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6. Sonntag nach Ostern.

Eingangslied. pf. 26, 7. 8 u. S.

Erhöre, Herr, mein Flehen, ich rufe so laut zu tzir, alleluja. Zu dir spricht mein Herz: ich such« dem Antlitz; dein Antlitz, o Herr, will ich suchen; wende deinen Blick nicht weg von mir, alleluja, alleluja (Pf. ebd. 1. Der Herr ist mein Licht, mein Heih wen soll ich fürchten?

Evangelium: Ioh. 15, 26—27 u. 16, 1—4.)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Senn der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von mir geben, weil ihr von Anfang bei mir seid. Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr nicht irre werdet. Man wird euch aus den Synagogen ausschließen; ja es kannst die Stunde, da jeder, der euch tötet, glaubt, Gott einen Dienst zu erweisen. So werden sie ge­gen euch verfahren, weil sie weder den Vater noch mich kennen. Aber ich habe das euch gesagt, damit ihr euch daran erinnert, wenn eure Stunde kommt, daß ich es euch gesagt habe."

Aum Lakholttenkag in Münster

vom 4. bis 7. September.

Die D o rb e r e i t u n g e n für die kommende Katholikenoersammlung in Münster, der schönen Hauptstadt Westfalens, haben auf allen Seiten mit voller Kraft eingesetzt. Wenngleich sich diese Ar­beit auch nicht in breiter Oeffentlichkeit vollzieht, so greift sie doch schon merkbar in das Leden der Stadt ein.

Münsters Katholiken sind sich der Ehre, in die­sem Jahre nach so langer Pause — 45 Jahre! — wieder einmal die Generalversammlung in den Mauern der Stadt beherbergen zu können, voll bewußt.

Es ist das dritte Mal, daß der Katholikentag in Münster abgehalten wird. Zunächst tagte bte 6. Generalversammlung vom 21. bis 23. Septem­ber 1852 in Münster. Damals zählte die Stadt 22500 Einwohner. Die beiden Versammlungs­lokale waren je ein kleiner Saal eines Weinhauses und eines Hotels, die beide heute nicht mehr be­stehen. Schlimme Wetterzeichen drohten zu der Zeit den Katholiken von Preußen, Mecklenburg und Baden, denen aber die in Münster versammelten „katholischen Vereine" — aus denen später die „Ge­neralversammlung der Katholiken Deutschlands" wurde — wie „eine mit Mauern und Wachttürmen wohloerwehrteVeste" mutig entgegensah. Unter den Rednern war auch der spätere Gesellenvater Kol" ping, der hier sein Programm für di«.Hand­werksgesellen und Meister entwickelte.

Das zweite Mal tagte die 32. Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands vom 30. August bis 3. September 1885 in Münster, dem „nordischen Rom". Es yiar die Zeit des Kultur­kampfes, und dieser Umstand hatte wohl dazu bei­getragen, daß die Katholikenversammlung zunr ersten Male das Bild größter Machtentfaltung und reichster Mannigfaltigkeit zeigte. Besonders war der katholische Adel verrreten, der westfälische nahezu vollständig, und fast alle politischen Notabilitäten des katholischen Deutschland nahmen teil. Der in einen Festraum umgewandelte Zirkus, der 4 000 Sitzplätze hatte, war zu klein, um alle Besucher zu fassen. Inzwischen hatte auch die Stadt seit 1852 ihre Bewohnerzahl verdoppelt. Damals wurden die Vorarbeiten, die dem Katholikenkomitee oblagen, unter dem Vorsitzenden Clemens Freiherrn von Heereman (f 19Ö3) und Generalvikar Giese ws- Mtlich von dem Prälaten Dr. Hülskamp (f 1911) eriebigt. Letzterer gab der Versammlung ihr Ge­lage, indem er in einer Rede erklärte: „Wir for­dern die absolute Restauration aller unserer Rechte und Freiheiten und wollen keinen modus vivendi vit Schlingen und Fußangeln und keinen faulen Frieden. Das ist der Wille der katholischen West­falen." Von den damaligen Rednern seien als un­vergeßlich Hitze, Graf Ferdinand von Galen, Frhr. ”• Schorlemer-AIst und vor allem W i n d t h o r st Mannt, der in seiner Schlußrede daran erinnerte, daß nicht, rote vor 33 Jahren der Oberpräsident an M Generalversammlung teilnahm, daß die Eisen-

Zur Wochenend-Frage.

uns Katholiken das Wochenend etwas verbotenes werden?

4iute ist man endlich weithin davon geheilt, es müsse y^ant Sonntag gearbeitet werden. Wir haben den treten lag ja [0 nötig! Dar bißchen Anrecht auf Ge- ^dheit wird einem zur Pflicht, an den zerschundenen zu denken. Ausgaben und Einnahmen müssen sich 'k Waage halten. Es hat kein Mensch ein Recht, dar ^hnen der Städters nach Erholung als eine Mode, einen ^pvrtfimmel herabzusetzen. Ein Marsch in die nverdorbene Gottesnatur ist nicht Ver- ,ist? i t, kann nicht heidnische Schlechtigkeit sein, über e,n Christ zu lächeln hätte.

Unferm Sonntag wie den spärlichen Ferienwochen des kZ7tes droht aber von innen schwerste Gefahr. Weithin tri.man es verlernt, sich menschenwürdig zu ,4°l«n. Eine Hochflut hemmungsloser Triebhaftigkeit, ^^Mannigfachsten Vernegerung ist über einen innerlich ltt- me^r verarmenden Menschenschlag gekommen, der ob T?I°t.Urfreube und Natursehnsucht nur te-®rf!ächsjth faßt und darum Gefahr läuft, auch

G*Mdheitsmittel nicht gebrauchen zu können. Eine »ein ipvrtelnde, sich auslebende Menschenmasse — °otin kann der Sinn des Sonntags und des Ur» Uj b nicht zur Verwirklichung kommen. Dabei läßt sich, ^ichon angedeutet, das Recht auf Erholung selber nicht Der katholische Geist ist weit genug, auch das sch^°^ürfnis, das Sehnen des modernen gehetzten Men- llch, Abspannung zu beheimaten und zu verklären. KS5 Himmel hat Spannkraft genug, über das ganze WL^vgzgebiet freundlich segnend zu blauen. Aber dem Uh,. mutz doch sein greifbarer Sinn gewahrt werden, Mliche Würde und seine religiöse Tiefe!

bahnen keine Fahrpreisermäßigungen gewährt hat­ten. Aber Winbthorst wußte sich darin zu finden. Ihm war die Eintracht unter den Katholiken selbst, ihr Einvernehmen mit den Bischöfen, ihr treues Festhalten an dem Papste wichtiger als alles an­dere. Der Chronist von 1885 bezeichnete die 32. Generalversammlung in Münster „als die hervorragendste Kundgebung der deutschen Katho­liken seit 1848".

Rach einem Beschlüsse des Metzer Katholiken­tages (1913) sollte die nächste 61. Generalversamm­lung 1914 in Münster stattfinden. Das Zentral­komitee billigte den Beschluß am 30. Dezember 1913 und am 18. Januar 1911 wurde das Lokal­komitee mit dem Kommerzienrat Fritz Hüffer (1 1925) als Vorsitzenden gebildet. Alle Vorarbei­ten waren bis Ende Juli so gut wie vollendet, die große Festhalle auf dem Neuplatze mit einem Ko­stenaufwande von 65 000 Mark errichtet, als der ausbrechende Weltkrieg den Katholiken Münsters und ganz Deutschlands das große und schmerzliche Opfer auferlegte, auf die Katholikenversammlung zu verzichten. Die Halle wurde zunächst vaterlän­dischen Zwecken dienstbar gemacht und später ab­gebrochen.

Seitdem sind wieder 16 Jahre verflossen. Und nun soll in Münster, dem inzwischen zur Großstadt mit rund 119 000 Bewohnern angewachsenen Ge­meinwesen, die 69. Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands vom 4. bis 7. September dieses Jahres tagen. Aus den vorstehenden Dar­legungen ergibt sich, dach unsere kath. Glaubensbrü­der hier am Grabe Clemens Augusts und des Be- kennerbrschofs Bernard Brinkmann, doppelt hoch­willkommen sein werden. Haben sich auch die Zei­ten geändert, Münster ist doch innerlich das ka­tholische Münster geblieben; von der katholischen Tradition zeugen der Dom und die zahlreichen Kir­chen, deren älteste auf ein Jahrtausend zurückblik- ken kann, von seiner alten Kultur all die herrlichen alten Bauten, vor allem das ehrwürdige Rathaus, von dem Museumsdirektor Prof. Dr. Geisberg sagt: „Ein Bau, neben dessen Klarheit und Schön­heit, Eleganz und innerem Reichtum kein anderes gotisches Rathaus der Welt sich behaupten kann," Anmeldungen als Mitglieder sowie alle Anfra­gen sind zu richten an die Geschäftsstelle des Ka­tholikentages, Münster i. W., Breul 23 (Fernruf 22 854).

Unsere auslandsdeutschen Brüder.

Großer beutscher Katholikentag in Brasilien.

Es kann nicht ast genug gesagt werden, daß gerade die Katholiken die Pflicht haben, der Aus­ländsdeutschen nicht zu vergessen, da ja der größte Teil der Ausländsdeutschen Katholiken sind.

In Arroio do Meio (im Staate Rio Grande do Sul) fand in diesem Frühjahr der deutsche Ka­tholikentag in Verbindung mit der 14. Hauptver­sammlung des katholischen deutschen Volksvereins statt. Die Tagung war vom Lokalkomitee gut vorbereitet und bis in die letzten Pikade erging Sie Einladung. Die Beteiligung war dementsprechend eine ganz vorzügliche. Das feierliche Pontifikalamt wurde vom Erzbischof Joao Becker von Porto Alegre gehalten. Der deutsche Generalkonsul Walbek und der österreichische Kon­sul Weiß, beide in Porto Alegre, entboten der im­posanten Versammlung ihre Grüße. Die religiösen Vorträge hatten das Thema der Gottesheiligung zum Gegenstand. Sodann kamen wertvolle prak­tische Vorträge für unsere deutsche Siedlerbevölke­rung, wie über wichtige Fragen der Landwirt­schaft, der Frauenfürsorge und die deutsche katho­lische Presse. Ein Arzt besprach vorbeugende Ge­sundheitsmaßnahmen unter besonderer Berücksichti­gung der in der Landwirtschaft tätigen Bevölke­rung. Aus dem Bericht des Volksvereins ersah man tüchtige Fortschritte in den von ihm aus­gehenden wichtigen sozialen Gründungen, so dem Altersheim und Krankenhaus, der Hebammenlehr­anstalt, der Kolonisation in Porto Novo, der Leh­rerausbildung und anderen wichtigen Fragen. DasSchlußwort hatte der greife, aber immer noch äußerst bewegliche Pater Max von Laßberg S. I., der als einer der ältesten und zähesten Pio­niere für die deutsche Sache in Rio Grande do Sul gilt. Die größte katholische deutsche Zeitung in Porto Alegre, das „Deusche Volks blatt", brachte eine wertvolle illustriete Festausgabe aus Anlaß des Katholikentages, aus deren zahlreichen bedeutenden Beiträgen man ersehen kann, daß un­sere katholischen Stammesbrüder in Brasilien es verstehen, in großem Maßstabe für ihre höchsten Ideale, Glauben und Volkstum, weitbeachtete öf­fentliche Kundgebungen zu veranstalten und so dem ganzen Lande ein Beispiel geben.

„Macht und Geheimnis der Zesulken".

Zu Rene Fülöp - Millers Werk.

Von seinen Anfängen an bis in die gegenwär­tige Zeit stand der Orden der Gesellschaft Jesu unter der heroischen Tragik des „Zeichens, dem man widersprechen wird". Das macht dem Hi­storiker, der die Geschichte der Jesuiten zu schreiben unternimmt, die Sache nicht leicht. Es gilt, in einem Riesenpolygon parteiischer Kräfte für und wider die Resultante der Objektivität zu finden. Darüber hinaus aber stellt sich die noch schwieri­gere Aufgabe, diese endlich persönlich gewonnene Ansicht in der Oeffentlichkeit zum Siege zu führen. Fülöp-Miller ist ja nicht im Kern feines Wesens nur wissenschaftlicher Historiker, er ist vielmehr, wie seine Bücher über den Bolschewismus, über Rasputin, über Mahatma Gandhi zeigen, Publi­zist großen Stiles, europäischen Formats, ein Schriftsteller, der in Amerika so gut bekannt ist rote bei uns, eine der wenigen Persönlichkeiten, die auf die Urteilsbildung in der gesamten Welt wirken. Fülöp-Miller hat seine schwere Ausgabe in feinem neuen Werk „Macht und Geheimnis der Jesuiten" (Verlag Grethlein, Leipzig) aus dem in­nersten Instinkt seines Schaffens her auf doppelte Art zu lösen gesucht. Einmal rief er zur Stütze des Historikers den Künstler herbei, den Dichter, der die bewegtesten Geschehnisse im sanften Strom einer geradezu homerischen Epik vorübergleiten läßt. Im Leser entsteht dadurch die Freude des Zuhörens, die ästhetische Befriedigung, die jene Gefühle, die der Stoff an sich in diesem und jenem am Ende wecken könnte, immer wieder freundlich begütigt. Weiß Gott, so flüstert es in der Seele drinnen, vielleicht hat er Unrecht, aber er erzählt wunderbar. Freilich gibt es ein Publikum, bei

dem gerade dieses in seiner Wirkung problematisch wird, ich meine die I e f u 11 e n selbst. Gewiß, ihr Orden ist alt genug, um sich auch als Ge­schichte zu empfinden. Seit Jahren sind Bernhard Duhr, Astrain Tacchi Venturi und andere daran, die Materialien für eine Geschichte des Ordens zu sammeln und zu formen. Anderseits ist der Or­den jung genug, um sich stark zu fühlen, auch noch Geschichte zu machen. Gerade der letzte Abschnitt des vorliegenden Werkes handelt von die­ser ebenso großzügigen wie unermüdlichen Tätig­keit, die der unmittelbaren Vergangenheit und Ge­genwart angehört. Diese Männer, die mitten im Kampfe und in der Arbeit stehen, könnten sich leicht ein wenig peinlich berührt fühlen, durch die Weise des Epikers, der lächelnd daneben steht und sich uninteressant ästhetisch verhält. Von Homer hat Rena Fülöp-Miller obendrein ja auch den Humor. Man könnte sein Schmunzeln hier und da als ein „liberales" Residuum empfinden, ob­gleich es wirklich nicht so gemeint ist. Immerhin mag den herrlichen Ajax das Lächeln der Achäer nicht in jedem Sinne erquickt haben, war es auch im Tiefsten das Lächeln im unsterblichen Antlitz der Muse . . . Noch auf andere Weife hat der Verfasser sein so vielfach gespaltenes Publikum ge­meistert, und zwar so sehr, daß er gleichermaßen die spontanen Glückwünsche eines Gerhart Haupt­mann und eines Paul Claudel heroorlocken konnte. Es hat diese geheimnisvollen „Dunkelmänner" in das Licht der klaren Menschlichkeit gerückt.

Das ganze Werk wogt von Gestalten, die uns immerfort die Menschwerdung der Ideen vor Au­gen führen. Auf der Ebene des Menschen begeg-

Ueber aller Sinnenfreude muß der Geist stehen, die Ehr­furcht vor der eigenen Seele und ihrer Würde sowie die Liebe zur fremden Seele. Sonst bricht über uns eine Zeit herein, wo es gar keinen Zweck mehr hat, am Wo­chenend« mit dem anderen hinauszugehen. Jedenfalls eine Zell, wo es fein anständiger Mensch mehr wagen darf, sein Wochenend mit den andern zu halten, weil er sich des Treibens draußen schämen und vor ihm seine sittliche Würde schützen mühte.

Mit staatlicher Gesetzgebung und kommunalen Ein­griffen ist heutzutage in Deutschland weder viel zu rech­nen, noch auch zu erreichen. In der Zeitschrift „Die Seelsorge", herausgegeben von der Freien Vereini­gung für Seelsorgehilfe, Freiburg i. Br., (7. Jahrg., Heft 3) sind die entsprechenden Möglichkeiten sowie die bisheri­gen Versuche der katholischen Karitas unb Seelsorge, der Schwierigkeiten Herr zu werden, zwar übersichtlich zu­sammengestellt, die eigentliche Lösung aber wird b e i den Wochendendlern selber einsetzen müs­sen. Die katholische Auffassung von Körper­kultur, Wochenendleben, S nntagsheiligung usw., die grade hier weithin auch der reinen Menschen­natur dient, ist in den wesentlichen Bestandteilen festzu­stellen, modern zu begründen und zum allgemeinen Be­wußtsein zu bringen. Einen ebenso neuzeitlichen als ziel- bewußten Versuch nach dieser Richtung stellt der „Ka­tholische Wochenendführer" dar, den der Ka­ritasverlag soeben herausbringt; vorläufig für Freiburg und den südlichen Schwarzwald. In einer für den mo­dernen Menschen sehr wirkungsvollen Form und Ausstat­tung wird hier in einem billigen Bändchen alles zusam­mengestellt, was für den fremden und einheimischen Wo­chenendler wissenswert und nützlich ist an ortsgeschichtli­chen, geographischen, verkehre- und wohntechnischen und sonstigen touristischen Einzelheiten. Inzwischen sind dann immer wieder Artikel über ethische, sittliche und religiöse Fragen der Wochenenükultur untergebrgdjt Wir verwei­

sen auf dieses Muster moderner Seelsorgsmethode und möchten anregen, daß man auch anderwärts mit Hilfe der Herausgeber (Freie Vereinigung für Seelsorgshilfe am Deutschen Karitasverband, Feriburz i. Br.) zu ähnli­chen Veröffentlichungen schreitet.

Die sechs Werktage schließen sich wie eiserne Ringe zu einer Kette zusammen. Da hinein will Gott dann immer einen goldenen Ring flechten; der macht, daß das Leben nicht zu einer Sklavenkette wird. Das gibt dem Dasein erst sein bißchen Sinn. Der Sonntag soll ein Stück Paradies sein, so ein bißchen, was uns davon geblieben ist, so ein bißchen Würze und ein Licht­lein, das uns Gott in unendlicher Liebe in das harte Gebot der Arbeit und des täglichen Schweißes hinein­tut. Wir Katholiken sind Glückskinder, wenn wir wieder Sonntagskinder werden.

(C a r i t a s-K o r r e f p o n d e n z.)

Das billige Buch.

Es war ein Ereignis auf dem Buchmarkt, als die „Buddenbrooks" von Thomas Mann plötzlich nicht mehr 16 Mk., sondern nur 2,85 Mk. kosteten. Sofort griffen breiteste Kreise, die sich einen solchen Roman sriiher nicht leisten konnten, zu dem be­rühmten Werk, und der Absatz steigerte sich über Nacht bis in die Hunderttausende. Aehnliches ist zu sagen von Frank Thieß, „Die Verdammten". Ein Buchhändler in Mitteldeutschland verkaufte von einem dieser auf so billige Preise herabgesetz­ten Werke über 1400 Exemplare in noch nicht zwei Wochen. Aehnliches erlebte man bei Heinrich Fede­rers Pilatus.

Frage: Warum schreiten die katholischen Ver­lage noch immer nicht zu solch billigen Ausgaben

net sich aber alles, was Menschen je bewegt hat. Auf dieser Ebene verstehen wir einander. Hier ist nicht nur die Möglichkeit des Bewunderns ge­geben, sondern auch die des Verzeihens. Natürlich hat eine Gefchichtsüberfchreibung des Gestalthaften ihre großen Gefahren. Die Welt der übernatür- sichen Transzendenz wird dabei leicht verkürzt, da sie nicht unmittelbar aus der menschlichen Tiefe erwächst, sondern dem Menschen von oben und von außen her geschenkt wird. Auch sie soll Mensch werden, wie sie ir Christus geworden ist, aber der Mensch als solche- .-präsentiert sie nicht völlig, in­sofern er nur ©eftait ist. Gerade hier wird der Gläubige eine Schwäche des Buches sehen. Die Motive des Glaubens treten ihm nicht stark genug hervor. Dadurch verlieren die Handlungen, seien sie auch menschlich noch so bedeutend, an Ernst und Tiefe. Es wird zu sehr zum Abenteuer, zum sen­sationellen Ereignis, was doch unter dem Gewicht der letzten Dinge, der Ewigkeit also, unternommen wurde. Das feinste Lächeln, und eben das Feine daran, kann hier das Erhabene in den Staub zie­hen. Immerhin fühlt doch auch der Fromme, daß zum wenigsten ein menschlicher Ernst hinter die­sem Werk steht, und es wird ihn außerdem trö­sten, daß der Verfasser.nirgendwo tiefere Erklärun­gen der Begebnisse bewußt ausschließt, daß er am Ende selber durchaus positiv eingestellt ist, und daß jedenfalls die Auffassung der Dinge, wie wir f?e schon bei Böhmer, bei Goihein, bei Pilatus und sonstigen Vertretern anderer Anschauungen haben, hier einen Darsteller gefunden hat, der an Durch­schlagskraft sie alle übertrifft. Menschliche Betrach­tungsweise hat also hier das Geheimnis nicht weg- rationalisiert und im Gegenteil allen tieferen Deu­tungen freie Bahn gelassen.

Indem wir so die Form betrachteten, die bei einem Kunstwerk solcher Art zum Wesen gehört, sind wir damit dem reinen Sachverhalt schon nahe gekommen. Was hier an uns vorüberzieht, ist nicht mehr und nicht weniger als d i e G e s ch i ch t e von 400 Jahren. Sie spielt nicht nur als Hintergrund hinein, sondern vielfach einfach als das Arbeitsfeld des Ordens. Die Kirchengeschichte scheint der profanen gegenüber allerdings zu sehr zurückzutreten, was eine gewisse Benachteiligung anderer kirchlicher Kräfte und Orden, die in die­sem Zeitabschnitt Großes geleistet haben, mit sich bringt. So geschieht es ja wohl bei künstlerischen Darstellungen, daß aller Lorbeer auf wenige oder auf nur ein Haupt gehäuft wird. Freilich hat Fülöp-Miller hier nicht nur der Kunst eine Huldi­gung gebracht, sondern er war sich bewußt, daß de: solcher Stoffülle die große Linie mit besonderer Klarheit herausgearbeitet werden müsse. Die Ent­faltung einer solchen welthistorischen Linie aber ist ihm der Jesuitenorden. Von vorneherein wurde mit einer großen Geste jene enge Auffassung bei­seite geschoben, als sei ein solcher Orden nichts an­deres als eine päpstliche Erfindung ge­gen den deutschen Protestantismus. Vielmehr war er eine weitere und gewaltige Ent­faltung innerkirchlicher Kräfte, die der neuen Zeil gemäß sich in neuen Formen äußerten. Wie die Menschheit in jeder ihrer großen Epochen irgend­eine Seite, die bisher im Dunkel blieb, erhellt und fördert, so wird auch die Menschwerdung Gottes, die im Zentrum des Christentums steht, in ähn­licher Weise fortschreiten, indem sie immer neue menschliche Qualitäten mit ihrem göttlichen Geiste erfüllt. So kam Ignatius in einer Zeit, die die Horizonte des menschlichen Wissens und der menschlichen Erfahrung über neue Erdteile hin in die Breite und durch neue Erkenntnisse in der Na- turwifsenischaft in die Tiefe hinein ungeheuer dehnte. Wie die scholastische Philosophie vormals das Ideengut des Aristoteles verarbeitete, so wurde durch ihn dieses ganz anders geartete Neue ein­bezogen und die Kirche vor dem Schicksal bewahrt, ein Ghetto der Kultur zu werden. Die Neuerfas- fung der übernatürlichen Wahrheiten und ein er­neuertes Verhältnis letzter Unbedingtheit ihnen ge­genüber machte es möglich, sich ohne Gefahr wei­ter hinaus in die weltliche Kultur zu begehen und doch den Zusammenhang mit dem göttlichen Prin­zip zu wahren. Gerade jene Kraft, die in der Renaissance so gigantisch aufbricht, die der freien Persönlichkeit, ist in Ignatius selber lebendig, und se war nur eine tiefe Ver­beugung vor dieser Kraft, wenn er ihre freie Hin­

bedeutender Werke der Literatur? Die anderen Verlage werden das doch nicht ausschließlich der schönen Augen ihrer Leserinnen und Leser wegen tun. Sie werden doch geschäftlich dabei auf ihre Rechnung kommen. Warum wachen katholische Ver­lage nicht ebenfalls ein solches Geschäft? Es wäre ihnen zu gönnen tr;e den Schriftstellern. Stimmt diese unerlr Voraussetzung des ge­sunden Idealismus, so wird man auch die ibeite Seite ins Auge fassen können.

Es ist einmal der Gedanke der Volksgemein­schaft. Je mehr Menschen im Besitze des gleichen Bildunggutes find, um so mehr können über die­ses Gut in geistigen Austausch treten. Da diese Volksausgaben nur wirklich wertvolle Bücher bie­ten sollten und man obendrein des Umstandes we­gen, daß die Volksausgabe erst ein paar Jahre später nach Erscheinen des Buches herauskommt, diesen Wert auch erfahrungsgemäß feftftellen kann so würde also auf diese Weise unglaublich viel Schundliteratur durch bessere verdrängt und ein allen gemeinsamer Bildungsschatz angehäuft.

Dazu kommt der Gedanke des Christentums. Dringen Autoren nun ins breite Volk, die dem Christentum fernstehen ober es sogar bekämpfen, so haben wir ein großes Interesse daran, auch un­sere Handel-Mazzetti, etwa unseren Peter Dörfler, Franz Herwig, Johannes Weinreich u. a. nicht zu­letzt das Singerlein oder auch die Storchentante ebenfalls den ärmeren Schichten — es find das heuteo ft gerade die gebildeten auch — nahezudrin- gen.

Wir bitten also im Namen der Volksgemein­schaft und des Christentums um billige Volksaus­gaben unserer Dichter und Schriftsteller!