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Beilage zur Fuldaer Zeitung

7. Dezember.

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Dorfe konnte sich rühmen, von ihr je in Versuchung ge­führt worden zu sein; in den fünfundfünfzig Jahren ihres Erdendaseins hatte niemand ihre mädchenhaften Toilettengeheimnisie geschaut.

Alle zwei Monate stülpte „La Pepie" ihre Aermel auf, zog Holzschuhe an die Füße, band eine Wichs- leinwandschürze um und schloß sich in der Waschküche ein, wo sie dampfumhüllt geheimnisvoll und pathetisch ihres Amtes waltete.

Alle zwei Monate!

Das war aber vor Jab--n gewesen. Seit dem Krieg wusch sie jeden Monat einmal.

Das Leinenviereck war indessen immer kleiner ge­worden, immer häufiger aber die Besuche, die der Pfar­rer aus dem naheliegenden französischen Städtchen er­hielt. In dem gab es nicht nur Armut, sondern auch Elend, oft mochte man es wohl nicht einmal mit einem

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bei ihrem Pfarrer wollten.

Als nach dem Kriege auch in der Schweiz die Ar­beitslosigkeit und damit das Elend um sich griff, da wuich „La Pepie" schon alle drei Wacken.

Ein richtiges Viereck konnte sie mit der Bettwäsche des Pfarrers gar nicht mehr aufstellen: sie zog setzt em Dreieck, innerhalb dessen ihre Hemden dichter anein­ander rücken mußten, um im Verborgenen zu trocknen.

Die Zeit vergeht. „La Pepie" wäscht alle vierzehn Tage. Das Volk beginnt aber richtig zu murren; die Stadtbesucher werden schief angesehen und die Bürger-

Dke hl. A d v e n t s z e i t, in der wir stehen, hat so manches gemeinsam mit der freilich noch ernste­ren F a st e n z e i t — beide sind ja so ernste und unendlich wertvolle Vorbereitungszeiten auf die größten Mysterien des Erlösungswerkes. Beide lassen aber auch einmal in ihrem dunklen, violetten Gepräge die Freude der Kirche Gottes aufleuchten, jene Freude, die sich bei aller echter Bußgesinnung und Gewissensbereitschaft für das Nahen des Er­lösers nicht ganz zurückhalten läßt. In zartem Rosa schimmert sie zag und bräutlich auf, das einzige Mal innerhalb der kirchlichen Liturgie, daß diese Farbe den Altar umkleidet — das Rosa des Lä- tare- und des Gaudetesonntags. — Eins aber hat der Advent den hl. Fasten noch voraus: sein Kreis beschließt das zarteste und innerlichste aller maria- nischen Hochfeste in sich, in seine Zeit fällt der Tag, an dem die in strahlendes Weiß gekleidete Kirche die Gottesmutter als die Unbefleckte, als die „Re­gina fine labe originali concepta" grüßt. Das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das sich in diesem Jahre unmittelbar dem zweiten Advents­sonntag anschließt und dessen Oktavtag dem ein­gangs kurz erwähnten Gaudetesonntag folgt. Das Marienhochfest, das wohl das tiefste Glaubensge­heimnis im Wesen und Leben der Gottesmutter und in ihrer Heilsbedeutung feiert, das gerade des­halb wohl so recht geeignet ist, die Christgläubigen in dieser dunklen, voll Schuld und Not befleckten Welt ihres Glaubens von neuem recht bewußt und froh zu machen.

Advent ist Bußzeit, weil eben das Bewußtsein und die Verkündung von der Sünde der Frohbot­schaft von der Erlösung vorausgeht wie ein rauher Wüstenprediger, in dem sie gleichsam verkörpert er­schien, in dem ernsten Vorläufer Johannes dem Täufer und seinem strengen Ruf: „Meta- noeite": „Ihr müßt umkehren, nicht bloß von euren Wegen, sondern selbst von euren Gedanken!" — Und in der gleichen Adventszeit steht dieser ern­sten, dunklen Gestalt noch eine andere gegenüber, hell und zart und doch voll königlicher Macht und Hoheit, die Hände weit über die Erde ausbreitend und ihr still und stark und beglückend zurufend: „Ich bin die Mutter der schönen Liebe und der Furcht und der Erkenntnis und der heiligen Hoff­nung". (Eccl. 24, 24). — Maria ,die Gebenedeite, sie kann dies gewaltige Selbstzeugnis von sich ge­ben, die Auserwählte im Erlösungsplan, die um ihrer Berufung, um ihrer hohen Mitbedeutung im größten Gnadenwerk Gottes willen die Imma­culata ist, diese sein mußte. Auch in diesem Feste, das wie fast alle Marientage, ob sie offiziell noch gefeiert werden oder nicht, so recht volkstümlich ge­worden, zeigt sich liturgie- und religionsgeschichtlich eine feine, wissende Entwicklung.

Jahrhunderte vor der authentischen Dogmatisie- rung der „Immaculata Conceptio". war dies My­sterium schon in mannigfacher Weise Bestandteil des allgemeinen Frömmigkeitslebens. So mancher Heilige, der lange vor 1854 gelebt, hat eine beson­dere private Andacht zur Unbefleckten Empfängnis Mariens besessen, so manches Lied der Mystik

kicher? Und wem hätte ich eine derartige Botschaft zu bringen?

Ich weiß, du bist vielleicht Bauer oder Arbei­ter oder Beamter oder auch Geschäftsmann, viel­leicht bist du auch Hausfrau. Ist es nicht Gotl gewesen, der dich auf den Platz sandte, auf dem du stehst?

Und wenn schon, dann bin ich aber immer noch kein Bote Eoites, denn ich habe doch keine Bot­schaft zu verkünden?

Du meinst, man könnte die Botschaft von Gott nur verkünden beim Predigen oder Reden. Das ist allerdings ein Irrtum. Deine Gottesbotschaft ist Dein Tun und handeln, deine alltägliche Arbeit, wo auch immer sie sein mag. Gesetzt der Fall, du bist Arbeiter in einer Fabrik, du stehst an dei­ner Maschine mit dem lebendigen Bewußtsein, daß Gott es ist, der dich auf diesen Platz stellte. Du gibst deinen Arbeitsgenossen das Beispiel eines wahrhaften Christen, nicht durch Reden, sondern dadurch, daß du wie ein solcher lebst und handelst. — glaubst du nicht, daß du dann eine Gottesbot­schaft verkündest, auch wenn du kein Wort davon redest?.

Und wenn du vielleicht auch noch Familieiwarer bist, und Frau und Kinder freuen sich stets auf deine Heimkehr, nicht vielleicht, weil du etwas mitbringst, sondern weil du den heiligen Schutz der Liebe und Treue im Herzen trägst zu den Men­schen, die dir von Eoit anvertraut sind, glaubst du nicht, daß du dann für die Deinen ein Bote Got­tes bist?

Und glaubst du auch, daß dann deine Familie eine rechte Gottesbotschaft ist für die Nachbarn und für das ganze Dorf?

Und meinst du nicht, daß du auch ein Bote des Teufels sein kannst? Gewiß, es ist schwer, immer ein Bote Got'es zu sein wenn du ein Rohr bist, das vom Winde geschüttelt wird, wirst du es wohl niemals werden. Und wenn du ängst­lich fragst, was wohl die Leute sagen, wirst du es wieder nicht lein können. Wenn Johannes äng'^- lich gewesen wäre, oder er hätte sich danach ge­richtet, was die Leute sagten oder gar der König Herodes — er hätte niemals Bote Gottes fein können.

Wir Menschen alle sind Boten, Boten Gottes oder Boten des Teufels. Und was bist du mein Freund?

beim Vorbeigehen fest auf das flatternde Zeug, aber das nutzte nichts — hinter ihrem Rücken tollte der Frühling weiter.

„Ihre Nachtjacke!" rief auf einmal die Oesterrei- cherin, und trat mit der Regentin in den Obstgarten.

Hätte „La Pepie" damals einen bissigen Hund zur Verfügung gehabt, sie hätte ihn gerne, ach wie gerne, auf die Waden der beiden Eindringlinge losgelassen. Sie war blaß vor Aufregung und stellte sich mit ihrer ganzen Breite vor ihr Dreieck. Sie schien dies innere Geheimnis aufs Aeußerfte verteidigen zu wollen.

Die Regentm hat errötend weggeschaut: die Oesterrei- cherin aber hat natürlich mit großen Augen hineinge­starrt — und dann ist ihr ewig lebendiges Gesicht aus einmal, auf einmal wieder ruhig gestanden. Nicht nur ruhig: ernst. Denn in der Mitte des Dreiecks, beschei­den und wahrscheinlich ihres hohen Alters wegen selbst vom Winde respektiert, hingen vier über und über ge­flickte Männerhemden!

Das war das Entsetzliche, das die treue „La Pepie" mit ihrem eigenen Leibe haste verbergen wollen.

Jetzt aber, da „die Schande" doch schon ruchbar war, kreischte sie auf: „Seht nur hin, seht es nur: weit ha­ben sie ihn gebracht, nicht einmal ein ganzes Hemd wird unser Pfarrer haben, wenn ihn einmal unser Herrqott zu sich ruft."

Die Oesterreicherin faßte die Jungfer unter den Arm: Wüßten Sie nur, liebes gutes Fräulein, wie v-ele Sünden der Menschheit einst diese zerrissenen Hemden zudecken werden!"

„La Pepie" schielte mißstauisch zu ihrer Nachbarin hinüber begriff nicht, warum deren Augen so leuchteten und schüttelte verständnislos den Kör'

Bote Gottes.

§s war ein seltsamer Mann, den sich der Herr als Boten erwählt hatte. Wir alle wissen aus her Bibel, wie er aussah, und gewaltig muß seine Rede gewesen sein, dazu rauh wie der Mann, der in Kamelhaar gekleidet ging. Er war nach un­seren Begriffen schon unhöflich, der Täufer Jo h a n n e s, zumal gegen die Pharisäer und Sadduzäer, und das waren dazumal angesehene Leute. Aber wir wisien auch, daß dieser Johan­nes später ebenso furchtlos dem König Herodes die Wahrheit sagte. Freilich, es kostete ihn das Leben, aber das hielt den Gvstesmann am Jordan nicht ab. dem König ebenso die Wahrheit zu sagen, wie er sie früher den Leuten am Jordan gesagt hatte. Und von diesem Mann spricht der Heiland im heu­tigen Evangelium als von dem Boten, der vor seinem Angesichte hergehen soll, um ihm den Weg zu bereiten.

Gibt es denn auch heute noch solche Boten Got­tes, wie damals Johannes einer war?

Sicher gibt es die. Alle Geistlichen sind doch nichts weiter als Boten Gottes.

Du hast recht, mein Freund. Aber wir wollen einmal weiter denken. Du selber, sollst du nicht auch solch ein Bote Gottes sein?

Das ist eine seltsame Frage. Ich soll ein Bote Gottes sein? Wieso denn? Bin ich «in Geist-

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Zweiter Adventsonntag.

Eingangslied: 3f. 30, 30.

Du Volk von Sion, siehe, der Herr wird kom- „ die Heiden zu erlösen. Und der Herr wird k-ineu maiestätischen Ruf kundtun in der Freude /urcs Herzens. (Pf. 79, 2.) Hirt Israels, höre vns, du, der Joseph wie ein Schäflein führt.

Evangelium: Akallh. 11, 2—10.

In jener Zeit hörte Johannes im Kerker vom Wirken Christi. Da entsandte er zwei von seinen Jüngern und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder haben wir einen anderen zu erwarten?" Jesus antwortete ihnen: „Gehet hin «nb berichtet Johannes, was ihr gehört und ge­sehen habt: Blinde sehen. Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören. Tote stehen auf. Ar­men wird die frohe Botschaft verkündet. Wohl hem, der an mir nicht irre wird!" Als jene weg- aing'en, sprach Jesus zu den Volksscharen von Jo­hannes: „Wozu seid ihr in die Wüste hinausgezo- gen? Ein Schilfrohr zu sehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder wozu seid chr hinausgezogen? Einen Menschen zu sehen in weich­lichen Kleidern? Seht, die da weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige. Wozu seid ihr' also hinausgezogen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, mehr als einen Prophe­ten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, auf daß er deinen Weg vor dir bereite."

bringt schon dies wunderbare Geheimnis. Und die Lourdesbewegung, die mitten im Zeitalter der Skepsis und Relativität, der Psychoanalyse und des doch immer noch recht fühlbaren Materialismus, ob ihres schlichten Glaubens und ihrer hingehenden Gebetstreue die Wundermacht der Immaculata im­mer von neuem bestätigen darf, geht in ihren An­fängen doch auch um Jahrhunderte zurück. Darum bleibt aber das Fest trotz seiner langen religionsge­schichtlichen Tradition oder vielleicht gerade des­halb so zeitgemäß, weil es so oft beste Antwort ge­ben darf auf das Ringen und Suchen nach wahrer Reinheit und seelischer Tiefe, das trotz aller Ver­äußerlichung und Verweltlichung heutigen Tages kaum stärker ist als je zuvor. Weil eben in diesem Mysterium von oer Unbefleckten Empfängnis die Würde und Weihe Mariens als der Königin der hl. Reinheit beschlossen, begründet liegt. Weil Chri­stus, den keiner, auch sein gottfernster Gegner nicht, einer Sünde beschuldigen konnte noch kann, nur von einem solchen Geschöpf feine reinste Menschheit annehmen sollte, das zwar geschaffen wie die an­deren, aber unberührt von dem dunklen Gesetze dieser Welt, sündlos, makellos über die Erde ging. Gerade im Mysterium der „Immaculata Concep­tio" erleben wir in tiefer Ehrfurcht und Anbetung den engen Zusammenhang zwischen der Heilsbe­deutung der Gottesmutter und dem Heilswerk der Trinität in Weltschöpfung, Welterlösung, Weltvol­lendung durch Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Doch noch ein anderer Gedanke, trotz allem ein Festgedanke auch: Unser (oft allzu) psychologisch interessiertes Zeitalter sucht heute nach gar so viel Deutungen und Erklärungen für die w a ch s e n d e Entnervung und Verwirrung u n f er es Geschlechts. Gar oft sucht man die vielfache Schuld und Not in all ihren dunklen Prägungen und Erscheinungsformen aus der Last der Erb­masse, aus all den psychophysischen Ueberkom- menheiten zu verstehen und teilweise damit das Negative der Gegenwart zu entschuldi­gen. Wie wunderbar hat — von diesem Stand­punkte aus betrachtet — die hl. Vorsehung das wertvollste Geschöpf auf Erden durch das Myste­rium der „Conceptio immaculata" über all diese erdhaften Bindungen und Belastungen gestellt. Hat Maria aus all den Entwicklungen und Entartun­gen genealoger Vererbung, aus all diesem Fluch der Erbsünde unterworfenen Dunkel herausgeho­ben. Wir grüßen in der „Souretania“ — neben dem Magnificat immer noch das vollendetste Ma- rienlieb und Marienloh — die Gebenedeite wohl als „turris Davidica", als die mystische Rose aus Davids Stamm. Und müssen dabei doch erbeben im Gedanken an die schwere Erbschuld und -last, die sich gerade auf dem königlichen Geschlechte in Israel und später in Juda im Laufe der Jahrhunderte aufgehäuft. Wir denken schon an Davids und Sa­lomons ergreifende Triebhaftigkeit, denken an des späteren Manasses' Heidentum und an all die Sünde und Verirrung ,bie mit tragischer Notwen- bigfeit zum „Verfall ber Hütte Davibs" führen

Meisterin spricht sich sogar mit dem Bürgermeister osten darüber aus.

„Wenn es so weiter geht, wird unser Pfarrer bald auf Stroh liegen. Es wäre eine Schande für uns alle."

„Du hast recht. Fraiu", sagte der Bürgermeister, „man kann das nicht mehr mit ansehen, schick' chm ein halbes Dutzend Leintücher anonym hinüber."

Am nächsten Tag fand der Pfarrer richtig auf dem Küchentisch ein schweres Paket mit der Aufschrift:

„Unserem lieben Pfarrer eine anonyme Gabe von der Bürgermeisterin."

Schmunzelnd hat Hochwürden das Paket angenom­men und herzlich „Vergelts Gott" gesagt.

„La Pepie" konnte nun für eine zeitlang ihr linne­nes Viereck wieder aufftellen. Es dauerte aber nicht lange und dann geschah Unglaubliches. Wieder stand ein Dreieck da: zwei Seiten aus Leinentüchern, die dritte Seite — und da stürzte die Welt nicht ein — aus eigener Leibwäsche! Hemden, Hosen, Unterröcke. Nacht­jacken, Nachthäuüchen: alles den Blicken und dem Wind vreisgegeben.

Und was für Schabernack trieb der tolle Frühlings­wind mit diesen ehrwürdigen Sachen! Aufgeblalene Nachthemden streckten ihre Arme sehnsüchtig in die Luft, brave Barchenthosen wollten plötzlich Purzelbäume über den Strick scklaqen, ein blaugelbes Nachyäckchen riß ück soaar los und lies auf der Straße einem Holzknecht nach, bis ihm der Atem ausging andres sich auf einem Misthaufen breit machte und nur mehr mit einem Zip­fe! winkte Dort wurde der Ausreißer von der Oester­reicherin gefunden, die ihn aufhob und wie immer dumm dazu lachte. „La Pepie". die im Garten die Wäsche kontrollierte, war ordentlich böse und schlug

mußte. Und aus diesem Geschlechte kommt die Gottesgebärerin ,bie reinste Jungfrau, von ber bie ewige Weisheit bes Vaters, bes Königs ber Glo­rie, irdisch Leib und Leben empfangen wollte. Dazu hat nun die wunderbare Schöpferkraft des Vaters im Himmel ein besonderes Werk getan fyat in sei­ner allgütigen Fürsorglichkeit über das Dasein ber zukünftigen Gottesmutter ihr besonderes „Fiat lux" gesprochen. Ja es wurde Licht über ihrem eigenen Geschlecht, und schon dieses Licht sollte der ganzen Menschheit das Nahen des neuen Gottes­reiches ankündigen, als Maria von allem Makel ber Erbsünbe frei unb rein ins Dasein trat. Wohl blieb sie von königlichem Geblüt, aber unberührt von all bem Dunkel unb ber Last, bie über ihrem einst so stolzen Hause lagen. Unb noch in einem anberen, viel ebieren Sinne bleibt Maria ihrem Geschlechte oerbunben, als bie Immaculata ist sie ja bie „Mater dolorosa", die Schmerzensreiche, zu­gleich. Die mit ihrem öornengetrönten Sohne Sühne leistet für alle fremde Schuld, auch für die Schuld ihres eigenen kgl. Stammes aus dem einsti­gen Gottesvolk. Und bleibt in diesem Leben gerade die Unversehrte, die Gebenedeite und darum schließ­lich auch die „Königin des Friedens", nach der die Welt in ihrer lauten Wirrnis, in ihrer inneren Heimat- und Friedlosigkeit doch immer verlangen­der und sehnsüchtiger Ausschau hält.

„Siehe, ich komme bald", ruft uns der nahende Erlöser im hl. Advent, in dieser ernsten Gnaden­zeit entgegen. Und lenkt unseren Blick, den Blick unserer Seels hin auf diejenige, die als „Pforte des Himmels" in ihrer Unberührtheit und Unversehrt­heit sonderlich uns helfen kann, „dem Herrn den Weg zu bereiten". Ist es nicht, als wenn die Kirche im Jmmaculatafeste uns bie Voraussetzung erleben läßt für bie ganze Tiefe unb Weite des Engels­grußes, der bie Gottesmutter, die einfache Jung­frau von Nazareth, die Magd des Herrn als lie „Gnadenvolle" grüßt. Mit dem Ernste, dem ge­diegenen starken Ernste des Advents und der zar­ten, hellen Freude des heutigen Empfängnisfestes zünden wir langsam und sinnend unsere Kerzen an, die wir in betenden Händen dem kommenden Heiland entgegengetragen. Bis dann über der Sternenkrone der Immaculata bald noch ein an­derer, noch hellerer Stern aufleuchtet — der Stern über der Grippe von Bethlehem, und wir mit allen Engeln und der Unbefleckten das jubelnde Gloria der hl. Weihnacht anstimmen bürgen unb babei boch immer bankbar unb innig bie Jungfrau grüßen, bie uns in ihrer seligsten Reinheit bas Heil gebracht: „Ave Maria — benebicta tu!"

Auch ein Weihnachtsgeschenk.

Ans meiner Kaplanszeit erinnere ich mich, daß zu Weihnachten eine Familie ihre Kinder über die Maßen reichlich beschenkte. Der einzige Junge er­hielt Eisenbahnwagen, Bilderbücher unb viele an­dere Dinge, nur nichts Religiöses. Und doch wollte bie Familie gut katholisch fein. Ich ärgerte mich •einmal über bie Verschwenbung, bann aber auch, daß man zum heiligen Christfeste nur weltliche Gegenständ« den Kindern in die Hände spielte. Sollte man bei der Auswahl der Geschenke nicht auch mal ein religiöses Bild ober Buch dem Kinde geben? Oder Dinge zum Messespielen?

Als ich noch Knabe war, da spielte ich so gernPrie- fter mit einem anderen Kameraden. Jeder hatte in benDadyräumen bes gemeinsamen Hauses seinen Al­tar. Mein Freunb, der fetzt Missionar bei den Heiden ist, hatte ein schönes Meßgewand, das ich manchmal von ihm borgte. Wir spielten Mess« und predigten. Aus diesem Spiele wurde nach Jahren der ernste Beruf; und das Spiel hat das Heilige nie herabgewürdigt oder alltäglich gemacht, es hat in uns den Beruf gefördert. Deshalb möchte ich guten Familien nahelegen, daß sie zu Weihnachten solches Spielzeug schenken. In festem, haltbarem Stoff bekommt ihr all bas beim Volks- liturgischen Apostolat zu Klosterneuburg bei Wien: Das Meßgewanb mit Manipel unb Stola in roter ober grüner Farbe je nach Größe für 11—12 Rm., Albe mit Schultertuch unb Zingulum 6.50—7.50 Rm., Kelch aus Messing unb Patene 1.90 Rm., Monstranz 2 20 Nm., außerdem noch andere brauchbare Dinge, wie Leuchter und Meßbücher. Schreibt nur an den genannten Verlag, ber bann Näheres mitteilt!

Ich glaube sicher, daß durch dieses Spiel der Knaben viele Berufe zum Priestertum geweckt

£a Pepie, die Pfarrköchin.

Von Helene H a l u s ch k a.

In dem soeben erschienenen Roman „Der Pfarrer von Lamotte" (Helene Haluschka. „Der Pfarrer von Lamotte". Roman. Mit bild- bchen Randglossen von Rudolf Wirth. 222 S. Eanzlemk-n 6,50 Mark. Verlag Kösel u. Pustet, München) kommt auch ein prächtiges Original von einer Pfarrköchin vor. Wir glauben unseren Lesern eine Freude zu machen, wenn wir es in ver folgenden Szene vorstellen und damit gleich­zeitig auf das humorvolle Buch Hinweisen.

Gipfel der herabgekommenen Armut war in der Don Lamotte und Bremoncourt „ein geflicktes I tvae ' Kleider konnte jeder tragen; an Werk-

.Jr'l ^ar es unschicklich, andere zu tragen; ein gan- am Leibe war aber so selbstverständlich, wie (Bemouj dem Tische. Elend gabs in den beiden vj°m h n teines- wohl aber viel Armut, die zwölf und Stunden am Tage werkte, die sich keinen gönnte — nie aber ein geflicktes Hemd trug, o ~ Bürgermeisterin hatte einen Feind, das war - . P'e ’ Die fand ihre Art unverschämt. „Es fei

•eine Unsitte, sein Hemd allen Passanten zu zeigen, unchristüch alle die unnennbaren Dinge vor aller auszubreiten, es fei eine Hinterlist des Teufels geeignet, das starke Geschlecht auf böse Gedanken ert- Pfui darüber!"

’ Pepie" hing ihre Leibwäsche hinter vier schüt- Leintüchern aus den Strick. Kein Mensch im

Advent.

Von Gertrud von le Fort*)

Die Stimme der Kirche spricht:

Singet es im Harren der Frühe, finget es .leis«, leise ins finstere Ohr der Welt!

Singet es aus den Knien, finget es wie unter Schleiern, finget es, wie Frauen in der Hoffnung fingen:

Denn zart ward, der da stark ist, klein ward der Un­endliche, hold war der Gewaltige, demütig ward der Erhabene,

Raum hat er in der Kammer einer Jungfrau: auf ihrem Schoße wird fein Thron fein — Lob genug ist ü)m ein Wiegenlied!

Siehe, die Tage wollen nicht mehr aufstehen vor An­dacht, und die Nächte der Erde sind dunkel geworden vor tiefer Ehrfurcht:

Ich will Lichter anzünden, o Seele, ich will Freude anzünden an allen Enden deiner Menschheit:

bei gegrüßet, die da trägt den Herrn!

*) Aus „Hymnen an die Kirche" von Gertrud von le Fort Neue billige Ausgabe. Kartoniert 2,50 Mark 7s"lag Kösel u. Pustet München).

Maria Immaculata

Von Karl-Johannes G r a u e r-Fulba.

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