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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ikr. 295

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Äctiendruckerei 1150 und 1151. ::

Sonntag, 21. Dezember 1930.

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57. Wd

Diktatur.

I Anben wir uns früher, als wir noch im Frie- Ik.« lebten und nur gelegentlich von dem absoluti- „ Regiment bei uns oder anderswo die Rede 1unter dem Wort Diktator eigentlich viel ge- Wir kannten von der Lche'e her das eine k andere Beispiel aus der Geschichte, aus dem t *ft,rt -m schon, aber wir selbst konnten uns einen 5-f aior ’n der heutigen '■leit kaum oorttellen Md wußten allerlei von Unfreiheiten, von schlech- in mehr auf die Erhaltung der Monarchie, als das Wohl des Volkes Angeschnittenen Berfa!- rLn aber eine Diktatur, e'.n Regiment oer Ge- i und der Willkür, ja sogar der Rach e, hät- tuir uns einfach nicht denken können. Erst L fjmwälzungen, d>e der Krieg ’n einer Reihe | ,^ropäischer Länder hervorrief, haben uns auch : dem Begriff der Diktatur vertrauter gemocht. Diktatur ist Rache, Grausam^it und eigennützige «eaklion. Ihre Anhänger sind die, die unter «snem andern System irgendw e n i ch t z u r e ch t- aefommen sind, die übergangen wurden und Aenunwiedernachobenzukommenhof-

Die Geschichte der letzten 12 Jahre, die wahr­scheinlich im Weltgeschehen überhaupt eine größere Bedeutung beanspruchen wird, al- ein halbes Jahr­hundert oder mehr vor ihnen, hat uns einige Bei­spiele diktatorischen R""sirens gebracht, von denen wir lernen können. Der ange'ehcnsts Alleinherr­scher, der seinen König ein Schattendasein führen läßt, ist Mussolini, der Führer der Italiener. Mn rühmt ihm manche Eigenschaften nach, um deretwillen er nicht gescholten werden kann: eiserne Willenskraft, Weitblick, Vaterlandsliebe. Aber ist das der eckte Patriotismus, der dos eigene Volk in Ketten schlägt? Gewiß, Mussolini pflegt seinen Willen durchzusetzen. und manche öffentliche Ein­richtung in Italien ist unter feiner Herrschaft aus einem Zustand der Verschlafenheit und des langia- men Verkommens zu einem lebendigen und pünkt­lich funktionierenden Organismus heraufgewachsen. Aber was hilft das, wenn dabei dis Volksrechte Dtrtihnmern und der Bürger nur ein 'chematisch, der Gewalt weichender gehorsamer Untertan ist? Mussolini hat die Presse mundtot gemacht, das Parlament zu einem Gremium von Angestellten erniedrigt und das italienische Volk von der halb- flüggen Jugend an in eine militärische Form ge­zwängt. die mit Volksbildung und nist Kultur und mit Pflege volklicher und heimatlicher Eigenart nicht viel zu tun haben kann.

5m Osten Europas hat sich ein G-neral, Mar­schall Pilsudski, zum Diktator aufgeworfen. Wir Deutschen sind den Polen gegenüber vielleicht nicht immer objektiv genug, und darum wollen wir von den Auswirkungen Pilsudski'scher Diktatur­gewalt bei den deutschen Minderheiten in Polen in diesem Zusammenhang nicht sprechen. Wor­auf mir heute hinzuweisen haben, das ist die ge­radezu viehische Behandlung, die polnische Beamte und Militärs im Namen des Diktators dessen poli­tischen Gegnern haben zuteil werden laffen, als sie, um dem Wahlkampf entzogen zu werden, in der Festung Brest Litows die Gefangenen der Reok- tton waren. Was man ihnen, zum großen Teil HWingefehenen. auch über die Grenon ihres Lan­des hinaus bekannten Männern im Kerker angetan W, geht fast über das Glaubwürdige hinaus. Wir vollen hier die Einzelheiten nicht aufzählen Pil­sudski wollte Diktator werden und darum ließ er eiefe Männer, die vom Volk rechtmäßig zu Ab­geordneten gewählt waren, verhaften, und sie so grausam und unmenschlich quälen, daß man bei «r Schilderung dieser Schamlosigkeiten glauben -vnnte, ein blutiges orientalisches Märchen zu le- M. Das sind die Arbeitsmethoden der Diktatur: Migheit gegenüber wehrlosen Gefangenen, wider- uche Rache gegen Andersdenkende.

und noch weiter im Osten haben wir die kom­munistische Diktatur. Viele Tausende sind ihr M 1917 zum Opfer gefallen und noch fast täglich wen wir nicht nur von Todesurteilen gegen miß-

' 29*11 Gewordene, sondern auch von politischen Muchelmorden und geheimnisvollen Beseitigungen Wersdenkender. Wie sich sonst die proletarische ^Uatur auswirkt, ist bekannt genug. Auch in Ruß- kW spielt viel Rachsucht in die Handlung der /"ünunistischen Regierung hinein, und von Vo ks- Uhten, die sich doch vor allem in der Freiheit der f,v°'"ungsäußerung müssen zeigen dürfen, ^«n^enfalls keine Rede sein.

: i.ist es schließlich in Spanien? Die Dik- tin •Zr‘mo öc Riveras hat dem Lande wahrhaf- !i- x '$’5 G'Ues gebracht. Vielmehr ist es <o, daß tis tv Volk aufgewühlt hat. Wenn es auch rich- sollte, daß die Regierung den jüngsten tu ^"^suck niedergeschlagen und erstickt hätte, f)eirf°ei en a^e Anzeichen darauf hin daß es ober morgen zu neuen Revolten kommen kann denen die Monarchie nicht gewinnen iki/L und der stärkste Vorwurf, den man gegen iip^^oue erhebt, ist der, die Diktatur befürwortet t£jr beschützt zu haben. So richtet sich in iesem . te der Pfeil gegen die Brust dessen, der ihn ab- hötni Deutschland gibt es Leute, die von einer tur das Heil erwarten. Das sind entweder Dinfh “rer ""d Glücksritter, die hoffen, bei einem ♦hie H» ""ch oben gespült zu werden und sich Ifathi Pfründe ergattern zu können, ober Ber- E, Oete, die weder aus der Geschichte, noch aus Hu'/^opöischen Gegenwart lernen. Das ewige Wir h dem starken Mann hat keinen Zweck. »»u,^ouchen keinen Diktator, der die Nation ver- Ej 91 und an den Volksrechten seine Willkür lotibern wir brauchen ein starkes Voll, trnt .ebener Besinnung sich zum Ganzen be- B fiJk. mit eigener Kraft auf freien Scheitern M der Zeit trägt und solange aushält, bis utit Arbeit und sittlicher Kraft abwerfen j Am wenigsten wäre Deutschland mit einer ilr Hitlers gedient, der, wie das Rimd- Iprach feines Vertreters mit einem Sozial­

demokraten dieser Tage bewiesen hat, über die einfachsten volkswirtschaftlichen Begriffe nicht un­terrichtet ist, sondern glaubt, eine Nation mit Phrasen zur Freiheit führen zu können.

Reichsautzenminister inGleiwitz

wtb. Gleiwih, 20. Dez. (Eig. Meld.) Reichs außenminister Dr. Curtius traf Heu e vormittag um %9 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zug zu dem angekündigten Besuch Oberschlesiens hier ein. Oberpräsident Dr. Lukaschek hatte den Mini­ster bereits in Oppeln begrüßt. Der Minister be­gab sich nach der allgemeinen Begrüßung Zunächst in das Haus Oberschlesien, wo die erste Fühluna- nahme mit den Vertretern Oberschlesiens erfolgen wird. Im Anschluß an diese Besprechung finbei eine Fahri durch Oberschlesien statt, die in Lvpeln ihr Ende linden wird, wo heute nachm’ttag eine größere Konferenz anberaumt worden ist.

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Der deutsche Vertreter in Genf. Generalkonsul Völkers, hat dem stellvertretenden Generalsekretär bes Völkerbundes Avenol eine neue, gegen die Vergewaltigung der deutschen Minderheiten in Polen sich richtende Note der Deutschen Regierung überreicht.

Die Note,' die dritte in dieser Sache, behandelt die Vorgänge tnPommerellen undin Posen. Es ist bekannt, daß hier die polnischen Behörden alles getan haben, um die deutsche Stim­menzahl herabzudrücken. Man hat in Pommerel- len und in Po’en zwar nicht so mit Terror ge­arbeitet wie in Oberschlesien, sondern mehr mit dem Mittel, das für das Regime des Pilfudlli- Blocks überhaupt charakteristisch ist: mit einer ge­radezu zynischen Anwendung scheinlegaler Maßnahmen.

Gegen die Kriegsschuld-Lüge.

C.N.B. Jtero York, 20. Dez. (Eig. Meld.) Der in Washington versammelte Vollzugsaus­schuß des amerikanischen Kirchenbun­des, der fast den gesamten amerikanischen Pro­testantismus vertritt, hat in einer Entschließung zur Kriegsschuldfrage die „Christlichen Brüder" in Deutschland versichert, daß er „der Theorie von der ausschließlichen Verantwortung Deutschlands für den Krieg nicht zustimmt." Zur Frage der Annullierung der Kriegsschulden und der Repara­tionen wurde feftgestellt, daß man an solche Fra­gen Herangehen sollte vom Standpunkt der ch r t st- l' chen Brüderschaft und nicht vom Gesichts­winkel des engen Interesses irgendeiner Nation.

Cs ist dies das erste Mal, daß eine offizielle und leitende kirchliche Körversckaft des Auslandes so offen und unmißverständlich gegen die Kriegsschuld lüge Stellung nimmt.

Ferien im Landtag.

Der preußische Landtag hat am Freitag, nach der Ablehnung der Mißtrauensanträge, die erste Lesung des neuen Haushalts abgeschlossen, der be­reits von Anfang Januar an im Ausschuß vorbe­raten wird. Finanzminister Dr. Höpker - Aschoff ging auf die in der Debatte gestellten Fragen ein und erklärte u. a., die Reichsregierung habe deshalb von einer Staffelung des G e- haltsabzuges abgesehen, weil sie gar keine Gehaltskürzung, sondern eine Angleichung der Bezüge an die zu senkenden Lebenshaltungs­kosten herbeiführen wolle. Preußen sei an das Reichsrecht gebunden. Scharf polemisierte er ge­gen die Nationalsozialisten, deren Sanierungs- rezept sich als wirkungslos erweisen müßte, dabei der von ihnen verlangten V e r st a a t - lichung der Banken sich zeigen würde, daß der größte Teil des Kapitals gar nicht den Banken gehört. Das nationalsozialistische Programm sei nur eine Irreführung der Leute, die von finanzwirtschaftlichen Dingen nichts verstehen.

Ganz merkwürdige Redensarten führte zuletzt noch der im höchsten Greisenalter stehende und frü­her als Staatsmann von hohen Qualitäten ange­sprochene G r a f P o s a d o w s k y, der jetzt im La­ger der sogenannten Aufwertungsparteien steht Er führte aus,

die Wurzel allen liebele, auch der druckenden Repa­rationelast, sei die Inflation. Dae Verlangen nach einer Untersuchung, welche verbrecherischen Ele­mente die Inflation hervorgerufen haben, sei vom Reiche­kanzler kalt abgelehnt worden. Dadurch stellt sich der Kanzler vor die verbrecherischen Elemente. (Ruf- linke: Vor Hugenberg!). Ich könnte viele Namen nen­nen, vor allem S t i n n e e, der allee an sich riß und damit ein. riesiges Vermögen verdiente. Die Ablehnung der Untersuchung durch den Kanzler ist unter einer ganz unmöglichen Begründung erfolgt Ee müßte möglich sein, die Verbrecher festzustellen, die die Inflation künstlich gemacht haben. Notwendig wäre nur, daß die Unter­suchung nicht durch parteipolitische Rücksichten beeinflußt wird.

Der Etat wurde dem Ausschuß überwiesen mit den dazu vorgelegten Anträgen. Nachdem noch ein Antrag gegen die Stillegung der Wenzeslaus- Grube in Schlesien angenommen war, vertagte sich das Haus auf den 27. Januar.

ReichskagsprWM und Zollbeamter.

Das Zollamt Stuben liegt im bayerischen Hochgebirge fünf Kilometer von der nächsten Bahn­station Tegernsee entfernt. Ein Omnibusverkehr besteht nur im Sommer. Alle Lebensmittel müssen von dem 1,5 Stunden entfernten Dorf Krauth geholt werden. An die Zollbeamten dieser Grenz­station hat Reichstagspräsident Löbe nach Mittei­lung der Deutschen Beamtenbund-Korrespondenz folgendes Schreiben gerichtet:

„Meine sehr geehrten Herren! In den letzten Tagen habe ich zweimal Ihre Station passiert und dabei Gelegenheit gehabt, zu beobachten, in welch loyaler und vorbildlicher Weise Sie die

Ihnen obliegenden amtlichen Aufgaben erfüllt ha­ben. In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des österreichisch-deutschen Volksbundes hatte ich nämlich jahrelang Klagen darüber be­kommen, daß unsere Beamten so selten beachten, daß Oesterreich und Deutschland doch nur gegen den eigenen Willen und durch die Gewalt der Gegner zwei Staaten sind. Um so mehr hat es mich gefreut, zu sehen, daß an Ihrer Grenze von dergleichen Mängeln nichts zu spüren ist, sondern daß Sie im Gegenteil die Passanten aus beiden Ländern mit einer großen Zuvorkommenheit und Freundlichkeit behandeln. Ich denke dabei besonders an den Herrn, der am Freitag, dem 8. August, nachmittags 5 Uhr, Dienst tat und den Reisenden die tröstliche Wetterprognose mit auf den Weg gab, sowie an den Herrn, der am Montag, dem 4. August, mittags um 12 Uhr die amtlichen Erkundigungen nach zollpflichtigen Sachen einzu­ziehen hatte.

Ich wollte nicht unterlassen, wenn oft von anderen Ihre Handlungsweise gefabelt wird, in diesem Falle Ihnen ausdrücklich meine Freude über diese Ihre Tätigkeit auszusprechen.

Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Löbe."

Mr Sachlichkeit und Gerechtigkeit.

Em Appell an die öffentliche Meinung.

Reichskanzler Dr. Brüning hatte in Gegenwart des Innenministers und des Postministers eine B e- s p r e ch u n g mit Vertretern der Beamten- organisationen. Er erinnerte daran, daß er bereits im Reichstage versprochen habe, für die Erhaltung eines pflichttreuen Beamtentums ener­gisch einzutreten und alle unberechtigten Angriffe von ihm abzuwehren. Gerade in der heutigen schweren Zeit müsse das Berufsbeamten­tum die zuverlässigste Stütze des Staates fein. Die Beamten könnten mit vollem Rechte von der Allgemeinheit mehrVerständnisfür ihre Tätigkeit verlangen. Die Regierung baue weiter auf den opferbereiten und dienstfreudigen Geist der Beamtenschaft. Nur wenn diese weiter unverdrossen und ihre ganze Arbeitskraft dem Staate gäben, werde man die schwere Notlage überwinden kön­nen. Es sei unverantwortlich, daß vielfach den Beamten ihre Entlohnung, die nur einer angemessenen Lebenshaltung entspreche, miß­gönnt werde. Die heutigen Bezüge reichten nur bei sparsamster Wirtschaftsführung aus. Die Be- amterischast habe nicht die Möglichkeit, ihre Bezüge tariflich zu regeln und den jeweiligen Wirtschafts­verhältnisfen anzupassen, was bei Konjunktur­schwankungen den Beamten unmöglich sei. Die Sanierung der öffentlichen Finanzen habe eine G e- haltskürzung erfordert, die bei der in ge­wissem Umfange gesteigerten Kaufkraft des Geldes begründet erscheine. Im Interesse der Beamten liege es, daß bei gesicherten Staatsfinanzen ein etwas verringertes Gehalt gezahlt werde, als bei zerrüttetem Staatshaushalt die Zahlung eines unveränderten Gehaltes mehr als zweifelhaft sei. Der Reichskanzler ver­sicherte, er werde jeden unberechtigten Angriff von der Beamtenschaft abzuwehren wissen, und die Be­amten könnten zur Regierung volles Vertrauen haben. ______________

Ein sensationelles WudsÜ-Worl.

Die rücksichtslose Demagogie, m't der die P o - ' e n wider besseres Wissen die Zerreißung Ober­schlesiens bei den Friedensverhandl'mgen betrieben haben, wird schlagartig durch ein Wort ihres jetzt ''rank nach Madeira gereiften Marschalls Pilstidski beleuchtet. Vor mehreren Monaten war ein An­gehöriger der chr-stlich-demokratifchen Parte: in erster Instanz zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden, we'l er behauptet hatte, daß Pilsudski im Jahre 1919 den polnischen Oberscklesiern, die ihn um Geldhilfe baten, diese Hilfe versagte und ihnen zurief: „Es gelüstet euch nach Schlesien. Aber Schlesien ist doch eine uralte beutfehe Kolo­nie". In der erst-n Verhandlung war der Wahr- he'tsbeweis den Beschuldigten mißglückt. Anders in d-r zweiten Instanz!

Bei der Berufsnerhandlung in Kaitowitz ec= ‘Irrten ein» arccke Anzahl nn” e>.„„ori mehrere Abgeordnete. unter C! d, daß sie b'efe Worte des Marschalls mitanaehert hätten. Pil- fud«k' habe die schlesischen Abgeordneten immer rücksichtslos abgewiesen und dabei einmal auch die >n Fran- stehenden Worte ansgeftirodjen

Das polnische Gericht in Kattowitz, das sich schon während des zweiten Ulitz-Prozesses durch die strenge Rechtlichkeit feiner Entscheidungen ausge­zeichnet hat, nahm auf Grund dieser Zeugenaus­sagen als wahr an, daß Pilludski im Jahre 1919 ieben polnischen Anspruch auf Oberschlesien a b ge­rn i e se n und ganz Obersckl-sien als eine uralte deutsche Kolonie erklärt habe. An dieser gerichtlichen Feststellung kann auch e n sicher zu er­wartendes amtliches Dementi nichts ändern. We­der einmal ist die innere LüaenHastigkeit der chau­vinistischen volniscken Annektionsforderungen der Welt gegenüber entlarvt. Um dieser Lügen willen sind Zehntaufende aus ihrer angestammten Heimat oer’agt worden, haben Tausende ihr Leben gelassen! Es gibt keine grimmigere Satvre auf den Frieden von Versa’lles mit se'nen angeblichen Völ­kerbefreiern und Weltbeglückern, als die gerichtliche Festnagelung der wahren Ueberjeugung des pol­nischen Blutdiktators.

* Rykoff feines Postens enkhoben. Aus Mos­kau wird gemeldet: Die Zentralexekutive der Sow­jetunion enthob den Vorsitzenden des Volkskom- miffarenrates der Sowjetunion Rykoff feinem Wunsche gemäß seines Postens und ernannte Mo- lotoff zu feinem Nachfolger.

* Viscount Willington zum Dizekön’g von In­dien ernannt. Der König von England hat den bisherigen Generalgouverneur von Kanada, Vis­count Willington, zum Vizekönig und General­gouverneur von Indien als Nachfolger Lord Jr- wins ernannt.

Aazr -Pläne.

Aus Berlin wird der .,K V." geschrieben:

. Während die National’ozialisten im Reichstag immer mehr ihr kirchenfeindliches Herz offenbaren, und der Graf Reoentlow feiner Genugtuung dar­über Ausdruck g:b , daß die katho ifche Jugend an­geblich aus der Kirche marschiert «das war irotz aller Korrekturen der eigentliche Sinn der Bemer­kungen des nationalfozialistifchen Abgeordneten), bemühen sich die nationallo-ialiftifchen Agitatoren unter Verschleierung ihres wahren Charakiers in katholischen Kreisen Fuß zu fassen. Die Parteilei- ung hat einen besonderen Plan für die Agitation in der kathosifchen Wählerschaft ausgearbeitet. Ob­gleich die Mittel ziemlich -primitiv sind und zug- krältigzs Material nicht zur Verfügung steht, glau­ben die Nazis doch-an einen Erfolg.

Um den schwierigen Nachweis zu tühren, daß man als Katholik gut Nationalsozialist fein könne» beabsichtigen sie, die Namen von Katholiken in ihrer Presse zu veröffentlichen, die angeblich der Partei angehören oder sich gelegentlich einmal sym­pathisch über die nationalsozialistische Bewegung geäußert Haden. Besonders haben sie es auf die Namen katholischer Geistlicher abgelehen, die ihnen angeblich nahe stehen oder mit ihnen sympathisie­ren. Diese Liste wird sicher dürftig ausfal en. Ebenso soll die katholische Presse nach Sympathie­äußerungen oder wenigstens Anerkennung für die Nazis genau beobachtet und die entiprechenden Zi­tate 3urammengefteIIt werden. Auch hier dürfte die Auslese äußerst gering werden. Immerhin hoffen die Nazis, auf diese Art beweisen zu kön­nen. daß sie auch in katholischen Kreisen Sym­pathie finden. Gewiß sinh auch katholische Wäh­ler den Nationalsozialisten ins Garn gegangen, und unter den 107 nationalsozialistischen Abgeord­neten bezeichnen sich nicht weniger als 26 katho­lisch. (Auch ein Dissident sitzt in dieser angeblich für das Christentum schwärmenden Fraktion.) Sie selbst aber erkennen an, daß der katholische Volks­teil für ihre Zwecke der schwierigste ist und organi­sieren deshalb einen be’onberen Feldzugsplan. Ne­ben der Gewinnung neuer Mitglieder hoffen sie auch, etwaigen Maßnahmen kirchlicherleits zuvor­zukommen, indem sie auf ihre angebliche große katholische Anhängerschaft verweisen. Auch r,:t Klebezetteln, Klebemarken und ähnlichen Mitteln soll gearbeitet werden.

Mehr Beachtung als diese Dinge verdient das Bestreben der Nationalsozialisten, in katholi­schen Vereine n Zellen zu bilden. Es soll Sta­tistiken geben, die nachweifen, wie diese Zellpnbik- bung kn katholischen Vereinen besonders in Süd- und Westdeutsckland vorgeschritten fei. Die Natio­nalsozialisten rühmen sich, auch in den katholi- scken Gesellenv-reinen Fuß gefaßt zu haben. Ihre Mitteilungen darüber, wie überhaupt ihre Angaben über den Erfolg ihrer Propaganda in katholischen Vereinen sind mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Sie sind maßlos übertrieben ober entbehren so­gar ganz der Grundlage Nicht zu zweifeln ist aber an dem Willen der Nazis, auch in die katho­lischen Vereine einzudringen, um von innen her­aus ihr Zerstörungswerk zu beginnen. Nennens­werte Erfolge können sie gewiß nicht buchen, aber der Feldzugsplan liegt vor, und es ist unsere Auf­gabe, ihn zu durchkreuzen.

Kapitänleutnant v. IRiid’e über die National­sozialisten.

In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" wird berichtet:

Kapitänleutnant v. Mücke, der Führer der „Emde n" und der „A y e s h a" im Kriege, sprach in der mit großen Säulenplakaten angekündigten Versammlung im Berliner Sportpalast über seine Erfahrungen in der Nationalsozia­listischen Partei. Ehe er in der überfüllten Versammlung zu Wort kam, erklärte der Vertre­ter des als Veranstalter zeichnenden „Deutfchland- bundes". Dr. Foehr, daß der Bund die demokra­tische Verfassung verteidigen u: b den radikalen De- magogen von links und rechts bas Handwerk le­gen wolle.

Kapitänleutnant v. Mücke schilderte zunächst seine Tätigkeit in der Nationalsozialistischen Partei, in der er immer neben dem nationalen auch den sozialistischen Gedanken scharf betont habe. Allmählich fei jedoch in der Partei alles gefal­len, was mit Sozialismus zu tun halte, übrig» geblieben sei ein marktschreierischer Na-

Kapitänleutnant a. D. von Mücke.

SWW