Zeil einmal die Epoche des sozialen Fortschritts nennen.
Ein ganz erheblicher Teil des Verdienstes gehört Ihnen, Herr Präsident. Sie waren dem Ausschuß nicht bloß ein Vorsitzender, sondern ein erfolgreicher Vermittler und Führer. Die leitenden Beamten meines Ministeriums fühlen sich zu besonderem verpflichtet für die Unterstützung, die sie immer bei Ihnen fanden. Möge die Erinnerung daran Ihnen Freude und Genugtuung bereiten. Ich habe die Bitte, daß sie auch künftig der Sozialpolitik Freund und Führer bleiben.
Die Staffelung der Gehaltskürzung.
Aenderung der Notverordnung?
In der Notverordnung vom 1. Dezember ist bekanntlich eine bprozentige Kürzung der Beamten- und Angestclltengehälter vorgesehen. Befreit von dieser Kürzung sind nur diejenigen Bezüge, die im Jahre unter 1 500 Mark liegen, sowie die Kinderzulagen, die Tagegelder, die Reisekosten usw.
Die Notwendigkeit der Gehaltskürzung wird heute wohl kaum noch von einem bestritten werden, selbst maßgebende Beamtenorganisationen haben sie mit Rücksicht auf die Lohn- und Preissenkung anerkannt. Umstrittener ist nur die Frage der schematischen Kürzung um 6 Prozent für alle Beamtenkategorien. Der Ruf nach einer sozialen Staffelung je nach der Höhe der Bezüge wird heute ebenso laut, wie seinerzeit die Forderung der Staffelung der Bürgersteuer. Durch die Kürzung wird z. B. das Einkommen eines verheirateten Postschaffners mit einem Anfangsgehalt von 178 Mark um 10,65 Mark, mit einem Endgehalt von 255 Mark um mehr als 15 Mark monatlich gekürzt. Bei einem Assistenten macht die Kürzung im Endgehalt 17,80 Mark aus, beim Obersekretär 30,75 Mark und beim Ministerialrat 73 Mark.
Setzt man diese schematischen Abzüge von 6 Prozent in ein Verhältnis zu den bisher von den Beamten gezahlten Lohnsteuer, so ergeben sich Zuschläge zur bisherigen Lohnsteuer in den unteren Besoldungsgruppen von 176 Prozent, die bis auf 83 Prozent fallen bei den höchsten Gruppen.
Zur Vermeidung dieser unsozialen Härten ist im Reichstag ein Gesetzentwurf zur Abänderung der Notverordnung über die Gehaltskürzung eingebracht, in dem folgende Kürzungssätze vorgesehen sind:
bet einem Jahresbeitrag bis 3000 Mark 4 Proz. „ „ „ von 3000—4000 Mark 5 „
n it n 4000—a000 „ 6 „
„ „ „ „ 5000 - 8000 „ 8 „
„ „ „ über 8000 Mk. 10 „
Dieser Antrag wurde am 10. Dezember dem Haushaltsausschuß überwiesen., Da dieser erst am 13. Januar 1931 wieder Zusammentritt, wird bis zum 1. Februar 1931 keine Aenderung der schematischen Kürzung zu erreichen sein,' weil der Reichstag ia auch bis zum 3. Februar in Ferien gegangen ist.___________
* Der österreichische Gesandte in Angora, Kral, wurde am Silvestertag vormittags auf der Straße oon einem K arten zu Boden gerissen, wobei ihm ein Arm und eine Rippe gebrochen wurde. Ministerpräsident Jsmed Pascha und die Gesandten verschiedener Länder haben dem Verunglückten im Krankenhaus Besuche abgestattet.
* Major Franco in Belgien. Die nach dem Zusammenbruch der revolutionären Erhebung aus Spanien geflüchteten Flieger Franco und Rado sind zu Schiff in Antwerpen eingefroffen. Sie erklärtem einem Polizeikommissar, sie würden nach Brüssel fahren, wo sie einige Zeit zu bleiben gedächten.. Außerdem beabsichtigten sie, mehrere kurze Reisen nach Paris zu unternehmen. Sie fuhren im Kraftwagen nach Brüssel weiter.
* Zwei Opfer der Berge. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, hat das Föhnwetter in den Stubaier Bergen zwei Todesopfer gefordert. Beim Ausstieg mehrerer Reichsdeutscher zu den Finstertaler Seen trat der Apotheker Krensch aus Köln, nach Meldung der „Neuesten Zeitung", ein Schneebrett los, das Krensch und zwei Herren in die Tiefe riß. Während letztere unverletzt blieben, konnte Krensch nur als Leiche geborgen werden. Unweit dieser Unfallstelle verunglückte ein Handelsschüler in ähnlicher Weise ebenfalls tödlich.
* Selbstmord eines politischen Gefangenen in Rom. Im Untersuchungsgefängnis in R o m machte am Neujahrstag ein gewisser Umberto Ceva feinem Leben ein Ende, der wegen Beteiligung an einer antifaschistischen Geheimorganisation verhaftet worden war und vor den Staatsgerichtshof gestellt werden sollte. In einem hinterlassenen Schreiben an seine Frau hat Ceva die Gründe, die ihn zu der Tat führten, ausein- andergesetzt. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden, .um die Begleitumstände des Selbstmordes klarzustellen.
* Liebestragödie in einem Eisenbahnabteil. (Eig. Meld.) Auf dem Bahnhof Aschersleben wurde nachts in einem Abteil 2. Klasse eines Zuges ein Brautpaa r tot aufgefunden. Wie durch die Untersuchung festgeitellt wurde, hat der junge Mann, der aus Hoym stammte, zuerst seine Braut, ein junges Mädchen aus Halberstadt, und dann sich selbst erschossen.
Frauen als Ehewerber.
wenn Mädchen freien . ..
Von Castagnola. *
Unsere modernen Frauen haben sich wohl schon manchmal gewünscht, den Heiratsantrag anstelle des Mannes persönlich vorbringen zu dürfen. Aber trog aller Gleichberechtigung wird ihnen immer noch die Rolle des Abwartens zudiktiert.
Anders ist es dagegen bei manchen primitiven Völkern, so z. B. bei den Choroti, einem Jndianerstomm in der Dornbuschsteppe des Chaco, am Grenzweg zwischen Bolivien, Paraguay und Argentinien. Dort treten die Frauen als Freier auf. Die Sitte ist mit mancherlei Zeremonien verknüpft, wie der Leiter der Frankfurter Bolivien-Expedition zu erforschen Gelegenheit hatte.
In schönen Mondscheinnächten tanzen die heiratsfähigen jungen Männer, untergesaßt und zur Bogenlinie ausgestellt, im Stampsschritt immer im Kreise umher. Alle tragen hinter der Kopfbinde wallende Straußfedern. Der einförmige Tanzgesang hat etwas unsagbar Eindringliches. Wildphantastisch erscheint im Silberlicht der wippende Federschmuck und die rote Gesichtsbemalung. An der Außenseite der Tänzerlinie hängen sich dann die. jungen Mädchen an jene Männer, die sie zum Gatten wünschen. Während der Brautschau, eigentlich „Bräutigam- schau" wechseln die Mädchen häufig und unbekümmert ihre Erwählten, bis sie den Richtigen gefunden hoben, dem sie dann, wenn die. Ehe vollzogen, die treueste Ehefrau sind.
teilte Lachrichten der Fuldaer Zeitung
Wer?
Dinlome
schnell und preiswert
wtb. Essen, 2. Ian. (Eig Meldg.). In Dinslaken ist auf der Schachtanlage Lohberg der Vereinigten Stahlwerke der größte Teil der Frühschicht heute nicht eingefahren, lediglich 225 Mann haben die Arbeit aufgenommen. Die Zechenverwaltung führt die Arbeitsniederlegung auf die verstärkte Propaganda der sogenannten Revolutionären Gewerkschaftsopposition zurück, die gestern in Gelsenkirchen eine Konferenz abhielt, in der ultimative Forderungen an die Zechen- bessizer gerichtet wurden. U. a. wurde die sofortige Rücknahme der Kündigungen verlangt. Bei Ablehnung dieser Forderungen sollte ein Streikbeschluß herbeigeführt werden.
Teilstreik im Ruhrbergbau.
wtb. Essen, 2. Jan. (Eig. Meldg.). Auf einer ganzen Anzahl Zechen im Ruhrgebiet kam es heute früh unter dem Druck von Arbeitslosen, die die Zechentore besetzt hatten, zu wildem Streik. Während auf einzelnen Zechen nur ein Teil der Belegschaft nicht eingefahren ist, ruht auf anderen Zechen des Bezirkes die Arbeit vollständig. Soweit sich bis jetzt feftftellen lassen konnte, werden von diesem Streik etwa 2 0 Zechen des Ruhr- bergbaues betroffen.
Fuldaer Actiendruckerei Fulda
♦ Die spanischen Wahlen. Wie aus Madrid berichtet wird, hat der spanische Innenminister bestätigt, daß die Wahlen zum Kongreß am 1. März und die Wahlen zum Senat am 15. März stattsinden und daß das Parlament alsdann unverzüglich zusammentreten soll.
In den Geschäftsstellen des Bergbauindustriearbeiterverbandes, Bezirk Ruhrgebiet, fanden am Donnerstag 14 Funktionärkonserenzen statt, die sich mit der lohnpolitischen Lage i m Ruhrbergbau befaßten. In allen Konferenzen wurde der Aufruf der Bergarbeiterverbände gutgeheißen, in dem die Belegschaften aufgefordert werden, keine neuen Arbeitsverträge zu schließen, die die vom Zechenverband gewünschte Lohnherabsetzung vorsehen. Einer eventuellen Aussperrung am 15, Januar, so wurde weiter ausgeführt, würden die Bergarbeiter mit Ruhe und Entschlossenheit entgegensehen. Ebenso entschlossen würden sie sich gegen die politischen Streik-
Gewisse äußere Parabeln zwischen Mussolini und Hitler sind fraglos vorhanden, und vieles, ja das allermeiste im Aufbau und in der äußeren Erscheinung des deutschen Nationalsozialismus ist nach faschistischen Vorbildern kopiert worden. Dennoch ist die Frage berechtigt, ob wirklich eine innere Verwandtschaft zwischen beiden Bewegungen existiert, ob Hitler überhaupt das Zeug zu einem Mussolini in sich hat, und ob der Nationalsozialismus jemals sich zur Bedeutung des Faschismus entwicklen könne.
Es soll gar nicht geleugnet und verkannt werden, daß Mussolini für fein Land und Volk Bedeutendes, ja Großes geleistet hat, so wenig wie die tieferen Schatten übersetzen werden können und dürfen, die seinen Spuren folgen. Eine der größten Taten für alle Zeiten wird der Lateran- Frieden mitsamt dem italienischen Konkordat bleiben. Den deutschen Katholiken aber ist es zur Genüge bekannt, wie mühsam dem Duce die sinngemäße Erfüllung der Konkordatsverpflichtungen Schritt für Schritt abgerungen werden muß.
Man darf annehmen, daß Mussolini sich persönlich in seiner religiösen Haltung gegenüber früher nicht allzu viel gewandelt hat, und das mag manche Dissonanz in seiner Art erklären. Dennoch muß man anerkennen, daß er in seiner kirchenpolitischen Einsicht und in feinen Handlungen auf diesem Gebiet von Anfang an eine sichere Hand gehabt hat, als man nach feinen reichlich temperamentvollen Reden hätte erwarten sollen. Zu einer Zeit, da sich die Kirche noch mancher faschistischer Uebergriffe zu erwehren hatte, äußerte Mussol'Ni dem Maestro Lorenzo Perosi Dezember 1922 gegenüber:
„Der Katholizismus ist universell, und das italienische Volk muß seiner Natur nach beim Katholizismus bleiben und wird es auch. Ich bin Katholik, und ich glaube, daß zum Wohle des Landes und der Kirche der Katholizismus bleiben muß, wie er ist, nicht eingeengt zur Staatsreligion . . . Italien wird politisch reformiert, religiös nicht!"
Damit vergleiche man einmal, was selbst besonnenere Elemente im deutschen Nationalsozialismus über das Verhältnis zur Religion sagen und schreiben, wie da dauernd mit „überkonfessionellem Christentum" gespielt wird, auf alle Fälle gerade das Universelle im Katholizismus unterdrückt und das Christentum zur (germanischen) Staatsreligion eingeengt werden soll, bann erkennt man so recht, welch weiter Abstand zwischen einem Mussolini und einem Hitler besteht, wobei wir sehr wohl wissen, wie oft Mussolini andere ähnliche Irrtümer gestreift hat.
Wo fände sich der Kardinal ober Bischof, der es auf sich nehmen könnte, einen Hitler zu begrüßen, wie es der kürzlich'verstorbene, ganz gewiß tark italienisch-national gesinnte ^arbinalbetan Vannutelli mit Mussolini Anfang 1923 tat. Als er in Gegenwart Mussolinis den Unterstaatssekretär Finzi traute, hob er hervor, daß dieser sich das Vertrauen dessen erworben habe,
„der durch seine hervorragenden Fähigkeiten als Regierung-mann, durch seinen klaren Verstand und feine unerschütterliche Tatkraft dazu bestimmt sei, der hauptsächlichste Führer beim Werke der allgemeinen Rettung des Vaterlandes zu fein. In ganz Italien wird er bereits begrüßt als der Wie- berherfteller der Geschicke des Vaterlands, gemäß den glorreichen religiösen und bürgerlichen lieber- lieferungen der Nation. Wir sind ihm alle dankbar, daß er an diesem heiligen Ritus teilgenommen hat, und ich kann mich nicht enthalten, ihm im Na- men aller derer, die das Vaterland von Herzen lieben, den herzlichen und aufrichtigen Wunsch auszusprechen, es möge ihm mit Gottes Hilfe gelingen, die schweren Ausgaben, die er mit Einsicht und Mut vor der Geschichte auf sich genommen hat, einem glücklichen Ziele zuzuführen."
Zwar wurde damals alsbald vom Kardinal- taatsfefrefär Galparri zurückaewiefen, daß Kardk- nalBannutelli das vorherige Einvernehmen des Vatikans gesucht habe: die Tragweite der Worte also begrenzt, und Mussolini zog sich durch sein Verhalten in der Folge ja auch oft genug die scharfe Kritik des Papstes zu, dennoch — wieviel fehlt nicht einem Hitler und seinen Trabanten an Mussolinis reli- aiö'er Einstellung! Nach allem, wie sich heute der Nationalsozialismus in der religiösen Grundfrage gibt, ist ein Kulturkampf erbütertfter Art. wenn diese Partei sich durchsetzt, einfach unvermeidlich. Auf solcher Grundlage die Rettung Deutschlands zu
Parolen der KPD. und der revolutionären Ge- werkschaftsopposition wenden.
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Am stärksten macht sich die Streikbewegung im Hambomer Bezirk bemerkbar, wo in 4 von 6 Schächten die Arbeit zum Teil niedergelegt wurde. Die Hülste der 500 Mann starken Belegschaften ist hier nicht eingefahren. In den Waschkauen und anderen Räumen der Hamborner Zechen wurden heute früh Belegschaftversammlungen abgehalten, in denen sich die Mehrheit für den Streik aussprach.
Bergarbeitetffreif in England.
Von dem am Mittwoch abend ungeordneten Streik im Bergbau von Südwales werden über 140 060 Bergleute betroffen. Da der Sclsiich- tungsausschuß erst am Samstag zusammentritt, wird die Arbeitseinstellung mindestens drei Tage dauern. Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes erklärte, es bestehe große Gefahr, daß sich die Streikbewegung ausdehne, wenn nicht bald eine Einigung erzielt werde.
Im Bezirk Recklinghausen sind von 18 Schachtanlagen bis jetzt 5 von der Streikbewegung betroffen. Wie vom Gewerkverein christlicher Bergarbeiter mitgeteilt wird, hat sich der Hauptvorstand der Gewerkschaft mit dem Streik im Ruhrbergbau befaßt und seine Mitglieder aufgefordert, weiter zu arbeiten. Die Verhandlungsmöglichkeiten seien noch nicht erschöpft. Bereits für den 7. Januar seien Verhandlungen in Aussicht genommen. Auch müssen die alten Löhne bis zum 15. Januar weiter gezahlt werden. Die Gewerkschaftsführer haben sich in die einzelnen Streikgebiete begehn, um an Ort und Stelle die Lage zu prüfen und gegebenenfalls vermittelnd einzugreifen.
«Europa am Scheideweg."
wtb. London, 2. Jan. (Eig. Meld.) In einem „Europa am Scheidewege" überschriebenen Leitartikel vergleicht „Times" die jetzige Lage mit der vor 100 Jahren, als mit 6er f r a nzösi sch e n Juli-Revolution b:e liberale Gegenbewe- guntj gegen das System Metternich begann. „Times" sagt u. a.:
Wieder bildet die parlamentarische Regierungsform das Hauptproblem, um das es bei der euro- väifchen Pol'tik geht. Beinahe überall wird dis Entartung des parlamentarischen Systems zugegeben, aber Diktatur ailt nicbtalsletztes Wort und hat in vielen Fällen lediglich Suftim- I mung gefunden, infolge eines vorübergehenden Widerwillens gegen die zur Wirkungslosigkeit verdammte Gesckwät- zigkeit, die in öffentlichen Versam- lungen zu tage tritt. Aber auch wo eine Diktatur fest errichtet worden ist, gibt es heftigen Widerstand und dieser wird um so stärker, je länger der Allgemeinheit die positischen Freiheiten vorgehalten werden. Times weist weiter darauf hin, daß häufln eine sonderbare Verbindung der neuen ?ruto<-rapb;en mit dem Sozialismus wahrnehmbar fei und bemerkt in diesem Zu- f(immenbang: Manche Aeukerungen Hitlers haben einen durchaus bolschewistischen Klang und in her letzten Reichstagssjtzung, in der es sich um Hilfe für d'e Ovfer non' Bergwerkskatastrophen bandelte, waren die Aeußevungen der Anhänger Hitl-rs in der Hestiakeit ihrer Angriffe auf „kapitalistsiche Zechenbesitzer", von denen der Kommunisten nicht zu unterfdieiben. Am Schluß des Artikels beißt es: Zwischen den Bolschewisten und F a f z i st e n haben die mittleren Parteien Eurovas Wiche,.ihr Terrain zu behaupten. Das kleine Oesterreich allerdings bat bei den letzten Wahlen einen b e - merkenswerten Sieg zugunsten st a - biler parlamentarischer Grundsätze davon getragen. In Deutschland kämmt D r. B r'ii- n i n g unter Zuhilfenahme verfassungsmäßiger Notstandsoollmachten einen schönen Kampf für parlamentarische Regierung gegen ihre hi11erischen und kommunistischen Feinde. Deutschland mit seinen 10'. Nazks, seinen 76 Kommunisten und einer aus verschiedenartigen Elementen zusammengesetzten knappen Mehrheit der mittleren Parteien — von feiner wirtschaftlichen Not und seiner großen Arbeitslosigkeit ganz zu schweigen — ist ein getreues Abbild des heutigen Europas, und es kann fein, daß. ähnlich wie Frankreich vor 100 Jahren anderen Nationen das Beispiel gab, d i e weiteren Entwicklungen in Deutschland Wirkungen Hervorrufen werden, die weit über seine Grenzen hinausgehen.
suchen, ist mehr als phantastisch, und wir glauben, Mussolini hat selber auch die Bedenklichkeit dieses Experiments längst durchschaut. Unmißverständlich z. B. hat er abgewinkt, als ihm die.judengegnerische Tendenz, ein Hauptpfeiler im nationalsozialistischen Gebäude, vorgetragen wurde. Mussolini macht den Antisemitismus Hitlers nicht mit; er verhält sich aber gegenüber vielem anderen bei Hitler ebenso ablehnend, zum Beispiel dem national verbrämten Sozialismus. Gewiß hat das Korporativsystem Mussolinis mit seinen syndikalistischen Experimenten manchmal einen Anhauch von Staatssozialismus, aber der Duce selber weist diesen Vorwurf weit von sich, und in der Eigentumsfrage will er durchaus nicht den Boden der katholischen Moralauffassung verlassen. Der deutsche Nationalsozialismus kennt solche Bindungen überhaupt nicht, und wo sie ihm begegnen, sind fee ihm ‘im Gegenteil verdächtig und verwerflich. Im Sozialismus wetteifert er weithin mit dem übrigen Marxismus.
Indem Mussolini die breiten Massen des Volkes, die seit 1870 unter den Einflüssen des Liberalismus standen, wieder der Kirche und ihren unbeirrbaren Lebensnormen und -formen zuführte, in Erziehung, sittlicher Tendenz, öffentlicher und privater Moral, z. B. der Eheschließung, alles gewiß vom Staat aus in erster Linie um der nationalen Disziplin willen, schuf er zugleich ein Fundament der tiefgreifendsten Volksgesundung, dessen segensreiche Früchte erst nach Jahren recht ausgehen werden. Das hat auch der Papst trotz aller Warnungen, zu denen er gezwungen war, anerkannt, und er hat selber zugegeben, daß die Spuren des Liberalismus nicht sobald ausgelöscht seien.
Hitlers Bestrebungen gehen dahin, alles charakteristisch Katholische auszumerzen; für ihn ist das Christentum höchstens eine schmückende Feder am Hut, nicht Salz der Erde und Sauerteig des Brotes, also nicht wesensnotwendig und grundlegend. Die Rücksicht auf seinen überwiegend nichtkatholischen Anhang wird ihn veranlassen, von den katholischen Mitläufern immer größere Opfer der Preisgabe ihres Glaubensgutes zu verlangen. Seine Linie kann sich daher zwangsläufig nur diametral entgegengesetzt wie die Mussolinis entwickeln. Kein auf verantwortlichem Poften der Kirche Stehender wird sich je finden, ähnlich wie für Mussolini für Hitler eine Lanze zu brechen, es sei denn, daß er feinen Nationalsozialismus von Grund auf reformiert, und dann laufen ihm seine jetzigen Anhänger in Scharen davon.
Mr bezweifeln stark, daß Mussolini ein Recht dazu und Glück damit hat, im Faschismus nun doch einen Exportartikel zu sehen, wenn er auch das banale Wort ablehnt. Ihm schwebt nach seiner großen Rede vom 27. Oktober ein ideeller und praktischer Faschismus vor, der universell ist, und dessen Sondereinrichtungen nur italienisch sind. Er prophezeit „ein Europa, das in faschistischem Geist das Problem des modernen Staates löst."
Sicher ist, daß Aiussolini durch die jüngste Entwicklung in Deutschland in dieser Auffassung bestärkt worden ist, aber der Ausspruch ist weniger nach außen als nach innen gerichtet. Es ist eine für Mussolini typische Phrase, die innerhalb der eigenen Reihen anfpornenh und beruhigend wirken soll. Denn man macht in Italien kein Hehl mehr aus der schlechten Sage, gegen die auch die faschistischen Medikamente nichts nützen. Der Traum einer isolierten Blüte Italiens, das nach fafchisti- scheu Rezepten eine Oast in der Wüste sei, ist aus« geträumt. Jetzt soll die Besserung dadurch kommen, daß Europa sich zum Faschismus bekehrt, und daß Italien dabei an der Spitze marschiert.
Ob Mussolini aber in Hitler den vollwertigen Gefolgsmann sieht, den ebenbürtigen Kampfgenossen, das darf nach allem sehr bezweifelt werden; täte er es, so müßte es das merkwürdigste Licht auf hen Duce werfen. Er wäre in einer Weife kritiklos, die ihm gar nicht zuzutrauen ist. Selbstredend jammt ihm die nationalsozialistische Welle in Deutschland gelegen. Er kann sie gebrauchen, nicht ziiletzt als Droh- und Druckmittel gegen Frankreich. Aber wenn er von Bündnissen spricht, sieht er nicht eine Partei, sondern einen Staat und ein Volk. Solange Hitler das nicht zu bieten vermag, wird sich Mussolini ferne Bundesgenossen anderswo suchen, wenn man" sich nicht mit der Rolle eines Vasallen, für die sich das deutsche Volk bedankt, begnügen will.
Der schalten Mussolinis:
Von unserem römischen Mitarbeiter.
Vrandkakastrophe.
wtb. New York, 2. Jan. (Eig. Meld.) Eine Feuersbrunst richtete in den Hafenanlagen von Jessey City für über 1 Million DoIlar Schaden an. Mehrere Piers der Pennsylvania- Eisenbahn und andere Einrichtungen wurden zerstört.
Starker Schneefall in der Rhön.
Wieder gute Ski-Möglichkeiten auf den Höh«.
Seit gestern ist in der Rhön wieder stacker Schneefall eingetreten. Heute mittag werden vnn Dammersfeld und vom Kreuzberg 15 Zentimeter, vom Ellenbogen 20 Zentimeer N en fchn e e gemeldet. Die gesamte Schneedeke, einschließlich des Altschnees, dürfte auf den Kuprn der Hohen Rhön eine durchschnittliche Höhe von20 bis 25 Zentimeter erreichen. Bei dem Neusch.ee handelt es sich um Pulverschnee, der allerdings n- folge des Sturmes etwas verweht ist. Die Tm- peraturen lagen auf den Höhen um die Mittais- ftunbe noch 1—2 Grad unter Null. Uebereinstist- mend werden uns von Wiesenhaus, Klister Kreuzberg und Sophienhütte ei Frankenheim die Skilauf-Möglicheitrn als gut bezeichnet.
Gersfeld, wo es heute morgen gegen 5 Ur ebenfalls zu schneien anfing, meldet 5 Zentimetr Neuschnee. Allerdings ist hier die Temperatur, de am frühen Morgen 0 Grad betrug, um die M- tagsstunde wieder auf + 2 Grad geklettert, so dß Tauwetter herrscht.
Vom Ellenbogen (Eisenacher Hütte) wD uns berichtet, daß dort feit Weihnachten auf dtt Nord- und Nordost-Hängen von unentwegten Si- Sportlern noch täglich dem Schneeschuhlauf eifjg gehuldigt wurde. Nur am letzten Tag des Jahr», an dem Regen einsetzte, war ein Äusüben ds Ski-Sports nicht möglich. Auch auf dem K re us- berg wurde, wie man uns meldet, anfangs ist Woche von einigen Gästen noch eifrig Skisport t» trieben. Bei reichlichem Wachsen soll man grtS gut auf seine Kosten gekommen fei. Am Silvests- tag war allerdings auch hier die Herrlichkeit |u Ende.
Nun ist der Winter wieder aufs Neue in der hen Rhön eingekehrt. Hoffentlich dauert seine Herschaft setzt länger als das erste Mal. Es wü<e von allen Freunden des weißen Sportes bal- baren Herzens begrüßt werden und wäre auch dm in letzter Zeit so oft enttäuschten Hotel- und Gck- wirtsgewerbe unseres heimischen Wintersportgebetes wirklich zu wünschen.