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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 2

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 3. Januar 1931.

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58. Mrg.

brechen möge.

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Daily Mail" veröffentlicht eine Unterredung ihres Sonderberichterstatters in Rom mit Mussolini, in deren Verlauf der italienische Regierungschef er­klärte:

Die Lage der internationalen Angelegenheiten in Europa ist sehr gespannt. Die Ursache liegt in der großen Ungleichheit der Rüstun- g e n. Die vorhandene militärische Vorherrschaft einer Gruppe von Staaten macht die nominelle Gleichberechtigung innerhalb des Völkerbundes zu einem Trug. Ich weiß, daß die französische Nation nicht a n g r if f s l u st i g ist. Aber die militärische Hegemonie, die sie in Europa ge­schaffen hat, hält den gesamten Kontinent in Gä­rung. Neben der Verminderung der Rüstungen ist die Revision der Friedensverträge notwendig, um Europa ein Gefühl der Sicherheit wiederzugeben. Es gibt territorialeAbsurditäten, mit denen aufgeräumt werden muß. Es gibt moralische Unbilden, wie die Verstümmelung Ungarns, die wieder gutgemacht werden müssen. Italien zielt nicht auf die Bildung eines revisionistischen Blockes hin; aber die Anstrengungen, die unternommen werden, um die gegenwärtigen Verhältnisse in Eu­ropa zu kristallisieren, kann nur eine Gemeinschaft derjenigen schaffen, die von ihnen beeinträchtigt werden.

Aus Rom wird gemeldet:

In einem Kommentar zu der Deihnachls- ansprache des Papstes fordert Offervakore Romano die Katholiken der ganzen Welk auf, sich organisch zusammenzu schließen, um das gesamteGewichk ihrer Welt­anschauung in Wort und Schrift für das Werk des Friedens aktiv einz«- sehen.

habe der faschistische Korporationsstab einen schla­genden Beweis seiner Leistungsfähigkeit gegeben Trotz der Arbeits losigkeit herrsche in allen Schichten Italiens Ruhe und Frieden. Alle anderslautenden Gerüchte seien falsch. 'Alle werktätigen und wirtschaftlichen Kräfte des Landes ständen fest hinter dem Faschismus. Mussolini schloß mit einer abermaligen Versicherung des ern- stesten Friedenswunsches und mit der Zuversicht, daß der Welt der Friede erhalten bleibe und in naher Zukunft eine neue Aera des Wohlstandes an-

Die Botschaft, die Mussolini am Neujahrs­abend über den Rundfunk an die V e reinig­te n Staaten gerichtet hat, ist em st a rk e s Bekenntnis zum Friedens w l l l en Mus­solinis. Mussolini sprach zunächst von der großen Bedeutung der Vereinigten Staaten. Der Weltkrieg so erklärte er, wäre nicht gewon­nen worden, hätten die Vereinigten Staaten nicksi ihr n^n>altiQC5 ®enrid)t in bie gcn)or=

fen und ohne ihre Mitarbeit könne heute die Welt aus der Nachkriegskrife nicht heraus. Für die Rückkehr zum Wohlstand sei ihre Hilfe notwendig. Mussolini wandte sich dann gegen die wilden Gerüchte, die im Faschis­mus eine Gefahr für den Frieden sehen wollen. Weder er, noch seine Regierung, noch das italie­nische Volk dächten an Krieg. Er selb st habe an der Front gestanden und könne die furchtbaren Erinnerung en daran nicht aus dem Gedächtnis streichen. Darüber hinaus aber habe er die politischen, wirtschaftlichen und moralischen Folgen eines neuen Krieges zwar nicht für Italien allein vor Augen. Wie kann ir­gend jemand annehmen, so fragte er, daß ich mit dieser doppelten Erfahrung, anders als mit Grausen an die Möglichkeit eines neuen Krieges denken kann. Selbst wenn er nur zwischen zwei Ländern ausbrechen sollte, würde unvermeidlich einallgemein er Krieg entstehen. Die Kultur selbst wäre damit be­droht. Die neuen wissenschaftlichen Entdeckungen werden den Krieg der Zukunft noch todbrin­gender gestalten als den letzten. Der Tod würde nicht nur an der Front wüten, sondern die ganze Bevölkerung wäre ohne die Möglichkeit eines wirk­samen Schutzes der Todesgefahr ausgesetzt. Ita­lien wird niemals, wie ich wiederholen will, die Initiative zum Krieg ergreifen. Es braucht Frieden. Der Faschismus hat den Wunsch, dem italienischen Volk in Zusammenarbeit mit ol­len anderen Völkern eine Zukunft von Wohlstand und Frieden zu sichern.

Der italienische Regierungschef streifte dann kurz die Jugendausbildung in Italien, die kräftige, selbstbewußte verantwortungsfreudige Männer her­anziehen wolle. Er erklärte, daß die' Beziehungen Italiens zu Rußland wirtschaftlicher Art seien und innerpolitisch Faschismus und Bolschewismus Antijuden blieben, um schließlich den Preis­abbau und die Arbeitslosigkeit, die auch in Ita­lien mit einer halben Million Arbeitsloser Besorg­nis errege, zu behandeln. In der ersten Frage

Mussolini redet für den Frieden!

Eine bemerkenswerte Anregung des päpstlichen Zeitungs-Organs

Rund um den Jahreswechsel.

Die traditionelle Reuiahrskundgebung im Reichspräsident en Hause ging noch mehr als in irgend einem früheren Jahre über den Rah­men des Austausches von Höflichkeiten hinaus. An­gesichts der besonderen schwierigen Lage und der drängenden Probleme auf allen Gebieten sind so­wohl die Reichsregierung als auch der Reichspräsi­dent auf b;? Bedürfnisse und Möglichkeiten der deutschen an der internationalen Politik in Worten eingegangen, die in Berliner politischen Kreisen großen Eindruck gemacht haben und allgemein star­ken Widerhall finden werden.

Bei dem Empfang der Diplomaten sprach der Nuntius Msgr. Orsenigo als Doyen des Diplo­matischen Korps. Der Nuntius erklärte u. a.:

Die Morgenröte dieses, neuen Jahres ist leider nicht ohne Trübung. Der Horizont des internationalen Le­bens bleibt immer noch düster. Millionen von kräftigen und arbeitswilligen Armen sind gezwungen, untätig und unfruchtbar zu bleiben, und die Not breitet überall ihren Trauerschleier aus. Es ist das eine höchst schmerzliche Seite in dem großen Leidenszug der Nachkriegszeit.

Es hat in der Tat fast überall nicht an hochherzigen Versuchen gefehlt, dieser gewaltigen Weltkrise abzuhel- sen, und wir beobachteten mit großer Genugtuung den Ernst der Gesinnung und die Großherzigkeit der Anstren­gungen, mit denen Deutschland, um Eure Exzellenz geschart, sich in diesen schweren Augenblicken bemüht, die wirtschaftliche Krisis, die das Land bedrängt, zu über­winden. Aber die Erfahrung erbringt immer erneut den Beweis, daß, welches auch immer die Bemühungen der einzelnen Länder fein mögen, ohne die volle und auf­richtige Eintracht der Nationen es nicht möglich ist, eine wirkliche wirtschaftliche Wiedergesundung der Völker herbeizuführen.

Hoffen wir, daß auch diese wirtschaftliche Not ein An­trieb werde zu neuen ernstgemeinten Versuchen, um diese innigere Vereinigung der Geister und Herzen, diese gegen­seitige herzliche Verständigung unter den Nationen zu er­reichen, die allein feste Gewähr bietet für eine gesicherte Freiheit und Ruhe in allen Ländern und einen tatsäch­lichen und dauernden Frieden unter den Völkern.

Reichspräfidenk v. Hindenburg erklärte in seiner Erwiderung:

Er haben auf die schwere wirtschaftliche Krise hin- gewiejen, unter der heute fast die ganze Welt leidet. In tief eNpfundenen Worten haben Sie vor allem dex Ar- beitsltsigkeit gedacht, die beste Kräfte fast aller Staaten zu ungewollter Unfruchtbarkeit verurteilt und bittere Not für Millionen unserer Mitmenschen im Gefolge hat. Mit befomerer Wucht treffen die Auswirkungen der Weltwirt- schafukrise das deutsche Volk. Wie Sie, Herr Nuntius, hervoihoben, hat Deutschland seine äußer st e Kraft eingeetzt, um die Grundlagen feiner Existenz zu sichern. Aher unsere Hoffnung auf eine dauernd wirksame Besse­rung der Lage ist auch von Umständen abhängig, übel die wr nicht allein Herr sind. Mit steigender Spannung erwatet das deutsche Volk, daß die internationale Zu- sammnarbeit sich im kommenden Jahre als wirksam ge­nug rweist, um das deutsche Volk vor weiteren schmerz­lichen Enttäuschungen zu bewahren. Der Ausgleich der starkei Interessengegensätze, die allenthalben das politische wirtshaftliche und soziale Schicksal der Völker bedrohen, kannnicht von den einzelnen Ländern, kann nicht in Ver- einzeung vollzogen werden. Zusammenarbeit allir, Zusammenfassung aller positiven Kräfte zur Ueb^windung der Krise, zur Beseitigung der Hindernisse fiix 'en Fortschritt der Menschheit ist die große Friedens- aufgbe, an der Deutschland mitzuwirken entschlossen ist.

im 12.30 Uhr fand der Empfang der Rechsregierung ebenfalls im Großen Saal des Reichspräsidentenhauses statt. In Vertretung des beurlaubten Reichskanzlers begrüßte namens der aschienenen Reichsminister und Staatssekretäre des Reiches Reichswehrminister Groener den Herrn Reichspräsidenten. Auch hier wurden bedcktsame Reden gewechselt. Soviel Gewicht natur« gemß auf die besonderen Sorgen des deutschen Vol s gelegt wird, kommt in den Reden doch das ents lossene Fe st halten an der Politik der Zuammenfassung aller positiven 5t r.fte zum Ausgleich der starken Jnteressen- gegasätze der Völker und des Fortschrittes der Weichheit zum Ausdruck. Im Rahmen dieser Poltk muß aber, wie Reichsregierung und Reichs- präsfent übereinstimmend betonten, dafür gesorgt werßn, daß die sittlichen und sozialen Lebens- grustlagen des deutschen Volkes nicht erschüttert werbn. Tie im vergangenen Jahre eingetretene

Wandlung der Weltwirtschaftslage begründet die Notwendigkeit, der Revision des P o u n g - Planes näherzutreten. An das Ausland richtet sich auch der Ausdruck der Befriedigung über die endlich bewirkte Räumung der Rheinlands als Fortschritt auf dem Wege zum wahren Frieden, und ebenso die gleichfalls im Interesse der wahren Befriedung erhobene Forderung nach Durchfüh­rung des Grundsatzes der G l e i ch b e r e ch t i g u ng und der gleichen Sicherheit aller Völ­ker. Unter deutlicher Anspielung auf die gerade in dieser Hinsicht so unbefriedigenden Ergebnisse der verschiedenen Genfer Konferenzen sprach der Reichspräsident vor dem Diplomatischen Korps die Erwartung aus, daß die internationale Zu­sammenarbeit sich im kommenden Jahre als wirk­sam genug erweise, um das deutsche Volk vor wei­teren schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren. Den auf dem deutschen Volke lastenden wirtschaft­lichen und seelischen Druck auch mit den von ihr allein abhängenden Maßnahmen zu beheben, ist der entschlossene Wille der Reichsregierung. Der Reichspräsident warnte in diesem Zusammenhang in eindrucksvollen Worten davor, die politischen und persönlichen Gegensätze zu einem Kampf aus­arten zu lassen, der das deutsche Volk zerreißt und zur Bildung eines gemeinsamen Willens unfähig macht.

Vor dem Hause des Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße hatte sich eine größere Menschen­menge angesammelt. Der Reichspräsident trat nach

A.

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Nustius Orsenigo, der Doyen des Berliner Diplomatischen Korps, nach dem Neujahrsempfang bei Hindenburg.

Beendigung der Empfänge auf den Balkon und wurde von der Menge mit stürmischen Hochrufen begrüßt.

Anläßlich des Jahreswechsels hat der Reichs­präsident mit den Königen von Bulgarien, Däne­mark, Norwegen, Rumänien und Schweden sowie mit dem Reichsverweser von Horthy und dem Bundespräsidenten Miklas telegraphisch Glück­wünsche ausgetauscht.

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Der Herr Reichskanzler, der sich über Neujahr in Badenweiler aufhielt, hat an den Herrn Reichs­präsidenten zum Jahreswechsel folgendes Tele­gramm gerichtet:

Zum Jahreswechsel darf ich Sie, hochgeehrter Herr Reichspräsident, bitten, meinen ehrerbietig­sten Glück- und Segenswunsch entgegenzunehmen. Ich weiß mich eins mit dem deutschen Volke, das Ihrer am Neujahrstage in Verehrung gedenkt. Möge es Ihnen vergönnt sein, auch im neuen Jahre als das Vorbild treuester Pflichterfüllung dem deutschen Volke in schwerer Zeit auf dem Wege zur Einigkeit und zum Aufstieg voranzu­schreiten. sgez.) Dr. Brüning, Reichskanzler.

Dr. Brüning begibt sich am Montag nach Frei­burg, um von da aus im Laufe des Tages die Rückfahrt nach Berlin anzutreten.

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Der deutsche Botschafter in Paris von Hoesch, der in den Weihnachtstagen Ge­legenheit hatte, mit Reichsaußenminister Dr. Cur- tius zusammenzutreffen und der von seinem kurzen Urlaub nach Paris zurückgekehrt ist, hatte am Sil­vestertag eine längere Unterredung mit dem fran­zösischen Außenminister Briand über schwebende politische Fragen.

DerVölkische Beobachter" veröffentlicht einen Neujahrsaufruf Hitlers an die Nationalsozialisten, der überschrieben istEin neues Kampfjahr be­ginnt". In dem Aufruf heißt es:Heute, am Beginn dieses Jahres, richte ich an Euch zum ersten Mal den Appell: Stehtnunmehrtreu hinter mir. Ich verlange von Euch nichts Unge­setzliches, fordere nichts, was Euer Gewissen in Konflikt mit dem Gesetze bringt, verlange aber, daß Ihr mir auf dem Wege, den das Gesetz geneh­migt und mir mein Gewissen und meine Einsicht vorschreibt, in Treue folgt und Euer Schicksal mit dem meinen verbindet. Wenn wir die Kraft der Treue in diesem Jahr zum Funda­ment unserer Gemeinschaft erheben, wird nach weiteren zwölf Monaten der Weg zur deutschen Freiheit offen sein!"

In der gleichen Nummer desVölkischen Beob­achters" wird mitgeteilt, daß der frühere Haupt­mann Röhm, der seinerzeit am H it l e rp u tsch beteiligt war und jetzt nach zweijährigem Aufenthalt in Bolivien nach Deutsch­land zurückgekehrt ist, den Dienst alsChef des Stabe s" übernimmt.

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Aus Washington wird gemeldet: Präsident Hoover hat am Neujahrstag im Weißen Haus

6429 Neujahrsgratulanten die Hand schütteln müssen.

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Da der Londoner Dreimächtepakt nunmehr durch die Ratifikation Irlands vollständig gewor­den ist, richtet Präsident Hoover einen Neu­jahrsgruß an die Welt, in dem er das Inkrafttreten der Londoner Pakte verkündet und seiner Freude über diesen großen Schritt vorwärts Ausdruck gibt, dem, wie er hoffe, weitere zur Sicherung des Weltfriedens bald folgen werden.

* DieKonferenz am runden Tisch". Aus London wird gemeldet: Nach einer Meldung des Daily Herolds" wurde im Minderheiten­ausschuß der Konferenz am Runden Tisch be­schlossen, die Verhandlungen zwischen den Hindus und Mohammedanern wieder aufzunehmen.

Henderson Ratsvorsitzender.

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Dee englische Außenminister Henderson.

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cnb. Berlin, 2. Januar. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, hat sich der britische Außenminister Hen­derson, der Anregung Deutschlands entsprechend, bereit erklärt, den Vorsitz in der Völkerbundsrats­tagung im Januar zu übernehmen. Reichsaußen­minister Dr. Curtius wird dann bei der näch - st en Ratstagung als Präsident fungieren.

Bayern zur Reichsreform.

Der bayerische Ministerpräsident Held veröf­fentlichte zum Jahreswechsel eine Kundgebung, in der es u. a. heißt:

Nach dem Kriege haben die Verantwortlichen im Reich und in den Ländern ihre Sorge mehr und mehr dem neuen Reichsbau zugewendeä Die jüngste Vergangenheit hat geoffenbart, daß die Mängel unseres Verfassungslebens nicht in der Gewaltenteilung zwischen Reich und Ländern lie­gen. Sie sind vielmehr darin zu erblicken, daß ganz unabhängig davon die Reichsgewalt als solche einer hinreichend starken Grundlage entbehrt Die wich­tigsten und wirksamsten Tragpfeiler iür die Bil­dung einer starken Reichsgewalt sind nach den Er­fahrungen der Geschichte und nach dem Vorbilde anderer Eroßpaaten der Welt in folgenden Forde- runqen verbürgt:

1. Erhebung des Reichsrates zur gleichberech­tigten Zweiten Gesetzgebenden Kammer nach dem Vorbilde des Bundesrates.

2. Gewährleistung einer größeren Stetigkeit der Reichsregierung. , rr .

3. Ausbau der ordentlichen venastiingsrechtll- chen Machtvollkommenheiten des Reichspräsidenten, etwa nach dem Vorbilde des Präsidenten der Ver­einigten Staaten von Amerika. _

Dazu wäre weiter nötig, daß Verrassuna und Recht im öffentlichen und privaten Leben wieder zu größerer Achtung und Geltung gelangen. Per- fassungsänderungen müßten für die Zukunft er­schwert werden.

Stegerwald an Esser.

Donk und Anerkennung für seine sozialpolitische Arbeit.

Der Reichsarbeiisminister Dr. Stegerwald hat an den Abg. Esser folgendes Schreiben gerichtet:

Hochverehrter Herr Präsident! Sie haben den Vorsitz im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichs­tags an den vormaligen Reichsarbeitsminister Dr. Brauns abgegeben. Der Wechsel gibt mir neuen Anlaß, Ihnen zu bestätigen, wie fruchtbar Ihre schwere Arbeit im Ausschuß war. Als Ihr Amt begann, konnte die Wirtschaft zwar die Arbeiter beschäftigen, aber nur mit schlechtem Geld ent­lohnt. Das Ende fällt in eine Zeit, die zwar vou- wertiges Geld für Millionen Arbeiter, aber keine Beschäftigung hal. Zwischen diesen wirtschaftli­chen Katastrophen liegt eine Zeit, die für die So­zialpolitik verhältnismäßig günstig war, eine ,-e't, in der die Arbeiter mit den Unternehmern um ihren Anteil an der Freizone zwischen den Ge­stehungskosten und den Verkaufspreisen kämpften, eine Zeit, die alte soziale Ansprüche Wiederaufleben und neue entstehen ließ. Die Geschichte wird diese