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Wir müssen kämpfen!
Cs gab eine Zeit, da brauchte die Zentrumspartei in unserer rein katholischen Gegend mit stark bäuerlich-werktätigem Einschlag kaum gegen politische Gegner zu kämpfen. Das katholische Volk wählte die katholische Volkspartei, weil die Erinnerung an den Kulturkampf lebendig war, weil es für eine selbstverständliche religiöse Pflicht galt, die Partei zu stützen, die jederzeit sich ganz für die katholische Kirche und die Durchsetzung katholischer und sozialer Grundsätze im öffentlichen Leben Deutschlands einsetzte. Man wählte Zentrum aus katholischer Tradition, mehr aus religiöser Ueberzeugung als aus bewußt politischer Erkenntnis.
Heute genügt diese Einstellung nicht mehr. Sie ist zu passiv, sie vermag nicht den Angriffen und der zähen Wühlarbeit der Gegner — mögen sie sich als Nationalsozialisten oder Sozialdemokraten ausgeben — auf die Dauer Widerstand zu leisten. Nicht vergessen darf man auch, daß bei der Notlage unseres Volkes wirtschaftliche Erwägungen im Vordergründe stehen, und daß in Zeiten der Not die Erregung über Mißstände die Massen leicht zu unüberlegten Schritten hinreißt, besonders wenn eine hemmungslose Agitation mit allen Mitteln die Unzufrie- benheü schürt.
Wir stehen mitten in einer schweren Krise der Demo- »atie. Dem deutschen Volk wurde nach einem verlorenen Krieg, der zum Zusammenbruch des monarchischen feudalen Systems führte, plötzlich die Aufgabe übertragen, sich selbst zu verwalten. Der Deutsche sollte über Nacht vom untertanen, der an scharfe Kommandos gewöhnt und militärisch gedrillt war, zum mündigen Staatsbürger werden, der unmittelbar auf die Staatsleitung Einfluß nimmt. Das war etwas viel verlangt und setzte eine politische Bildung voraus, die einfach nicht vorhanden ist.
>e radikalen Parteien machen sich diese geistige Verfas- ung der Wählermassen zu nutze und Hetzen sie in verant-
Aufschwung.
Unter uns gähnt Nacht und Grauen und ein Meer von totem Blut.
Brüder, laßt uns aufwärts schauen, wo allein die Rettung ruht.
Droben schwingt in hoher Runde Stern bei Sternen aus und ein, Zeichen einem neuen Bund« Zwischen Mensch und Mensch zu sein.
Brüder, schaut, wie frisches Hoffen leuchtend in das Dunkel bricht. Morgen tritt, vom Glanz getroffen, der versöhnte Mensch ins Licht.
Von der Fuldaer Zungborn-Tagung
z^lt ein von Erwin K o s n a unter d«m Titel Werktätige Jugend und lebendige Bildung" herausgegebenes Heft, das bei Albert Burg- Eier Amorbach, erhältlich ist. Bekanntlich waren im «ommer dieses Jahres einige Hundert junge abstinente . «.rttätige in Fulda zu ihrem 7. Bundestag versammelt. In dem Heft findet der Geist und die Arbeit dieser Tagung ihren Niederschlag. Es ist kein trockener Bericht, sondern man spürt das lebendige Leben, das auf diesem Treffen herrschte, man spürt, wie ein Kreis junger werktätiger Menschen mit heißem Herzen mitten im modernen Leben steht und Wege sucht, um das Leben zu gestalten. In welcher Art diese Werktätigen-Yugend eine Neugestaltung, eine lebendige Bildung beabsichtigt, deuten nachfolgende Stichworte an: Charakterbildung, gesunde Lebensführung, Tages- und Heimgestaltung, • Alkohol und Jugend, Kunst, Wir und das Buch, Füh- ning von Jugendgruppen. — Die Weiteren beschäftigten Ml mit den „Quellen religiöser Bildung" — ferner .Katholische Jugend in Kirche und Volk". Der Kreis Der Wirtschaftsfragen, zu dem Prof. D e s s a u e r das grundlegende Referat über „Kooperative Wirtschaft hielt, darf nicht übersehen werden. Noch manches enthält diese Schrift, was den Grundgedanken der Tagung, ..Werktätige Jugend und lebendige Bildung" erst richtig zum Ausdruck bringt. Mancher wird, wenn er dieses Heft durchblättert, auch die Tragik dieser jungen Menschen spüren. 3000 Mitglieder zählt der Jungborn: es sind allerdings Menschen, die nicht jeder neuen Mode nachlaufen. Sie besitzen starken Eigenwillen und erfreuliche Selbständigkeit. Aber berauben sie sich nicht selbst jeder Wirkungsmöglichkeit im Volke, wenn sie sich in einem kleinen Bunde abschließen, statt zu versuchen, in den großen Verbänden werktätiger Jugend — Jungmännerverband, Werkjugend — ihre Art zu bchaupten und die Jugendarbeit dieser Verbände zu befruchten?
wortungsloser Weise gegen den- Staat und gegen das demokratische System. Die radikalen Agitatoren haben eine einfache Formel für die Ursache der Wirtschaftskrise — Aoungversklavung, Erfüllungspolitik usw. —, und man glaubt ihnen gern. Sie haben auch das einzige Gegenmittel zur Hand: Einführung derDiktatur — des Proletariats sagen die Kommunisten, des starken Mannes, sagen die Nationalsozialisten — und man läuft ihnen nach, wie einst die Kinder dem Rattenfänger von Hameln.
Betrachten wir nur das Ergebnis der Wahlen. Die bürgerlichen Parteien verschwinden rasch. Nationalsozialisten und K o m m u n i st e n vermehren sich- immer stärker. Die Sozialdemokratie ist nicht entscheidend zu schlagen. Und das Zentrum? Es behauptet mühsam seinen Bestand. An manchen Orten werden kleine Gewinne gemacht, an anderen hat man Verluste. Und das Ergebnis? Die Flügel, die zu keiner Mitarbeit im Staate bereit sind, werden immer stärker. Die Mitte wird dezimiert; nur das Zentrum behauptet sich, weil der Kern der katholischen Wähler nicht jeder neuen Idee nachläuft.
Es genügt aber heute nicht, daß wir uns nur behaupten. Es entwickeln sich in Deutschland zwei Fronten, die schlagbereit einander gegenüberstehen wollen. Das muß von uns verhütet werden. Wir müssen es unmöglich machen, daß diese Fronten gegen ei-
„Was ist des Deal
Der Irrtum des
Der Nationalismus geht wie eine Seuche durch die Welt. Er hat jetzt wieder in Polen zu einer schmachvollen Verfolgung der deutschen Minderheit geführt. Er verkündigt in Deutschland den Volksgenossen, die nicht nationalsozialistisch denken wollen, daß ihre „Köpfe in den Sand rollen" werden. Er verhindert die notwendige Verständigung der europäischen Völker. Er ist ein millionenfacher Mörder. E i n Christ kann darum auch kein Nationalsozialist fein. „Wieso?" fragt jetzt mancher, „ich kann doch mein Volk lieben und brauche trotzdem die anderen Völker nicht zu hassen." „Das ist richtig, dann bist du aber audi kein N a t i o n a l i st'".
Was ist denn Nationalismus? Was ist der Unterschied zwischen vaterländischem und nationalistischem Denken? Darüber sollten sich alle Jungen, die das E r w a- chen einer neuen nationalen Bewegung verspüren, einmal Gedanken machen, damit sie nicht in dem nationalsozialistischen Rummel vernünftiges Denken vergessen. Wir müssen erkennen, daß wir, weil wir eine starke nationale E r - Neuerungsbewegung brauchen, die Pflicht haben, die plumpe Demagogie des Nationalsozialismus zu bekämpfen; er führt unser Volk in den innerpolitischen Kampf, statt alle positiven Kräfte zusammenzufassen.
Wenn wir Deutsche doch nicht von einem Extrem in das andere fallen wollten. Nach dem Krieg wurde man verhauen, wenn man nur das Wort Vaterland in den Mund nahm, heute brüllt alles „Heil". Wie kommt das? Schreibt einmal Eure Gedanken über diese Fragen nieder. Wir können in einer offenen Aussprache unsere Ansichten klären; sonst gehen wir in die Irre.
Der nationale Gedanke hat weite Kreise der deutschen Jugend erfaßt. Man ringt um die richtige Einstellung. Das geht auch aus einem Brief eines Jungen hervor, der in der Zeitschrift „Fahrt ins R e i ch", dem Bundesorgan der Kreuzfahrer- und Normannsteiner-Jungenschaften veröffentlicht ist. Es heißt dort u. a.:
lieber eine Stunde lang habe ich nun vor dem Bücherschrank gestanden und nach einem Spruch gesucht, der zu Beginn dieses Briefes nützlich gewesen wäre. Da der Bücherschrank fast nur moderne Literatur enthält, habe ich vergebens gesucht. Ich wollte Dir ja über Vaterland und Deutschland schreiben, davon weiß kaum ein moderner Dichter etwas Seltsam in dieser Zeit, nicht wahr?
Da fällt mir das Spessartlager ein mit seinem Verfassungskreis. Wurde da nicht von ähnlichen Dingen gesprochen? Richtig, da sagte ein Arbeiterjunge, ein Land, das mich mit einer großen Familie in einer Zweizimmerwohnung schlafen und leben läßt, ist nicht mein Daterland. Allgemein wehrte man sich dagegen. Jetzt auf dem Ostseelager im Niedersachsenthing, wo man übrigens beschloß, auf dem nächsten Landestreffen
nander losschlagen, um die Alleinherrschaft in Deutschland an sich zu reißen. Wir müssen einen festen Block ber Mitte bilden, mit dem die Radikalen zu rechnen haben, um den sie nicht herum kommen.
Drum heißt es alle Kräfte einzusetzen im Kampfe für die politische Idee des christlichen Volks- staates. Wir dürfen nicht ruhig zusehen, wie die Radikalen in die katholischen Orte einbrechen und durch eine hemmungslose Agitation die Ungeschulten einfan- gen. Wir müssen kämpfen und werben, dem Haß der Radikalen den Schwung und die Begeisterung für ein nach innen u. außen freies deutsches Reich entgegBnfeen, das allen deutschen Volksgenossen den gebührenden Anteil an den Wirtschaftsgütern garantiert, das die ungerechte Verteilung im kapitalistischen Sy st em beseitigt. Die Radikalen predigen die Gewalt. Wir glauben, daß mit einem gewaltsamen Umsturz nichts erreicht ist, wenn nicht d i e Gesinnung der Menschen sich geändert hat.
Kameraden, treten wir den radikalen Hetzern ohne Furcht entgegen, kämpfen wir für den Ausbau eines christlichen und demokratischen Staates, in dem die Menschen freiwillig, aus politischer Einsicht, starken Führern folgen. Die Zeit drängt. In einer von den Radikalen der Rechten oder Linken getragenen Diktatur wird man uns niederknüppeln!
schon Vaterland?"
Nationalismus.
einen Arbeitskreis über „Vaterland" zu schaffen, meinte einer, sein Vater habe kein Land, warum also von Vaterland sprechen?!
Ich frage Dich einmal, ob die Reichen, die Geld und Land im Ueberfluß haben, die in Palästen wohnen, ob die von Vaterland sprechen. Mir scheint, daß sie mehr an die Riviera oder an Oberitalien denken als ans Deutsche Vaterland. Der Arme hat kein Vaterland und der Reiche auch nicht. Also kann weder Armut noch Reichtum für oder gegen das Wort Vaterland sprechen. Die oben angeführten Aeußerun- gen sind auch so noch unrichtig. Mir würde es leid tun, wenn sie dem heute so viel hausierenden Neid entsprungen wären. Sieh, es hat mal Menschen gegeben, denen das eigene Land nicht nur Brot und Wohnung versagte, sondern denen es auch den Aufenthalt verbot, die aber trotzdem von ihrem Vaterland zu sprechen wagten. Es ist ja leicht, Vaterland zu sagen, wenn es einem gut geht, aber es noch zu sagen, wenn man verbannt und verstoßen ist, sagt doch, daß es nichts mit Reichtum und Armut, mit Freud und Leid zu tun hat, sondern daß es über all diesen Dingen steht, in diesem Sinne: „Deutschland, Deutschland über alles!" Reichtum bindet nicht, Glück verpflichtet nicht, Armut verbindet und Not verpflichtet!
Ader was ist das eigentlich: Vaterland? Ein seltsames Wort, man spricht es nur selten offen aus. Kindern erzählt man wohl davon und die, welche sich zu feinem besonderen Anwatt erhoben fühlen, machen Sprüche davon. Mir drängt sich der Vergleich mit dem Worte „Jesus" auf. Es ist ja fo, daß man in der Gesellschaft — wenn man mal über religiöse Dinge spricht — viel lieber „Christus" sagt. Das Wort „Jesus" berührt eigenartig, es hat so etwas aus der Kinderzeit an sich. Genau so mit „Vaterland", man spricht lieber vom „Deutschen Reich" ober vom Lande. Es ist aber so, daß man, wenn man „Jesus" sagt, sich zu dieser Gestalt, zum Sohn Mariä bekennt, während von Christus ja noch ruhig der religiöse Sozialist und der Moharnedaner spricht. Wenn man Reich oder Land sagt, bann meint man allgemein den jetzigen Zustand, an den man sich gewöhnt hat. Wenn man Vaterland sagt, bekennt man sich zum „Gewordenen" und schließt die Geschichte und Kultur, die Schäden und Wunden, die Errungenschaften und Siege ein. Es ist mir nicht gleichgültig, daß Millionen um den Bestand des jetzigen deutschen Vaterlandes gerungen haben. Es ist mir auch nicht gleich, wenn etwa die Polen noch Ostpreußen einstecken wollen. Das aber nicht darum, weil Ostpreußen ein Absatzgebiet für unsere Industrie und ein Erzeugungsgebiet von landwirtschaftlichen Waren für ganz Deutschland ist, sondern weil dort Jahrhunderte hindurch um dieses Land kulturell und strategisch gekämpft worden ist. Die deutsche Kultur ist aber für mich, ohne daß ich sie absolut setzen will — b i e Kultur; bas Warum würde zu weit führen.
Nationalisten nehmen neuerdings das Wort Vaterland in Erbpacht. Ich möchte wünschen daß wir über all unserer Friedensarbeit uns einmal ganz zu Deutschland als Vaterland bekennen. Daß wir zugleich darin eine Aufgabe sehen, uns um die wahre Auffassung von Vaterland zu kümmern,
damit auch die vielen, die einem überspannten Begriff nachrennen — und wir haben Schuld, daß sie es tuen, weil wir die Sprache des Herzens, die Vaterland sagte, überhörten — zur Besinnung kommen und vom nationalistischen zum vaterländischen Gedanken kommen . . ,
Die gesamte Jugend fast steht in Gefahr zu verradikalisieren. Dem müssen wir durch vernünftiges und echtes vaterländisches Denken begegnen
Anfer Adventskranz.
Da hätte kommen mögen, was kommen wollte — unseren Adoentkranz mußten wir ins Haus haben, sonst hätte die rechte Vorweihnachtsfreude nicht aufkommen können!
Jeden Abend fuhren wir Jungen am Samstag norm ersten Advent vor die Stadt hinaus — oft bei Sturm und Regen, manchmal lag auch schon Schnee — und ließen uns in der Försterei die immer gern gewährte Erlaubnis geben, ein paar Kiefernzweige abschlagen zu dürfen, wählten bann lange und schleppten vergnügt unsere Beute nach Hause. Wenn wir dort ankamen, war es schon längst dunkel geworden. Wir schlichen so leise wie möglich, als gelte es ein großes Geheimnis zu wahren, in unsere Kammer hinaus. Da hatten wir schon am Tage zuvor einen kräftigen, alten Faßreifen und Blumendraht zurecht gelegt, so daß wir gleich an die Arbeit gehen konnten. Kunstvoll und sorgfältig wurde Zweig auf Zweig gelegt und befestigt, und nicht lange, da konnten wir mit befriedigtem Stolz auf bas Ergebnis unserer Tätigkeit blicken; unser Kranz war fertig. Außer den Lichterhaltern mußten noch die Tragbänder befestigt und kunstvoll verknotet werden — dies letztere war immer die Arbeit der Schwestern gewesen, denn was wir Jungens in dieser Hinsicht zuwege brachten, war zwar dauerhaft, konnte aber keineswegs schön genannt werden.
Arn Sonntag nachmittag, wenn die Kaffeetafel abgedeckt war, ging nach stillschweigender llebereintunft alles aus dem Zimmer. Mutter hatte bann gerabe in ber Küche zu tun unb Vater mußte rasch mal zum Nachbar rübergehen, unb bie anberen machten sich auch irgenbmo unsichtbar. Wir holten den mächtigen Kranz herunter, machten ihn mitten über dem großen Tisch fest, so baß er als ein grüner Ring bie Lampe fast bebetfte, unb ent« ziinbeten bann bie Lichter. Nach vollbrachter Tat tobten mir wie eine wilbe Jagb durchs Haus unb holten bie anberen zusammen. Aber wenn wir bann gemeinsam ins Zimmer traten, war's auf einmal ganz feierlich, fast so wie am Heiligen Abenb.
Unb jeben Sonntag würben bann die Kerzen wieber angesteckt, bis ber Kiesernkranz bem Tannenbaum weichen muhte.
Aus den Verbänden.
Konferenz der Gesellenvereine im Bezirk Fulda.
Am ersten Adventssonntag fand im Kolpingshaus zu Fulda die diesjährige Konferenz der Vorstände statt, die in den Gesellenvereinen des Bezirks Fulda tätig sind. Geleitet wurde die gutbesuchte Konferenz vom Bezirks- Senior I. Fleischer-Fulda, der einen erfreulichen Ueberblick über den derzeitigen Stand der Vereine inner- halb des Bezirks gab. Der Bezirk zählt z. Zt. etwa 900 Mitglieder in 12 Vereinen.
Herr Bezirkspräses Sauer, Flieden, hielt ein lehrreiches Referat über das Thema: „W i r kath. Gesellen und die Politik". 1. Was bedeutet Politik? Innen-, Außen-, Kultur- und Sozial-Politik. 2. Unsere Stellung zur politischen Gegenwart. In der Aussprache ergriffen Herr Diözesanpräses Becker sowie einige Vorstandsmitglieder das Wort um in manchen noch nicht vollständig erfaßten Fragen aufklärend zu wirken. Die drei großen Wiener Grundsätze vom Gesellentag 1927 „Familie, Demokratie, Völkerfriede" wurden eingehend behandelt.
Im weiteren Verlauf wurden Anregungen zur Winterarbeit innerhalb der Vereine gegeben. Nach einem kurzen Schlußwort des Bezirks-Seniors wurde das Kol- pingslied gesungen und die Konferenz mit dem Gesellen- grüß geschlossen.
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec. publ. Joseph Sauer- Fulda.
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Copyright by Fischer Verlag, Berlin.
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Leider konnten wir dem freundlichen Manne kein »0I3 d°s Dankes sagen, da wir uns nicht verstanden.
T*„ bezeichnende Gesten baten wir dann den Kreolen, ini Tn°,ci)tLuns em billiges Pferd verkaufen, welches r a's Tragtier benutzen konnten.
Der Postero war einverstanden unb deutete an, daß einem Nachbar ein Pferd holen würde. Er sich auch sofort aus den Weg, allein er kam an nicht wieder. Wir wurden unruhig, unb wentOrf) ich fürchtete Verrat.
nächsten Tage jedoch war der Postero mit bem Werbe zur Stelle.
“Hfben schnell handelseinig unb beluden bann feren ■ ’$e' ,tr°ff’9e Tier mit unseren Traglasten. Un- & ,reunNid)en Gastgeber beschenkten wir mit einigen en unb Unterhosen. Dann zogen wir weiter — fes Ä, D*er Tst^en tarnen wir in die Nähe eines Dor- for ' * hatte einen Hahn von meiner Schrotflinte ver- > und da wir keine Gefahr fürchteten, marschierten " wrglos in das Dorf hinein.
in hi ; erblickte ich einen Türkenladen und versuchte bra1>J?'Cn\ unsere Fuchsfelle zu verkaufen. Ernst blieb mehr» m6* .^em Pferde stehen. Da ertönten plötzlich auf Kv . olizeipfeisen, und drei Polizisten warfen sich ffc>L/rnv während zwei andere mich im Laben über« "unfe mir die Hände fesselten.
und ff>CntanJ> wäre nutzlos gewesen, das sah ich ein, E Nkr«- o toar „ebenso klug gewesen. Trotz des Ernstes geja-xJ ^ge hätte ich bei unserer Verhaftung beinahe ten ni.k x ^Emissär stand blaß und zitternd mit- i der Dorfstrahe, eine geladene Pistole schußbe
reit in der Linken und einen Ladestreifen in der rechten Hand. In dieser Stellung hetzte er die Polizisten auf uns, hielt sich selbst aber in artiger Entfernung, wodurch er eine sehr komische Figur abgab.
Wir wurden auf bas Kommissariat geschleppt, wo uns die Beamten alles abnahmen, bis auf bie paar Pesos, welche wir in der Leibwäsche verborgen hatten.
Der Kommissar schrie uns an und gestikulierte so heftig, als ob er glaubte, in uns Totschläger zu sehen.
Dann wurde Ernst in einem Rancho des Polizeihofes an eine Fuhkette gelegt, während man mich an einen Baum, ber dort stand, band. Zu welchem Zwecke man bas mit mir tat, weiß ich noch heute nicht. Man konnte annehmen, daß eine zweite Kette im Augenblick nicht vorhanden war.
Einige Stunden hate ich bereits so gestanden, als ich einen brennenden Durst fühlte. Der diensttuende Polizist goß mir auf meine Bitte etwas Wasser in den Hals.
Dann kam ein Deutscher aus dem Dorfe und richtete das Wort an uns, so daß wir ihm unser Leid klagen konnten. Unser Landsmann bot dem Kommissar seine Dienste als Dolmetscher an und übersetzte ihm, was wir gesagt hatten.
Darauf antwortete der Kommissar, daß er ein dienstliches Telegramm erhalten habe mit dem Befehl, uns zu verhaften. Er habe danach annehmen müssen, daß es sich um zwei Schwerverbrecher handle.
Durch die Uebersetzung unseres Landsmannes nahmen wir von dieser Erklärung Kenntnis, beruhigten uns infolgedessen etwas und hofften auf baldige Befreiung. Unser Landsmann entfernte sich wieder, nachdem er uns noch freundlichst Trost zugesprochen hatte.
Obwohl ber Kommissar nun doch wußte, daß wir harmlose Einwanderer waren, machte er doch keinerlei Anstalten, uns freizugeben. Erst nach einer Sturtbc band man mich von bem Baume los, um mich zu Ernst in den Rancho zu führen. Gleichzeitig wurde mir eine Kette um den Arm gelegt. Ohne diese grausame Fes
sel wäre eine Flucht aus dem Lehmrancho ein leichtes gewesen.
Wir erhielten die ersten zwei Tage nur Wasser unb keinerlei feste Nahrung. Wohl oder übel mußten wir uns daher entschließen, unser letztes Geld auszugeben. Einer der Polizisten war bereit, uns Lebensrnittel zu kaufen. Er holte aus bem Dorfe ein Brot unb Käse.
Vom brüten Tage ab erhielten wir jeden Mittag einen Teller Suppe.
Durch die andauernde Bewegungslosigkeit erkrankte Ernst. Der Polizist besorgte ihm kleine Hilfsmittel aus der Dorfapotheke, rechnete aber alle noch einmal so teuer an, als sie in Wirklichkeit waren. Ernst wurde dadurch wirklich schwermütig. Er glaubte, es ginge in den Tod.
Trotz aller schweren Stunden war mein Mut noch nicht tief gesunken.
Am nächsten Tage bat ich um Schreibpapier und Tinte. Beides wurde mir wider Erwarten gebracht. Gleich schrieb ich einen eingeschriebenen Brief an das deutsche Konsulat in Buenos Aires, fürchtete aber, daß der Brief unterschlagen würde.
Vom siebenten Tage ab durften wir jeden Tag zwei Stunden im Hofe spazieren gehen.
An einigen Abenden brachte uns bas jüngste Kind des Kommissars, wohl heimlich, eine gebackene Süßkartoffel. Es war ein sechsjähriges kleines Mädchen — ein süßes Kind —, ich fjabe es geliebt.
„Ein kleiner Engel!" sagte Ernst.
Der etwa vierzehnjährige Sohn des Kommissars kam jeden Nachmittag, wenn wir im Hof spazierengehen durften, auf unserem total abgehetzten unb ab gemagerten Gaul in den Hof gesprengt.
Am zwölften Tage würben unsere Fesseln gelöst.
Die Polizisten gaben uns unsere leeren Rucksäcke unb führten uns in ben Hof. Hier ftanb ber Kommissar neben einem Sergeanten, welcher unser Pferd am Zügel hielt. Nun mußte ich mich auf bas Pferb setzen unb Ernst wurde zu mir hinten aufs Pferd heraufgehoben.
Dann band man uns mittels eines Lassos zusammen unb öffnete bas Tor des Polizeihofes.
Wir wußten absolut nicht, was man mit uns vorhatte, und ich war natürlich sehr bedrückt. Dennoch versuchte ich durch Gesten bem Kommissar klarzumachen, baß wir boch unsere Sachen zurückerhalten möchten.
Da lachte ber spöttisch auf: „Wo haben Sie denn ihre Quittung, daß Sie überhaupt etwas besessen und abgegeben haben!" fragte er. Ich hatte verstanden und alles begriffen, auch unsere vollständige Wehrlosigkeit.
Der Sergeant hieb auf unseren Gaul ein, und dieser trug uns, fo schnell er konnte, erst durch bas Dorf, bann burch Kamp und durch Wald. Der Sergeant ritt mit bem schußbereiten Karabiner hinterher.
Unser schwaches Pferb, mit ber hoppelten Last beloben, wollte immer wieder in Schritt verfallen, aber ber Sergeant schlug stets von neuem unbarmherzig auf es ein.
Es würbe mittag unb Nachmittag. Die Hitze war furchtbar.
„Mir wird schlecht", stammelte Ernst plötzlich unb klammerte sich an mich. ,Zch muß Wasser haben!"
Der Sergeant verstand mich zunächst nicht, als ich nach ihm rief. Ich rief zum zweiten und zum dritten Male, endlich ritt der Sergeant nach vorn unb erkannte so bie Gefahr, in ber Ernst schwebte. Sofort hielt er bas Pferd an -mb band ben Lasto los.
Ernst fiel starr unb steif wie leblos auf bie Erde.
Der Sergeant beugte sich über ben halb Bewußtlosen unb gab ihm aus seiner Feldflasche zu trinken. Der harte Ausdruck seines Gesichtes veränderte sich dabei, er wurde milder — menschlicher.
Ernst hatte sich wund geritten, da wir als Unterlage nur einen Sack besahen, welcher keinen genügenden Schutz gegen ben hageren Pferberücken bilbete.
Auf meine Vorstellungen hin, sah ber Sergeant enb« lich ein, bah Ernst nicht mehr reiten konnte. Als sich mein armer Freund bann etwas erholt hatte, mußten wir unseren Weg fortsetzen, Ernst ging aber zu Fuß nebenher.
(Fortsetzung folgt.)