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NILS

HeimaMed.

®s klingt kein Lied so tief vertraut Als wie ein Heimatlied ins Herz. Wie manche goldne Brücke baut Es zärtlich über Leid und Schmerz. Mit holdem Klang umschwebt es dich Wo immer deine Schritte gehn. Und will nur treu und inniglich Wie eine Blume bei dir stehn.

Und nie vergessen wird es sein, Wenn dich auch lockt ein fremder Klang. Dann rauscht es tief in dich hinein Und macht das Herz dir heimwehbang.

Franz Cingia.

Idealismus und Heroismus- tollen nach Adolf Hitler die stärksten Trieb- sidern des Nationalsozialismus sein. Wie sieht es da- M,t in Wirklich eit aus? Man gehe nur einmal •m eine Nazi-Bersammlung und höre die Reden der bezahlten Berufsagitatoren an. Da wird doch nur ge- tcht, da werden alle Deutschen, die einer anderen politi­schen Meinung sind und die sich bemühen, anstatt große Meden und Propaganda-Umzüge zu halten, Deutsch­lands Not zu lindern, als Verbrecher und Lügner hin- oestellt. Die Not der Massen wird ausgenutzt, um sie zu gefügigen Werkzeugen der nationalsozialistischen Partei zu machen. Fürwahr, das was die Nationalsozialisten heute treiben, ist schlimmer als die Wühlarbeit der Un- abhängigen Sozialdemokratie im Weltkrieg. Die Art, wie die Nazi :m Volke jedes Vertrauen zum deutschen Staate und zu den Führern zu untergraben versuchen, ist in der Tat ein feiger Dolch stoß in den Rücken des durch die Not geschwächten deutschen Volkes. Sie ar­beiten auf die Katastrophe hin. Warum? Weil sie hoffen, dann zur Macht zu kommen. Diese Haltung zeigt deutlich, daß b;e Na^ Aa>tatoren und Varteisührer den > höchsten Grad von „Idealismus und Heroismus" be­sitzen.

Die Nazi-Führer in unserer Heimat unterscheiden sich kaum von ihren Vorbildern. Auch ihnen ist — nach

eigenem Geständnis — jedes Mittel recht, um das Vertrauen des katholischen Volkes zu der geist­lichen und weltlichen Leitung zu untergraben. Sie arbeiten und chrem Organ mit Verdrehungen und be­wußten Irreführungen. Mit Vorliebe suchen sie, die sich immer auf ihren katholischen Taufschein berufen, katho- lischen Geistlichen eins auszuwischen. Wie überhaupt ihre Einstellung zur katholischen Kirche ist, hat die Ant­wort des Kommunallandtagsabgeordneten Jordan bewiesen, die er in öffentlicher Versammlung auf die Frage gab: „Was würden Sie tun, wenn der Papst den Nationalsozialismus verbieten würde?" Herr Jor­dan will sich dann nicht der Autorität beugen, sondern aus der Kirche austreten. Als diese Haltung von uns gekennzeichnet wurde, versuchte man zuerst zu leugnen, schwieg aber still, als wir unsere Fest­stellung wiederholten und uns bereit erklärten, unsere Behauptung vor Gericht zu beweisen.

So sind diese Herren voller Idealismus und Herois­mus. Sie bezeichnen das Zentrum als Feind des Chri­stentums, stellen die plumpe Behauptung auf, es gehe mit dem Kommunismus zusammen, beleidigen dadurch den gläubigen katholischen Volksteil in der frechsten Weise. (Aber das sollten sich die Herren merken: Auch die G e d u l d hat ihre Grenzen.) Die Naziführer selbst sind innerlich längst mit der katholischen Weltanschauung zerfallen. Warum geben sie das nicht offen zu, wie die Kommunisten das ehrlich tun? Weil sie sonst im katholischen Land ganz ausgespielt hätten. Gern wollen wir allerdings zugeben, daß mancher junge Katholik sich aus nationaler B e- geisterung zu den Nationalsozialisten verirrt hat. Ihnen gilt unser Kampf nicht, sondern der feigen Demagogie, der kein Mittel zu schlecht ist, um den katholischen Vo l k s t e i l zu zersetzen. Gegen diese Wühlarbeit muß schärfftens Front gemacht werden. Wir werden deshalb auch die Agitationsmechoden der Herren in unserer Heimat etwas schärfer unter die Lupe nehmen als es bisher geschehen ist.

werden darf. Wir bekämpfen nicht die Menschen son­dern nur die Idee, weil sie den Haß predigt und zer­stört. Auf das Wort des Grafen R e v e n t l o w: Ju­gend marschiert aus der Kirche, gibt es für uns nur eine Antwort:

Hinein in die Kirche!

(Ungeheurer nicht enden wollender Beifall.)

Der Weg des Kreuzes Christi ist nicht der Weg neuer Kriege und Revolutionen. Unsere Führer sind nicht Thälmann und Hitler, unser Führer ist Christus, der Herr der neuen Zeit.

Erwin N i f s k a von den Windthorstbunden formte den Willen der katholischen Jugend zu Staat, Wirtschaft und Außenpolitik.

katholische Jugend stellt sich schuhend vor den deut- schcn Volksstaat.

Sie tritt schärfer als der Nationalsozialismus für die

Reform unserer Wirtschaftsordnung

ein, aber ihr Weg rft getragen von der großen Verant­wortung vor ihrem deutschen Volk, der Weg einer ent­schiedenen Friedenspolitik.

Die Kundgebung war nur ein Anfang, und wenn die Nationalsozialisten wollen, dann fol- gen noch mehrere solcher Kundgebungen. Jetzt auf zum Vormarsch der Jugend, auch auf der po­litischen Basis, wo der Staat in Not ist. Wir betonen mit heiligem Ernst, daß wir zu ihm stehen, komme, was wolle.

Nachdem sich der brausende Beifall gelegt hatte, er­griff der junge Reichstagsabgeordnete August Wink­ler von den Gesellenvereinen das Wort und über­brachte die Kampfgrüße der katholffchen Jugend West­deutschlands, die auf der ganzen Front aufgestanden sei und gegen den Faschismus aufmarschiere.

Unter jubelndem Beifall bestieg dann der Reichs­tagsabgeordnete Dr. Heinrich Krone die Rednertribüne. Er führte aus: Durch die kacholische Jugend Deutsch­lands ist eine große Welle der Besinnung gegangen, in einer Zeit, in der nur noch ein Block den Feinden unseres Volksstaates standgehalten hat. Der Kom­munismus sagt deutlich, wohin er will,

des Deutschlandliedes löste sich in später Stunde auch hier die Kundgebung in Ruhe und Ordnung auf.

Diese Kundgebung der katholischen Jugend Berlins bedeutet einen Auftakt, bedeutet Manifestation der Einheit und Einsatzbereitschaft der katholi­schen Jugend. Sie wird draußen im Lande ihr Echa Hervorrufen und überall das Jungvolk gegen die Ge­fahr des Faschismus auf die Schanze rufen.

Die „Primaner-Affäre-.

Der Tatbestand: Wir hatten vor 4 Wochen an die­ser Stelle einen Aufsatz aus dem „I a n g k a t h o l i- s ch e n Vortrupp" (Blätter für alkoholfreie Lebens­führung) veröffentlicht, in dem bissige Randbemerkun­gen zu dem offiziellen Bericht über die fünftägige Rheinfahrt einer Essener Oberprima gemacht wurden. Vor allem war ein Ausspruch des Bundeskanzlers von „Neuüeutschland", (Bund katholischer oajüler höherer "ehranlln' -n) mrf Katholikentag in Münster an­führt worden, der feststellte, daß in den letzten Jahren unter den Schülern Dekadenzerscheinungen bemerkbar seien. Das spießerische „Pennälertum" sei wieder vorherrschend, weit mehr noch als vor dem Kriege, und, was vor allem zu bedauern fei, es habe ei­nen unmoralischen Einschlag. Wir hatten diesen Auf­satz zur Aussprache gestellt, um die Ansicht der hiesigen Primaner kennen zu lernen.

Das Ergebnis: Die Aussprache war sehr lebhaff; am stärksten setzte man sich am Gymnasium mit den aufgeworfenen Fragen auseinander. Auch in der Presse fand die Diskussion ihren Niederschlag. Sogar eine Kasseler Zeitung soll bemüht worden sein.

Ganz richtig wurde von den meisten erkannt, daß es sich in der Hauptsache um zwei Fragen handelte, nämlich

1. Welchen Zweck haben die Schulaus- f lüge?

2. Ist tatsächlich in den letzten Jahren eine Verände­rung in der geistigen Haltung der Schüler eingetreten, die man als „Dekadenz", als Verfallserscheinung an­sehen muß?

Manche blieben bei der Beantwortung dieser Fragen

Beilage zur Fuldaer Zeitung

10. Dezember.

der Nationalsozialismus bietet sich den

sehr an der Oberfläche, sodaß man versucht ist, für

Aufmarsch der katholischen Zungmannschast gegen die Nazi.

Die Antwort an Graf Revenklow. — «Diktatur ist Sache der Änechtfeele!" Eine Riesenkundgebung der Berliner katholischen Jugend gegen die Verlogenheit der Razi.

4]

W

Bei der nächsten Postero machten wir wieder Halt. £!e Familie war im Hause. Es waren gute Menschen. ,le Hausfrau reichte uns Mate, und wir bekamen auch kmen vortrefflichen Spießbraten.

Zur Nacht wurden wir wieder mit dem Lasso zu- , ^ungebunden. Wir erlitten dadurch heftige Schmer- : ro*1, °cnn das Blut stockte in unseren Füßen, weil die

9?te zusammengeschnürt waren.

Am nächsten Tage konnten wir zuerst gar nicht gehen. cr Sergeant fragte nun, ob Ernst wieder reiten könne, em Freund meinte, es würde wohl wieder gehen.

■ •» daraufhin ■ lieh der Sergeant von dem Postero ein Obe ’ .un& Ernst mußte es besteigen. Leider kam er Re^t nic^ roeit- Das junge Tier, noch nicht an einen - 1 ^gewöhnt, warf ihn nach einigen Bocksprüngen in «n ^and. Der sonst so ernste Sergeant heulte vor nne über diesen Anblick. Nun mußte Ernst wieder «u uu§ gehen.

©tu V Sergeant zeigte jetzt immer mehr, daß er im ein prächtiger Kerl war. Er unterhielt uns

und W tzi3er "eiten Tour mit allerhand lustigen Gesten tni/h Scn "ächl^n Nächten fesselte «r uns auch nicht mehr big Lasso, sondern legte sich nur als Wächter vor hr-A des Ranchos, in welchem wir schliefen. Er be- Uns E°. so gut er konnte.

■Bttfifc* 'e-hs Tagen kamen wir endlich in eine große hie $ ' "eiche an der Bahn lag. Hier wurden wir auf fefwn°an[ni^arie gebracht, wo man uns wieder Fuß-

Iföbrt"1 Tage wurden wir vor ein Gericht ge- fce'ren efcs bestand aus dem Kommissar, einigen an- Argentiniern und einem deutschen Herrn.

Sire • bin ,.ein Freund des deutschen Konsuls in Buenos s ' er,[ärte der letztere uns in unserer Heimatsprache.

Der Katholische Jugendring Berlin hat in Gemeinschaft mit dem Reichsverband der W i n d t - horst Bunde am Dienstag, den 2. Dezember, zu ei­ner Kundgebung in der Stadthalle aufgerufen, die einen ungeheuer großen Erfolg aüszuweisen hatte.

Schon gegen 7 Uhr abends umsäumten dichte Scha­ren die anliegenden Straßen und bald nach Eröffnung war der große Saal überfüllt. Von allen Galerien wehten die Banner und Wimpel der Jugend Die Sturmfahne der Werkjugend, des Jungmänner Verban­des, des Iung-K. K. V. und das Kolpings-Banner des Gesellenvereins zwischen langherabwallenden schwarz- rot-goldenen Fahnentüchern. Von allen Seiten rückten die Trupps mit ihren Wimpeln auf, man sah junge Geistliche in ihrer schwarzen Tracht zwischen den bun­ten Fahrthemden der Iugendbünde und der Arbeits­tracht unserer Gesellen- und Arbeiterjugend.

Als um 7.30 Uhr der Saal eröffnet wurde, war er wenige Minuten später Bereits überfüllt und mußte po­lizeilich geschlossen werden. Aber immer noch neue Züge rückten an, sodaß von der Freitreppe der Etadthalle aus eine Parallelversamm­lung auf offener Straße bekannt gegeben wer­den mußte.

In der Stadthalle sah man viele prominente Ver­treter des katholischen Berlin. Kurz nach 8 Uhr wurde die Kundgebung von dem Vertreter des Katholischen Ju- genbringes eröffnet.

Nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes' „Wann wir schreiten Seit' an Seit'" die Christus-Strophe wurde von der taufenbtöpfigen Menge stehend und mit erhobener Schwurhand gesungen — ergriff der Direk» ®r des Katholischen Jugendamtes, P u ch o w s k i das Wort:

--Wenn katholische Jugend protestiert, ist es nicht

Als Jumper, “flieget und Mer M In Süd-Amerika.

Von Bernhard Schroeder-Wiborg.

Copyright by Fischer Verlag, Berlin.

Formsache und ist es keine schöne Geste für die breite Öffentlichkeit.

katholische Jugend Ist in ihrem Sein schon Protest genug. Protest gegen links und rechts, gegen Sow­jetstern und Hakenkreuz.

Wenn die Nationalsozialisten sagen, sie haben schon die katholische Jugend, dann ist das nur eine Behauptung. Aber die katholische Jugend kann stolz daraus sein, daß man sie haben möchte, aber sie verzichtet auf diese Ehre. Die katholische Jugend antwortet, wir brau­chen keinen Nationalsozialismus. Auch wir sind national und sozial, aber wir lassen keine Zwietracht in unser Volk f ä e n in die­ser Notstunde. Wir lassen durch keine Hetze unser kran­kes Volk noch weiter aufsplittern.

Das Blut unserer deutschen Brüder, mögen sie rechts oder links von uns stehen, fft zu heilig, als daß es auf den Straßen der Großstadt im Bruderkampf vergossen

Katholische Fugendgemeinschaft Fulda.

Donnerstagabend 8.15 Uhr

wichtige Besprechung

im „Kinderhort", Schulstraße.

Hierzu werden die hochw. Herren Präsi­des und Jungführer herzlich eingeladen.

Der Führerring.

„Ich mußte eine Reise in diese Gegend antreten, und da bat er mich, mich Ihrer anzunehmen!"

Wir bedankten uns sehr herzlich und schöpften wieder Hoffnung, daß unsere Leidenszeit nun bald überstanden fein würde. Nun wurden wir vernommen. Der Major- domo hatte uns wegen Kontraktbruch und Unterschlagung angezeigt.

Wir gaben nun an, aus welchen Gründen mir die Siedlung verlassen hatten und wie es uns mit den Ver­sprechungen des Majordomos ergangen war. Darauf verhandelten die Herren kurze Zeit in der Landessprache unter sich.

„Sie sind frei, meine Herren!" wandte sich uns der Deutsche dann wieder zu. „Die Sache ist erledigt."

„Wir können also gehen?" sagte ich in halb befrie­digtem Ton. „Aber wo bleiben unsere Sachen?"

„Besaßen Sie Gepäck?" erkundigte sich unser Lands­mann mit einem ganz feinen, ironischen Lächeln.

„Gewiß!" antwortete ich lebhaft. „Bei unserer Ver­haftung hat uns die Kamppolizei ja vollständig ausge» raubt!"

„Hm! Hm!" machte unser Landsmann. „Das ist ja eine dumme Geschichte, ich will aber versuchen, was ich noch für Sie tun kann!"

Er sprach wieder mit den anderen Herren eine Weile In der Landessprache und zuckte dann etwas verlegen mit den Achseln, indem er zu uns hinsah.

Wir sahen also wohl ein, daß uns unser Fürsprecher auch nicht helfen konnte. Wir waren frei. Da standen wir und mußten nun eben sehen, wie wir weiterkamen.

„Ein schöner Reinfall!" sagte Ernst mißmutig. „Aber das kommt davon, wenn man in fremde Länder einwandert, deren Volksleben und Sprache man nicht kennt!"

„Wir werden wohl froh fein müssen," sagte ich, „daß wir ohne Prügel davongekommen sind. Und nun heißt es wieder vorwärts mit frischem Mut!"

Wir hatten noch etwas Geld, dafür kauften wir uns Käse und Brot, um etwas Proviant bei uns zu haben.

*

Dann verließen wir das Dorf und kamen am Bahn­geleise entlang, als ein nach Norden auslaufender Zug langsam näher kam.

Katholiken als Schützer von Kirche und Glauben an. Aber wie stehts damit?

Dr. Krone verlas einige Ausführungen aus dem na­tionalsozialistischen Schrifttum und Stellen aus einem eingehenden Bericht über eine interne nationalsozialisti­sche Versammlung, die von wüstem Haß gegen Papst, Kirche und katholische Religion getragen waren.

Katholizismus und Rationalsozialismus sind un­vereinbar,

wie Feuer und Wasser, Nationalsozailisrnus ist kirchen- politisches Extrem, verbunden mit reaktionärem politi­schen Kurs. Wir wenden uns gegen beides.

„Diktatur ist Sache der Snechlsfeele. Der volksstaat ist Sache de« selbstbewußten jungen Staatsbürgers. Christliche Politik ist Aufbau eine» sozialen Deutschlands zu dem wir alle al» Mtschafsende stehen, nicht al» Ku­ll», sondern al» dienende Glieder unsere» Vaterlandes."

Als sich der Beifallssturm endlich gelegt hatte, tönte in mächtigen Rythmen der Sprechchor der katholischen Jugend in den Saal, der Bläserchor der Gesellen stimmte das Deuffchlandlied an, das von der tausend- köpfigen Menge stehend gesungen wurde.

Zwei Begrüßungstelegramme wurden an den Bi­schof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, und den Reichskanzler Dr. Brüning gesandt.

Während der Kundgebung hatte sich vor der S t a d t h a l l e eine nach Hunderten und aberhunderten zählende begeisternde Menge katholischen Jungvolkes eingefunden. Hier eröffnete Dr. Hans Grundei die Parallelkundgebung. Die Begeisterung steigerte sich zum Orkan, als unter klingendem Spiel mit wehenden Reichsfahnen Gesellen und katholische Jugend aus dem Zentrum Berlins anmarschierten. Auch hier draußen dasselbe Bild wie drinnen. Die Redner mußten auf die Freitreppe treten und für die brausen wartende Menge sprechen.

Der BlLserchor der Gesellenvereine spielte auf und machtvolle gemeinsame Kampflieder der Jugend mach­ten auch das Ganze hier draußen zu einer imposanten Manifestation katholischen Jugendwillens.

Nach dem gemeinsamen Gesang der dritten Strophe

einige in der Presse erschienene „Eingesandt Oberprima­ner nicht verantwortlich zu machen; zu diesem Ergebnis kommt man auch deshalb, weil von den Einsendern, die sich aus nicht ganz verständlichen Gründen versteckt an der Aussprache beteiligten, Wendungen gebraucht wur­den, die auf eine politische, konfessionelle ober persönliche Gegnerschaft schließen lassen, die ganz unangebracht her- ausgestellt wurde, Arn besten übergeht man diese „Ein­gesandt" deshalb wohl mit Stillschweigen.

In den Zuschriften, die uns zugingen, wurde fast durchweg der Leiter der Essener Anstalt deshalb ver­urteilt, weil er diesen Aufsatz in den offiziellen Jah­resbericht der Schule ausgenommen habe. Wir vermögen dieser Ansicht nicht unbedingt beizustimmen. Schul- und Klassenleiter sind sicher zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Schilderung am besten die Stimmung der fünf­tägigen Rheinfahrt festgehalten hat. Es hat doch keinen Sinn, daß im Jahresbericht einer Schule ein begeistertes Loblied auf die Schönheit und die Bedeutung des deut­schen Schicksalstromes gesungen wird, wenn in Wirk- ttchkeit die Oberprimaner nach dem Motto: „Wein, Weib und Gesang" am Rhein lebten. Die jungen Leute brauchen deshalb noch nicht unmoralischer zu sein, als die Oberprimaner, die in den Jahren nach dem Krieg das Rheinland nach Art der Wandervögel durch­wanderten. Wir stellen nur fest, daß die heutigen Pri­maner anders sind als die Oberprimaner der Kriegs- und Nachkriegszeit, die unter dem Einfluß der Jugendbewe- gung den Lebensgewohnheiten der bürgerlichen Gesell­schaft ablehnend gegenüberstanden und deren Jugenb- erlebnis die deutsche Volksnot im Weltkrieg und in der Inflation war. Ob die Oberprimaner früherer Jahr­gänge idealer eingestellt waren, als die heutige Prima­nergeneration, können und mögen wir nicht entscheiden. Daß sie nicht so — sagen wir — lebenslustig waren, mag schon daher kommen, weil sie in den schweren Zei­ten Not litten und sich in eine Welt der Ideale und Probleme retteten.

Damit sind wir aber schon längst in die Erörterung der zweiten Frage: Gibt es eine Dekadenz auf den höheren Schulen? eingetreten. Zuvor noch die Bemer­kung über die Schulausflüge: Es scheint so, als ob bei manchen Ausflügen der Alkohol eine etwas z u große Rotte spielt. Doch kann man hier nicht von einer all-

„Du," sagte ich zu meinem Freund, „hier haben wir eine günstige Reisegelegenheit, aber besinne Dich nicht zu lange." Damit war ich schon auf den Wagen ge­sprungen, und Ernst, der mich wohl verstanden hatte, sprang sofort hinterher.

Auf diese Weise gelangten wir nach zwei Tagen in die Provinz Tucuman, wo gerade die Zuckerrohrernte begann. Unsere erste Jumperfahrt war ohne jede Störung verlaufen.

In einer Zuckerfabrik sanden wir auch bald Arbeit. Unsere Schlafgelegenheit war der Erdboden in einer großen Baracke, und nach einigen Tagen spürten wir, daß die kleinen Kameraden aus dem Schützengraben auch hier heimisch waren. Dazu waren sie so lebhaft, daß sie in der Nacht den Moskitos Konkurrenz machten.

Nachdem wir einige Wochen in der Zuckerfabrik ge­arbeitet hatten, bekam Ernst einen Malariaanfall, doch in einigen Tagen hatte er ihn soweit überwunden, daß er wieder erwerbsunfähig war. Trotzdem hatte er sich verändert. Er war nicht mehr der liebe frische Kamerad wie ehedem. Er hatte keine Lust mehr zum Wandern. Nach sechs Wochen zog ich allein weiter.

In der Provinzialhauptstadt Tucuman fand ich dann wieder Beschäftigung, und zwar in einer Brauerei. Der Verdienst reichte gerade zum Essen. Ich mutzte Holz­blöcke mit den Kreolen zusammen von den Karren ab­laden.

Drei Tage hielt ich bei dieser Arbeit aus, bann hockte ich mit einem gequetschten Finger in einer kleinen deutschen Wirtschaft.

Als das Unglück überstanden war, schloß ich mich zwei erwerbslosen Deuffchen an, die besser in der Stabt Bescheid wußten als ich. Wir gingen zu einer Arbeits­vermittlungsstelle, Hier wies man uns denn auch Be­schäftigung nach. Wir sollten am nächsten Tage mit dem Zuge hinausfahren, um als Mineure im Kalkstein­bruch zu arbeiten. Ohne alle Illusionen nahmen wir an.

Am anderen Morgen erschien aber nur der eine von meinen Landsmännern, der zweite hatte sich gedrückt und Krankheit vorgeschützt. Wir fuhren also ohne ihn ab, und die Reise verschlang mein letztes Geld.

Endlich hatten wir die bezeichnete Station erreicht. Wir stiegen aus. Leider erfuhren wir dann, daß die ge­

nannte Ortschaft nicht zwanzig, sondern dreißig Kilo­meter von der Station entfernt lag.

Am Spätnachmittage langten wir in dem kleinen Orte an. Hier horten wir, daß der Steinbruch statt vier, wie angegeben, neun Kilometer weit draußen tag. Darauf entschlossen wir uns, in dem Ort zu übernachten, und schliefen unter dem Vordach eines Türkenranchos.

Am nächsten Tage erwies sich der Steinbruch als eine neue Enttäuschung. Die Stollen waren nur etwa sechzig Zentimeter hoch und dreißig bis vierzig Meter weit Dorgetrieben. Selbst wenn wir mit Dynamit arbeiteten, war das Beginnen ohne Zweifel aussichtslos.

Wir fanden hier einen Spanier als Aufseher vor, welcher auf Arbeitskräfte wartete, Er hatte aber au­genscheinlich keine Lust, uns irgendwelche Hoffnungen zu machen.

„In dem Steinbruch würden Sie verhungern", sagte er nur. „Wie Sie sehen, fft die Arbeit, die ein Laie ver­richten kann, bereits getan."

Mißgestimmt kehrten wir wieder in das Dorf zu­rück. Mein Leidensgefährte, der Mechaniker, hatte noch etwas Geld — das meinige war verbraucht.

Als wir jetzt eine Strecke Weges gegangen waren, redete uns ein Kreole an:

„Ich suche Steinbrecher und besitze Kalkadern in meinem Berg, die zu Tage liegen. Bei mir können Sie etwas verdienen."

Wir waren erfreut und folgten ihm zu feinem Be­sitz. Hier überzeugten wir uns über den Lohn und ver­pflichteten uns, für ihn zu arbeiten.

Wir wanderten bann in bas Dorf zurück und schlie­fen bann mieber unter bem Dach bes Türkenlabens.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, gab es eine Ueberrafdjung. Mein Mechaniker war verfchwunben! Wie ich wußte, befaß er noch Gelb. Wahrscheinlich war ihm bie Arbeit zu schwer, unb er hatte es vorgezogen, roieber nach Tucuman zurückzureisen. Sein polnischer Abschied schmerzte mich. Doch ich hatte keine Zeit mehr, traurigen Gedanken nachzuhängen. So wanderte ich an meine Arbeitsstätte.

Mein neuer Patron wollte mir gegen Mittag zwei Wellbleche, Kochtopf und Lebensrnittel bringen. Das notwendige Arbeitsgerät hatte ich bereits am Tage vorher erhalten.

(Fortsetzung folgt.)