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Für den Lehrer mag diese Geschichte psychologisch in teressant sein, den Schüler,mag sie aneisern. Doch weiß ich nicht, ob dieser Einzelfall Methode werden kann. Ich glaube es kaum, denn es gibt Jungen, die unglaub» lich hart« Naturen und Nerven haben.

Soll unser Junge Maurer w erd en

Di« Schulentlassung steht bevor. Schulentlassung!— Ein Wort, das bei so manchem Schülir eines der höchsten Glücksgefühle auslöst, aber wohl bei den mei- ten Eltern «rnfte Sorgen hervorruft. Sorgen um bte Zukunft der Kindes, namentlich in der heutigen wirt­schaftlich schweren Zeit. Immer wieder und wieder »rängt sich den besorgten Eltern die Frage auf: „Was unser Kind werden, welchem Berufszweig sollen vir unser Kind zuführen?" Die rechte Antwort darauf zu geben, ist außerordentlich schwer, denn dieselbe ist YON so vielen Dorbedingungen und Umständen abhängig. Im Nachfolgenden möchte ich nun denjenigen Eltern ei­nige Fingerzeige geben, welche sich mit obiger Frage befassen.

Gewöhnlich richte ich nach den Weihnachtsferien an die zur Entlassung kommenden Schüler die Frage: ®as willst du werden?" Und nur zu oft wird mir fte Antwort „Maurer!" So will auch in diesem Jahre Nieder mehr als die Hälfte Maurer werden. Ich habe mir daher di« Frage vorgelegt: Ist da» Maurerhand- wrrk in heutiger Zell wirklich noch so begehrenswert, bietet es tatsächlich noch so viele Aussichten? —

Der ausschlaggebende Grund scheint bei den meisten kltern und Jungen nicht etwa körperliche und geistige Eignung zu fein, sondern der, daß fie keine vorschrifts­mäßige dreijährige Lehrzeit durchmachen müssen und •leid) Geld verdienen. Die aus der Fuldaer Gegend all- tzhrlich in die „Welt" gehenden Bauhandwerker sind ta ersten Jahr gewöhnlich Laufjunge und Handlanger, 'm zweiten Jahr kommen fie schon ans Mauern und er« galten einen schönen Lohn, in Essen beispielsweise pro Btunbe 1 Rm. bis 1,10 Rm., im dritten Jahr wird ih­nen gewöhnlich schon der volle Lohn gezahlt. Sind nun schon Väter oder ältere Brüder als Bauhandwerker im Industriegebiet beschäftigt, dann ist es gewöhnlich ein teidjtes, auch den Jungen anzubringen. Das So gier- zeld wird wegen der gemeinsamen Schlafstelle einmal gespart, das Kostgeld stellt sich gewöhnlich billiger. Der »om Sohn verdiente Wochenlohn bedeutet für den Va­ter eine angenehme Zugabe, mit der sich schon manches «fangen läßt. Während des Winters bezieht auch der junge, vorausgesetzt, daß er erstmals ein ganzes Jahr gearbeitet hat und der Vater als Hüttner keinen große- "en Landbesitz fein eigen nennt, Erwerbslofenunterstüt- «ung.

Hat der Maurerlehrling Geschick zur Arbeit, legt er die Gesellenprüfung ab und besucht noch mit Erfolg zwei bis drei Semester die Bauaewerbeschule, so kst seine Existenz als Polier oder Bauführer gesichert.

Bleiben nun die oben geschilderten Verhältnifl« auch noch in der Folgezeit bestehen? Ich glaube mit Recht fie Frage verneinen zu müllen.

Wie liegen z. Zt. die Arbeitsverhältnisse auf dem Zaumarkt? Trotz Senkung der Diskontsätze bleibt das Kapital in Deutschland noch sehr teuer. Di« Hypothe­kenbanken haben noch immer hohe Zinssätze und belei­hen nur in geringer Höhe Daher wird von privater Seite — voll den Siedlungshäusern rntt Hauszins- steuerhypotheken abgesehen — recht wenig gebaut. Für die Gemeinden besteht noch die Dausperre. und nur die unbedingt notwendigen Bauten, bezw. Reparaturen werden ausgeführt. Die Zahl der Arbeitslosen im Bauhandwerk ist daher sehr groß, eine nennenswerte Seifenmg der Arbeitsverhältnisse dürfte auch sobald nicht eintreten.

Ferner ist zu bedenken, daß es heute schon in den größeren Orten des Industriegebietes, wie Essen, Harner, Dortmund, Iserlohn eine große Zahl ansässiger Bau- Handwerker gibt, die daraus bedacht sind, ihre eigenen Söhne auch im Bauhandwerk unterzubringen, da sie gleich Geld verdienen. So wirb einmal der Zeitpunkt da fem an dem die Bauhandwerker der Rhön und des Aogelbberges in jenen Orten kaum noch ankommen »erden.

Sollten nun gar noch die Städte dazu übergehen, daß sie die Vergebung der städtischen Bauten an die Bedingung knüpfen, daß die betreffenden Bauunterneh­mer erst alle einheimischen arbeitslosen Maurer oder Unterstützungsempfänger beschäftigen, bevor sie auswär« tlo» biM#n Hann miirhon llch die Aussichten

für unsere hiesigen Arbeiter noch um ein bedeutendes verschlechtern.

Wie aus obigem hervorgeht, sind also die Aussichten für Bauhandwerker jetzt nicht Sie besten. Zwar könnte eine Besserung eintreten, wenn staatlicherseits Geldmit­tel In reicherem Maße al» bisher für Wohnungsbauten bereitgestellt würden, was aber nach Sage der gegen­wärtigen Verhältnisse sehr unwahrscheinlich ist.

Mehr Aussichten scheinen dagegen in der Folgezeit die Metallarbeiter, Schlosser und Mechaniker zu haben, denn die Autoindustrie, die mit ausländischem Kapital immer noch weiter ausgebaut wird, ist sehr aufnahme­fähig. Bestehende Betriebe werden vergrößert, neue ge­gründet. So ist von den Farbwerken in Köln die Er­richtung eines großen Betriebes geplant, in dem sicher Tausende von Qualitätsarbeitern dauernde und loh­nende Beschäftigung finden werden. Gelegenheit zu gu­ten Lehrstellen in dieser Branche sind jetzt überall zu finden, da in den nächsten drei Jahren nur schwache Jahrgänge die Schule verlassen und überall Autorepa­raturwerkstätten wie Pilze au» der Erde wachsen.

Zu empfehlen wären auch Lehrstellen bei Meistern de» Nahrungsmittelgewerbes, bei Bäckern und Metz­gern, di« mit Vorliebe Jungen vom Land« einstellen. Bäckereien und Metzgereien waren stet» gute Betriebe und werden es auch in Zukunft bleiben.

Abraten möchte ich, Lehrstellen bei Schneidern und Schreinern anzunehmen, namentlich dann, wenn die Jungen körperlich nicht ganz auf der Höhe sind. Iw Bekleidungsgewerbe sind di« Aussichten z. Zt. sehr schlecht. Es sind mir Fälle bekannt, daß Gesellen gleich nach Beendigung ihrer Lehrzeit lange Zeit arbeitslos waren. Sie waren schließlich gezwungen umzusatteln, um überhaupt nur Arbeit zu bekommen.

Au» dem vorhergehenden erhellt, daß die Frage war soll unser Junge werden, gründlich überlegt wer­den muß. Eltern dürfen sich weder durch augenblickliche Vorteile, noch durch vorübergehende günstige Konjunk­turen einzelner Berufszweige beeinflusien lasten, son­dern müssen nach reiflicher Ueberiegung unter Berück­sichtigung der körperlichen und geistigen Begabung ihrer Kinder nur jene Lehrstellen wählen, bei Denen sie die Gewißheit haben, daß ihre Kinder in jeder Hinsicht für die Zukunft sicher geftrftt find. A. Bert

Aus meiner Schulzeit.

Sm Rückblick von Willy Seipel.

Vorbemerkung. Der Verfafler dieser Erin­nerung ist ein junger Bauer. <Er hat nur die Schule seine» Heimatdörfchen« — ein entlegenes Rest im Vogelsberg — besucht.

Ein Dutzend Jahr« wohl ist vergangen feit den Ta­gen, da ich die Schulbank drückte. Der Wunsch fast eines jeden Schüler», frei von der Last des Schulzwan­ges zu fern, hat sich längst erfüllt Und längst ist mich die unausbleibliche Erkenntnis gekommen, daß dieser Wunsch ebenso töricht war, rote fast alle anderen Wün­sche der Menschen. Ich hab« da» Lernen mit dem Leben vertauscht und habe erkannt, daß da» Leben der strengste Lehrer und di« härteste Schule ist. Ein« schmerzliche Sehnsucht ersaßt mich, sehe ich bte Bäume wieder, in Denen ich für Das Leben und nicht, rote ich oft meinte, für Den Lehrer lernte. Halb lächelnD, halb ernsthaft denke ich zurück an jene Dunklen Stunden, Die ich durch Flegelei und Faulhell heraufbeschwor und in Denen ich oft glaubte verzagen zu müssen.

Di« Gestalten der Männer tauchen vor meinen in­neren Blicken auf, die sich mit viel Geduld, Ernst und Eifer um meine Ausbildung bemüht haben. Sie sind all« längst gegangen mit Ausnahm« eines Einzigen, mit dem ich bis auf den heutigen Tag in Freundschaft verbunden geblieben bin und der nun auch geht, aus dem trauten Dörfchen in die glanzvolle Großstadt. Meine aufrichtigsten und besten Wünsch« begleiten ihn. Möge es ihnen allen wohlgehen!

Aber einem gilt dieser Wunsch nicht, kann ihm nickt mehr gelten. Er ist tot, gefallen in Frankreich, gestor­ben an einer furchtbaren Verwundung. Seiner gedenke ich, an ihn die Erinnerung will ich wachrufen, wenn ich nun die kleine, ansvruckslose Geschickte erzähl«, die

schildert, wie aus einem Tagedieb ein — darf ich es sagen? — braver und tüchtiger Schüler wurde.

Ich war zu meiner Zell einer von den Rangen, die allen Lehrern wohl bekannt sind, und deren Ehrgeiz nicht etwa auf em gutes Zeugnis hinausläust, sondern, old mehr Darauf, alle Rekorde im Erklettern von Bäu­men, Zerreißen von Hosen, im Schimpfen und Schlagen, Raufen und Werfen und dgl. zu brechen. Was nützten alle Strafen! Ich bekam Schläge wie ein Hund und Arrest wie ein Zuchthäusler von meinen Erziehern, mei­nen Eltern sowohl als Dem Lehrer. Was half alles ge­gen mein Temperament? Nichts! 3e mehr man es mit äußerlichen Mitteln zu bändigen versuchte, desto toller wurden feine Ausbrüche. Während des Arrestes ersann ich nur neue Pläne (Halunkenstreiche von mei­nen Erziehern genannt, wenn sie glücklich ausgeführt waren), ohne dabei bewußt zu fein, etwas sonderlich Böses zu tun.

Bis ein Tag tarn, an dem ich rote gewöhnlich wenig ober gar nicht» gelernt hatte. Der Glockenschlag hatte schon Den Beginn der Stunde angekündigt, der Lehrer ober war noch nicht erschtenen. Ein verspäteter Schü­ler trat em- und Vermittelte mir den Befehl, sofort hmau» auf den Flur zum Lehr« zu kommen. Das bös« Gewissen war sofort wach. „Teufel", dachte ich „was hast du denn nun wieder verbrochen?" Mir fuh­ren all« Schandtaten der letzten Wochen durch den Sinn Für einige war ich schon entsprechend belohnt worden di« anderen waren bis dato noch ein Geheimnis. Ge­trost rote ein Sünder, der zum Galgen geführt wird schlich ich mich hinaus unb stellte mich, scheu, wie ein Hund, der Strafe verdient hat, m eine Ecke, ab urib zu vorsichtig nach dem Lehrer hinblinzelnd. Diser beachtete mich vorläufig nicht und durchmaß mit langen Schritten den Flur, scheinbar in feine eigenen Gedanken verteilt Plötzlich blieb er vor mir sichen, sah mir in die Augen unb sagte:

„Hör, Junge, warum lernst du nicht? Du konntest einer der Besten sein u. bist einer der Schlechtesten. Was nützt es, wenn ich dich auch tot schlag«? Ich nehm« an, daß du verständig genug bist, das zu fafien, was ich dir nun sage: „Ich werde dich von nun -an nicht mehr strafen, über ich erwarte und glaube von dir, daß du von nun an auch lernen wirst Willst du da»?"

Mir stockte die Sprache. Richt etwa vor Freude über di« Aussichten, die sich einem Lausbuben eröffnen wenn er da» Versprechen feine» Lehrers auf Straffrei- hell besitzt, und nicht lediglich vor Erstaunen, weil ich etwa» ganz Anderes erwartet hatte. Die Sprache stockte mir, weil in diesem Augenblicke etwas Besonderes in mir vor ging. Etwas, das ich bis dahin noch nicht gekannt hatte und was auch mit Worten schwer zu sa­gen ist. Ich merfte plötzlich, daß mein Verhältnis zu dem Lehrer ein ganz anderes war, al» ich «s seither empfunden hatte. Ich merkt«, daß er in mir nicht den unverbesserlichen Bösewicht sah, an dem Hopsen und Malz verloren sei, sondern daß er mir Vertrauen schenkte und von mir glaubte, ich könne ein tüchtiger Schüler werden. Dieser Glaube an da« surfet« in mir weckte sofort Das Gute, und Das Vertrauen, das Der Lehrer in mich setzte, (er bewies es durch dies« Unter» rebung) legte mir ganz unabwendbar bte Verpflichtung auf, es auch zu rechtfertigen. Sell Diesen Tagen habe ich die Empfindung nicht lo» werden können, daß es die größte Sunde und Charakterlosigkeit sei, wenn man das Vertrauen enttäuscht oder gar mißbraucht, bas andere Menschen in uns setzen.

Nachdem Dies alle» in mir vorgegangen war, be­antwortete ich die Frage meines Lehrers mit einem ..Ja". Ich weiß aber nicht mehr, wie es geklungen hat. Ich hätte natürlich auch „ja" gesagt, wenn ich nicht den guten Willen und Entschluß gehabt hätte. Welcher Schüler schlägt seinem Lehrer mit Worten etwas ab? Aber ich hatte von nun an den guten Willen. Mein Temperament unb alles, was mit ihm zusammenhängt, Ehrgeiz und bte Lust am Tun, waren nun in eine in- bere Bahn gelenkt und geroiffermaßen moralisch gebun­den. Ich fand bald heraus, baß es weit angenehmer ist. Kraft unb Scharfsinn für eine gute Sache anstatt für eine Gaunerei einzusetzen. So blieb ich benn beständig, und ber Erfolg fand sich schwarz auf weiß im nächsten Zeugnis.

Vom Sitzenbleiben.

Der beste und gewissenhafteste. Lehrer kann keim Wunder wirken, und so lange die Menschen und bil Kinder verschieden sind nach der Art ihrer geistige« Veranlagung und ihrer Strebsamkeit, wird es immer wieder vorkommen, daß zu Ostern Kinder nicht in di« höhere Klass« bezw. in den höheren Jahrgang aufrücke» können, eben weil ihnen die geistige Reise mangelt.

Di« Gründe dafür können verschieden {ein; in de» meisten Fällen wird es sich beim Sitzenbleiben um Kin­der handeln, die geistig etwas hinter ihren Altersgenos- sen zurückgeblieben sind, ähnlich wie es Kinder gibt, die körperlich kleiner sind als gleichalterige. In anderen Fällen handelt es sich um Kinder, bei denen mangelnder Fleiß das Sitzenbleiben verschuldet, denn ohne Fleiß geht «s tn der Schule ebensowenig wie anderswo.

Sehr niete Eltern empfinden es als eine Beschä­mung, wenn nicht als Schande, wenn chr Kind sitzen bleibt E» geschehen da manchmal wunderliche Dinge. So wurde neulich im Rundfunk folgender Fall er- zählt: Beim Schulleiter erschien ein Herr und beschwerte sich, daß sein Junge sitzen bleiben solle. Das ginge doch nicht, zumal der Sohn eines feiner Untergebenen ver­setzt werden solle. Außerdem wohne dieser Untergebene bei ihm zur Miete, unb es sei doch einfach ein Ding der Unmöglichkeit, baß ber Sohn des Hausherrn sitzen bleibe, währenb ber Sohn des Mieters aufrücke.

Der Fall spielte scheinbar in der Großstadt, in der höheren Schule. Aber auch auf dem Lande kann ber Lehrer in biefer Hinsicht Sc'«'.....■; '-"^ manche

bittere Feindschaft gegen Den Lehrer ist durch bas Sit­zenbleiben verursacht worben, bas nach ber Meinung der Eltern eine Ungerechtigkeit, wenn nicht gar eine Gehässigkeit von feiten des Lehrers darstellt.

Und doch ist däs Sitzenbleiben meist eine Wohltat für das Kind, sofern es nicht durch Faulheit selbstverschul­det ist. Das geistig etwas zurückgebliebene Kind ist durchaus nicht etwa minderwertig, wie überhaupt die ^genannte Gescheitheit in der Schule noch lange kein sicherer Maßstab ist für spätere Tüchtigkeit. Gar zu oft macht man in ber Schule bie Erfahrung, daß Kinder, di« wegen mangelnder geistiger Reife zurückgeblieben waren, sich im zweiten Jahre in unerwarteter Weis« entwickelten und Dann zu den Besten gehörten. Wär« bas Kind aber, Den Wünschen Der Eltern entsprechend versetzt worden, so hätte es wahrscheinlich in ber höhe­ren Klasse versagt, ober aber es hätte sich mühsam mit- gequält, ohne zu rechter Arbeitsfreude zu kommen.

Unb wenn nun Ostern kommt unb bamit vielleicht auch bas so gefürchtete Sitzenbleiben, dann mögen sich einsichtige Eltern klar sein borüebr, daß es nichts weiter ist als eine wohlerwogene Maßnahme zum Belten ihre» Kindes. H- Siemer.

Luftiges aus der Schule.

Beim Zahnarzt. (Ein Aufsatz aus dem Heft eine«, Neunjährigen.) Ich unb August fuhren hin. Auf man­chem platz richten wir uns aus. Aber entlief) waren wir doch da. Das schönste war, jetzt wußten wir keinen bescheid. Ich sagte August bleib hier ich geh wohin fra­gen. Der Junge ging mit uns leise ging es bie Trebe hinaus unb wir klopften an. Der Herr Zahnarzt machte bie Tür auf. Wir gingen zitternt hinein. Er sagte was wollt ihr. Ich sagte ich will ein Zahn plomiert haben. Er sagte setz dich auf den Stul unb mache mal Den Munb auf. Hast bu angst bas ist ein milchzcm. Er nam ein Zängchen und riß ihn raus. Nun sagte er zum August mach mal du ben Mund auf. Der August wollt« nicht unb sagte ich bin bloß mitgegangen ich soll keine zäne gezogen kriechen. Aber er mußte doch der Mund aufmachen und krichie auch zwei zäne hercmsgeriesen. Wir fuhren gans bebrübt nach Hause. Das war wieder ein Schmerz. Der August sagte zu dem gehe ich nicht wer.

Dorfbuben.

-»J I. Herbert.

Die Jungen bleiben erst etwas entfernt stehen, sie getrauen sich nicht recht heran. Erst als sie merken, daß sich niemand um sie kümmert, gehen sie näher. Da sind auch einige Hunde, Die neugierig zu ihnen laufen. !ßom- ”er knurrt und scheint Lust zu haben, sich mit ben Zi- geunerhunben zu beißen. Da packt ihn Karl am Hals­band: '.Hier wird kein Strell angefangen, Pommer!"

Der läßt die Ohren hängen und geht brav neben Karl. Als aber so ein frecher Zigeunerhund herbei» kommi und an ihm herumschnüffeln will, da macht er plötzlich einen Satz, reißt sich los und packt ben Hund, »er aufheulend daoonläuft.

3m Nu sind aber bie anderen Hunde da und fallen über den Pommer her, und mit wildem Gebell wälzt üch ein kämpfender Hundeknäuel im Grase.

Erschrocken sieht Karl zu. Wenn bie Zigeunerhunde »en Pommer totbeijjen! „Pommer, Pommer, hier- ter'" Aber der hört nüht. Da steht die eine Frau vom Feuer auf, nimmt einen Stock und haut zwischen die Hunde, daß st« eiligst auseinanberftieben. Mit cin- Sezogenem Schwanz kommt ber Pommer zu seinem üerrn. „Das ist bir recht gewesen, bu dummer Kerl. Aarum bleibst bu nicht hier!"

Bei dem Lärm sind einige Kinder aus Den Wagen ^kommen und sihauen neugierig nach den Drei Jungen.

Mädchen ist Dabei, so groß wie sie. Aber wie die ^hnial und blaß aussieht! Die muß sicher Hunger lei-

-Wenn ich jetzt eine Wurst bei mir hätte", denkt ?atI- „bie würbe ich dem Mäbchen schenken". Seine Hand kommt zufällig an bie Tasche, worin noch bie Sir» ntn sind aus dem Garten daheim. Er nimmt sie her- Ät* unb reicht sie dem Mäbchen hm.

Das guckt ihn. an unb wird rot. Dann nimmt es *le kirnen unb sagt leise: „Danke".

„Sie schämt sich', denkt Karl. „Wenn ich nur noch

Birnen hätte!" Da kommt ihm ein Gedanke. Er Jwaat sich nach feinen Kameraden um, bie bei ben Pfer- ocnJ*e!jtn. ,Los, wir wollen heimgehen!" ^Aber Die haben keine Lust. „Was wollen wir schon *#eim macken." meint Konrad. „Ls ist noch zu früh.

Wir gehen lieber hinauf in ben Wald, Da weih ich et­was".

„Ach, ich mag nicht. Ich gehe lieber heim. Echt ihr nur allein hinauf."

Karl macht sich auf ben Heimweg. Ein Stück geht er in ruhigem Schritt, bann ruft er plötzlich: „Los, Pom­mer, «men Wettlauf!" und rennt davon.

Der Hund stutzt erst einen Augenblick, aber bann rennt er mit freubigem Gebell hinter Karl her und hat ihn mit einigen Sätzen eingeholt. Karl läuft, baß er Seitenstechen bekommt, aber Pommer springt fröhlich bellend nebenher, als ob ihm bas bißchen Laufen gar nichts ausmache.

Schließlich hält Karl erschöpft und atemlos ein. „Wenn man nur auch so laufen könnte wie ein Hund!" denkt er beim Weitergehen „Ich kann beinahe nicht mehr schnaufen, und dem macht bas Saufen gar nichts aus."

Der elterliche Hof ist wie ausgeftorben. Nur bie Hühner scharren auf der Miste, unb aus ber offenen Türe des Pferdestalles klingt Schnauben unb Stamp­fen. Die Mutter sitzt allein in ber Stube unb schaut von ihrem Buch« aus, als Karl hereintritt. „Warum bist du denn so gelaufen, Junge? Du bist ganz erhitzt!"

Aufgeregt fängt Karl an unb erzählt von ben Zi­geunern unb dem Mädchen, unb bie hört ihm lächelnd über seinen Eifer zu.

„Gelt, ich darf dem Mädchen noch ein paar Birnen bringen!* schließt Karl unb sicht bie Mutter bittend an.

„Da müssen wir hall einmal in den Garten gchen," sagt sie unb steht auf. .Hch weiß ja nicht, ob sie schon fallen. Richtig reif sind sie noch nicht*

Aber als sie schüttelt, fällt boch eine Anzahl unb Karl wäre beinahe eine auf bie Rase gefallen. „Schau an", sagte bie Mutter, „ich hätte gar nicht gedacht, baß bie schon so weit wären. Nun lies bir auf, was bu haben willst. Die anderen nehme ich mit hinein."

Karl stopft sich bie Taschen voll und geht davon „Behalte ben Pommer da, Mutter", ruft er zurück „Der hat sich vorhin mit ben Zigeunerhunden gebissen."

„Schließe nur Die Gartentür, Dann kann er nicht hinaus. Komm her, Pommer!"

Als Karl hinauf zu den Zigeunern kommt, sind die Kinder am Spielen; bas Mädchen ist dabei unb lächelt, als es Karl siebt.

Der packt feine Birnen aus unb legt sie in bie Schürze, die Das Mädchen aufhält. Die anderen Kin­der kommen herbei, unb jedem gibt bas Mäbchen eine Birne. Gleich fangen fie an zu offen unb blicken Karl mit großen Augen an

Der schaut ihnen ein Weilchen zu und freut sich, baß bas Mädchen nun ganz vergnügt aussieht.

Dann geht er heim unb pfeift sich eins. Er ist so froh und weiß nicht, warum.

*

Einige Tage nachher saß Karl wieder auf seiner Dank unb hütete bas Vieh. Er schaute ein wenig ver- drießlich vor sich hin, benn immer so allein zu fein, bas war doch langweilig!

Zahlreiche Sckwalben tununeln sich zwitschernd in der Lust Fast könnte er sie mit ber Hand greifen so nahe flitzen sie manchmal an ihm vorbei. Es sind Stallschwalben, bie mit Den langen Gabelschwänzen. Daheim im Kuhstall waren biefes Jahr zwei Nester, unb Karl hat den zutraulichen Vögelchen manchmal zu- geslhaut, wenn sie ihre Jungen fütterten.

Pommer hat ben Kopf gehoben und schaut auch nach den Vögeln, bie so dicht an ihm vorbeischießen. Einmal schnappt er sogar nach einer Schwalbe, bie befonbers nahe tarn; aber blitzschnell weicht ber hurtige Vogel aus.

Pommer legt ben Kopf wieder auf bie Vorderbeine unb schließt bie Augen. Still ists um bie beiben, man hört nur bas Zwitschern ber Schwalben.

Da — ist Da nicht etwas Drüben in Dem Klee? Karl sitzt regungslos und späht aufmerksam hinüber. Da» «st doch kein Hase! Es kommt näher — ah. ein Reb­huhn ists, und Junge sind dabei, zehn Stück mindestens

Wie gebannt schaut Karl hinüber, ein Rebhuhn mit Jungen hat er noch nie gesehen. Wie die flink herum- rennen! Sie piepen leise, genau so wie bie jungen Hühnchen daheim. Unb wie sie picken und scharren und mit ben kleinen Flügeln schlagen beim Laufen — es ist zu drollig.

Alle Augenblicke bleibt bie Alte stehen, hebt Den Kopf und sichert. Dann geht sie mit ihren Kleinen wei­ter, immer näher zu der Bank, ahnungslos, daß Dort einer sitzt mit klopfendem Herzen und gespannten Sin­sen. Wenn bie Alle wüßte, daß es ein Räuber ist. Denn

längst hat Karl den Entschluß gefaßt, einige Rebhiihn- chen zu fangen und mit nach Hause zu nehmen Daheim ist noch eine Glucke mit Jungen, bie wohl ebenso alt sind wie bie kleinen Rebhühner. Die kann bie Tierchen auch noch führen, sie werden schon groß werden. Wenn bann zahme Rebhühner daheim im Hofe herumlaufen! Ganz heiß wird ihm bei dem Gedanken!

Jetzt ist bie Rebhuhniamille auf zwanzig Schritte herangekommen. Karl steht auf. Da hat ihn bie Alte auch schon erspäht unb stößt einen warnenden Ton aus. Wie der Blitz sind bie Kleinen verschwunden.

„Schadet nichts", denkt Karl. „Die suche ich nachher ichon". Vorsichtig geht er auf bie Alte los. bie unbe­weglich dasteht unb nach ihm sieht. Immer näher kommt ber Junge, noch brei Schritte ist er von dem Rebhuhn entfernt . . .

Prrrrr — flattert es auf unb fällt schwerfällig herab, flattert roieber und taumelt unbeholfen vor dem ver­dutzten Knaben.

„Ha, bie kann nicht stiegen, die fange ich auch!" zuckt es Karl burch ben Sinn.

Fast hätte er geschrien vor Freude.

Hastig rennt er auf bas Tier zu. Jetzt hat er es — da, im letzten Augenblick ist es ihm boch noch entwischt. So ein Biest! Aber warte nur, jetzt! Wieder nichts. Ich krieg dich boch! Und Karl rennt wie toll, stolpert, stürzt und rennt roieber — bums liegt er auf der Nase.

Unb bas Rebhuhn flattert unb läuft und piepst ängst­lich, immer dicht vor ihm. Zehnmal glaubt er bas Tier zu fassen, immer ist es ihm entwischt.

Ein großes Stück ist er nun schon hinter ihm her. Er keucht und kann kaum noch atmen. Es geht nicht mehr. Er bleibt stehen obwohl bas Rebhuhn immer nock in seiner Nähe umherflattert, als ob es ihn locken wolle.

Mag die Alle fliegen! Die Jungen finb ja noch da, die kleinen Dinger bekommt er sicher! Langsam geht Karl zurück auf Den Platz, wo er vorhin Die Jungen verschwinden sah.

So. hier müssen sie sein Erst holt er aber noch seine Msttze von ber Bank, ba hinein will er die Jungen tun. Pommer macht Miene, mitzulaufen, aber Karl herrscht ihn an: „Hiergeblieben, dich kann ich nickt braucken!"

(Fortsetzung folgt.)