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Fuld a erZ ertung

Llnzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

r. 288

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblatter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 13. Dezember 1930.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Franks, a. M 4051.

57. Jahrs.

Schlechter Wille

kann, hat keine klare Rechtsgrundlage.

seinerzeit der Gedanke, einen Bund der eine Liga der Nationen zu gründen, auf­ist er von jedem Friedens- und Msnschen- begrüßt morden. Europa und die

reckt werden

. Als Völker, tauchte,

freund

Welt hatten damals einen vierjährigen mörderi­schen Krieg hinter sich, der vielen Millionen Män­nern und Jünglingen das Leben gekostet hatte und in dessen Folge sich in mannigfachster Gestalt eine große und schmerchaste Verarmung der zivilisierten 2SeIt ergab. Es war daher ein wirklicher Meillch-

heitsgedanke ein Plan von fekularer Geltung, die Nationen der Welt und auch die, die sich soeben noch bewaffnet gegenüber gestanden hatten, in einen Bund zusammenzufassen, der kein höhe­res und kein näheres Ziel, als die Erhaltung undSicherung des Friedens kennen sollte. Man konnte es auf die noch nicht völlig abge- dämpfte Kampfpsychose zurückführen, wenn der Völkerbund durch einzelne seiner Mitglieder sich zunächst noch gegen die Aufnahme der im Krieg unterlegenen Mächte sträubte. Man mußte es als wenig aussichtsreich für die Zukunft empfinden, daß unter dem Gedanken der Liga der Nationen die Mittelmächte in den sog. Friedensverträgen in einer Weise vergewaltigt und unter die Knute der Lieger geduckt wurden, wie es die Weltgeschichte noch nicht erlebt hatte. Aber der Gedanke an sich war edel und gut und entsprang wahrhaft mensch- heitlichem Fühlen. Darum hat Deutschland die nächste Gelegenheit ergriffen, um dem Bunde beizutreten, obwohl er gerade unserem Lande nicht nur Vorteile anbieten konnte. Der Geist des neuen Deutschlands ist auf den Frieden gerichtet. Wir haben im Kriege genug verloren, um zu wis- >en, daß er der Uebel größtes ist und daß wir kein Mittel unversucht lassen dürfen, um seiner Wieder­holung zu entgegen. Darum haben wir den Ge­danken des Völkerbundes mit Genutuung aufge- Aisicn und darum haben unsere Staatsmänner in ihm mitgearbeitet.

Wir wollen auch nicht etwa behaupten, daß er eins Fehlgründung darstelle. Schon weil die mei­sten anderen Machte in ihm vertreten sind, müf- >en auch wir uns seiner bedienen, wenn wir durch unsere Außenpolitik auf die Dauer wieder zur vol­len nationalen Freiheit gelangen wollen. Aber wir können auch nicht verschweigen, daß der Bund der Völker uns oft enttäuscht hat. Er drohc iu einem schwatzhaften, unehrlichen Parlament, wie io viele andere zu werden. Wenn man verfolgt M, mit welch geschwollener Verlogenheit so man­cher Völkerbunds-Delegierte in den letzten Wochen iich m der vorbereitenden Abrüttungskonfersnz um

Kern der Dinge herumgedrückt hat, so weiß wan, daß die augenblickliche S'tua 'on in Genf sich «>cht mehr mit verbindlicher Höfi' ch- .e’t behandeln läßt. Es ist vieles faul im Völ- ctBunb. Man streitet sich in ihm um geschäfts- kmungsmäßige Dinge mit einer Jeidenichakt, die AK Mr die eigentlich sachlichen Forderungen aufbringt. Der Völk--rbund ist im Begriff, lcki [!!me. Geltung zu zerreden. Aber das ge- ochwyt nicht etwa, weil oie Delegierten N'cht bei r Cache wären. D nein, sie passen schon sehr imh s-? aber der Wille, der diese Aufmerksamkeit o öieie Geistesgegenwart antreibt, ist schlecht, abr"sollen nicht vorankommen, sie wollen nicht cuA h" DeGsch'cmd ist in diesen Fragen in Genf a ? heute noch der weiße Rabe, wenn man von lick- un& Ungarn absieht, die sich in ähn- rei * • e befinden. Dabei muß leider F ra n k- - , /h neiederum das stärkste Mißtrauen entgegen- mirfrA werden. Würde es feine Delegierten mit s L^en Vollmachten ausgestattet haben, so wäre IiA Endergebnis doch vielleicht nicht gar so klög- daÄ ^gefallen, zumal berücksichtigt werden muß, sich b ^ankre'ch eine Reihe kleinerer Staaten hinter $nrnf - e blindlings der von ihm ausgegebenen "o.wlgen. Das gilt f ir Polen und für an- wim .?ni3er- Wären die Franzosen ernstlich ge- ß'cs f fL ten ^e’m Abschluß des Versailler Venra- 'o ri^ommenen Verpfl-chtungen nachzukvmmen D-ps- -dw Konferenz Fortschritte machen können, lejch/ flechte Wille Frankreichs aber, der Dieb QeinD;-?Ur.a u 5 einer h y st e ri s ch e n Angst jh'S wird, hindert Europa und die Welt dar- des =t ■ wahrhaftem Ernst in eine Atmosphäre Um m eöen.s hinein zu begeben Alles kreist dar- ficirro>5 Franzosen tun. Em?m in Waffen fid- ^"E^ich gegenüber fühlt auch Italien im'tn • ÜU)er und es richtet danach seine Hal- dienern--9 land von den ehemals feindl>- ieins P ^wien steht auf unserer Seite Welches (Eg ^weggründe sind, mag dahingestellt bleiben des sRnfL. .erIicb ichöner, wenn nicht das Land

"chewismus sich zu den gleichen Auffassun-

Die vorläufige Abrüstungskonferenz in Genf ist beendet. Wenn wir ihr auch nicht gerade mit gro= Ln Hoffnungen entgegengesehen haben, so müssen Lr doch gestehen, daß wir ein solch k l ä g - csches Ergebnis, wie es jetzt zustande gekommen L hoch nicht erwartet hätten. Ja, kann man denn überhaupt von einem Ergebnis sprechen? «nie iog. Konvention, auf die man, das heißt die Sieqermächte, sich schließlich geeinigt hat, läuft im gründe auf eine völlige Belanglosigkeit hinaus, wenn man sie nicht geradezu als eine Kaut'chuk-Resolution empfinden will, die sich dre­hen und biegen und kneten läßt, wie es im jewei- siqen Augenblick denen, die in der Mehrheit sind oder ein besonderes Interesse haben, gefällt. Es »t ja bezeichnend, daß in den letzten Reden der Vertreter der einen Macht rühmend hervorhob, mit Hilfe dieser Richtlinien lasse sich sogar auf die Ab­rüstung aller Staaten im Umfange der deut­schen Entwaffnung hi narb eiten, wäh­rend ein anderer erklärte, auf dieser Grundlage könne man sämtliche Rüstungen auf« erhalten. Eine Klausel, die so gedeutet

vor der Vertagung des Reichstages.

Auch die Bergwerks-Katastrophen geben Stoff zu parteipolirifchen Vorwürfen. — Das Zentrum lehnt solche Ansachlichkeiten ab. Der Kriegs-Ailm-Streit. — Wer den inneren Hader schürt, ist kein Vaierlandssceund. — Der Nationalsozialist Ley sagt: Das Zentrum ist an allem schuld. — Können vernünftige Menschen solche Redensarten noch ernst nehmen?

VDZ. Berlin, 12. Dezember. (Eig. Meld.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist für nächsten Donnerstag, den 18. Dezember, zu einer Sitzung einberufen worden, auf deren Tages­ordnung ein Bericht über das Ergebnis der V e r - Handlungen der Genfer Abrüstungs­konferenz steht.

Das neueste Kampfmittel.

Es erscheint uns sehr zweckmäßig. — Da zwischen den Radikalen doch keine Einigung möglich ist, wollen sie sich aus dem Wege gehen und nur solche Redner anhören, die ihre eigene Meinung teilen. — Der Weg zum parlamentarischen Frieden.

Die Kampfmittel der politischen Parteien, die während der kurzen Wirksamkeit des neuen Reichs­tages schon manche Ergänzung erfahren haben, sind, wie schon kurz gemeldet, in der Donners- taa-Sitzung des Reichstags wiederum um ein neue« vermehrt worden. Der nationalsozialistische Frak- tionssührer Stöhr erklärte bei Beginn der Sitzung, seine Freunde würden künftig Reden von M a r x i st e n, also von Sozialdemokraten oder Kommunisten, nicht mehr anhören, sondern vorher den Saal verlassen. Dieses Kampfmittel, das den Vorzug hat, weniger Geräusch zu machen als andere, wurde in der Sitzung bereits auspro­biert und die Sozialisten und Kommunisten ermun­terten selbst durch laute Zurufe die zögernden Nationalsozialisten zum Exodus, wenn ein Marxist das Wort nahm.

Nach verhältnismäßig kurzer Debatte wurde der Ausschußanttag angenommen, wonach das Ver­bot der gewerblichen Stellenvermittlung auf Kon­zertagenturen vorläufig feine Anwendung finden soll.

Lebhafter war der Meinungsstreit über die Frage des Ladenschlnsses am Weih­nachtsheiligabend. Der Ausschuß sieht in seiner Vorlage für den Weihnachtsheiligabend den allgemeinen Ladenschluß um 17 Uhr und den Schluß der Gaststätten um 19 Uhr vor. Gegen diesen Beschluß kämpften besonders die Deutsch­nationalen und die Mitglieder der Wirt­schaftspartei an, während die National- sozialisten in diesem Fall mit den Sozial­demokraten und Kommunisten in gemein­samer Front standen. Die Ausschußvorlage wurde angenommen mit der von der Deutschen Dolkspar- tei beantragten Aenderung, daß Blumenge­schäfte eine Stunde länger geöffnet bleiben können.

Eine sehr lange Aussprache knüpfte sich an die Ausschußentschließung, in der Hilfsmaß­nahmen für die Geschädigten der letz­ten großen Hochwasserkatastrophen ge­fordert und vorbeugende Maßnahmen gegen die Wiederholung solcher Katastrophen verlangt wer­den. Die Ausschußentsöbließung wurde angenom­men mit verschiedenen Ergänzungsanträgen. Unter diesen befindet sich auch einer der Wirtschafts- Partei, der für die Wasserbauarbeiten die An­wendung der Arbeitsdienstpflicht fordert.

Die Hochwafferhilse soll sich auf Nieder- und Oberschlesien ,auf das Gebiet des Rheins und seiner Nebenflüsse und auf die sächsische Ober- lausitz erstrecken. Ein Anttag, auch Ostpreußen einzubeziehen, wurde abgelehnt.

*

Am Freitag wurde bereits um 10 Uhr mit der Fortsetzung der Reichstagsverhandlungen be­gonnen. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung, die voraussichtlich die letzte vor Weihnachten sein wird, stehen die Anträge, die sich mit den Gruben- katastrophen beschäftigen und die Anträge auf Weihnachtsbeihilfe.

Abg. Totaler (körn.) beantragt, den Bericht des Ausschusses über die Anträge auf zollfreie Gefrier- ilellcheinfuhr auf die Tagesordnung zu fetzen. Das scheitert an dem Widerspruch des Zentrums.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Aus­schußbericht über Hilfsmaßnahmen aus Anlaß der Grubenkatastrophe zu Alsdorf. Der Ausschuß empfiehlt eine Entschließung, in der die Reichsregierung ersucht wird, bis zu 2 Mill Mark zur Unterstübung der Angehörigen der beim Grubenunglück zu Alsdorf und bei anderen Un­glücksfällen verunglückten Bergleute des Wurm- Reviers zur Verfügung zu stellen und auf ein­gehende Untersuchung über die Ursachen der Kata­strophe hinzuwirken.

Mit der Beratung werden verbunden 2Inträ™ der Deutscbnationalen, der Nationalsozialisten und Kommunisten, die sich gegen die beabsichtigte Stil­legung der Wenzeslausgrube bei Neurods richten.

Reichsarbeitsminisiet Dt. Sfegerroalb führt aus, die preußische Verwaltung habe alle Kräfte angespannt, um die Ursachen der Gruben­katastrophe zu Alsdorf zu erforfdhen. Die Unter« suckmng sei sehr erschwert worden durch ire bei

dem Unglück angerichteten Zerstörungen und durch die Art der Explosion, die ohne Beispiel in der Geschichte der Grubenkatastrophen fei. Für die Hinterbliebenen der Opfer fei von der Reichs- reg’erung und der preußischen Staatsregierung schnell Hilfe geleistet worden. Dazu seien von pri­vater Seite, auch aus dem Auslande, viele Spen­den gekommen, deren Betrag jetzt schon 1% Milk. Rm. überschreite. Die Reichsregierung verfolge aufmerksam die Arbeitsverhältnisse und Sicherheits­verhältnisse im Wurm-Kohlenrevier. In der An­gelegenheit der Wenzeslausgrube bei Neurode feien Verhandlungen im Gange. Wenn die Stillegung dieser Grube vermieden werden soll, müßten Um­stellungen vorgenommen werden, über die auch mit dem Wirtschaftsministerium verhandelt wer­den müßte. Die Beteiligung ausländischen Kapi­tals am deutschen Berg'au lasse sich schwer genau feststellen. Der Minister beschäftigte sich dann auch mit dem Unglück auf der Maybachgrube bei Saar­brücken, Auch in diesem Falle se'en von öffentli­chen und privaten deutschen Stellen Spenden in großem Umfange für die Hinterbliebenen der Op­fer gegeben worden. Der Bergbau fei durch die letzten schweren Katastrophen vor neue Probleme der Unfallverhütung gestellt. Die Reichsregierung werde nichts versäumen, was zur Verhütung ähn­licher Katastrophen dienen kann.

Abg. H u s e m a n n (Soz. Dem.) Es muß alles getan werden, um den Weiterbetrieb der Wenzeslausgrube zu ermöglichen und um über­haupt dem gefährdeten Bergbau im niederschleü- schen Steinkohlenrevier zu helfen. Das Jahr 1930 war ein Unglücksjahr für den deutschen Bergbau. Die drei großen Katastrophen haben zusammen über 500 Todesopfer gefordert. Dam kommen aber die vielen Opfer, die einzeln im täglichen Arbeits­prozeß in den Gruben fallen. Auf bi-ue Weise ha­ben im Jahre 1929 täglich mehr als 4 Bergknapven den Tod in der Grube gefunden. Wir verlangen, daß die Untersuchung der Ursachen der Katastrovhe von "llsborf mit aller Schärfe und R ü ck s i ckts- tofigfeit durchgesührt m;rb. Es steht jetzt schon fest, daß es sich um eine Kohlenstaub- und Schlagwetterexplosion unter Tage gehandelt hat. Die anderslautende Darstellung der Kommun'sten ift falsch. (Zurufe der Kommunisten) Im Bergbau Sowjet-Rußlands liegen die Verhält­nisse schlimmer als m Deutschland. Auf der Grube Alsdorf und, den übrigen Gruben be<t Elchweiler Vereins berr’^t »in übles Antreibersu^em. Die sozialdemokr. Fraktion beantragt, die baldige Vor­legung eines Reichsberggesetzes, in dem den Grubenkontrolleuren und Wetterkontrolleuren größere Rechte gemärt werben.

Staatssekretär Dr. Trenbelenburg vom Reichswirtschaftsministerium erklärt zu den An­trägen auf Weiterführung ber Wenzeslausgrube, die Reichsregierung stehe in Verhandlungen mit ber preußischen (5‘aatsreaierung, um einen Weg zu suchen, auf b«m die Stillegung vermieden werden kann. Die Stillegung droht deswegen, weil die Verwaltung sagt, sie könne bei einer Fortführung ber Grube auch bei noch so hohen Staatsßibventio- nen nicht bie Gewähr für bie Sicher­heit vor weiteren Kohlensäureaus­brüchen übernehmen.

Abg. Dr. Ley (Nat.-Soz.) bezeichnet als eine ber Ursachen ber Alsborfer Grubenkatastrovhe die große Ausbeutung und Ueberanstren- gung der Bergarbeiter. Die Bergarbei­ter sagten, sie hätten Scheinmauern errichten müs­sen, weil ihnen ber sonst drohenbe Abbau keine Zeit zum orbnungsmäßigen Ausmauern ber Hohl­räume ließ. Die so verbliebenen Hohlräume wa­ren ibeale Sammelstellen für die schlagenden Wet­ter, deren Exvlosion die Kckaftrovhe hervorrief. D^s Ausbeutungssystem auf dieser Grube geht soweit, daß als Rettungskolonnen nicht die geschulten Bergleute in die Grube geschickt wurden, sondern ungeschillte Bauernsöhne und Landarbeiter, die bann bei den Rettunasarbellen selbst verunglückt sind, weil sie keine gefchulten Führer hallen (Hört, Hört!). Meine Angriffe gegen die Grubenver- maltung hat auch bas Organ ber Gruben­barone. bie „Deutsche Bergwerkszeitung" nicht mit ihrem schcimlolen Gekeife wiberlegen können. Die schlimmen Zustönbe im beutschen Bergbau finb eine Folge ber Auslieferung ber beullchen Gruben an das französische Kapital. Der französische Ka- nonenfnnig Schneiber-Creuzot ist ber eigentliche Beherr'cher ber Gruben bes Wurm-w-viers. D'ese Franzosen, nach beren Meinung 20 Mill. Deut?dhe zu viel auf ber Welt fmb, haben boch ein Interesse am Leben beullcher Bergarbeiter. Die eigentlichen Mörder von Alsborf sind bie Tributpolitiker in diesem Hause. Durch den Verzicht auf den Rhein- Aachen-Kanal wirb bas ganze Wurm-Revier übex« bies ber hollänbischen Wirtschaft preisgegeben.

Abg. Florian (Kam.) erklärt, bie Grubenkata- strcwhen feien bie Fol-Z- des kavitaliftifchen

gen wie Deutlchlanb bekennte, sondern Lander von dem kulturellen Hoch st and Frank- reichs. Aber die Franwfen glauben, ihre Kul­tur nur durch Festungen, Kanonen und Bomben schützen zu können, und außerdem spricht in ihren

Rechtskreisen noch eine gewisse Spielerei mit kriegerischen Erl ebnisien m't. Es lcheint, daß es noch Menschen gibt, denen die Kriegserinnerungen schon verblaßt ober bereits roieber glorifiziert erscheinen.

W rtschastssystems unb bie Soüalbemofraten feien bie eifrigsten Verteibiger ber Grubenkapitalisten.

Ministerialbirektor R o t h e r, ber Leiter des preuß sehen Grubensicherhe tsamies, erklärt, bie Ex­plosion auf ber Gnll'e Alsborf fei ganz besonders rätselhaft, weil bisher keine Erubenkattftrophe vor­gekommen fei, bie einen Vergleich zulasse. Alle bis­herigen Erklärungsversuche hätten die Untersuchung noch n'cht einen Schritt weitergeführt, ebenso wenig bie verschiebenen in ber Presse unb in Reden vor- aebrackten Gerückte Warum das Unglück dieses Ausmaß angenommen hat, weiß bisher noch kein Mensch. (Abg Moericke (Som:). „Dann scheren Sie sich zum Teufel, wenn Sie das nicht ra ffen" — Abg. Moericke erhält einen Ordnungsruf). Wir werden die Untersuchung gewissenhaft fortführen und hoffen, bald zu ein-m Ergebnis zu kommen. Wir hatten 1928 bie niebr gste Zahl ber Dnfer der ^rudenkatclltro"hen seit etwa 20 J-chren. Alle bisse Fortschritte stnb zunichte gemacht burch Die drei Katastrophen biefes Jahres.

Abg. Kuhnen (Zenlr.)

erklärt, seine Freunbe lehnten es ab, bie Gru­be n k a t ast ropben parteipolitisch zu verwerten, wie es andere Parteien getan hät­ten. Der Nationalsozialist Ley habe eine außen­politische Rede gehalten und der Präsident habe das leider zugelassen (Vizepräsident Stöhr: Ich hatte den Eindruck, daß die Ausführungen des Abg. Ley zur Sachs gehörten). Wen ger beachtet als solche großen Katastrophen werden bie vielen Opfer, b i e TagsürTag aus ben Reiben ber Vergär'eiter in den Gruben fallen. Den Bergleuten muß ge­holfen werden. Die Rat'onalifierunq im Bergbau ist übertr'eben worden auf Kosten ber Gesundheit unb Sicherheit ber Arbeiter. Das ist kein Arbeiten mehr im Bergbau, bas ist ein Renn-n unb Jagm nach Kohle, wie es kein anberer Betrieb kennt. (Abg. Ley (Nat. Soz.) „Wer ist benn daran schuld? D i e Zentrumspoliti k"). In dieser Zeit, in der noch alles unter dem Eindruck der furchtbaren Katastrophen steht, sollten die Berg­bauunternehmer nicht m't Lohnabbauplänen kom­men. Die Kohlenpreissenkung kann ohne Lohn­abbau getragen werden (Rufe bei ben Nationallo- zialisten unb Kommunisten: „Sagen Sie bas dich Ihren Parteigenoffen").

Abg. von Freytag-Loringhofen (Dtn.) verlangt in kurzen Ausführungen den Weiterbetrieb der Wenzeslausgruben. Das werde zwar staatliche Zu­schüsse von 100 000 Mk. monatlich für drei Jahre erfordern, sei aber immer noch bester, als wenn bie Arbeitnehmer ber Grube in diesem Notstands­gebiet ber Arbeitslosigkeit anheimfallen.

Abg. Albrecht-Hannover (DVP.) bedauert, baß auch solche Katastrophen parteipolitisch aus­gewertet würben unb fährt fort: Don ben Kommu­nisten finb wir das gewohnt, aber gegenwärtig versuchen bie Nationals ozialisten auf die­sem Gebiet mit ben Kommuni st enzuriva- li fielen. (Abg. Dr. Ley sNat.-Soz.f: „Das ist ja gelogen!“) — Präsident Läbe ruft ben Abg. Ley zum zweiten Male zur Ordnung.

Die Sitzung dauert fort.

Der kriegsfilm verboten.

Auf dem durch die Gesetze vorgeschrie- benen Weg ist dem wüsten Streit um ben Film „Im Westen nichts Neues" ein Enbe gemacht wor­den. Angesichts ber schweren Probleme, mit benen Deutschlanb zurzeit zu ringen hat, ist es nur als höchst betrüblich zu bezeichnen, baß auch noch we­gen eines Films berartige Kämpfe heraufbe­schworen werben, wie sie sich in ber Reichshaupt- stabt abgespielt haben. Die politische Ausnutzung der Vorführung dieses Films lag auf der Hand. Es sollte erreicht werden, daß das Kabinett ober gar ber Reichspräsibent mit Entscheidungen in die­ser Angelegenheit, die zweifellos in einem ganz wesentlichen Teil finanzielle Belange ei­nes amerikanischen Film-Her st ek­ler s darstellt, belastet werden sollte. Die Rechts­presse stellte es io dar, daß Reichsinnenminister Dr. Wirth ein Verbot bes Films „9m Westen nichts Neues“ abgelehnt habe. Das war u n z u t r e ss e n b. Der Reichsinnenminister hat nach der Rechtslage überhaupt keine Möglichkeit, in dis Spruchpraxis der Filmoberprüsstelle einzugreisen, die eine unabhängige Spruchkammer mit richterlichen Befugnissen ist. Ein unmittelbares Verbotsreckt auf Grund von Stö­rungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung steht nur den Länder-Polizei-Behörden zu.

Die Obervrüsttelle hat nunmehr getagt. Nach ^stündiger Beratung verkündete der Vorsitzende ber Oberprufstelle das Urteil, wonach ber Film wegen Gefährbung bes beutschen Ansehens verboten fei. In feiner Begrün, bung nahm er lebiglich zu biefem Punkte Stellung und betonte, baß bas Urteil nicht unter bem Einbruch ber Straße gefallen fei. Auch habe fick bas Gericht nicht von ben Ausfüh- rungen Dr. Frankfurters beeinflußen lassen, in denen es heiße, daß die amerikanische In- d u st r i e sich noch einem Verbot dieses Films ge­gebenenfalls aus Deutschland zurückziehe.

Zu Beginn seines Plädoyers teilte übrigens Dr. Rosenberger als Vertreter der Universal- Film-Gesellschaft m. b. H. mit, daß seine Gesell- fchaft den Rernarque-Film sofort ohne Rücksicht auf das Urteil der Filmoberprüfstelle zurück- ziehe. Das Spiel ist auch sofort eingestellt wor- ben.

In den Verhandlungen der Filmobervrüfstelle haben sich sowohl der Sachverständige des R e i ck s» wehrministeriu nr§ wie auch der des Reichs- innenmi n i steri ums für das Verbot des Films ausgesprochen.

Der Vertreter des Reichswehrministeriums be­tonte, daß das Ansehen der Wehrmacht durch den Film geschädigt werde, darin liege aber auch eine Schädigung des gesamten deutschen Ansehens. Der Sachverständige des Reichsinnenministeriums