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A//LS

30. November

Beilage zur Fuldaer Zeitung

hat

Auf

und

erfe-

Zusammenrottung der Bären.

erst mit versagender

heimischer Sprache zu lesen

Drei VUder aus der Fremdenlegion

Diedemande" (Gnadengesuch) ist unterwegs, das Kriegs, geeicht in Oran hat das letzte Wort.--

Armer Kamerad!

nennt.

Einige Minuten später war die Hütte erreicht, und fieberhafte Arbeit begann, um dieHochzeitsgäste", auf die wir gefaßt sein mußten, zu empfangen. In dem schwach erbauten Stall, der ans Wohnhaus grenzte, befanden sich drei Pferde, die unverzüglich mit festen Stricken zusammengebunden wurden. Dann trugen wir eiligst Aeste, Baumwurzeln, kleine Stämme, alles Brenn­bare herbei und errichteten ein großes Feuer rings um das Haus. Kleine, schmale Feuerzungen wuchsen zu immer größeren Flammen empor, die das Haus wie eine Mauer schützten.

Taghell beschien das Feuer die Umgebung bis zu den ersten Baumriesen hin, an deren Fuß plötzlich große Schatten auftauchten. Wie schwarze Ballen rollten sich die Bären aus dem Walde und blieben, geblendet von dem grellen Licht, zögernd stehen. Ihre Unentschlossen­heit schwand aber schnell, als sie Menschen und Pferde hinter der Feuerlinie witterten. Auch die Pferde merk­ten die Nähe der Räuber und stampften aufgeregt mit

Bären-Hochzeit" in der Taiga

Stimme, dann anschwellend in verhaltenem Jubel.

Und so lautete die Botschaft: Im ersten Jahre des Cyrus, des Königs von Persien und Babylonien--

erweckte der Herr den Geist des Cyrus, und dieser ließ ausrufen durch alle seine Königreiche, durch Schrift und Wort: So sprich Cyrus, der König der Könige:Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche ber' Erde gegeben. Und er hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem im Lande Juda. Wer unter euch nun seines Volkes ist, mit dem sei sein Gott; und er ziehe herauf gen Jerusalem in Juda und baue

das Haus des Herrn, des Gottes Israels; denn er ist der Gott zu Jerusalem . .

Kaum zu dämmende Erregung lag wie zitternder Bann über den Scharen wie eine heftig gespannte Wölbung, die jeden Augenblick zerreißen konnte.

. . . Denn Jahwe ist der Gott Jerusalems . . .' wiederholte Hazael feierlich und konnte nicht weiter reden.

Aufwärts war fein Antlitz gerichtet, die Wimpern hielten die hervordrängenden Tropfen nicht mehr ...

Da stießen Schreie gegen die gespannte Wölbung, brachen hindurch, schrillten tosend auf.

Ein Taumel befiel die Menschen. Jauchzen, Weinen, irres Stammeln. Schluchzend warfen sie sich zu Boden. Sprangen auf, warfen die Arme hoch, verkrampften Hände stürzten sich an die Brust, gebärdeten sich wie von Sinnen vor Glück und Jubel, so daß der ernste Perser erstaunt und mißbilligend die Stirn krauste.

Als die Erregung abschwellte, nahm Hazael wie­der das Wort:Danket dem Herrn, denn er ist freund­lich und seine Güte währet ewig. So müssen die Erlösten des Herrn sprechen, die er aus der Hand der Feinde frei« gab, die er zurückführt aus den Ländern vom Aufgang und vom Niedergang, von Mitternacht und vom

Die letzten Strahlen der schwachen sibirischen Abend­sonne senkten sich über die Taiga. Das bunte Leben in den Tundren, Sümpfen und Wäldern verstummte, suchte Unterschlupf vor der Nachtwitterung und den herumirren­den Räubern. Blasse purpurne Wolkenstreifen zogen lang über den grünlich-blauen Himmel. Aus den Schluchten des nördlichen Uralgebirges erhob sich ein gelblicher Nebel.

Zu dieser Zeit ging ich mit drei russischen Kolonisten, urwüchsigen, kräftigen Sibiriern, langsamen Schrittes am Saume des Waldes entlang. Die Männer kamen vom Felde, wo sie unter unsäglichen Mühen dem Boden spärliche Früchte abrangen. Seit Jahren lebten sie hier, 800 Kilometer von der Bahnstation Berjosoff entfernt. Ihre kleine, aber von festen Stämmen erbaute Hütte nahm sich wie ein Spielzeug neben dem mächtigen Ur­wald aus.

Schon näherten wir uns dem Häuschen, da erreichten plötzlich sonderbare dumpfe Töne, aus der Tiefe des Waldes kommend, unser Ohr und brachen die majestätische Stille des Abends. Es schien, als ob in der Ferne tau­send Trompeten erschallten, im tiefe», gespenstigen Baß.

Meinen Begleitern. war der Lärm nicht unbekannt, und auch ich begriff, daß es Bären waren. Aber eine derart große Zusammenrottung dieserHerrn der Taiga" ist äußerst selten und kommt nur vor, wenn die letzten Anzeichen des Winters geschwunden sind und die Knos­pen erschließt. Dann ist auch der Petz zu Zärtlichkeiten geneigt und sucht liebeheischend nach einer Gefährtin. Doch böse und gereizt ist der Bär in diesem Stadium, das der erfahrene Jäger sehr bezeichnend

Vären-Hochzeil"

den darf!" .

Bater wir sind frei! . . . Unser Land unsere heilige Heimaterde--frei frei!"

Der alte Volksführer breitete feine Arme. Der Kopf des Sohnes sank an feine Brust. Alles Trennende aO-s Erlittene, alles Dunkel war ausgelöfchi im herzpochenden stummen Jubel dieser Stunde.

Meere her. Mit diesem Prophetenwort unseres Sänger- königs danken wir Jahwe, unserem Gott, der uns auf- gerichtet aus dem Staub. . . . Und nun geht aus von diesem Ort, wie die Strahlen von der Sonne ausgehen und tragt überall hin das Licht und die Freude dieser

Dämmerung.

Noch füllt mH goldnem Rauch Das letzte Licht das Tal. Der Berg, ein blauer Hauch, Wird langsam aschenfahl. Und, eine schwarze Wand, Stumm steigt Gewölk der Nacht Herauf und hüllt das Land In finstre Trauertracht.

Richard von Schaukal.

..Zeuerzauber in der Taiga. Ein Außenseiter. Sturm auf die Hülle.

klappernd nach oben. Nach dem Abzählen marschieren die Kellergefangenen auf den Gefängnishof, wo jeder einen Tornister mit etwa 35 Klg. Sand ober Steinen bekommt. Im Hof ist eine Gehbahn, auf ber Tag für Tag bie vorgeschriebenen vierzig Kilometer gemacht wer­ben. Schon nach kurzer Zeit wirb jeher erwärmt, bie Kälte der Tropennacht ist vergessen. Schweigend mar­schiert bie Schar Runde für Runbe. In ber Mitte steht ein Sergeant. Wehe, wenn einer spricht!--

Langsam steigt bie Sonne höher. Die Wärme nimmt rapide zu, es wird heiß. Da! jetzt haben zwei ge­flüstert. Sergeant Soussini, ein Korse, der sicher nur die schlechten Eigenschaften seines Volkes besitzt, grinst. Und wie er grinsen kann, diese Bestie. Da gehts schon los:Nieder!"Auf!"3m Laufschritt!"Nie­der!"Auf!", eine ganze halbe Stunde. Jetzt war aber Schluß. Klappte vorher nur hier und da einer zu­sammen, so fielen sie jetzt um wie die Fliegen. Kuhn war gleich einer der ersten, bie schlapp machten. Er lag bicht an ber Mauer. Die Zähne mahlten im Munbe unb ber Schaum lief auf bie verstaubte Uniform. Wie er zu sich kam, mußte er aufs neueAn bie Mauer". Er ftanb kaum bran, da fiel er wieder um. Kein Mensch kümmerte sich um ihn.

Die andern Bestraften gingen wieder im Schritt. Die Gesichter blau angelaufen, mit keuchendem Atem und gebücktem Rücken marschierten sie weiter, ohnmächtige Wut im Innern.

Mittag! Jeder freut sich auf die willkommene Stär­kung und bie einftünbige Pause. In langer Reihe stehen sie, um bas Mittagbrot zu empfangen. Auch Alfred Kuhn. Er war wieder etwas beweglicher. Endlich war er bran. Der Essenverteiler wollte ihm gerabe ben Napf geben, ba nahm ber Sergeant ihn ab und reichte dem Kuhn selbst bas Essen hin. Wie biefer zufassen will, läßt er ben Napf fallen unb meint grinfenb:So, bu schlappes Schwein, jetzt hast bu gefressen." Da geht burch ben ausgemergelten schwachen Körper ein Ruck, wilb schreit er auf unb im nächsten Moment springt er bem Vorgesetzten an bie Kehle. Wenige Minuten später liegt er zerschlagen und blutüberströmt im Keller.

ben angegebenen Gründen in dem Durcheinander nur schwer, und auch dann meist nur an einzelnen Stellen, erkennen. Aber der scharfe Beobachter vermag ihn doch zweifelsfrei mit voller Bestimmtheit nachzuweisen.

Zu diesem Zwecke gibt es übrigens ein einfaches, allerdings nur wenig bekanntes Mittel. Man legt bei Frostwetter ein gut gereinigtes Spiegelglas möglichst wagerecht ins Freie und übergießt es langsam und vor­sichtig mit Wasser, in das man feines Eisenoxyd oder auch Knochenschwärze getan hat. Das Pulver ist zuvor mit einer geringen Menge Wasserangesetzt", da es sonst oben schwimmen würde. Mittels eines Pinsels verteilt man es rech: gleichmäßig und dünn auf der Scheibe, wo­bei man darauf zu achten hat, daß diese wie bas Wasser bei Beginn bes Versuchs etwa Zimmertemperatur auf­weisen. Sobald nun die Eisbildung beginnt, sehen wir die Nadeln sich formen und bas Pulver in ber Flüssig­keit vor sich her schieben. Schließlich zeichnen sich die Eis­blumen deutlich gegen ben buntlen Untergrund ab Man muß sich nur hüten, die Spiegelscheibe ins warme Zim­mer zu bringen unb bas Eis aufjutauen; bann ist es na­türlich mit ber Herrlichkeit sofort zu Enbe. Läßt man sie jedoch ruhig draußen liegen unb hält ber Frost an, so verschwinbet bas Eis nach kurzer Zeit von selbst Es oerbampft, ohne erst in den flüssigen Aggregatzustanb überzugehen. Auf ber Spiegelscheibe bleibt aber im dunk­len Pulver das Bild ber Eisblumen zurück, das uns noch in der Hitze ber Hunbstage bie Kälte bes vergangenen Winters angenehm ins Gebächtnis zurückruft.

Frei.

Don Hennriette Brey.

Plötzlich war berTag" ba.

Das Große Horn Schophar hallte burch die Gasten, rief alle eilends zur Synagoge.

Sie stürzten aus Hütten unb Häusern unb Gassen, wirbelten empor zum Bethaus, aufregender Erwartung voll.

Die Synagoge faßte die Menschenmassen nicht. Scha­ren stand noch draußen. Mühsam nur hatte sich der jü­dische Statthalter Hazael mit dem persischen Gesandten hindurchzwängen können.

Fiebernd drängten die Scharen um Hazael, der im Festkleid mit zusammengenommener Haltung neben dem vornehmer Perser stand das Antlitz von einem unbe­schreiblichen Ausdruck durchleuchtet.

Brüder und Schwestern!" begann er stockte schluckte; seine Stimme beiferte vor Erregung.Groß ist Jahwe, unser Herr, ber sein Angesicht in Gnade uns-w'e- der zugekehrt wie Jeremia, der Einzige, es voraus- fagt: Höret das Wort des Herrn, ihr Völker, und ver­kündet es auf ben fernsten Inseln: der Israel zerstreut hat, ber wird es auch wieder sammeln, wie ein Hirt seine Herde. Und sie werden kommen und auf der Höhe von Sion jubeln, und heraufströmen zur Stadt des Herrn! Brüder, heute beginnt das Wort sich zu erfüllen!"

Seine Stimme riß ab. Weichheit überwältigte ihn einen Lidschlag lang. Er setzte von neuem an und bekam wieder Festigkeit.Vernehmt, chr Kinder Judas, was Cyrus, der Großkönig von Persien und Babylonien, durch seine Gesandten uns künden läßt. O Brüder . . ."

Der Gesandte, eine strenge Bronzegestalt mit scharfen Augen im unbewegten Gesicht, trat vor, streifte eine vio­lette Seidenschnur, die nur lose um bas Pergament ge­schlungen war denn Hazael hatte das Siegel schon ab­genommen von der Rolle, bie persischen Worte zu le­sen. Und so oft ber Name Kurusch, wie die Perser Cyrus nannten, aufklang, verneigte er sich jedesmal tief.

Brennende Augen bohrten sich voll Ungeduld in ihn, denn sie verstanden die Sprache nicht. Jeder aber ahnte die Bedeutung des Erlasses jeder zitterte vor einer möglichen Enttäuschung.

Jetzt nahm ber Statthalter Hazael die Rolle, deren Inhalt er schon kannte, unb begann hochaufgerichtet in

ben Hufen. Die Stricke hielten bem starken Ziehen unb Zerren auf bie Dauer nicht ftanb, unb ehe wir noch bie Gefahr voll erkannten, rissen sich die Pferde los, über­sprangen mit großen Sätzen das Feuer unb verschwan» ben in der Dunkelheit.

Mit einer für ihre Größe erstaunlichen Gewandtheit und Schnelligkeit machten sich einige Bären an bie Ver- folgung ber Pferbe, beren Husschlöge halb in ber Ferne erstarb en. Doch bie überroiegenbe Anzahl von ihnen ver- harrte bei ber Belagerung. Ihre Beharrlichkeit sollte auch, zu unserem größten Entsetzen, bald belohnt werden, denn das Holz ging zur Neige, die anfänglich übergroße Feuersäule schrumpfte zusammen, glimmende und rau- chende Holzscheite hinterlassend. An manchen Stellen war es nicht mehr schwer, die Barrikade zu überspringen.

Doch da geschah etwas Unerwartetes: ein riesenhafter Bär, schmutzig, zerzaust, und verwildert, stürzte mit weit geöffnetem Rachen aus dem Walde heraus und fiel über seine Kameraden her. Es war ein ganz besonders ge- fährliches Tier, das wohl seiner Boshaftigkeit wegen aus ber Bärengesellschaft ausgestoßen worben war. Der Riese brückte einen anberen, schwächeren unb kleineren Bären unter sich und begann ihn wutentbrannt mit den Krallen zu bearbeiten. Die herumstehenden Bären aber sahen nicht tatenlos zu und kamen ihrem schwachen Ka­meraden zu Hilfe.

(Ein Urroalbtampf auf Leben unb Tob

bot sich unseren Blicken. Zehn, fünfzehn an ber Zahl, eilten bie Hochzeitsteilnehmer zu bem Angreifer unb rich­teten ihn grausam zu. Der Riese war genötigt, bie Ret- tung in ber Flucht zu suchen unb übersprang, ba ihm ber Weg zum Walde versperrt war, mit einem enormen Satz bie glimmenben Scheite. Er war im Bereiche un­serer Hütte, wohin ihm auch bie Bärenhorbe folgte.

Kaum hatten wir Zeit, bie Lage zu überblicken, als schon ber erste Schlag einer Bärentatze gegen bie Tür er­folgte, ber bas schwache Bauwerk zur Erschütterung brachte. Eiligst ergriffen wir bie vorhanbenen brei Ge- wehre, währenb Iwan, ein baumlanger unb stämmiger Russe, ein schweres Beil nahm unb sich kampfbereit vor bie Tür stellte. Zum Glück wich bie Tür nicht; sie war aus festen, bieten Brettern erbaut unb ließ sich zudem nur nach außen öffnen.

Allmählich ließen die Tiere von ber Tür, unb wir vernahmen ihr Kratzen unb Scheuern an den Sciten- roänben ben Hütte. Die dünnen Außenbretter brachen wie Reisig unter den schweren Tatzen. Einigen Bären gelang es gar, an ben Ecken bas Dach ber nieberen Hütte zu erklettern, und sie vernichieten nun die Bedachung. Das ganze Haus zitterte unb wackelke von der zentner­schweren Last. Die Decke war nicht fest genug gezimmert,

*

Ganz Jerusalem war in einem Freudentaumel allen Bergen flammten bie Freudenfeuer.

Hazael aber kniete zu Füßen bes greifen Vaters hielt feine Hände.Vater--Vater . .

Mein Sohn! ... 0, daß ich diesen Tag noch

PoftenSuite«

Auf einer ber vielen Bergspitzen bes hohen Atlas im fernen Marokko steht ber französische PostenSuile". Massig unb plump aus gewaltigen Felssteinen gefügt, wie für bie Ewigkeit gebaut. Vier Mauern etwa 3.50 Meter hoch bilben ben Schutzwall für bas Innere. Hin­ter ber Mauer zwei Meter erhöht ist ber Lausgang für bie Wachen. Zwei Bastionen, biagonal angelegt, ragen empor unb geben bem Posten etwas burgähnliches Hier finb bie Maschinengewehre eingebaut. Im Innern ber kleinen Festung stehen brei Gebäube. Zwei kleine für Munition unb Lebensmittel, bas größere ist bie Kaserne. Vor ber Umfassungsmauer eine zwei Meter breite weiß gekalkte Fläche, um selbst in ber buntelften Nacht jedes Wesen, welches sich bem Posten nähert, zu entdecken. Dor dieser Kalkfläche Drahtverhau und spanische Reiter.

Nach unserer Ausbildung, die etwa sechs Monate dauerte, tarnen wir mit zwanzig Mann auf diesen Po­sten, um die alte Besatzung, die schon zwei Jahre dort gelegen hatte, abzulösen. Jeder berAlten" war zu­frieden, dieeinsame Klause" verlaßen zu können. Uns Blauen" aber gab man einen ganzen Sack guter Rat­schläge. Am Abend vor dem Abschied plauderten die alten Legionäre von ihren Erlebnissen. Einer log mehr, der andere weniger, bis uns dann Sergeant Müller, ein Oesterreicher, folgendes Erlebnis auf dem Poftenfülle" erzählte:

Wie wirAlten" auf diesen Posten tarnen, nannte man ihn ein Sanatorium. Warum? Monatelang war weder ein Schuß gefallen, noch feindliche Araber ge­sehen worden. Die in ber Gegenb wohnenben Berber verlausten ihre Früchte an uns, wir erzählten ihnen Neuigkeiten, kurz wir lebten wie in ber Garnison. Es tarn aber roieber anbers. Eines Nachts fanb die Runde einen Wachtposten mit durchgeschnittenem Hals auf. Na, er hatte eben Pech gehabt. Solche Vorfälle sind ja hier

trotzdem schrieb der Arzt:no.i malade" (nicht krank). Es war ja auch kein Wunder, denn selten hat wohl ein Regiment einen so tüchtigenmebicin chef" gehabt wie bas 1., ber oft hunbertfünfzig Kranke in einer Stunbe untersucht unbkuriert" hat.

la compagnie! garbe i vouz". DerAdjutant" (Feldwebel) kam. Das größte Ekel der Kompagnie. Kaum vernahm er ben Bericht über Kuhn, ba schrie er schon: allons, au bureau be femaine". Wirb ber Felbwe- b e l gefürchtet, bann haßt man bas Büro ber Woche, kein Soldat geht hier ohne Strafe heraus. So auch Kuhn. Mühselig wankt er hinauf. Oben angekommen, stellt er sich wie jeder andere Legionär an die Wand und zwar so, daß Stirn und Schuhspitze dieselbe berühren. In dieser Stellung ist zu verharren, bis derAdjutant" den Mann heranruft und ihn bann verhört. Kuhn bekam bei biefer Untersuchung" fünfzehn Tage Prison. Wickelgama­schen, Halsbinbe werben abgegeben, bie Schuhe gegen ganz schlechtes Fußzeug vertauscht unb nun kommen vier Mann von der Wache mit aufgepflanztem Bajonett, es geht über den Kasernenhof am Kino vorbei ins Loch.

Dasprison mititaire" besteht aus zwei Flügeln, je ein Stock hoch, mit etwa fünfzig Zellen. Die beiden andern Seiten werden durch ein Kino und eine Mauer begrenzt. Leider reichen diese Zellen nicht aus, da im Durchschnitt mit hundertsechzig Bestraften gerechnet wer­den muß. Darum benutzt man auch die Keller unter ber Kaserne zur Unterbringung berprifonniers". Hier erst offenbart sich bie ganze Brutalität ber mittelalter- lichen französischen Militärjustiz. Es finb bies Keller, in bie nie bas Licht ber Sonne scheint, Keller, die so tief in ber Erbe finb, baß kein Schrei ber mihhanbelten jungen Rekruten an bie Oberfläche bringt, Keller, aus denen eine Luft, ein Dunst strömt, daß einem der Atem stockt.

Morgens um 6 Uhr wirbreveille" geblasen. Jeber Bestrafte legt seine Decke, bie oft nicht größer ist als ein gutes Handtuch, zusammen unb kommt dann zähne-

Kleine Wunderwerke der Natur. Schnee aus blauem Himmel. Der Sechseck als «rnndlage der Schneekristalle. Die entstehen

die Eisblumen?

Don Albert Heinrich H ä h n e L

j)er Winter naht. Bald wirb wahrscheinlich eine Ejße Decke Feld und Flur verhüllen. Gleich kleinen Schmetterlingen, denen fiej)äufig auch an Größe nicht Ehstehen, flattern die Mcken zur Erbe. Jebe ein- «Ine besteht aus zahlreichen Schneekristallen, besser ge- fj. Kristallskeletten, unb daneben meist aus einem erheblichen Teil Wasser, vor allem bann, wenn zur Zeit 6eg Schneefalls bas Thermometer wenige Grab unter flull zeigt. Das Wasser beny^t, baß zur Freude ber Heinen unb großen Kinber bief weiße Masse gut .chackt", -ch leicht zum Schneeball formen läßt. Je niedriger aber bie Temperatur ist, desto trockener, pulveriger zeigt sich der Schnee, desto kleiner sind infolgebeffen auch die Flocken.

Am stärksten ausgeprägt sehen wir bies beim foge- nannten Polarschnee der bei Temperaturen von mehr chz zehn Grad unter Null unb in unseren Breiten allerdings eine seltene Erscheinung aus wolkenlosem Himmel fällt. Polarschnee entsteht in trockenen Luft­schichten, deren Wasserdampf gerabe zur Bilbung der Schneekristalle ausreicht, bie bei ihm, natürlich unter bem Mikroskop, besonders schön unb deutlich zum Ausdruck kommen. Er ist wegen seines Mangels an Feuchtigkeit weißer als gewöhnlicher Schnee und glitzert auch stärker als dieser. Im übrigen unterscheiden sich beide Arten im Wesen nicht von einander.

Sämtliche Schneekristalle verwenden zu ihrem Auf­bau das Sechseck, das auch in den bei stärkerem Frost untere Fensterscheiben zierenden Eisblumen zur Geltung kommt. Letztere bilden sich, wenn bei niedriger Außen­temperatur das Zimmer Wasserdampf enthält. Die ei­genartige, an Farnblätter oder Federn erinnernde Form dieser Eisblumen beruht auf der Ne-mma des Walsers, stets im hexagonalen System zu kristallisieren. Der in diesem System vorherrschende Winkel von 60 Grad fin­det fich, wie ein Blick auf ein gefrorenes Fenster geigt, auch in allen Eisblumen.

Wie entsteht nun dieser kalte Schmuck? Zunächst bil­det sich ein sechseckiger Kristall, gleich daneben ein zwei­ter, ein dritter, zehnter, Hunderter. Und zwar zunächst immer unmittelbar auf der Glasscheibe unb in ber glei­chen Richtung, beim aus geheimnisvollen Grünben fin­det dieser Zuwachs hauptsächlich in ber Längsrichtung statt. So entsteht eine Eisnabel, gewissermaßen als fjauptnero bes im Aufbau begriffenen Blattes Wäre die Glasscheibe völlig glatt, fo würbe sich biefer Nerv ständig verlängern. Aber sie ist uneben. Staubteilchen Fettfleckchen finden fich auf ihr; an einer Stelle ist die Wasserschicht ein wenig stärker als an einer anderen. Daher bilden sich die Kristalle nicht immer in der Rich­tung bes Hauptnervs, fonbern weichen hier und da von ihm ab Aber nie anders als unter bem Winkel von 60". Eo entstehen bie ersten Seitennerven, von denen aus den gleichen Gründen nur immer unter dem genannten Winkel wieder neue abzweigen.

Doch aus der Zimmerlust schlägt sich neuer Wasser- bampf auf den im Entstehen begriffenen Eisblumen unb Mischen deren Haupt- und Seitennerven nieder. Don neuem beginnt ber Kristallifationsprozeß. Ein weiteres Blatt, durch die schon vorhandenen im Wachstum be­schränkt, sucht sich zu bilden. Don rechts unb links kom­men andere Blätter hinzu, die gegen einander oder ge- 8cn früher entstandene stoßen. Vereinzelte Stellen der Scheibe, die zufällig trocken waren, bleiben auch ganz von Eisbildung frei. So erklären sich bie seltsamen Ge- ®e, bie uns am Morgen erzählen, daß während ber das Thermometer wieder erheblich unter den Null- gesunken ist. Der regelmäßige Ausbau läßt sich aus

Botschaft."

Da strömten sie jubelnb hinaus. Und draußen schal» meite es über Hänge unb Hügel:Wenn ber Herr die (Befangenen Sions zurückführt, ba werben wir sein wie selig Iräumenbe. Da wirb unser Munb voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Der Herr t- Großes an uns getan; wir sind wieder frei! Frei!"

Trotz aller Warnungen von berufener Seite lasten sich auch heute noch Jahr für Jahr zahlreiche junge Deutsche verleiten, in bie berüchtigte franzö­sische Fremdenlegion einzutreten. Die meisten von denen, die sich dazu hergeben, unter der heißen Tropensonne Afrikas als Söldner für Frankreichs Interesse zu fechten, sehen die Heimt niemals wie­der ober kehren gebrochen an Körper unb Seele aus ber Frembe zurück. Wie es in Wirklichkeit in dieser Einrichtung eines französischen Kolonial-Im- Perialismus aussieht, bas zeigt nachstehenbe bra- stische Schilberung eines jungen Deutschen, ber kürzlich aus ber Legion entlassen mürbe. Sie wirb bet bem einen ober andern etwa vorhandene Frem- denlegionärs-Romantik gründlich zerstören.

Die Schrift!.

Prison in Sidibel-Abbes.

Die Rekrutenkompagnie genannt C. I. II. war im asernenhof abgetreten. Rapport. Im Viereck wa- N die Züge aufmarschiert, lautlos horchte alles auf ben J -tbabenben Sergeanten. Die Kompagniebesehle rour- 6rhi öerlcIcn Vnefe aus der Heimat verteilt unb zum djlufj machte ber Sergeant bas Ergebnis ber ärztlichen Versuchung bezüglich ber Kameraben bekannt, bie sich tont gemelbet hatten. Unter anberem:le legionäre be tuxteme daffe Kuhn' non malabe". Wie ber Blitz (Wen alle Köpfe vom (BroupementAnbolenko" herum ) bem Aermsten. Schon seit einigen Tagen litt er l °rt unter Dysenterie (einer Art Ruhr). Auf dem Exer- ttpigtz unb bei Uebungsmärschen fiel er hin wie ein n>u h Un& 65 dauerte oft Stunben, bis "er wieder munter toe. Essen konnte er nichts, trinken desto mehr, ob» jeder Tropfen Wasser Gift für ihn war. Fast ein kri*°n uns kannte dieses Leiden, das ja eine typische

Icheinung war, ehe wir uns an das heiße Klima ge= 9nt hatten. Den Kuhn hatte es ganz toll gepackt und