Einzelbild herunterladen
 

57. Zahr«

Mittwoch, 24. Dezember 1930

Jlr. 297

Am Vorabend der Genfer Verhandlungen. — Deutschland ver

Was der gefeierte

zichtek im Januar auf den Ratsvorsitz

damit begrünbet wurde, nackaewieien wäre aber der Angeklagte Guth die ten subjektiv gehört hätte, Berufung einlegen.

daß der Auflauf zwar nicht nachgewiefen. daß Warnungen der Beam» wird die Anklagebehörde

Monatlich 1.80 einjchließl. Postgebühr (48 Pjg.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM.. auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Poftschcckk. Frank) a. M 4051.

* Wegen ankifaschistischer Umtriebe zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. Der italienische Son- dergerichtshof zum Schuhe des Staates in Rom urteilte am Dienstag acht Personen ab, die der Teilnahme an einer „Nationalallianz" genannten a n t i f a sch i st i sch e n G e h e i m v e r e i n i g u ng beschuldigt waren. Die Angeklagten Mario Vin- ciguerra und Renzo Rendi wurden zu 15 Jah­ren, der Angeklagte Umberto Gelmetti zu 3 Iah» ren Zuchthaus verurteilt. Die übrigen An­geklagten wurden, soweit sie erschienen waren, frei- gesprochen, während das Verfahren gegen den nicht erschienenen Angeklagten Adolfo Debosis ab­getrennt wurde.

* Bürgermeisterwahl in Hamburg. Der Senat hat für das Jahr 1931 Bürgermeister Rudolf Rotz zum ersten Bürgermeister und Bürgermeister Dr. Karl Petersen zum zweiten Bürgermeister gewählt.

C.N.B. Berlin, 23. Dez. (Eig. Meld.) Während die „Vossische Zeitung" heute früh das Programm der Genfer Völkerbundsverhandlungen noch unter der großen Ueberfchrift: „Ratstagung un­ter Curtius Vorsitz" behandelt, berichtet ein anderes Morgenblatt, daß der Reichsaußenmini­ster den Rat diesmal nicht präsidieren wird. Wir glauben zu wissen, daß diese letzte Darstellung richtig ist. Turnusmäßig steht der Vorsitz uns zwar im Januar zu; in der Wilhelmstraße hat man sich aber die Frage vorgelegt, ob es op- portum sei, daß der Reichsaußenminister den Vor­sitz wirklich ausübt, während wir gleichzeitig in einer Reihe von wichtigen Punkten der Tagesord­nung, vor allem wegen der deutschen Un­terdrückung in Polen, in einer schar­fen Kampf st ellung stehen. Ist der Vorsitz schon rein arbeitsmäßig eine starke Belastung, die die Vertretung der deutschen Interessen beeinträch­tigt, so würde die traditionelle Aufgabe des Vor­sitzenden, auszugleichen und Kompro­misse vorzubereiten und zu empfehlen, dem deutschen Außenminister auch in seiner Ell­bogenfreiheit als Partei zweifellos erheblich hem­men. Auch Dr. Strefemann hat diesen Nachteil des Vorsitzes äußerst unangenehm empfunden, als er seiner Zeit die Frage des Bahnschutzes im Saargebiet durchzukämpfen hatte. Es ist sicher da­mit zu rechnen, daß wir für diesmal auf den Vorsitz verzichten. Für die nächste Tagung steht er England zu. Cs ist wahrscheinlich, daß das Auswärtige Amt in London vorschlagen wird, mit uns zu tauschen. Das würde bedeuten, daß Dr. Curtius dem Rat dann in der Maitagung präsidieren würde. Einen solchen Tausch hat es in der Praxis des Völkerbundes schon gegeben. Man kann also damit rechnen, daß England sich dem deutschen Vorschlag nicht entziehen wird.

Relloggs Reife-Eindrücke.

Er glaubt nicht an Krieg, sondern erhofft Abrüstung.

wtb. New Dork, 23. Dez. (Eig. Meld.) Der frühere Staatssekretär Kellogg, der Vater des Kel- logg-Antikriegspakts, der mit dem Lloydüampfer Bremen von Oslo aus, wo er den Friedens-Nobel- Preis erhalten hat, hier eintraf, erklärte, die v e r-

Die indische Frage.

wtb. London, 23. Dez. (Eig. Meld.) Im Wahl- rechtsausschuß der Konferenz am Runden Tisch verlangten die beiden weiblichen De­legierten, daß den Frauen in Indien wirkliche Gleichberechtigung mit den Män­nern gewährt würde.

amerikanifche Staatsmann Kellogg von feiner Röbel-Europa- Reife an Erkenntniffen mitgebracht hat.

Die Affäre Franzen.

Das merkwürdige Verhalten des Nazi-Winisters.

Ende vergangner Woche ist gleichzeitig in Ber­lin und Braunschweig über den Fall des natio­nalsozialistischen Landwirts Guth und des Braun­schweigischen Nazi-Ministers Franzen verhandelt worden. Es war kein Ehrentag für diesen Mi­nister, der bis vor kurzem Amtsgerichtsrat in Kiel war. Aber in beiden Prozessen ist ein und der­selbe Tatbestand aufgehellt worden, und es lohnt sich, ihn genau zu betrachten. Die „Vossische Zei­tung" berichtet darüber:

Wenn man dem Landwirtssohn Paul Hein­rich Guth aus St. Annen-Oesterfeld in der Pro­vinz Schleswig-Holstein glauben darf, so reiste er am 12. Oktober, einen Tag vor der Eröffnung des neuen Reichstags, die begleitet war von jenen Ausschreitungen in der Leipziger Straße, nach Berlin keineswegs in der Absicht, Fensterscheiben einzuschlagen und Händel mit der Polizei zu su­chen. Wenn man ihm glauben darf, so kam er hierher, um 21 Stück Rindvieh auf dem Schlachthof loszuschlagen. In der Bahn traf er den nationalsozialistischen Landtagsabgeord- neten Lohse, der gleichfalls nach Berlin fuhr. Der junge Herr Guth wünschte sich, dem ersten Zu- sammentreten des Reichstags beizuwohnen. Da aber auf Karten für Zuhörer keine Aussicht mehr

bestand, borgte ihm Herr Lohse von seinen eigenen Ausweisen denjenigen, der ihn a l s L a n d t a g s- abgeordneten zu Freifahrten auf der Reichsbahn berechtigt, einen Aus­weis mit eingeheftetem und gestempeltem Bild des Berechtigten. Damit sollte Herr Gurh sich Eintritt in den Reichstag verschaffen. Das hielt Herr Lohse für erlaubt.

Herr Guth begab sich am 13. Oktober mit sei­nem Ausweis in den Reichstag und verweilie un­angefochten den ganzen Tag darin. Freilich fragte ihn dort niemand nach seinem Ausweis, und er hatte keine Gelegenheit, von dem Dokument Ge­brauch zu machen. Abends traf er, noch innerhalb des Reichstagsgebäudes, mit dem Abgeordneten Lohse wieder zusammen itfib ging mit ihm in die Potsdamer Straße, Abendbrot essen. Im selben Lokal sah er den Minister Franzen sitzen. Dann spazierte er die Potsdamer Straße hinab bis ?um Potsdamer Platz, und als er, sich inmitten einer Menschenmenge vor dem Cafö zwischen Pots­damer Straße und Bellevuestraße befand, wurde der Bürgersteig von der Polizei geräumt.. Statt nun, wie alle andern, weiterzugehen, blieb er ste­hen, bezeichnete sich selbst als Abgeordneten und zeigte den Ausweis. Wahrscheinlich wäre der Polizist'im Drange seiner Dienstobliegenheiten dar­auf hineingefallen, wenn der Landwirt Guth nicht die Dummheit begangen hätte, zu der eingeh«steten Photographie des Abgeordneten Lohse seine eigene Photographie, die er aus seinem Führerschein ge­rissen hatte, zu legen. Da stutzte der Polizist, ver­glich, bemerkte die Unähnlichkeit und brachte den angeblichen Abgeordneten zur Wache Dort blieb er, allen Vorhaltungen zum Trotz, bei seiner Behauptung und berief sich schließlich auf das Zeug­nis des Ministers Franzen, den er in je­nem Lokal gesehen hatte und der telephonisch her­beigerufen wurde. Minister Franzen kam und er­klärte nach dem einwandfreien Zeugnis der Wachr- habenden und eines anderen Polizisten, daß der Festgenommene in der Tat der Abgeordnete Lohte fei. Er fragte noch, was der Abgeordnete denn getan habe, und berief sich auf dessen Immunität. Darauf waren die Postzeibeamten im Begriff, Herrn Guth freizulassen; denn, wie sich einer der Beamten ausdrückte, wenn ein Minister jemanden legitimiert, warum soll man ihm nicht glauben? Dann wäre die Sache ohne Schaden für die Be­teiligten abgelaufen, und der junge Herr Guth hätte daheim in Mählichem Kreise zur allgemeinen Un­terhaltung erzählt, wie er in Berlin mit Hilfe eines falschen Ausweises und einer falschen Legitimie­rung durch den braunschweigischen Herrn Minister die Polizei an. der Nase geführt habe.

Zufällig verlief die Sache anders. Nämlich zu­fällig betrat in diesem Augenblick Polizeimajor Heinrich die Wache. Ihm wurde Meldung er­stattet, und er verfügte, daß der Festgenommene der Abteilung IA auf dem Polizeipräsidium ein­zuliefern sei. Erst als es soweit ernst geworden war, überlegte sich der Minister Franzen, daß fein Versuch, dem andern herauszuhelfen, am Ende doch üble Folgen haben könnte, nahm im letzten Machtstellung in Braunschweig, versucht, den kla- ihn auf.

Die zweite Instanz in Braunschweig hat jetzt aus den Zeugenaussagen vor dem Berliner Schöf. fengericht, wir wissen es aus der Urteilsbewüu- dung des Braun'chweiger Oberlandesgerichts. Aber inzwischen hat Minister Franzen, kraft seiner Machteftllung in Braunschweig, versucht, den kla­ren Sachverhalt zu leugnen, die Braurffchw-iaer sozialdemokratische Zeitung „Volksfreund" an ei­ner wahrheitsgemäßen Berichterstattung zu bin­dern, und er hat in erster Instanz ein Gerichts­urteil erwirkt, das ihm recht gab.

Die zweite Instanz in Braunchweig hat jetzt 'ientscküeden, daß der Volksfreund obigen Tatb-stand veröffentlichen darf. Der Landwirt Guth wurde in Berlin wegen Führung eines falschen Namens und Vorzeigung einer- falschen Legitimation zu 2 mal 150 Mark Geldstrafe evtl 2 mal 10 Tage Haft verurteilt. Oberstaatsanwalt Köhler, der die Anklage auf Landfriedensbruch hatte fallen lchsin, hatte wegen Bannkreisverletzung und Auflaufs zwei Monate Gefängnis und wegen der beiden Uebertretungen vier Wochen Haft beantragt. Ge­gen den Freispruch von der Auflauisanklage, der

seine nationalsozialistische Antrittsrede zugleich. Nicht der Pfarrer Haeuser sprach, sondern der sich stets irrende und von einer Partei zu anderen lausende Politiker und jetzige Nationalsozialist ist fortan das Aushängeschild für den National- fozialismus. Inzwischen hat der Bischof von Augs­burg ein Redeverbot erlassen. Ein gleiches Verbot war schon früher gegen ihn von dem ver­storbenen Bischof von Lingg erlassen worden, als sich Dr. Haeuser im Hugenberg-Lager als Propa­gandaredner betätigte. Wir find aber auch so gegenüber Politikern vom Schlage eines Dr. Haeusers gewappnet, werden nicht nachlassen in unserem Kampfe gegen das völkische Neuheiden­tum und in der Abwehr der nationalsozialistischen Verfälschung der katholischen Wahrheit und Lehre. In ernster Stunde wieder rufen wir: katholisches Volk erwache! _____

Sozialistische Ziele?

In politischen Zeitungen wird eine Rede disku­tiert, die der Polizeipräsident von Berlin, der frühere preußische Innenminister Erzesinski, vor einigen Tagen auf einem sogenannten Sozialisti­schen Abend gehalten hat und in der er nach einem Bericht eines deutschnationalen Blattes für sich und seine Genossen den sozialistischen Staat als Zu­kunftsziel proklamierte. Grzesinski hat sicherlich das Recht, den heutigen Volksstaat nicht nach sei­nem Sinne zu finden und mit seinen Partei­freunden von einer schöneren Zukunft zu schwär­men, die für ihn in einer sozialistischen Republik besteht. Wir kennen diese Weise ja schon von einigen früheren Gelegenheiten her, bei denen gewisse Reichsbannergruppen ihrem Herzen auf ähnliche Weise Luft machten. Aber Herr Erzesinski vergißt, wenn er seinen Träumen ge­wissermaßen öffentlich nachhängt, daß er ein hoher Beamter eines demokratischen Volksstaates ist, der auf einer festen politischen Erundanschauung steht und höchstens bei einem Teile seiner Anhänger sozialistische Auffassungen voraussetzen darf. Herr Grzesinski vergißt auch, wenn er solche Reden hält, daß er mit all seinen Kräften, die gewiß nicht ge­ring sind, für diesen jetzt bestehenden, von ihm in seiner Verfassung beschworenen Volksstaat einzu­treten hat und für keinen andern. Und schließlich übersieht er, daß er diesem Staat, der doch, für ihn die Voraussetzung seines eigentlichen Ideals ist, beträchtlich schaden kann, wenn er durch solche Reden die anderen Träger des Volksstaates stutzig macht oder vor den Kopf stößt. In Preußen z. B., wo Herr Grzesinski als Beamter angefteUt, ist, wäre "der volksftaatliche Aufbau sofort in seinen Grundfesten erschüttert, wenn die Zentrumspartei sich der Koalition versagte.

Die Zentrumspartei aber will nichts von Sozialismus wissen. Das müßte Herrn Grzesinski bekannt sein. Es müßte ihm auch be­kannt sein, daß die demokratische Verfassung in Preußen, die ihm nicht genügt ,aufs äußerste von Kräften bedroht ist, die nach dem Gegenteil von Demokratie rufen. Schließlich und endlich aber gibt ein sozialdemokratischer Minister oder Polizei­präsident, der öffentlich erklärt, daß er eigentlich

eine andere Verfassung wünsche, als die be­stehende, nicht nur seinen Untergebenen ein be­denkliches Beispiel, sondern auch all denen einen Freibrief, die zwar behaupten, als Beamte loyal ihre Pflicht zu tun, diese Loyalität aber mit deutschnationalen oder nationalsozialistischen Auf­fassungen vereinbaren zu können meinen. Es ge­nügt nicht, wenn der Redner in einer Berichtigung, die er verbreitet, feststellt, daß er die schlimmsten ihm unterstellten Sätze nicht gesprochen habe. Was übrig bleibt, ist noch kraß genug. Und es ist so gar nicht in Einklang zu bringen mit der Haltung, die die für die sozialdemokratische Auf­fassung doch wohl maßgeblichere Reichstagsfraktion feit Monaten bekundet. Wir gehen wohl nicht irre, wenn wir den Eindruck haben, daß die Reichs­tagsführer der Sozialdemokratie sehr froh sind, wenn sie mit Hilfe des Zentrums und einiger kleineren Gruppen den sozialen und demokratischen Bestand der Verfassung gegen dep Ansturm der Reaktion und des Radikalismus verteidigen und sichern können. Auch der Berliner Polizeipräsident könnte sich über die Motive solcher Haltung einmal Gedanken machen.

* Anschlag auf den Gouverneur von Pund- schab. (Eig. Meld.) Während einer Feier in der Universität wurden, wie aus Lahore gemeldet wird, auf den Gouverneur von Pundschab, Sir Geoffrey de Montmorency, mehrere Schüsse ab­gefeuert. Wie verlautet, sollen feine Verletzungen nicht schwerer Natur sein. Zwei Polizeibeamte und eine Aerztin wurden ebenfalls verwundet. Zwei Studenten sind verhaftet worden.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Eine „Weihnachlsrede".

i a, ,c ciner Weihnachtsfeier der National- jalisten in Augsburg hat der katholische terrer Dr. Haeuserdie Festrebe gehalten, von vf6 h r Völkische Beobachter" Nr. 300 einen län- KLm Auszug veröffentlicht Weiter kündigt das E**,i an daß der völkische Parteiverlag in Mün- len diese Weihnachtsrebe als Sonberbruck her- Sringen werbe.

wylach bem Bericht des „Völkischen Beobachters'

Pfarrer Dr. Haeuser u. a. gesagt:

Damit das Volk es glaube, daß die beutsche *meaunq ein Unglück unb wir deutschen Männer

Gefahr find, sucht die Mitte dem Volk weis- «imadien, wir seien Feinde der Religion des Chri- kuntums, nicht bedenkend, daß durch solche Metho- ten schon viele Tausende der besten und sittlich Mststehenden deutschen Männer und Frauen — Sr Gottes — aus den Kirchen gedrängt wor- sind. Immer frecher und kühner erschallt von Mitte her diese gegen uns gerichtete Lüge und Verleumdung. Rastlos, mit diabolischer Gier wird M zum Külturkampf, zum religiösen Kampf ge- Mrh natürlich, um bann, wenn der Kampf ent- Mt ist' unö E§en zu können: die politische «echte, die deutsche Bewegung, will den Kultur- fcmttf,' den konfessionellen Unfrieden."

Sie „Augsburger Postzeitung" (Nr. 291 unb 293) hat sich in vornehmer, sachlicher Weise mit dem Pfarrer Dr. Haenser auseinanbergesetzt unb ihm einige Fragen vorgelegt. Sie erklärt, baß Nan Achtung vor bem Eewanbe habe, bas Herr jt. Haeuser trägt, auch Achtung vor ber ehrlichen Heberzeugung eines Mannes, wenn sie auch für «alsch gehalten werden müsse. Doch diese Achtung könne nicht hindern, auch einem Geisllichen öffent­lich zu widersprechen, wenn er sich im Irrtum be­findet unb seine Vorwürfe unberechtigt seien.

Die „Augburger Postzeitung" macht ben Pfar- rer Dr. Haeuser barauf aufmerksam, daß ber Reichstagsabgeorbnele Alfred Rofenberg, der Hauptschriftleiter des „Völkischen Beobachters", dm christlichen Gottesgedanken fortgesetzt be- ichimpfe. Daß der „Völkische Beobachter" in Nr. 105 dieses Jahres das Hakenkreuz als ein Zchchsn der heidnischen Weltanschauung gebeutet hat. Sie erinnert daran, baß sie in einem früheren Artikel geschrieben hat: „Das Symbol ber nationalsozia­listischen Bewegung ist das Hakenkreuz." Das Sym­bol des Rosenberg'schen Kampfes gegen das Chri­stentum unb für fein germanisches Heidentum, den Mythos des Bluts, ist das Hakenkreuz. Diese Identität des Zeichens läßt auf die Identität der Anschauungen schließen. Wir stellen es Herrn Adolf Hitler anheim, das Gegenteil festzustellen und zu erklären, daß das Hakenkreuz der National- 'czialisten eine andere Bedeutung hat als das Hakenkreuz des vom Hauptschriftleiter des „Völ­kischen Beobachters" gepredigten germanischen Hei­dentums "

Adolf Hitler hat eine solche Erklärung noch nicht gegeben. Er hat noch keinen Trennungs­strich zwilchen dem Nationalsozialismus unb der völkischen Weltanschauung gezogen. Dann weist die .Augsburger Postzeitung" nach, daß die völkische neuheidnische Religionsauffassung keine Reaktion auf einen Angriff des Zentrums ist, daß also die berechtigte Abwehr des Zentrums nicht schuld >st an der Feindschaft der Nationalsozialisten gegen die Kirche. Sie verweist auf folgende Stelle .ius einem Artikel ber „Nationalsozialistischen Monats­hefte Nr. 5:

„Allerdings ist an dieser Stelle eines auszu- TOtfjen: der völkische Rassestaat muß einst seine tiefste Verankerung noch in der Religion finden. Erst bann, wenn der Gottglaube nicht mehr mit einem bestimmten Ereignis der Vergangenheit, l°nbern mit dem artgemäßen Tun und Sein des Volkes und Staates wie auch des Einzelnen in immerwährendem Erleben wieder aufs innigste ver- tvoben sein wird, steht unsere Welt aufs neue fest- Segrünbet da."

Mit Recht wird dazu gefragt: Ist das nicht die programmatische Erklärung, daß völkische Weltan- Muung und Christentum sich ausschließen? Der Nationalsozialismus hat sich von diesem völkischen Alheidentmn nicht getrennt. Vielmehr hat Adolf Wer erklärt, daß seine Partei das Instrument M Durchsetzung der völkischen Weltanschauung sei, das vorerst mit Rücksicht auf das „Menschen- material" aus der völkischen Weltanschauung nur t’nige Lehren zur Propagierung herausgestellt wer- füllten. Sind wir Pharisäer, wenn wir diesem Eichen Neuheidentum den Krieg erklären, wenn u bem uns aufgezwungenen Kampf uns zur Nr sitzen?

Aus ber nationalsozialistischen Literatur ber Wften Zeit könnte noch eine Fülle von Beweis- “toterial für die unmögliche Deutung des Christen- unb des Eottesglaubens hier angeschlossen ™«ben. Doch genügen uns diese Einzelbeispiele. r511 schließen uns der ^Beurteilung der „Augsbur- q Postzeitung" voll und ganz an, wenn sie sagt, Herr Pfarrer Dr. Haeuser, dessen Rede im höllischen Beobachter" erschienen ist, wissen müßte, M dessen Hauptschriftleiter Rosenberg die katho- "Hen Geistlichen, seine Standesgenossen, die Kon- raires, die Mitbrüder, beschimpft, daß er sich doch Wtten müßte, in Reih und Glied mit Männern Krämpfen, welche das Christentum und diekatho- Kirche in niedrigster Weife angreifen. Nun £tbe wohl die nationalsozialistische Weihnachts- Dr. Haeusers zu Agitationszwecken von den iatwnalsozialisten überall verbreitet werden. Mehr ein Katholik werde glauben, daß der völkische sMsinmythus ja doch eigentlich christlich sei, da ja §err Pfarrer selbst verlangt, daß man die wntifdjen" Gesetze bejahen müsse, wenn man ^Machten feiern wolle.

t.-Platter Dr. Haeuser ist nicht erst feit heute :£*annt. Er war bislang ber deutschnatio- »i®1? Vorkämpfer gegen Zentrum unb Bayerische J^Partei, hat jetzt bie deutschnationale Fahne Achsen und ist zu den Natio»^lsozia- , übergegangen. Seine Weihnachlsrede war

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stabt Aulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblakk.

antwortlichen Staatsmänner Europas betei­ligten sich nicht an dem dortigen Kriegsgerebe, das eine Folge der wirtschaftlichen Depression fei unb sprächen auch nicht davon, diese Probleme durch ben Krieg zu lösen. Niemanb könne aller­dings voraussagen, daß es niemals w-eder Krieg geben werde. Auf Grund feiner Eindrücke könne er jedoch feststellen, daß es niemals eine Zeit ge­geben habe, da die europäischen Staatsmänner fo viele Schritte unternommen hätten, um eo-en Krieg zu vermeiden und friedliche Mittel zur Besiegung ihrer Kontroversen anzuwenden. Man habe ihm über feinen Eindruck von dem Ausfall der deut­schen Wahlen gefragt und ob die Zustände in Deutschland nicht auf eine Wendung zu einem Konflikt hindeuteten

das verneint, unb wo wäre Amerika, wenn jebermann in ber Welt ernst nähme, was wäh- renb ber amerikanischen Wahlkampagnen gesagt werbe. Die hauptsächlichsten Probleme in Europa seien im Augenblick bie Steuer- unb Rüstungslasten sowie bie Arbeits­losigkeit. Das wichtigste Mittel zur Sicherung gegen ben Krieg sei die Durchsetzung ber Land­rüstung unb er sei ber Meinung, baß die alli­ierten Mächte zur Abrüstung ver­pflichtet seien. Er hege starke Hoffnungen in dieser Hinsicht und glaube, daß bie europäischen Völker biefe Hoffnung teilten. Er fei ber Mei­nung, daß innerhalb 1 ober 2 Jahren eine A b - rüftungsfonferen z stattfinden werde. Aus die Frage, ob er der Ansicht fei, daß Rußland den Frieden bedrohe, erwiderte Kellogg, er schenke solchem Gerede wenig Beachtung.

Flotten-Verhandlungen?

wtb. Paris, 23. Dez. (Eig. Meld.) Der Leiter der amerikanischen Abteilung des Foreign Office, Craigie, dem die Bearbeitung der mari­timen Fragen obliegt, und der sich augenblick­lich i n R o m befindet, wird nach einer Meldung des „Matin" auf der Rückreise nach England in Paris bie in London unb Genf eingeleiteten Verhcmblungen der Mittelmeermächte über eine Einigungsformel in der Flotten- a b r ü ft u n g fortfetzen.