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Heilige Aacht.
Am Baum im Schein der Kerzen wie sonst die heilige Nacht hab ich mit schwerem Herzen getreu herangewacht.
Dort hangt an dichten Zweigen glitzernd bejahrter Tand, lockt auf verschneiten Steigen mich in mein Kinderland.
Da liegt'» in sich gekauert, winzig und wunderbar. Ich frag mich, frostdurchschauert: Wo bin ich, der ich war?
Richard von Schaukal.
storisch nachweisbar ist dieser Tag als Geburt» cag Christi natürlich nicht. Wenn man das Verhalten der heiligen Schrift zur Chronologie im allgemeinen überblickt, so sind zwar eine ganze Reihe von bestimmten Zeitangaben in ihr enthalten, im großen ganzen jedoch scheint es in den Plänen Gottes zu liegen das Leben Christi hinsichtlich der Chronologie im einzelnen m einem gewissen Halbdunkel zu belassen. Christus hot ja nicht nur einmal gelebt, er lebt weiter in seiner K'rche. 11 nb sein Geburtstag ist ia nicht nur eine Gedenkfeier für ein in der Vergangenheit liegendes Ereignis, besten genaue zeitliche Bestimmung infolgedessen für die Begehung des festes wesentlich wäre. fr"'s"-n feine Geburt wird immer wieder gnadenoolle Wirklichkeit für den, der guten Willens ist.
Eines Bergmanns Weihnacht
Bon Douglas Vervoort.
Ich will hier die Geschichte eines verunglückten Bergmanns erzählen, den man am Heiligen Abend mit zerschmettertem Schädel in der Grube fand ... die Geschichte einer rührend innigen Weihnachtsfreude, die wahr ist und so schlicht und einfältig, wie das Herz des toten Knappen, dem ich einmal begegnete . . .
Man nannte ihn „Brökel", seinen wahren Namen konnte ich nie erfahren und die meisten wußten ihn wohl kaum. Aus den Büros der Zeche wird man ihn in den Lohnbüchern geführt haben, aber seine Kolonne, der Steiger, die Hauer und selbst seine Hausleute nannten ihn nur immer Brökel. Sein Alter war schwer zu schätzen, seine Gestalt war klein und gedrungen, er hinkte ein wenig und sein linkes Ohr fehlte. Ein seltsamer Mensch, wortkarg, verschlossen, mürrisch und mißtrauisch; die jungen Schlepper im Stollen trieben chre Possen mit ihm, und wo er sich auch im Dorfe sehen ließ, war er der Zielpunkt des Spottes und des Witzes. Aber sonderbarerweise schien er das nicht zu beachten. In den Vesperpausen hockte er abseits von den Arbeitskollegen, kaute sein Brot und trank seinen Schnaps, den er stets mit sich trug. Dann legte er sich ein Weilchen aufs Ohr. Dabei konnte es geschehen, daß man ihm die Beine zusammenband oder Kohlenstaub in seine Mütze schüttete. Brökel zog sich in der Waschkaue nickt um, er kam in seinen GrGubenkleidern von Hause und fuhr ein; bei der Feierschicht ging er ungewaschen durchs Dorf nach Hause.
In einem alten, elenden Hause kampierte er, seine Stube war ein dunkles Loch und das alte Bsttgestell hatte sicherlich seit Menschengedenken kein sauberes Bettzeug gesehen. Keiner wußte etwas von Brökels Leben, woher er stammte, wohin er gehörte, wer seine Familie war. Es schien, als sei er immer im Dorfe gewesen.
Brökel lag in den Revolutionstagen verwundet im Lazarett der nahen Stadt; niemand wartete auf ihn, keiner half ihm, sich wieder zurechtzufinden. Wozu sollte er weiterstreben, wohin sollte er wohl gehen? So blieb er in der Stadt und fand später als Schlepper und Hilfshauer in der Grube Arbeit und in dem alten windschiefen Hause eine Bleibe. Auch Brökel hatte seine kleinen Freuden: er trank gern einen guten Korn, rauchte feine kurze Tonpfeife und kaute seinen Priem — mein am Koppel, die Zeltbahn hängt am Buckel. Bis die nächsten kommen, müssen wir raus [ein. Aber es blitzt schon wieder, viermal. Wir liegen schon im Straßengraben. Wieder auf den Ausgang des Dorfes vor uns. jetzt ganz dicht in unsere Nähe. Wieder laufen. Es blitzt weiter hinten auf. Das sind schwere Kaliber. Ch ch — ch rin ins Dorf. Wie das kracht und schauerlich brüllt. Man hört Wagengerassel und Pferdewiehern. „Hab ich nicht gesagt, daß wir noch Zunder kriegen?" Ich knöpfe die Zeltbahn ganz zu, daß ich nicht wieder ein Brot verliere. Da hauts auch schon wieder ein. Ich hab die Abschüsse gar nicht gesehen. „Diese verfluchten Ratscher! Wie der Teufel sind die da." Neben der Straße ist ein alter versoffener Laufgraben. Ich finde ein Brett. „Humpel, in den Graben!" Das Brett platscht ins Wasser, wir hinter her. Wir schnaufen und schwitzen. Wir sind wenigstens aus dem Dorf und in Deckung. „Hier warten mir ab." Im Nw ist der Graben voll Essenholer. „Er schießt auch auf die Stellung!" Richtig, da oben bei unserem Graben knallts auch. —* „Meine Fresse, was kommt denn da? Hinter uns auf der Straße rumpelt ein Kinderwagen. „Der Schuster mit der Post! Der war noch nicht im Graben! Wo willst du denn hin, Mensch?" Der Schuster ist in Verzweiflung, mit seiner Kinderchaise und den 3 Postsäcken, die er nicht im Stich lassen darf. Wir lachen aus vollem Halse und rufen ihm zu. Er sieht uns, läßt die Postkutsche stehen mtten auf der Straße, und springt in den Graben auf irgend einen drauf. Die Postkutsche kippt hinten über und alles purzelt auf die Straße, daneben stehen die Kochgeschirre und liegen die Zeltbahnen, eine ganze Reihe lang. Im Aufblitzen der feindlichen Granaten sehen wir das alles stehen, wenn wir hinten über Deckung schauen. „Jsts noch weit bis in die Stellung der fünften?" „Du kannst noch schwitzen, bis du mit deiner Karre oben bist." „Ich bleib hier liegen, ihr könnt euch die Post selber rausschaffen." „Das wollen wir schon sehen, du gehst mit und wenn du . . ." Die Granaten gehen jetzt über uns weg ins Dorf. Unsere Aufregung hat sich gelegt Wir sind ganz naß von unten und von hinten. Raus! Der Unteroffizier kommt auch. „Herr Unteroffizier, der Schuster will die Post nicht Vorbringen!" „Raus, Kerl! Wart nur, morgen wirst du ab* gelöst von deinem Druckposten!" Das wirkt. Er stellt Me Kutsche auf die Beine, einer hilft die Säcke auf laben und bann prescht es hinter uns her. Wir haben an unferm Kram zu schleppen unb laufen los. Im Graben erwarten sie uns schon. Die Suppe ist kalt. Es ist nicht viel mehr in den Geschirren. Und der Punsch ist auch
Christi Geburt
den geschilderten Umständen entnehmen Lukas waren in der hl. Nacht Hirten aus
nen wir aus Nach dem hl
Christi ergeben. Jedenfalls wird der Dezember dadurch nicht ausgeschlossen. Die Ansicht der alten Zeit, daß gerade der 25. Dezember der Geburtstag Christi sei, beruhte auf kosmogonischen Erwägungen. Man nahm damals vielfach an, daß die Welt mit dem Frühling, unb zwar mit bem ersten Frühlingstag, bet Tag- unb Nachtgleiche, begonnen habe. Als solcher aber galt damals in Rom der 25. März. Nun glaubte man daß mit dem gleichen Tage auch die neue erlöste Welt ihren Anfang genommen h abe daß also an diesem Tage Maria den Herrn empfangen habe. Daher liegt ja auf diesem Tage heute noch bas Fest Mariä Verkünbigung. Wenn der 25. März jeboch ber Tag der Empfängnis gewesen ist, dann errechnete man den 25. Dezember als den gnadenreichen Tag der Geburt. Daß dies die Zeit des tiefsten Sonnenstandes und des wieder wachsenden Lichtes war, sah man als besonders bedeutungsvoll an, zumal man dabei auch das Wort des hl. Johannes des Täufers berücksichtigte: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen" Zufolge diesem Wort fiel der Johannistag auf den 24 Juni, die Geburt Christi aber auf die Nacht vom 24. zum 25. Dezember.
So trafen mancherlei Ursachen zusammen, um bas Weihnachtsdatum auf den 25. Dezember sestzulegen. tzi-
dem Felde und hüteten ihre Herden. Daraus kann man erschließen, daß die Geburt des Herrn nicht in den Sommer gefallen ist; denn bann sind bei der großen Trockenheit in Palästina die Weiden dürr unb unbrauchbar. Erst im September erficht allmählich roieber ber Pflanzenwuchs, und zwar unter dem Einfluß des Nachttaus. Wirklich grün werben bie Weiden erst unter dem Einfluß der Regenfälle des Herbstes. Der feuchteste Monat ist der Dezember, ber durchschnittlich 11 Regentage enthält. In den späteren Monaten dürfte die dann eintretende Kälte die Weidemöglichkeit behindern so daß sich aus ber Anbeutung bes hl. Lukas ber N o - vember unb ber Dezember als bie wahrscheinlichsten Monate für bie ® eb urt
jjas Weihnachtsfest gehört nicht zu jenen ältesten I ...Mjchen Festen, deren Entstehung völlig im Dunkel !-r christlichen Frühzeit liegt. Man kann mit ziemlicher ! Ncherhrit sagen, daß es nicht vor dem 4. Jahrhundert efetsrt worden sein dürfte. Jnfolgedesien haben wir ■ h,nn auch gewisse Anhaltspunkte, bie uns über Zeit unb Untttänöc ber Einführung Aufschluß geben. Sie genü- gen jedoch nicht, um volle Klarheit darüber zu ver-
I Eines aber ist sicher und geht schon aus bem Alter I je5 Wechnaastsfestes hervor: es war nicht bie Umbeu- I hing eines germanisch-heidnischen Festes, etwa des I L|ieS ber Wintersonnenwende (Iulfest). Die germani- I Völker standen im 4. Jahrhundert ja noch fast ganz I außerhalb ber Kirche. Auch wissen wir über bas Iul- I ut sehr wenig Positives, sogar seine Existenz ist nicht 1 ^bestritten, wenngleich wohl anzunehmen ist, daß bei | jen Aermanen wie bei den meisten anderen Naturvöl- I’ (irn bie Sonnenwende gefeiert worden ist.
Das weihnachtsfest stammt vielmehr aus Rom.
Das Jahr, in dem es eingeführt oder erstmalig ge- I feiert wurde, steht allerdings nicht fest. Nach einigen I Forschern soll es bas Jahr 354 gewesen sein, nach an- I deren bas Jahr 325, dasselbe Jahr, in dem das Konzil I von Nicäa ftattfanb. Mit diesem Konzil, auf dem bekanntlich bie Irrlehre des Sirius verurteilt wurde, wird e3 in Zusammenhang gebracht. Nachdem Sirius die Wesensgleichheit der zweiten göttlichen Person mit bem Wer geleugnet hatte, soll das Fest der Geburt Christi eingesetzt worden sein, um den Gläubigen bie göttliche Mtur des Erlösers vor Augen zu halten. Es war zu nächst nicht em ber ganzen Kirche gemeinsamer und gebotener Festtag, wie ja damals überhaupt hinsichtliö der Festtage eine gleichmäßige feste Hebung noch nicht be stand, sondern es wurde zunächst nur in Rom unb Um gegenb gefeiert. In Rom traf auf den 25. Dezember er heidnisches Fest, ber Dies invicti solis (Tag ber unbesiegten Sonne), also auch eine Art Sonnwendfeier. Damals schon wurde Christus häufig „Sol oeru- invictus" (die wahre unbesiegte Sonne) genannt Mit aus diesem Grunde mag das Geburtsfest Christi auf den 25. Dezember gelegt worden fein. Im Orient finden mir das Weihnachtsfest zum ersten Male um 370; es spielt dort jedoch eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Fest Epiphanie, das ja das ältere ist (es ist schon aus dem 3. Jahrhundert bezeugt) unb das auch im Abendlande noch viele Jahrhunderte hindurch bas Weihnachtsfest überstrahlte. Für Konstantinopel selbst läßt sich eine ziemlich genaue Zeitangabe machen unb zwar können wir sie aus bem Leben bes heiligen Gregor von Nazianz entnehmen. Dieser wurde nach der Thronbesteigung des Kaisers Theodosius als Bischof nat Konstantinopel berufen. Die Stadt war völlig im Bc sitz der Arianer, so daß ber neue Bischof als Heim statte für seine kirchlichen Funktionen nur eine kle'ne Privatkapelle fanb, bie den Namen der heiligen Anastasia trug. In dieser feierte er im Jahre 379 ober 38'j jum ersten Male bas Weihnachtsfest, bas er als ein Mittel ansah, um ben Glauben an bie göttliche Natur des Erlösers wieberherzustellen. Für Sonftanfinopei liegt also ber Zusammenhang ber Einführung des Teihnachtsfestes mit der arianischen Irrlehre auf ber Hand.
Um zu der römischen Ureinführung des Weihnachts- stites zurückzukehren —, so muß es doch als fraglich hingestellt werden, ob ber Dies folis invicti, also der 25. Dezember, gewählt worden wäre, wenn dieser Tag licht aus anderen Erwägungen heraus vielfach
als der wirkliche Geburtstag Christi gegolten hätte. Die heilige Schrift gibt uns weder "öer die Jahreszeit, noch über den Monat, noch über I dm Tag ber Geburt Auskunft. Eine Anbeutung kön-
Weihnachten im Halbdunkel.
zur Geschichte und Chronologie des Weihnachtsfeftes. — Warum wurde gerade der 25. Dezember der „gnadenreiche Tag-?
Von A b o l f Föhr.
glühenbem Anthrazit gefüllt ist unb trocknen bie Fuß-
.Quatschkopp!
liche Gefühl kriecht langsam bie Beine hoch, burch Leib bis in bie Kopfhaare. Eine Zeltbahn hängt dem Eingangsloch. Wir hören die Schüsse draußen sehen bas flatternbe Licht ber Leuchtkugeln burch Ritzen neben ber Zeltbahn. Humpel saugt an ber
lassen! sagen!'
lappen unb Strümpfe, fragt mein Unteroffizier.
„Halt, wer da?"
Wir hopsen in Drei Mann sitzen bie bis oben mit
ben vor unb bie Zi-
,Wo habt ihr bie Kohlen her?" „Die haben wir uns schicken „Mensch, bas kannst du doch
,Nee, bas verraten wir nicht!" Wir wärmen
über!" Zwischen uns unb dem Anschlußregiment ist der Graben noch nicht ausgebaut. Da fließt ein kleines Wasser von ben Franzosen herunter. Die Stelle ist ganz versumpft. Ich begleite ben Unteroffizier. An ben spanischen Reitern tasten mir uns hinüber. Immer
unb bie Hänbe unb traten bichter an bie Glut. Die Stiefel fangen an zu rauchen. „Du, verbrenn dir die Klamotten nicht!" Ich frage nach einem Kameraden aus meinem Heimatdorf. Wirklich, bie Kerle kennen ihn. Er liegt aber weiter links bei ber 6. Kompagnie. Wir kappen uns wieder zurück in unfern Abschnitt. Humpel steht noch auf seinem Platz. Der Unteroffizier geht fort. „Du, wir müssen heut abend Essen holen, heut gibts Punsch unb Weihnachtsstollen. Vielleicht auch Post. — Abends, heiliger Abend 1914. „Essenholer nach rechts kommen!" Die Kochgeschirre werben abgeschnallt, 8 Feldflaschen unb 2 Zeltbahnen mitgenommen. Der Unteroffizier ruft ab. Die Gruppen des 1. Zuges finb alle ba. lieber Deckung nach hinten! Die Kochgeschirre rappeln. Wir laufen, was Zeug hält. — In Poel- capelle ist ein tolles Gewirr von Feldküchen, Bagage- wagen, Essenholern, Schanztrupps. Die Feldküche von der 5. Kompagnie hält an ber Brauerei. Humpel hat schon zwei Flaschen Punsch an einer fremben Feldküche empfangen. Ich trinke mit. Das heiße Getränk rennt einem köstlich in ben Leib. Wir finb bie ersten an unserer Feldküche. Das ist viel wert. Wir füllen bie Gefäße unb erhalten Br unb Stollen. „Gibts auch Post?" Freilich gibts Post, ber Schuster bringt sie vor! Er ist schon fort damit. Wir traben los. „Junge, Junge, wenn die Franzosen das wüßten, da gäbs Hackfleisch. das ganze Nest steckt gewimmelt voll." „Worts nur ab, der Abendsegen bleibt nicht aus." Nur aus bem Dorf raus! An ber zerschossenen Kirche vorbei! Die Straße nach Ppern vor. Nur keine Häuser neben sich unb ben Lärm. „Hast bu's gesehen? Natürlich! Paß auf!* Vier rote Blitze brühen Ch—ch—ch—-ch— krach. Vorne auf ben Dorfausgang, wo wir hinwollen. Letzt aber gib ihm!" Wir laufen wie bie Wilden. Zwei Kochgeschirre In jeder Hand, die Feldflaschen bau-
brennen vom Marsch. Ein eigenartiges Gefühl von Kälte, Nässe unb Müdsein in ben Füßen. Dieses scheuß-
roieber sinkt man ein in ben Schlamm. „5te 235." „Parole?" „Bethlehem." ben Graben. „Guckt bie Brüder an! um eine durchlöcherte Karbidtrommel,
garette, sein roter Bart unb bie Nase finb beim Aufleuchten zu sehen. — Jeder ist mit sich allein.
Reben mag keiner. Die Gebauten steigen auf unb tragen uns hinaus aus bem verbreckten Graben vor Ppern. Die warme Stube gestern abenb hinten in Hooglebe beim Bäcker und der hohe dunkle Christbaum in der Kirche, der heute abenb für bie anbern brennen wirb. Unb ganz, ganz ferne, daheim, unsere Stube, so traurig schön, so unendlich glückumwoben alles, was daheim ist. — „Der verdammte Krieg, wäre nur erst ber Krieg am End," sagt plötzlich Reuter. Mit diesen Worten begleitet Reuter jeden Seufzer. Unb bas kann er so schmerzlich sagen, baß es die andern immer wieder verstehen. Wir lachen manchmal über ihn, aber bas ist Verlegenheit von uns. — Er wirb noch lange nicht schlafen können wir anbern finb jünger, ich bin 19 Jahre, was weiß ich vom Leben. — Wir kriechen aneinander, einer liegt bem andern im Schoß, mir wärmen uns wie kleine Kinder, die zusammen im Bett schlafen. Es ist 11 Uhr, um eins muß ich mit Humpel ben Posten ab= lösen. — Der Posten weckt uns. Humpel hat feine Uhr im Stroh verloren. Er stößt mich an, ich soll Licht machen Wir kratzen bas feuchte Stroh weg bis auf ben Lehm. Ich hab sie gefunden. Er kriecht zum Loch hinaus, ich hinterher. Wir strecken uns unb schlagen mit ben Armen. In ben rechten Rippen ist es mir ganz taub. Da hab ich auf ben Patronentaschen gelegen. Ich reibe den Patronengurt am Leib, bas macht etwas warm in ben ßenben. Wir holen aus ben Sch'eßlöchern bie Gewehre und geben auf unfern Stand. Die Abgelösten traben hinweg. Humpel kriegt von seinem Landsmann noch eine Zigarette.
Wir stieren in die Nacht hinein. Der Franzose ist ruhig. Im Graben liegt ein zwei Meter langer Holzrost. Abwechselnd ergeht sich einer daraus, um die Füße zu bewegen. Darunter quatscht bas Wasser. Der Unteroffizier vom Grabendienst kommt. „Guten Morgen, bas verdammte Sauloch bei euch. Jetzt bin ich schon wieder reingetreten. Schmeißt doch mal morgen eine Faschine hinein! „Jawohl, Herr Unteroffizier!" „Habt ihr Verbindung mit 236? Geht mal einer mit hin
vier ßriegs-Weihnachken.
Don W. H o j e n f e l b.
Die erste Weihnacht. 1914 in Flandern. In er ^cht vor hl, Abend marschieren wir die breite Pap- Wrofje von Hooglebe über Westroofebeke nach Poel- “Wle. Da lösen wir immer ab seit bem letzten Sturm 11. November gegen Langemark Anfangs buchten wenn wir nach hinten zogen, jetzt gehts an eine J®ere Front. Aber jebesmal nach einigen Tagen Ruhe roieber vor in den alten Graben, den mir nun ™ gut kannten. Die ersten Fragen, die mir an die n« Un® stellten, waren immer dieselben: Steht unser “ftftanb noch? Habt ihr Zunder gekriegt? Was acht ber Franzmann? Die Antworten waren kurz Kaum, baß bie auf Ablösung roartenben Ka- fraben uns erkannten, waren sie schon über die hintere “Ung im Nachtdunkel verschwunden.
-^Sie sind Heilig-Abend hinten, wir liegen Im Dreck!" 'ensch, bas ist egal, wo wir sind, wenn bloß der bn*^05 ruhig 'st- Weihnachten und Krieg, das paßt . "'cht zusammen." Wir sind an unserm Unterstand gekommen. Es ist noch alles in Ordnung. Die 234er L en stgar frisches Stroh beigeschafft. Wir kriechen er nach &cm andern ins Loch. Die fünf Tornister beiMv °m Kopfende gegen bie Derfchalhölzer. Die bei» fjL finb bie begehrtesten Plätze, aber wir streiten «rft »Hl darum, jeder kommt mal in bie Ecke Der ■ W_Iornifter gehört bem alten Reuter, Ersatzrefervist. F wmfe „Ackerer", aus der Gegenb von Eupen, ber *nrnir?em Hampel aus Schlettstadt im Elsaß, ber brüte Saii |l,ler Erhört bem Pfarrerssohn von Kirchbauna bei ber vierte bem Musketier Hans Büsser aus ber Rrtmrni Don Hersfeld und der fünfte mir. dem Kriegs- Wtött en" Ith b*n diesmal in der Ecke. Eigentlich
" der Unteroffizier Schuh noch zu uns, aber ber hefiiw*1^ mehr bei uns fein, feit er ein besseres Loch > oen hat. Uns ists auch so lieber. — ^•r strecken uns sofort lang aus, man kann ja auch fcZ*gebückt knien, unb bas Liegen tut uns gut Eine keuchtet von einem Konservenbüchsendeckel, ber ^efitfu Runbhälzer gesteckt ist, auf unfere müben lL ;r- „Du, blas ’s Licht aus. wir müssen sparen," EU rmer. „Ich well wer erscht e Rothändel onsteck." ®n sri Hampel bas Feuer unb als bie Kerze roieber L steht, blase ich aus. Es ist dunkel. Die Füße