IM WM
NILS
VeihnsÄlen aber der Volksschule.
«niclen Menschen ist Weihnachten mit seiner Friedens- I .*? « leiber eine weichliche, gesühlsselige Sache, zu L »or allem eine tannenumduftete Weihnachtsfeier ge- 2)ag die Friedensbotschaft dieses Hochfestes eine & rbaus männliche, ja harte Sprache spricht, gerät je lOMtt se mehr in Vergessenheit.
Fl1 einmal ein wenig nachzudenken, was sie L. Bereich der Schule bedeuten könnte.
l""Die'Schule hat zu ihrer gesunden Ent- > j^lling Frieden nötig. Sie muß Frieden ha- s® mif denen, die ihr ihre Kinder anvertrauen. Keinen ^ulen ^rieben, der auf dem Sich-gegenseitig-in-Ruhe- tnHen beruht. Sondern den Frieden des gegenseitigen Nchzndntsses und Entgegenkommens. Wo solcher Geist Mrrschh da wissen beide Teile, was sie zu tun haben, M schweigen die beliebten beiderseitigen Vorwürfe, die ek Entschuldigungen vorgebracht werden und im «s«nde doch nur B e s ch u l d i g u n g en der eigenen »eguemlichkeit sind. Die Wasser sind gar nicht so tief, «ls daß man Lei gutem Willen nicht zusammenkommen ^Schade, haß die liebliche Weihnachtsbotschaft die harte «..6 des 'guten Willens zu knacken aufgibt! Aber sie
es da ist nichts zu deuteln. Werfolldenn den ersten Schritt tun? Mein Lieber, wer so noch EL|r hüt die Botschaft wohl gehört, aber nicht begriffen.
Frieden muß unsere Schule halten auch mit denen. Ljen sie die Kinder weitergibt, mit Wirtschaft und Volk. Luch hier gegenseitiges Verständnis. Ich sähe nicht gern, igenn sich z. V. die Schule leichten Herzens oder aus ^schulmeisterlichem Dünkel" über Klagen aus der Wirtschaft oder andern Volkskreisen Hinwegsetzen würde, wie iy tbm so verfehlt wäre, wollten sich Beurteiler und Murteiler davon frei sprechen, die Schule und ihre Vertreter ruhig anzuhören und gute Gründe zu würdi-
Es geht in der Schule doch nicht um das zeitliche l«oh> des Kindes und der Jugend allein, es geht um riisfere Dinge: daß das nachwachsende Geschlecht ein ^schlecht von Bollmenschen werde. Es ist gar keine Frage, daß es möglich ist, jene Verständigung zu Ityibtn, die allen Teilen und allen wirklichen Lebens- smtwendigkeiten durchaus gerecht wird. Etwas weniger Versteifung und Verstiegenheit auf beiden Seiten und
Weihnachtsbotschast mit ihrem tätigen Frieden wird ihrer immerwährenden und immer erneuernden Wstllung entgegen reifen!
! Was aber der Schule und allen Betelliaten das Entscheidende sein soll: ihr Friede mit Gats! Er ist bei ihr und über ihr. wenn alle, die es angeht, vom hl - Geist der Verantwortung ergriffen sind. Wenn sie allem verantwortungslosen Gerede und Getue um und in Schule den Krieg erklären; jawohl, dieser heilige Krieg 5<gen Schein und Trug, gegen Unwahrhaftigkeit und Niedertracht. der steht klipp und klar i'n unserer weihnachtlichen Friedensbotschaft: die guten Willens sind Wer Ohren hat, zu hören, der höre!
Egidius Post
1 Sie lei ** neu. 52.
Adyenk in der Schule.
Am Freitag vor Advent machten wir den Kranz am Rtichmittag. Vorher schon waren Fichtenzweige und Aeste mit schönen Zapfen geholt worden. Der fertige Kwnz wurde in den Keller gelegt, erst am Montag sollte « im Schulzimmer hängen.
8n den Zeichenstunden hatten mir auch schon für Sboent oorgearbeitet. In die schwarzen Deckel alter hefte wurden Sterne, Christbäunke, Engelfiguren usw. .geschnitten, dann wurden die ausgeschnittenen Flächen «it buntem Seidenpapier beklebt. Fein sieht es aus, ®enn bas Tageslicht durch diese bunten Bilder fällt. 6» (eudjten dann, und mir nennen sie Leuchtbilder.
«m Adventssonntag wurde dann in aller Stille oor- gerichtet. Der Kranz wurde aufgehängt, und weil keine 1tDlcn Bänder im Dorf auszutreiben waren, färbten wir M' bunter Kreide eine starke Schnur rot und hingen Jwpiit den Kranz auf, es machte sich auch so gut. Dann kwurden die bunten Leuchtbilder auf die unteren Fen- Bink e’"tn aufgeklebt, sie schimmerten rot, gelb W grün, daß es fast aussah, als käme man in eine ■ Arche.
■L $ann konnte am Montag morgen eine Kerze an un- Mnm Kranz, mir fangen das Lied: Tauet, Himmel, den kms te.n- , Nachher sprachen mir von der Adventszeit
,®cil ste doch eine Vorbereitungszeit auf Weihnach- t nahmen mir uns vor, etmas Besonderes für
Puppengefchichken.
Von Grete Harms.
Einige Tage vor Weihnachten war es. Sehr ordent- 5es gerade nicht aus im Spielzimmer der drei . Windfange. Hier ein Haufen Papierschnitzel, Farbkasten, bunte Earnfäden und Laubsägeholz streut am Boden. Das war leicht zu erraten:
S.781 ^""lich gearbeitet worden. Von den fleißigen ietr» " l"cll)er war nichts zu sehen. Aber ihre drei Puppe Hilde, der braune Teddybär und
■kn 7m ^ßen noch auf ihrem Bänkchen nahe am ^7^»Man merkt, daß es Weihnachten wird," rief «iefel entrüftet aus. „Eine solche Behandlung wirklich noch nicht erlebt. Man glaubt wahr-
*s«r tB“r6 anf einmal überflüssig geworden auf ®nte! V'1' ich hier in meinem guten Sonntags» Mn nt . Hut auf dem Kopf, im warmen Zimmer!
*jt ist es gewiß schon!"
Ite brummte auch etwas von schlechter Behand- M iw Davonlaufen. Puppe Hilde aoer lächelte r2nn ihr erst einmal so alt seid wie ich, regt ui i,/, U'cht mehr auf über solche Kleinigkeiten. Es | -tinberi Unser Mütterchen hat es halt wichtig iEe» 1 es will seinem Vater ein Lesezeichen E* ft* ,. Es eben vergessen, uns zur Ruhe zu n"de es recht gemütlich heute abend!" — MMer im Ofen knisterte leise, manchmal warf es Et “F.Jcn' hellen Schein auf den Boden. Puppe I* a:V! . tiänt blonden Bubenkopf hatte «ihren Zorn vergessen. „Ob wir in diesem Jahre gar nicht iie g , ? En? Ich habe noch nicht gesehen, daß uns f-cer unprobiert wurden. Eine feine, weiße wirklich not." „Alter Putzaff!"knurrte MM-Warte es nur ab," beschwichtigte Hilde, ,,vielte ber m,(^ uoch ein Schwesterchen dazu. Ich Klemen übet die Schulter gesehen, als sie
Beilage zur Fuldaer Zettuug
Bll !!■ ■ Illi11 Illi IIIew»—MfiWh IIHIHMIfflF l‘l» 1 *
das Christkind zu tun, damit es dann um so lieber auch in unsere Herzen einkehren solle, wenn das Weihnachtsfest endlich da wäre. Die Vorsätze wurden auf ein Zettelchen geschrieben und nachher eingesammelt, Namen dursten aber nicht dabei geschrieben werden. Es map eine, Freude, die Zettel nachher durchzulesen, denn die ausgeschriebenen Vorsätze zeigten, daß die Kinder unser Gespräch recht verstanden hatten. Manche schrieben allerdings: Ich weiß es noch nicht — oder: Ich will es mir noch überlegen. Aber das ist ja auch gut, besser dergleichen als etwas gedankenlos und ohne Ernst Hingeschriebenes.
Einige der kindlichen Vorsätze mögen hier folgen:
Ich will jetzt immer gern Stall misten und der Mutter Wasser und Holz herein holen.
Ich nehme mir vor, nicht mehr frech zu sein.
Wenn meine Mutier etwas sagt, so' will ich nicht mehr böse sein, sondern ich wills mit Freuden tun.
2ch will jeden Morgen gleich ausstehen, daß meine Mutter nicht so viel zu rufen braucht.
2ch will meiner Schwester immer so gut es geht beim Füttern helfen und frühzeitig anfangen.
Ich will unfern Joseph (den kleinen Bruder!) nicht mehr hauen. Ich will' ihn lieber haben als zuvor.
Jeden Morgen beim Gebet oder beim Singen denken mir auch an unsere Vorsätze, und beim Schlußgebet nach dem Unterricht machen mir es ebenso, damit wir immer wieder an sie erinnert werden. Denn die stete Erinnerung ist schon notwendig bei dem leichten Sinn der Kinder. Vielleicht schreiben mir dann später einmal einen Zettel, wie wir unfern Vorsatz hielten, ob es leicht ober schwer war.
All das sieht vielleicht aus wie Spielerei. Aber es ist mehr, als Ziel steht hinter alledem religiöse Verinnerlichung und Erzi-Hung zu religiöser Tat. —pH.
Ein Meruabend in der Vslhnachlszeik.
Draußen schneite es. Zum ersten Mal fielen die Flocken so dick und flaumig wie Bettfedern in diesem Jahre auf die lichthungernde (Erbe. Allmählich legte sich eine weiße Decke über bie Straße, auf der sich die Füße der Vorübergehenden scharf abdrückten.
In unserem Klassenzimmer brannten schon die Cartn pen mit festlich Hellem Glanz. Dazwischen hing einsam, dunkelgrün unser Adventskranz. Der Raum füllte sich Lustig lachend« Kinderstimmen, tiefe -Bässe der Väter und schwacher Alt der begleitenden Mütter.
Unser Raum trug heute anderes Gewand denn gewöhnlich. Die Kinder hatten mit seltener Freude bie Bänke hinausgeschasst und dafür Tische und Stühle hereingebracht. Leinentücher so weiß wie der Sdinee draußen hatten sie über die langen Tifchreihen gebreitet und obenauf mit duftendem Tannengrün bie einzelnen Plätze geziert. Das von den Kindern niit Liebe und Sorgfalt geschriebene und gezeichnete Programm wurde hübsch grabe auf jeden Platz gelegt.
Dann, als wir alle zusammen waren, Eltern mit ihren Kindern, Lehrer und Freunde, da fingen wir an. Ein zartes Adventslied aus dem Mittelalter, eines jener schlichten und doch so innigen Lieder, schwebte durch den Raum. Wir fangen es in seliger Gemeinschaft. Einige Jungen gaben durch Begleitung mit Lauten und Geigen den Rahmen dazu. Unser Adventskranz brannte mit feir»n drei Kerzen und kündete an, daß wir uns in der dritten Woche, der Vorfreude auf das Fest befand-w Auf einen Weihnachtsbaum hatten wir verzichtet. Er paßte nicht so recht in die geplante Feier und sollte aüch dem Weihnachtsfest, das von allen Kindern ganz neu erlebt werden sollte, nichts an Frische norwegnehmen. So war ein geheimnisvolles Halbdunkel über den Raum gebreitet, bei Kerzenflackerschein klang unser Lied.
Dann folgten W e i h n a ch t s g e d i ch t e. Die Eltern waren ergriffen von dem stimmungsvollen Vortrag ihrer Kinder. Es war ihnen neu. daß die Kleinen fo voll M-r- erleben den Gedichten Wärme und Klang gaben Sie taten einen tiefen Blick in bie Seele ihrer Kinder.
Der Engelreigen, den die Mädcken in ihren weißen Kleidchen und bunten Kränzen im Haar dem Christkind zu Ehren tanzten und den der Lehrer leise am Klavier begleitete, wiegte alle in eine wunderbare Adventsstimmung. Da paßten denn fo recht bie Worte des Evangeliums. die aus den kindlichen Weihnachtsaefchichten der Bibel an unser Ohr klgngen. Der kleine Walter las sie uns mit leuchtendem Gesichtchen vor. Aus dem Munde eines Kindes vernahmen sich die Worte wirklich seltsam ergreifend. Es war, als ob das Christkind selbst spräche.
ihren Wunschzettel schrieb, da stand: .Liebes Christkind, bringe mir eine Wickelpuppe."' —
Liefe! seufzte tief: „Es ist doch schon lange her, daß ich das erste Weihnachtsfest erlebte, aber ich weiß es noch ganz genau." „Das ist ein Gedanke," meinte Hilde, bie älteste von den dreien. „Jedes von uns erzählt von feiner ersten Weihnacht. Da vergeht die Zeit wie im Fluge, schlafen können wir doch nicht." „Hast recht," brummte der Bär, Detta genannt, „nach all dem Snek- tatel ist man froh, einmal eine ruhige Stunde zu haben, und Erzählen höre ich gar zu gerne. Also los!"
L:esel begann: „Dreimal Weihnachten ist es her, daß ich der kleinen Ruth beschert wurde. Die Großmutter hatte mich geschickt. Als ich aus den Papierhüllen geschält war, rief die Mutter: ,Guck mal, Ulrich, was für eine feine Puppe! Hat sie nicht richtig em Gesicht wie ein Kind, das meinen will! Und zerbrechen kann unsere Ferne Ruth die auch nicht!' Ja, ich muß wirklich eine schöne Puvpe gewesen sein damals." Wehmütig blickte Liesel an sich herab, auf die schmutzigen Striimvfe und auf den einen Fuß. an dem ein Schuh fehlte. Sie seufzte und fuhr fort: „Ja, damals war es anders. Da waren meine Schuhe und Strümpfe schneeweiß. Ich saß in einem bellen Puppenwagen und war mit einer roten Steppdecke zugedeckt. Und was war das damals ein herrliches Weihnachtsfest! Der hohe Lichterbaum mit den kleinen Vögeln und zierlichen Rehen aus farbigem Glas und den lustigen, bunten Zuckerkringeln war ein richtiger Kinderweihnachtsbaum. Und als die Mutter gar das weiße Tuch von den Geschenken nahm! Ein Kmtfladen, ein Schaukelpferd, eine richtige Küche mit blitzendem Geschirr. Das kleine, wilde Mädel unter dem Weihnachtsbaum sah aber nur mich, es herzte und küßte mich, es tanzte und sprang mit mir, daß mir säst der Atem ausging.
Hans, der Bruder der kleinen Ruth, besah indessen sein Schaukelpferd und den Äauflaben, Dann entdeckte er auch mich. .Das ist aber eine feine Puppe, die sieht
Wieder fangen wir Weihnachtslieber, froh und dankbar stiegen sie empor. Dann trug uns bie kleine Lisbeth ihre Wünsche an bas Christkind vor. Ziemlich unbescheiden war sie dabei. Eine neue Puppe, die sprechen und schlafen konnte, wollte sie gerne haben und einen Wagen dazu, damit sie ihr Kind auch ausfahren konnte. Dazu mochte sic noch gern ein neues Buch und allerhand Leckereien. Das Christkind wird ihr wohl ihre Herzenswünsche erfüllen.
Dann spielten wir unser W e i h n a ch ts s p i e l, dos mir in unserer Klassengemeinschaft sechst gedichtet hatten. Alle hatten dabei geholfen. Es erzählte von einem armen Kind, helfen Eltern in einer kleinen Hütte draußen am Walde wohnen und zu denen das Christkind in diesem Jahre wohl nicht kommen wird. Weinend läuft das kleine Mariechen in den Winterwald, um das Christkind zu suchen. In Schnee und Eis kommt es bald um. Da findet es dm Waldweg eine reiche Dame, die eben mit ihrem Schlitten aus der nahen Stadt von ihren Weihnachtseinkäufen zurückkehrt. Sie bringt das Kind nach Haufe zu den Eltern, und bann kommt das Christkind wirklich mit so viel Gaben wie nie zuvor.
Die Kinder können spielen, das haben wir da erfahren. 'Natürlich müßen sie in Stimmung fein, und das waren sie heute. Wir waren auch alle so zufrieden mit den Leistungen der kleinen Schauspieler, daß wir ihnen reichen Beifall spendeten.
Ein schlichtes Lied beendete unsere Feier. Dann blieben wir noch eine Weile zusammen und sprachen von Seele zu Seele miteinander. Dieser Austausch in der Weihnachtsstimmung war für Schule und Elternhaus segenbringend.
Dann verloren sich alle in der Nacht. Die Kerzen unseres Adventskranzes waren erloschen. Im Herzen der Eltern und Kinder aber werden sie wohl noch weitergestrahlt haben bis der hellere Schein des Weihnachtsbaumes sie beseligend überstrahlte.
X Dezember.
Lustiges aus der Schule.
Vor dem 3. Schuljahr hängt das Bild von David und Goliath. Als sich die Aufregung schon etwas gelegt hat und Fragen und Bemerkungen allmählich verstum- men, Platzt Plötzlich Arthur heraus: „Herr Lehrer, da zwischen den Philistern ist einer, dw will eine photographische Aufnahme von David machen!" — Niemand lachte; sie hielten es alle für möglich. Warum sollten auch die streitbaren Männer nicht phowgraphieren? „Komm her und sieh dir es genau an!" — Da klärt sich der Irrtum auf: ein paar aufgestützte Spieße erinnern meilenweit entfernt an ein Photographengestell.
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Wir gehen nach Allerseelen über den Friedhof. Alle? wird aufmerksam und still betrachtet: der Schmuck, die Denkmäler, die An'agen. Bei der nachfolgenden Besprechung in der Klasse wird auch hervorgehoben, daß ein ehemaliger Förster seines Amtes wegen ein Denkmal in Form eines abgebrochenen Baumstammes hat. Etwas später — wir sind schon bei etwas ganz anderem — erhebt sich Herbert, der Kleinste und Kindlichste der Schar: „Herr Lehrer, wenn mein Vater stirbt, bann muß er aber eine Wurst ans Denkmal haben, daß man sein Amt auch gleich sieht, er ist nämlich Metzger!" —
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Es ist beim Rechnen. Der Lehrer fragt: „Wenn ich eine Kartoffel zerschneide, was bekomme ich bann?" — „Zwei Halbe", antwortete ein Schüler richtig. — „Und wenn ich die beiden Hälften nochmals zerschneide?" — „Daun gibt es Viertel". — „Wenn ich aber die Viertel nochmals teile?" — „Dann bekommen wir Achtel." — „Nun werden die Achtel aber nochmals male durchgeschnitten, was habe ich dann?" — „Kartoffelsalat, Herr Lehrer."
Weihnachtsfeier in der GroMadlklasse.
Der Gedanke an bie kommenden Weihnachtstage erinnert mich lebhaft an bie Feier, bie im vergangenen Jahre eine Oberflaffe veranstaltete. Etwa zehn Tage vor dem Beginn der Weihnachtsferien traten mehrere Schüler mit der Bitte an mich heran, am letzten Schultage eine Klaffenfeier zu begehen. Ich war damals eben vom Lande hersingekommen, und fo manches in dieser Klasse wünschte ich mir ganz anders. Man wird es daher verstehen können, daß ich nicht gleich zusagte, .Zunächst befrembete es mich etwas, daß das eigentliche Fest erst etwa acht Tage später war. Doch da fiel mir ein, wieviel Jungen wohl darunter seien, die daheim keinen Lichterbaum zu sehen bekämen. Außerdem bot sich hier erwünschte Gelegenheit zu beobachten, wie bie sonst so schwer anzuregende Klasse sich bei selbstgewählter Arbeit anstellen würde. Ich entgegnete deshalb den gespannt Wartenden: „Ich habe nichts dagegen, möchte aber morgen erst hören, wie ihr euch die Sache denkt." — Schnell wie der Blitz waren die Abgesandten auf den Schulhof geeilt, und gleich darauf verkündete freudiger Tumult, daß die andern Kenntnis von der Neuigkeit bekommen hatten. Der nächste Morgen brachte eine so frische und lebendige Aussprache, wie sie bisher kaum einmal stattgefunden hatte. Jeder legte Wert darauf, irgend etwas zum Gelingen des Ganzen beizutragen. Der eine übernahm es, ein hübsches Bäumchen zu besorgen; der andere wollte Kerzen mitbringen; einige stellten Lichterhalter in genügender Anzahl in Aussicht. Bier angehende Geigenkünstler versprachen hoch und teuer, Weihnachtslieder mehrstimmig zu üben und auch noch einige andere Stücke vorzutragen. Acht Mann erklärten sich dazu bereit, passende Gedichte ordentlich zu lernen. Der Vertrauensschüler bekam den Auftrag, den Gesanglehrer um gründliche Wiederholung der schönsten Weihnachtslieder zu bitten. Gewisse Schwierigkeiten machte nur noch die Beschaffung des Baum- fchmuckes, well anzunehmen war, daß in diesem Punkte die Eltern berechtigte Bedenken tragen würden, die zerbrechlichen Sachen ihren lebhaften Sprößlingen anzu- vertrauen. Aber auch diese letzte Hemmung lieh sich überwinden, und alles schien in bester Ordnung zu sein. Da meldete sich zu meinem Erstaunen einer der Stillsten im Lande und hob zu fragen an: „Ich habe
ein Grammophon zu Haufe und mehrere Weihnachts- platten dazu; bars ich bie auch mitbringen?" Nun geht es mir in diesem Punkte wie vielen andern: Musik- mafchinen sind mir widerwärtig. Ms ich deswegen einen Augenblick zögerte, trat die ganze Klaffe warm für diesen neuen Vorschlag ein. Schließlich war doch die Freude das Wichtigste, und warum sollte ein abwesendes Grammophon einen Mißton hineintragen? „Jawohl, bringe deine Sachen auch mit!" — Jeden Morgen gab es kurze Berichte über den Stand der Angelegenheit. So kam endlich der langersehnte Tag an. Die lange anhaltende Dämmerung paßte für unser Vorhaben vorzüglich. Bei zugezogenen Vorhängen wurden die Kerzen angezündet: ein wunderhübsch geschmücktes Bäumchen strahlte Weihnachtsglanz in den sonst ziemlich öde aussehenden Raum. Während an anderen Tagen der Lärm gängcmeit zu hören war, herrschte heute tiefste Stille. Bei meinem Eintritt erscholl ein dreistimmiges Lied, von den Geigen gut begleitet. Dann sprach ich, wie wir verabredet hatten, einige kurze Worte. Von der Hoffnung der Alten sprach ich und ihrer Erfüllung im göttlichen Kindlein, vom Lichtgeschenk der Liebe und von dem, was Weihnachten heute noch für uns fein will. Nun wechselten die Darbietungen in bunter Folge: Lieder, Gedichte, Geigenstücke und — Schallplatten. Alles gelang überraschend gut, sogar bas Grammophon machte feine Sache nicht übel. Ich hätte nicht geglaubt, daß diese gewöhnlich fo aufgeregte und laute Gesellschaft so ernstfröhlich, so andächtig und still fein könnte. Das Schönste war für mich die Erkenntnis, daß diese wilden Jungen trotz ihrer anscheinend älteren Gesichter im Grunde noch rechte Kinder waren. Und das Allerschönste: es blieb etwas zurück zwischen uns von dem Glanz dieser Stunde, ein Gemeinsames, in Hauchseines, von dem man nicht sprechen kann, das sich nur empfinden läßt. Bald" nach Weihnachten verschlug mich das Geschick an eine andere schule. Mit jenen Jungen habe trfi nichts mchr zu tun. Doch ab und zu kreuzen sich noch unsere Wege. Dann reichen wir uns die Hand zu frohem Gruße, als gehörten mir immer noch zusammen. Diese Verbundenheit aber schenkte uns vor allem andern die Feierstunde kurz vor Weihnachten.
gerade aus wie ein richtiges Mädchen!' rief er und nahm mich auf den Arm und sagte: .Gelt, Liesel, du willst auch mal zum Vater gehen. Komm, du darfst dir in dem Sauflaben aussuchen was du willst/ Hei, was gab'S für feine Sachen in dem Laden! Ich weiß wirklich nicht mehr, was es alle war. Nur das weiß ich noch, daß ich zum Schluß eine Taft! Schokolade geschenkt bekam. Als es aber Zeit zum Schlafengehen wurde, gab es einen Kampf. Hans wollte mich mit in fein Bett nehmen, und Ruth toe nte: Mir hat das Christkind die Puppe gebracht/" Liesel schwieg und sagte: „Eigentlich könnte nun Detta weitererzählen, der war ja auch dabei und weiß es gerade so gut wie ich."
Aber der Bär winkte abwehrend mit der Hand. Er hatte wohl keine rechte Lust zum Erzählen, darum fuhr Liesel fort;
„Als Hans mich im .Arme hielt und mit ins Bett nehmen wollte, da hörte er auf einmal etwas meinen. Er stutzte und schaute sich um. Und wer war es? Detta, der Bär war «s. Der saß betrübt neben dem Christbaum und meinte mit schluchzender Stimme: .Jetzt ist die neue Puvpe da, jetzt guckt keins mehr nach mir/ Hans besann sich einen Augenblick, bann legte er mich rasch in den Arm seiner Schwester: ,Da hast du sie, komm her, alter Detta, du darfst wieder zu mir/ Ja, bann nahm er seinen alten, abgeschabten Bär, und wir gingen zu Bett, und ber Weihnachtsabend war aus."
Run war der Bär am Erzählen, aber er wollte nicht, und die zwei Puppen mußten ihm schon gut Zureden lund schließ'ich sogar mit ihm schimvfen, bis er endlich begann: „Na, dann will ich es aber kurz machen, Als ich zu Hans kam, war es ein naßka'ter Frühjahrs- morgen, und Hans hatte Geburtstag. Ich saß auf dem we'ßvedeckten Tisch neben dem Geßurtstaaschlchen, auf dem drei Lichtlein brannten, denn Hans war gerade drei .Jahre alt damals. Aber als bann die Tür aufging, da kam kein lustiges Biiblein her-ingesvrungen, nein, die Mutter kam und trug einen kleinen Jungen auf dem
Arm, der sah so blaß ans und sah so milde auf beu Tisch. Als er aber mich sah, da streckte er feine Arms nach mir aus und rief ,Detta!' Mutter nahm mich vom Tisch unb gab mich dem kleinen Hans, unb bann trug sie unS beide zurück ins Bett, und von da an schlief ber kleine Hans nicht mehr ohne mich. Als Hans bann ein kleines Schwesterchen bekam, meinte er: .Schwesterchen sieht gerade so aus wie Detta/ — Als das kleine Mädchen dann größer war, spielten die beiden Kinder gar manchmal mit mir. Dazu kam mich oft Seppel, ber junge Dackel. Der kläffte wie toll und fnrrrg auf Tische unb Bänke ?um großen Spaß der Kinder. Ich hatte aber immer ein wenig Angst vor dem Hund, und richtig, einmal neckte das kleine Mädchen den .Seppet und h'elt mich vor seine Schnauze. Der packle mich und schüttelte mich hin unb her, unb seine spitzen Zähne gruben sich tief in meine Pfoten. Fast hätte Uh geschrien bamals, so weh tat mir bas. Hans stürzte laut auftoe'nenb herbei unb riß mich aus den Zähnen des Hurwes. Aber wie sah ich aus! Mein schönes Fell hing in Fetzen von mir, Hans weinte und konnte an diesem Abend lange nicht einsch'aken vor Kummer. Immer wieder fragte er mich: ,Tuts auch noch weh, Detta?' Ich tröstete den guten Junten, so gut ich konnte. Und als bann eines Tages Großmutter kam, klagte ihr Hans fein Leid. Die bo’te ihre Brille herbei und baS Stopfzeug, und bald hatte sie den Schaden geheilt. Aber so schön wie vorher bin ich doch nicht mehr geworden. So, und nun bin ich fertig."
Gerade wollte die Puvve Hilde anfangen zu erzählen, da hörte man le'fe Füße braunen auf bem Gang, bie Tür ging auft und ein Feines Mädchen im langen Nachthemd kam herein. „Da sitzen sie noch, bie armen Pupven," sagte es, nahm b'e drei V-rlassenen unter den Arm unb trug sie hinüber in sein Bettchen. Dann deckte es die Pupven und den Bär gut zu, lggte sich selbst zu ihnen, und das Er'äb'en war vorbei, denn nun mußten die Puvven ruhig sein. Vielleicht erzählen sie ein andermal weiter.