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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Mittwoch, 10. Dezember 1930

Ilr. 285

itztrauensvolum gegen den Reichsautzenminister?

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wünscht sei. Sollte die Besprechung den vom Reichskanzler gewünschten Erfolg haben, dann dürfte damit zu rechnen sein, daß der Reichstag am Dienstag seine letzte Plenarsitzung vor den Weihnachtsferien abhält.

Zahlreiche Fraktionen hielten schon heute Vor­mittag Sitzungen ab und das Gesamtbild zeigte wieder die Merkmale eines großen poli­tischen Tages, der für das Schicksal der Reichsregierung von enormer Bedeutung sein kann.

Brüning Kabinetts": Die Reichstagsabstim­mung war für Dr. Brüning und seine Minister­kollegen der krönende Triumph einer langen Zeit unablässiger Arbeit, deren treibende Kraft der Glaube war, daß die geplanten Reformen wesentlich sind im Interesse des Landes und einer weitblickenden nationalen Politik, die, wenn möglich, mit dem Parlament, aber, wenn es nicht anders geht, auch ohne dasselbe durchgeführt werden muß.

cheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift­leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

wie izu-

Vertreter des Christlich-sozialen Volksdienstes die Abg. Simpf endörs er, Rippe! und von «jndeiner-Wildau. Dieser Zusammenkunft kommt deshalb besonders große politische Bedeu- mng zu, weil der Reichskanzler dabei den Ver­such unternahm, den Volksdienst davon zu über­zeugen, daß ein außenpolitischer Vorstoß sei es in Form einer außenpolitischen Debatte oder gar in Form eines Mißtrauensvotums gegen den Außenminister Dr. Curtius im jetzi­gen Augenblick für die Interessen der Reichspolitik außerordentlich uner-

höhung der Zuschläge zur Einkommensteuer für Einkommen über 8000 Mark auf 10 v. H., auf Einführung eines besonderen Zuschlages für Auf­sichtsratsmitglieder von 20 v. H., Aufhebung der Mineralwassersteuer und Aenderung der Bestim­mungen der Notverordnung über das Brotgesetz.

Soll der Vürgerkrieg'llnsug weikergehen?

Großer Bombenfund in Pirmasenz. — Bisher 24 Personen verhaftet.

wtb. Pirmasenz, 9. Dzbr. (Eig. Meld.) Gestern nachmittag entdeckte die Polizei bei neuen Erhe­bungen m der Bomben-Attentats-Angelegenheit des kommunistisch-antifaschistischen Bundes ein ganzes'Lager von sprengfer­tigen Bomben. Etwa ein Dutzend dieser Bomben war aus alten Militärgranaten, zum Teil größten Kalibers, hergestellt. Dazu wurde noch verschiedenes Material für die Herstellung von weiteren Sprengkörpern, wie Sprengstoff, Zünd­hütchen, Zündschnüre usw. gefunden. Bon maß­gebender Seite wird dazu erklärt, daß die Bom­ben nach eigener Angabe der Hersteller in ei­nem künftigen Bürgerkriege, insbe­sondere gegen den Faschismus Verwen­dung finden sollten. Die Untersuchung nimmt ihren Fortgang. Bisher sind 24 Personen ins Gefängnis eingeliefert worden.

Man sieht, wie die Arbeit der Radikalen immer zu weiterer Verschärfung des Hasses und der feindlichen Absichten führt. Daß ein Volk, dessen Angehörige mit Bomben und Granaten auf ein­ander los zu gehen gedenken, außer Stande sind, geschlossen gegen äußere Gegner aufzutreten, ist klar. Gerade vom nationalen Standpunkt muß die Spaltung Deutschlands in zwei feind­liche radikale Lager aufs tiefste be­dauert werden.

Weder ein polnischer Tag erster Ordnung.

Md es zu einer autzenpolMschen Reichstagsdebatte kommen?

| Deutsche Volksparkei bleibk, was sie immer war: Fraktion I Drehscheibe. — Wichtige Rolle des Christlich-sozialen Volks- -ienstes. — Bringt Deutschland eine einmütige Erklärung zur Oskoberschlesischen Frage aus?

V.D. Z. Berlin, 9. Dez. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. meldet, empfing Sen Neichskanzler Dr. Brüning am Dienstag Vormittag

trumspartei verliert in Porsch den Senior ihrer Abge­ordneten, den treuen Schüler Windthorfts und den eif­rigen Vermittler seiner Tradition. So war Porlch uns stets ein großer Führer und steter Mahner zur selbst­losen Arbeit für Volk und Vaterland. Die Zentrums­partei dankt ihm für seine Mühen und Opfer Möge der Allmächtige sie lohnen! Wir geloben dem teuren Entschlafenen, seinem Vorbild nachzueifern.

Reichskanzler Dr. Brüning hat an den Vor­sitzenden der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages, Regierungsd'rektor Dr. Heß, nachste­hendes Beileidstelegramm gesandt:

Die Nachricht von dem Hinscheiden des langjährigen Führers der Preußischen Zentrumspartei, Geheimrat Dr. Porsch, hat mich aufs tiefste erschüttert. Schmerz­erfüllt stehe ich an der Bahre dieses hochverehrten, um die Partei und das katholische Volk so außerordentlich verdienten Führers. In aufrichtiger Mittrauer um den Entschlafenen, dessen Verdienste ich stets dankbar ge­denken werde, spreche ich Ihnen und der preußischen Zentrumspartei mein tiefstes Beileid aus.

Justizminister Schmidt hat der Zentrums- ftaktion des Preußischen Landtags, der Preußischen Zentrumspartei und den; Vorstand der Anwalts­kammer in Breslau seine und der preußischen Ju­stizverwaltung herzliche Teilnahme ausgesprochen. Er hat dabei auch auf die Verdienste hingewiesen, die der Verstorbene sich um die Rechtspflege nicht nur in seiner politischen Tätigkeit, sondern auch in seinem von hoher Berufsauffassung getragenen Wirken als Rechtsanwalt und Notar erworben habe.

Auch der preußische Landtagspräsident Bar­tels bat der Zentrumsftopu'^n ■-''-‘■'n* Teilnahme zum Tode des Geheimrats Porsch zum Ausdruck gebracht.

Die sterblichen Ueberrefte von Dr. Felix Porsch werden von Breslau nach Eltville bei Wies-

Sozialdemokraken und Gehälter.

Ein Gesetz-Entwurf.

Zu der in der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 vorgesehenen Kürzung der Beamtengehälter um 6. v. H. hat, wie der „Vorwärts" meldet, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion einen Gesetzentwurf eingebracht, der eine Staffelung dahingehend vorsieht, daß die niedrigen Jahres­bezüge bis zu 3000 Mark um 4 v. H., die Bezüge von 3000 bis 4000 Mark um 5 v. H. und erst die von 4000 bis 5000 Mark um 6 v. H. gekürzt wer­den. Eine stärkere Kürzung ist für die Jahresbezüge von über 5000 Mark vorgesehen. Bei den Bezügen zwischen 5000 und 8000 Mark soll der Abzug 8 v. H. und bei allen höheren Bezügen 10 v. H. betragen. Eine Verminderung der durch die Ge­haltskürzung beabsichtigten Einsparungen soll nach diesem Vorschlag nicht eintreten. In die Gehalts­kürzung der Angestellten bei den öffentlichen Ver-

Tief erschüttert von der Nachricht des Hinscheidens des Herrn Geheimrats Porsch gebe ich der Niederschlesi­schen Zentrumspartei den ersten Ausdruck der tiefen Trauer und des teilnehmenden Beileids. Galt doch der schlesischen Heimat und der Schlesischen Zentrums­partei vor allem sein mühevolles Wirken! Die Zen-

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waltungen sollen nur Jahresbezüge, die 3600 Mk. I In Dk Itflrffhg Tflh übersteigen, einbezogen werden. " 1 “ *

Weit ere Anträge der Sozialdemokraten be- Zum Tode des Geheimrats Porsch hat der Par- ziehen sich, wie das „Berl. Tagebl." berichtet, keivorsitzende Dr. K a a s an die Niederschlesische auf 'Wiederzulassung eines zollfreien Gefrierfleisch- Zentrumspartei folg"ndes Beileidstelegramm ge- kontingents in der alten Höhe, auf Beseitigung | richtet^ der Sonderumsatzsteuer für Warenhäuser, auf Er-

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,, V-DZ. Berlin, 9. Dzbr. (Eig. Meld.) Einen Ge- urf über die Einrichtung eines f r e i w i l - en Arbeitsdien stes verlangt der christ­a-soziale Volksdienst in einem soeben im Reichs- vorgelegten Anträge.

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. D.D.Z. Berlin, 9. Dez. (Eig. Meld.) Der $ r ui>? altsausschuß des Reichstages ist aus Mittwoch, .den 10. Dezember, vormittags, nu Garden. Auf der Tagesordnung steht >2 Vorbereitung die Ausschußdebatte über den ^eichshaushalt für 1931, vor allem die Verteilung " Haushaltsreferate. Weiter sind eine Reihe kleinerer Vorlagen angesetzt.

v o .neue Führer der Deutschen Volks- E?r;Je i war beim Reichskanzler, um ihm mitzu- was feine Gruppe nun eigentlich will. Durch rne Verlautbarungen hat Dr. Dingeldey

#> T*1.“) Zweifel erweckt, ob seine Gruppe nun mit ik>nUmns praktische Arbeit leisten oder lieber zu „ a3is abschwenken will. Daß solche Unklar- yLten entstehen, weil in der Deutschen Volkspartei

■paar Schwerindustrielle stecken, die von den «n?b,-^Ewiß politisch-wirtschaftliche Vorteile erhof- fckLjiA echt volksparteilich. Auch Dr. Dingeldey lU‘,rt d-e „Fraktion Drehscheibe".

Londoner Arteile.

der Ueberschrift „Des Kanzlers g ? .veröffentlicht „Daily Telegraph" ein ein- " . Telegramm seines Berliner Korrespon- vber^ die Ergebnisse der Reichstagsabstim- L, 9 «m Samstag. Der Berliner Korrespondent hm- "-Corning Post" spricht von einem Sieg nicht »Tnf• k Kanzler, sondern auch für denReichs- fe'1 • ,‘?n' auf dessen Autorität die Re- ,$jri "9 llch in Wirklichkeit stütze. Er erklärt im ;iet AN, die Stellung der Regierung sei viel stär- 3 die Abstimmungszahlen anzeigten.

■» 35etIiner Korrespondent der „Times" sagt I 'nem Bericht über den „Triumph des

Es sind Bestrebungen im Gange, die Bemühun­gen- der deutschen Außenpolitik um einen wirk- samen Schutz der deutschen Minder­heit in Ostoberschlesien durch eine ein­drucksvolle gemeinsame Kundgebung aller Part eien von d en Sozialdemo- inüen bis zu Nationalsozialisten zu unterstützen. Zweifellos hätte eine solche Er- ärung, die sich über die scharfen innerpolitischen

Differenzen Hinwegsetzen würde, eine starke Wirkung auf das Ausland. Ihre Aussichten werden aber gefährdet, wenn die deutsche Einheits­front durch ein Mißtrauensvotum oder gar den Sturz des Außenministers gestört würde. Schon deshalb hofft man in unterrichteten Kreisen, daß es den Heu igen Bemühungen doch gelingen möge, die außenpolitische Debatte zu verhindern.

VD.Z. Berlin, 9. Dzbr. (Eig. Meld.) Die N a- l i o n a l s o z i a l i st e n führen in einer Inter­pellation im Reichstag aus, daß der Auswärtige Ausschuß am. 2 Dezember die sofortige Abberu­fung des deutschen Vertreters in der vorbereitenden Abrüstungskon- enz in Genf gefordert habe. Diese Ab­berufung sei noch immer nicht erfolgt. Die Reichs- segierung wird gefragt, ob sie bereit sei, den Gra-

Bernstorff nunmehr unverzüglich abzuberufen.

. er soll die Regierung erklären, ob sie gewillt lei, bei weiterer Sabotierung der Abrüstung und gem Versagen der Mehrheit des Völkerbunds- wts den Austritt Deutschlands aus "m Völkerbünde zu erklären.

Wie überwinden wir den Naklonalsozlaksmus

Von Friedrich Muckermann S. I.

Wenn ein Wirbelsturm die Dächer abhebt, oder wenn ein großes Wasser die Dämme durchbricht, oder wenn ein Vulkan seine Lavaströme über das Land schickt, dann hat es keinen Zweck, sich hin­zustellen und zu jammern, ober seine Stimme zu erheben, als könne man den Lärm der Elemente überbieten, oder Anklagen zu häufen gegen die Natur oder die vielleicht schuldig Gewordenen, nein — einzig männlich ist es, in solchen Augen­blicken ruhig den Ort der Katastrophen zu über­blicken und sich nüchtern zu fragen, wie man der Lage wieder Herr werden könne. Der National­sozialismus ist zu einer Bewegung geworden, zu einer Art Psychose oder auch zum Narkotikum der Verzweifelnden. Die ruhigsten und vernünftigsten Leute reißt er mit sich fort, als verfüge er über ein geheimes magisches Mittel wie weiland der Rattenfänger von Hameln. Gehen wir dieser Ma­gie ein wenig nach. — Gespenster muß man an­packen und im Moment kommt das hilflose Abaka- dabra zu Tage.

An geistigen Werten ist beim Nationalsozialis­mus von heute nicht viel zu entdecken. Da er in dieser Hinsicht nichts zu verteidigen hat, so muß man schon anderweitig ihm ans Lebendige zu kom­men suchen. Man kann es in nationalsozialisti­schen Blättern oft genug lesen, daß sie sich mit Vorliebe N o l u n t a r i ste n nennen, Menschen, die etwas wollen und weiter nichts. Da sich jeder Mann dieses Etwas, was man will, auf feine Weife zurechtlegen kann, da der Arbeiter dabei an höheren Lohn, der Kleinbürger an geringeren Zins und vielleicht sogar mancher Industrielle an ein anti-marxistisches Geschäftchen denkt, so kann denn jeder von ihnen kräftig wollen, und hält sich dabei, die Muskeln spannend, für den Retter des Staates. Was hier also das Geheimnis ist, das liegt in dem Umstand, daß man den Willen aufruft, daß man von Charakter spricht, daß man in all dem Elend der Gegenwart den Krastmenfchen markiert, daß man eine schwüle Atmosphäre mit Blitz und Don­ner entlastet, daß man mit anderen Worten ein­fach etwas will. Nun erinnere man sich, wie es seit Monaten in allen Blättern ungefähr ohne Un­terschied der Partei zu lesen war, daß irgend et­was im Parlamentarismus versage. Monatelang hat das deutsche Volk zu'ehen müssen, wie seine Vertreter im Reichstag jede tatkräftige Bemühung der Reichsregierung lähmten: ein Schauspiel üb­rigens, von dem viele seiner Mitspieler zu glauben scheinen, es sei auch heute noch interessant. Man empfand bis in die kleinste Hütte hinein den Druck eines harten Schicksals, man spürte mehr oder we­niger klar bewußt, daß es um Sein oder Nichtsein des deutschen Reiches gehe, und da wird in Berlin geredet und taktiert, als wären wir noch in des Reiches Maienblüte, oder als fei eben ein Wort ge- svrochen, wie etwa: unsere Zukunft liegt auf dem Wasser, oder als sei im tiefsten Frühlingsglück so­eben ein Salut auf den jüngsten Prinzen abge­feuert worden. Donnerwefter! so sagte sich der ein­fache Mann, wann hören denn die einmal mit den Reden auf und schaffen bessere Verhältnisse? •

Das alles wurde unverblümt in jenen Tagen auch in den Zeitungen geschrieben, gerade auch von jenen, die es mit dem Vo l k s st a a t ernst meinten, und die darum auch am besten fühlten, wie sehr er bedroht war. Dieses allgemein ver­breitete Gefühl, das schon auf die Stimmung zu wirken begonnen hatte wie ein Regenwetter ohne Ende, hat sich her Natw""lsoüalismus zu Nutze gemacht. Die Millionen, die da warten auf einen kräftigen Willen' im Staat, hat er geweckt. Von

einer Schwäche des Systems, von schweren Ver­säumnissen seiner Vertreter, von der Willenslosig- keit entscheidender Führer, davon hat er gelebt und davon lebt er heute noch. Es ist dies gewiß nidV fein einziger Geburtshelfer gewesen, aber man darf ruhig behaupten, daß er so lange an Zahl und an psychischer Wirkunng noch zunehmen wird, als die absolute Hoffnungslosigkeit eines Parlamentarismus ohne Regierungswillen nicht deutlich und jedem Bewußtsein klar überwunden ist. Man wird ihn folgerichtig auch in dem Maße überwinden, als man das etwas muskelweich ge­ratene Gebilde des jungen deutschen Volksstaates mit Knochen, mit Sehnen und mit gesunder Energie versieht.

Wenn es heute noch einen deutschen Volksstaat gibt, dann ist dies vor allem Dr. Brüning zu danken, und bei ihm vor allem wieder der fest zugreifenden Energie. Wäre diese männliche West­falennatur nicht aus ihrem Dunkel herausgetreten, so hätte niemand den Szenenwechsel gemerkt, der nur durch eine ganz markante Persönlichkeit vor Augen geführt werden konnte. Diese zähe, unbeug­same Westfalenenergie ist es auch, die heute noch allein den Volksstaat zusammenhält. Warum? Einfach, weil man es fühlt, daß sie etwas will, und daß sie dies wirklich will.

Natürlich ist es nicht leicht, im Deutschland von heute das zu wollen, was man wollen muß, und was der Nationalsozialismus sich hütet, auszuspre­chen. Gelingt es nicht, die großen Truste nieder­zuzwingen, die Preisdiktatur der Leute zu brechen die bei Eisen und Kohle sitzen, dann wird doch die große Schlacht wieder auf dem Rücken der kleinen Leute geschlagen, die dann erst recht dem Nationalsozialismus anheim­fallen werden, der natürlich umso stärker „will", als er etwas Bestimmtes nicht zu wollen braucht

Aufs Ganze gesehen, ringen hier nicht so kehr verschiedene geistige Ideen miteinander, als viel­mehr Energien des Willens zur Macht Die Weltanschauung des Nationalsozialismus ist aus dem Willen geboren, nicht aber der Wille aus einer Weltanschauung. Solch ein naturgemäß unklarer Wille verbindet sich mit den stärksten Instinkten, und das sind heute ganz zweifellos die der wirtschaftlichen Not. Das ist ein eben­so einfaches wie schweres Problem. Es kann nicht gelöst werden durch christliche Wohltätigkeit allein und schon gar nicht durch humanitäre Sentimen­talität. Es ist einfach eine Frage der Mach t, eine Frage des unbeugsamen Willens der regierenden Partei, eine Frage, mit deren Lösung die weitere Möglichkeit des parlamentarischen Systems steht und fällt. .

Zwei Willen stehen wider einander, ein un­klarer und ein klarer. Der unklare hat z. Zt für sich alle Agitationsmöglichkeiten der Dema­gogie, der Magi« und jedes rattenfängerischen My­stizismus. Der klare hat für sich die Stärke der gesunden Vernunft und der Erreich­barkeit eines immerhin nicht io fernen Zieles. Aber notwendig ist es, daß dieser klare Wille des Kanz­lers unterstützt werde von jedem Vertreter der Partei, von jedem Abgeordneten in byi Parlamenten des Reiches, der Länder und der Städte. Durch sie alle, durch den letzten Mann noch, muß dieses klare Wollen hindurch­leuchten. Bis in die re l i g i ö s e Tiefe hinein muß dieses Wollen reichen und gerade bei den christ­lichen Vertretern dort an dem Quell schöpfen. Baut das Christentum sich auf die Persönlichkeit, predigt es zunächst die Liebe von Mensch zu Mensch so

haben übergeführt werben, wo er neben feiner im Jahre 1919 verstorbenen Gattin zur letzten Ruhe gebettet wird.

Geheimer Justizrat Dr. Felie Barsch, der ehemalige Vizepräsident des Preußischen Land­tags, der im Alter von 78 Jahren gestorben ist.

Wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident Dr. Braun an die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages folgendes Telegramm gesandt.

Der Landtagsfraktion des Zentrums spreche ich zugleich im Namen der preußischen Staatsreg'e- rung zu dem Ableben ihres Mitglieds des Geheim­rats Dr. Porsch die herzliche Teilnahme aus. Mit dem Heimgegangenen ist ein Mann aus dem poli­tischen Leben geschieden, dessen jahrzehntelange narlamentarifdje Tätigkeit außerordentlich erfolg­reich war. D'e Zentrumspartei verliert mit Dr. Porsch einen ihrer besten Führer. Seine verdienst­volle Tätigkeit für Volk und Staat sichert ihm ein ehrendes Angedenken.

Auch der Staatssekretär des preußischen Staatsministeriums Dr. Weismann hat der Sen» ftumsfraktion des Landtages zum Hinsckeiden ihres Führers telegraphisch sein Beileid ausgespro­chen.

liegt doch auch der göttliche Zug in ihm, daß es für d i e großen Ordnungen ein­tritt, in benen 'bas Menschengeschlecht leben muß. Diese Orbnungen sind gestört. Von einer ge­rechten Güterverteilung kann heute kein ehr­licher Men'ch mehr reben. Der Staat ist unter» höhlt von ben mächtigen Interessenten. Ge­rade das Ch r ifte n t um wird heute b ie letzte Kraft einsetzen müssen, um den Staat als die gottgewollte Ordnung zu retten, den Staat, dessen Ordnung auchdie Kirche stützt.

* Der neue polnische Sejm wurde Dienstag 12 Uhr mittags eröffnet. Ministerpräsident Slavek verlas die Eröffnungsbotschaft des Staatspräsiden­ten. Den Vorsitz übernahm brr Alterspräsident Andreas Lubomirski. Während der Vereidigung der Abgeordneten ' versuchte die kommunistische Gruppe, eine Kundgebung zu veranstalten, worauf die kommunistischen Abgeordneten durch die Sejm- Wache aus dem Saal entfernt wurden. Die weitere Sitzung verlief ruhig. Auf der Tagesordnung steht Sie Wahl des Präsidiums.

* Zuchthaus für einen gemeinen Streich. Das Mannheimer Schöffengericht verurteilte ben 22 Jahre alten Hilfsarbeiter Eugen Haag zu zwei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust,