2SS. Beilage zur Fuldaer Zeitung 14« Dezember
NILS
Hb.
Dritter Adventssonntag.
Ein angslied: Phil. 4, 4—6.
'freut euch n Herrn immerdar. Ich sage es ■„her- Freut ch- Herzlich und gut zeigt euch
.. Menscheni denn der Herr ist nahe. Laßt die n Was ihr wünscht, das tragt in jedem Gebete vor Gott. (Ps. 84, 2) Du hast, o Herr, tein Land begnadet, beendet Jakobs Knechtschaft.
En llvm: 3ob. 1, 19—28.
3n jener Zeit sandten die Juden von Jerusalem Nriester und Le tton zu Johannes mit der Frage: gßer bist du?" Er bekannt und leuanete nicht, ändern er bekannte: „Ich bin nicht Christus." Da kraaten sie ihn: „Was bist du denn? Bist du Ljjfls?" Er antwortete: „Ich bin es nicht." „Bist der Prophet?" „Nein", entgegnete er. Da torachen sie zu ihm: „Wer bist du denn? Wir müf- fat doch denen, d'e uns gesandt haben, Antwort bringen. Für wen gibst du dich selbst aus?" Er antwortete: „Ich bin die Stimme des Rufers in ber Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! wie der Mphet Jfaias gesagt hat." Die Abgesandten gehörten den Pharisäern an. Sie fragten ihn nun weiter: „Warum taufst du denn, wenn du nicht Chnstus bist, nicht Elias und nicht der Prophet?" Johannes erwiderte ihnen: „Ich taufe mit Wasser. In eurer Mitte aber steht der, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt und mir doch voraus ist. Ich bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu losen". Dies geschah zu Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
„Bereifet den Weg -es Herrn
Der Ruf von dem seltsamen Gottesmann am Jordan war auch in die heilige Stadt Jerusalem gedrungen. Dort erzählte man von ihm an den Straßenecken und beim Gang in den Tempel, und schließlich sandten die Juden Leute hin, sich zu erkundigen, und die Gesandten waren Priester und Leviten. Denen gibt Johannes die Antwort- „Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste, bereitet den Weg des Herrn!"
Was mag Johannes wohl gemeint haben mit dem „Weg des Herrn?" Sicher keinen Feltaveg und keine Autostraße, auch nicht den Weg, den der Heiland damals in Palästina ging. Und mir dürfen die Mahnung des Täufers Johannes nicht so aufiassen, als habe sie nur gegolten für die damalige Zeit, wo das Auftreten Christi unmittelbar bevorstand. Nein, die Mahnung gilt auch heute noch, und der Weg des Herrn ist heute noch zu bereiten, jeden Tag und jede Stunde, denn er ist der Weg zu unserer Seele, der Zugang zu unserem fierten, den wir dem Hernr bereiten und offen halten lallen. Das tst doch wohl der Sinn unierer Religion, daß Gott in unserer Seele wohnt. Mit anderen Worten: daß der Geist der Liebe und "reue, der Eerst der Güte und Hilfsbereitschaft in ins waltet und unrer Handeln bestimmt. Kann denn der Weg zu unserer Seele auch für den Herrn verschlossen fein?
Sicher kann er das. Da wächst vielleicht das Dorngestrüpp des Hasses und der Verbitterung so dicht, daß von einem Weg kaum mehr die Rede fern kann. Da sperren vielleicht die Felsblöcke der Geldgier und der Mutlosigkeit den Zugang da gähnt vielleicht die breite Schlucht des Zweifels, ob denn die ganze Religion und oller Gottesdienst wirklich so viel bedeute — es wird schon gut sein, wenn du den Weg zu deinem Herzen einmal genau anschaust. Und wenn du das recht getan hast, dann weiß du auch, was es hetßt, den Weg des Herrn bereiten. Nichts anderes, als den Zugang zu deiner Seele frei machen für Gott.
Vielleicht haft du Familie Dann we-ßt du, daß auch da Gott mitten unter euch sein »ill ueberlege einmal, was du tun kannst, um ihm da den Weg zu bereiten.
Schau auch einmal hin aufs öffentliche »en ! Glaubst du, daß auch da der Weg Gottes zu bereiten ist? Vielleicht denkst du: das geht mich nichts an, ich bin weder Bürgermeister noch Abgeordneter. Ich sage dir, das geht dich wohl an, °nch wenn du keine öffentlichen Aemter bekleidest, -“ege bereiten ist eine mühselige Arbeit, ob es sich Nun handelt um Straßenbau ober um den Weg •ft 7.errn- von dem heute im Evangelium die Rede "'• Darum stelle dir die Sache nicht so leicht vor.
Vielleicht bist du auch der Meinung, es gäbe ^nug Menschen, die das Wegbereiten und Aufräumen nötiger hätten als du, und du meinst, die wllten erst damit anfangen. Glaubst du wirklich, °u könntest dich mit dieser bequemen Ausrede vor-
Vom Nikolaus zur Befana.
Der römische Veihnachlsmonak.
Von F. X. Zimmermann (Rom).
An Rom sind auch die Festdinge meist allemal anders anderswo, weil sie in dieser dreitausendjährigen kntcheusiedlnug eben auch sinnfälliger als anderswo uralten, noch lebendigen Ueberlieserungen in S'tte brauch und mit besonderen Bestimmtheiten der Snu - n Zusammenhängen. In den vielfachen fink vten äer Stadt, so oft noch antiken Ursprungs, diese Traditionen bis auf den heutigen Tag ve- h-./Jt, und auch in nachchristlicher Umgestaltung noch Munich erkennbar.
'st es auch der Fall mit der Zeit vom Nikolaus lck» c ana' &em römischen Weihnachtsmonat. In beut» P" ,unden ist Weihnachten ein Fest weniger Tage mit s alle Menschen brüderlich verbindenden Vorspiel des onf*r n Abends", dem eigentlichen Christtag und dem tiien o en^en dankt Stephanstag. Unfern germani- 9;. " -Ulworderen brachten die Tage und Nächte der > i erwnnenwende freilich eine längere Folge von iei«.°8en’ 65 waren die Nächte, in denen Wodan mit "uihallischen Gefolge durch die Lüste ritt Die diriiri:* Bezeichnung dieser — in ihr freilich schon umgestalteten und mit neuem Inhalt erfüllten Ifen ra® die Erinnerung an jene Tage der heidni- n<1[ ^otterverehrung fest, wenn sie von den „wihen QlJ1 «i den späteren „W eihenächten" oder der "Weihnachtszeit" spricht.
Päpstliche Werk muß vor allen anderen Missionswerken unterstützt werden. Dadurch, haß Rom die Missionshilfe', die bisher auf den Schultern einer kleinen Gruppe Minderbemittelter lastete, auf die breite Basis einer die gesamte Kirche umfassenden Organisation erweiterte, und diese Aktion unter die spirituellen Kräfte der offiziellen Kirche selbst stellte, hofft es, eine gründliche übernatürliche Fundierung des gesamten Missionshilsswerkes zu schaffen, die sich für die Sondermissio ns= werke der Orden nicht als Konkurrenz herausstellt, sondern als eine Sicherung ihres Bestandes und eine Erhöhung der ihnen zugedachten Opfergaben bre Christen. Das Päpstliche Werk soll nur einen kleinen Beitrag fordern, der bei Armut ganz erlassen wird Aus der Summierung von Millionen kleiner Gaden im Laufe eines Jahres ergibt sich bann für Rom eine große Geldsumme, bie bie Kirchenlestung für diezentralen Aufgaben ber Weltmission benutzt. Denn wie bie Kirche in ber Heimat burch bie Neuorganisation der Missionshilfe ein Drbnungsprinüp in die zum Teil sich überkreuzenden privaten Initiativen hineinbrachte, so hat sie in den Missionen selbst durch stets stärkere Ordnungstätigkeit die wachsenden Aufgaben ber Weltkirche zu lösen versucht. Seit bem Vatikanischen Konzil kann man biete gewaltige Entfaltung bes Papsttums als Orbnungsprin- zip der Wellmission vielleicht noch stärker beobachten, als in ber Zeit fei Gründung ber Propa- ganba im Jahre 1622.
Wie die Erwachsenen im Werk bec Staubens» Verbreitung, so sollen sich bie Kinber im Werk der hl. Kindheit organisieren. Dieses und das Werk für den einheimischen Klerus sind Hilfswerke des Hauptwerkes und sind mit bem Titel „Päpstlich" ausgezeichnet. Das Werk für deneinheimi- schen Klerus („vorn hl. Petrus") soll sich als bas Werk ber Gemeinschaften (Pfarreien, Vereine usw.) betätigen, um balbigft einen einheimischen Klerus zu schaffen. Besonbers bezeichnet bie römische Zentralleitung es als eine Aufgabe der Priester, durch Beihilfe zu diesem Werke einen einheimischen Weltpriesterstand schaffen zu helfen. Und der P r i e st e r - M i s s i o n s b u n d, 'n allen großen katholischen Kulturländern der Erde eingeführt, soll die Leitung ber ganzen seeliorglichen Missionshilfsaktion unternehmen unb bie ganze Missionshilfe nach ben Richtlinien Roms unter Wahrung ber Seldstänbigkeit der Päpstlichen Werke dirigieren. Das ist ein grandioser Organisations- unb Ordnungsptan, zu dessen Durchführung in anderen Ländern Europas schon weit größere Anstrengungen gemacht wurden als in Deutschland.
Am Weltmissionssonntag stellte der Papst die Idee des missionarischen Volkes vor bie Seele ber ganzen Christenheit. Mag Deutschlanb in tiefem Jahre wenig tun können für die materielle Missionshilfe: es kann alles tun für Einsenkung des päpstlichen Missionsplans unb feiner übernatürlichen Kräfte in die Herzen.
katholische Koste im Dienste kalh. presse
Von P. Robert Svoboda.
Der Broschürenverkaufs st anb in ber Kirche hat sich binnen kurzem mühelos allgemein burchgefetzt. Er trägt allerbings eine Problematik in sich, bie aber nicht in ber anfänglich von ben Sortimentern befürchteten Gefahr geschäftlicher Schäbigung bes Vuchhanbels unb nicht in ber bes Diebstahls besteht. Unseres Erachtens liegt ein Hauptproblem in ber Unpersönlichkeit bes Broschürenverkaufsstandes, unb zwar nicht nur in dem Sinne, daß bas Interesse des Verwalters abflaut, daß bementfprechenb also ber Verkaufsstand ungepflegt, verwahrlost unb schon barum unwirksam wird. Dem Broschürenverkaufsstanb fehlt vielmehr ob seiner Unpersönlichkeit, bie für manche Fälle gewiß seinen psychologisch-seelsorgerlich ent- scheibenben Vorzug darstellt und wesentlich zu feiner Einführung bestimmte, anberereits bas positive Element der frischen, psychologisch evtl, erst wirkungsschaffenden persönlichen Werbung, ber größeren Beweglichkeit unb ber bauernden Pflege unb Gegen wartseinstellung. Unb bamit fehlt ihm auch bie breitere Grunblage sowohl was ben Charakter unb Inhalt ber Schriften als auch was die Art ihrer Erscheinungsweise (ob einmalige Broschüre ober ob periodische Wochen- ober Tages« schristen) angeht. Diese Erwägungen unb ber Hinblick gerabe auf bie burch letzteren Umftanb nicht erfaßten unb doch besonders förberungsbebürt« ttgen Veröffentlichungen (Katholische Tagespresse, Illustrierte, Wochenblätter! usw. ließen nach einer Ergänzung (nicht Verbrängung) des Brösch ürenverkauss st and es suchen.
Der Katholische Kiosk rechnet positiv zunächst mit ber Tatsache, baß sich bas Leseinteresse des heutigen Menschen vom Buch, auch von ber Broschüre weg stärker auf bie periodische Literaturgattung, die Zeitung unb bie Wochenblätter konzentriert hat. Es hat lange gedauert, bis wir Katholiken uns auch rebaktionstechnisch barauf eingestellt haben. Aber nun haben wir doch selbst illustrierte Blätter wie ben „Feuerreiter", die „Wochenpost", „Die Welt", ben „Weltguck". Sobann rechnet ber Kiosk mit ber ebenso sicheren Tatsache, baß bie Katholiken nicht bie genügende Gelegenheit besitzen, diese Blätter überall bequem zu bekommen. Die katholischen Erscheinungen sind entweder nicht, wenigstens einigermaßen leicht, öffentlich im Vordergrund des Straßen- b i l b e s unb bamit auch nicht im Vordergrund der Käuferphantasie, oder sie find überhaupt nicht leicht genug zu erstehen. So erinnert, der Vro- schürenverkaufsstand allein noch zu stark an Ghettochristentum: gewiß, er braucht das nicht schlechtweg, aber er tut es heutzutage oft, wie ein erster Vergleich mit bem Veririebswesen ber Schriften anderer Weltanschauungen lehrt, unb tut es auch, wenn wir die Qualität so mancher der ausgeleg- ten Schriften prüfen. Ein Kiosk, ein Straßenver-
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käufer überhaupt, könnte sich damit finanziell nicht immer halten. So ist bie Einführung des Kiosk der Zwang zu neuem Stil unb klarer Offensive.
Der katholische Kiosk will sowohl Orientierungsmittel darüber sein, welche Illustrierten, auch welche Zeitungen unb Broschüren der Katholik kaufen unb halten kann unb soll, als auch Bar», rikabe gegen Schmutz unb Schunb, wo man nicht bloß predigt, sondern handelt: „Kauf, nimm und lies". Die Zeitschrift „Die Seelsorge • (herausgegeben von ber Freien Vereinigung für Seelsorgshilfe, Freiburg i. Br.), ber wir befe Aus- führungen auszugsweise entnehmen, verweist weiter darauf hin (8. Jahrgang, Heft 4), daß sich bisher vornehmlich zwei Formen des katholischem Kiosk herausgebildet haben:
1. Der Pfarrkiosk. Kaplan Hambüchen-Wald (Rhld.) hat einen solchen eingeführt: „Bereits Jahr haben wir einen Pfarrkiosk. Hübsch, gelbweiß gestrichen, lenkt er die Aufmerksamkeit der Kirchenbesucher auf sich. Ja, anfangs hat mancher bageftanben, ben Kopf geschüttelt unb sich gefragt: „Was soll denn dies?" Aber es würbe ihm nicht lange Zeit gelassen, unb es ertönte eine Stimme: „Bitte, bie neueste Illustrierte, Der Feuerreiter, Wochenpost, Kölnische Volkszeitung, ber Deutsche Weg Bergische Post, Blätter für Kleib- unb Heim- tultur." Unb wer verkauft biefe Zeitungen und Zeitschriften? Etwa ein Invalide ober eine Frau, bie sich noch ein paar Groschen nebenbei verdienen wollen? Jungmänner haben sich in den Dienst des Presseapostolats gestellt. Acht Mann, bie Sonntag für Sonntag abwechselnd zu zweien ben Dienst versehen. Den ganzen Sonntagmorgen, von ber ersten bis zur letzten hl. Messe im Dienste der guten Presse. Der Erfolg? Für eine Diasporagememde ist er sehr groß zu nennen. Es wurden insgesamt 11 500 Nummern verkauft." (Der Rufer, 1930, L)
2. Eine andere Form ist der katholische Kiosk auf privater Grundlage, wie er in Dresden feit Ostern 1930 besteht, lieber ihn schreibt fein Besitzer (Ebda. 1930, VI.): „Es ist ein kleiner fahrbarer Wagen, weiß angestrichen-, aber leider muß ich ihn mit Reklame bemalen, weil sich niemand findet, ber mir etwas betau gibt Die Kosten bes Wagens beliefen sich auf 275 Mark. Als ich am Ostersonntag mit bem Wagen an der Hofkirche stand unb von allen Seiten Worte ber Freube hörte, daß endlich so etwas geschaffen war, war mein Herz voll Danfesroorte gegen ben lieben ©ott, daß ich für alle gehabten Mühen unb Laufereien reichlich entschädigt war. Vor allen Dingen bin ich sehr zufrieden mit bem Verkauf. Am Ostersonntag allein habe ich 30 Exemplare der „Sächsischen Volkzeitung" verkauft und 39 St. Benoblätter, außer den anderen Schriften und Broschüren." _________________
beidrücken an der ernsten Forderung des heutigen Evangeliums?
Wenn ich vorhin sprach von Dorngestrüpp und Steinen — du wirst mich wohl recht verstanden haben und weißt, daß das nur bildlich gesprochen ist — glaube nicht, daß du die ganze Arbeit aus einmal in Angriff, nehmen kannst. Nimm dir eins vor! Ich weiß dir etwas, ein böses Unkraut ift’s unb überwuchert heute fast alle Herzenswe--«?. Mutlosigkeit heißt es unb liegt auf ber Welt und den Menschenherzen schwerer wie ber graue Novemberhimmel. Es paßt zum Weg ^>es Herrn wie Trauerfahnen zur Fronleichnamsfeier.
Du unb ich, wir wollen anfangen, vielleicht mit biefem Unkraut, vielleicht mit diesem Untraut, vielleicht auch mit etwas anderem, wenn es nötiger ist. Aber wir wollen anfangen, Wegbereiter des Herrn zu fein.
Das missionarische Do!L
Welche Rolle spielt bei uns der Missionsgedanke? In der „Rhein-Mainischen Volkszeitung" vom 8. Mai 1930 gibt auf diese Frage Dr. Karl Holzamer eine bezeichnende, aber überaus treffende Antwort: „Aufs Ganze gesehen, fristet der Missionsgedanke bei uns ein allzu kümmerliches T r qk- tätchendasein. Ich vergesse dabei nicht die reiche Forschertätigkeit der Misstonswissenschastler, zumal nicht ber Arbeiten in Münster. Aber biefe ausgezeichnete Arbeit bewegt sich zu sehr in einer reinen Ansichtssphäre, weil bie geistigen Schichten Deutschlands noch gar nicht für ben Missionsgeban- ken in ber heutigen Zeit reif unb bereit gemacht worden finb. Was an praktischer Arbeit wirksam gemacht würbe, ergreift fast nur untere Schichten.. Die Motive, mit denen für die Mission gearbeitet wird, stehen meist nicht über bem :f ü r bie a r - men Heidenkinder." Das ist die Lage des Missionsgedankens in Deutschland. Denkt iran nun noch an die Verengung des Horizontes, bie der Krieg brachte, obwohl er scheinbar durch bas Hinausbrängen ber Germanen über ihre Lebensräume ihren Horizont weitete, denkt man an bie kritische Lage ber christlichen Kultur im Abendland e, an Neuheidentum. Sozialismus unb Bollchewismus, an deutsche Diasporanot unb bas Problem ber Austanbsbeutschenseelsorge, bann gehört schon Mut bazu, sich für ben Mis- fionsqebanfen einzusetzen.
Pius XI. hat biefen Mut. Ihm ist bas Missionswerk geblieben, „das größte und heiligste aller katholischen Werke". In dieser Stunde europäischer Not, wo gewaltige Mächte aus der Tiefe mit Ei- fenftammem die christliche Volksseele einzuengen drohen, fordert er die Mobilisierung aller Gläubigen für bie Bekehrung aller Nichtgläubigen. In biefer Stunde stellt er die Missionshilfe als eine Betätigung christlicher Liebespflicht hin, ber jeher Christ unterworfen ist. Die Kirche ist wesenhaft mifftonarifd) angelegt, ihr Lebensbrang ist wesenhaft missionarisch. Also müssen auch ihre ©lieber wesenhaft missionarisch fein. Der aus dem Ganzen für bas Ganze benfenbe Papst stellt bie Bekehrung von über 1000 Millionen Nichtchristen als bie primäre Aufgabe bes karyotr- schen Apostolates hin. Wohl gemerkt: Es ist ber Vapst ber Katholischen Aktion, ber bas universale Prinzip ber Missionshilfe in ber Rettung Europas unterorbnet bem noch universaleren ber Neu- qeroinnung der heibnifchen Menschheit, ohne eine dieser Aufgaben absolut zu setzen. Wie im Organismus keine Tätigkeit überflüssig ist, ta muß ellta anbere katholische Aktivität sich einorbnen, in bie beherrschendste Apostolatsaufgabe: bie Weltmission.
Die Organisationsformen ber Katholischen Aktion in ber Allen Welt hat ber Papst nicht bis ins einzelne bestimmt, wohl aber hat er einen einheitlichen Organisation splan für die missionarische Hilfsaktion
geschaffen, ber Alle unb Neue Welt umfaßt, kurz die gesamte Weltkirche. Das einst in Lyon ge- grünbete Werk der Glaubensverbrei- tung zog er im Jahre 1922 nach Rom, machte es zum Päpstlichen Werk, zum Instrument bes Apostolischen Stuhles selbst. In allen Pfarreien ber Welt soll biefes Werk kirchenamtlich eingeeichtet werden. Wie in der Urkirche wird so jede Zelle.des Kichenorganismus aus ihrer Erstarrung gelost und missionarisch aktiviert. Der Papst wünscht, daß alle Katholiken dem Werke der Glaubensver-- breitung angehören. Er hat diesen Wunsch mehrmals unterstrichen, so in einem von -hm veranlaßten Brief des Kardinalsstaatssekretärs ©ajparrt vorn 2 Febr. 1928 an Kardinal Marchetti. Das
In Rom aber ist es so, daß man eigentlich von einem ganzen Weihnachtsmonat sprechen kann, der mit dem Nikolaustag beginnt, über das „Natale", das ©eburtsfeft des Herrn, und über den „Capo d'anno" das Neujahrsfest, hinausgeht bis zur Besang", was nichts anderes ist als die Verbalhornung des Festes der „Epiphania", der Erscheinung des Herrn, die hier am Vorabend des Dreikönigstages gefeiert wird, übrigens eines altchristlichen liturgischen Tages von größter Bedeutung, da man an ihm im Orient das Geburtsfest des Herrn beging, bis vom Abendland aus der Tag des 25. Dezember dafür in Brauch kam.
So liegt in Rom eine Zeitspanne von dreißig Tagen zwischen jenen Daten, die hier am Anfang und Ende des Weihnachtsfestes stehen. Und während dieser ganzen Zeit liegt auch etwas, was wir getrost Weihnachtsstimmung nennen können, über Stadt und Land von Rom und feinen Menschen, deren aller Gedenken und Sorge nur auf Schenken und Geben gestellt ist und deren Sinn um den eigentlichen Schenkungstag, das Dreikönigsfest mit dem Befanavorabend nicht anders geht, als er bei uns um den Christabend und den Christtag wandelt. Die ersten Zeichen springen schon auf, wenn anfangs Dezember die Geschäftsleute die Auslagen ihrer Verkaufsläden umstellen und alles Neue, was die mählich sich ändernde Jahreszeit und die kommende Festzeit verlangt, hineintun Danach wachsen auf einmal, seltsam genug im schneefreien Rom, ganze Winterland- 'chaften hinter den großen Spiegelscheiben auf, ab unb zu steht auch ein Tannenbaum, über und über gabenbehängt und mit viel Baumoolle schneeweiß gemacht, darin, und was jedes Menschenherz nur haben möchte, das
bietet sich, gefällig und reizend aufgemacht, den sehnenden Blicken dar. Einmal im Jahre, und in Rom eben zur Befana, will ja jeder etwas schenken oder noch lieber etwas geschenkt bekommen; darum gibt es hier einen ganzen Monat lang Gelegenheit zur Auswahl, Prüfung unb Sichtung, der Möglichkeiten und ber Wirklichkeiten, das ist ber Wünsche unb ber Gelbtafche
An einer traditionellen Stelle ber Stadt vereinigt sich vom Nikolaustag an der römische Weihnachtsmarkt zu einem ganz besonderen, einzigartigen Bilde. Das ist auf der Piazza Naoona, jenem langgestreckten ovalen Platz ber einst unter Kaiser Domitian bie Stätte einer Rennbahn gewesen war und ber noch im spätpäpstlichen Rom allerlei Volksbelustigungen und Adelsfesten gebient hatte. Eine sonderbare Stimmung lebt und webt auf diesem Platz, der seine antike Bauform im heutigen Grundriß noch deutlich erhalten hat und mit dem Monumentalbild des großen einen Obelisken tragenden Vierflüssebrunnens Berninis, vor ber Sankt Agneskirche bes Borromini unb dem ansckließenben Doriapalast an Papst Innozenz X. unvergänglich erinnert. Aber nach dem Nikolaustag änbert er seine abeiige fürstliche Art und wird durchaus demokratisch, volkstümlich und volksbeliebt. Hier wachsen bann auf dem erhabenen Steinpflaster des Mittelraumes Buden um Buden, Hütten um Hütten, Zelte unb Warenlager, füegenbe Stände unb Monatsbaracken aus dem Boden, die alles feilhalten, was die Volkskreise anzieht. lockt, entzückt und zum Kauf reizt.
Unzählig viele Krippen hier ber beliebte Erlaß unseres Christbaums unb burch lembschastliche unb figurale Motive so innig mit dem Weihnachtsbaum verbunden,
begegnen uns schon von Dezemberanfang an in allen Art- unb Stilformen, von der Bethlehemsszene in Papier und Pappe bis zur holzgeschnitzten, mit dicker Rinde belegten großen „Presepe", wie die Krippen hier heißen. An diesen anschaulichen Weihnachtsbibeln hängt das Römervolk mit zäher Freude und kindlicher Andacht, kein Armer will sie entbehren, kein Wohlhabender sie vermissen. In den Kirchen hört der Zustrom der wallfahrenden Menge vor den oft gigantisch aufgebauten, mit lebensgroßen Figuren bestellten unb in eine riesige Architektur hineingestellten Krippen nie auf, unb weit über Weihnacht hinaus kann man im Nebenraum einer Kirche bes Borgo eine von einem Pionieroffizier fein modellierte Krippendarstellung besuchen.
Neben Spielzeug aller Art stellt bas Kleinhandwerk auf dem Nikolaus- und Befanamarkt aus, was es für sehnsüchtige Menschen nur zu ersinnen und ztt wünschen gibt. Sachen, oft keines Gebrauches unb geringen Wertes, Tanb, Kram unb spielerischer Kinber». haushalt, Puppen unb Püppchen und Puppengeräte, Geschirr aus Eisen unb Kupfer. Tischchen unb Stühle, bewegliches Tierzeug unb stumme Figuren, bann die entsetzlichsten aller römischen Instrumente, bie nur auf Lärm und Geräusch, nicht auf Ton, Klang und Musik eingestellten Hörner, Tamburine, Pfeifen, Ratschen, Trommeln unb ben schaurigsten aller Blaslärrnschlager, die blecherne Trompete jeden Formates, deren lästiges monotones Geräusch den Abend der Befana bis zum grauenden Morgen hinein auf allen Gassen ber römischen Innenstabt erfüllt, eine schrille Entgleisung, eine Verirrung und Aufhebung jeden Festgedan- kens, jeder Weihestimmung.