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Vermischung von Religion und Polilik!

Eine geschichtliche Untersuchung.

Sehr willkommen wird auch unseren Lesern, die nicht von Schlagworten einfangen lassen wollen, nachfolgende Untersuchung sein, die Prälat Leier-Würzburg im „Fränkischen Volksblatt" ver­öffentlicht. Er schreibt:

Ein Schlagwort, das sich in den politischen Kämpfen von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzt, ist die Behauptung, Politik und Religion hätten nichts miteinander zu tun, man dürfe sie nicht vermischen. Als sei­nerzeit die Liberalen den Kulturkampf führten, um die katholische Kirche zu knechten, und die Katholiken sich zur Gegenwehr organisierten, sollte diesen die Verteidigungswaffe aus der Hand geschlagen werden mit dem Argument, sie mißbrauchten die Religion zu politi­schen Zielen. Als dann die geistigen Erben des Liberalismus, die Sozialdemokraten, die Religion und die Gebote Gottes ihres Einflusses und ihrer Geltung im öffentlichen Leben berauben wollten, wußten sie wieder nichts Besseres, um das sich wehrende Christentum zu entwaffnen, als wie die alte Parole des Liberalismus, man dürfe die Religion nicht „entheiligen" dadurch, daß man sie mit der Politik vermische. Und die neueste Partei, welche ihre dem katholischen Christentum vielfach widerstrebende Weltanschauung mit den Mitteln der Politik und der Staatsgewalt durchsetzen will, hat immer noch kein anderes Mittel gefunden, um die sich wehrenden Katholiken in das Unrecht zu seßen, als wie das alte abgebrauchte Schlagwort, daß die Religion sich nicht um die Politik kümmern dürfe.

Um die ganze Unhaltbarkeit dieser These zu be­weisen, genügt es schon, darauf hinzuweisen, daß alle Wunden, welche dem Christentum im Laufe der Jahrtausende geschlagen wurden, durch die Gesetze verursacht wurden, welche einer reli- gionsfeindlichen Politik ihre Entstehung verdank­ten. Die Christenverfolgungen stammten aus dem politischen Staatsbegriff des alten Heidentums, daß der Staat zu verfügen habe über die Religion fei­ner Untertanen. Später stritten Staat und Kirche in jahrhundertelangen politischen Kämpfen, weil der Staat beanspruchte, der Kirche ihr gottgegebe­nes Rocht streitig zu machen, die geistlichen Aemter in eigener Zuständigkeit zu vergeben. Bei der Säkularisation wurden der Kirche durch politische Abmachungen so schwere Schäden zugefügt, daß sie heute noch darunter zu leiden hat. Und im Kul­turkampf war es die Politik der deutschen Regie­rung und des Liberalismus, welche mit gewalttäti­ger Faust hineingriff in den Gewissensbereich der Katholiken und Millionen deutscherKatholiken jahr­zehntelang an der freien Ausübung ihrer Religion hinderte. Beachtenswert ist bei diesem geschichtli­chen Rückblick die Tatsache, daß immer gerade die­jenigen, welche mit den Mitteln der Politik die Religion bekämpften, andernteils behaupteten, man dürfe Religion und Politik nicht vermischen.

Wer diese Behauptung aufstellt, spricht der Re­ligion jedes Recht ab, Wünsche und Forderungen hinsichtlich des öffentlichen Lebens zu stellen. Die Kirche hat aber nicht bloß das Recht, sondern die gottgegebene Pflicht, das Salz der Erde zu sein, das heißt, das öffentliche Leben mit den Gedanken und Zielen der Religion zu bereichern und zu befruch­

ten. Um dieses Recht wird die Kirche immer kämp­fen muffen gegen jeden, der es ihr verweigert. Sie hat sich nie, auch nicht durch scheinbare Nieder­lagen, die sich durch Jahrhunderte hinzogen, abhal­ten lassen, immer aufs neue ihr unverjährbares Recht anzumelden, bis sie schließlich den Sieg er­fochten hatte. Sie hat auch immer gesiegt, weil sie in der Lage war, unter Umständen auch Jahr­hunderte lang zu warten. Ihre Gegner waren da­zu nicht in der Lage.

Daß auch der jüngste Kämpfer gegen die ka­tholische Kirche auf dem Kampffeld der Weltan­schauung, der Nationalsozialismus, entschlossen ist, mit den Mitteln der Politik in das Gebiet der Religion einzugreifen, ergibt sich aus vielen An­zeichen. Wenn z. B. der nationalsozialistische Ab­geordnete und Hauptschristleiter des „Völkischen Beobachter" in seinem Buch „Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" (S. 575) ankündigt, daß im dritten Reich in der biblischen Geschichte das alte Testament in Wegfall zu kommen habe, daß „an Stelle der alttestamentlichen Zuhälter- und Vieh- händlerge^chichten, die nordischen Sagen und Mär­chen treten werden", ist das nicht ein Eingriff in das Recht der Kirche?

Oder wenn in der nationalsozialistischen Wo­chenschrift „Der Reickswart", welche von dem na­tionalsozialistischen Abgeordneten Reventlow her­ausgegeben wird, dagegen protestiert wird, daß von einem blonden Adelsgeschlecht sieben lebende Söhne „in die Kutte krochen" und angekündigt wird, daß das dritte Reich dagegen Maßnahmen treffen werde, damit es nid)1 „blaublonde Leiber züchtet für Schnapsbrenner, Bordelle, Klöster und Kreuzzüge" (Nummer vom 29. Nov. 1930) ist das nicht ein Faustschlag in das Gesicht der Kirche?

Oder wenn Rosenberg, der genannte Führer der nationalsorialisti'chen Redakteure, in seinem Buch auf S. 594 schreibt, die Konfessionen seien „nur wandelbare Mittel im Dienst des national’ loüalistischen Lebensgefühls und der germanischen Charakterwerte", ist das nicht Ausnützung der Re­ligion zu politischen Zwecken? Der thüringische nationalsoüas'stische Minister Frick hatte angeord­net, daß die K'nder in den Sd>ulen unter anderem das folgende Gebet beten sollten: .

Darum mach uns frei von Betrug und Verrat!

Mach uns stark zur befreienden Tat!

Gib uns des Heilands heldischen Mut!

Ehre und Freiheit sei höchstes Gut!

Unser Gelübde und Losung stets sei: Deutschland erwache, Herr mach uns frei!

Ist das nicht Vermischung von Religion und Politik, wenn ein solches politisches Parteibekennt­nis, das nach dem übereinstimmenden Gutachten der katholischen und evanaeli'chen Sachverständigen mit einem christlichen Gebet gar nichts zu tun hat den Kindern als gemeinsames öffentliches Gebet von Staats wegen befohlen wird?

Darum ist es notwendig, diejenigen auf Herz und Nieren zu prüfen, die das Schlagwort von der Vermischung von Religion und Politik im Munde führen. Zumeist kann man unschwer er­kennen. daß es sich bei ihnen nur darum handelt, die Religion durch hie Politik zu be­kämpfen und diejenigen w e h r l o s zu machen, die sich dagegen wehren wollen.

mehr an hör en und würden beim Beginn sol­cher Reden den Saal verlassen. (Gelächter und Zurufe links.)

Vravo!

VDZ. Berlin, 11. Dez. (Eig. Meldg.). In der heutigen Sitzung des Rechtsausschusses des Reichs­tages kam es zu einem heftigen Konflikt zwi­schen Nationalsozialisten und den üb­rigen Parteien. Der Zentrumsabge­ordnete Weg mann erklärte vor Eintritt in die Beratung, die schweren Beleidigungen, die der nationalsozialistische Abg. Dr. Frank II in der gestrigen Reichstagssitzung gegen das Zen­trum gerichtet haben, machten es notwendig, daß die Zentrumsfraktion erst einmal dazu Stel­lung nehme, ob Zentrumsabgeordneten zugemutet werden könne, unter dem Vorsitz dieses A b g. Dr. Frank im Rechts­ausschuß zu tagen. Um der heutigen Sit­zung eine sachliche Arbeit zu ermöglichen, regte er an, daß Dr. Frank die Verhandlungsführung bis zur Entscheidung des Zentrums an den zwei- tenVorsitzendendes Ausschusses abgebe. Der Vorsitzende, Abg. Dr. Frank H, verwahrt sich da­gegen und erklärte, eine persönliche Belei­digung der anwesenden Mitglieder des Zen­trums habe ihm fern gelegen; er hatte die ganze Kampfesweile des Zentrums gegen die Na­tionalsozialistische Partei im Auge gehabt, die seine Vorwürfe begründet erscheinen ließen. Die natio- nalsozialistilchen Mitglieder des Ausschusses wider- spracken der Forderung des Abg. Wegmann. Nach­dem dann zunächst ein Antrag der Deutschnationa­len, die Angelegenheit zurückzustellen und ihre Er­ledigung den Fraktionen zu überlassen, die sachli­chen Beratungen dadurch nicht unnöüg aufzuhal­ten, abgelehnt war, wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Volkspartei, der Christlich- Sozialen und der Bayerischen Volkspartei ein An­trag des Zentrums auf Vertagung ange­nommen. Der Ausschuß soll am Freitag wieder Zusammentreten.

Es ist höchste Zeit, daß auf diesem Gebiet ein deutlicheres Wort gesprochen wird. Die Maßlosig­keiten der Nazi überschreiten längst das Erträgliche.

*

Der Beleidiger des Zentrums, der 30jährige Abgeordnete Frank II, ist Rechtsanwalt in Mün­

chen. Er ist Alt-Katholik und bezeichnet sich als „Mitglied des Lehrkörpers der Technischen Hochschule in München" und als Vorsitzender des Nationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes. Die Katholiken werden sich erinnern, daß die Alt-Katholische Sekte im K u l t u rk a m p f die e r- bittertste Feindin der Kirche gewesen ist. Der Zentrumshaß des Herrn Frank n ist storisch bedingt. ________________________

Neuer VundespriWenk der Schweiz.

wtb. Bern, 11. Dez. (Eig. Meld.) Die Ver­einigte Bundesversammlung wählte heute mit 158 Stimmen von 160 gültigen S'immen den bishe-igen Vizepräsidenten, Bundesrat H ä b e r l i n zum Bun­despräsidenten für 1931. Es wurden 26 unbe­schriebene Zettel abgegeben, 7 waren ungültig. Zum Vizepräsidenten des Bundesrates wurde mit 162 von 181 gültigen Stimmen Bundesrat Motta ge­wählt. Leer abgegeben wurden 26 Zettel, ungültig waren 8.

Der Nobel-Friedenspreis.

Bei der Feier der Nobel-Friedenspreis-Vertei- lung hielt der norwegische Ministerpräsident eine Rede, in der er u. o. ausführte:

Der Völkerbund, die bedeutendste Fr'edensein- richtung, die die Welt bis heute gekannt hat. ist auf Anregung der Vereinigten Staa- t e n gegründet worden. Wenn auch die Vereinig­ten Staaten bedauerlicherwe'se nicht Mitglied des Völkerbundes sind, hat ihre Initiative und ihre Mitarbeit doch öfter am Werk des Völkerbundes tiefe und dauernde Spuren hinterlassen. Der Pakt, her den Namen eines heute unter uns sitzenden Mannes tränt, ist em Be'sw-l nickt nur der Be­mühungen der Vereinigten Staaten, sondern auch der ausgezeichneten und gewissenhaften internatio­nalen Zusammenarbeit ' für die Förderung der Friedenssache. Aus der Mitarbeit B r i a n d s und K e l l o q g s entstand der heutige Weltvakt, der sozusagen alle Kulturnationen bindet. Unser Ziel muß sein, den Völke'-n begreiflich zu machen, daß es nickt genügt, den Krieg als Verbrechen zu brandmarken, sondern daß es unmöglich ist, mit allen Gefühlen und allen Sinnen zu erkenn-n, daß die Ermordung Tausender von Men­schen zur Regelung eines internatio-

nalen Konflikts nicht entschuldbar ist, als die Ermordung eines einzel­nen zur Regelung einer Privatange­legenheit. Es ist das große Verdienst Söder- b l o m s, die geistige Macht zugunsten des Kampfes für den Frieden verwendet zu ba-'en. Als emcr der größten Kirchenmänner hat er den ungeheuren Einfluß verstanden, den gerade die K rche in die­sem Kampfe haben kann. So ' ' m wir heute

unsere Ehrerbietung u”'1 unsren ^ank den beiden Männern aus, deren Werk neue Meilensteine auf den Mm der zum Frieden zwischen den

Nationen führt.

Versammlungs-Verbot in Bonn

wtb. Bonn, 11. Dzbr. (Eig. Meld.) Die Polizei­verwaltung hat heute ein allgemeines Ver- bot für Umzüge und Versammlun­gen unter freiem Himmel erlassen. Dieses Ver­bot hat seinen Grund in größeren Unruhen, die sich hier in den vergangenen Tagen ereignet ha­ben, nachdem bereits am letzten Sonntag größere Zusammenstöße zwischen National- sozialisten und Kommunisten stattge­funden hatten.

Das Demonstrationsverbot in Berlin.

Der Polizeipräsident teilt mit:

Durch Bekanntmachung vom 10. Dezember sind mit sofortiger Wirkung alle Umzüge und Ver­sammlungen unter freiem Himmel verboten wor­den. Bei der schon erfolgten Bekanntmachung des Verbotes wurde in Aussicht gestellt, daß einige Plätze friedlichen Versammlungen offen gehal­ten werden sollten. Diese Plätze sind:

1 Der Lustgarten,

2. Die Treptower Spielwiese,

3. Der Humboldt-Hain,

4. Die Jungfernheide.

Es muß ausdrücklich darauf hingewiesen wer­den, daß nur auf diesen Plätzen Ver­sammlungen unter freiem Himmel stattfinden dürfen und diese auch nur f otange, als eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit nicht besteht.

politische VechltslMze« in Pirmasens.

wtb. Pirmasens, 11. Dez. (Eig. Meld.) Im Zusammenhang mit den Waffen- und Bom.en- fnnben wurden drei weitere Arbeiter in ihrer Wohnung verhaftet, darunter der k o m mu n i st i- jche dritte Bürgermeister Schreiber.

Heraufsetzung des Wahlalters

in Bayern.

wtb. München, 11. Dzbr. (Eig. Meld.) Der Ver- fasiungsausschuß des Landtages nahm im Lause der Beratungen über das Landeswahlgesetz einen Antrag der Bayerischen Volkspartei an, der vor- schlägt, das Wahlalter für den Bayerischen Land­tag von 20 auf 21 Jahre hinaufzusetzen. Gegen den Antrag stimmten die Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. Der Vertreter der Staats- Regierung hatte in der Aussprache erklärt, daß'das jetzige Wahlalter mit 20 Jahren eine Abnormität und endlich einmal beseitigt wer­den müsse.

Gegen polnische Methoden.

wtb. Warschau, 11. Dzbr. (Eig. Meld.) Die N a- tionaldemokraten haben einen Dringlich­keitsantrag eingebracht, wonach alle, die an der Einkerkerung des ehemaligen Abgeordneten int Militärgefängnis von B r e st - L11 o w k s mitgewirkt haben, strafrechtlich verfolgt werden sollen. In der Begründung wird u. a. dar­auf hinaewiesen, daß die Häftlinge nicht nur g e- peinigt und ausgehungert, sondern auch geschlagen und mißhandelt worden sind. Brest sei eine furchtbare Schande des zeitge« nösfischen polnischen Lebens.

* Verbot aufreizender Plakate in der Rhein- vrovinz. Aus Koblenz wird gemeldet: Im Hinblick darauf, daß die Erregung des öffentlichen Lebens durch den Anschlag aufreizender Plakate nicht un- wesentlich gesteigert worden ist, hat der Oberprasl- denk der Rheinprovinz eine Polizeiverordnung er- lassen, durch die das öffentliche Anschlägen, die Anheftung und Ausstellung von Plakaten verboten ist, deren Inhalt eine strafbare Handlung darstellt ober die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung gefährdet. Verboten ist ferner die Anwendung von roter Farbe für Plakate, die nicht amtliche Be- kanntmachungen öffentlicher Behörden enthalten.

* Amerika und der Weltoerichtshof. Aus Washington wird gemeldet: Präsident Hoover hat dem Senat bas Protokoll über den Beitritt Ameri­kas zum Haager Internationalen Gerichtshof zur Genehmigung unterbreitet.

* In verschiedenen Teilen von (Euba sollen neue Unruhen ausgebrocken sein. B sher seien ein Toter unb eine Anzahl Verwundeter zu verzeichnen. —

Die Pariser Rrise.

Herr Laval ist am Ende seiner Künste ange­langt. Der bisherige Ministepräsident Tardieu ist durch die Nachwirkungen des letzten französischen Finanzskandals schwer getroffen. Der Präsident der Republik hat Donnerstag vormittag den ra« dikalen Senator Steeg ins Elyse ge­rufen, um ihm die Bildung des Kabinetts anzu- bieten.

57.3ahrg.

Freitag, 12. Dezember 1930

MaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Monatlich 1.80 emjchlleßl. Postgebühr <48 Pig.) ohne Zusiellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks a. M 4051.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt 'JÄT lm «üb" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag * der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 unb 1151. ::

Ein Tag der Schande.

ztzüste Rüpeleien der Radikalen im Reichstag, greife Rechtsgelehrte Prof. Kahl von der tfchen Bolkspartei sagt der Gesellschaft gründ­lich die Meinung.

Jeder Deutsche, der noch einen Funken von Ver­stand und nationale r Würde besitzt, wendet nch mit Abscheu von dem Treiben der Rechts- unb Mksrabikalen ab. Es toiberftrebt, die Radau- «senen zu schildern, die sich im Reichstag am Mittwoch aus nichtigem Anlaß abspielten. Papier und Druckerschwärze ist zu schade dafür. Es stan­den Dinge auf der Tagesordnung, deren Charak­ter an sich gar nicht zu Wutausbrüchen reizte. Aber -z war offensichtlich, daß hier ein gut ein- studiertes Spiel vorgeführt wurde. Seit meh­reren Tagen lärmen die Nationalsozialisten auf den ^aßen Berlins um den Film „Im Westen nichts Neues". Sie haben die Straße mobil gemacht, um bie nötige Stimmung zu erzeugen unb wachzu­halten, bie ihnen so günstig ist.

!, Der Lärm im Reichstag am Mittwoch war die parlamentarische ober vielmehr unparlamen - tarische Begleitmusik bazu. Daburch sollte jene „Atmosphäre" geschaffen werden, bie bie Na­tionalsozialisten notwenbig haben, wenn ihr Weizen weiter blühen soll. Die jungen undisziplinierten Leute auf den nationalsozialistischen Bänken mach­ten den nötigen Lärm, unb ba bie Kommuni­sten nie fehlen, wenn es Skanbal gibt, war ber Krach da, ber braufeen in ber Agitation als „Aus­bruch deutschen Manneszornes" umgefälscht wer­den wird. Trotzdem konnte kein Aufwand an Stimme unb an Unanstönbigkeit ben aufmerksamen Beobachter barüber täuschen, baß hier Theater mit eingespielten Rollen vorgeführt würbe.

Radau-Versammlung, so überschreibt die „Kölnische Volkszeitung" ihren Bericht über bie Mittwochsitzung bes Reichstags. Die Haupffzenen spielten sich ab, als über ben von bem greifen Rechtsgelehrten Prof. Kahl eingebrachten Entwurf eines neuen Strafrechts gesprochen würbe. Zu dieser Sache sprach auck ber kommunistische Abge­ordnete Löwenthal. Als ber Rebner sich gegen die Nationalsozialisten toenbet, kommt es zu Lärm- ize'ien. Abg. Heines (Nat.-Soz.) unb mehrere andere Nationalsozialisten rufen: „Unverschämter Judeniunge!" Sie werben bafür zur Orbnung gerufen. Von ben Nationalsozialisten wirb weiter gern'en: „Was gebt ben Iub bas beutsche Recht - an?" Präsibent Löbe erklärt, wenn bie bauernbett

Störungen nicht aufhören, müsse er mit Ausweisen vorgeben. Darauf verlassen Nationalsorialisten ben Saal, die übrigen drehen sich um, so daß sie bem Redner den Rücken zukehren. Als von den Kom­munisten durch Zurufe auf diese Demonstration hinaewiesen wirb, rufen bie Nationalsonalisten: „Es riecht uns zu sehr nach Knoblauck." Als einiges Mft-stied feiner Fraktion bTe!bt ber naüonal-^ozialistftche S^öhr mit bem Gesicht bem Redner zugewanbt sitzen.

, Abg. Frank II. (Nat. So’,) beginnt sein- Rebe mit den Worten" „Dee 93rofe*arier Löwenthal hat die eckt jüdische Unnersckämthe't besessen ..." — Präsident Lö^e ruft den Redner zur Ordnung. Dr. Frank wiederholt den Sahanfang. Präsident Lobe ruft ihn nochmals -ur Ordnung und macht ihn auf die Folgen eines dritt-n Ordnungsrufes aufm-rk- fam. — Die Kommunisten erzeugen durch „Rba- barber"-Gemurmel künstliche Unruhe, in der b:e weiteren Ausführungen des Redners nur sehr wtoer ?u verstehen sind. Rräsident Löbe droht dm Geräusch-Erzeugern Sckließuna der Sitzung an. Das Gemurmel läßt darauf etwas nach, verstärkt M aber wieder, als Dr. Frank meint. Kommu- miten unb Juden könnten ihn nicht beleibioen. Ver- t Aisktes Gemurmel d-r Kommunstten veranlaßt den . Präsidenten zu der Erklärung, er ersuche 'eßt zum t Bitten Mal um Ruhe und werde zu strengeren t Maßnahmen greifen. Abg. Dr. Frank II. bat in lernen weiteren gegen die Mittelvarteien a-rickste- ien Ausführungen.' die bei der von den Kommu- msten erzeugten Unruhe nicht auf der Tr'büne zu Wehen sind, offenbar eine unparlamen« p°.r1 f ch e Bemerkung gemacht, denn Präsident -cbe ruft ihn zum 3. Mal zur Ordnung und eni- I WrHm rot» bas beim 3. <'irbnuna«ruf immer ge- JfW — gleichzeitig das Wort. (Unruhe bei den -(at- Soz.)

Da-- Gefckimpfe geht weiter. Schließlich nimmt •i-rru. Kahl das Wort unb sagt:

Ich verzichte auf' ein weiteres Schlußwort mit Riicksickt aus den T-ef- Earib ber Diskussion. Wären die beiden varteten rechts und links tonfeauent, so würden sie zickten auf bie Mitwirkung an einem neuen ^rafgefehbudj unb ienn sie verzi ckten. bann r r ? 'ch Überzeugt, wird auck ein gutes deut- ' "e 5 Strafaeseßbuck zu stände kom - mc" (Lebhafter Beifall in ber Mitte).

„Antrag Kahl wird hierauf gegen bie Stim- <* ” Nat'onalsoziastst-n. Kommunisten und wie's-u "^vttalen dem Strafrechtsausschuß über- d.?Mn wurde bie abgebrochene Aussprache über t jl, ■Lenficnstür?ungsgefefe sortoeseßt Auch diese t hr:„ e war, ohne wesentlich Neue? zu "en, sehr erregt. Sie endete mit einer Ueber-

: ung b»r Vorlage an ben Haushaltsausfchuß. i oefMr ■ Ahielwung einer großen Zahl von rechts % nattn • r=-• r®ae- unter betten sich auch der nat'o- l ton s-la 9fnfraa befand, morgen im R-ichs- f , fUnbe außenvofttische D»"atte vorzun-bmen. To '-, f'ch das Haus auf Donnerstag Auf der k am Lni:,nun" st-b-n d's Anträge zum Ladenschluß : m Weihnack^-Hesti»abend.

Am Donnerskao.

I GmS'-u2-. 3- Berlin, 11. Dez. ((Eig. Meld.) Vor I ’U !n, d'.e Taaesordwino verliest Aba. Stöhr ■ eine längere Erklärung der National-

j e n;ur. '"'"en Arbeiterpartei. Darin wird ausae- ! U lick ol-g-?^'vnalsozialisten wollen sich nicht fälsch- i KL. Qttbalmacher hinstellen lasten Sie roür- ^M-^^^Zukunft keineRedenvonMarxisten