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Advent.

Don Hans G ä f g « n - Wiesbaden.

Zeit des Wartens, Zeit des Harrens! Kinderaugen werden licht.

Jede stille Abendstunde Wundersam' Geheimnis spricht.

Wunder, seit Urvätertagen Mann und Weib und Kind vertraut, Uns mit hellen Gottesblicken In die bange Seele schaut.

Was der Tag mit seinem Kummer Grau und todesmüd' gemacht, Wird erhellt vom frohen Hoffen Auf die heilig' — große Nacht.

Mit den Kindern wieder Kinder Werden wir und harren still. Wie sich Alltag und Bedrängnis Licht zur Weihnacht wandeln will ....

Allerlei Sehnsucht.

Don C. I a g f e l d.

„Ich möchte so gerne so hübsch und fesch sein, wie die "dies. ' Wie fängt sie es nur an. Sie hat doch nicht monatliches Toilettenbudget als ich?" So raunt in vielen Frauenherzen. Wir Frauen sind wie die der. Das Schöne, das unsere Augen sehen, weckt „„ere Sehnsucht. Wenige Frauen mögen die Sehnsucht dv Habenwollens nicht kennen. Die Ausnahmen, die Neffen unter den Frauen, sind immer selten. Sie üben Ht Kunst der Selbstbeherrschung, oder sparen aus Lei- tvischast. Ja, es gibt Heldinnen des Entsagens.

Furchtbar schwer ist es, an den hübschen Dingen tag- Ich Vorbeigehen zu müssen, die man so gerne haben möchte. Und ist es nicht alles wie ein Magnet, der an

uns zieht, wie ein sommerlich Bild, das uns hinauslockt, die Reklame, das farbige Licht, das Flimmern von Far­ben? Ueberall Selbstschüsse und Fußangeln für das arme Frauenherz.

Meist sind es die modischen Dinge, die die größte Versuchung sind. Das lispelt und raunt, das flüstert und schmeichelt. Und die Freundin, von der man doch ganz bestimmt weiß, daß sie nicht mehr Geld hat als man selbst, ist doch immer so schick. Wie fängt Sie es an?

Schauen wir uns diese bestimmte Freundin einmal an. Wenn sie heute in ihren grauen Mantel ein neues Futter einnäht, dann wird sie bestimmt von demselben Stoff auch ein Nachmittagsfähnchen scheidern. Das Wollkleid zum Vormittag macht sie wieder nett.

Kleinigkeiten sind es. und wir haben Sehnsucht? Die Mode von heute, die Mode des guten Geschmacks, ver­langt Harmonie der Farben in Kleid, Hut, Schuh, Hand­schuh und Handtasche. Die Harmonie machts. Sie ver­langt gar nicht Unbedingt eine gespickte Börse.

Schauen wir uns die reizenden Kleinigkeiten an. Las­sen wir unsere Sehnsucht spielen. Schlafen wir dann eine Nacht und zählen wir unsere Börse. Es gibt Nadel und Zwirn, Maschine und Faden ... Es gibt . . .

Das wissen wir alles selbst. Wozu einen braunen Hut kaufen, wenn das passende Kleid dazu fehlt? So ist es doch mit allem.

Auch die Wohnung verlangt Harmonie. Ich kenne eine kluge Frau, die sonst nur das Beste, Solideste für ihren Haushalt anfchaffte. Sie meinte, Kleinigkeiten seien vom Uebel und kaufte eines Tages eine Fleisch­maschine, in die eine Portion für zwei Personen wohl hineinging, aber nicht wieder herauskam, so groß war sie. Das war disharmonisch. Man kann die Sehnsucht auch Überspannen und Dinge kaufen, die ihren Zweck gar nicht erfüllen. Wer aber mit dem Kopfe seine Sehnsucht meistert, der kommt immer aus und ist immer hübsch gekleidet und läßt die anderen fragen: „Wie kommt es nur, daß sie so hübsch und fesch ist und hat doch nicht mehr Geld, als ich habe?"

validenrentenkaffe beschlossen. Diese Versiche­rung besteht nun zwei Jahre. Sie ist eine Einrichtung des Verbandes und erfreut sich des größten Interesses der Verbandsmitglieder. Das Thema „Sorge der Hausgehilfin für ihre Zukunft" (Ref. Stadtkaplan Gmeiner, Freising) belehrte eingehend über die derzeitigen Verhältnisse auf dem Gebiete der allge­meinen Wirtschaft, über die verschiedenen Versorgungs­möglichkeiten der Hausgehilfinnen und stellte sehr klar die Vorteile unti Sicherheit heraus, die unsere Renten­kasse ihren Mitgliedern bietet.

Der lebhafte Meinungsaustausch zeigte, wie die Sorge um die Zukunft alle tief bewegt, wie man auch im Kreise der Hausgehilfinnen daraus bedacht ist, sich und seine Berufsschwestern vor der Not zu schützen, die das Alter oder Arbeitsunfähigkeit bringen könnte.

An die Beratungen des Verbandstages schloß sich die Generalversammlung der Alters- und Invaliden-Rentenkasse an. Der Geschäftsbe­richt gab Aufschluß über die Mitgliederzahl und den Stand der Kasse, der als durchaus günstig zu bezeichnen ist. Die Versicherung wird, so hoffen wir, bald überall Eingang finden und sich sicher einmal als eine segens­reiche Einrichtung unseres Verbandes erweisen.

In der Schlußzusammenfassung wies der Leiter der Tagung, H. H. Professor Dr. Susen (Köln), noch ein­mal eindrucksvoll darauf hin, welch wichtige, lebens- und zukunftsgestaltende Fragen für den dienenden Stand behandelt wurden, denen aber auch unser ganzes Inte­resse und einmütiges Zusammenarbeiten zu widmen sei, um überall durchgreifend zu helfen.

Die Tagung hat mit einer aus der engen Verbunden­heit mit dem Stand der Hausgehilfinnen gewonnenen Sachkenntnis allen Mitarbeitern gezeigt, wie wir mit unserem starken Einfluß gegenüber Behörden und Oef- fentlichkeit, vor allem aber in der Durchführung einer umfassenden Vereinsarbeit, am besten und sichersten die Hebung und Besierstellung des Hausgehilfinnenstandes herbeiführen können. Wir wollen das Unserige tun, Arbeit und Gottes Segen werden uns den Erfolg brin­gen. Sl. R.

Volkshochschulkurs für Laudmädcheu.

Der Katholische Deutsche Frauenbund veranstaltet vom 12. Januar — 10. März 1931 in feinem Heim, dem Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf-Rhein, mit Unterstützung des Preuß. Landwirtschaftsministers sowie des Preuß. Wohlfahrtsministeriums einen Volks- Hochschulkursus für Lehrmädchen. Der Kur­sus bietet Gelegenheit zur Weiterbildung für die land­wirtschaftliche Arbeit in Haus, Garten und in der Kleintierzucht.

Die praktische Arbeit erstreckt sich auf Kochen, Backen, Haus- und Gartenarbeit. Außerdem wird auf Herstellung von Wäschestücken und einfachen Kleidern großer Wert gelegt. Häusliche Krankenpflege wird in praktischen Hebungen und in theoretischen Stunden ge­übt. — Die praktische Arbeit wird durch theoreti­schen Unterricht in Ernährungslehre, in verschie­denen landwirtschaftlichen Fächern, in Volkswirtschaft, ländlicher Buchführung, Geschichte und Staatsbürger­kunde ergänzt. In besonderen Arbeitskreisen werden Fragen des ländlichen Berufsstandes, der Familien- und Heimatpflege besprochen. Jugendfrische Geselligkeit wird die Kursteilnehmerinnen zu frohen Stunden vereinen und sie deutsches Volksgut in Schrifttum und Volkslied kennen lehren.

Um die Teilnahme am Kursus zu erleichtern, ist der Preis möglichst niedrig gehalten. In besonders dring-, lichen Fällen können außerdem Beihilfen gegeben werden. Näheres enthält der Prospekt des Kursus, der auf Anfrage gern zugesandt wird.

Anmeldungen, denen ein selbstgeschriebener Le­benslauf beigelegt werden muß, sind baldigst zu richten an die Leitung des Volksschulkursus: Anna Vogt, Bendorf-Rhein, Hedwig-Dransfeld-Haus.

As der kalh. Hausgehilfinnen-Bewegung

In Wiesbaden hielt der „Verband katho­lischer Hausgehilfinnen- und Hausange- ileiitenoereine in Deutschland" (Sitz Mün­chen) vom 19. bis 21. Oktober d. Js. seinen Verbands- tag ab. -

Dem erstatteten Bericht zufolge zählt der Verband 191 Vereine mit 16 7 9 2 Mitgliedern. In .ien Vereinen wird ernste Arbeit geleistet durch Vor­träge religiösen, allgemeinbildenden und berufsbilden­den Inhalts. Ein wichtiges Aufgabengebiet der Ver­eine ift die berufliche Weiterbildung der Mitglieder. Die- cm Zweck dienen die verschiedenen Hauswirt- chnftlichen Kurse, die je nach Bedarf und Mög- chkeit abgehalten wurden. Zum Beispiel wurden im egten Berichtsjahre abgehalten: Näh-, Flick- und Zu- hneidekurse 148 mit 2446 Teilnehmerinnen, Servier­te 39 mit 1168 Teilnehmerinnen, Kochkurse 32 mit 444, läuglings- und Krankenpflegekurse 20 mit 197, Bügel­te 14 mit 234 Teilnehmerinnen. Auch Kurse in Stenographie, Brief-, und Rechtschreiben, Buchführung NÄ Rechnen, Anstandskurse und soziale Kurse wurden zehalten. In allen Vereinen ist das Verbandsorgan Hous und Herd" obligatorisch eingeführt.

Der Verbandstag befaßt sich jeweils mit wichtigen oeitfragen. Als religiös orientierte Standes- und Be- rufiorganifafion sehen wir in der Religion die stärkste Antriebskraft für die Gestaltung der Berufspersönlichkeit "Ä die Entfaltung ihrer besten Fraueneigenart. Das ach>rechende Thema des diesjährigen Verbandstages, "5 lcinfte Saiten anschlug und mitschwingen ließ, lau« *«: „(Religion und Beruf" (Ref. Dr. Schuldis, greiburg). — Nach unserer Auffassung mutz die durch

starke religiöse Bindung veredelte Berufspersönlichkeit auch das rechte Berufsethos in sich zur Auswirkung bringen, berufstreu und berusstüchtig {ein. Nur dann wird sie sich die erwünschte Vertrauensstellung sichern und in der Ausübung ihres Berufes Befriedigung fin­den. Die hier einschlägigen Gedanken wurden behandelt in dem Thema: „Der soziale, wirtschaftliche und berufliche Aufstieg der Hausgehil- f i n" (Refr. A. Nieder, München). — Gegenwärtig stehen die wirtschaftliche Not, Notverordnungen und -gesetze so­wie Arbeits- und Stellenlosigkeit im Vordergrund des Interesses. Von der Stellenlosigkeit sind die Hausgehil­finnen in ganz erheblichem Maße betroffen. Die große Not und die Schwierigkeiien, die sich ergeben, und die Notwendigkeit, sich um das Schicksal stellenloser Haus­angestellten, die meist keine Familie am Platze haben, wo sie Unterkunft finden, zu kümmern, wurde in dem Referat: „Arbeitslosigkeit und Stellenver­mittlung" (Ref. Dr. Ernst, München), gezeigt. Den karitativen Stellenvermitllungen mit ihren Heimen er­wachsen hier noch größere Aufgaben als in der Ver­gangenheit. Aber, Gott sei Dank, arbeitsfreudige Helfer gibt es hier ganze Scharen, das bewies die Anwesenheit so vieler Ehrw. Klosterfrauen, die sich nicht zuletzt ge­rade für diese Frage interessierten. — Eine weitere Sorge, die uns bedrückt, ist, daß so viele unserer braven Hausgehilfinnen, die nicht Heim, Familie und Heimat ha­ben, im Alter oft in eine große Notlage kommen. Auf früheren Derbandstagen haben wir uns mit dieser Fraget schon befaßt. Neben der Anregung zum allgemeinen Sparen, zum Ausbau und der Schaffung von Heimen wurde die Gründung einer Alters- und In­

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Beilage zur Fuldaer Zeitung

28. November

Das amerikanische Haussrauen-Zdeal

in zehn Geboten.

Von C a ft a g n o I a.

In Amerika scheint die Entgötterung der Frau sich vorzubereiten, da der Mann die höchsten Ansprüche an Hausfraulichkeit zu stellen beginnt. Wenigstens veran­staltete die Columbia-Universität in 11. S. A. eine Rund­frage, deren Ergebnis eigenartige Schlüffe zuläßt.

Die Frage lautete: Welche Frau genügt als Idealgestalt den Forderungen des Man­nes?

Aus einer Ueberfülle von Material sichteten und sam­melten die Psychologen folgende zehn Gebote des arneri- konischen Hausfrauen-Jdeals.

1. Die ideale Frau fei vor allem Mutter! Wenn sie kein leibliches Kind besitzt, soll sie eines adop­tieren.

2. Sie soll ihr Heim als irdisches Paradies geftarten. 3 Sie soll altmodisch genug sein, persönlich kochen.

4. Sie soll modern genug fein, um eine erfahrene Finanzkraft und eine gewiegte Diplomatin zu er­setzen.

5. Jeden Geburtstag mutz sie als Familienfest auf­zuziehen verstehen.

6. Sie soll die gesamte Kleidung und Wäsche nicht nur persönlich ausbessern, sondern auch reinigen, bügeln und instandsetzen können.

7. Sie muß gesund fein, sparsam und froh. Soll ein Lebenskünstler {ein, der weder seufzt, noch klagt und stöhnt!

8. Sie sei friedfertig. Nicht klatschsüchtig noch eifer­süchtig.

9. Vor allem sei sie häuslich. Unbedingt erforder­lich sind ihre Talente für Kochkunst, Ernährungs­lehre, Krankenpflege, Blumenzucht und weibliche Handarbeiten.

10. Ihre Arbeitskraft gehöre dem Haushalt und den Kindern, ihre freie Zeit dem Gatten. Endlich be­sitze sie genug Kultur und guten Geschmack um sich und ihre Familie dezent, vornehm, aber billig zu kleiden.

Alles in Allem: Ein fehlerloses Idol, das weder Sport treiben, noch musikalisch sein muß! Und beson­ders eines nicht fein darf: Nämlich ein Egoist.

Die Frau in der Politik.

— Ein weiblicher Minister von erst 24 Jahren. Miß Alice Leo Grosjean, 24 Jahre alt, wurde in dem ameri­kanischen Staate Louisiana zum Staatssekretär ernannt. Es ist das erste Mal, daß in diesem Staate ein so hoher Posten einer'Frau übertragen wurde. Miß Grosjean wird ein Gehalt von rund 20 000 Rm. beziehen.

Die Fran in der Küche.

Weißkohl mit Hammelfleisch auf Mecklenburger Art. 6 Personen 2% Stunden. 2% Pfund Hammelfleisch wird in kleine viereckige Stückchen gehauen, gewaschen und mit dem nötigen Salz 1 bis 1% Stunden gekocht. Unterdessen werden zwei nicht zu große Kohlköpfe von den äußeren Blättern und dem Strunk befreit, geviertelt, K Stunde in Wasser abgekocht und gut ausgedruckt. Dann belegt man den Boden des Topfes mit dünnen Speckscheiben, legt darauf eine Lage Kohl, die runde Seite nach unten,.darauf einige Stücke Fleisch,' überstreut mit etwas Salz, geschnittenen Zwiebeln, Kerbel, ge­stoßenem Pfeffer und wenig Nelken, schichtet wieder Kohl und Fleisch darauf und fährt so fort, bis Kohl den Schluß macht. Sodann füllt man die Hammelfleisch- brühe darüber und läßt 1 Sekunde kurz einkochen. Beim Anrichten kräftigt man den Geschmack mit einigen Trop­fen Maggi-Würze und reicht auf einer runden, tiefen Schüssel zu Tisch.

Tages Arbeit - abends Gäste

Sie end Ihre Gäste

wollen andern Tages für die Arbeit wieder frisch sein. Darum als Familiengetränk wie für Abend- gesellschaften den vorzüglichen, niemals Schlafstörungen verursachenden, völlig unschädlichen

KAFFEE HAG

Maria Theresia.

3*® 150. Gedenktag des Heimganges der großen Kaiserin am 29. November.

®on Karl Ioh. Grauer, cand. theol., Fulda

wenig positiven Sinn und fördernde Kraft eine wge, resigniert-bedauernde Rückschau auf die „gute ffi” enthält, so notwendig und nutzbringend ist die £ Geltendmachung der Vergangenheitskenntnis und 2“n9 für Gegenwart und Zukunft. Je unbefange- ’f den oft engen und wirren Pfaden der Geschichte, ""em unserer eigenen ferneren und näheren Ver- inheit nachgehen, desto sicherer und objektiver wird t Urteü gegenüber den zeitgeschichtlichen Verhält- L Liif)rer zukünftigen Gestaltung werden. Wir

°ft zu sehr als Politiker Geschichte, suchen sie 8 apologetisch auszuwerten, ehe wir uns selbst ?rer ganzen Bedeutung, von ihrer unmittelbaren ”8 auf unsere eigene Zeit völlig belehren ließen. J®. Umfassung des ganzen, oft so gewaltigen kul- Nv geistesgeschichtlichen Zusammenhangs müssen 2 notwendig jeweils das staatsgeschichtliche Bild Döir tten' tlQrc Sicht für die nie aus dem gan- _ *8 herauszulösenden Einzelheiten zu gewinnen « i k diesem Wege werden wir freilich immer di« °er an ftch erfreulichen Feststellung gelangen, lieh 9ro$en allgemeinen, so vielfach bedingten und r ret^tfi9 entwickelten Zusammenhänge und Er- . etztlich wieder auf Einzelne, auf Persönlichkeiten

Um der historischen Persönlichkeit als sok- ; QUf .3U "»erden, müssen wir darum unser Augen- hist i psychologisch-biographische Einzelzüge wie auf

-^"etischen Gesamtheiten richten. Von die- n9 aus, in der wir objektive Schau mit sub- nsDoUer (schließlich auch einmal begeifterungs- 6 wpfanglichkeit verbinden, wird sich uns die g* Persönlichkeit aus ihrer Zeit Hexans plastisch n,„Un° uns dabei auch menschlich-zeitlich nähe­rn vermögen.

® enfo synthetisch wie analytisch arbeitende Ver- . ® wohl jede ausreichende historische Arbeit I nt*C^en wird, ist nun für das rechte Der-

"d die volle Würdigung der genialen Per­

sönlichkeit Maria Theresias besonders unerläßlich. Denn wir sehen und bewerten in Maria Theresia Regentin und Frau, Fürstin und Mutter zugleich. Sie ist nicht die einzige regierende Frau ihrer Zeit, die damals an führender Stelle in Europa stand. Wir brauchen nur auf Rußland zu verweisen, wo fast nacheinander vier Frauen die vielumkämpfte Krone der unglücklichen Ro­manows trugen, wir sehen, wie in den Nordstaaten die Regierung zeitweilig ausschließlich von den politisch ebenso ehrgeizigen wie gewissenlosen königlichen Frauen maßgebend bestimmt wird. Und streifen mit einem Blick den durch das „Gouvernement des cotillons" entwürdig­ten Thron der Bourbonen in Frankreich des sterbenden ancien regime. Sicher, Maria Theresia war nicht die einzige regierende Frau im Europa des 18. Jahrhun­derts, wir dürfen aber ruhig sagen, daß sie unter den anderen die einzige Fürstin war, die einzige, mit der die übrigen Mächte, die damals die europäischen Ge­schicke bestimmten, im Ernst zu rechnen hatten; vielleicht daß ihr darin die deutsch-russische Katharina II. noch am nächsten kommt. Groß und eigen war schon ihre Berufung: man spricht zu ihrer Zeit und noch zu Sei­ten Leopolds oder Franz II. vom „Hause Habsburg", wir sprechen heute noch von ihm. Und doch war das alte Haus Habsburg mit dem Tode Karls VI. streng genommen erledigt, die spätere dynastisch-genealoge Be­zeichnung „Habsburg-Lothringen" läßt sich ja erft feit der „Einheirat" Franz Stephans von Lothringen, eben des Gemahls der Kaisertochter und Universalerbin, recht- fertigen. Der weitere ideale und faktische Bestand des ältesten europäischen Herrscherhauses ist eben der Be­deutung jener großen Persönlichkeit zu danken, die auf Grund der bekannten „pragmatischen Sanktion" von 1713 am 20. Oktober 1740 das Erbe ihrer Väter über­nahm, freilich ein bürdenschweres und bald heißumstrit- tenes Erbe. Maria Theresia hat es behauptet und be­wahrt. Nicht so sehr unter Berufung auf den von ihrem Vater unter manchen Zugeständnissen und Opfern all­gemein zur Anerkennung gebrachten, in der Folgezeit aber doch gar oft wieder angefochtenen Erbvertrag, der auch einem weiblichen Nachkommen des letzten Habs­burger die Erfolge in den Kronländern und das An­recht auf die römisch-deutsche Kaiserkrone sichern sollte.

Sondern vielmehr hat sie als kluge Frau und Fürstin mit ebensoviel persönlichem Takt wie staatspolitischem Geschick in zähem Kampfe die Rechte ihrer Kronen zu halten und zu wahren gewußt. Zwei der angesehen­sten Reichsfürsten standen angriffsbereit an der Grenze der österreichischen Erbländer, als sich die Kapuziner- gruft über der Leiche Karls VI. noch nicht geschlossen — die Kurfürsten von Bayern und Brandenburg glaub­ten die Schwäche und Unerfahrenheit der jungen 23- jährigen Frau zugunsten ihrer Ansprüche ausnützen zu können. Karl Albrecht, der Wittelsbacher, gab vor, als angeheirateter Neffe des verstorbenen Kaisers der ein­zige und nächste Erbe der Reichskrone zu sein und ließ sich als Karl VII. zu Frankfurt krönen und huldigen. Und Friedrich II. von Brandenburg-Preußen machte feine alten Rechte auf Schlesien geltend, fiel vor erfolg­ter Kriegserklärung schon in Böhmen ein und motivierte später diesen „frisch-fröhlichen" ersten schlesischen Krieg in feiner selbstgefälligen Art: „Der Ehrgeiz, das In­teresse, der Wunsch, von mir reden zu machen, trugen es davon, und der Krieg war beschlossen." (Oeuvres, 3. Bd.).

Maria Theresia hat Schlesien, um das sie dreimal in einem im ganzen mehr als ein Jahrzehnt währenden Ringen mit Preußen focht, preisgeben müssen, schweren Herzens opferte sie dies ihr fo teuere Herzogtum, dessen Verlust sie nie ganz verwunden. Umso günstiger ver­lief der für sie nicht weniger gefahrvolle Erbfolgestreit mit Bayern; schon 1745 war das Interregnum Karls VII. erledigt, einsam und verlassen stirbt der Kaiser in den besten Jahren zu Nymphenburg. Damit war die allgemeine Anerkennung des lothringischen Großherzogs von Toskana, den feine Gemahlin am Tage ihres Regierungsantrittes zum Mittegenten in den Erblonden ernannt hatte, entschieden; in auserlesener Pracht fand noch im gleichen Jahre 1745 die Kaiser­krönung Franz I. Stephans zu Frankfurt statt. (Wenn Kaiser Franz I. in taktvoller Beobachtung der Sonder­stellung seiner Gemahlin neben Maria Theresia absicht­lich politisch nie in den Vordergrund trat, so ist doch zu betonen, daß er der Kaiserin in ihrem schweren Amte vielfach die wertvollsten Dienste geleistet. Besonders auf dem Gebiete der Finanzverwallung tat der Kaiser oft

recht mühsame, aber erfolgreiche Reformarbeit, dazu ist fein hohes Kunstverständnis und fein feinsinniger Sam­meleifer — eine habsburgische Familieneigenheit — all­gemein bekannt.) — Tief erfüllt von dem verantwor­tungsreichen Ernst der Aufgabe, zu der Gott sie berufen, stellte Maria Theresia ihren arbeits» und oft recht sor­genreichen Tag von Anfang an in den Dienst ihres wei­ten Reiches. Nachdem sie gar bald nicht allein im Aus­land, sondern auch in ihren so verschiedenartigen Kron­ländern, vor allem in Ungarn, bas schon damals am zähesten auf Wahrung feiner Sonderrechte beharrte, volle Anerkennung gefunden, ging sie mit festem Griff und sicherer, ja glücklicher Hand an die Erfüllung der ernsten Aufgaben, die ihr das Wohl und Wehe ihrer Länder stellte. Sie sah sich dabei von wirklich treuen und dabei im allgemeinen politisch hochbegabten Ratgebern umge­ben; während sie sich jederzeit letzte Entscheidung sou- oerain oorbehielt, hatte sie einige noch aus dem Kabinett ihres Vaters übernommen, die anderen hatte ihr men­schenkundiger Blick bald in ihre Nähe gezogen: so Kau­nitz und Sonnenfels, van Svieten und Laudon, dessen Dienste Friedrich II. ebenso abgewiesen, wie Lud­wig XIV. einst Eugen von Savoyen. Wahrhaft bewun­dernswert ist es, wie die Kaiserin auf alles einzelne in Verwaltung und Rechtspflege, in der Reform der Schu­len, des Militärs und des Beamtenstandes mit erfah­rungsreicher Umsicht und hoher Gewissenhaftigkeit be­stimmend einzuwirken wußte. Weder die liberalen Ideen eines Quesnay noch der öde Pragmatismus der damali­gen Pädagogik, sondern wahre Fürsorglichkeit haben Ma­ria Theresia veranlaßt, die ersten Schritte zur Hebung des Bauernstandes und damit zur späteren Beseitigung der Leibeigenschaft zu tun. lieber alles suchte sie sich zu orientieren, jedem einzelnen wünschte sie in persönlicher Anteilnahme in feinem oft recht geringfügigen Anliegen zu heften, und wenn sie einmal nicht auf einen der viel­fachen Anträge einzugehen vermochte, so wußte sie als Frau doch den Bittsteller die Absage erträglich, ihm den Verzicht leicht zu machen. Mit der bezaubernden An­mut, die im ganzen helläugigen Wesen und der wahrhaft fürstlichen Erscheinung der stolzen, blonden Frau lag, be­gegnete sie dem Minister und dem Hofinusikus, dem Ge- neral wie dem Taglöhner. Gerade diese reizvolle Macht