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Donnerstag, 25. Dez. 1930
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und Herr Dr. Klien von der Sächsischen Regierung ernannt worden.
* Der Reichspräsident empfing den preußischen Ministerpräsident Braun.
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gekommen sein. Während Anhänger des Prinzen diesem zujubelten als er den Bahnhof verließ, veranstalteten politische Gegner eine laute Gegenkund- gebüng unter dem Rufe: „Es lebe Frankreich, es lebe die Republik!" Die Polizei hat etwa 10 Personen verhaftet. Angesichts dieser Vorfälle soll Prinz Louis beabsichtigen, wiederum den bestehenden Landesrat aufzulösen.
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das aus dem Munde jener zu vernehmen, die das deutsche Abenteuer der letzten Monate aus
aus eigener Erfahrung zu gestehen, daß rechte Freude nie von außen kommen kann? Kommt sie aber nicht von außen, so muß sie, es ist keine andere Möglichkeit zu sehen, von innen kommen. Und in der Tat, da innen muß etwas lachen und fröhlich sein, dann ist es das rechte. Lacht es von innen, so hat alles Aeußere seinen absoluten Wert verloren und es kann auch das Kleinste zum Freudenbringer werden. Es lacht aber da innen, wenn man den Frieden gefunden hat. Er ist die
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* Der türkische Finanzminisier Schukri Bey ist aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten.
* Bintila Bralianu gestorben. Aus der Hauptstadt Rumäniens wird gemeldet: Der Führer der liberalen Partei Dintila Bratianu ist auf seinem Gute Mihaesti gestorben. Der Tod des Führers der liberalen Partei ist auf einen Schlaganfall zurückzuführen. Bintila Bratianu hatte das politische Erbe feines größeren Bruders Joan nach dessen Tod im Jahre 1927 angetreten. Joan Bratianu war bekanntlich der Staatsmann, der Rumänien im Kriege politisch geführt und den Aufstieg seines Vaterlandes durch die Friedensverträge zu einem Groß-Rumänien bewirkt hat.
* Gefecht an der abessinischen Grenze. Havas berichtet aus Addis Abeba, daß es an der Grenze von Erythrea zu einem ernstlichen Zusammenstoß zwischen italienischen Askaris und eingeborenen Plünderern gekommen sei. Die Eingeborenen seien zurückgeschlagen worden und hätten etwa 100 Tote und Verwundete auf dem Kampfplatz zurückgelassen. Unter den Toten befindet sich auch der Führer Mohammed Pasin.
* Kundgebungen gegen den Primen Louis von
vinz und Regierungsbezirk S amarinqen 23 Proz., Ostpreußen und Grenzmark Posen Westpreußen 25 Proz., Westfalen 26,5 Proz. und Oberschlesien 29 Prozent.
*• Die neue Zusammensekung des vermal- tunasrates der Reichsbahn. Von dem am 15 Dezember 1930 au« dem Verwaltungsrat der deutschen Reichst abngejellschaft auskche'd»nden Mitalied-rn hat die Reicksregierung die Herren Geheimen Kommernenrat Dr. Klöckner, Re'chsbabndirek- tionsvräsident a. D. Dr. Vitus von Hertel, Staatssekretär a. D. Dr. Carl S t i e l e r "nd Hermann R. M. Mü nckmeyer w eher ernannt. Ferner sind d'e Herren Landrat a D. Freiherr v. W i l m o w s k v, Marienthal bei E-^art-b-rga und Ministerialdirektor Geheimer Rat Dr. Erich Klien, Dresden, neuernannt worden. Herr -,on Hertel ist von der Bayerischen Reut?--na. ^rr
Die Abrüstun g s-Verh andlungen
wtb. Paris. 24. Dez. (Eia. Meld ! Der amerikanische Abrüstungs-Unterhändler Craigie hat ae- stern auf der Rückreise von Rom nach London i n Paris mit dem französischen Vertreter aus der Abrüstungskonferenz Mässigli konfer ert und ihn über seine Besvrechungen mit Mussolini unterrichtet. Wahrscheinlich werden die Verhandlungen zwischen Paris, Rom und London er st nach dem 10. Januar w eder ausgenommen werden Petit Parisien meint, die Besprechung habe ergehen, daß für Frankreich eine Verlängerung der sogenannten Flotten-Pause, d:e Ende Dezember abläuft, nicht mehrin Frage komme. _______
Rach einer Meldung des Petit Journal aus Nizza soll es bei der Ankunft des Prinzen Louis in Monaco zu verschiedenen Kundgebungen
nen brauche, können zusehen, wo sie noch eine Stelle im Lande fänden, um ihre so stimmungsvolle Religiosität zu pflegen.
Danken wir heute unseren Führern, so ist das nicht bloß Galanterie. Nein, es ist auch eine Leistung, eine ganz notwendige sogar. Auch diese Männer sind Menschen. Auch sie sind Stimmungen unterworfen. Auch sie brauchen das Echo des Volkes. Auch sie bedürfen der breiten Woge, die das Schifflein trägt und hoch hinaufhebt. Sie und das Volk, sie gehören zusammen. Immer mehr Volk muß es noch werden. Alle • Katholiken sollten dabei sein, wo es gilt, im öffentlichen Leben die Wache am Allerheiligsten zu halten. Das ist der tief st e Sinn unserer Dankbarkeit.
Er ist wie ein Ballvar ohne Gas. Es ist kein Auftrieb da und kein Lebensmut. Er ist ein Schwergewichts auch, für seine Mitmenschen. Er ist mürrisch und verdrossen, weil er sich betrogen glaubt, wo er sich doch selber betrog.
Bedauernswerter Mensch. Wer ihn doch auf die rechte Spur zu bringen verstände! Es ist so chwer, ihm zu Helsen, weil alles, was man ihm agt, an ein befremdetes Ohr klingt, wie eine Botschaft aus einer Welt, die es ernstlich nicht gibt, wie eine Wohltat, die ihm in Dornen gewickelt ist.
* Aus Anlaß des Deihnachtsfesies sind vom Sächsischen Justizministerium 185Begnadigungen verfügt worden. Dadurch sind größtenteils Gefangene in Freiheit gesetzt worden 07nt Uebrigen wurden Strafen gemildert. Auch Bewährungsfrist wurde in einer Reihe von Fällen bewilligt.
Ein neuer Bund.
Als während des Krieges die Not aufs höchste stieg, gründete man in Ostpreußen die alsbald berüchtigt gewordene Vaterlandspartei, und es gab sogar in Kreisen, die sonst eine gute politische Witterung haben, Leute, die im ersten Augenblick auf dieses neue Gebilde hereinfielen. Kurze Zeit später zeigte sich dann der Pferdefuß: die Vaterlandspartei suchte die daheimgebliebenen Kriegsschreier zu sammeln. Später ist sie sang- und klanglos zusammengefallen.
Jetzt beginnt wieder eine neue Gruppierung von sich reden zu machen, die mit dem sprachlich zwar schlechten, aber gehaltlich gutgemeinten Namen „D e u t s ch l a nd b u n d" firmiert. Das ist die Gesellschaft, die vor wenige-- Tagen die Versammlung im Berliner Sportpalast veranstaltete, in der der ehemalige Seeheld Helmuth von Mücke alles auspackte, was er mit den Nationalsozialisten erlebt hat. Man hat sich begreiflicherweise gefragt» wer die führenden Leute dieses neuen deutschen Bundes sind, aber das erfährt man nicht. Augenblicklich versendet der Bund eine Erklärung, in der er es ausdrücklich ablehnt, zur Einführung die üblichen fünfzig Prominenten mobil zu machen. Das spricht an sich nicht gegen ihn, denn es dürfte schon weiteren Kreisen aufgefallen sein, daß bei uns immer die gleichen Prominenten für alles zu haben sind. Mancher freilich hofft erst dadurch prominent zu werden, daß er den einen ober andern neuen Aufruf unterzeichnet. Aber diese löbliche Erkenntnis des Deutschlandbundes reicht nun doch noch nicht aus, ihn vor der Oeffentlichkeit zu legitimieren.
Was will er? Nach seinen eigenen Worten will er eine lose Vereinigung bleiben und denkt vor allem nicht daran, eine neue Partei zu gründen. Bravo! Dieses dringende Bedürfnis pflegt in Wahlzeiten schon so wie so nicht vernachlässigt zu werden. Aber was will er ? „Durch entschiedene Abwehr des Radikalismus von rechts und von links Deutschland von einer Abenteurerpolitik bewahren und durch energischen Kampf gegen die fortschreitende Verwilderung der politischen Sitten zur Erneuerung des politischen Lebens in Deutschland und damit zur Mehrung seines Ansehens in der Welt beitragen."
Gemeint ist wohl das Anseyen Deutschlands, und gegen solche Ziele kann gewiß kein Gutmeinender etwas einwenden . Aber worin soll die entschiedene Abwehr sich äußern? Wer wird den energischen Kampf gegen die Verwilderung der politischen Sitten führen, und wie will er ihn führen? Wir möchten auf diese Fragen gerne eine möglichst klare Antwort haben. Vor allem wüßten wir auch gerne, wie weit der Deutschlandbund sich auf praktische Politiker stützen kann und wer gegebenenfalls diese Politiker sind. Bei uns in Deutschland pflegen ja selbst über die anscheinend klarsten Begriffe noch Meinungsverschiedenheiten zu herrschen, und was dem einen Verwilderung dünkt, kommt dem andern wie Heldentum vor.
Frieden und Freude
„Frieden und Freude", — da stehen sie, die beiden Wörtlein, schauen her wie zwei Kinder, die. sich verlaufen haben und nun mit weit offenen, verweinten Augen in eine Welt hineinschüchtern, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden können. Die Menschen rennen vorüber und sehen sie nicht. Und wenn sie doch einer sieht, so steht er und glotzt, glotzt dumm und grob, erbittert und beleidigt, daß sich sowas heute noch getraut, um die Wege zu fein, hi doch . . .
„Frieden und Freude", wann sollte man davon sprechen dürfen, wenn nicht am Weihnachtsfeste? Dennoch, man spricht nur zaghaft davon, weil man fürchtet, ungläubig erboste Gesichter damit zu machen. Trotzdem: Sollte es möglich sein, daß die beiden irgendwo an einem Straßenrande sterben und verderben müssen? Ich meine nicht. Das Herz steht ja schon still im bloßen Darandenken. Denn — und daran hakt sich die Hoffnung — es ist ein ewiges Heimweh da nach Frieden und Freude.
Zuerst freilich nach der Freude. Man weiß nur zu Zeiten nicht, wie enge die mit dem Frieden verbunden ist und daß das eine ohne das andere
ist Deutschland gewesen, das gesunde, das arbeitende, das hoffende Deutschland. Unbeirrt von dem Geschwätz da draußen haben die stillen Arbeiter auf den Redaktionen, deren Name meist unbekannt bleibt, wie der des unbekannten Soldaten, die neuen Fragen studiert und dann mit Ruhe und Ueberlegenheit aufgeklärt, gemahnt und ermutigt. Sie haben die große Linie eingehalten, die zum einstweiligen Siege geführt hat.
t Man braucht nicht mit allem einverstanden zu sein, was Presse und Partei tun. Gerade in der Demokratie wird der persönlichen Freiheit der Meinung ein großer (Spielraum ge- ioährt werden müssen. Das gibt aber noch lange nicht das Recht dazu, Verdienst und Erfolg zu übersehen, wenn beides so offenkundig zutage tritt «ie eben heute. Um nur das Eine zu nennen, was nicht nur den politischen Verstand, sondern vor ollem auch das religiöse Herz des katholischen Volkes angeht, welch eine große Schlacht ist in die- Nn Tagen auch für bie Erhaltung der christlichen Lebensauffassung ge sch laßen worden. Man zähle nur die Artikel, die m den letzten Wochen diesem Thema gewidmet Horden sind. Wo waren denn in irgendeiner Presse Aufklärungen darüber zu lesen, wie gewisse neue radikale Richtungen in Deutschland zur Kirche und zum Katholizismus überhaupt stehen? Wenn je, so muß man in Hinsicht fnj die jüngsten Erfahrungen sagen, daß die Zen- Mmspresse wirklich auch die katholische Presse Deutschlands ist, die einzige, die wir haben.
Ruud vier Äonen Arbeitslose.
Die Arbeitsmarktlage im Reich am 15. Dezember.
In der ersten Hälfte des Monats Dezember hat nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung die Zunahme der Arbeitslosigkeit aus überwiegend iah- reszeitl'chen Gründen weiter angeboren, jedoch wiederum nicht dasselbe Ausmaß erreicht wie in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Hauptunter- stützungsempfänger zeigen vom 30. 11. bis 15. 12. eme Zunah me um rund 158000 auf rund 603 000 in der Krifenfürforge. In der entsprechenden Zeit des Vorjahres belief sich der Zugang an Hauvtunterstützung-emvfängern in der Arbeitslosenversicherung auf 233 000, womit am 15. Dezember 1929 ein Stand von rund 1433 000 erreicht wurde. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich am 30. November auf rund 3.7 Millionen (berichtigte Zahl); bei der Zählung am 15 Dezember ergab sich ein Anwachsen um rund 278 000 auf rund 3 977 000. Die entsprechende Zahl Mitte Dezember des Vorjahres belief sich — nach e!ner Zunahme um rund 326 000 — auf rund 2 326 000. Ein nicht genau erfaßbarer Teil der Ueberhöhung der Arbeitslofenziffer gegenüber bem Vorjahr beruht auf bem von ber wirtschaftlichen Not erzwungenen Andrang zahlreicher früher nicht als Arbeitnehmer tätiger Kräfte zum Nrbeitsmarkt.
wahrhaft nicht Jein kann. Darum sucht man noch die Freude allein und tut wie ein Junge, der am Schlehenbusche Aepfel sucht. Man tüt so,, als könne man Freude für sich allein Haben und kaufen. Jawochl kaufen! Es gibt ja Häuser und Geschäfte genug, die sich für Warenstapel der Freuds ausaeBen. Warenhäuser ber „Freude" für klein und groß; Spielwarenläden und Rummelplätze, Kinos und Tingeltangel, Kaffeehäuser und Zirkusse — kurz, einen wahren Hexensabbat von lauter sogenannten Freudenquellen. Da kann man kaufen. Aber auch nur kaufen! Und man kaust; mal hier und mal da und geht herum, wie bei Zigarrengeschäften. Und es geht immer gegen bar und wenn der Geldbeutel nicht beschlagen ist, so wird nichts aus dem Handel. So sorgt man, daß er eben beschlagen ist, wenigstens dafür. Hinterher mertt man bald, daß man zu den Betrogenen gehört und daß Pläsier etwas ist, was mit Freude gar nichts zu tun hat. Um sich zu helfen, verdreifacht, vervierfacht, ja verzehnfacht man die „Portion". Schließlich aber muß einer das Rennen verlieren, entweder der Geldbeutel ober der Mensch. Und bann? Dann zerknittert und verwelkt der Mensch innerlich. Sein Wirken leidet.
Haufen von Phantasten, die heute behaupten, sie wollten jeden Zins abschaffen, und morgen, sie wollten alle unsere Schulden bezahlen, die übermorgen das unabhängige Dritte Reich gründen und dann wieder sich beklagen, es würden bei uns die Paragraphen des Versailler Vertrages wäjI genau befolgt, bann verdanken wir das wieder dem Namen D r. Brüning, der heute bereits ein Symbol für bie ganze Welt geworden ist. Alle diese Männer sind in der Stunde der Not über sich selbst hinausgewachfen. Sie leisten das Unmögliche, an das gestern noch niemand geglaubt hatte. Sie haben die Nerven behalten, als Millionen bei uns sie verloren hat- tig Distanz zu ihnen ge- Ausland gehen, um
. Auch jene Kritiker sollten umlernen, die aus «ner an sich noch so verständlichen Ideologie heraus behaupten, der Katholizismus müsse sich M in Deutschland mehr von der Partei trennen. kJ“* ist doch ersichtlich, wie sehr gerade heute die politischen Fragen mit religiösen auf das Innigste "erblinden sind.
Es ist nicht eine politische Schlacht mit religiösen Wiöen geschlagen worden, sondern im Gegenteil, sind heilige, unveräußerliche reib Use und kirchliche Rechte ausdemBodender oe°n verteidigt und geschützt wor-
Das ist die Sprache der Tatsachen, die etwas öderes sagen als weltfremde Ideologien.
Dhne Zentrum und Katholizismus in jener bei ’ J1» traditionellen Verbindung, ohne die Männer, g 6 ?us diesem durch so große Erinnerungen aus- Michneten Boden hervorgegangen sind, säßen Ml heute bis über die Ohren im religions- 'iindlichsten Radikalismus.
f jene, die die bequemste aller politischen Mkkn vertreten, bei denen es eben daraus hinaus- Eyfr daß man auf dem Boden der Politik
®°er Charakter noch Farbe zu beken-
ber Ferne mitverfolgt haben.
Hier ist auch der Platz, um einmal den Dank des Volkes für die Leistungen der Zen- trumspresse auszusprechen, die in dieser Zeit bewundernswert waren. Im Lager dieser Presse
Vorbedingung der Freude. Dazu aber geht fein anderer Weg, als daß ich wieder zum Kinde werde, d. h. zu einem schlichten Menschen, der einfach alles von sich abschüttelte, was ihm die Welt an falschem Pathos, an verlogener Würbe, an Verstiegenheiten jeglicher Art, an blinden Werturteilen und an überflüssigen Ansprüchen und Bedürfnissen anerzogen und angepredigt hatte.
Der Mensch, der das fertig brachte, — es muß ihm zu Mute sein, wie einem Packesel, Der seiner Säcke ledig ward —, der ist innerlich frei geworden, frei üuch zur Freude. Ihm geht eine Welt auf, die er bis dahin nicht kannte. Weil er sein Inneres in die rechte Ordnung brachte, wird und erscheint ihm auf einmal auch das Außen ganz und gar anders. Wo er vorher ein schmutziges Kindernäschen sah, ist auf einmal ein Spiegel sonniger Fröhlichkeit. Wo er vorher eine Hütte der Armut sah, da steht ihm plötzlich ein Palast der Zufriedenheit. Ein Bettler, der lästig war, wird zu einem Boten Gottes. Eine Blume, die er gleich gar nicht sah, wird im Handumdrehen ein glücksfroh bestauntes Wunder. Sonne, Mond und Sterne, Wald, Wind und Welle sind auf einmal für ihn da und ein Quell weit tieferen Glückes, als alles, was hinter gläsernen Scheiben lockte. Eine Wanderung erschließt ihm nun tausendfache, nie gesehene Schönheit und ein Kinderspiel ist ihm auf einmal nicht mehr läppisch, sondern ein Ding von heilig beschwingter, unschuldiger Seligkeit, das er bestaunen muß. Für das und für vieles andere fiel Hm die Binde von den Augen.
Und nun hat er wieder, wie ein Kind, den Mut zu naiver Freude, zu der ex, obwohl mit Heimweh, sich vorher nicht zu bekennen getraute. Er ist, wie ein Kind, der Freude wieder ganz offen und genießt jede ganz und herzlich, weil ohne schlechtes Gewissen und ohne Furcht vor dem gewohnten bitteren Bodensatz. Er setzt der Freude kein Hindernis entgegen, weil er kein Mißtrauen hat. Er schielt auch nicht int Genüsse bet einen Freude schon nach der andern, ängstlich besorgt, daß sie etwa ausbleiben möchte, weil er aus Erfahrung weiß, daß der echte Freudenborn unausschöpfbar ist. Aus demselben Grunde hamstert er auch keine Freude, weil er nicht weiß, wozu das etwa taugen und nötig fein sollte. Und er macht, grab wie das Kind, auch seine Arbeit zur "Freude. Und selbst hinter allem Trüben sieht er ein Licht. Vor allem aber, weil er unbefangene Augen hat, die nicht bloß nach einer bestimmten Seite ausgerichtet sind, so sieht er viel mehr Möglichkeiten ber Freude.
' Ich weiß, obschon diese Botschaft eine Freudenbotschaft ist, - wird sie dennoch manch einem bitter erscheinen. Kinderei, wird er ärgerlich sagen. Nun, das ist genau, in dem Sinne eine Kinderei, als das Geheimnis des Eotteskindes in der Krippe eine Kinderei war. Es ist in dem Sinne eine Kinderei, als das Leben eines hl. Franz, einer hl. Elisabeth, eines Philippus Neri und tausend ähnlicher anderer auch eine Kinderei war. Warum hatte denn der hl. Franz, der fröhlichste aller Heiligen, die Krippe so lieb? Das muß doch im Zusammenhänge mit seinem Besten gestanden haben! Diesen Zusammenhang auch für sich begreifen und ihn suchen, das heißt Weihnachten recht verstehen und damit Frieden und Freude finden. Und ehe wir die nicht wieder haben, sind wir noch nicht wieder gesund, als einzelne nicht und nicht als Volk.
* Zur Sparfaffenaufroctfung in Preußen. Zu bem von uns am 21. Dezember veröffentlichten Artikel „Endlich Sparkassenaufwertung", werben uns vom Preußischen Finanzministerium noch einmal die Sätze für bie Aufwertung in ben einzelnen Provinzen mitgeteilt: Branbenburg, Stabt Berlin, Schleswig-Holstein unb Hessen-Nassau 17 Proz., Hannover 18 Proz., Nieberschlesien 18,5 Proz., Sachsen 19 Proz., Pommern 21,5 Proz., Rheinpro-
* Kürzung der Pfarrergkhäller. Der Kirchensenat ber Evangelischen K'rche ber altpreußi- scheu Union hat beschlossen, baß auch die Bezüge ber im Dienst ber Kirchengemeinbm und kirchlichen Verbände stehenben Pfarrer. Beamten und Angestellten, entfnrechenb ben Bestimmunaen ber Verordnung bes Reichspräsidenten zur Sickerung von Wirtschaft unb Finanzen, gekürzt werben sollen.
* Der italienische Ge-chwaderslua nach 5fib- amerifa. Die Dienstag früh in Ken11ra gestarteten 14 italienischen SBafferf’ug’euge unter Leitung Balbos finb Dienstag nachmittag 5 Uhr (Ortszeit) in Villa (Sisneros (Nordafrika) eingetroffen.
Vergeßt den Dank nicht!
Von Friedrich Muckermann, S. J.
Gibt es Dankbarkeit im politischen Leben? Die Männer, die die großen Schlachten schlagen, rechne» gewiß nicht mit ihr. Sie tun auch gut daran. qu groß ist bie Zahl ber Neiber, zu groß bie . aafil der Kleinbürger, ber Krittler, der ewig Unzufriedenen. Erstens sind sie kritisch vor ,in£r Entscheidung und erschweren schon dadurch iebe frische Tat. Zweitens sind sie kritisch w ä h - Lnb der Entscheidung. Sie machen die Schlacht nicht mit an der Front, ja nicht einmal in der Aappe. Sie stehen einzig am Scherensern- »ohr der Kritik und nörgeln. Nicht einen ^chuß Pulver riskieren sie. Drittens sind sie tzitisch nach der Entscheidung, und können sie einen vollen Sieg nicht leugnen, so ärgern sie sich doch wenigstens darüber, daß sie es nicht roaren, die ihn erfochten haben. Nur das einfache schlichte Volk ist dankbar, und diesem Dank soll einmal Ausdruck gegeben werden. ' Wenn wir jetzt hoffen dürfen, ein stilles, friedvolles Weihnachtsfest feiern zu können, so verdanken wir das gerade jenen Männern, die zum katholischen Volke gehören, Kaas, Brüning, gtegermalb, Wirth, um nur diese zu nennen. Die große Abstimmung im Reichstag war ein Schlag für den Radikalismus, wie er noch nie einen erlebt hat. Wenn wir vertrauensvoller in die weiteren Wintermonate gehen und der Ueberzeugung find, daß nicht jene Kreise siegen »erben, die Brot mit Handgranaten säen zu können vermeinen, sondern jene anderen, die sich von Vernu nft, von Gerechtigkeit und Liebe von verantwortungsbewußter Arbeit allein Besserung erhoffen, so verdanken wir das hem Idealismus und dem Mut und der Tatkraft jener Männer.
Wenn das Ausland, von dessen Krediten wir nun einmal zur Zeit noch abhängig sind, wieder mit anderen Augen nach Deutschland zu schauen beginnt, wenn es den Eindruck zurückge- ttjinnt, wir seien ein Volk ber Arbeit und der Ordnung, dem man ruhig sein Geld anvertrauen dürfe, nicht aber ein unberechenbarer
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.