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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

irr. 290

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Dienstag, 16. Dezember 1930.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 "RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeils: lokal 0.60 RM„ auswärts 0.80.RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Pgstscheckk. Franks, a. M 4051.

57. Zahrg.

Ser neueSowjek-Mschasler beihlndenburg! Die lleberwindung der Wirtschaftskrise

Auch Spanien ist ein unruhiges Land

Zusammenstöße Zwischen Dürgermiliz und Republikanern in Valencia.

die Republikaner eine er-

2 Zivilgardisten getötet und

verletzt, ferner seien 14 verletzt worden.

Der spanische Innenminister erklärte nach einem Kabinettsrat, die telegraphische Verbindung mit Jaca sei wiederhergestellt. Die Lage sei wieder normal gworden. Den Regierungstruppen sei es gelungen, den Militärgouverneur sowie die übri­gen von den Aufständischen gefangen genommenen Persönlichkeiten zu befreien. Bei den Kämp­fen sollen aus den Seiten der Aufständischen 5 Sol­daten getötet und 25 verletzt worden fein. Die Regierungstruppen sollen am Vormittag 200 und am Nachmittag 300 Gefangene gemacht haben. Was die Verluste der Regierungstruppen anbelangt, so Ui der Militärgouverneur von Huesca am Arm

Neue Welt-Finanzkonferenz.

Titulescu, der römische Gesandte in Lon­don, hat vor der englischen Völkerbundsliga in einer Ansprache angedeutet, daß nach seiner An­sicht in der nächsten Zeit dem Völkerbund eist Plan für die Einberufung einer allgemeinen Fi­nanzkonferenz unterbreitet würde. Eine Kata­strophe wäre ohne finanzielle Zusammenarbeit nicht mehr zu vermeiden. Auch der diplomatische Correspondent des „Daily Telegraph" will wissen, daß von einflußreiäier amerikanischer Finanzseite England und Frankreich ein Wink gegeben worden sei, daß Amerika geneigt wäre, wenn diese Staa­ten ein Abkommen über die Frage der Verwen­dung der Goldreserven treffen würden, Pläne für eine solche Zusammenarbeit mit Europa in Erwä­gung zu ziehen.

* Die britische Regierung hat an Amerika die völlige Halbjahres-Schuldenr ate oon 94 Millionen Dollar bezahlt. Die englische Gesamtschuld anAmerika beträgt noch 4 398 000 000 Dollar.

* Verbot der Einwanderung nach Brasilien. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Die Regierung hat die Einwanderung nach Brasilien für ein Jahr vom 1. Januar 1931 ab verboten.

reich, noch sind die Saargruben nicht in freiem deutschen Besitz, noch herrscht eine Völkerbund­regierung, in der der französische Einfluß aus­schlaggebend ist. Aber die Treue der Saarbevöl­kerung wird auch die letzten Jahre bis 1935 über­dauern. Dann aber erfolgt endlich jene A b st im­mun g, durch die der deutsche Charakter der Saar noch einmal laut vor aller Welt bewiesen wer­den soll. ____________________

Die heftige Krise, die die deutsche Wirtschaft gegenwärtig Heimsucht, ist nicht nur eine inner­deutsche Krise, vielmehr Teil einer tiefgehenden Erschütterung der ganzen Weltwirtschaft. Auf allen Weltmärkten sind scharfe Preisrück­gänge der Rohstoffe eingetreten. Mitte Oktober dieses Jahres standen wichtige Welthandelsartikel wie Weizen, Roggen, Kaffee, Zink, Zinn, Blei, Wolle, Kautschuk, Petroleum u. a. z. T. sehr er­heblich unter Vorkriegspreis. Die Produktion an Roheisen und Rohstahl bleibt heute um mehr als I 30 Prozent hinter der des Vorjahres zurück. Das Welthandelsvolumen ist um rd. 14 Prozent, und zwar bei den außereuropäischen Ländern stärker als bei den europäischen, abgesunken. Die Beschäf­tigung hat, besonders stark in den industriealisier- ten Ländern, entsprechend abgenommen. Allein in den drei Industrieländern Deutschland, England und Vereinigten Staaten sind z. T. rd. 11 Millio­nen Erwerbstätige arbeitslos, ungerechnet die Zahl der Kurzarbeiter.

In Deutschland selbst offenbart sich die Wirtschaftskrise u. a. in einem dauernden Rück­gang der Effektenkurse und einem vollständigen Darniederliegen des Börsengeschäfts. Die Zahl der Neugründungen nimmt ab, die der Auflösungen ständig zu. Seit 1925 sind rd. 35 000 Einzelfirmen, offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesell­schaften mehr aufgelöst als gegründet worden. Die volkswirtschaftlichen Umsätze, also die gesamten Warenumsätze zeigen gegenüber 1928 und 1929, wo sie vierteljährlich zwischen 50 und 60 Milliar­den sich bewegten, einen Rückgang um nahezu 10 Prozent. Dabei ist der mengenmäßige Rückgang bei den Produktionsgütern stärker als bei den Kon­sumgütern, ein Zeichen, daß wenig Kapital inve­stiert wird. Der allgemeine Rückgang der Ergie­bigkeit der Produktion offenbart sich in einem nach­haltigen Druck auf alle Unkostenfaktoren. Insbe­sondere ist schon seit geraumer Zeit die effektive ' Lohnsumme stark zurückgegangen, teils durch Ein­führung von Kurzarbeit, teils durch Entlassung von Arbeitskräften, in starkem Maße auch durch Abbau der tatsächlich gezahlten Stundenlöhne und Mo­natsgehälter, zunächst der übertariflichen Ver­dienste, dann auch der eigentlichen Tarifsätze. In den letzten Wochen ist auch ein Abbröckeln der Preise festzustellen, in starkem Maße bei den fwen Preisen, den Preisen also, die sich am freien Markte' im Wechselspiel von Angebot und Nach­frage bilden und auch der ausländischen Konkur­renz ausgesetzt sind, weniger ausgiebig bei den log. geregelten d. h. kartellgebundenen Preisen.

Die am meisten in die Augen springende Folge des allgemeinen Darniederliegens der gesamten Wirtschaft ist die erschreckend hohe Zahl der Ar­beitslosen. Rund 3,5 Millionen Erwerbstätige sind bereits jetzt arbeitslos, und es muß mit einer weiteren Steigerung auf mindestens 4 Millionen für die kommenden Wintermonate gerechnet wer­den. Weitere rd. 2 Millionen Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit beschäftigt. Besonders groß ist die Arbeitslosigkeit unter den Industriearbeitern. Von rd. 10.5 Millionen Industriearbeitern sind nur noch etwa 6,4 Millionen vollbeschäftigt. 1,8 Millionen sind Kurzarbeiter, 2,3 ohne Arbeit. Die seelische

Sehr richtig;

In einer Rede in Barmen sagte der neue Führer der Deutschen Volkspartei, D i n g e l d e y:

Die Aufgabe des Jnnenpolitikers sei es, die d" Begeisterung zu erhalten, die Ällfgabe des Außenministers, sich dieser Flamme sv bedienen, aber nicht so, daß dabei 8e|Lc 1 9e tt e Haus verbrenne.

JDtefeä Wort sollte manchen Politiker zum Nach- Von der Mehrheit des Autzenpolisischen Ausschusses des Reichstags wurde Ma Ä>Dbi$en gesunden Rezept nicht verfahren. Ma d,e Nationalsozialisten und Hugen- X™ Ton angeben, wird mit den „Flammen" hr als unvorsichtig umgegangen.

Auswirkung der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit ist deprimierend. Die wirtschaftliche Not der Erwerbs­losen und ihrer Familien ist trotz der Arbeits­losen-, Krisen- ober Wohlfahrtsunterstützungen sehr drückend und hart. Der Ausfall von Kaufkraft für die Wirtschaft muß unter Zugrundelegung einer Lohnsumme von monatlich etwa 150 Mk. je Kopf auf rd. 350—400 Mill. Mk. pro Monat geschätzt wer­den. Das eröffnet keine guten Aussichten für das Weihnachtsgeschäft. Die Ünterstützungsbeträge für die Erwerbslosen müssen mit rd. 250 Mill, pro Monat veranschlagt werden, die z. T. durch beit 6^prozentigen Beitrag der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer zur Arbeitslosenversicherung aufgebracht werden, in Höhe von rd. 115—120 Mill, die Etats der öffentlichen Körperschaften (kommunale Wohl­fahrt und kommunale Zuschüsse zur Krisenunter­stützung; Reichszuschüsse zur Arbeitslosenversiche­rung und Krisenfürsorge) belasten.

Die hohe Arbeitslosigkeit ist sicherlich z. T. auf die Zunahme der Erwerbstätigen zurückzuführen. Seit 1914 hat die Bevölkerung um rd. 4 Mill, zu- genommen, dis Zahl der Erwerbstätigen dagegen um rd 8 Millionen. Diese starke Zunahme der Erwerbstätigen ist in erster Linie aus dem oerän- derten Altersaufbau der deutschen Bevölkerung zu erklären, aber auch aus der allgemeinen Verar­mung und sozialen Not, wodurch viele, namentlich Frauen, zur Erwerbstätigkeit gezwungen werden, die sich unter anderen Umständen nicht dem Geld­erwerb zugewandt hätten. An sich jedoch hat un­sere Wirtschaft in den vergangenen Jahren diesem unverhältnismäßigen Mehr an Erwerbstätigen Be­schäftigung gegeben. Die derzeitige Arbeitslosig­keit offenbart sich also doch in erster Linie als Folge der Wirtschaftskrise. Dabei wirkt sie durch die Kaufkraftminderung zugleich als ver­schärfender Faktor. Des weiteren ist sie ein schwer- belastender und unsicherer Ausgabeposten für die öffentliche Finanzwirtschaft.

Die K r i s e, die die Wirtschaft der ganzen Welt erscküttert, kann nicht aus einer eiw'"-n e erklärt werden. Sie hat mannigfache Ursachen, von denen einige wichtige genannt seien. Der sog. Friedensvertrag von Versailles hat rd. 11000 Kilometer neue Zollgrenzen geschaffen. Das be­deutet eine sehr starke Hemmung des internationa­len Warenaustausches. Diese Erschwernis wurde durch eine im vergangenen Jahrzehnt vielfach ab­rupt wechselnde, namentlich in den neu entstande­nen Staaten übertrieben protektionistische Handels­politik noch gesteigert. Dazu kommen die empfind- sichen Störungen, die durch die politischen Unruhen in Südamerika, die Boykottbewegung in Indien (300 Mill. Menschen), die militärischen Wirren in China (420 Mill. Menschen) und das vielfache Dumping Rußlands auf dem Weltmärkte m den internationalen Handelsverkehr hineingetragen werden. Die starken Wertverschiebungen im Ver­hältnis der Landeswährungen zueinander durch den Krieg und die inflationistische Währungspolitik der Nachkriegszeit haben den normalen internatio­nalen Geldverkehr und Kapitalausgleich immer wieder gestört. Die deutschen Reparationszahlim- gen, die sich als unentgeltliche Warenlieferungen und Dienstleistungen hauptsächlich an Amerika und

Die revolutionäre Welle in Spanien greift weiter um sich. An der französischen Grenze war ein größerer Militäraufstand ausgebrochen, in allen Großstädten entfalten ' höhte Aktivität. Man rechnet mit neuen Streiks.

Nach einer Havasmeldung aus Hendaye besagt eine Nachricht aus Saragossa, daß der Gene­ralkapitän die Wiedereröffnung der Läden, die in­folge des Streiks geschloffen hatten, angeordnet habe. Die Verordnung geht auch dahin, daß alle Arbeiter staatlicher Betriebe, die ihre Tätigkeit niederlegen, vor Gericht gestellt werden würden.

Nach einer Havasmeldung aus Madrid hat das Kriegsgericht die Hauptleute G a l l a n und S a- linas wegen Beteiligung an dem Aufruhr in Jaca zum Tode verurteilt. Das Urteil ist bereits vollstreckt worden. Andere Offiziere wurden zu lebenslänglichem Kerker verurteilt.

Abmarsch des Saar-Lahnschutzes. hJfc12- D^ember ist der letzte Rest der frern- ftfmb e'^u"9 tm Saargebiet, der sog. Saar-Bahn- Mtz, abgeruckt. Von den 10 000 Mann französi- ErJrUPsPen'/-bie bei Abschluß des Versailler 25o R5 bas Saargebiet besetzt hielten, waren bavon 40 Belgier, übrig geblieben. Ihr int»^"ben zieht einen Strich unter eine fakt ^nationale Streitfrage, die sich bi.nzog, fünfzehnmal den Völker- Berick^n beschäftigte und ein ganzes Arsenal von Zuchten, Denkschriften und Noten füllt, land fLUnter ^osien Schwierigkeiten hat Deutsch- <tebiri;,Jn bereits im Versailler Vertrag zu- Der Nni/ auf Räumung durchsetzen können, den s.E^bunbsrat stellte sich 6 Jahre lang auf KefeB f,fd>eE Standpunkt, daß eine militärische renbp„ £ £ur ®’$erung der nach dem Osten füh- Kämnt-» nlmien notwendig war. Nach langen ^ann bie Zahl der Truppen auf 1000

Am 18. März 1926 wurde eine tatet Ä genommen und der militärische Cha- s»uk" Besetzung hinter dem Begriff „Bahn- Am 12. März 1927 erreichte °6er erfr n eine Verminderung des Bahnschutzes, ®eutfcf’rn„xanL 121 September 1930 gelang es ÄHfl i ?’ bie restlose Aufhebung und die Erset- krbuphV,* elne Art Technischer Nothilfe im Völ- dkeiin^^burchzudrücken. Nach der gestellten ^oibatpn11^>en sind die letzten Bahnschutz- ^j_ abgezogen.

deutel . ^utlchland, wie für das Saargebiet, be- tzchrUi , Dezember 1930 zweifellos einen SaQr vorwärts. Freilich die Freiheit der EL.„JJ. damit noch nicht erreicht. Noch steht das ueviet in Zollunion mit Frank-

Der schleichende Bürgerkrieg.

Mieder ein Toter.

In einer am Samstag abend in Gladbach- Rheydt stattgefundenen öffentlichen n a ti o- nalsozialistischen Versammlung kam es bereits zu Beginn zu Streitigkeiten unter den Versammlungsteilnehmern, als der Versammlungs­leiter erklärte, daß von der am Schluß der Ver­sammlung vorgesehenen freien Aussprache Kommunisten aus geschl assen seien. Als Versammlungsteilnehmer mit Stühlen aufein- anberlos gingen, wurde die Versammlung von der Polizei aufgelöst. Ein Nationalsozialist trug einen Messerstich im linken Oberarm davon. Drei Versammlungsteilnehmer wurden festgenommen, zwei wurden wieder entlassen. Nach Auflösung der Versammlung marschierten die Nationalsoziaü- sten zu ihrem Vereinslokal in München-Gladbach. Nachts fuhren vier n a t i o n a l f o z i a l ist i f che Führer nochmals nach Rheydt, wo sie vor dem Versammlungslokal mit einer Gruppe von gleich­falls vier Männern nach einer Auseinandersetzung in ein Handgemenge gerieten. Im Verlaufe dieses Streites gab der Führer der Schutzstaffel München-Gladbach der NSDAP. Arnold N ö h l e s vier Schüsse ab, von denen einer den Stuka- teur Reiners ins Herztraf. Reines war f o f o r t t o t. Später wurde Nöhles und feine drei Begleiter, unter denen sich auch Konrad Göb­bels, ein Bruder des Reichstagsabgeordneten befand, festgenommen. Nöhles gab zu, vier Schüsse abgefeuert zu haben, will aber in Notwehr ge­handelt haben.

totb. Berlin, 15. Dzbr. (Eig. Meld.) Reichs- vräsident von Hindenburg empfing heute den neu- crnannten Botschafter der Union der sozialistischen Sowjet-Republiken, Leo C h i n t ch u Ä, zur Ent­gegennahme feines Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter 'Tärte in seiner Ansprache:

Mit de schloß des Vertrages von Rapallo haben die V der Union der sozialistischen Sow- jet-Republikei /en Weg der freundschaftlichen Be­ziehungen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit be­schritten, die in der verflossenen Zeit einen präg­nanten Ausdruck gefunden haben und einen bedeu­tenden positiven Faktor in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung unserer Länder und un­serer Politik des Weltfriedens darstellten. Meine Aufgabe wird es fein, die freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken und Deutschland nach Kräften fortzubilden und zu vertiefen. Sowohl im Inte­resse der beiden Ländern, als auch zum Zwecke der Festigung des allgemeinen Friedens.

Reichspräsident von Hindenburg erwi­derte u. a.: Ich stelle mit Genugtuung fest, daß Sie in Ihrer Ansprache der guten Beziehungen und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit gedacht haben, die sich auf Grund der bestehenden Ver­träge zwischen Deutschland und der Union der so­zialistischen Sowjet-Republiken zum Wohle beider Völker und zum Nutzen für den Weltfrieden ent­wickelt haben und bitte Sie die Versicherung ent­gegenzunehmen, daß die Deutsche Regierung und ich selbst alles tun werde, um Sie in Ihrem Bestre­ben zu unterstützen, diese Beziehungen weiterzu­pflegen und zu vertiefen.

Kellogg ist zuversichtlich.

Der alte Frank Billings Kellogg hält sich auf der Rückreise aus Oslo, wo er seinen Friedens­nobelpreis in Empfang nahm, ein paar Tage in Berlin auf.

In einem kurzen Gespräch mit einem Mitarbeiter der „Voss. Ztg." sprach der frühere Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika von seiner großen Verehrung für Stresemann und von den ■ Fortschritten, die zweifellos in der internatio­nalen Friedenspolitik und Schieds­gerichtsbarkeit festzustellen seien. „Die Völker Europas sind friedlich gesinnt. Es wird nie wie­der zu einem Krieg.e kommen, davon bin ich fest überzeugt. Ich denke, daß alle diejenigen Staa- fen, bie dem Kelloggpakt beigetreten sind, ihn auch erfüllen werden." -

Kein Staat sei bereit, in der Abrüstung so weit zu gehen wie die Vereinigten Staaten. „Der Frieden Europas schreitet fort, und die Vereinigten Staaten sind eifrig bemüht, diese friedliche Entwick- i°röern. Die Gärung, die in manchen Vollem herrscht und dort eine gewisse Unsicherheit verursacht, beruht im wesentlichen auf wirt- Ichaftlicher Depression. Deutschland ha' also etwa kein Monopol auf eine Wirtschaftskrise; sie ist überall zu spüren, aber sie wird vorüber-

»"d mit ihr der Unsichecheitssaktor in manchem Land."

Vom Stahlhelm.

Der zweite Bundesführer des Stahlhelms, Oberstleutnant a. D. D ü st e r b e r g, hat in einem Führerbrief zu der Romreise der Stahlhelmmitglie­der Stellung genommen. Dem Jungdeutschen zu- olge heißt es in diesem Schreiben:

Ohne Wissen und somit selbstverständlich ohne Erlaubnis der Bundesführung nahmen die Stahl­helmkameraden ihre Feldkluft mit und traten in dieser nicht nur gelegentlich einer Veranstaltung der Stahlhelm­ortsgruppe Venedig, sondern auch bei ihrer Teilnahme an der italienischen Königsparade, ausgerechnet am 11. November, bei dem Niederlegen eines Kranzes am Grabe des unbekannten italienischen Soldaten wie beim Empfang durch Mussolini auf. Im Bundesvorstand war chon das Niederlegen eines Kranzes bei einer früheren Jtalienreise gerügt worden. Dieses Mal erfolgte die Kranzniederlegung sogar in Stahlhelmkluft. Cs ist be­dauerlich, daß die Führung der Reisegmppe wie die be­teiligten Kameraden nicht selbst das Widerspruchsvolle ihres Tuns empfunden haben. Die Niederlegung eines Kranzes an einem Heldendenkmal italienischer Soldaten durch Deutsche ist eine große und ungewöhnliche Ehrung, die, wenn überhaupt, erst erfolgen darf, nachdem die italie­nische Politik gegen das Deutschtum in Südtirol einer gerechten Behandlung unserer Volksgenossen gewichen st; davon ist leider bis heute keine Rede.

Die Ueberreichung eines Stahlhelmabzeichens als Er­innerungsgabe an Mussolini durch die Führer war eine Handlung, die nur der Stahlhelmbundessührung zustand oder in ihrem ausdrücklichen Auftrage hätte erfolgen dür­fen. So aber, wie es geschehen, war es eine außeror­dentlich bedauerliche Eigenmächtigkeit.

Zu einer Ansprache, wie sie der Dr. Heinke am Mus­solini gehalten hat, war dieser Stahlhelmführer in kei­ner Weise berechtigt. Er konnte einfach seiner und der beteiligten Kameraden Dank für das ihnen be­wiesene Entgegenkommen und für die gastliche Aufnahme auslprechen, und damit war es vollauf genug. Im Na­men des Stahlhelms aber eine politische Rede zu halten, war ein 'erneutes und weites Ueberfcfjreiten feiner Be­fugnisse. Trotz rückhaltloser Anerkennung aller lang» fahrigen hervorragenden Stahlhelmverdienste der betei­ligten Kameraden, mußten die Verstöße gegen die ge­nauen Anordnungen der Stahlhelmsührung i'm Interesse des gesamten Bundes geahndet werden.

Also auch so unbedingt nationale Leute wie Stahlhelm-Leute es sind, machen Fehler,

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