Fuldaer Land und Aachbargebrel
= Pilgerzell. Am vergangenen Mittwoch fand hier eine gut besuchte Versammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins Pilgerzell und Dirlos statt, in der Diplomlandwirt F ü f e r über das Thema sprach: Wie kommen wir Landwirte über die schwere Zeit hinweg? Herr Füser wies überzeugend nach, daß der Staat durch seine Zölle in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise der Landwirtschaft recht wirksam geholfen yabe. Aber diese Staatshilfe kann es allein nicht schaffen. Die S e l b st h i l f e des Landwirts muß einsetzen. Der Landwirt muß es lernen, rationell und fortschrittlich zu wirtschaften. Dazu ist eine verbesserte Schulung des Landwirts erforderlich. Für unsere Gegend empfahl der Redner das Anbauen von mehr Weizen und besonders Wintergerste. Was Milch, Butter, Eier und Obst anbelangt, so dürfe nur gute und einwandfreie Ware auf den Markt gebracht werden, damit wir mit der ausgesuchten Ware des Auslandes konkurrieren können. Was die Schulung anbelangt, so dürste es jetzt bald kein Landwirt mehr geben, der nicht feiner Organisation angeschlossen ist und gewissenhaft sein Fachblatt liest. Es dürfte aber auch nicht mehr Vorkommen, daß ein Landwirt, der auf eine bessere Zukunft hofft, die landwirtschaftliche Schule nicht besucht hat. Anschließend sprach Dr. Monecke unterstützt durch Filmvorführungen über die Behandlung und praktische Anwendung der Düngemittel und ergänzte sein Wort durch eine Filmvorführung.
— Eichenzell (Krs. Fulda). In der vergangenen Woche fanden in sämtlichen Filialen der Pfarrei Eichenzell Lichtbildervorträge von P. Honoratus vom Kloster Frauenberg statt. Die zahlreichen Zuhörer gewannen einen bleibenden Eindruck von der aufopferungsvollen Arbeit der Franziskanermissionäre in Japan. Auch wußte der Vortragende in Wort und Bild interessante Einzelheiten der Sitten und Gebräuche des japanischen Volkes darzulegen. Ein weiterer Teil des Filmvortrages behandelte die Christenverfolgung in Rußland, wo die Bolschewisten versuchen, mit Gewalt und Verleumdung die christliche Religion auszurotten. Zum Schluß führte der Redner die Zuhörerschaft um viele Jahrhunderte zurück in die Katakomben Roms zur Zeit der Christenverfolgungen. P. Honoratus konnte in feinem Vortrag auch manche heitere Anekdote einflechten, sodaß die Zuhörer sich darin einig waren, einen schönen und erbaulichen Abend verlebt zu haben Eine freiwillige Sammlung für die Missionen wurde veranstaltet, lodaß jeder sein Scherflein zum Besten des Missionswerkes beisteuern konnte.
Die Lage am Arbeiksmarkk.
— Schlüchtern. Die Lage des Arbeitsmarktes im Bezirk des Arbeitsamtes Hanau, der die Kreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern umfaßt, in der Zeit vom 16. bis 30. November 1930 erscheint mit Bezug auf die Ziffer der Arbeitsuchenden überhaupt nur wenig verändert gegenüber den Ergebnissen der Zählung vom 15. Nov. 1930. Die zahlreichen Aussteuerungen bezw. die Ablehnung von Anträgen auf Arbeitslosen- und Krisenunterstützung bedingten eine nicht unwesentliche Zunahme der Unterstützungsgesuche bei den Woblfahrts- ämtern. Dadurch ist der tatsächliche Zustrom an Arbeitsuchenden beim Arbeitsamt der Zahl nach noch nicht so stark in Erscheinung getreten, wie er es in Wirklichkeit ist. Es wurden gezählt: an Arbeitsuchenden überhaupt 10 4 4 9 Personen beiderlei Geschlechts. In der Arbeitslosenversicherung befanden sich 4417 männliche und 883 weibliche, in der Krisenfürsorge 1538 männliche und 234 weibliche Personen, insgesamt 7072 Hauuptunterstlltzungsempfänger. Die Krisenfürsorgeziffern sind gegenüber denen der Arbeitslosenunterstützung stärker angestiegen. Die Zunahme beträgt im ersteren Falle 107, im letzteren 88. Die Steigerung verteilt sich auf alle Bezirke fast gleichmäßig.
= 6akh. Wilkenroth. In der vorigen Woche hat Lehrer P r e l l w i tz nach fast 12jähriger Wirksamkeit unfern Ort verlassen, um nach seiner neuen Wirkungsstätte Hanau überzusiedeln.
An einer verschluckten Zahnbürste gestorben.
J3 Hanau. Der 26 Jahre alte Etuismacher Ernst Jäger in Hanau hatte seit mehreren Tagen an st a r - kem Jucken im Halse zu leiden, was ihn veranlaßte, zu einer nicht ungewöhnlichen Heilmethode seine Zuflucht zu nehmen, deren Anwendung allerdings einen für ihn verhängnisvollen Ausgang nehmen sollte. Er nahm eine Zahnbürste in die Hand, um damit die im Halse juckende Stelle zu bestreichen und das Uebel zu beseitigen. Als er mit diesem „Instrument" zu tief in den Hals hineingeraten war, ging ihm für einen Augenblick der Atem aus. Er stieß einen Ruf nach feinem Vater aus. verschluckte jedoch dadurch die Zahnbürste. Kurze Zeit darauf stellten sich bei ihm erhebliche Schmerzen ein, die ihn veranlaßten, sich in das Landeskrankenhaus zu begeben, woselbst sofort eine Operation vorgenommen werden mußte. Die Operation ergab, daß die Zahnbürste sich teils im Magen befand, teils aber bereits in den Zwölffingerdarm übergetreten war und dort erhebliche innere Verletzungen angerichtet hatte, an deren Folgen der Patient alsbald nach der Operation verstorben ist.
Neues aus Frankfurt.
— Krach im Frankfurter Schauspielhaus. Bei der Ausführung von Bernhard Franks Schauspiel „Hofnägel" kam es zu Lärmszenen, die namentlich von der Galerie aus organisiert zu fein schienen. Die Vorstellung mußte unterbrochen und die Ruhestörer von der Polizei entfernt werden. Sechs Personen wurden zwecks Feststellung ihrer Personalien sistiert. Vor dem Schauspielhaus setzten sich die Lärmszenen fort, doch gelang
es der Polizei, in kurzer Zeit die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.
— Kraftfahrer rast in eine Arbeitergruppe. Samstag früh gegen 3 Uhr trug sich an der Galluswarte ein folgenschweres Unglück zu. Hier arbeiteten etwa zehn Straßenbahnarbeiter an Schienenerneuerungen und hatten auch ihren Arbeitsplatz genügend erhellt. Plötzlich sauste in einem Höllentempo der 30jährige Ingenieur Walter Heß, der von Aßmannshausen kam, mit seinem Auto daher und in die Arbeiterkolonne hinein. Dabei wurde der Bahnarbeiter Karl Kohlmann von dem Wagen ersaßt und direkt über den Kopf gefahren. Mit einem schweren Schädelbruch kam der Verletzte in hoffnungslosem Zustande in das Städtische Krankenhaus. Heß sauste noch eine große Strecke weiter, schließlich tonnte er aber zum Halten gezwungen werden. Das Auto wurde von der Polizei beschlagnahmt.
Der Zusammenbruch der „Selbsthilfe der Arbeit'.
Man strebt einen vergleich an.
Vor einigen Monaten brach hier die „Selbsthilfe der Arbeit" finanziell zusammen und viele tausend Sparer standen vor der Gefahr, ihre Spargelder gänzlich zu verlieren. Zu den Leidtragenden gehörten vor allem viele Landbewohner aus dem Nassauer Lande und Oberhessen. Auch im Kreise Hünfeld und im ® e if a er Land sitzen eine Anzahl Mitglieder der Bausparkasse. Es bildete sich sofort nach dem Zusammenbruch ein Gläubigerausschuß, der Vergleichsverhandlungen einleitete. Am Sonntag fand nun in Frankfurt eine Gläubiger- versammlung statt. Aus ganz Deutschland und aus Oesterreich waren 200 Gläubiger von insgesamt 5200 Bausparern erschienen. Die Situation ergab eine U n- terb ilanz von 600000 RM. Im Konkursfalle seien 5—10 Proz. zu erwarten. Um diesen Konkurs zu vermeiden, wird wegen Uebernahme und Sanierung mit der „Devaheim", der Deutsch-evangelischen Heimstätten- Gesellschaft, verhandelt, die den geschädigten Sparern des Frankfurter Instituts 50 Proz. bietet. Die Gläubigerversammlung beschloß, allen Bausparern dieses Angebot der „Devaheim" zu empfehlen. Vor Beteiligung an Sonderaktionen und Neugründungen im Zusammenhang mit der zusammengebrochenen Selbsthilfe der Arbeit, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands unter allerlei Namen auftauchten, wird im Interesse aller Gläubiger dringend gewarnt, weil dahinter nichts als Versprechungen und Sonderwünsche bestimmter Persönlichkeiten stehen. Um den Vergleich mit der „Devag" zustande zu bringen, ist es nunmehr notwendig, die von dieser Gesellschaft geforderten 110 0 Sparer mit 15 Millionen RM. V e r t r a g s s u m m e zum lieber« tritt zu gewinnen. Durch anderweitige' Sonderaktionen wird deshalb der angestrebte Vergleich ernstlich gefährdet.
Freistaat Hessen.
Polizeibeamker wird im Rausch zum Einbrecher.
— Gießen. Ein Polizeibeamter aus Butzbach hatte an einem dienstfreien Tag mit zwei Bekannten eine Bierreise gemacht. Im Anschluß daran drangen sie in eine bei Pohl-Göns gelegene Jagdhütte und entwendeten verschiedene Gegenstände. Wegen dieser unbedachten Tat hatte sich das Trio jetzt vor dem hiesigen Gericht zu verantworten, das folgende Strafen verhängte: der Polizeibeamte erhielt wegen einfachen Diebstahls drei Monate Gefängnis, die beiden anderen Angeklagten wegen Beihilfe zum Diebstahl und wegen Begünstigung statt je zwei Wochen Gefängnis 100 Mark Geldstrafe.
Das spielende Kind am Gashahn.
= Mainz. Unter Gasvergiftungserscheinungen wurden ein Dienstmädchen und das vierjährige Söhnchen der Dienstherrschaft ins Krankenhaus eingeliefert. Der Unfall soll dadurch entstanden sein, daß das Kind beim Spielen den Gashahn öffnete, während das Mädchen am Tisch stand und bügelte. Beide wurden plötzlich bewußtlos und stürzten zu Boden.
Was beim Schwarzbrennen verdient wird.
— Mainz. Der Viehhändler Martin Koch aus Alzey, wohnhaft in Wiesbaden, hatte zwei Landwirte in Offenheim und Weinheim, Kr. Alzey, zum Schwarzbrennen von Branntwein angestiftet, ihnen den Zucker zur Maischbereitung geliefert und sich an dem Verkauf des Branntweins beteiligt. In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Herstellpreis des Branntweins 50 Pf. pro Liter betrug, während sich der Verkaufspreis auf 5.50 RM. pro Liter belief. Durch Konkurrenzneid kam die Schwarzbrennerei zur Kenntnis der Steuerbehörde. Koch wurde wegen Vergehens gegen das Branntweinmonopolabgabengefetz zu drei Wochen Gefängnis, 6727 RM. Geldstrafe, 1106 RM Wertersatz und Beschlagnahme der Brennereiapparate verurteilt. Gegen das Urteil legte der Angeklagte wegen der Höhe der Strafe Berufung ein, die verworfen wurde.
Zuchthaus für einen Geldbriefmarder.
— Mainz. Der 53jährige Oberpostschaffner Ludwig Kni er im aus Worms, der feit vielen Jahren bei der Post in Worms beschäftigt war, stand seit längerer Zeit im Verdacht, Wertbriefe, besonders Briefe aus Amerika, beiseite geschafft zu haben. Am 30. Januar ging der Verdächtige in eine Falle, die ihm von der Postverwaltung in Worms gestellt worden war. Das Bezirksschöffengericht in Worms hatte am 22. Juni dieses Jahres den Angeklagten wegen Verbrechens im Amt zu einem Jahr Zuchthaus und 150 Mk. Geldstrafe verurteilt. Knierim legte gegen dieses Urteil Berufung
Aus dem Gelnhäuser Kreistag.
Der Landwegeekak. — Eine Nachtragsumlage in Höhe von 47 000 R21L — Erwerbslose demonstrieren unter kommunistischer Führung.
Unser u.-Mitarbeiter berichtet aus Gelnhausen: Unter dem Vorsatz von Landrat Delius hielt im hiesigen Kreishause der Kreistag Gelnhausen am Samstag eine Sitzung ab. zu deren Beginn drei neue Mitglieder des Kreistages, zwei von der KPD. und eins vom Zentrum, M. R e u s - Somborn, in ihr Amt ein- geführt wurden. Anschließend nahm der Kreistag Jah- resrechmmgen 1929 der Kreiskommunalkasse des Kreiswasserwerkes, der Elektr. Ueberlandanlage und der beiden Kreis-Sparkassen Gelnhausen und Bad Orb entgegen. Die Kreissparkasse Gelnhausen hat im Berichtsjahre einen Gesamtumsatz in Höhe von 54 640 419.12 5tm„ die Kasse zu Bad Orb einen solchen von
13 482 800 Rm. zu verzeichnen.
Landrat Delius gab sodann einen Ueberblick über die derzeitige finanzielle Lage des Kreises und betonte, daß man int laufenden Etatsjahre ohne Etatsüberschreitungen hätte arbeiten können, wenn nichtdie Wohlfahrtslasten eine weitere, erhebliche Steigerung annehmen. Die Steuereinnahmen des Kreises zeigen durchweg eine rückläufige Gestaltung und es ist fraglich, ob die veranschlagten 15 000 Rm von l>er Biersteuer restlos eingehen: Jagdsteuer, Hauszins- und Reklamesteuer gehen sehr schleppend ein. Die gewerblichen Betriebe des Kreises — Elektrizitätswerk Kreiswasserwerk, Ferngasversorgung — arbeiten zu- _rtebenftetlenb. besonders b»e elektrische lleberlandanlage Oie betn Kreise manchen finanziellen Zuschuß geben muß, u„ r,"te lunge Ferngasversorgung, die im Zeichen einer günstigen Dorwärtsentwicklung steht. Die Sparkassen des Kreises haben auch im letzten Jahre erheblich zur rforoerung des Wohnungsbaues beigetragen, die Kreis- Warkaste Gelnhausen hat hierfür 98 000 Rm., die Bad Order Kasse 62 000 Rm. hergegeben.
. 2 ? n ö ro e g e e t a t, in den sonstigen Jahren
jeweils zwischen 250 000 und 270 000 Rm. schwankend, '"Wlge notwendiger Abstriche in diesem Jahre auf 205 000 Rm. festgesetzt werden. Erstmalig ist der Kreis von der seitherigen Gewohnheit, für befi Kilomen- ter Eigenweg 1000 Rm. Unterhaltungskosten auszuwerfen, abgegangen. Der Etat, aus dessen Mitteln 5 000 Rm. für die Gewährung einer auf 9 000 Rm. fest
gestellten Weihnächte- und Winterbeihilfe genommen werden, wurde in Anwesenheit des zuständigen Bau- rates, Manns-Hanau a. M. mit Stimmenmehrheit verabschiedet, fernerhin der Umbau der Schafbrücke bei Bieber, als auf 13 500 Rm. veranschlagtes, dringliches Projekt genehmigt und ein Betrag von 52 000 Rm. für Wegebauten, der vom Landeshauptmann zu erwarten, und bereits von der Kreissparkasse Gelnhausen gegeben ist, in eine langfristige Anleihe umgewandelt.
Infolge der gesteigerten Wohlfahrtslasten hat sich hinsichtlich der Fürsorgelasten des Kreises die Bewilligung einer
Rachkragsumlage in Höhe von 47 000 Rm.
trotz sparsamster Wirtschaft notwendig gemacht. 12 000 Rm. sollen aus den Einnahmen des Elektrizitätswerkes und die restlichen 35 000 Rm. in Gestalt einer Kreis- umlage (5,73 Proz.) Zuschlag zu den Realsteuern und 6,10 Prozent Zuschlag zu den Einkommensteuerüberweisungen) aufgebracht werden.
Den Kreistogsabgeordneten blieb nichts anderes übrig, als dem Antrag zuzustimmen.
Die Neufassung des Beschlusses über die Erhebung von Zuschlägen zur Grunderwerbssteuer (künftig 2 Prozent), sowie die Erhöhung des Gesellschafterkapitales des Kreises bei der „Hessischen Heimstätte" zu Kassel um 3 000 Rm. wurden gebilligt. In den Elektro,zweckver- band wurden Bürgermeister Paul-Meerholz und Fabrikant Schösser-Gelnhausen gewählt, zu Schätzern in Rentengutsangelegenheiten wählte der Kreistag die Kreisausschußmitglieder Bürgermeister Günther-Wüstwillen- roth und Bürgermeister Brettmann-Hailer.
Während der Verhandlungen hatten sich, unter Führung eines kommunistischen Redners, etwa 150 Erwerbslose und Ausgesteuerte vor dem Kreishause eingefunden, um den Ausgang der Beratungen über die Weihnachts- veihilfe abzuwarten, für die die Kommunistische Fraktion einen phantastischen weit über die Mittel des Kreises hinausgehenden Antrag in Höhe von über 50000 Rm. gestellt hatte. Der Kreistag, sich seiner Verantwortung bewußt, stellte einen Betrag von etwa 9 000 Rm. bereit. Zu Ausschreitungen kam es nicht.
ein, die jedoch gestern von der Großen Strafkammer in Mainz als unbegründet verworfen wurde.
So freibt man heute Politik.
— Gießen. In der letzten Nacht nach Mitternacht kam es hier im Stadtzentrum zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten, Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten, wobei es eine erhebliche Schlägerei gab. Als zunächst ein in der Nähe weilender Polizeibeamter allein einschritt, wurde er von den Raufenden so zugerichtet, daß er erhebliche Kopfverletzungen davontrug. Erst mit polizeilichen Verstärkungen war es möglich, der Schlägerei ein Ende zu bereiten und alle Teilnehmer — sämtlich zwischen 18 und 30 Jahren — festzunehmen. Nachdem sich ihre Gemüter auf der Polizeiwache beruhigt hatten und ihre Personalien festgestellt waren, wurden sie wieder entlassen. Has letzte Wort wird nun das Gericht sprechen.
Hochstapler in der Rolle eines Freiherrn.
— Wetzlar. Die Kriminalpolizei hat einen Hochstapler festgenommen, der sich Freiherr Armin von Wangenheim, Leutnant a. D., nannte und hier abgestiegen war. Bei einer Leibesvisitation fanden sich noch andere Papiere, die auf den Schauspieler Willi Götschel aus Greppin, Kreis Bitterfeld, lauteten. Die auf den adligen Namen lautenden Papiere und Empfehlungen waren sämtlich gefälscht. Mit diesen hat er, wie er selbst zugibt, vornehmlich bei adeligen Gutsbesitzern wegen Erlangung einer Stellung vorgesprochen. In den letzten Wochen lebte er von Unterstützungen, die er von Ortspfarrern aus Wohlfahrtseinrichtungen erhalten hat. Die Polizei hat den Schwindler dem Amtsgericht zugeführt. Sie bemüht sich festzustellen, ob der Name Götschel richtig ist und ob der Verhaftete nicht noch andere Straftaten auf dem Kerbholz hat. Da er nach eigenem Eingeständnis erhebliche Vorstrafen hat, sind ihm solche wohl zuzutrauen. _______________
* Eine Zeitung der Gottlosenverbünde. Um den Kampf gegen die Religion zu Weihnachten zu verstärken, haben die Gottlosen-Verbände in Rußland beschlossen, eine antireligiöse Gottlosen-Zeitung herauszugeben, die in
Relative Feuchtigkeit der Lust am 8.12. mitt 12 Uhr 79,o^
Höchste Temperatur im Schatten Höchste Temperatur in der Sonne
Niedrigste Temperatur
mehreren Millionen Exemplaren an die Trm» teile der Roten Armee und Marine verteilt hS soll. Die Zeitung wird u. a. Ratschläge geben die Auflösung der Kirchengemeinden und Soßung der Synagogen in der ganzen Sowsitun
Wie wird das Wetter?
Ein Ausläufer des nordwestlichen Tiefdruckwj* reicht bis nach Frankreich hinein und hat in gni5 zum Teil recht ergiebige Niederschläge gebracht. W Gebiet wird vorläufig nur in geringem Maße K, slußt. Bei milderen südwestlichen Winden ist DJ noch mit Nebelbildung und mit einzelnen qerir Niederschlägen zu rechnen.
Witterungsaussichten für Dienstag: Anhalten überwiegend trüben und zu Niederschlag neiae, Wetters, etwas milder, südwestliche Winde.
Temperatur- und Barometerstand in Juli
Mitgeteilt non Dlvlom-Optiker Sauerborn
am 7. 12. + 5 gi £ am 7. 12. -j. 5,0° n fett 7. 12. + 2,0- p Riederschlag v. 6.12. 8U.morg. — 7.12.8 U. morq. 0,5
Barometerstand
I flenn.
(auf Tleeresböhe reduziert)
Meters,,
6. 12. 6 Uhr abends
759,5 mm
■+ 2,0°
7. 12. 8 Uhr morgens
759,0 mm
+ 1,0°
7. 12.12 Uhr mittags
758,0 mm
1 3,0-
7. 12. 6 Uhr abends
757,5 mm
+ 2,5'
8. 12. 8 Uhr morgens
757,0 mm
4- 4,0
8 12. 12 Uhr mittags
756,5 mm
+ 4,5
Höchste Temperatur im Schatten am 6. 11.
+ 2,0°
Höchste Temperatur in der Sonne am 6. 12.
+ 2,0
Niedrigste Temperatur
seit 6. 12.
— 0,5
Aus der Thüringlschen Rhön.
Aus Geisa und Umgebung.
Zur Wirtschaftslage Thüringens.
Die Thüringische Staatsbank veröffentlicht folgende Uebersicht:
Im Vergleich zum November 1929 sind in Thüringen heute alle für die Lebenshaltung nötigen Waren durchschnittlich um 8 Proz. billiger geworden. An dem Rückgang der Preise sind alle Bedarfsgruppen außer der Wohnung beteiligt. Vor allem haben die Kosten für Bekleidung nachgelassen. Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker berichten, -daß zur Zeit mancher Kunde in der Hoffnung auf weitere Preisrückgänge mit Einkäufen und Bestellungen zurückhält. Darüber, ob diese Erwartungen berechtigt sind, gehen die Meinungen auseinander.
Für das Handwerk gehört der November zu den geschäftstillsten Monaten. So war es auch diesmal. Eine leichte Belebung melden nur Elektroinstallateure. Das gesamte thüringische Handwerk beschäftigte 1926 über 100 000 Personen.
In letzter Zeit mußten wiederum viele thüringische Unternehmungen stillgelegt werden, so z. B ein Schieferbruchunternehmen, das früher 1000 Arbeiter beschäftigte. Aus anderen Wirtschaftszweigen, z. B. der T a b a k i n d u st r i e, wird gemeldet, daß mit weiteren Betriebseinstellungen zu rechnen ist. Außerordentlich bedauerlich sind für Thüringen auch die Verlegungen von Betriebsstätten nach außerthüringischen Gebieten. So werden durch das für 1931 geplante Abwandern eines Teiles eines großen Glasunternehmens Thüringens viele thüringische Glasarbeiter brot- lvs. Ein thüringisches Gummiwerk, das einer großen hannoverschen Fabrik angegliedert wurde, ist jetzt stillgelegt worden.
Die Wohlfahrtsausgaben der thüringischen Städte und Gemeinden werden, da die Zahl der Arbeitslosen und sonstigen Hilfsbedürftigen wächst, zwangsläufig immer größer. Zu gleicher Zeit gehen die Zahl der Steuer- und Beitragspflichtigen und damit die Einnahmen der Städte zurück. Die gegenwärtige Krise zeigt deutlich, wie notwendig es ist, in guten Jahren für schlechte Zeiten vorzusorgen.
Thüringens Wirtschaft für Brünings Programm.
Der Verband der Mitteldeutschen Industrie e. V. hielt am Freitag in Weimar eine Ausschußsitzung ab, die aus allen Kreisen der Wirtschaft sehr stark beschickt war. Oberregierungsrat a. D. A d a m n e tz-Berlin, der engste Mitarbeiter Dr. Luthers, hielt einen Vortrag über das Thema: „Regierungsprogramm und Reichsrefor m".
Redner stellte sich trotz mancherlei Bedenken r e ft l os auf den Boden des Sanierungsprogram ms der Reichsregierung und erkannte an, daß die Regierung handeln mußte, wei' für aussichtslose Reichstagsverhandlungen keine Zeit mehr vorhanden fei. Die Geduld des Volkes fei vorbei und habe für Partei- programme^einen Sinn mehr. Die Entscheidung über das Sanierungsprogramm dem Reichstag zu übertragen, hätte nur dazu führen können, den Riß im Volke und im Parlament noch zu vergrößern. Die Staatstrife könne nur überwunden werden durch eine einheitliche, starke Führung und durch Schaffung einer neuen Vertrauensgrundlage in Deutschland,
Daß die wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands nicht allein auf d ie Tributlasten zurückgeführt werden könne, ergebe sich aus der tatsächlich vorhandenen Weltkrise. Die Maßnahmen der Reichsregierung seien darauf gerichtet, in erster Linie die Kreditwürdigkeit der öffentlichen Wirtschaft wiederherzusteilen. Jeder, der noch etwas Gefühl für Verantwortung habe, müsse zugeben, daß das Programm der Regierung trotz mancherlei Härten ein wirksames Mittel im Kampfe gegen die Not der Gegenwart sei. Der Vorwurf, daß das Programm die Forderung einer Revision des Poung- Planes nicht enthalte, sei unbegründet, weil der Zeitpunkt für eine solche Aktion noch nicht gegeben sei. Der Nachweis von der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands könne erst dann angeführt werden, wenn die eigenen Finanzen saniert und in Ordnung gebracht sind.
Am wichtigsten sei aber das Problem der R e i ch s r e f o r m. Die Gedanken hierfür feien völlig durchdacht, die Gesetzesvorschläge fertig formuliert, aber dennoch gehe man nicht an diese Dinge heran. Dazu zwängen aber im Augenblick parlamentarische Rücksichten auf die Bayerische Volkspartei. Im übrigen glaube die Regierung, daß die schlechte Finanzlage einzelner Länder und Gemeinden schon im Laufe dieses Winters diese Frage von jener Seite aus in Fluß kommen lassen werde. Das Zwingende sei aber unbedingt die Beseitigung des Dualismus zwischen Preußen und dem Reiche.
In der Aussprache stellte Landtagsabgeordneter Knittel fest, daß in bringen ein einheitlicher Wille über das, was geschehen müßte, nicht vorhanden sei. Der Wille zur Erhaltung der Selb- ständigkett allein genüge auch nicht, vielmehr müsse dazu auch die notwendige Kraft vorhanden sein. Landtagsabgeordneter Höfer findet es nicht bedauerlich, wenn die Gewalt nicht mehr bei den Parteien liegt. Vor allem müsse geholfen werden. Er billigt den Weg der Reichsregierung. Nachdem er die Gefahr
— Ostheim (Rhön). In der Nähe unseres Orte ereignete sich ein schwerer Unglücksfall, bei M drei Personen zum Teil schwere Verletzungen j» vontrugen. Ein Fleischermeister aus Suhl wow seine Braut im Auto nach Hause bringen. Um ® die Straße überquerenden Passanten nicht zu M fährden, bremste der junge Mann plötzlich M stark, wodurch ein Vorderrad seines Wagens brad Der Wagen überschlug sich. Der Führer erlitt geringe Verletzungen, während das junge 3M chen sehr schwer verletzt wurde. Ein Radfa^ wurde beiseite geschleudert und ebenfalls erheb»« verletzt.
des Dualismus, die von Preußen ausgeht, erkannt hab, habe er auch feinen früheren Standpunkt wegen eins Anschlusses Thüringens an Preußen geändert und v3 trete jetzt die Auffassung, daß alles versucht werden müll», dem Reich auch die letzten Gewalten in bi, Handzugeben. Wenn jetzt auf dem Wege der Raj, gesetzgebung die finanzielle Sanierung eingeleitet merbe, so dürfe man erwarten, daß auf gleichem SB eg, über das Parlament hinweg die Reichs und Verfassungsreform durchgesührj wird.
Sämtliche Redner ernteten reichen Beifall. U^, sprach die Hoffnung aus, daß die Notgesetze des SteidM Präsidenten die Entwicklung anbahnen möchten, die Im Reich braucht, um zu gesunden.
Aus der Versammlung des Arbeitervereins (Beija,
— Geisa. Die Mitglieder des katholischen « beitervereins Geisa waren der Einladung zur H ten Versammlung im alten Jahre recht zahlreiä gefolgt. In Abwesenheit des verhinderten Präs« eröffnete der Vorsitzende Höfer die Versanw lung. Sein Willkommengruß galt besonders tat neuen Mitgliedern. Nach einem gemeinschastlch aesungenen Lied sprach Arbeitersekretär @eb lings über das Thema: Die Neuordnung i Staat und Wirtschaft. Der Redner zeigte bii Schwächen und Schäden des liberali» stisch - kapitalistischen Wirtschaf!;, s y st e m s, das immer mehr schwindende Veröd wortungsbewußtsein der Parteien und die ixnej entstehende Krise des Staates. Für uns KaW liten besteht in dieser Zeit der Verirrung nud W wirrung die Pflicht, klar und eindeutig das W nungsbild aufzuzeigen, das wir erstreben. WirM sitzen den Glauben an die Kraft und Sieghaftiglm des Christentums und lehnen deshalb eine « lehnung an den Radikalismus von rechts und linfs ab. Anschließend an die Aussprache wurden roti einige Vereinsangelegenheiten besprochen. wurde der Beschluß gefaßt, während der ® v nachtszeit eine Familienfeier zu Deraiw ten. Der Vorsitzende gab zum Schluß der w nung Ausdruck, daß auch in Geisa noch mehl katholische Arbeiter die Bedeutung und Notwendigkeit des Arbeite rver> eins erkennen und diesem als Mitglied beitretffll
kleine Nachrichten.
In Ho ck e r o d a wurde der SchnellastwagG einer Arnstüdter Firma infolge Schleuderns 01 gen eine Telegraphenstange geworfen. Er dum brach dann die Barriere des Mühlbachufers stürzte drei Meter tief in den Mühlgraben. *5 Führer blieb unverletzt. J
Auf der Schwerspatgrube „Hoher Trosr M Bad Lauterberg wurde ein 22 Jahre Grubenarbeiter von plötzlich hereinbrechenden «n steinsrnassen lebendig begraben. Er konnte PW sofort geborgen werden, doch starb er nach Einlieferung ins Krankenhaus.
Bei einem Einbruch in der Apotheke zu derorfchel öffneten die Diebe auch einen schrank und raubten ihn vollständig aus. «J die Ladenkasse nahmen sie mit. Der Schaden 1^ rund 1000 Mark betragen. > ■
Zwischen dem Hausbesitzer Uloth und dem ter Fischer aus Wernshausen bestanden 1^1 seit längerer Zeit Unstimmigkeiten. Beim -‘O zug des Mieters verlangte der Hausbesitzer standsetzung der von Fischer bisher innegehaM Wohnung. In dem Streit, der nun zwischen M beiden Männern entstand, stach Fischer mit Messer auf Uloth ein und verletzte ihn derark,^Z er ins Landkrankenhaus gebracht werden M^ wo er noch in der Nacht starb. _
In einem unbewachten Augenblicke übergobj das 214 jährige Söhnchen des Bankbeamten in E i s e n a ch mit einem Eimer heißen und verbrühte sich derart, daß es an den ooir| der erlittenen
Gegen üblen Mundgeruch. »2ch will E «er! Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Zahnpaste „Ehlorodont" nicht nur reine weist« Zahne-» 'andern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch veuoro ;ch werde Ihr „ C h l o r o d o n t “ aufs beste empfehlen.
Mainz. Man verlange nur die echte Chlorodont- .owjM Tube 60 Pf. und 1 Ml., und weise jeden Ersatz dal« «"j ■