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FuldaerZertung

M Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Mittwoch, 31. Dezember 1930

Die Kanzlersahrk an die polnische Grenze

® BERLIN

Alarmnachrichten über die polnischen Gewaltakte zu demaskieren". Der Minister habe mit den Ge­schädigten überall in polnischer Sprache verhandelt. Der Volksbund habe kein Recht, im Namen von Leuten, die einwandfreie Polen seien, die Oeffent» lichkeit aufzuhetzen.

Minister Skladkowski hat heute früh von Tar» nowitz die Rückreise nach Warschau ange­treten.

los zurückziehen sollte, der macht sich schuldig der Preisgabe nationaler Interessen. Er 'etzt Stan- des- und persönliche Vorteile höher ein als Volks­und Reichsinteressen.

Die Entscheidung jedoch wird fallen, und zwar o, wie es die Volksinteressen erfordern. Wir find richt Propheten in der Politik. Dock das eine steht est: die Not der Zeit, der Hilferuf des Volkes, die sorgen der Wirtschaft, das Elend der Arbeitslosen, ie werden die politische Vernunft und das polit'sche Lerantwortungsbewuhtsein immer mehr wecken, ie werden auch zur Selbstbesinnung führen und dann unsere Befreiung im Innern ermöglichen aus Kampf und Not. Wir haben das Vertrauen zu unserem Volke, wir haben das Vertrauen an eine Zukunft. Wir kennen seine Opserbereitschaft und darum werden wir über den Radikalismus aller Schattierungen Hinwegschreiten zur neuen Einigkeit und aus ihr neue Kraft und neuen Wil­len zum Leben schöpfen. Wir haben das gleiche Vertrauen zur festen Führung des Kabinetts, zu einem Zielstreben und erhoffen durch diese Füh- mng die gesunde glückhafte Schicksalswende für un- er Vaterland im Neujahr 1931.

Mexiko im Anmarsch!

Belästigung des Bischofs von Mainz.

CNV. Mainz, 30. Dez. (Gig. Meldg.). lieber eine Belästigung des Bischofs von Mainz wird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt: Bischof D r. Ludwig Maria Hugo befand sich am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages auf d e m H e i m- weg von der Weihnachtsbescherung im bischöflichen Seminar. Vor einer Wirt­schaft in der Heilig-Erabgasse in Mainz befanden sich einige offenbar an getrunkene Indivi­duen, die, als sie des Bischofs ansichtig wur­den, aus der Wirtschaft noch weitere Kameraden herausholten und dann gemeinsam auf den Kirchenfürsten losgingen. Einer der Angreifer, der mit der Faust auf den Bischof ein- drana, wurde von einem begleitenden Dompräben- dat abgewehrt. Auch die übrigen begleitenden Domherren beteiligten sich an der Abwehr. Die Rohlinge ließen nunmehr von ihrem Angriff ab und bewarfen die Herren nur noch mit Schneebijl- len, wobei sie ihnen häßliche Bemerkungen nach­sandten.

*

'■ Was sich da m Mainz abgespielt hat, wird Ale kirchentreuen Katholiken, hoffentlich aber auch recht viele andere deutschen Menschen, die noch stolz auf das Kultur- Land Deutschland sind, mit Schmerz erfüllen. Man weih, daß sich in Mainz eine besonders radikale Strö­mung herausaebildet hat und das Bild dieser einst im katholischen Leben so hoch angesehenen Stadt, der Stadt Kettelers und anderer großer katholischer Männer, trübe Schatten aufweist. Der neueste Vorgang ist nicht geeignet, die Sorgen um die Entwicklung in Mainz <zu verringern.

»KÖNIGSBERG!

OST- < PREUSSEN\ MARIENBURG J

Deutschland mutz in Gens deutlich sprechen, Auflockerung des Bodens für die außenpolitische Aktion. — Lw entscheidender Augenblick für Deutschland und Europa. — Wird die Vernunft siegen? — Am die Zukunft der Zivilisation

und balgte sich herum, solange bis kaum mehr ein Ausweg aus dem Chaos möglich schien. Es wa­ren Kämpfe unter den Parteien, die uns tief be­elendeten.

Kostbare Zeit wurde nutzlos vertan. Jene Stim­men, die vor der Annahme des Young-Planes erst die innerpolitischen Voraussetzungen für dessen Durchführungsmöglichkeit geschaffen sehen wollten, wurden nicht gehört. Das rächt sich bitter. Weil bei vielen Parteien das Verantwortungsbewußt­sein fehlte, weil man sich um geringe Summen stritt, während Milliardenwerte verloren gingen, weil sich die damalige Regierung nicht energisch ge­nug zeigte, erfolgte ihr Sturz, wurde ein neues Kabinett gebildet, unabhängig von den Parteien, mit der großen Aufgabe, ein umfassendes Sanie- rungs- und Reformprogramm durchzuführen. Und zwar mit allen Mitteln, deren Anwendung der harte Zwang der Notwendigkeit erforderlich machte.

Es kam aus gleichen Gründen zur Reichstags­auflösung, zu Neuwahlen. Wir übergehen dieses unerfreuliche Kapitel. Große Teile unseres Vol­kes haben leider nicht erkannt, worum es ging und was auf dem Spiele stand. Neue Parteigrup­pierungen wurden versucht. Sie scheiterten. Der Radikalismus machte sich breit und errang große Erfolge. Er schöpfte Nutzen aus der Zerrissenheit und Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien.

Ms der neugewählte Reichstag erstmals zufam- mentrat, war es für jeden, der die politischen Ver­hältnisse vorurteilslos zu überprüfen vermochte, festehende Tatsache, daß hier nur eine zielbewußte, tatentschlossene Regierung fertigbringen konnte, diesen Reichstag zur verantwortungsbewußten Mit­arbeit zu zwingen. Was der alte Reichstag nicht aus eigener Kraft zu schaffen gewillt war, wurde auf dem Wege der Notverordnung durchgeführt, weil die Regierung handeln mußte, sollten wir nicht kopfüber ins Chaos stürzen.

Jenes war ein Anfang. Aber auch in der Folge zeigte es sich, daß auch der neue Reichstag nicht den erforderlichen Tatwillen aufbrachte, um das Schicksal einer ganzen Nation zu meistern, um die Aufbauarbeit des Kabinetts zu unterstützen und zur Vollendung zu bringen. Nur ein Erfreuliches aus dieser Zeit ist festzustellen. Die Regierung blieb fest. Sie warf über Bord alle jenen ver­derblichen und gefährlichen Methoden der Ver­gangenheit, mit dem Verhandeln und Paktieren. Rücksichtslos sagte sie dem Volke die Wahrheit und das Volk verstand und versteht diese Wahrheit. Sie erzwang vom Reichstag die Zustimmung zu den Notverordnungen, für die Gesetzesaufgaben, die auf parlamentarischem Weg sonst nicht zu er­füllen waren.

Doch alles ist ein Anfang. Schwere Krisen er­schüttern noch unseren Volks- und Mirtschaftskör- per. Neue heiße Kämpfe stehen bevor. An das Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein der vom Volke gewählten parlamentarischen Vertreter wer­den auch im Neujahr höchste Anforderungen ge­stellt. Wer sich in solchen Zeiten verantwortungs­

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

CNB. Sattowih, 30. Dez. (Eig. Meld.) Di? polnische Regierungspresse beschäftigte sich sehr ein­gehend mit der Erenzlandreise des polnischen Innenministers Skladkowski, in deren Verlauf der Minister die Ortschaften besucht hat, in denen sich Gewaltakte gegen die deutsche Minderheit während der Wahlzeit ereignet haben. Die Regie­rungsblätter nehmen die Gelegenheit wahr, ihren Propaganda-Feldzug fortzusetzen und erklären, baß es dem Minister gelungen sei, „die deutschen

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Reiseroute der Ostmarkenfahrt des Reichskanzlers Brüning (links oben).

Unten links: Reichsminister Treviranus, rechts unten: Preuß. Minister Hirtsiefer.

Die unterstrichenen Orte bezeichnen die Reiseetappen.

Reichskanzler Brüning begibt sich am 4. Januar in Begleitung der beiden Ostkommissare Trevira, nus und Hirtsiefer über Pommern nach dem polnischen Grenzgebiet um die politische und wirb jchaftliche Lage der deutschen Ostmarken persönlich zu studieren.

Der englische Völkerbunds-Politiker L o ff« c i l sprach im Rundfunk über das A b r ü «ungsproblem. Er betonte, daß die Zu­kunft unserer Zivilisation unter Um- ständen davon abhängig sein kann, ob die kom- - menbc internationale Abrüstungskonferenz zum Erfolg oder zum Fehlschlag führt. Die Konferenz müsse zn einer internationalen Verein­barung kommen.

■ Die internationale Abrüstung, so erklärte Lord ■ «ecil u. a., gehört zu unseren wichtigsten natio­nalen Interessen. Wir haben nicht nur einmal, sondern zu wiederholten Malen die Verpflichtung übernommen, die Rüstungen der im Weltkrieg siegreichen Nationen herabzusetzen und zu begrenzen als Ergänzung zu der Abrüstung, die wir unseren früheren Gegnern zur Pflicht gemacht haben. Wir werden jedes Vertrauen in internationale Verpflichtungen z e r st ö r e n, wenn wir das, was wir versprochen haben, nicht erfüllen. Dabei ist es in meinen Augen von sekundärer Bedeutung, daß wir in diesem Fall auch nichts zu antworten haben würden, wenn unsere früheren Gegner mit der Forderung an uns herantreten, wieder aufrüsten zu können. Gewisse Nationen werden, so erklärte Cecil weiter, vielleicht auf der Abrüstungskonferenz die Frage an uns richten:

Wenn wir nun abrüsten und angegriffen werden sollten, werdet Ihr uns zu Hilfe kommen.?" Wir können einer solchen Mahnung gegenüber uns nicht taub stellen und, wenn wir den Frieden durch Abrüstung wollen, so müssen wir auch Bereit sein, jedes notwendige Opfer zu brin­gen, um uns die unendliche Wohltat des Friedens ■ zu sichern.

L Die Aeußerung des englischen Staatsmannes kommt dem deutschen Standpunkt so weit ent- ; gegen, daß es nicht zu schwer sein kann, vom deutschen Standpunkt aus jetzt in Genf in der gleichen Richtung mit aller Entschiedenheit vorzustoßen.

Belgien und Frankreich.

Das gefährdeke Militär-Abkommen.

wtb. Newyork, 30. Dez. (Eig. Meldg.) . Times und World bringen Leitartikel über Vanderveldes Vorschlag wegen Aufgabe des belgischen Militär- Abkommens mit Frankreich. Times bezeichnet es als ironische Situation, daß gerade Belgien zu­erst miide fei, die Rolle des Trabanten Frankreichs

Wirlf chafts-parkei-krife!

Die Führer „enthüllen" sich gegenseitig.

In der Wirtschaftspartei schienen sich einmal diejenigen unzufriedenen Zeitgenossen sammeln zu wollen, die von politischem Idealismus nichts wissen wollten und in der „Wirtschaft" allein das Heil fetzen. Inzwischen sind die Herrschaften, die einst den alten Parteien unzufrieden den Rücken gekehrt hatten, zu erheblichem Teil bereits beider „Nat i onalso zialistisch en De utf chen Ar­beit e r - P a r t e i" angelangt, die bekanntlich die Partei des „Idealismus und Heroismus" feilt will und in die so mancher, auch uns bekannter wirt­schaftsparteiliche „Kops" trefflich hineinpaßt. Die Führer der Wirtschaftspartei im Reiche also haben begonnen, vor der völligen Aufsaugung ihrer Wähler durch die Radikalen sich gegenseitig ihre nüchterne „Wirtschaftlichkeit" öffentlich nach­zuweifen.

Bekanntlich hatte schon vor kurzem der Ab­geordnete Colosser, der zweiter Vorsitzen­der der Wirtschaftspartei war, schwere Vorwürfe gegen den ersten Vorsitzenden feiner Partei, den Abgeordneten Bäckermeister Drewitz erhoben. Die zuständigen Parteiinstanzen be­schäftigten sich mit diesen Vorgängen, jedoch sollte vorerst keine Entscheidung getroffen werden, bis der Reichsausschuß der Partei gesprochen hätte. Der Abgeordnete Colosser selbst hatte ein Schieds­gericht angerufen, das durch den Beschluß seiner Partei noch nicht in Funktion getreten ist.

Es scheint nun so, als ob der Abgeordnete Colosser die Untersuchung bezw. den Spruch dieses Schiedsgerichts beschleunigen will. Eine Berliner Korrespondenz veröffentlichte Mitteilungen aus der Denkschrift Colofsers, die er seinerzeit gegen Dre­witz verfaßte und die er bereits einzelnen Bezirks- organifationen der Wirtschaftspartei zugänglich ge­macht hatte.

Dem Abgeordneten Drewitz wird darin zunächst der Vorwurf gemacht, daß er von der Deutschen Mittel­standsbank, dem Bankinstitut der Partei, im Jahre 1928 aus Wahlgeldern Aktien im Betrage von 100000 Mk. für eigene Zwecke gekauft habe. Als dann dieser Betrag für die Wahlgelder fehlte, habe Drewitz die Aktien nunmehr wieder bei der Bank bestehen, so daß die Partei in die Abhängigkeit des eigenen Bankinstituts geraten sei.

Weiterhin habe es auch bei den Mitgliedern der Wirtschaftspartei starkes Befremden erregt, daß ihnen von 6er Bank Aktien zum Nennwerte von 103 v $). aus­gedrängt worden seien, die jetzt 22 bis 23 v. ch. im Kurs stehen und unverkäuflich seien. Anderseits wird bemängelt, daß die Bank der Mittelstandspartei von den kleinen Geschäftsleuten 16 bis 20 o. H. Zinsen pro Jähr für Kredite verlange.

Dann wird Drewitz der Vorwurf gemacht, daß er Parteigelder in Höhe von 13 000 Mk. zum Bau und zur Einrichtung seiner Villa in Mahlsdorf ver­wandt habe, ohne die Zustimmung der Parteiinstanzen hierfür einzuholen. Bisher sei von diesen Darlehen aus der Parteikasse noch kein Pfennig zurückgezahlt worden. Ein weiterer Fall in der Colosserschen Denkschrift bezieht sich darauf, daß Drewitz seinem Schwiegervater einen Kredit von 30 000 bis 40 000 Mk. infolge seines Einflus- {es bei der Mittelstandsbank verschafft habe. Das Grund-

zu spielen, da es sich doch offenbar bei künftigen Verwicklungen zwischen Deutschland und Frank­reich ebensowenig fernzuhalten vermöchte wie 1914. World nennt Vanderveldes Vorschlag den ersten wirklichen Versuch, der Teilung Europas in zwei bewaffnete Koalitionen vor- z u b e u g e n. Das Blatt sagt weiter, die Zu­kunft des europäischen Friedens hänge davon ab, daß die Deutschen nicht dazu gedrängt werden, ihren extremen Parteien in die Hände zu fallen. Dem deutschen Volke müsse die Zuversicht gegeben werden, daß die bisherige einseitige Abrüstung ausgeglichen werde, daß die deutsche Min­derheit Polens ihre Rechte erhalte, daß FrankreichsBündnissekeinemili- tärischeEinkreisung bedeuten und daß das Reparationsabkommen nicht unabänderlich bleibe. Nur auf solche Weise könne Deutschland davon überzeugt werden, daß der Völkerbund und der Locarno-Vertrag Wirklichkeiten seien und daß ein wirklicher Franko-Deutscher Frieden als Eckstein des europäi­schen Friedens möglich sei.

Die Weiten des Europa-Komitees.

Im Völkerbundssekretariat ist eine kurze Noteder deut scheu Regierung eingegan­gen, die auf die Tagesordnung des Europakomi­tees am 16. Januar Bezug nimmt, in der erneut der Standpunkt vertreten wird, daß an den Ar­beiten des Studienkomitees für die europ^'schs Union auch die europäischen Staaten, die nicht Mit­glieder des Völkerbundes sind, Rußland und die Türkei, beteiligt werden sollen. Die Januar-Ta­gung des Komitees wird also über diese Frage, die bis jetzt offen gelassen worden ist, zu entscheiden haben. Wie verlautet, enthält b:c deutsche Note, die die Antwort auf eine vonseiten des General­sekretärs an die Teilnehmer der ersten Europa- Konferenz ergangene Anfrage darstellt, u. a ein Hinweis auf die wirtschaftl chen Fragen, zu denen Stellung zu nehmen für das Eurapakomitee jetzt ein besonderer Grund vorliegt, nachdem die Kon­ferenz der Regierungen im November in den Hauptpunkten ergebnislos gebFeben ist. In der deutschen Note wird der Erwartung Ausdruck ge­geben, dgß dem Komitee ein Bericht über diese Konferenz vorgelegt wird. Die deutsche Antwort wird in den nächsten Tagen, nachdem sie den übri­gen Mitgliedern des Europakomitees zugestellt worden ist, veröffentlicht werden.

Innenpolitische Iahresschan.

Mr treten in das Neujahr 1931 im Zeichen • einer selten ernsten Krise auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Da brauchen wir Augenblicke der Besinnung und Ueberlegung, müssen wir die hundertfältigen Ereignisse in der Politik des ver- aangenen Jahres von hoher Warte aus rück­schauend betrachten. Nicht persönlich dürfen wir uns der Politik gegenüber einstellen, sondern sie bet unserem Urteil einrahmen in das gesamte Volksinteresse und die Staatserfordernisse.

Viel Schlimmes wäre uns im letzten Jahre er­spart geblieben, hätten wir immer diese Einstellung gehabt und wären mir nicht dauernd in den alten Grundfehler verfallen, daß wir stets nur die Er­eignisse vom reinen Jnteressenftandpunkt aus be­trachteten und auch so nur mitarbeiteten. Wir ha­ben dennoch keinerlei Grund zu pessimistischen Auf- sgffungen und Urteilen. Wir wollen uns auch hü­ten vor Illusionen, sondern die Dinge so anpacken, rote sie sich uns zeigen und so handeln, wie es das Gesamtwohl erfordert. Die bittere Not des Jah­res 1929 steigerte sich im Jahre 1930 noch weiter. Der neue Zahlungsplan brachte keine fühlbare Er­leichterung, konnte keine bringen, weil sich im Laufe der Monate die Weltwirtschaftskrise, jede gesund,e Entwicklung hemmend und lähmend, einstellte und auswirkte.

H Es blieben dis sozialen und wirtschaftlichen Spannungen, ja sie mehrten sich. Zahlreiche Be­triebe kamen zum Erliegen, die Konkursziffern stie­gen. Dazu das riesenhafte Anschwellen der Ar­beitslosenziffer. Rund vier Millionen Arbeits­kräfte liegen heute brach, sehnen die Stunde herbei, wo sie durch ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen können und nicht mehr auf staatliche oder kommunale Fürsorge angewiesen sind. Das alles k9 nur dazu angetan, den Lebenswillen zu Iäf)= Wen, die Mutlosigkeit zu erhöhen, die Erregung -)u steigern.

Wieder kämpften wir in den Parlamenten um die Behebung der Arbeitslosigkeit, um die Ar­beitsbeschaffung. Es ist vieles erreicht worden, manches wurde reformiert, zahlreiche neue Wege wurden beschritten. Aber es blieben doch nur An- mnge, weil wir in der Fortentwicklung gehemmt waren und bleiben einmal durch die Weltwirt- fchaftskrise, für die kein Staat etwas kann, dann durch die wirtschaftlichcir Fefseln des Doung-Planes und des Versailler Vertrages. Und vieles wäre sicher noch erreicht worden, wären wir im vergan- ftfnen Jahre das Volk gewesen, das die große Stunde erkannte, das sich zu einer großen Notge- Meinschaft zusammenschloß, um gemeinsam die La- sten zu tragen, einander zu helfen, das Regierungs- • wuhen zu unterstützen.

fe sw H^r fehlte es am allermeisten. Es wurde zu ^sifang 1930 gefeilscht und gehandelt und manches ^col um nichtige Dinge. Man vergaß über der Vertretung des Jnteressenstandpunktes, über dem "Een Egoismus das große Ganze. Man stritt