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57. Mrg.

Mittwoch, 17. Dezember 1930.

itt. 291

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.____

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manchen, der seine Reformarbeit am liebsten mit einem schneidigen Husarenritt gegen das Kapital beginnen würde, während Adolf Hitler weiß, daß das nicht geht. Es ist eben doch nicht so einfach, plötzlich eine große Fraktion in den Reichstag zu schicken, und jedenfalls hat sie sich bisher nur nega­tiv ausgezeichnet. Arbeit ist mit dieser Art von Ab­geordneten nicht zu leisten. Die meisten von ihnen wollen das auch gar nicht. Denn wer im Reichstag Mitarbeiten will, muß entweder sachliche Kennt­nisse haben und sie sich schleunigst und unter Verzicht auf jede Lärmmacherei a n e i g n e n. Und das wiederum ist ebenfalls nicht jedermanns Sache. Die Regierung aber muß unter diesen Umständen ja froh sein, wenn sie diese Opposition im Lande zerstreut, statt in Berlin weiß. Dann kann wenig­stens die Wilhelmstraße sich ihren drängenden Auf­gaben widmen.

Ernüchterung!

Eine Stimme aus dem Lager Hugenbergs.

Professor Ludwig Bernhard, Staatswis­senschaftler der Universität Berlin, bekannt als po­litischer Vertrauter Hugenbergs, hat eine Broschüre „Der Staatsgedanke des Faschismus", veröffent­licht.. Darin erklärt Ludwig Bernhard auf Grund einer wissenschaftlichen Studie, daß der Faschis­mus überhauvt kein in sich selb st ru­he n d es Staatssystem sei, sondern nur das Werkzeug einer einzigartigen Persönlichkeit, näm­lich Mussolinis. Wörtlich schreibt er:

„Der angeblich zur nationalen und sozialen Berbun- denheit führende „Korporativismus" ist nur dem An­schein nach ein berufsständischer Ausbau. In Wirklich­

keit ist der „Korporativismus" eine polizeiliche Konstruk­tion, welche zur völligen Beherrschung der Massen be­rufliche Gruppenbildungen benutzt. Wenn es Mussolini trotzdem gelungen ist, den Druck , seiner Herrschaft zum guten Teil in nationale und soziale Verbundenheit.um­zusetzen, so liegt diese hohe Kunst nicht im System son­dern sie eignet ganz allein dem Genius des unver­gleichlichen Mannes.

Es ist daher eine gefährliche Täuschung, wenn man glaubt, im Faschismus ein ,.System" gesunden zu ha­ben, welches den Parlamentarismus ersehen könnte. Diese Täuschung beruht aus der banalen Erfahrung, daß ein gutgeleiteler Faschismus besser ist als ein schlecht funktionierender Parlamentarismus. Aber der Fa­schismus wird nicht immer gut geleite! fein und der Par­lamentarismus nicht immer schlecht funktionieren. Lin gut funktionierender Parlamentarismus ist einem gut geleiteten Faschismus vorzuziehen, weil der Parlamen­tarismus mit geringerem Zwang auskommk und weni­ger Lebensfreiheit verschling» als der Faschismus, und ein schlecht funktionierender Parlamentarismus ist nicht annähernd so grauenhaft wie ein schlecht geleiteter Fa­schismus. der die ganze Ration der Willkür eine» Men­schen oder einer Horde preisgeben würde.

Dazu kommt, daß die Wahrscheinlichkeit der Entar­tung beim Faschismus weil größer ist als beim Parla­mentarismus, weil der Faschismus nur gut funktionie- ren kann, solange sich ein Genie als Führer findet, wäh­rend der Parlamentarismus nicht an den Zufall solchen Glücks gebunden ist."

Abschließend sagt Ludwig Bernhard: „W i r h a- ben von einer Nachahmung des Fa­schismus nichts zu erhoffen."

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Das hätten sich die Kreise um Hugenberg aber schon früher klar machen können. Warum haben sie den deutschen Faschisten, den Nationalsoziali­sten, den Steigbügel gehalten.

Neue Kämpfe in Spanien.

Belagerungszustand verhängt.

Die Militär-Revolten in Spanien haben sich fortgesetzt. Der Madrider Flugplatz mit seiner Be­satzung befand sich zeitweilig in Aufruhr. Der Aufstand wurde aber unterdrückt und der Belage­rungszustand verkündigt. Einige Rädelsführer find entkommen.

wtb. Lissabon, 16. Dez. (Eig. Meldg.). In der Nähe von Lissabon landeten d r e i I p a n i s ch e Flugzeuge. Die Insassen, zahlreiche aufstän­dische spanische Osiiziere, unter ihnen Major Franco und General del Lanos, wurden von der portu- giesischen Polizei fe st genommen

König Alfons Hl. von Spanien, der um seinen Thron kämpft.

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wtb. Madrid, 16. Dez. (Eig. Meld.). Das Mi­nisterium des Innern gibt folgende Mitteilung über die Lage aus: Die Regierung unterhält normale

— Zuversicht der Regierung.

Verbindungen mit den Provinzialregierungen. In SanSebastian versuchte eine Gruppe von Ar­beitern das Regierungsgebäude zu stürmen, wo­bei 2 Gendarmen getötet und 5 verletzt wurden. Auch mehrere Angreifer wurden verletzt. In San­ta n d e r versuchte em Gruppe von Zivilisten die Kakernen zu stürmen, der Angriff wurde jedoch von den Truppen zurückgeschlagen, wobei zwei der Angreifer getötet wurden. In mehreren Städten -zweiten Ranges versuchte man den Generalstreik zu organisieren, was jedoch nur teilweise gelang. Die Bewegung hat einen revolutionären Charakter und wird von bekannten Agitatoren geleitet. Weder das Volk noch die Armes schenkten den trügerischen Versprechungen der Revolutionären Gehör. Die Ordnung ist in ganz Spanien aufrecht er­halten worden und die Regierung hofft auf die Hilfe der öffentlichen Meinung, damit sie den un­fruchtbaren und bedauerlichen Machenschaften noch heute ein Ende machen kann.

■■ Hauptorte des Generalstreiks CZZD Ausgangsort der Militärrevolte

der Todesurteile

FRANKREICH

BILBAO

MADRID

•SEVILLA

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.VALENCIAS

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^SPANIEN

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Karte von Spanien mit den zurzeit im Vorder­grund des Interesses stehenden Orten.

Feuerprobe des Völkerbundes.

Wenn man die Reden gelesen hat, mit denen .. Vertreter der einzelnen Rationen vor wenigen ^aaen abschließend zu den Ergebnissen der vor- ss-leitcnden Abrüstungskonferenz Stellung nahmen, ?. wird man daraus gehört haben, daß eigentlich »einer ganz zufrieden war. Es waren zum größten "eil wunderschöne Reden, und ihre Sprecher leg­ten Wert darauf, ihre mehr oder minder große rhetorische Begabung in allen Lichtern glänzen zu lassen Trotzdem: keiner war ganz zufrieden. Wir «ächten aber versichern, daß die Enttäuschung über d-n Völkerbund im Allgemeinen, wie über seine Abrüstungsarbeiten im Besonderen nirgendwo so groß sein kann wie in Deutschland.

Es wäre gut, wenn das Ausland sich hierüber ,<ar würde und sich auch darüber keinen Illusionen binqäbe, daß die deutschen Stimmen, die für den Austritt des Reiches aus der Liga der Nattonen vch äußern, nicht nur von der Rechten Her­kommen. Das Ausland hat ein großes Interesse daran, daß Deutschland möglichst lange von inner­lich stabilen und von politischer Ueberzeugung ge­tragenen Kabinetten nach der Art des jetzigen regiert wird. Aber es wird sich nicht darüber täuschen dürfen, daß auch die weitestsehende deutsche Regierung auf die Dauer dem Volk nicht paßt, wenn sie an Einrichtungen festhält, die offensichtlich fortgesetzt versagen.

Ein bekanntes englisches Blatt hat diese Stim­mungen, die vorläufig noch Imponderabilien sein mögen, bereits erkannt, wenn es schreibt: „Wie lange wird Deutschland noch ein Mitglied des Völ­kerbundes sein, wenn täglich weniger Deutsche an die Gerechtigkeit im Völkerbund glauben und auch der Grund zu diesem Glauben täglich geringer wird?" Dieses Blatt ist hellhörig, und es beobach­tet ganz richtig, wenn es sich bei seiner besorgten Frage auf die Erlebnisse stützt, die Deutschland in Sachen der polnischen Greuel gegen die deutsche Minderheit und in der Diskussion über die Ab­rüstung zu verzeichnen hat. Der Völkerbund wird in seiner Tagung imJanuarzu beweisen haben, daß er auf die weitere Mitgliedschaft Deutschlands Wert legt und daß er mehr ist, als eine Inte­ressenvertretung der ehemaligen Entente und ihres Anhangs. Er wird Polen gegenüber Fraktur reden müssen. Tut er das nicht, so wird er sich wahr­scheinlich mit unliebsamen deutschen Schlußfolge­rungen abzufinden haben. Wir leben nicht mehr im Jahre 1919, in dem die anhaltende Kriegspsychose den Glauben der Völker an ein ewiges Natur­recht vorübergehend unterdrücken konnte. Noch niemals hat auf die Dauer die Gewalt gesiegt, sondern immer setzt sich die Geltung.des öffertt- lichen Gewissens durch. Der Völkerbund steht im Januar vor zwei Rechtsentscheidungen, die abso­lut klar sind. Das ist auf der einen Seite das Anrecht Deutschlands auf Verwirklichung der im Friedensvertrag vereinbarten Abrüstung, auch bei unseren Nachbarn und auf der anderen Seite der Anspruch der deutschen Minderheiten auf rechtlichem und freiheitlicher Kul­tur entsprechende Behandlung. Der Hitleris- mus, so schrieb die erwähnte englische Zeitung dieser Tage, ist ein Produkt Genfs.

Schon überaltert?

Man tut dem Reichskanzler und dem Finanzmi- Wer nicht unrecht, wenn man vermutet, daß sie oic Vertagung des Reichstages bis zum 3. Februar, ®fo auf immerhin sieben Wochen, mit a u f a t - menb e tn Schmunzeln zur Kenntnis genom­men haben. Denn jetzt können sie wieder a r b e i - Le n- Solange der Reichstag, dieser Reichstag, jungen abhält, ist daran nicht so recht zu den- ken, wenigstens nicht mit Aussicht auf einen sach- «chen Erfolg. Dafür sorgen unsere Radikalen von r e chts und links. Dabei ist es nicht un- mterefsant, zu beobachten, wie gelegentlich die an- arolich einander so blutig hassenden Rivalen in ;*°ner Einmütigkeit zusammenstehen und vann eigentlich nicht mehr voneinander zu unter* ichciden sind. Wüster als es ein nationalsozia- tKild’er Sprecher am Freitag getan hat, hätte auch yr sanatischste Kommunist nicht auf den Kapita- wmus schimpfen können. Vielleicht ist es den ~u9urert der Nazis dabei nicht unbedingt wohl zu "uite gewesen, denn ihre Bewegung könnte I" ohne das Kapital nicht leben, und die ? ihr so freigebig zur Verfügung stel- M-. werden sich kaum auf der Seite der Zweiter oder der Erwerbslosen fühlen. Hier ist ter.?er "ielen Unbegreiflichkeiten — wenn man Wiid) bleiben will — in dem Gehaben der Hitler- a/l Vielleicht hm auch ihr Fraktionschef Dr. Mck das empfunden, als er meinte, dieser Reichs- teif bereits überaltert. Ein hartes Ur« l“’ wenn man bedenkt, daß er er ft knapp w-jE'.Wochen im ganzen getagt hat. Aber es m re 1° möglich, daß Frick auf höheren Befehl bei g "wählen bereits eine Anzahl der Erkorenen September auszubooten hätte. Man ißhrr* Arbeiterpartei und darf es mit dem ge- WN»lchsten Unternehmertum nicht verderben. Solch Nuancierungen find nicht jedermanns Sache, sicherlich gibt es unter den radaulustigen 107

Dr. (Kudins in Königsberg.

Reichsminister Dr. Curtius nahm nach seinem Gintieffen in Königsberg mit den maßgebenden Wittschaftsvertretern der Provinz, unter ihnen die Handelskammerpräsidenten Ostpreußens, ferner der Präsident der Handwerkskammer für Ostpreußen Verhandlungen auf. Der Minister ließ sich über die wirtschaftlichen und sonstigen Verhältniise Ostpreu­ßens eingehend unterrichten. Nachmittags wird mit Verttetern der Wirtschaft und der Parteien ein zwangloses Zusammensein stattfinden, das Gelegen­heit zu perfönlicher Fühlungnahme geben wird. Der Minister wird bereits Dienstag abend wieder nach Berlin zurückkehren.

Preußischer Landtag.

In seiner Eröffnungssitzung für den bis Ende der Woche dauernden letzten Tagungsabschnitt vor der Weihnachtspause erledigte der Preußische Land­tag eine Reihe kleiner Vorlagen, so den Staats­vertrag mit der Volksbühne-Berlin, der aus Anlaß der geplanten Schließung der Kroll-Oper der Volks­bühne rund 1,5 Millionen RM. Barentschüdigung zufpricht und ihre Vorstellungen in der Linden- Oper garantiert.

Eine längere Debatte wurde eröffnet bei Be­ratung der Berichte der Oberrechnungskammer über die Prüfung der Haushaltsrechnungen von 1924 bis 1926. Nach längeren Ausführungen des Be.icht- erstatters Rose (D. V.) kam nur noch Abg. Ebers­bach (Dnt.) zum Wort, während die Weiterbera­tung vertagt wurde. Der deutschnationale Redner gab einen ausführlichen Ueberblick über das Er­gebnis der Arbeit der Oberrechnungskammer.

Am Dienstag will der Landtag den deutsch - nationalen Antrag gegen Minister Severing wegen der Haltung zum Remarque-Film debat­tieren und als Auftakt zur ersten Lesung des neuen Haushalts feie Einführungsrede des Finanzministers hören.

Freigabe der „Concordia". Aus Posen wird gemeldet: Die auf Anordnung der polnischen Re­gierung am 1. November geschlossene deutsche Druk- kerei „Concordia" hat ihren Betrieb wieder ausgenommen. Das Posener Tageblatt, das während der Stillegung der Druckerei in D a n z i g

gedruckt wurde und dreimal als Notzeitung erschien, wird nunmehr wieder in seiner Posener Druckerei als Tageszeitung hergestellt.

* Hindenburg lehnk das Ehrenpräsidium der Jnlernakionalen Lustschissahrkssicherheikskonserenz ab. Wie verlautet, soll Reichspräsident v. Hin­denburg die ihm angebotene Mitgliedschaft im Ehrenpräsidium der Internationalen Lustsahrt- sicherheitskonferenz in Paris abgelehnt haben. Die „Börsen-Zcitung" nimmt an, daß die Ablehnung des Reichspräsidenten auf die Tatsache zurückzu- führen ist, daß die Gleichberechtigung Deutschlands auf dem Gebiete der Luft­fahrt immer noch nicht völlig wieder­her g e ft e 111 ist.

3m Dienste der Völkerverständigung.

Eröffnung des Germanistischen Instituts an der Pariser Universität.

An der Pariser Universität wurde am Montag das Institut für das Studium der deutschen und im weiteren Sinne der germanischen Kultur offi­ziell seiner Bestimmung übergeben. Dieses In­stitut hat sich entwickelt aus dem schon seit länge­rer Zeit an der Sorbonne bestehenden Germani­stischen Seminar des Professors Henry Lichtenber­ger, der auch die Leitung des neuen Instituts über­nimmt. Bei der Eröffnungsfeier begrüßte der Rek­tor der Pariser Unwerftöt Carlety den anwesen­

den deutschen Botschafter v. H o e s ch als Kulturträ. ger und geistigen Mittler. Poincare hat den Vor­sitz der Veranstaltung übernommen, war aber durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert und ließ deshalb seine Rede verlesen. In sämt­lichen Ansprachen kam zum Ausdruck, daß das Institut berufen sei, das Verständnis für diedeutiche Kultur in weitere Volkskreife zu tragen. Das In­stitut will sich nicht nur auf rein literarische Auf­gaben beschränken, sondern durch einen leben­digen Meinungstaufch der führenden Geister Deutschlands und Frankreichs das gegenseitige Verständnis zu fördern suchen. Der Gedanke, daß eine Verständigung zwi­schen beiden Völkern geboten sei, weil beid als Träger der europäischen Kultur zu gelten hätten, kam sowohl in der einleitenden Ansprache von Pro­fessor Lichtenberger wie auch in allen übrigen Re­den zum Ausdruck. j

Zu Ehren Dr. Porsches.

Die Zentrumsfraktion des preußischen Landtags versammelte sich Dienstagvormittag, um, wie es der Führer der Fraktion, Abg. Dr. Heß, ausdrückte, „im engsten Familienkre'se Abschied zu nehmen" von dem verstorbenen Fraktionsführer Dr. Porsch. Dr. Heß hat, wie er ausführte, Dr. Porsch noch kurz vor seinem Tode in Breslau be­sucht und von ihm die letzten Grüße an die Frak­tion aufgetragen erhalten. Dr. Heß schloß seine Ausführungen: W'r können dem Verstorbenen un­sere Liebe nicht besser bewahren als dadurch, daß wir ihm versprechen, eine Fraktion zu stin und zu bleiben, wie er sie sich gedacht hat, nämlich eine Fraktion der vollen Einigkeit.

Die preußische Zentrumspartei selbst wird, wss wir hören, eine Trauerkundgebung in großem Rahmen Mitte Januar veranstalten. Dis Trauerkundgebung fall eingele tet werden durch ein feierliches Requiem, das von den Geistlichen der Fraktion celebriert wird. Dieses Requiem w>rd an ernem Samstag Mitte Januar stattfinden An dem darauf folgenden Sonntagnachmittag soll dann im Sitzungssaal des preußischen Landtages eme Trauerkundgebung der Gefamtpar- tei sich anschließen. j

Pomcarv schwer krank.

Am Sonntag hat Poincare, mit dessen Wieder­auftauchen als Ministerpräsident in Frankreich stark gerechnet wurde, einen neuen Krankheitsanfall er­litten. Der 71jährige französische Staatsmann scheint in Lebensgefahr zu schweben. Es liegt fol­gende Meldung vor:

wtb. Paris, 16. Dezember. (Erg. Meld.) Das Befinden Poincares, ber eine halbseitige Lähmung erlitten hat, gibt zur größten Beunruhi­gung Anlaß.

Die Poung-Obligakionen.

wtb. London, 16. Dzbr. (Eig. Meld.) „Times" beschäftigt sich heute in ihrem Finanzteil mit Zu­schriften aus dem Leserkreise aus denen hervorzu­gehen scheine, daß bei Inhabern der S^prozentigen brutschen Younganleihe wegen der Sicherheit die­ser Kapitalanlage unnötige Sorge bestehe. Das Blatt zählt die Sicherheiten, die für die An­leihe geschaffen sind, auf und sagt zum Schluß: Abgesehen von den Porkehrungen, die in dem Plan des Sicherungsdienstes der Younganleihe vorge­sehen sind, ist zu beachten, daß die Deutsche Re­gierung int Gegensatz zu unserer Regierung Spar- amkeit in den Vordergrund ihres Programms ge- tellt und einen sehr harten Kampf um eine ge- unde Finanzpolitik erfolgreich ausgefochten hat. Inter diesen Umständen besteht viel weniger An- laß zur Sorge bezüglich der Poung-Obligationen als noch vor wenigen Wochen.

* Reichstagsabgeordneter Hoffmann-Kaiserslau­tern gestorben. Im Westendsanatorium in Ber­lin verschied der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Johannes Hoffmann-Kaisers­lautern. Hoffmann war am 3. Juli 1867 in Hil­desheim bei Landau in der Pfalz geboren. Er war Lehrer von Beruf. Nach dem Umsturz beklei­dete er in dem Ministerium Kurt Eisners dgs Amt des Kultusministers. Nach der Ermordung Eis­ners wurde er zum bayerischen Ministerpräsiden­ten gewählt. Hoffmann gehörte schon dem alten Reichstag seit 1912 an, ebenso der Deutschen Na­tionalversammlung. Nachfolger des Verstorbenen im Reichstag wird nach der Liste des Wahlkreises 27 (Pfalz) der Rechtsanwalt Friedrich Wilhelm Wagner in Ludwigshafen.

Gegen die „Gottlosen".

In den letzten Tagen ist in der Presse wieder« holt davon gesprochen worden, daß die kommu­nistische „Internationale der Gottlo- f e n" ihren Sitz von Moskau nach Berlin verlegen wolle. Diese Mitteilungen haben bereits einigen । Parteien Anlaß gegeben, die zuständigen Stellen um Aufklärung zu ersuchen und gegen die etwaige Zulassung dieser Körperschaften in Deutschland Einspruch zu erheben. Noch gestern ist der Vor­sitzende der preußischen Zentrumsfraktion, Abge­ordneter Dr. Heß, in diesem Sinne beim Minister­präsidenten Braun vorstellig geworden, mit der Forderung, eine Niederlassung dieser Internatio­nale in Deutschland, der das Zentrum mit allen Mitteln entgegenwirken würde, unter keinen Um­ständen zuzulassen. Diese Forderung entspricht den Auffassungen der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes und ist auf schwerwiegendsts Grunde gestützt.

Die „Internationale der Gottlosen" ist, wie wir erfahren, erst vor ganz kurzer Zeit gegründet wor­den, und scheint sich zunächst noch etwas im Dun­keln halten zu wollen. Ihr Ursprung ist selbst-