen, die an die Stelle der ersteren hatte treten können. Es hat den Herodes gewählt und ist seinem eigenen Schicksal untreu geworden. Semem Sch'cksal untreu werden, das aber ist der Selbst­mord, das ist die Vernichtung der zeugenden Kräfte der eigenen Existenz, das ist der Untergang. Ist dieser' Stern geschwunden, dann trägt man kein Leid mehr, dann ist einem das Leben keines Opfers mehr wert, dann ist man schal und nichtig, dann glüht kein Auge urto pocht kein hochgemutes Herz mehr. Dann ist man noch eine Massenver­sammlung von Menschen, die nach Brot und nach Spielen schreien, schließlich mit Recht, denn es wird nach und nach am Brote fehlen, wie es an K ndern fehlt, wie es an allem fehlt, was noch Jugend und Hoffnung heißt, man ist ein Greis, kraftlos gegen­über den zersetzenden Mächten, man ist reif für die Sichel, reif für das Schwert jüngerer, glaubens- frohsrer Völker, reif zum Untergang.

Wird uns die innere Fäulnis dieser Herodesse, denen Europa angehangen hat, nicht endlich be-

Ser Reichskanzler aus der Wands-Reise.

In Pommern emgekroffen.

wtb. Lauenburg (Pommern), 5. Jan. (Eig. Meld.) Der Reichskanzler ist auf seiner Fahrt in die deutschen Ostgebiete, die er Sonntag abend angetreten hat, heute früh hier eingetrofsen und wurde am Bahnhof vom Oberpräsidenten der Pro­vinz Pommern, von Halfern, dem Präsidenten des Landesfinanzamtes, dem Kommandeur des zweiten Wehrkreises und anderen Vertretern der Provinz Pommern begrüßt. Der Reichskanzler begab sich darauf in das Landratsamt des Kreises Lauenburg, wo Oberpräsident von Halfern in einer kurzen Ansprache einen Ueberblick über die Lage der Provinz Pommern gab und anschlie­ßend Landrat Kreßmann die schwierigen Verhält­nisse des Kreises Lauenburg und des pommerschen Grenzgebiets überhaupt darlegte. Die Notlage wurde durch mehrere Vorträge über einzelne Ge­biete des Pommerischen Wirtschaftslebens erläutert.

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wtb. Lauenburg, 5. Jan. (Eig. Meld.) Gegen 11.30 Uhr setzten der Reichskanzler und die übrigen Teilnehmer an der Ostlandreise mit dem Sonderzug die Fahrt nach Rummels burg fort.

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Reichsbankpräsident Dr. Luther wird sich am Dienstag abend direkt nach Königsberg begeben, um von dort aus den Kanzler auf feiner Ostfahrt zu begleiten.

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N. C. B. Berlin, 5. Jan. (Eig. Meld.) Wie die Landvolknachrichten erfahren, empfing Reichkanz­ler Dr. Brüning am Sonntag vor seiner Abreise nach dem Osten in Gegenwart des Reichskom­missars für die Osthilfe, Minister Treviranus, als Vertreter der Landvolkpartei Reichstagsabgeordne­ten Dr. Gerike und Herrn von Zitzewitz-Kottow (Pommern) zu einer eingehenden Besprechung über die dringlichen Ostfragen. Dabei wurden auch die Möglichkeiten einer praktisch durchführbaren Um­schuldung der Landwirtschaft erörtert. Nach Abschluß der Ostreise des Kanzlers werden diese Besprechungen fortgesetzt.

Die vier Retter Europas."

C. N. B. London, 5. Jan. (Eig. Meld.) In einem Aufsatz in New Chronicle führt Wilson Harris aus, Europa biete in wirtschaftlicher und politischer Beziehung ein d ü st e r e s Bild. Es werde die Aufgabe von 4 Männern sein, dem drohenden Unheil Einhalt zu gebieten. Als ersten dieser vier Männer nennt der Verfasser Briand,

dessen Ideen, wie er hinzusügt, ausgezeichnet seien, der aber nicht die Persönlichkeit sei, die die Welt mit sich fortreißen könne. Als zweiler bezeichnet Harris Mussolini, von dem er sagt, man könne bestimmt glauben, daß er friedfertige Ab­sichten habe und wenn er sich Briand bei dem Werk der Sicherung des Friedens anschlösse, so würden die Aussichten rosiger sein. Hierzu kommt nach Ansicht des Verfassers als dritter H e n d e r - s o n. Seine Vernunft und seine Standhaftigkeit werden, so heißt es von ihm, bei einer Krisis Dienste leisten, wie sie weder Briand noch Musso- lini leisten kann. Außerdem ist Henderson in der Lage, die wichtige Rolle des ehrlichen Maklers zu spielen. Die Beziehungen zwischen den Län­dern Briands und Mussolinis sind gespannt, das gleiche gilt von den Beziehungen zwischen den Ländern, .die von Briand und von D r. C ur- tius, dem vierten Mann in der Gemeinschaft, vertreten werden. Henderson ist mit jedein ein­zelnen befreundet und befindet sich in einer einzig­artigen Lage, der Völkerbundsrats-Gemeinschaft zu helfen. Harris versucht dann, eine Charakteristik von Dr. Curtius zu geben; er sagt von ihm: Dr. Curtius ist noch immer eine Art unbekannter Sklave. Er trägt den Mantel Stresemanns; aber die Kraft und" der Mut, die Stresemann dem einigen Europa so unschätzbar gemacht haben, sind bei ihm bisher nicht hervorgetreten. Jedoch Dr. Curtius ist klug, versöhnlich und durchaus be­fähigt, in maßvoller Weise den deutschen Stand­punkt in den vitalen Fragen der Abrüstung und der Minderheiten darzustellen, wie er dargestellt wer­den muß. Zum Schluß sagt der Verfasser: Wenn diese vier Männer sich daran machten, die franzö­sisch-italienischen und die polnisch-deutschen Schwie­rigkeiten und die Abrüstungsfrage zu klären, so würden sie Europa neues Selbstver­trauen geben. Aber nur Männer haben Aus­sichten auf Erfolg, die von der Ueberzeugung durchdrungen sind, daß Europas Freiheit ein sofortiges Heilmittel braucht.

* Englische Kampfflugzeuge für Belgien. Aus London wird gemeldet: Die belgische Regierung hat einer britischen Firma einen umfangreichen Auftrag auf Kampfdoppeldecker vom Fox-Typ er­teilt. Schon vor einigen Monaten hat die belgische Regierung 45 Flugzeuge dieses Typs bei derselben Firma in Auftrag gegeben. Der Gesamtwert der Aufträge beträgt über 3 200 000 Pfund Sterling.

Was wollen die Moskauer?

Mololoffs Bericht vor dem Zenkral-Exekuttv-Lomtts.

wtb. Moskau, 5. Jan. (Eig. Meld.) Meldung der Telegraphen-Agentur der Sowjet-Union. Der Vorsitzende des Volks-Kommissarenrates, Molo- t o f f, erstattete vor der gestern eröffneten Tagung des Zentrak-Executiv-Comites den Berichtüber den Volkswirtschaftsplan, wobei er u. a. ausführte: Indem wir uns die Aufgabe einer Verbesserung der Lage der Werktätigen und einer besseren Belieferung der Arbeiterzentren stellten, haben wir Dank einer besseren Organisation im verflossenen Jahre einen großen Erfolg in der Getreide-, Zuckerrüben- und Baumwollaufbringung erzielt. Neben diesen Erfolgen gab es jedoch auch erhebliche Mängel in manchen Wirtschaftszwei­gen. Besonders hinderlich für unsere Arbeit sind die Mängel der Planungsarbeit und die Mängel der Ausführungsbeschlüsse der Partei- und der Sowjet-Macht. "Der Volkskommissaren-Rat mißt dem Volkswirtschaftsplan 1931 enorme Bedeutung zu. Das geht schon aus der Tatsache hervor, daß wir in die Periode des Sozialismus einge­treten sind. Um weitere Erfolge zu sichern, müssen wir die Arbeit der Sowjets entschieden umgestalten. Wir müssen erreichen, daß die Sowjets tatsächlich eine gemeinsame Linie mit der Partei durch- führen. ,

Zur außenpolitisch en Lage erklärteMolo- toff: Unsere Hauptaufgabe ist, die Ausführung des Dolkswirtschaftsplanes zu sichern. .Dazu ist uns Frieden notwendig. Die Weltkrise verstärkt sich jedoch noch. Ihren Höhepunkt wird sie offenbar 1931 erreichen. Die im November 1930 in Gens abgehaltene Weltwirtschaftskonferenz ist zu kemer- lei Ergebnissen gelangt. Wir können mit vollem Recht sagen, daß der Entwicklungsgang der Sow­jet-Union und der kapitalistischen Länder ent­

gegengesetzt ist. Die erfolgreiche Verwirk­lichung des 5-Jahresplanes der Volkswirtschaft er­weitert die Basis für den Handel kapitalistischer Länder mit der Sowjet-Union. Mit einer Anzahl von Staaten entwickeln sich unsere Beziehungen, insbesondere die Handelsbeziehungen, normal. Die­len Staaten gehören in erster Lime Deutsch­land, die Türkei, Italien, England, Schwe­den, Japan, Persien und Afghanistan an. Zu glei­cher Zeit sind jedoch immer neue Versuche zur V e r st ä r k u n g d e r A n t i s o w j e t c a m p a g n e wahrzunehmen. Diese Antisowjet-Aktionen stehen den Friedensinteressen durch unb_ durch feindlich gegenüber. Die Sowjetmacht, die für den Sozlaus- mus und die Verbesserung der Lage der Massen kämpft, kämpft für den Frieden, der die Verwirk­lichung dieser Aufgaben gewährleistet. Jene aber, die die Antisowjet-Campagne leiten, bereiten eine Intervention und neue Kriege vor.

Zum Schluß erklärte Molotoff: Die Ergebnis­losigkeit und Fruchtlosigkeit der Arbeit der vorbereitenden Abrüstungskom- mission ist ein abermaliger Beweis für die wachsende Unstabilität der kapitalisti­schen Staaten. Während es in der Konferenz um Abrüstung ging, boten die ^a P i t a l i st i s ch e n Länder alles für eine weitere Steigerung der Rüstungen auf. Unsere wichtigste Schlußfolge­rung, schloß Molotoff seine Ausführungen, ist: Wir kämpfen für die Verwirklichung des Volkswirt­schaftsplanes, für die Verwirklichung des 5-Jahr- Planes in 4 Jahren, die Erfüllung dieser Aufga­ben erfordert Festigung des Friedens, Steigerung der Macht der Sowjet-Union für den Dienst des Sozialismus.

mußt? Werden wir, die wir Hunderten von Götzen Weihrauch gestreut haben, nicht daran denken, daß der Weihrauch der Anbetung nur Gott gebührt. Werden wir nicht erfassen, daß alles Gold solange vom Fluche beladen sein wird, b's wir es dem Reiche des Kindes und feinen Idealen zur Ver­fügung stellen? Wird es uns nicht aufgehen, datz man nicht leben kann, wenn man in diesem Leben nichts besitzt, was des Sterbens wert ist, wenn man das Leben nicht begreift als die ewige Verwano- lung alles Irdischen in das Himmlische, als das Leben im Zeichen der Myrrhe? Soll unser Leiden so lange dauern, bis wir dieses alles einsehen, was jenen Königen köstlichste Lebens- und Glaubens­weisheit war? Wenn wir nur das verstehen, daß uns kein anderer Stern aufgehen wird, als jener eine, der über den größten Zeiten unserer Geschichte stand! In dem Augenblick, in dem Europa ihn w'eder erschaut, wird es aufjubeln m großer Freude. Es wird fein Geheimnis wied--raefunden haben. Es wird wieder wissen, warum die weiße Menschheit ihre Vorzugsstellung in der Geschichte erhalten hat. Es wird wieder einig sein. Es wird wieder eine große Kultur aus tieffter Religion

heraus aufbauen. Europa wird wieder ^leben und glücklich fein. Und so grüßen wir den Stern. Ein altes rusiift-es Lied geht nfr durch den Sinn:

Glühe du mein Stern, du Stern meiner Liebe, Du einziger mir vom Schicksal bestimmter. Ein zweiter wird dir nicht aufgehen . . .

* Den Völkern den Dirrfchaflsfrieden! Die Wirtschaftskrise und das Arbeitsbel'chaffungsprob- blem spielten bei den Neujahrsempfängen nahezu in allen Ländern die Hauptrolle. Wir müssen aber bei der Prüfung der einzelnen gehaltenen Reden zwischen den Zeilen zu lesen vermögen, um zu er­kennen, wie diese Fragen auch im neuen Jahr? die Regierungen ausschlaggebend beschäftigen wer­den. Üeberall ist wahrnehmbar das Suchen nach einer Lösung, nach einer Rettung aus der Krise. Sie kann nur kommen, durch friedliche Zusammen­arbeit aller Staaten, und zwar auf einer völlig veränderten Grundlage, deren Fundament Gerech­tigkeit ist. Der französische Präsident Doumer- gue hat am Silvesterabend von den schweren Leiden und Sorgen gesprochen, welche den Völ­

kern durch die Wirtschaftskrise auferleat wurden. Er sprach weiter davon, daß eine wirtschaftliche Zu- iammenarbeit nicht möglich sei ohne die Ruhe und die Sicherheit des Friedens, der selbst Frucht und Belohnung der sozialen und internationalen Ord­nung und Gerechijgkeit sei. In weitherzigem Ver­stehen der gegenseitigen Rechte und Bedürfnisse könne sich allein jenes Gefühl der Brüderlichkeit un­ter den Menschen als Einzelpersonen und als Völ­ker stärken. Das sind wieder einmal Worte, die wir hören, an die wir aber solange nicht zu glau­ben vermögen, bis ihnen nicht die Tat gefolgt ist und dazu hat Frankreich es bisher an dem Willen und Wollen immer fehlen lassen. Ob es im Jahr« 1931 eine Umkehr in Frankreich geben wird wis­sen wir nicht, wollen es aber hoffen.

Im Steinbruch Kohnstein bei N o r d H a u f e n wurde ein Arbeiter von einem faustgroßen Stein so unglücklich am Kopfe getroffen, daß der Schädel zertrümmert wurde. Er erlag im Krankenhaus lei­nen schweren Verletzungen.

Regierung werde hart!

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Mit erschreckender Deutlichkeit nehmen wir tag« lich wahr, bis zu welchem Grade derVerwilde - rung unser politisches Leben gekommen ist. Die Verwilderung unserer Jugend, welche besonders rücksichtslos von den Nationalsozialisten und Kom­munisten in den politischen Straßenkampf hineinge­rissen wird, ist schon sehr weit gediehen. , Tot­schläger, Dolche und Revolver sitzen locker in der Tasche. Eine Jagd auf Menschenleben hat ein­gesetzt.

Diese politische Verhetzung ist eines derlega­len Mittel", dessen sich die Nationalsozialisten mit besonderer Sorgfalt bedienen, um ihrDrittes Reich" auflegalem Wege" zu schaffen. Wieder hat dieser blutige Terror zwei Todesopfer in Ber­lin gefordert. Wohl will die Parteileitung von den Tätern abrücken. Aber sie hat die Schuld an der Tat, denn sie propagiert in den Versammlungen der Nationalsozialisten und in der Presse jene Mordstimmung. In ihren Reden klingt immer wie- der die Forderung nach demKöpfe rollen lassen" undaufhängen". In ihrer Presse wird systema- tisch zu Gewalttätigkeiten aufgereizt. Lesen wir nur den Neujahrsaufruf Adolf Hitlers, in dem er von denverruchten Vernichtern des Vaterlandes", von derFront der Lügner und Verbrecher", von den erbärmlichen bürgerlichen Politikern", unter deren AugenTag für Tag ungesühnt das Blut junger Deutscher sließt...", spricht. Die nasionalsozia- listische Provinzpresse kann es noch besser. Dort wird der politifche Gegner als lebensunwürdig, als Untermensch bezeichnet, den man am besten abtue. DerAngriff" Nr. 1 versieht die Nachricht von der letzten Mordtat mit der lleberschristRo­tes Mordgesindel wütet in der Silvesternacht: Schüsse in der Notwehr", und erdreistet sich, die Schuld an der Mordtat anderen in die Schuhe zu schieben.

Soll das so weitergehen? Soll die Straße wei­ter unsicher gemacht werden dürfen von derarti­gen Mordbanden? Ist das noch politische Ueber­zeugung?' Wir fordern ein rücksichtsloses und ener­gisches Eingreifen der Regierungen, um diesen Verbrechen schnellstens Einhalt zu gebieten, ganz gleich von welcher Seite sie begangen werden. Wir fordern schärfste Bestrafung all derer, die im unerlaubten Besitz von Waffen an- qetroffen werden. Durch Milde ist keine Besserung zu erzielen. Hier helfen nur schärfste Strafen, und es ist höchste Zeit, soll es nicht zu einem Bür­gerkrieg schlimmster Ausbreitung kommen. Denn Druck erzeugt Gegendruck.

Wo kämen wir hin, wenn jeder, der den Ratio- nalsozialisten oder den Kommunisten politisch nicht genehm ist, einfach im Dunkel der Nacht hinge- mordet werden kann, wenn in der nationalsozia­listischen Presse, wie in demHessen-Hammer Ar­tikel verbreitet werden mit der UeberschnstLeute, kaust Brownings!".

Die Gefahren für die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung sind auf das höchste gestiegen. Der freie Bürger fordert von der Regierung Schutz und Hilfe. Noch ist es Zeit, aber es d a r f nicht mehr gezögert werden.

Die neuen Münzen des Vatikans

Am Freitag wurde das vatikanische Münzgesetz veröffentlicht, durch das die zwischen Italien unö dem Vatikan abgeschlossene Konvention oezugbch der Gültigkeit der Münzen beider Staaten zur Durchführung gelangt. Gleichzestig werden mit dem Gesetz Münzen folgender Werte m Umlu. besetzt: Goldmünzen zu 100 Lire, Silbermunzen zu 10 und 5 Lire, Nickelmünzen zu 2 und 1 Lire und 50 und 20 Centesimi. Kupfermünzen M 10 und 5 Centesimi. Alle Münzen tragen die Auf chr.U Stadt d e s V a t i k a n s" und das Emissions- datum. Die Goldmünzen zeigen auf der Vorderseite die Büste des Papstes mit Chorrock und Kappe, die Silbermünzen die Büste des Papstes mit dem Bischofsmantel mit der Stola und der kleinen Kappe; die Nickelmünzen tragen das päpstliche Wappen. Auf der Rückseite zeigen die Goldmün­zen das Bildnis von Christus als König, die sll- berrnünzen zu 10 Lire das Bild der auf dem Throne fitzenden Mutter Gottes, die zu 5 2tre o>e Figur des Heiligen Petrus, der in einer Barke fitzt, die reck-te Hand erhebt und mit der Linken das Steuer hält. Die Nickelmünzen zu 2 Lire tragen das Bildnis des guten Hirten mit dem Lamm aus der Schulter, die zu 1 Lire das Bild der Unbesleck- ten Jungfrau. Die Nickelmünzen zu 50 Gentefimt zeigen das Bild des Erzengels Michael, die zu die Büste des heiligen Petrus, die Kupfermünzen zu 10 die Büste des heiligen Petrus und die v Centesimi einen Oelzweig.

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