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über 500 000 Mark
darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis darüber bis
4500 Mark 6500 Mark
8000 Mark
12000 Mark
16000 Mark 20000 Mark
25000 Mark 50 000 Mark
75000 Mark
100000 Mark 250 000 Mark 500 000 Mark
6 Mk.
9 Mk.
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18 Mk.
24 Mk.
30 Mk.
50 Mk.
75 Mk.
150 Mk.
300 Mk.
500 Mk.
1000 Mk.
2000 Mk.
Wasser- und Gasrohre platzen, wen« es friert.
Bei Eintritt der Kälte, die heute nacht so plötzlich sich zeigte, sei darauf hingewiesen, daß für Frostschäden an Gas- und Wasserleitungen und -Messern nicht die kommunalen Werke verantwortlich sind, sondern die Reparaturen ganz auf Rechnung der Abnehmer gehen. Solche Schäden können durch frühzeitige Vorkehrungsmaßnahmen ver- >ütek werden. Schließt die Kellerfenster, Einkelle- Mgsschächte und sonstige Oefsnungen, durch die Kälte in den Keller eindringen kann. Bei steigendem Frost sind die gefährdeten Gas- und Wasser- messer sowie die Rohre durch Umlegen von Stroh- und Tuchlagen oder von sonstigem vor Kälte schützendem Material so zu sichern, daß das Wasser m den Leitungen und Messern nicht gefriert. Wenn man ganz vorsichtig sein will, stellt man die Leitung ab und läßt das Wasser aus dem Messer und der "-werrten Leitung herauslaufen.
-Hulda, oen 3 Dezember w30
-re Konferenz In Kassel
m «ierrn Regierungspräsidenten noch fol- 0tb v°":.aeteilt: Am Montag fand unter Bor« z^ndss Ä"lerunaspräsidenten eine amtliche Kon- Udes REg'-rungsp „glleiter des Regie- Een» -Virks statt, an der die Bürgermeister
so es ex Städte, die Landräte und Amtlicher » desStädtetages und des Land- Mrst°"Les und die ordentlichen Mitglieder des Woelnoem« , teilnahmen. Der Oberpra- ber Konferenz bei und griff mehr- Mde.ntw ^^andlungen ein Zur Erörterung di- finanziellen Ausgaben der S^nbegermaltungen und die Bekämpfung der An die Vorträge der Referen- sich lebhafte Aussprachen an, in denen B" 'S oon Anregungen und Erfahrungen vor- Mt mürben. Der Regierungspräsident wies ^E-b-nd darauf hin, daß die Kommunalver- n als unentbehrlicher Bestandteil der ge- W öffentlichen Verwaltung mit den Staats- | Ed-n die zuverlässige A u f r e ch t e r h a l - W n öon Ruhe und Ordnung zu qewahr- » hätten Nach einem Wort des Ministers u nsere Feinde nicht radikale Eilten sondernHungerundPessimis- Ea In der Niederzwingung dieser Feinde hät- W" dj- Kommunalverwaltungen eine besonders iShHae Aufgabe zu erfüllen. Ihr Tätigkeit muffe allen Dingen dahin gehen, die allenthalben ftf) PS-mbe Panikstimmung, auf die zu einem iSsn Teil die politischen und wirtschaftlich.:«
-^Gierigkeiten des Winters zurückzustihren sind, iwt durch Verwaltungsmaßnahmsn zu ver- ® r - n sondern das geschwächte Vertrauen der «Mkerung durch vorbildliche Ruhe und Eelas- Meil wieder herzustellen.
Endlich sollten die Kommunalverwaitungen den M leider so vielfach notwendigen bequemen Aus- der Verwaltung durch S t a a t s k ommi s - sariat, Zwangsfestsetzungen und dergleichen knicktzurGewohnheit werden lassen. Alles L2 daran gesetzt werden, die Selbstverwaltung aus der gegenwärtigen Krisis zu einer lebendigen Wirkung zu bringen und die Staatsbürger zum Sefühl eigener Verantwortung zu erziehen.
Wegen der Ueberfülle des Stoffes müssen die Verhandlungen in der nächsten Woche fortgesetzt serden. Hierbei soll die Frage einer allgemeinen Streuung der jugendlichen Erwerbslosen und die Preissenkun g s a k tion zur Erörterung [kommen. —
Die neue Staffelung der Bürgersteuer.
Die Bürgersteuer ist wie folgt gestaf felt: Einkommen unter 1200 Mark 8 Mk.
Aolverordnung und Krankenkasse.
Die Nowerordnung des Reichspräsidenten zur «cherung von Wirtschaft und Finanzen vom 1. Ahember 1930 ändert in einigen Punkten die -wwerordnurig vom 26. Juli 1930. Soweit sich _te,e Aenderung auf die Krankenversiche- beziehen, ist bestimmt, daß bei einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit von ‘nre*>J alsiOTagen die Arznei- und Heilmit- «lsiebühr entfällt. Außerdem braucht diese Arz- «runntelgebühr sowie die viel umstrittene Kranken- aheingebühr in Zukunft von bestimmten Persvnen- «stippen nicht mehr getragen zu werden. Von der Mrpflichtnug, diese Beiträge zu entrichten, sind i»» , bie Arbeitslosenunterstützung, Kr^
«nunterstützung erhalten, befreit. Ebenso Jnvali- b»re^-ner und Ruhegeldempfänger der Angestell- .^°st-cherung sowie' Unfallrentner und Schwer- ■ , «-e bzw. Schwerbeschädigte nach der Reichs-
| n.L°,r9uJ}9- Gleichfalls sind von der Krankenschein- ' x°uhr Tuberkulöse und Geschlechtskranke befreit, e von ihrer Beratungsstelle eine Bescheinigung die Bedürftigkeit beibringen. Srn f1 ^naus kann in dringenden Fällen der z.. „'chein nachher geholt werden, insbesondere s tr<J stnfällen oder wenn wegen der mit der 8r»t° • 9 des Scheines verbundenen Umstände der t nicht mehr rechtzeitig helfen könnte.
Bern s*1 ^en sonstigen Abänderungen der Juli-Not- ».."/dnung ist die zwingende Vorschrift erwähnens- 6 lon'o c Versicherte, die bei Weiterzahlung h " oder Gehalt kein Krankengeld bezie- x. ' ,er Beitrag entsprechend zu kürzen .st. Außer- kann in diesen Fällen nach Wegfall des Ar- w. bENlgelts das Krankengeld auf 60 v. S). des le» nö'°yris erhöht werden. Das Hausgeld in Fäl- ; bUrrflD°2 Krankenhausbehandlung kann ebenfalls | ^atzungsbestimmung der Krankenkassen aus Da- ® r des Krankengeldes festgesetzt werden. 8u der Crsatzkasse, Mehrleistungen l <Hs frc*en’ lvird insofern wesentlich ei n g e S n gt. tiinnx die Ersatzkassen in Zukunft, was den Be- Kranken- und Hausgeldes und seine Höhe । fQfienan97 die für die reichsgesetzlichen Kranken- Mrulick^^ ,!>en Vorschriften maßgebend sind. Cr- verweise beseitigt die neue Notverordnung
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt). Donnerstag, den 4. Dezember 1930.
einen im Laufe der letzten Monate immer unhaltbarer gewordenen Zustand für diejenigen, die bisher im Krankheitsfalls Gehalt oder Lohn weiter bezogen. Durch entsprechende Aenderungen im Handelsgesetzbuch, der Gewerbeordnung und dem Bürgerlichen Gesetzbuch wird bestimmt, daß derAn- spruch auf Weiterzahlung von Gehalr in Krankheitsfällen nicht durch Vertrag ausgeschlossen oder beschrärllt werden kann. Da die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen in dieser Beziehung unzureichend waren und die Rechtssprechung eine solche Abdingung gestattete, war eines der wichtigsten Ziele der Notverordnung vom Juki dieses Jahres, den Krankenkassen Ersparnisse zu bringen, gefährdet. Die jetzige Neuregelung schafft in dieser Beziehung klare Verhältnisse.
Aus dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung sind nur wenige Bestimmungen geändert worden. Das Alter für Arbeitslose, die keinen Anspruch auf Arbeitslosenuntersiützuno haben, wenn ihnen ein familienrechtlicher Unter- haltungsanfpruch zusteht, wurde von 17 auf 16 Jahre herabgesetzt. Der Berechnungszeitraum für die Berechnung der Unterstützungssätze ist ein wenig gemildert worden. Während bisher Arbeitslose der Klasse VII—XI. die Unterstützung ihrer Klasse nur erhielten, wenn sie in den letzten 18 Monaten vor der ersten Arbeiislcsmeldung mindestens 52 Wochen in einer orrficherungspflich- tigen Beschäftigung gestanden hatten, ist nun eine Verlängerung auf 24 Monate festgesetzt n orden. Für den Beitrag von 6l4 v. H. des Grund- lohns wird bestimmt, daß er bis auf w-iteres in Kraft bleibt und die Reichsregierung ermächtigt ist, ihn in dem Ausmaß herabzusetzen, das die Finanzlage der Reichsanftalt gestattet.
Der Varbarakag am 4. Dezember.
wie die Arkillerifien zu ihrer Schutzpatronin kamen.
Am 4. Dezember feiert der Artillerist alljährlich den Gedenktag seiner Schutzpatronin, der heiligen Barbara. Es mag auf den ersten Blick immerhin erstaunlich erscheinen, wieso eine Frau in dieser Eigenschaft mit der schwersten und handfestesten Waffe der Kriegsführung der Veraangen- beit und Gegenwart in Beziehung gesetzt worden ist. Es geschah freilich auch auf einigen Umwegen. Nach dem, was uns die Legende erzählt, war die hl. Barbara die Tochter eines reichen Niko- mediers namens Dioskuros im dritten nachchristlichen Jahrhundert. Ihr Vater setzte, als sie -um Christentum übergetreten war, so sehr alle natür
lichen, menschlichen und väterlichen Gefühle beifeste, daß er nicht nur sie zum Tode verurteilen ließ, sondern auch noch selbst das Bluturteil an ihr vollzog. Ein Blitzstrahl, der den unnatürlichen Vater erschlug, bestrafte diese Freveltat auf der Stelle.
Bald nach ihrem Märtyrertode und in enger Verbindbng damit wurde Barbara nach ihrer Heiligsprechung als Schutz he tilge gegen- 9311 & und Donner verehrt. Es bildete sich auch bald der Brauch, nicht bloß Kirchen, die ja den Blitzstrahl besonders ausgestellt sind, sondern auch die bei Feuersgefahr geläuteten Glocken, die Feuerglocke, der heiligen Barbara zu weihen. Schon das frühe Mittelalter kannte solche Darbaroglocken, die bei drohenden Gewittern geläutet werden.
Da nun die Artillerie bei ihrer Tätigkeit ähnliche Begleiterscheinungen und Wirkungen hervorbringt, wie das Gewitter, so wurde die Heilige beim Neuaufkommen dieser Waffe mehr und mehr zum Schutze gegen diese verheerenden, künstlichen Gewitter angerufen, zuerst wie man sagt, in Spanien. Von dieser Beziehung aus bildete sich auch bald der Brauch, an Zeughäusern, Pulverlagern, Artilleriekasernen bas Bildnis der Heiligen anzubringen. Ja, auf französischen Kriegsschiffen wird die Pulverkammer direkt Saint-Barbe genannt. Das frühere Barbara-Tor in Metz führte zu dem außerhalb der Jnnenwälle liegmden Zeughaus. Besonders große Kanonen früherer Zeiten erhielten häufig der Name der bl. Barbara. Im englischen Artilleriemuseum in Woolwich ist eine solche aus Deutschland stammende Kanone -u sehens die 'bett Namen: the big Bab, die dicke Barbara, führt. Auf diesen Brauch geht wohl auch die Gewohnheit zurück, den Geschützen überhaupt weibliche Namen zu geben, eine Gen.ohnheit, die wir ia alle aus Kriegszeiten her bestens kennen. Die Barbarataler und Barbaralisdsr des Mittelalters vervollständigen das Bild der 'rüheren Feier des Barharatages und die Wandlungen m seiner Geschichte. ________
weihnachtsverkehr bei der Post.
Es wird empfohlen, mit der Dersend''ng der Weihnachtsvakete möglichst frühzeitig zu begannen, damit die Pakete ohne Verzögerung m die Hände der Emnfänger gelangen. Ferner trurb gebeten, für die Pakete recht dauerhafte V-rngk- kungsstoffe zu verwenden, die Aufschrift haltbar anzubrinaen und den Namen des Bestimmungsortes groß und kräftig niederznschreihen. Auf dem Paket ist d-r Absender anzugeben und in bas Pa- M obenauf e:n Donvel der Aufschrift zu legen. Päckchen müssen Haltbar verpackt und gut ver-
„Vom Kapitalismus zum Bolschewismus".
Ein Vorkrag von pofet Koch-München im ft ft V.
Gestern abenb Hatten sich die Mitglieder des Fuldaer KatH. Kausm. Vereins mit einer Anzahl non reiften in der „Hc-mmste" um nach
der Begrüßung durch Bankdirektvr Enders einen Vortrag des Jesuitenvaters Koch- W’mchen über bas Thema „Vom Kamtalismus zum Bolschewismus" zu hören. Der Vortragende wußte aus bester Sachkenntnis ein objektives Bild von der Entwicklung des Kavstalismus im westlichen Europa und der politischen und foüalen Verhältnis!» in Rußland zu ae*en. Die wissenschaftlich scharf formulierten Ausführungen fanden den lebhaften Bestall der Zuhörer, weil sie trotzdem allgemein verständlich waren und ungemein fesselten.
Da der Inhalt des Vortrages allgemeines Interesse beanspruchen darf, wollen wir versuchen, ihn kurz zu skizzieren.
Pater Koch ging von einem Erlaß des Erzbischofs d on Prag aus, der eine
schwere Anklage gegen den Kapitalismus barstelst. Heute herrsche in der Welt nicht Ordnung, lon- bern Chaos. Die Menschheit lebt in einer Zeit des Umbruchs, wie sie seit ber Völkerwanderung in der Weltgeschichte nickt mehr da gewesen ist. Damals sieate nach einem furchtbaren Blutbab bas Christentum über bas Chaos. Auch heute stehen wir vor einer Weltkatastrophe. Die Zeit ist reif für eine Weltrevolution. Sie wirb nicht aufzuhalten sein , wenn die wirtschaftlichen und politischen Machthaber nickt endlich roieber bie Grund- fätze bes Christentums anerkennen. Der Rebner erinnerte weiter an einen kürzlich in der Zeit- cchrift Hochland" erschienenen Aufsatz bes Herausgebers Muth „Stunde bes Bürgerin ms", in bem ausgeführt wird, baß biejenigen. die noch Besitz haben, sich ernstlich die Frage oorlegen müssen, ob nicht s ch n e il eine Entscheidung getroffen werden muß, die für bas Bürgertum und für die gesamte Ordnung in der Welt von weltgeschichtlicher Bedeutung sein wird.
Die ganze Welt sei im Frühjahr dieses Jahres durch die Kundgebung des hl. Jahres auf die Greuel des Bolschewismus und auf den Kampf der russischen Machthaber gegen die Reliaion und bie christliche Kultur hm- aewiesen worden. Wir müssen uns mit dem Bolschewismus auseinandersetzen. Die Vorgänge in Rußland gehen uns unmittelbar an. Viele glauben schon jetzt, baß Deutschland das Land ist. in dem sich ber Kampf der Weltanschauunaen auf sozialem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiet am schärfsten entwickeln wird. Deutschland sei der Krater des Vulkans, ber bie neue Zeit vorbereitet. .
Das Thema „Vom Kapitalismus zum Bolschewismus will schon sagen, daß der Bolschewismus durch den Kapitalismus hervorgebracht ist. Wenn hier von Kapitalismus die Rede ist, so meint man natürlich nicht ein Wirtschaftssystem, in dem Produk- tionsaüter in immer verstärktem Maße wieder in Den Wirtschastsprozeß eingefügt werben, um die Produktion zu erweitern. Unter Kapitalismus verstehen wir in diesem Zusammenhang vielmehr die ungesunde n Nebenerscheinungen und Auswüchse des kapitalistischen Systems, die heute schon fast zur Haupterscheinung geworden sind. So gesehen, ist der Bolschewismus tatsächlich eine Reaktion auf bie kapitalistische Wirtschaftsordnung im Westen, obwohl Rußland vor dem Kriege reiner Agrarstaat war.
Der Vortragende aina dann auf die sozialen Verhältnisse im alten Rußland ein. Rußland war, wie gesagt. Agrarstaat. Bon den 180 Millionen Einwohnern wohnten nur 13 Millionen in den Städten. Im kaufmännischen Beruf waren 3 Mill. Selbständige tätig. Industriearbeiter gab es im Jahre 1908 nur 2K bis 3 Mill. Daneben gab es allein 12 Millionen Adelige. Die Hauvtmasse bes Volkes bildete der Bauernstand. Schon diese Schilderung bes Benölke- rungsaufbaus in Rußland zeigt, daß die russische Revolution nicht eine notwendige Frucht einer Ueberindu- ftrialifierung in Rußland ist. Die russische Revolution von 1917 war anfangs auch keine sozialistische Revolution, sondern eine soziale
Revolution bes Bauerntums,
bas Lanb und Freiheit verlangte.
Während der kapitalistische Westen eine ausgesprochene Arbeiternot kannte, waren in Rußland die Bauern land- und zukunstslos. Der russische Bauer war bis tief in bas 19 Jahrh. unfrei Er lebte in Leibeigenschaft, in Abhängigkeit vom Großgrundbesitzer oder in einer gebundenen' kommunalen Wirtschaft. Der Grund und Boden gehörte den Großgrundbesitzern, bem Staat dem Zaren und der Kirche." Jede freiheitliche Bewegung wurde vorn Zarismus niedergehalten. So entwickelte sich im russischen Volk eine dumpfe, mystische Sehnsucht
nach einer Zeit da der russische Bauer frei sein würde. Der Dichter Dostojewski bringt diele seelische Stimmung des russischen Bauern, diese Hoffnung auf einen Messias in seinen Romanen wohl am besten zum Ausdruck. Im Jahre 1861 mußte dann endlich unter bem Druck ber öffentlichen Meinung die Leibeigenschaft aufgehoben werden. 40 Mill Bauern wurden durch eine kaiserliche Verordnung auf einmal frei. Aber f i e waren landlos. Man versäumte es. sie mit Land zu versorgen Auch später kam es in Rußland wiederholt zu heftigen Eruptionen. Das Volk verlangte die Enteignung des Großgrundbesitzes. Die Regierung konnte sich aber nicht zu burcfmreifenben Maßnahmen aufschwingen. Im Jahre 1905 konnte die Revolution noch einmal niedergeschlagen werben. Es gäbrie aber weiter unter ben landhungrigen Bauern und d-r einflußlosen, verbannten Intelligenz. Dann kam der Weltkrieg. Die Duma, die rusiische Volksvertretung, weigerte sich, auseinander zu gehen. Im Jahre 1917 brach bann die Revolution ausf Es war aber noch keine sozmliltische Revolution. Die Führer hatten bie Absicht, Rußland zur Weiterführung de- Krieges zu zwingen. Die revolutionäre Gesinnung ber Bauern richtete sich nicht gegen das Zarentum, sondern gegen den Adel, den Großgrundbesitz. Das Unglück war es.' daß schließlich aber die Führung der Revolutionäre in die Hand von Leuten geriet, die an eine Revolution im Sinne ber Inbustrie- arbeiter dachten und der Drang ber Soldaten und Bauern nach Freiheit und Land für ihre Ziele ein- finaen. M .
Die soziale Revolution ber Bauern tn Rußland war, wie immer, auchvon einer politischen Revolution begleitet. Diese politische Revolution wurde vorbereitet von der Jnt-lligeni. die bas Bestreben hatte ben Druck bes absolutistischen Zarentums zu mildern Viele Revolutionäre wurden verbannt. Im Westen Europas kamen diese Flüchtlinge mit dem als Reaktionärr-, lcheinung des Kapitalismus entstandenen Sozialismus in Berührung. Die russischen Revolutionäre dachten schließlich auch an eine proletarische Revolution in Rußland, sie vergaßen daß die Verhältnisse in Rußland anders waren als im industriellen Westen. Lenin, Trotzki und bie anderen bolschewistischen Führer wurden Anhänger und Schüler von Karl Marr. Als dann im Weltkrieg bie russische Revolution ausbrach, kehrten sie mit bem festen Willen bie Theorie von Karl Marr zu verwirklichen, nach Rußland zurück. Durch ihre Tatkraft siegten die Bolschewisten über die anderen revolutionären Richtungen, sie gewannen die Bauern und Arbeiter, errichteten dann konsequent bie Diktatur bes besitzlosen Proletariats unb vermochten ihre .Herrschaft trotz vieler Gegenrevolutionen gegen den Widerstand der ganzen Welt zu erhalten.
So ist der Bolschewismus tatsächlich die Reaktion auf den westlichen Kapitalismus, obwohl er feine Herrschaft im agrarischen Osten aufrichtete. Die Führer wußten die Erlösungssehnsucht der landlosen russischen Bauern für ihre Pläne einer proletarischen Weltrevolution dienstbar zu machen. Unb heute beherrscht eine dünne Schickt von 2 Millionen bie große Masie bes russischen Bo"ern"oskes
Sehr anschaulich wußte Pater Koch auch bie Entstehung bes Kapitalismus zu schildern. Er zeiate, wie der Protestantismus gerade in England und Holland die Entstehung der kapitalistischen Gesinnung förderte, wie dann die Religion immer mehr zurückgedrängt wurde, und die Auswüchse im Zeitalter des Liberalismus die sozialistische Bewegung des besitzlosen vierten Standes verursachten.
Weiterhin gab der Redner einen gedrängten Ueberblick über bie Verfassung des bolschewistischen Systems und erklärte. wie ber Bolschewismus auf Grund der materia- s'stiscken Gesckichtsauffassung zur Verfolgung ber Kirche kommt. Er wies auch darauf hin. daß im Fasch i sm u s eine andere, aber wesensverwandte Bewegung entstanden ist. von der die Menschen gleichfalls Erlösung aus ber wirtschaftlichen Not erhoffen. Beide Bewegungen scheinen sich heute zu nähern.
In dem Schlußworte kam die Hoffnung zum Ausdruck, daß es gelingen möge, die drohende Weltkatastrophe zu verhüten. Voraussetzung ist, daß die Menschheit sich wieder zu Gott hinwendet. Möge, so schloß Herr Pater Koch, aus unserer langen dunklen Adventszeit, in ber bie Menschheit nach Erlösung schreit, wieder ber Stern von Bethlehem aufleuchten, ünb Wahrheit werden, was die Engel einst fangen: Ehre fei Gott in der Höhe, unb Friede ben Menschen auf Erben.
Stürmischer Beifall dankte Pater Koch für die aufschlußreichen Ausführungen, die manchem den Ernst der Lage klarmachten und alle ermahnten. ihre Kräfte zur Bekämpfung der Auswüchse des Kapitalismus einzufetzen . Mit einem kurzen Schlußwort konnte der Vorsitzende kurz nach 11 Uhr die wohlgelungene Veranstaltung schließen. ________ ....
schnürt werden; Hohlräum« sind mit Holzwolle auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung nicht eingedrückt werden können. Sie müssen deutlich als „Briefpäckchen" oder „Päckchen" bezeichnet sein.
Beim Fußballspiel gelökek.
Lin Fußballspieler stirbt an den Folgen eines Tritts in den Unterleib.
Bei einem Fußballspiel in Künzell am Sonntag erhielt der 18 Jahre alte Anselm Henkel aus Steinbach (Krs. Hünfeld einen Tritt in ben Unterleib. In der Nacht mußte er das hiesige Krankenhaus auffudjen, wo er bereits gestern ben erlittenen schwer ren inneren Verletzungen erlag.
Mfsen-Ausgebol der Vergetzlichkeik.
Die Versteigerung in den Zügen des Reichsbahnbezirks Frankfurt a. 2R. vergessenen Gegenstände.
Am 1. unb 2. Dezember fand in Frankfurt a. M. eine Versteigerung ber im Bezirk ber RBD. Frankfurt in den Zügen vergessenen Dinge statt.
Aus einem hinter bem Betriebsamt ber Reichsbahn an ber Poststraße in Frankfurt gelegenen Kellergewölbe hallte es schon beim Näherkommen: „ . . . zum ersten, zweiten unb zum--dritten!" Der dumpfe
Raum ist bis zu der offenen Tür mit Interessenten geulkt; kleine Leute, bie einen Bebarfsgegenstand auf diese Weise erstehen wollen, Althänbler, denen die Vergeßlichkeit der Reisenden eine gute Einkaufsquelle ist. Ein ganzer Markt der Vergeßlichkeit ist hinter dem abgegrenzten Versteigerungsraum und in dem anstoßenden Gewölbe aufgetan.
Ins Auge fallen dort sofort die beliebtesten Objekte der Vergeßlichkeit, die nicht nur das Attribut des zer- treuten Professors sein sollen: Hunderte von Schirmen und Stöcken, zu Halbdutzenden gebündelt, erfreuen sich auf diesen Versteigerungen besonderer Nachfrage. Bezeichnenderweise setzen sich diese Schirmbündel in überwiegender Anzahl aus Damenschirmen zu- ammen, vom eleganten kurzen Modeschirm bis zum angftteügen Regendach. Die Halbdutzendbündel gehen chnell ab, zwischen 5 unb 10 RM., aber es ist Glücksache, ein gutes Bündel zu erstehen. Merkwürdigerweise ind unter diesen vergessenen Dingen auch einige Dutzend Fahrräder, von denen man aber mehr ben Einbruck hat, als ob sie selbst dem Besitzer nichts mehr wert gewesen eien. Nur ein gutes Rad, natürlich ein Damenrad, läßt die Bieter sich höher steigern. Handschuhe, zu dicken Bündeln geschnürt, scheinen meist auf den Rekord der weiblichen Vergeßlichkeit schließen zu lassen.
Wie der neue Staubsauger unter die vergessenen Dinge kommt, ob ihn ein verärgerter Vertreter in der Musterpackung liegen ließ? Unterkleider, Koffer, Mappen etc. stellen ein regalfütlenbcs Kontingent zu dieser Versteigerung. Ob der Besitzer jener Krücken, die mit anderen Sachen losgeschlagen werden, beim Verlassen bes Zuges ihrer plötzlich nicht mehr bedurfte?
Der Clou der ganzen Versteigerung ist ein kompletter Bräutigam, der in Gestalt eines guten Gehrocks mit scharfgebügelter Hofe, weißer Wäsche, Kragen und schwarzer Lackschuhe mit Chapeau-Claque seinem Handkoffer entsteigt. Ein Bräutigam, der auf der Reise zum Standesamt plötzlich von Angst befallen wurde und das ganze festliche Exterieur fluchtartig im Stich ließ?
— Der Fuldaer Automobilklub, Ortsgruppe des A. D. A. C. hielt am Montag abend im Cafe Thiele feine diesjährige Jahreshauptversammlung ab, die sich eines guten Besuches erferute. Der Vorsitzende, Herr Fabrikant Fr. Weber, gab einen ausführlichen Bericht über bas verflossene Geschäftsjahr. Dieses ftanb auch im Zeichen ber heutigen schlechten Wirtschaftslage. Daher stand auch der Beitrag für das kommende Jahr im Zeichen des Abbaues. Von vielen Seiten wurde Klage geführt, daß sich Fußgänger, Radfahrer und Fuhrwerke zu schlecht an die Verkehrsordnung gewöhnen wollen, wodurch viele Unglücke entstehen, Bei Dunkelheit findet man immer wieder Fahrräder ohne Beleuchtung und Rückstrahler, ebenso Fuhrwerke. Hier müßten die maßgebenden Stellen mit aller Schärfe eingreifen. Eine rückwärtige Beleuchtung der Fuhrwerke wäre in Bezug auf Verkehrssicherheit auch sehr am Platze. Begrüßenswert war es zu hören, daß bie Stadtverwaltung in Bezug auf Verkehrsregelung in der Stadt den Anregungen des Klubs Rechnung trägt. Auch bas Lanbrats- amt Fulba zeigt weitgehenbes Verständnis gegenüber den Klagen der Autofahrer über schlechte Wegeverhältniss«. Mit dem Wunsche, daß das kommende Jahr wieder bessere Zeiten für den Klub und unser geliebtes Vaterland bringen möge, schloß der Vorsitzende die gut verlaufene Versammlung.
DieXemperafuten im Dezember.
Der Dezember, der bei uns gewöhnlich noch ziemlich mild auftritt, zeigt im höchsten Norden ber nördlichen Halbkugel an einigen Stellen schon gewaltige Kältegrabe. So macht der durchschnittliche Kältegrad für diesen Monat aus 47,0 Grad in Werchojansk, 40,6 Grad in Jakutsk, 33,5 Grad in Ssagastyr an der ßenamünbung, 32,2 Grad im Nordwesten Grönlands, 25,4 Grad auf Franz-Joseph- Land, 20,5 Grad in Nicolajewsk am Amur, 18 Grad auf Nowaja Semlja, 17,9 Grad in Irkutsk, 16,3 Grad auf Spitzbergen und 11,4 Grad in Archangelsk. Auch in vielen deutschen Städten liegt nun die Durchschnittstemperatur schon unter Nullgrab. Die Durchschnittskältegrade machen aus 0,3 in Prag, 0,5 in Wien, 0,6 in Zürich und Sofia, 0,8 in Budapest unb Odessa, 1,1 in Sarajewo, 1,5 in Bukarest, 1,6 in München, 1,7 in Königsberg, 1,8 in Salzburg, 2 in Stockholm, 2,2 in Krakau, 2,3 in Warschau, 2,6 in Peking, 3,2 in Lemberg, 3,4 in Astrachan, 3,6 in Oslo, 3,8 in Hammerfest, 4,4 in Kiew, 6,6 in Leningrad, 8,2 in Moskau. Rigikulm hat 3,9 Grad Durch- schnitiskälte, Sils-Maria 6,9 Grad. Auf Durchschnitts- Wärmegrade können im Dezember noch rechnen: Kopenhagen mit 0,5, Agram mit 0,8, Hamburg mit 0,9, Frank- furt a. M. mit 1,1, Mailand mit 1,9, Lyon mit 2,5, Tiflis mit 2,7, Paris mit 2,9, Edinburgh mit 3,9, London mit 4, Madrid mit 4,3, Bordeaux und Tokio mit 5,1, Schanghai mit 5,5, Nagasaki mit 7,1, Konstantinopel mit 7,6, Rom mit 8,1, Nizza mit 8,5, Genua mit 8,6, Oporio
Wie wird das Wetter?
Trotz sehr lebhafter Wirbeltätigkeit im hohen Norden hat sich das europäische Hochdruckgebiet noch verstärkt. Sein Einfluß wird daher auch für untere Witterung der bestimmende bleiben, wenn auch beständig heiteres Wetter nicht wahrscheinlich ist. Nachts kann vielerorts mit Auftreten leichter Fröste gerechnet werden, während die Tagestemperaturen niedriger sind als seither.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Fortdauer be< trockenen und vielfach ausgeheiterten Witterung mit leichtem Nachtfrost.
Temperatur- und Larometerstaud tu Fulda.
Mitgeteilt von Diplom-Optiker Sauerborn.
Barometerstand
(auf OTeeresböie reduziert!
Thenno- meterftanb
2. 12. 6 Uhr abends
768,5 nun
+ 4,0° C
3. 12. 8 Uhr morgens
770,5 mm
+ 0,5° C
3. 12.12 Uhr mittags
771,0 mm
+ 3,0° C
Höchste Temperatur Im Schatten
am 2. 12.
4- 6,0° C
Höchste Temperatur in der Sonne
am 2. 12.
V 6,0° C
Niedrigste Temperatur
seil 2. 12.
-1,5° C
Niederschlag v. 2.12. 8 U. morg. — 3.12.8 U. morg. 0,0 mm
Relative Feuchtigkeit der Lust am 3.12. mitt. 12 Uhr 73,0 °/*