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M. 300

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Dienstag, 30. Dezember 1930.

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57. Zahre.

AuszenpoMische Zahresschou.

unserem außenpolitischen Mitarbeiter:

S An der Jahreswende der schicksalsvollsten Zeit- für Deutschlands Entwicklung ist eine Stunde •L'qe Ueberlegung notwendig, um sich ein Urteil Mden zu können, über das, was geschah und über L« id£15 kommen wird.

Jahr 1930 war ein Jahr des harten T°ampfcs um unsere Schicksalsgestaltung. Wir er- bosM zu seinem Beginn gerade in der Außen- uoM Entscheidungen, die einen wahren und ge­reckten Frieden für die Völker Europas und der Sät bringen sollte. Wir standen noch ganz unter Mn Eindruck der Haager Konferenzen, die uns den neuen Zahlungsplan brachten. Wir wußten, daß auch dieser Plan in keiner Weis« geeignet ist, der Gerechtigkeit zu dienen und unserer Wirtschaft vor allem die Möglichkeit zu geben, sich wieder empor- zurasfen arls eigenen Kräften, Neues zu voll­bringen.

Doch brachte die letzte Haager Konferenz uns wenigstens einen fühlbaren Erfolg, nämlich die Meinlandräumung. Als seinerzeit unter den schlimmsten Gewaltsandrohungen die Waffenstill­standsbedingungen angenommen werden mußten, chs jenes Zwangsdiktat von Versailles blutenden herzens zu unterschreiben war, wenn wir Deutsch­land als Reich nicht aufgeben wollten, da wagten es wohl nur wenige zu hoffen, daß vor Ablauf der vertraglich festgesetzten Fristen die Rheinlande ihre Freiheit bekommen könnten.

Und doch war es das Zielstreben jeder Regie­rung, war es der eindeutig klare Kurs unserer Außenpolitik, die oft genug bekämpft wurde im eigenen Hause, die jenes wahrwerden ließen, was wir nur im geheimsten zu hoffen wagten: die feindlichen Truppen haben die besetzten Gebiete verlassen, gegen Jahresende sogar zogen auch die (sntentetruppen aus dem Saargebiet aus. Unser Laterland ist wieder frei, wenigstens äußerlich.

Und so können wir mit voller Berechtigung fest- stellen, daß unsere schweren und zahlreichen Opfer nicht umsonst gewesen sind, da sie uns jene Ge­biete freimachten, die jahrelang litten unter dem Gewaltsystem fremder Mächte. Der Bevölkerung jener Gebiete gilt noch einmal unser Herzensdank für ihr treues Ausharren, für ihren Heldenmut, für ihre vorbildliche Opferbereitschaft.

Aber mit der äußeren Befreiung des Rhein- iandes find wir doch noch nicht ganz frei gewor­den. Immer noch haben wir Sondergesetze, die im Versailler Vertrag festgelegt sind, um deren Be- inügung wir unentwegt kämpfen, um die völlige Gleichberechtigung Deutschlands im Rate der Völker zu erzielen. Frankreich will die Räumung des Rhein - landes als ein Entgegenkommen uns gegenüber ansehen, statt einer moralischen Verpflichtung. Es hat die Stunde versäumt, wo es zeigen konnte, daß seine Friedensworte zu einer Frivdenstat wur­den.

Was nützt es demgegenüber, wenn Briand mit seinem Plane der Schaffung eines Pan-Europa vor die Weltöffentlichkeit trat und ihn den Völkern Europas zur Diskussion vorlegte. Selbst wenn wir amehmen, daß Briand persönlich ehrlichen Wil­lens ist, eine gesunde friedliche Wandlung in Eu­ropa herbeizuführen, so ist dennoch sein Plan für uns in keiner Weise annehmbar, wenn er nicht umfangreichen Korrekturen unterworfen wird. Zu stark tritt die französische These in ihm in den Vordergrund: Erst Sicherung, dann Abrüstung!

Wir sind nicht die einzigen, die den Plan Briands in seiner Ietztform ablehnen. Auch Ita­lien, Oesterreich, Ungarn, die sogenannten neutra­len Nordstaaten, selbst England haben laut und deutlich ihren Widerspruch kundgetan und verlan­gen eine völlig neue Gestaltung des Pan-Europa- Planes, wenn überhaupt wieder einmal über ihn diskutiert werden könnte.

Wenn wir diese Tatsachen rückschauend prüfen und in Verbindung bringen mit dem Poung-Plan, der sofort nach seinem Inkrafttreten bis zum heu­tigen Tage schärfster Kritik ausgesetzt war und bleibt, so erkennen wir, daß es für unsere Außen­politik jetzt und in der Zukunft kein größeres Ziel geben kann als das, zu einer allgemeinen Revi- iion aller Verträge zu kommen. Roch ist aller­dings die Zeit dafür keineswegs reif. Wir find immer noch auf uns allein gestellt, wenngleich Dir in der ganzen Welt jene Stimmen hören, die unter dem Eindruck der herrschenden Weltwirt­schaftskrise ebenfalls eine Revision fordern und in ihr die einzige Möglichkeit sehen, den politischen und wirtschaftlichen Frieden m Europa, ja in der zu schaffen und zu garantieren.

Diese Revisionen müssen sich, wie gesagt, auf u-le Verträge erstrecken. Unser Zielstreben bleibt die Wege dafür zu schaffen, die uns auch jede gewähr bieten für einen Erfolg nicht nur im In­teresse Deutschlands, sondern der europäischen $c(= insgesamt. Wir brauchen wirklich nicht den -nachweis zu erbringen, daß Deutschland ein fried- Uebender Staat ist, daß wir nicht an die Anwen­dung oon Gewalt denken, die uns doch nichts nüt- >sen würde. Aber was wir verstärkt zu betonen haben, m unsere Forderung nach wirklicher nationaler Frei­et, nach völliger Gleichberechtigung unter den Völ- tern Europas. Diese Forderung wird heute vom ?.an^n deutschen Volke erhoben, ohne Rücksicht auf

Parteizugehörigkeit und persönliche Jnteressen- ^nftellung. Ein gesundes nationales Erwachen p'Ng und geht durch unser Land. Die ehemaligen mmdbundmächte müssen diese Stimme eines um Em Schicksal hart ringenden Volkes hören und sie ^stehen. Die Aufgabe jeder deutschen Regierung w.rd es nunmehr sein, mit besonnener Ruhe und . ?ch reiflicher Ueberlegung die Stunde zu nutzen, -e uns einmal die beste Gewähr dafür bietet, wir unser Endziel der nationalen Befreiung n vollem Umfange erreichen. Wir müssen uns üh Gr ^halten von allen Illusionen, müssen uns ifr r flen' mit großen Reden hier nichts getan J? sondern daß es gilt, immer mehr die opfer- reite und verantwortungsbewußte große natio-

Der Reichskanzler zum Zahres-Ende.

Lin Nachhall der auheapolUischen Aeuyerungen von Dr. Saas.

wtb. Berlin, 29. Dezember. (Eig. Meld.) Reichs­kanzler Dr. Brüning hat dem Herausgeber der Wohlfahrts-Korrespondenz Ernst Borschel eine Zu­schrift zugehen lassen, in der es heißt:

Auch dieses Jahres-Ende trifft das deutsche Volk bei der Erkenntnis, daß es schwere Monate durchzumachen hat. Die Weltwirtschafts-Krise, die alle Staaten erfaßt hat, trifft cs nach den Ent­behrungen der Kriegs- und Jnflationsjahre be­sonders hart. Aber mutiger Wille, Selbstzucht und Bereitschaft zum gemeinsamen Tragen können und werden uns helfen. Wenn wir die schlimmen Zeiten benutzen, um Mißbräuche abzustellen, oie sich in unser-gesellschaftliches, soziales un Apolitisches Leben eingeschlichen hatten, wenn wir nötige Reformen heute unter dem Drucke der Not kraftvoll vorantreiben, dann ziehen wir die rechten Lehren. Und wenn wir jetzt, wo uns gemeinsames Schicksal die engste Verbundenheit aller Schichten und Stände deutlich beweist, uns ass ein Volk fühlen lernen, dann werden zugleich die seelischen Kräfte lebendig, die die besten Bürgen einer schöneren Zukunft sind.

Das nervöse Frankreich.

Das Vorwort, das, wie hier schon vor Tagen mitgeteilt wurde, der Reichstagsabgeordnete Kaas für ein Werk über die Außenpolitik Deutschlands geschrieben hat, beunruhigt den „Temps" und das „Journal des Debats". Beide beschäftigen sich in Leitartikeln aufgrund einer Depesche mit dem In­halt der Ausführungen des Abgeordneten Kaas. Beide Blätter benutzen die Gelegenheit, um die politische Stimmung in Deutschland in überaus pessimistischem Sinne darzu- stellen.

So schreibt der „Temps": Alle deutschen Staats­männer, ob sie rechts, in der Mitte oder links stehen, wollen die Wiederherstellung der deutschen Macht in der Welt. Sie fordern Revision der Verträge, Abänderung der Ostgrenzen, allge­meine Abrüstung oder das Recht für Deutschland, sich ungehindert zu bewaffnen, und endlich den Anschluß oder, besser gesagt, die Annektion Oesterreichs. Die Meinungen - weichen in der Frage der Mittel, die man zur Durchschreitung der einzelnen Etappen anzuwenden habe, von einander ab.

Das „Journal des Debats", das Organ des Schwerindustriellen de Wendel, sieht schon eine neue Aufteilung Polens und auch die An­nektion Oesterreichs, natürlich auch die Wiederauf­rüstung Deutschlands voraus. Wenn das, so ruft das Blatt aus, realisiert würde, dann würde man sich einem stärkeren Deutschland gegenüber be­finden als dem von 1914. Man müßte besonders naiv sein, wenn man sich einbilden könnte, daß Deutschland, wenn es dieses Ergebnis hätte, sich nicht in sehr aktiver Weise auch für seine West­grenze interessieren würde. Nach dem Blatt müßte man von deutscher Seite der Welt den Glauben beibringen, daß die Stillung des deutschen Appetits das einzige Mittel sei, den Frieden zu bewahren. Kaas vergleiche Deutschland m i t S i m s o n. Er erkläre, daß der Tag kommen werde, an dem es als Gefangener des Friedensvertrages wie der biblische Held die Säulen seines Gefängnisses niederreißen werde. Es sei nicht Hitler, der dies aussprach, sondern der Führer des Zentrums. Müsse Frankreich daraus die Schlußfolgerung zie­hen, daß man Simson nicht handeln lassen dürfe, sondern ihn bewachen und die Tragsäulen, die er umreißen wolle, verstärken müsse.

Bei den erwähnten Ausführungen des Prälaten Kaas handelt es sich bekanntlich um sein Vorwort zu der in diesen Tagen erschienenen Schrift des Außenpolitikers der „Germania", Hagemann. Der Zentrumsführer kennzeichnet in seinem Vorwort das Verhältnis zwischen Außen- und Wirtschafts­politik, die Erscheinungen des Radikalismus als eines Nutznießers eines außenpolitischen Still­standes oder Rückschritts und die Notwendigkeiten der deutschen Revisions- und Abrüstungsansprüche in durchaus gemäßigten Worten. Er gelangt dabei zu der Schlußfolgerung, daß eine ftiedliche Evo­lutionspolitik die unbedingte und einzige Möglich­keit nicht nur für Deutschland, sondern auch für die übrige Welt sei, hält aber mit seinen Besorg­nissen nicht zurück.

Die Hypothese von der Erreichung einer physi­schen und psychischen Belastungsgrenze und von den Folgen, die eintreten, wenn sich „die Simson- Tragödie im Politischen wiederholt", ist keineswegs in den Ausführungen des Zentrumsführers als ein erwünschtes oder drohendes Ereignis, sondern als die letzte tragische Konsequenz fort­gesetzter Verbohrtheit und Verständnis­losigkeit auf der Gegenseite erwähnt.

Nur ein besonders schlechtes Gewissen kann bei verantwortungsbewußter Prüfung der tatsächlichen Ausführungen des Prälaten Kaas daraus deutsche Zielsetzungen entnehmen, wie sie vom „Temps" und vom „Journal des Debats" behauptet werden.

„Guropa vor dem Kriege".

wtb. Paris, 29. Dez. (Eig. Meldg.). Der sozia­listische „Populair" veröffentlicht heute Erklärun­gen des belgischen So zi a l i st e n f ü h re r s Vandervelde über die Stellung seiner Partei gegenüber den belgischen Heereskrediten. Als er, so führt Vandervelde u. a. aus, nach viermonatiger Abwesenheit nach Belgien zurückkehrte, habe er eine völlig veränderte Mentalität vorgefunden. Die Re­den Mussolinis, die faschistischen Intrigen auf dem Balkan, die Erfolge der Nationalsozialisten in Deutschland, die bedauerlichen Wahlen unter dem Druck des Militärs in Polen, alles das erwecke beim Mann auf der Straße den Eindruck, daß E u- ropa vor einem Kriege stehe und daß die­ser Krieg morgen mit der gleichen Plötzlichkeit aus- brechen könne wie 1914. Er sei überzeug!, daß auf dem Ostern stattfindenden Kongreß der belgischen Arbeiterpartei der Gedanke einer einseitigen Abrüstung mit großer Mehrheit abgelehnt werde. Aber die belgischen Sozialisten seien ent­schlossen, auf nationalem wie auf internationalem Gebiet ihre Aktion zugunsten einer all­gemeinen gleichzeitigen und unter Kontrolle sich vollziehenden Ab­rüstung fortzusetzen. Belgien sei vielleicht das einzige Land, dessen Heeresbudget jetzt höher sei als im Jahre 1914. Die belgischen Sozialisten wollten nicht, daß unter dem Vorwand der Lan­desverteidigung für die Aufrechterhaltung gewisser militärischer Hegemonien und für die unbedingte Verteidigung des durch den Versailler Vertrag und die übrigen Verträge geschaffenen territorialen S.a- tuts gerüstet werde. Der Versailler Ver­trag sehe ja selbst die Möglichkeit seiner eigenen Revision vor.

Polnische Propaganda.

Die oberschlesischen Zeitungen befassen sich aus­führlich mit dem Interview, das der polnische Au­ßenminister Zaleski einem Mitarbeiter des Pariser „Matin" gewährt hat und in dem er sich in einer gegen Deutschland gerichteten aggressiven Form über die Zwischenfälle bei den ostoberschlesischen Wahlen äußerte..

Die „Ostdeutsche Morgenpost" bringt einen Be­richt ihrer Berliner Redaktion über die von pol­nischer Seite in Szene gesetzte Presse-Propaganda in Paris und bemerkt in ihrem Kommentar dazu, es wäre ein aussichtsloses Beginnen, der Wahrheit in Paris zum Siege zu verhelfen. Von deutscher Seite müßte aber trotzdem den Lügen energisch ent­gegengetreten werden. Die deutsche Regierung sollte kein Minister-Interview der Gegenseite ohne Antwort lassen und sollte jeder Lüge die Wahr­heit mit Entschiedenheit entgegensetzen. Ehren­pflicht der deutschen Presse müsse es sein, das eigene Volk und das Ausland bestimmend über die bevor­stehende Tagung in Genf aufzuklären.

Das alles fei notwendig, damit der deutschen Delegation in Genf der Boden nicht unter den Füßen fortgezogen und der deutschen Minderheit und dem ganzen Minderheitenschutz nicht neuer Schaden zugefügt werde.

Die Blätter des Konzerns der oberschlesischen Zentrumspresse erklären u. a., es sei eine Her­an s f o.rd e r u ng, wenn der polnische Außen­minister sage, Deutschland rolle die Minderheiten­frage auf. Gerade das Gegenteil sei der Fall. Die brutale Knechtung und Mißhandlung der deutschen Minderheit, die systematischen Verletzungen einge­gangener Verträge durch Polen sei die Ursache da­für, daß die Völkerbundsratstagung im Januar sich mit der Frage des Minderheitenschutzes für die Deutschen im abgetrennten Gebiet befassen müsse. Wenn jetzt gesagt werde, Deutschland betreibe den Minderheitenschutz nur als M i t t e l z u m Zweck der Grenzrevision, so wisse jeder, daß hier nur die polnische Propaganda dahinterstecke. Sie wolle damit die öffentliche Meinung beunruhigen, als ob eine Behandlung des versagten Minderhei­tenschutzes die allergrößten Konsequenzen für den Frieden haben müßte. Demgegenüber müßte man klipp und klar erklären, daß es sich nur um die Frage handele, wie Polen das Recht verletzt habe und wie diesen Rechtsbrüchen gegen die deutsche Minderheit wirksam ein Ende bereitet werden könne.

nale Front im Innern zu schaffen, die dem Aus­lande dann auch stark gegenübertreten kann und ihm die Achtung und Anerkennung abzuzwingen vermag.

Ein harter und dornenvoller Weg für das Neu­jahr 1931, das Jahr auch der außenpolitischen Schicksalswende. Aber wir müssen diesen Weg gehen und wollen ihn gehen, weil wir ein Volk sind, das an seine Zukunft glaubt, das durch Opfer sich sein« Freiheit erringen und nicht er­kaufen will. Mögen sich auch die Schwieriostetlen noch turmhoch einstellen, wir werden sie überwin­den, wenn wir eines Willens und Wollens sind, denn die Zeit arbeitet mit uns und für uns.

Diese Schwierigkeiten finden wir überall. Denken wir nur an jene Leiden Konferenzen, die doch

einen wirklichen Frieden in Europa und in der Welt endlich bringen und sichern sollten. Es ist einmal die Londoner Flottenkonserenz von Anfang dieses Jahres. Wohl brachte sie eine nicht gering­zuschätzende Verständigung zwischen England, Ame­rika und Japan, aber sie stabilisierte gleichzeitig das Wettrüsten zwischen Frankreich und Italien. Alles bleibt in der Schwebe, von einem endgültigen Beschluß ist noch lange nicht die Rede. .

Bei den für uns entscheidenden Verhandlungen der Vorbereitenden Abrüstungskommission in Genf, welche die Erfüllung der im Versailler Vertrage festgelegten Abrüstungsverpflichtungen durch die so­genannten Siegermächte in die Wege leiten sollten, erkannten wir erneut, daß auch heute noch jener Standpunkt vorherrscht, daß es nur Verpflichtungen

Meder Kampf in Marokko.

Wieder wird von einer militärischen Aktion Frankreichs in Marokko berichtet. „Matin" erfährt aus Colomb-Bechar, daß eine nicht unterworfene marokkanische Abteilung, die über 200 Gewehre verfügte, von Tafilalt aus einen Einfall auf alge­risches Gebiet unternommen und am 24. Dezember gegen Abend den Lagerplatz unterworfener Einge­borener, 15 Kilometer westlich von Abadla, ange­griffen habe. Die Marokkaner hätten den Häupt­ling und drei andere Eingeborene getötet und hundert Kamele weggeführt. Daraufhin hätte eine französische mobile Abteilung und eine Fliegerstaffel die Verfolgung der marokkanischen Abteilung aus­genommen, die sic 35 Kilometer von Abadla sich­teten. Die französischen Flieger nahmen die Ein­geborenen unter Maschinengewehrfeuer. Am 25. Dezember kam es zu einem heftigen Kampf, der bis zum Einbruch der Nacht dauerte. Die verfolgte Eingeborenenabteilung zog in der Dunkelheit unter Zurücklassung eines Teiles ihrer Beute mnd zahl­reicher Toter ab, wurde am 26. Dezember von zwei ausgesandten französischen Fliegerstaffeln wiederum bombardiert, erlitt schwere Verluste, konnte jedoch

* Gebete in der Diözese Trier für guten Erfolg der Parlamentsverhandlungen. Das bischöfliche Generalvikariat in Trier erläßt an die Pfarrer der Diözese Trier eine Anweisung, in der es heißt: Seit Bestehen der parlamentarischen Vertretung des Volkes war es die Auffassung aller christlich gesinnten Staatsbürger, daß die Menschen zwar verhandeln und beraten, daß aber der gute End­erfolg menschlicher Beratungen vom Segen Gottes abhange. In dieser Erkenntnis hat das bischöfliche Generalvikariat der Diözese Trier bereits im Jahre 1853 Gebete angeordnet, die während der Tagung des Landtages jeden Sonntag nach der Predigt gebetet werden sollten, damit die Verhandlungen „nach Gottes allweisem und allheiligem Willen ausfallen mögen". Diese Anordnung kehrte dann in den folgenden Jahren bis 1870 ständig wieder. Die Verfügung betraf die beiden Häuser des Preu- sischen Landtags und seit 1867 den Reichstag des Norddeutschen Bundes. Da gegenwärtig d:e Ver­handlungen unserer Parlamente durch die Zer­splitterung und Uneinigkeit des deutschen Volkes bedeutend erschwert- sind und vielfach die größ­ten Gefahren für das Vaterland und die Kirche, wie für die Rel'gion überhaupt herbeiführen kön­nen, ersuchen wir die Pfarrer, beim Beginn und Verlauf der Parlamentsverhandlungen im An­schluß an das allgemeine Gebet künftig während der Verhandlungen des Reichstages und Land­tages ein Gebet gemeinschaftlich mit den Gläubigen in der oben erwähnten Mei­nung beten zu lassen."

* Der Nachfolger des gestorbenen Abg. David im Reichstag. Als Nachfolger des gestorbenen Ab­geordneten Dr. David tritt Gewerkschaftssekretär Wilhelm Weber (Offenbach) in den Reichs­tag ein. Der neue Abgeordnete ist 54 Jahre alt und arbeitet seit 1907 beim Deutschen Metallarbei­terverband. Zurzeit ist er Gewerkschaftssekretär der Freien Gewerkschaften in Offenbach. Weber ist Stadtratsmitglied in Offenbach und Abgeord­neter des Hessischen Landtags.

für Deutschland nach Ansicht jener Staaten gibt, nicht aber für sie selbst. Wochenlang wurde debat- ticrt. Jeder den Vertragsbestimmungen gerecht wer­dende deutsche Vorschlag wurde abgelehnt. Man hat dann schließlich so etwas wie einen Beschluß zusammenkonstruiert, welcher in der Form einer Anregung der Allgemeinen Abrüstungskonferenz, die wahrscheinlich im Jahre 1931 zusammentreten wird, vorgelegt werden soll.

Gerade dieser Beschluß, dieser „Abrüftungsent- wurf" legt uns die Verpflichtung auf, laut und deutlich unsere Forderungen immer wieder zu er­heben, die anderen Mächte auf die Erfüllung ihrer Verpflichtung aufmerksam zu machen, stets zu be­tonen, daß wir einem solchen Entwurf nie und nimmer unsere Zustimmung geben können, weil er allen Staaten das Wettrüsten weiter gestattet, mit Ausnahme der bereits entwaffneten Staaten, die auf Ewigkeit hinaus entwaffnet bleiben sollen. Wir werden in den kommenden Monaten uns in einem anderen Sinne zu rüsten haben. In der Aufklärung nämlich der Weltöffentlichkeit.

Dasselbe gilt für die weiteren großen außen­politischen Aufgaben des kommenden Jahres. Sie betreffen den Schutz und die Interessenvertretung der deutschen Minderheiten, zumal in Polen. Das war mit das traurigste Kapitel der Jahresgeschichte 1930. Was da erlebt wurde an Grausamkeiten, an Terror, an Unterdrückung bleibt eine Kulturschande für immer. Polen hat für sich den traurigen Ruhm» an der Spitze der brutalsten Unterdrücker von Recht und Freiheit zu marschieren. Drei deutsche Noten sind beim Völkerbund eingereicht. Sie geben Zeug­nis von der jedem Gesetz hohnsprechenden Entrech­tung und Terrorisierung der Deutschen in Polnisch- Oberschlesien.

Im Januar schon des neuen Jahres wird die Welt über Polen zu Gericht sitzen, wird es sich zeigen müssen, ob der Völkerbund noch Existenzberechti­gung hat, ob er endlich gewillt ist, seine großen Pflichten des Rechtes und der Gerechtigkeit zu erfüllen.

Das sind unsere eigenen außenpolitischen Sor­gen, die uns vor große Zukunftsaufgaben stellen. Sie sind so groß, daß wir daneben uns nur in soweit um die Sorgen anderer Staaten kümmern können, als sie vielleicht deutsche Interessen be­rühren. Wir sehen, daß in allen Staaten ein neues Geschlecht heranwächst, das willens ist, mit den Gewaltmethoden der alten Politiker zu brechen, eine Friedensaufbauarbeit zu leisten, die jedem Volke Recht werden läßt. Das gibt uns die Hoff­nung, daß wir vorwärts und aufwärts kommen, daß wir im Neujahr 1931, wenn auch noch nicht in vollem Umfange, so doch in den aufgezeigten Zielen unser Werk vollenden können: nationale Be­freiung unseres Vaterlandes!