Beilage zur Fuldaer Zeitung
NILS
4. Ianuar
Fest des allerheiligsten Namens Zesu.
Eingangslied: Phil. 2, 10—11.
Im Namen Jesu soll jedes Knie sich beugen, die im Himmel auf der Erde und unter der Erde find; und jede Zunge soll bekennen, daß der Herr Jesus Christus thront in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. (Ps. 8, 2.) Herr, du unser Herr, nfte wunderbar zeigt sich dein Name auf der ganzen Erde!
Evangelium: Luk. 2, 21.
In jener Zeit, als acht Tage vorbei waren und das Knäblein beschnitten wurde, ward ihm de: Name Jesus gegeben. So hatte ihn schon der Engel genannt,* ehe er im Mutterschoße empfangen war.
Die heilige Familie.
Was uns im Evangelium von ihr erzählt wird, ist nur eine Andeutung. Und doch hängt das Bild von der heiligen Familie in den meisten katholischen Häusern, und es lohnt sich wohl, em wenig über das Bild und seinen Gegenstand nachzudenken.
Da ist meistens der heilige Josef bei der Arbeit die Mutter Gottes spinnt oder hat eine aridere Hausarbeit vor, und der Jesusknabe ist beiden behilflich. Wir kennen das Bild alle. Es ist eine schlichte, arme Arbeiterfamilie nach unseren Begriffen, die wir auf dem Bilde sehen und wie wir es uns aus der heiligen Schrift auch leicht denken können.
Warum wohl hängt das Bild in deiner Stube Freund? Und schaust du es manchmal auch recht an, oder siehst du es gar nicht mehr?
„Nun, du willst doch wohl nicht sagen, wir alle, meine Frau und ich und die Kinder, wir sollten gerade solch eine heilige Familie werden wie Josef, Maria und Jesus!"
Gerade das will ich sagen, und das ist gar nicht so unmöglich, wie du dir denkst. Gewiß, du kannst dich nicht im Handumdrehen zum heiligen Josef machen und deine Frau zur heiligen Maria und deine Knaben zu Jesusknaben. Aber das kannst du: dafür bemüht fein, daß der Geist der heiligen Familie auch in deiner Familie lebendig wird. Das ist der Geist der Liebe und Eintracht, der Geist, einander zu dienen und meinander zu stehen, das ist dis Gesinnung, die sich nicht erst stoßen und treiben läßt, sondern die freiwillig alles tut, was den anverlrauten Menschen irgendwie Liebes und Gutes fein kann. Oder meinst du, daß dein angetrautes und anvertrautes Weib nicht irgend etwas von der Mutter Gottes in sich trüge?" Daß deine Kinder nirst auch etwas mit dem Jesuskinde gemein haben? Daß der heilige Josef nicht auch dein Vorbild ist als Familienvater^
„Das kann ich mir aber nicht denken, daß dann auch bei uns alles so fromm und heftig zugehen soll, wie es bet der heiligen Farmlie doch wahr- stheinlich war. Ich meine, die Kinder werden doch immer einmal ungezogen sein, und wir beide, meine Frau und ich, wir bekommen auch immer einmal eine Meinungsverschiedenheit, und dann rede ich mot)!' einmal lauter als gewöhnlich, und meine Frau weint vielleicht auch."
Ich weiß, mein Freund. Aber das ist alles nicht wesentlich, die gelegentlichen Ungezogenheiten der Kinder, dein Poltern oder die Niedergeschlagenheit deiner Frau. Trotzdem kann deins Familie das sein, was ich unter einer heiligen Familie verstehe. Denn all diese Dings, dis du eben nanntest, sind doch wohl vorübergehend. In der Hauptsache ist es doch in deiner Fam-lie anders, und darauf kommt es an, daß die Liebe herrscht und nicht die Zwietracht. Und daß die Liebe herrscht, das sieht man nicht an den Worten, sondern am Benehmen gegeneinander. Und wenn der Geist der heiligen Familts wahrhaft ’n dir und den Deinen lebendig ist, dann wird auch der Friede und die herzliche Verbundenheit der ersten heiligen Familie wahrhaft euer Eigentum werden.
Noch in einer anderen Hinsicht darf man die Familie als „heilig bezeichnen, als das Höchste und Beste, nämlich in ihrer Bedeutung als Grundbau des gesamten Menschenlebens. Da bat einer vor mehr als hundert Jahren gesagt: .Laßt euch nicht irre machen durch das Geschwätz unseliger
Toren; k ii nicht der Staat, nicht die Schule, nicht irgendetwas anderes die Grundlage des Lebens, sondern das Haus, die Familie ist es! Nicht die Regenten regieren das Land n\ die Lehrer bilden das Leben, sondern Hausvater und Hausmutter tun es; nicht das öffentliche Leben in einem Lande ist die. Hauptsache, sondern das Familienleben ist es."
Wenn du in deine Stube ein Bild der heiligen Familie hängen haft, lieber Freund, dann "schau es beim Essen oder sonst immer einmal nachdenklich an und überlege, was es dir zu sagen hat. Es wird dir schon etwas sagen.
Der Stern von Bethlehem.
Im vorigen Jahre kam ich in den Tagen vor Weihnachten an den Frankfurter Hauptbahnhof. Da sah 'ch etwas, das man an anderen Bahnhöfen sonst nicht zu sehen gewohnt war: Mitten in der großen Halle nämlich brannte ein großer Christbaum. Ununterbrochen flutete durch die Halle der gewohnte Menschenstrom, über ihm aber leuchtete der Baum in ruhiger Majestät, unbekümmert darum, ob diese Menschen nach ihm hiniahen oder nicht. Ich weiß nicht, ob sie chn sahen. Der Verkehr flutete wie immer um diese Zeit, aber an Wänden und in Ecken sah ich Menschen stehen, die verloren hinaufstarrten zu dem Baum, der wie ein strahlendes Wunder thronte über all der Hast und Unruhe, der die Botschaft des Kindes lautlos und eindringlich predigte: „Friede den Menschen!" Und der einsame Lichterbaum im Bahnhof erschien mir wie ein Gleichnis.
Nicht, als ob die Menschen die Friedensbotschaft nicht hören wollten. Nein. Niemals ist die Sehnsucht nach Frieden größer als in friedlosen Zeiten, und unsere Zeit ist friedlos. Aber der Friede ist nur denen verheißen, die guten Willens sind. Ob wir guten Willens sind?
Da war einst ein alter Einsiedler, zu dem die Leute aus der Umgebung in allerlei Nöten zu gehen pflegten. Zu dem kam einst ein junges Ehepaar. Die Leutchen waren sich von Herzen gut, trotzdem aber hatten sie in ihrer Ehe den ersehnten Frieden nicht gefunden. Sie klagten dem Einsiedler ihr Leid. Der hörte sie geduldig an und dann sagte er: „Seht ihr die beiden Berge dort in der Ferne? Den zur Rechten mit dem dunklen Waldmantel, und den zur Linken mit der kahlen Kuppe? Wohlan, so nehmt euch beide am Arm und geht auf die Berge zu, du Mann auf den zur Rechten und du, Frau, auf den zur Linken." Die Beiden taten, was der Einsiedler sie hieß, aber schon nach zehn Schritten mußten sie sich trennen, wenn sie ihrem Ziele treu bleiben wollten. Da ries sie der Einsiedler zurück und sagte: „Nun geht gemeinsam nach dem Berg zur Rechten!" S:e taten es und schritten vereint dem fernen Gipfel zu, und der Einsiedler schaute ihnen lächelnd nach und freute sich, als sie sich nach einiger Zeit umwandten und zurückwinkten, um dann mit beschwingten Schritten ihren Weg fortzusetzen. Die Beiden hatten den Einsiedler verstanden, der ihnen sagen wollte, daß nicht nur der gute Wille zum gemeinsamen Frieden notwendig ist, sondern auch das gemeinsame Ziel.
Haben wir Menschen ein gemeinsames Ziel? Ja, wir haben es, Gott und wir alle sind Wanderer zu Gott. Nur verlieren wir gar zu oft in den Dickichten, Schluchten und Wäldern die Richtung. Sind w:r wahrhaft Wanderer zu einem Ziele, so werden wir uns näher kommen, je mehr wir uns dem Ziele nähern, und zuletzt werden wir alle eins sein.
Denn es gibt keine wahre Gemeirtschafr und keinen Frieden für uns Menschen, es fei denn in Gott.
Priester für Rußland.
Die „Cat-holi-a Unia" strebt als letztes und größtes Ziel die Wiedervereinigung des chnit- lichen Orients mit der katholischen Kirche an. Als unmittelbare und dringlichste Aufgabe der Stunde aber betrachtet sie es, zunächst das Christentum in Rußland erhalten zu helfen, das ja den nee.taus bedeutendsten Teil des christlichen Orients ausmacht. Das kann im Augenblick nur in der Weife angeftrebt werden, "daß man Priester für Rußland heranbildet, die nach dem Sturz der sichtbaren Herrschaft Satans in Rußland bereit find, die von den Bolschewiken vernichtete Arbeit eines Jahrtausends in mühsamer Gedutd vyn Neuem aufzunehmen und das russische Volk cm zweites Mal für das Christentum zu gewinnen.
Der Bolschewismus bat sich allerdings zur Aufgabe gefetzt, nicht bloß Rußland iondern die ganze
Ne Vchchasl der patifer Bannmeile.
Gerade vor dem Weihnachtsfest ist die deutsche Ausgabe des zweiten Bandes des Buches „C h r i st u s in der Bannmeile" von P. Pierre Lhande, dem berühmten Pariser Radioprediger und Literaten, erschienen. Man kann in einer Zeit, wo in Deutschland die Verarmung der Massen, namentlich der der Großstädte, reißende Fortschritte macht, dies Buch nicht ohne stärkste innere Anteilnahme lesen, die auch dadurch nicht gemindert wird, daß der hinreißende, warme Stil des Verfassers über die ganze Härte und Kälte des von ihm so plastisch geschilderten Lebens der Partser Bannmeile ungewollt einen Schleier breitet.
P. Lhandes Bücher gehen von der Beobachtung aus, daß das zum Teil wieder in das Heidentum zurück- gefallene Landvolk in großen Wogen den Großstädten, Industriezentren und Seehäfen zuströmt. „Cs umlagert diese Städte und läßt sich vor ihren Toren nieder, und der Priester der Großstadt fühlt seine Arme sinken vor Müdigkeit, und er erschöpft sich an seinen Riesenaufgaben . Einst ist das heidnische Landvolk Frankreichs vor wilden Horden und Seuchen ängstlich in den Schutz befestigter Mönchskloster geflüchtet und nahm dort das Christentum an, nachdem der radikale Wechsel zwischen Lebenssicherheit und Lebensnot die Seelen zur Aufnahme einer neuen Botschaft bereitgemacht hatte.
„Die neuen Horden, die sich vor den Toren unserer Städte drängen, werden nicht mehr durch Furcht, Seuchen, Einbrüche fremder Völker getrieben, sondern durch die ungeheure Anziehungskraft der Städte. Ein Zyklon des Wahnsinns verwüstet das Land und häuft das Strandgut, das er mitrafft, auf die Städte. Eine fiebernde Menschheit drängt sich an der düsteren Schwelle des Zau
berschlosses, notdürftige Behausungen sproßen rings um das unzugängliche Paradies hervor."
Armut und Enttäuschung ist, wie P. Lhande mit Recht betont .nicht unerläßliche Bedingung für die Rückkehr des Proletariats zum religiösen Gedanken. Aber die Erschütterung der materiellen Existenz und der sozialen Bindungen macht die Seelen dort bereit für einen plötzlichen Wechsel. In der Stadt Paris ist die Kirche von den Höhen der stolzen Stadtpfarreien in der Armut und im Heroismus des Stalles von Bethlehem hinausgezogenzu denArmen und Elenden der „roten Bannmeile". Eine Schar heroischer Priester, Ordensfrauen und Laien betätigt sich als „Urbarmacher", die in das aufgefurchte seelische Erdreich die Saat des Glaubens säten, nachdem sie diesen Glauben durch heldenmütige Liebeserweise bezeugt hatten, durch eine Liebe, die sie selbst auf die primitivsten Lebensbedürfnisse verzichten ließ. Im zweiten Bande seines Buches hat P. Lhande diesen Geist des Opfers an dem siebzigjährigen Pfarrer Roulard illustriert, der sein letztes Bett auf dem Rücken forttrug, um es einer kranken Frau zu bringen.
Die Bannmeilenseelsorge fängt mit den Kindern an, die sie in B g r a ck e n sammelt. Durch die Kinder kommt sie langsam an die Eltern heran, die frei= lich zum Teil schon völlig für die Kirche verloren sind, die aber zum anderen Teile durch die Kinder wieder an die verschütteten katholischen Gedanken ihrer Kindheit erinnert werden. Aber auch diejenigen .die vielleicht schon in der zweiten Generation Neuheiden sind, fühlen sich zur Kirche als der verkörperten Liebe und Hilfsfreudigkeit hingezogen. Zur Kirche als Gnadengemeinschaft, nicht zunächst zur Kirche aus Stein.. Denn für sie sind meist noch keine Mittel da. Sie wächst erst langsam und schlicht in dem Maße in die Gemeinde hinein, wie die Kirche als von Christus gestiftete Gnadengemeinschaft sich
Welt zu erobern. Ob es ihm gelingen wird, roe:f? Gott allein. Zu verhindern, ja mit äußerster Kraft- anftrengung zu verhindern, daß es ihm gelinge, das stt im Augenblick unser aller klarste und dringlichste Christenpflicht der Nächstenliebe, bas muß gegenwärtig unsere oberste Sorge der Selbsterhaltung sein. Entspricht dem die Tat?
Seit über 13 Jahren tönen die Schmerzensschreie eines Volkes in Todesnot zu uns herüber, seit 13 Jahren vergeht kaum eine Woche, ohne daß die Tagesblätter von immer neuen Hemftuch-ntgen der rusiischen Völker, von immer neuen Greuel- taten, Willkürakten der bolschewistischen Herrschaft berichten. Wiederholt haben Papst und Bischöfe ihr Klagewort vor der ganzen Welt erhoben, haben feierlich protestiert gegen die Unmenfchlichkeiten der Bolschewiken, und alle übrigen Konfessionen rund um die Welt taten das Gleiche. Menn man aber heute die Hand ausstreckt und um eine Gabe für die Rettung Rußlands bittet wenn man hinwe'st auf feine religiöse und sittliche Notz die nach barmherzigen Samaritanen ruft, nach Händen, die helfen und heilen, nach Priestern, die den trostlosen Seelen Gott zurückbringen, dann, ic> dann helfen zwar viele, aber — es ist schmerzlich, es sagen zu müssen — viele allzu viele schreiben ein kaltes: „Annahme verweigert" auf die Bitte, oder lassen sie stillschweigend in der Versenkung eines staunenden Papierkorbes verschwinden!
Gewiß! Die Not Deutschlands ist groß und der Bittsteller sind viele! Aber es braucht wohl nicht vieler Beweise, um zu verstehen, wo heutzutage die Not am größten, wo die Hilfe am notwendigsten, wo die Gefahr am schwersten ist, wo ein Versäumnis am verhängnisvollsten sich auswirken müßte. Jedermann wird einsehen, daß Rußland gegenwärtig das bedürftigste Mission s- land ist und daß von der Erhaltung des Christentums in Rußland gerade auch für Deutschland außerordentlich viel abhängt, mehr als von dem Erfolg in irgend einem anderen Miftionsgebiet der Welt.
Außerdem leben in Sowjetruhland an cte 300 000 katholische Deutscher Die Diö-eie Tiraspol- Saraiow zählte allein 78 katholische und deutsche Pfarreien, die natürlich jetzt ebenso dezimiert und verwüstet sind, wie alte anderen Kirchen Rußlands. Sollen wir warten, bis die Franzosen oder Engländer ihnen deutsche Priester schicken?
Die „Catholico Unio" will diese Aufgabe auf sich nehmen. Sie kann es, wenn vie e gute Seelen zusammenhelfen und jährlich e: ne wenn auch kleine Gabe für dieses große Ziel opfern.
Religion und Attoholreklarne.
Der Werbetonfilm für Elektrizitätsverbrauch „Gebändigte Kraft" führt die Gestalt des hl. Petrus auf als Reklame für Elektrizitätsverbrauch. Die Filmoberprüfstelle Hai diese Stelle unter Verbot gestellt, weil die Darstellung des hl. Petras geeignet sei, das religiöse Empfinden der rathol:- schen Volkskreise zu verletzen. Tiefe Reinigung der Religion von geschäftlichen Interessen hat jedes christliche" Gemüt erfreut. Das ist Das Verdienst des Prälaten Wienken.
Gegen eine andere Art, religiöse Einrichtungen für geschäftliche Interessen zu mißbrauchen, hat Kardinal Faulhaber, München, vor einiger Zeck seine Stimme erhoben mit den Worten:
„Heilige der Kirche und ehrwürdige Orden müssen ihren guten Namen hergeben und als Ge- schäftsanvreiser für Alkoholfabrikae sich entwechen lassen. Diese Frevel rufen Die HanD Gottes!"
Wer kennt sie nicht, alle die Heiligenbiere- St. Bennobier, St. Kilian-Bier, St. Emmeran- Dier, St. Korbians-Bier, St. Franziskus-Bier, St. Wolfgang-Bier, St. Augustinus-Bier ufw. Es gibt wahrlich bald keinen volkstümlichen Heiligen mehr, der nicht feinen Namen und fein „St." zur Alkoholreklame hergeben muh, und was besonders fdilimm ist, zur Reklame fast ausfchliehi-ch für Startbiere. Stärker als Mißbrauch Der Nomen drücken auf Das christliche Empfinden Die entsprechenden Reklamebilds r. Hier drei Beispiele:
Ein großes Plakat, St. Emmeran im Himmel, im" Dischofsornat mit Hirtenstab, Mitra und Glorienschein, neben sich die Leiter, au; der er gefoltert wurde. Auf bieder sendet er Durch ein himmlische« Englein in einem rnachtioen S ertrug
Das St. Emmeran-Starkbier Den Dürftigen Erdenbewohnern.
Ein feiner Offsetdruck, wirkungsvoll in tfarbe und Aufmachung, oben ein feister Mönchs köpf mit üppigen Genießerzügen, das volle Bierglas zur Neige am gierigen Mund. Dann nach unten ein kunstvoll gefaltetes Band: Kronenbräu Fastenbier. Zum Schluß ein griniender Asse. Selten hat man eine kirchliche Einrichtung so zynisch mißbraucht.
Diese und viele andere sind Plakate dieses Jahres Sa’u eines aus 1926. Es hing in Der Gesolei zu Düsseldorf. Ein Pater hält Den Bierkrug hoch wie bei der Wandlung den he I'.qeo K-lch, darunter die Inschrift: Gesegnet sei du, edles Starkbier vom mrbesiegten Kreuze! Im Hintergrund eine Kirche. — Eine kommunistische Zeitung des Rheinlandes hat dieses Bild abgedruckt mit Der Ueberfchrift: Die Kirche segnet Den Suff!
Viele andere Beispiele könnte man anführen. Die Drei mögen genügsam zu erkennen geben, daß gegen diesen groben M i ß b rja u ch von H ? i - ligennamen und religöfen E i n r t ch - t u n g e n etwas Ernsthaftes geschehen muß. Nicht um Bier oder Wein geht hier der Kampf, sondern gegen Den Mißbrauch Der Religion in der Alkoholfrage. Ermutigt durch Das Wort des Münchener Kardinals, hat der Bundesaus'chuß der Katholiken Bayens gegen Den Alkoholmißbrauch (dar. in sind 22 katholische Landesverbände Bayerns zum gemeinsamen Kampf gegen jeglichen Wkohol- mißbrauch zusammengescklossen) folgende Resolu- iion gefaßt:
„Der Landesausschuß Der Katholiken Bayerns gegen den Alkoholismus bedauert, daß immer mehr kirchliche Einrichtungen und religiöse Zeichen zur Alkoholreklame mißbraucht werden. Belondecs ärgerniserregend wirkt die Verwendung von Hei- ftgennamen und -Bildern von Heiligen zur Anpreisung von Starkbieren, Schnäpsen und ausländischen Weinen. Der Landesausschuß ist überzeugt. daß es kein wirksameres Mittel gibt, diesen Mißbrauch zu beseitigen, als Getraiue, die auf solche Weise angcpriefen werden, und Lokale, die 'oldie Plakate aushängen oder dulden, zu meiden Er fordert daher alle seine Mitglieder und Freunde auf, alle unter Mißbrauch von kirchlichen Einrichtungen, Heiligennamen und Heiligenbildern angepriefenen Getränke selbst nicht zu trinken, Lokale, die sie führen, zu meiden und Andere zum gleichen Vorgehen zu ermuntern."
ie Seihmgs- Reklame
j« O<M| allen Reklamen Die wirkungsvollste und mied es infolge ihrer Billigtet! und Em- fad;beit end; bleib n.
Katholische Wett.
Erfolgreiche Anterfiühnngsakkion in der Diözese Limburg.
Die von Der bischöflichen Behörde vor einigen Wo- dien angeregte Unter:lüZunasaktion zu Gunsten der .n der Hauptsache vom diesjährigen Notwinter betroffenen bedürftigen Bevölkerung in den Z'^ustriegegenden und Städten der Diözese Limburg ist auf fruchtbaren Boden aefalten und hat, unterstützt durch das Hrrtenschrerben des Bischofs Dr. Antonius Hfanch anlaßllch seiner Inthronisation, einen unerwarteten Erfolg gelobt. Au tzer den von zahlreichen Familien und Geschäften dem Karitasverband zur Verfügung gestellten Geldspenden, Lebensrnitteln und Kleidungsstücken tiae Landgemeinden ganz hervorragend an diesem Un terstützungswerk beteiligt. Durch Vermittlung e -. ^ lesan-Kacktasverbandes wurden dem Karitasvervano Frankfurt allein 1600 Zentner Kartoffeln und anders Lebensmittel, an deren Lmbckngung vornehn.ttch dm Landgemeinden des Taunus und vor allem des WeN-r wald-s beteiligt waren, überwiesen. Zum äHuransp der Lebensmistel stellten Frankfurter lernen W kraftwagen unentgeltlich zur ?^^"Uelaennükfakcft Anerkennung verdient aber auch die Uneigennützig^^ der eMgen Gemeinden, die die von ihnen berettgesteten Spenden außerdem noch selbst kostenlos nach ft ' Lecken. Die Sammlung, die angesichts deroffen ST", ää ’-r £5£SiJ NL ttÄXjj kndore Plätze der DiAst wst besonders empfmdllcher wirtschaftlicher Notlage ausgedehnt werden.
ausdehnt. Die Kirche tritt so als Familie, nicht als ausschließliche Autoritütskirche auf. Die von der Seelsorge gespendete materielle Karitas wird stets begleitet und langsam überhöht von der seelischen Karitas, religiöser Erziehung und Bildung, Vermittlung christlicher Zivilisation.
Man hat mancherorts Kritik an der Pariser Methode geübt, während das schlichte katholische Volk und auch manche Seelsorgsgeistliche tue Bücher P. Lhandes mit Begeisterung lesen. Gewiß, man darf nie vergessen, daß di« sozialen Probleme fa Deutschland ein anderes Gesicht haben als in Frankreich, daß also auch die Methoden nicht sklavisch nachgeahmt werden dürfen. Man darf auch einige Formulierungen des Buches nicht überspitzen und aus dem Zusammenhang reißen, wie etwa jene: „Die Kirchen selbst müssen heute hinabsteigen zum Volk, da das Volk nicht mehr zu den Kirchen empor - steigen will." Aber die Grundgedanken der Weihnachts- botschast, die aus der Pariser Bannmeile in die Welt hinausgeht, gelten auch für uns. Nicht wahllose freiwillige Pauperisierung ist das Gebot der Stunde. Aber man darf auch nicht nur vom gesicherten Hafen aus das Volk aus seinem Elend „Heraufziehen" und „emporheben" wollen.
Die goldene Mitte heißt: lebendige kacholische Karitas in der ganzen göttlichen Kraft, die ihr eigen ist. und in dem ganzen Umfang, den das chckstliche Liebesgebot vor- fchreibt. Symbolisch gesprochen: Wo die Flut der allgemeinen Verarmung eine Pfarrkirche umbrandet, wo aus den reißenden Wassern die allgemeine Not hilfesuchend umhertreibt, da kann die Seelsorge nicht „Heraufziehen" in materiellem Sinne, weil im Augenblick weder Staat noch Kommune die Vorbedingungen dazu schaffen können. Will die Kirche in solcher Lage an die Seelen herankommen, muß sie, um allen alles zu werden.
sich in ihre Lebensbedingungen herablaßen, muh auch in der äutzerenGestalt wieder etwas vom S ch i m- tner der Krippe von Bethlehem an sich tra-
Wir befinden uns noch immer in dem von der Inflation eingeleiteten sozialen Umformungsprozeß. Aeußerie er sich damals vornehmlich als wirtschaftlicher Umlage- rungsoorgang von einer Volksklasje auf die andere, fa heute als allgemeiner sozialer Senkungsfaktor für alle Volksschichten in der Richtung auf eine Massenverarmung. Solche Zeiten sind der naturgegebene Untergrund für das Streben nach neuen Lebensformen k o l» lektivistijche- Art. Soweit sie mit dem christlichen Sittengesetz nicht in Widerspruch stehen, können wir diesen Bestrebungen keinen Widerstand entgegensetzen. Die Kirche muß aber in diesen Perioden de» Neuwerdens darauf achten, daß sie die soziale Angleichung stndck, daß sie nicht schließlich als eine Kirche des „Ancien Regime" erscheint, wie in Frankreich, wo gerade aus sozialen Dissonanzen her dem Katholizismus seinerzest soviel Abbruch geschah.
P. Lhande hat den zweiten Band seines Buches genannt: „Gott regt sich". Anlaß zu diesem Titel gab ein Erlebnis des Grafen Albert de Mun, des großen katholischen Sozialapostels Frankreichs. Dieser zeigte vor vielen Jahren in der Bannmeile einem Kinde aus dessen Erklärung hin, es wisse nicht, wer der liebe Gott sei, ein Kruzifix. Da sagte das Kind erstaunt: „Aber er bewegt sich ja nicht!" In der Pariser Bannmeile hat Goll sich geregt, er regt sich zur Zeit in den großen x>n- dustrieftädten Frankreichs. Wenn die christliche Karitas, die eine göttliche ist, in der Kirche wohnt, dann muß sie sich auch bei uns in diesem Winter allerorten regen und für den lebendigen Gott der Liebe zeugen, der in der Krippe die Armut umarmte. >>os. Peters.