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Maria wartet...

Von Michel Becker-Köln.

Die Sterne gingen schon auf Fahrt, Marm lächelt vor sich hin Und Gottes tiefe Gegenwart Geht wie Gesang durch ihren Sinn.

Der Mond hängt weiß im alten Baum, Moria lauscht sich in den Schoß, Um Windeln näht sie manchen Saum Und hört des Vaters Stimme groß.

Die Nacht ist still und abgrundtief, Maria spricht mit ihrem Kind, Das leise pochend in ihr rief Und fragt, ob wir gerüstet sind.

Zad Friede auf Erden den Menschen"

Von Gertrude Schultheiß.

war ein höchst unzeitgemäße Erscheinung in der kleinen rheinischen Stadt, der alte Herr mit dem straffen, weißen, nach Pagenart geschnittenen Haar, dem hoch­geschlossenen dunklen Rock und dem grauen Seidentuch tzgs er um den Hals geschlungen hatte. Man hätte ihn sür einen Pfarrer halten können. Er war aber ein Men- chenalter lang Lehrer im Städtchen gewesen und lebte nun in Ruhe und Beschaulichkeit, von allen geschätzt und nerchrt, selbst von solchen, die ihn früher gefürchtet ha­ben mochten.

Nach unzeitgemäßer als seine äußere Erscheinung war seine gewohnte Antwort, wenn er nach seinem Befinden gefragt wurde „Zufrieden!" lautete die Antwort Mer in dem einen Wort lag die ganze Seele offen. Cs ist schade, daß das gedruckte Wort den vollen Herzens- fOtI nicht wiedergeben kann, der in diesem „Zufrieden" lag. Die Uneingeweihten horchten erstaunt auf. Aber alle, die den alten Herrn kannten, wußten im Voraus Bescheid und dies „Zufrieden" ging wie ein geflügeltes Wort von Mund zu Munde.

Wie selten hört man heute noch jenes Wort! Es gibt nur ganz wenig Menschen, die mit voller Herzensüber- feugung ohne Vorbehalt, ohne Einschränkung, ahne Wenn" und „Aber" sagen: „Ich bin zufrieden!"

Zufrieden sein, heißt Frieden haben in seiner Seele, froh und dankbar genießen, was Gott gegeben hat, frei sein von unerfüllbaren Wünschen, nicht neidisch chielen über des Nachbarn Zaun, ob er nicht mehr vom glück begünstigt ist als man selber.

Das Gotteskind brachte den Frieden aus die Erde. Doch der Friede des Herzens kommt nicht ohne unser lutun. „Friede den Menschen, die eines guten Willens inb." Wir müssen den Frieden wollen, wir müssen mdi ihm streben. Nur der, dessen Herz dem Frieden geöffnet ist, der wird seines Segens teilhaftig.

Und unsere Zeit mit ihrem Unfrieden, mit ihrem hasten und Jagen und Rennen? Ob nicht auch von ihr die Worte gelten: „Ach. wenn doch auch du erkenntest, '»s dir zum Frieden dient"?

Die Heilige Schrift berichtet, wie vor grauen Zeiten die Menschen daran gingen, einen Turm zu bauen, des­sen Spitze bis an den Himmel reiche. „Und Gott ver­wirrte ihre Sprache, daß sie einander nicht mehr ver­standen."

Ist das nicht ein Bild unserer Zeit! Wir bauen einen Turm, der bis an den Himmel reichen soll. Die mo­derne Technik leistet Riesenhaftes. Sie baut Hochhäuser mit ungezählten Stockwerken; sie schlägt Brücken über die breitesten Ströme. In immer kürzerer Zeit durch­messen die Riesenschiffe den Ozean. Im Luftschiff über­queren wir Welten. Der Mensch steigt hinab in den Echlund der Erde und er stellt Höhenrekorde auf, ja, er versucht Botschaft zu senden an ferne Himmelskörper.

Aber Gott verwirrt die Sprache, daß die Menschen einander nicht verstehen. Trotz Völkerbund und Frie­densliga gibt es keine Verständigung zwischen den Na­tionen. Ja, innerlich desselben Volkes sprechen wir

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Beilage zur Fuldaer Zeitung

tausenderlei Sprache. Die Parteien, bekämpfen sich ge­genseitig bis aufs Blut; die Schichten, die Stände hassen und beneiden einander. Selbst in den Familien ist häu­fig genug die Sprache verwirrt, sodaß die Ehegatten sich nicht verstehest, daß die Alten anders reden als die Jungen, die Jungen anders als die Alten.

„Da helfen keine Sprachstudien, da" hilft nicht Espe­ranto und Volapük. Da Hilst nur eines: Das ist die Liebe.

Das Gesellschaftskleid von 1931.

Wenn auch in fast allen Städten die großen öffent­lichen Festlichkeiten dieses Winters abgesagt sind, so w'rd doch in geschlossenem Kreis noch manche Geselligkeü stattfinden und die Schaufenster reden nur zu deutlich vorn G^ellschaftskleid dieses Winters.

Es trägt fein Gepräge nicht mehr vom Girltyp. der die Mode der letzten Jahre bestimmte, sondern von der vornehmen Frau mit gemessenen Bewegungen und gro­ßem Aufwand Während die Musterungen der Stoffe zum Tageskleid fast durchweg Arbeitskleidcharakter tra­gen und uniformierend wirken, zeigt sich im Abendkleid ein Luxus, der aus reicheren Ländern zu stammen scheint, aus denen die Mode kommt und in schroffem Widerspruch steht zu unserer Sage. Selbst echter Schmuck in ganz neuartiger Fassung gehört zur Ver­vollständigung des Gesellschaftskleides und wenn man im Interesse der schwer dorniederliegenden Pforzheimer Industrie und kunstgewerblicher Kreise dies begrüßen mag, so fragt man sich doch erstaunt, wie dies Spiel der Mode gerade heute möglich ist.

Brokatstoffe und Spitzen entfalten sich in selten da- gewesener Pracht mit großem Stoffaufwand und lasten die Schönheit langer, wallender Kleider, ja selbst der für immer verschwunden geglaubten Schleppe, erscheinen. Daß in der Wahl der Stoffe, die in ihren fließenden Falten nur zu leicht die Formen prägen, Vorsicht von­nöten ist, zeigt uns die Tendenz der Durchsichtigkeit der Stoffe, nachdem selbst durchsichtiger Samt in Mode ge­kommen ist.

Die Verhüllungstendenz der heutigen Mode offenbart sich in der Fülle phantasievollster Umhüllun­

gen wie Capes, Schals, Boleros, pelzverbrämt, gestickt, ein Spiel von Formen und Farben, und in dem modisch wieder möglich gewordenen Aermel am Gesellschaftskleid. Gleichzeitig aber erleben wir Ausschnitte von einer De­kadenz, die umso herausfordernder ist, als sie gesteigert wird durch den Stoffaufwand, der sich gleichzeitig ent­faltet.

Die vornehm und sittlich denkenden Kreise haben des­halb gerade in der heurigen Mode die besondere Auf­gabe, jene Linie herauszuarbeiten und in der Mode füh reud werden zu lassen, die dem Charakter der vornehmen Frau und einer reinen Jugend entspricht.

Es war daher sehr zu begrüßen, daß sich in München auf Einladung des Katholischen Frauenbundes zu Be­ginn des Winters die Damen des dortigen Philistertums der katholischen Studentenoerbände des C. V. und des K V., zusammenfanden, um nach einem orientierenden Modevortrag und an Hand reichen Bildmaterials fol­gende Grundsätze zur Gesellschaft smode zu erarbeiten:

Die Modevorlagen der Gesellschaftskleidung dieses Winters bewegen sich in zwei extremen Richtungen, von denen eine die Möglichkeit gibt, sich ganz modisch uvd durchaus entsprechend christlichen Grundsätzen zu kleiden. Cs ist Vervflichtung, die Verhüllungstendenz, die in der heutigen Mode liegt, praktisch auszunützen.

Die Ueberwindung des ärmellosen Kleides ist durch die Mode gegeben und muh konsequent als Linie von uns durchgeführt werden.

Die andererseits unter Mänteln, Capes und Schals sich bergenden Ausschnitte weisen einen Grad der Deka­denz auf, die nicht scharf genug von uns abgelehnt wer­den kann, so der Armausschnitt bis tief unter die Arm- wurzel, der tiefe Rückenausschnitt. Beides ist auch vom modischen Standpunkt aus vermeidbar und muß von uns verantwortungsbewußt vermieden werden.

Aehnliche Gefahren tragen die Spitzenstoffe in sich, die besonders deutlich beim tiefen Spitzensattel (Goller) zum Ausdruck kommen. Daß der aus dem Harem stam­mende geteilte Rock, auch als Karnevalsanzug, abge­lehnt wird, ist selbstverständlich.

Die Fülle der schönen Stossarten macht eine große Auswahl möglich, bei der die Art der Verwendung ver-

Deutschlands erste Meisterinnen der Hauswirkschaft.

Frau Loheyde, Arau Jockel. Iran v. Scheidt, Frau Pfokenhauer, Irl. Heine.

In der Wirtschaftsschule des Landesverbandes Deutscher Hausfrauenvereine fand die erste Prü­fung der Anwärterinnen auf den Meistertitel statt. Die Hausfrauen-„Gesellinnen", die eine Is^jäh- rige Ausbildung genossen hatten, machten mit Glanz ihr Meisterstück.

NILS

19. Dezember

mieden werden muß, welche die Formen zu sehr prägt.

Die ungeheure Not weiter Volkskreise mahnt uns der in der diesjährigen Mode hervortretenden Luxustendenz eine weise Maßhaltung entgegenzustellen.

Weihnachlskuchen.

Bufterfudjen.

% Pfund ausgelassene Butter wird zu Sahne gerie­ben, dann mit 5 Eiern vermischt. Man gibt ferner 200 Gramm Zucker, 80—100 Gramm geriebene Mandeln und die geriebene Schale einer Zitrone, etwa y4 Liter Milch V/i Pfund gutes Weizenmehl und 40 Gramm aufgegan­gene Hefe dazu. Eine Prise Salz ist nicht zu vergessen. Der Teig muß ziemlich weich fein und sehr glatt geschla­gen werden, worauf man ihn aufgehen läßt. Dann rollt man ihn dünn aus, legt ihn auf ein mit Mehl bestäubtes Blech über ein mit Butter gestrichenes dünnes Fettpapier, sticht die Oberfläche oftmals mit einem spitzen Messer an, streicht nochmals mit Butter, streut mit Zimmt gemisch­ten Zucker und gestoßene Mandeln darüber und backt die­sen ausgezeichneten Kuchen bei ziemlicher Hitze gar.

kartofselkuchen.

Ein einfacher Kartoffelkuchen wird wie ein Hefeteig bereitet, nur daß man nicht so viel Mehl nimmt, sondern statt dessen einen großen Teil gekochte, kalte, geriebene Kartoffeln. Der Kuchen wird mit kleinen Butterstückchen belegt und noch warm mit Zucker bestreut.

Speckkuchen.

Heber ein Blech mit dünn ausgerolltem Hefenteig be­legt, streicht man dünn geschlagenes Eigelb, worauf man die Fläche dicht mit feinen Würfeln von schwach geräu­chertem, fetten Speck und etwas Kümmel bestreut. Man backt ihn halb gar und gießt eine Obertasse saure Sahne darüber. Die gebräuchlichste Art der Speckkuchenzube­reitung ist aber diese: Man geht zum Bäcker und läßt sich von diesem Brotteig geben, der dünn auf ein Kuchen­blech gelegt wird. Feingeschnittene Speckwürfel streut man dicht über den Teig, auch eine Handvoll Kümmelkörner. Mit etwas Salz verquirlte Eier, etwa 6—8 Stück, wer­den darüber gegossen und der Kuchen im Backofen gar ge­backen. Dieser Kuchen wird warm gegessen.

Zwiebelkuchen.

Der Zwiebelkuchen, der ebenfalls warm gegessen wird, wird wie Speckkuchen bereitet, nur daß statt des Küm­mels viel geschnittene Zwiebeln über den Speck gestreut werden und man statt der Eier den Kuchen mit einem halben Liter Sahne übergießt.

Die Frau in der Küche.

Pommersche Gänsesuppe. Für 4 Personen, 2 Stun­den. Zutaten: 1 Gänseklein (Hals, Flügel, Herz und Magen), 1)4 Liter Fleischbrühe, hergestellt aus 8 Mag­gis Fleischbrühwürfeln, 1 Zwiebel, 200 Gramm Teltower Rübchen, 50 Gramm ganz seine Perlgraupen, 400 Gr. in Würfel geschnittene Kartoffeln, Salz. Zuberei­tung: Das in Stücke zerlegte Gänseklein wird mit der Zwiebel in der Fleischbrühe 1 Stunde gekocht, dann gibt man die geputzten Teltower Rübchen und die Perlgrau­pen hinein und, nachdem diese )4 Stunde gekocht haben, die in Würfel geschnittenen Kartoffeln hinzu, schmeckt mit Salz ab und gibt die Suppe, wenn alles gar ist, als sättigendes Mittagessen. M. A.

Vrakkische Winke.

wie erhält man den Christbaum frisch? Um bas frühe Abfallen der Nadeln am Christbaum zu vermeiden, stellt man denselben vor dem Schmücken einige Tage in einen Eimer Wasser, dem man einige Handvoll Kochsalz zuge­fügt hat. Zweckmäßig ist auch ein Ständer mit einem Wasserbehälter, dessen Wasser täglich nachgefüllt werden muß. In Ermangelung eines solchen tut auch ein nasser Schwamm, den man in den Ständer steckt und der immer feucht gehalten werden muß, gute Dienste.

Weihnachten allerorten ...

Kulturgeschichtlicher Bilderbogen.

Bon Emmy Ficus.

1. Bratäpfel.

Weihnachten! Uraltes, geheimnisvolles Fest, aus heidnischer Urgermanenzeit mit dem christlichen Fest der versöhnenden Liebe zur Harmonie verwoben! Aus Wintersonnenwende und Iulfest wurde Christi Geburt. Aus Nacht und Not strahlte sieghaftes Licht. Ursprünq- »ch das den Seelen der Abgeschiedenen geweihte Fest, ws „Scherz und Freude" (Jul) bedeutete, und hernach ws Fest der schenkenden Liebe für groß und klein: So V es ein weiter, weiter Weg, der aus grauer Vorzeit Wr Jetztzeit führt. Und dennoch gibt es unendlich vie'e gemeinsame Meilensteine an diesem Weg.

Lichter, Festmahl, Schmaus und Freude heißen diese Meilensteine: Sie ragen allerorten ins Weihnachts- Ia»b, tm Norden und Süden der Erde.

Da duftet auch der Bratapfel auf solchem Steilen« tein, der liebe, rotwangige, zischende Bratapfel, den Ichon der Zauberer Merlin in der Asche briet, den Bür» 9er und Bauer gleichermaßen schätzten. Der Knecht Ruprecht bringt am 6. Dezember außer der Rute Aepfel und Nüsse Das Christkind hängt rotwangige „Weih- uachtsäpfel" an den Lichterbaum, die „zwischen den bahren" im Kachelofen aber in der Bratröhre gedünstet #n® dann heiß gegessen werden.

e Auch an Fürstenhöfen schätzte man die Bratäpfel, ’seioft der König Friedrich August von Sachsen briet eigenbänbig um die Weihnachtszeit seinen Kindern brotzelnden Aepfel. Er glich darin dem Prenßen- Friedrich III.. der persönlich die Aepfel auf die ^.Platte legte, und sie armen Kindern auf die kalte bi. - hinunterichickte. Mathias Claudius, der Dichter, not sm ®r.atönfelfefte Jean Paul wurde sogar im Mo- I,;* in Dresden mit Bratäpfeln bewirtet, weil man ,tlne. Vorliebe dafür kannte.

^eihnach^r Bratapfel umduftet lieblich die deuffche

- Honigkuchen und Pfefferkuchen.

ourf?t\!rcnn6ar verknüpft mit dem Weihnachtsfest ist ffuy das Würzgebäck, das je nach Herkunft und Hei- .9Qu Lebkuchen, Honigkuchen und Pfefferkuchen, oder em'»“*? Würzkuchen heißt. Die Gilde der Lebküchler war heut 6elon^ere Spezies der Zuckerbäcker. Man findet sie bin- no<$ *n kleineren Städten, beispielsweise in ©alj» kn^’i00 uicht nur Honigbrot und Pfeffernüsse bat»

fern |02^r.n auch Lichte gießen und Krippenfigürchen le Heiligenfiguren aus Tragant Herstellen.

Das Wort Lebkuchen deutet auf die lateinische Be­zeichnung: „libatio" (Opfergabe) hin, und erinnert daran, daß bereits die alten Römer am Neujahrsfest solche Lebkuchen den Göttern opferten, sie aber auch selbst verspeisten, weil das Glück bringen sollte Das Wort .Honigkuchen erinnert an den reichlichen Zusatz von Naturhonig, der leider heutzutage häufig durch Si­rup ober Rübemuckerbrei ersetzt w'rd. S:e Bedeutung des Wortes Pfefferkuchen ist auf die vordem verwen­deten Ingredienzen von Pfeffer und Muskatnuß zurück zu führen die man ie^t seltener beimeng*, wohl nur noch in den echten Offenbarer Pfeffernüssen. Die Gestalt der Würzkuchen als Männlein und Weiblein rührt ebenfalls von der altrömischen Sitte her, die Ku­chen in Göttergestalt nachzubilden.

In den Spinnstuben unsrer Borf ehren durfte d-r Teller mit hausgebackenem Würzgebäck ebensowenia feh­len, wie bei den heutigen Weihnachtsbescherungen Wenn man auch die Herstellung häufig den Konditoren ober Lebkuchenfabriken heutzutage überläßt statt die gute alte Sitte der Weibnacktsbäckerei in der Adventszeit da­heim zu pflegen. Die Nürnberger Lebkuchen, die Basler Leckerli, die Tborner Pfefferkuchen, (Katbrinchen ge­nannt) haben Weltruf und sind eng verschwistert mit den Aachener Printen, dem rbeinifchen Spekulatius, den Frankfurter Brenten und Bethmännchen. Auf den alten Meßstraßen gelangten im Mittelalter die Nürnberger und Basler Honigkuchen nach Braunschweig. Bres'au. Thorn und Danzig wo sie als Pfefferkuren sich breit und schmackhaft machten, lieber die Messestraßen ge­langten auch die früher sehr kostlviellgen Gewürze von Genua und Venedig über die Alvenpässe nach Nürn­berg Ulm und Basel, jenen Städten die Verarbeitung der orientalischen Würzmittel aus erster Hand ermög­lichend .

Pflastersteine, Pfeffernüsse. Honiabrot und ßebfu^en- herzen sind heute weltbekannt. Und fast die ganze Welt steuert ihre Erzeugnisse bei. damit an Weihnach­ten das köstliche Backwerk sich häufe. Zum deuffchen Mehl und dem Honig der Alpen- oder Heidebienen ge­sellen sich die italienischen und spanischen Mandeln und Zitronatfrüchte, der Ceylon-Zimt, die afrikanischen Gewürznelken die griechischen ober kalifornischen Ro­sinen und Sultaninen, und der Zucker aus dem indischen Zuckerrohr oder — den deutschen Zuckerrüben.

Wie könnte man gedankenlos verspeisen, was so vielseitig sich zusammensetzt, und in mancher eifrigen Stunde bedachtsam gerieben, gerührt, geknetet und ge­backen wird!?

3. wühncrchl-marN.

Das ist auch ein Meilenstein im Weihnachtsland: Der Weihnachtsmarkt oder Christkindeimarkt, der in den

meisten Gegenden vom 6. Dezember bis zum Heilig­abend ober bis Neujahr stattfindet. Bekannt durch die Stiche von Chodowiecki und die Radierungen von Rich­ter ist der Berliner Weihnachtsmarkt an der Schloß­freiheit. Berühmt war auch der Frankfurter „Christkind­chensmarkt" am Römerberg durch seinen malerischen Standort und die dort feilgebotenen „Quetschenmänner", die man anderswo „Pflaumenkerle" nennt, und die (ein Schornsteinfeger aus getrockneten Zwetschen) eben­falls auf ein göttergleiches Gebilde aus sagenhafter Vorzeit, eine Art Ruprecht ober Kobold, zurückdatieren mögen. Die Lausitzer Glasbläsereien als Christbaum­schmuck, die billigen Thüringer Spielwaren, Holz­pferde, Irdengeschirre und Sonneberger Puppen wur­den auf den Weihnachtsmärkten umgesetzt und verkauft. Die norddeutschen Lichterpyramiben wurden vor unge­fähr fünfzig Jahren durch den Tannenbaum ersetzt, der gleichfalls auf dem Christmarkt seinen Handelsplatz fand.

Heutzutage hat der liebe, trauliche Weihnachtsmarkt, zu welchen von allen Dörfern und Marktflecken der Umgebung her die 'Käufer an den Sonntagen vor Weih­nachten herbeigereist kommen, an Berechtigung verlo­ren. Doch ist er nach wie vor für die Kinderwelt von märchenhaftem Glorienfchem umgeben.

4. Schwedische Weihnacht.

In den nordischen Ländern hat sich bas Weihnachts­fest am ursprünglichsten nach seinen germanischen Sit­ten erhalten. Wie die Germanen am Iulfest dem Son­nengott opferten, und lichterbegränzte Trinkgelage ve-'- anftalteten, so besonders in Upsala, wo man „Julablot" d. h. Weihnachtsopferfest feierte. In jedem neunten Jahre wurden dort am Iulfest neun Hunde, neun Pferde und neun Menschen geopfert, in den übrigen Julzeiten nur das Schwein. Auch heutzutage fehlt in Schweden auf keinem Weihnachtstisch der mit bunten Papierrosen geschmückte Schweineschinken! Zumeist wird am Weihnachtsabend die Küche festlich erhellt und geschmückt, worauf die schwedische Familie sich gemein­sam dorthin begibt, um Brot in, einen mit Fleischbrühe gefüllten Kochtopf zu stippen, — nach altgermanischer Sitte! —

Die schwedischen Hausfrauen backen wochenlang vor dem Fest das altnordische „Julkuse", ein Gebäck in Form des Wagenrades symbolisch für den Sonnengott Bal­dur. Alte Brotstempel, mit denen man das Gebäck träufelte, sollten dem Weihnachtsbackwerk besondere, glückbringende Eigenschaften verleihen.

Ms Schweden noch katholisch war, verspeiste man dort zum Feste besonders bereitete Stockfische die es noch heute in manchen Gegenden als Nationalgericht

gibt. Neuerdings wird am Heiligabend vielfach Reis­grütze verzehrt, in welche zuvor eine füße Mandel nie­der gelegt wurde. Wer die Mandel findet, soll als EiPer im kommenden Jahre sich verheiraten. Was je­doch geschieht, wenn der glückliche Finder bereits ver­ehelicht ist, das entzieht sich der allgemeinen Kenntnis.

Die Geschenke werden als „Julklapp" verpackt, mit scherzhaften Versen versehen und unter der Tanne mit Lichtern vom Hausvater verteilt.

„Zur „Julotta" der Weihnachtsfrühmesse, ähnlich unserer Christmette, fährt man in Schweden frühmor­gens um fünf Uhr in großen Pferdeschlitten mit bren­nenden Fackeln. Alle Fenster auf dem Weg zur Kirche sind durch Kerzen erhellt, und auch das Gotteshaus schwimmt in festlichem Kerzenlicht; denn an Weihnacht ist das elektrische Licht verpönt und verbannt! —

5. weihnachlsschießen in Berchtesgaden.

Und nun noch einmal zurück in die deutsche Heimat, in das „Schatzkästlein des lieben Herrgotts", droben beim Watzmann und Königsee. Dicht verschneit liegen die Holzhäuser und Steinpaläste Lehensgüter und Land­sitze. Weiche Schneepolster decken Hecken und Haine, Kirchtürme und Baumwipfel, Berge und Wald. Wie Eiskristalle funkeln die schneeverwehten Piade. wie Eiskönias Märchenreich die erhabenen Berge. Elf Uhr tn der Heilignacht: Von allen Türmen hat es geschlagen. Da erlöschen in den Stuben die Lichterbäume, und alles strömt heraus in die Winternacht. Buben und Mädeln im Festgewand, in der a'ten Berchtesgadener Tracht, die Alten in warmer Wolle doppelt verwahrt. Von den Gütern klingeln die Ansißer in Pferdeschlitten herbei. Frohes Leben füllt den Marktplatz und die Lauben vor der Stiftskirche. Und Alles lauscht dem Weihnachts­schießen, das nach uraltem Brauch die „Weihnachts­schützen" von elf Uhr bis Glockenfriag Mitternacht prä­zis, stramm und militärisch abfeuern: Schlag auf Schlag Schuß auf Schuh knallt, knattert böllert in die Heilige Nacht hinaus, — vom Rande der Berne auf- gefangen und dröhnend zurückgegeben in vielfältigem Echo.

Mitternacht! Und sogleich Totenstille. Und dann von allen Kirchtürmen, vom fernen Maria Gern bis zu den Franziskanern und bis zum eisgefrorenen, toten­stillen Königfee. das Läuten, das wunderfame Läuten zur Christmeite in der heiligen Nacht . . Lautlos stiebt der Schnee hernieder. Die Crael in der Stiftskirche jauchzt auf, und der Chor der G'äub'gen jubelt empor zur Wölbung des Gotteshauses, und höher hinauf zur Warte der Ewigkeit:

Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart---"