Einzelbild herunterladen
 

NILS

s

im Lazarett erschien

Superator erwartet ein hyperlukullisches

King of Great-Britain" auf dem und als sollte sein Besuch durch Mahl gefeiert werden. —

Nach Ablauf der Besuchsstunde

„Dem Manne, den ich haßte, verdanke ich mein Leben. Rufen Sie ihn bitte zu mir, daß ich ihm danken und meinen Verzicht auf Miß Tscherskasina erkläre."

Mac Kean hatte kaum die letzten Worte gehört, als er sich auch schon erhob.

„Gern, gern, Mister Harrison, ich hole ihn."

Aber Dimitri war nirgend zu finden, er war allen Dankesbezeugungen aus dem Wege gegangen und saß in seiner Apotheke, las die letzten Nummern des Su­perator Herold und zollte aufrichtige Bewunderung dem Kapitän, der, während die Seuche an Bord raste, und ihre Opfer forderte, nicht einen Augenblick die üblichen Gepflogenheiten auf dem Schiffe vernachlässigte. Täg­lich war die Schiffszeitung zum Diner erschienen und hatte die neuesten Begebenheiten aus aller Welt gebracht, soweit sie durch Funkspruch den Superator auf seiner rasenden Wettfahrt mit dem Tode erreicht hatten.

Mit Interesse, oder mehr noch, um Ablenkung zu finden, las Dimitri die Zeitungen durch, deren Lektüre er sich während seines schweren Dienstes nicht hatte wid­men können, er lächelte. Wer wußte, ob der Kapitän nicht heute abend ein Konzert von der Stewardkapelle geben ließ. Zuzutrauen war es ihm, er tat ja gern alles Mögliche, um seine Passagiere aufzuheitern.

Der Arzt hatte den Kapitän richtig eingeschätzt, die Köche und Konditoren mußten fieberhaft arbeiten, ein solennes Diner sollte den Fahrgästen heute noch geboten werden, überall tauchte Oliver Sidney auf, ordnete an und revidierte, es war ein Trubel in den Küchen, in der Bäckerei und in der Konditorei, als würde „The

Dimitri fühlte körperlich den Schmerz des Sehnens, der Begierde. Wilde Phantasien quollen in ihm auf, Pläne schmiedete er, verwegene Bilder malte er sich, ja, er wollte Vera an sich reißen, sein mußte sie werden, leben .genießen in vollen Zügen würde er, auskosten wie ein Verdürstender den Labetrunk Langentbehrtes.

„Wer aber zerreißt dies« Schwüre, In süßer Opfer­freudigkeit geknüpfte heilige Bande, wer verläßt als Frev­ler des Gesetzes heiligen Pfad. Nie wird ihm die Freude, die Ruhe der Erläuterung zuteil, das Glück, es wird ihn fliehen, die Last des Frevels wird ihn zerbrechen, so hat es verkündet der Sakyamuni, der die Erkenntnis fand unter dem Bodhibaum.

Entsetzt riß Dimitri Urgejowitsch die Augen auf. Hatte jemand nicht diese Worte laut gesprochen? War ein lebendes Wesen in dem finsteren Zimmer. Angstgefühl quälte den Mann, er griff nach dem Schalter — Licht flammte auf — niemand war im Zimmer, nur er allein. Hatte er nicht die Worte laut gehört? Camartha Botha? Oder hatte er selbst in der solange nicht mehr geübten Palisprache diese Worte ausgesprochen?

Wieder schlug langsam die Uhr, tief war der Ton, die dritte Stunde nach Mitternacht war vollendet. Und fast verzweifelt über seine Schlaflosigkeit, erhob sich Dimitri, kleidete sich oberflächlich an und ging nach dem Kranken­saal, um zu sehen, wie es dort um die Patienten stand. Lautlos ging er von einem Lager zum anderen, alles schlief, es war kein Toter unter ihnen. Jetzt stand er vor Vera, die unnatürliche Färbung war einer wächsernen Bleichheit gewichen und der Atem der Kranken ging, wenn auch beschleunigt, annähernd normal.

Dimitri blickte auf sie hinab, alles Weh durchraste ihn noch einmal, mit einem raschen Ruck wandte er sich ab und ging. Es mußte sein, denn nur Unglück würde ihm beschieden sein. Sollte er sie mit hineinreißen?

Am Morgen in aller Frühe kamen schon Passagiere zum Lazarett, die dort Angehörige liegen hatten, und wollten sich nach deren Schicksal erkundigen. Vor der Saaltür stand ein Doppelposten der Matrosenwache und ließ niemand ein. Dagegen prangte an der Wand ein großer Bogen Papier — ein Bulletin.

Bekanntgabe vom . . . morgens sechs Uhr.

Der Zustand der in diesem Saale liegenden Kranken ist im allgemeinen befriedigend. Es sind keine weiteren Todesfälle zu beklagen.

auch Dimitri wieder auf seinem Posten. Es war ihm gelungen, unbemerkt in den Saal zu gelangen, und er war froh darum, daß er den auf ihn im Gang warten­den Angehörigen seiner Patienten ein Schnippchen ge­schlagen hatte.

Aufmerksam untersuchte er seine Kranken, um fest- zustellen, ob der Besuch nicht geschadet habe, und kam zu Harrison, der ihn bereits erwartete.

„Endlich, Herr Doktor."

»Haben Sie Schmerzen?"

Diese Bekanntmachungen werden alle zwei Stunden mit dem jeweiligen Bestand erneuert, weitere Auskünfte können nicht erteilt werden.

Man bittet um die größte Ruhe und Schonung für die Genesenden, Besuche werden nicht zugelassen.

Genehmigt:

Der Kapitän: Oliver Sidney.

Gez. Der Arzt: Dimitri Urgejowitsch.

Man ging schweigend und beruhigt wieder fort, um nachher im Speisesaal beim Breakfast die glückliche Wen­dung gründlich zu besprechen. Dabei wurde auch erzählt, daß noch sechs Kranke wieder eingeliefert seien, doch schließlich vermute man nur leichte Fälle.

Im Laufe des Vormittags ging Dimitri durch den Saal, seine Patienten erholten sich langsam, der Arzt war glücklich, alle, die hier lagen, waren gerettet. Mit diesem oder jenem wechselte er ein paar freundliche Worte, an­dere schliefen fest oder lagen still unter ihrer Decke, sie waren noch zu sehr benommen oe<. dem durchkämpften Fieber. Kapitän Oliver Sidney kam, er drückte dem Arzt die Hände.

„Ich danke Ihnen, Herr Doktor, ich danke Ihnen. Und wenn alles gut geht, treffen wir heute in Portsmouth ein, eigentlich sollen wir erst morgen mittag dort sein, aber wir sind gefahren, was nur zu schaffen war. Jenkins avisiert schon unsere Ankunft und macht die Gesundheits­polizei von Gosport mobil. Es ist wegen der voraus­sichtlich vorzunehmenden Quarantäne.

„Nun, ich bin nicht böse über das endliche Eintreffen in Portsmouth, meinetwegen. Aber von anderem zu re­den ,die Besserung unserer Patienten macht solche Fort­schritte, daß wir heute noch nach dem Lunch eine Stunde Besuchszeit gestatten können."

„Gut, wenn Sie meinen, daß man das ohne Ge­fahr machen kann, so geben Sie es durch Anschlag be­kannt."

Die Angehörigen der Kranken waren dem Kapitän für die gewährte Besuchszeit dankbar und kamen. Manche ergreifende Wiedersehensszene spielte sich ab. Lord Hux- leigh und Lord Shrewsbury saßen bei Lady Gwendo- line und sagten ihr abwechselnd Zärtlichkeiten.

Zu Thomas Harrison waren Mac Kean und Week- land gekommen und waren voll des Lobes von Dimitris Tüchtigkeit. Harrison hörte sich alles schweigend mit an, er lächelte schmerzlich und sagte dann leise;

Das Vakkerienschiff.

Ein Roman in 7 Tagen.

P°n Hellmuth Quast-Peregrin.

(Schluß.)

hatte er doch ihretwegen Amerika verlassen. Wenn . b ^ücklich für ihn endete, dann betrat er in zwei la»

I $ englischen Boden und was dann?

V; ®er° mürbe ihn heute nicht mehr abweisen, wenn er Sein r intr-te un& f*e ausforderte, sein Weib zu werden.

E 8irfi' k Erde es nicht abschlagen, sie hatte ihm ihre | liz»E<z wiesen, dtt f° stark war, daß sie selbst das natür- F ben ht en- Dor der Seuche in ihr erstickt und sie getrie- ba-<> n ’ ’e*ne Gehilfin 3U werden. Und diesen wunder- f bwaht fetmut hEe Vera mit ihrer eigenen Erkrankung ? en müssen. Ob sie nun gerettet war?

H aee die Nacht erst vorüber, daß er in den Saal und sähe, Vera lebt, Vera ist gerettet.

« lebt — für wen? Für ihn? Dimitri zitterte.

B *n all den vergangenen Jahren seines Aufent- | eon ~,n Amerika die Erinnerung an seinem dem Guta B*nb e "^Eudor gegebenen Gelübde nicht verblaßt war e®tiübh 's gossen Umrissen danach gelebt, wenn er das Whorsan? °cr Keuschheit gehalten hatte, aus innerem Ge- E hn f®e®en ^0 Eid, dann stand heute alles das, was er ! erlebt, gelernt, versprochen und beschworen

furchtbarer Deutlichkeit vor ihm.

K htie ‘ne rOt,u6or3auber, den er oben im Gesellschafts- ifcattt ' uustaltet, in demselben Saale, in dem heute die Mein f-, „gen, dieser Zauber war für ihn nur ein Spiel, doch feit,1?'p 5 ®P*el um Ne Siebe Veras gewesen. Und Der 9*e nun eins «ns andere.

F ®iei)stm u?rnt des Bencham führte das Eingreifen des ■ihoies ih Camartha Botha nannte ihn Muni,

| Don Ehre als dem Schüler und Freund des Guta, [ tief Q[,er "dor, förderte das rettende Serum zu Tage, a?e Erinnerungen an die eingegangenen W^Sejntvitt^r-" *n «ach. Verzweifelt warf Dimitri Bemmen n« s out &’e andere Seite. Er wollte los- MAn, fiei rv" den quälenden Gedanken, er schloß die Au- I Uwchz e. ^'Nfternis umgab ihn. Aber aus der Schwärze Bjurbe unh?rQUl tB'e ein lichter Schein, nahm Gestalt an, ar,, ®ud)s und immer war es Vera, die seinem äu9e erschien.

Art

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Aber die

Cannebiere, auch in das Herz Marseilles.

steigt, um nach der Mettopole an der Seine verfrachtet zu werden, kommen diese Leute hier an, ziel- und herren­los. Sein Mensch erwartet sie. Gar mancher will wohl weiter, aber er kann es nicht, wie jene Araber, die man vor Monaten bald verhungert und verschmachtet aus des Schiffes tieffter Tiefe hob. Halb verhungert und verschmachtet bleibt hier gar mancher hängen, tagsüber ein Bettler der Cannebiere, den es des Nachts, wenn er Glück hatte, mit feinen armseligen Sous in die Spelun­ken des Vieux Port treibt.

Petronius, den sie zu Neros Zeiten den „arbiter eie« gantiarum" nannten, kam aus dieser Stadt. Sie hat im Laufe der Jahrtausende das Gesicht gewechselt, und nichts blieb ihr aus jener Zeit. Sie ist ganz modern geworden, noch moderner als vor dem Kriege, und keine andere am Mittelmeer hält mit ihr einen Vergleich aus Barcelona nicht und nicht Neapel, ebenfe wenig wie Genua, in denen der Ordnung Geist von Jahr zu Jahr allmächtiger wird.

Das Maul von Paris bleibt Emporium. Stapelplatz dreier Kontinente, zu denen sich nun auch noch Amerika als vierter gesellt. Was dem Weltherz an der Seine aus dem Süden des Planeten zustrebt, ob Hoch oder Nie­drig, Elite oder Abschaum, Geld zu verdienen oder zu verschwenden, mit welchem Mittel es auch sei, trifft sich hier.

Noch immer kampieren Hunderte von Russen, die der Oktobersturm des Jahres 1917 bis an diese Küste fegte, dicht bei dem Bahnhof St. Charles in Baracken, deren Inneres Dachpappe kläglich vor Wind und Wetter schützt Sie vegetieren vom Bettel, mitten in Marseille. Bis Paris hat es nicht mehr gelangt. Es sind wahrhaftig die Erstbesten nicht. Hochadelige befinden sich darunter, zaristische Offiziere, deren mancher sich nach einer Stelle als Aufwäscher sehnt.

Der Krieg und seine Folgen! Er griff auch in die

leren, Venus, Erde, Mars mit den Planetoiden, darauf der größte, Jupiter. Und dann nimmt die Größe mit Saturn, Uran, Neptun und dem füngftentdeckten neunten Planeten wieder ab. Wie eine Doppelpyramide, deren beide Grundflächen im Jupiter zusammenfallen, mutet diese Planetenkonstellation an, — wohlgeeignet für die Schlußfolgerung, daß die fonnenfernften Planeten die Ueberbleibfel der bei der Annäherung zunächst entzoge­nen kleinen Sonnenmassen sind, Saturn und Jupiter die Reste der im Höhepunkt der Annäherung entström-

Stadt selbst sicht das zunächst wenig an, obwohl sie schon heute durch diesen unerhörten Zustrom von Men­schen, mit denen sie doch nichts Rechtes anzufangen weiß, anschwillt wie ein an Wassersucht Erkrankter. Sie fchwillt und schwillt. Die neuen Naturalisationsbestim­mungen haben hier die Wirkung eines mit Eiern vollge­pfropften Brutofens, dessen Wärme Kükenschar auf KÜ- kenschar entflattert. Neue Franzosen ... aus dem Blut aller Welt vermischt. Tag und Nacht, Nacht und Tag wirken schöpferisch. Ein Konglomerat von Mischlingen, deren sich Mexiko, Peru und Chile nicht zu schämen hät­ten, da sich in den Adern nicht weniger das Blut der vier Kontinente mengt.

Das Maul von Paris wächst und wächst. Gleich der Ware, die endlos dem tiefen Bauch des Dampfers ent-

der Sonne steht der Dann folgen die mitt-

verhältnis. Zunächst kleinste Planet, Merkur.

teilt wäre, so hätten diese mehr Aussicht, einander zu begegnen als zwei Himmelskörper im Weltenraum. Es fehlt uns jede Zahl, um die Unwahrschein­lichkeit einer solchen Begegnung auszu­drücken.

Aber man darf nicht allein von einem Zusammen- 'stoß sprechen. Schon die Annäherung zweier Welt­körper hätte ja schicksalsschwere Folgen. Die Schwer­kräfte würden gestört werden, die Weltkörper würden, auch wenn die Entfernung so groß bleibt, daß die gegen­seitige Anziehung nicht die Kraft der Eigenbewegung aufheben kann, „aufgebrochen" werden, Teile von ihnen würden sich der anderen Welt entgegenstrecken, riesige Protuberanzen würden sich bilden, der Weltkörper würde aussehen, als ob ihm nach dem anderen Weltkörper hin eine riesige Pyramide aufgesetzt wäre, ja, er würde je nach dem Grade der Annäherung große Massen verlie­ren, die in dem Raum zwischen den beiden Gesttrnen schwingen würden. Wenn sich die beiden Gestirne bann wieder voneinander entfernen, würden die Emanationen schwächer werden und schließlich aufhören, die Verbin­dung zwischen den ausgeschleuderten Teilen würde zer­reißen, und diese würden hinfort als Trabanten um ihre Sonne kreisen.

Wer erkennt in dem eben geschilderten Vorgang nicht deutlich das Bild der möglichen Entstehung eines Planetensystems? Tatsächlich besteht denn auch eine Hypothese, die auf diese Weise unser Pla­netensystem erklären will. Besonders die englischen Astronomen Eddington und Jeans haben sich um den Ausbau dieser Hypothese bemüht. Ein starkes Ar­gument dafür erhalten wir, wenn wir uns die Planeten unseres Sonnensystems in einer Reihe neben der Sonne aufgestellt denken, und zwar im richtigen Größen-

Der Sand am Meere und die Sterne am Himmel sind uns der Ausdruck einer unendlichen Zahl. Mit wie großem Recht, das hat uns bezüglich der Sterne erst die photographische Platte gelehrt. Mit bloßem Auge kann man in klaren Nächten bis zu 5900,Sterne erken­nen. Mit einem kleineren Fernrohr bringt man es bis auf eine halbe, mit einem größeren bis auf eine ganze Million. Die modernen großen Teleskope machen eine noch größere Zahl sichtbar. Sie am Himmel zu zählen, ist jedoch nicht möglich, da sich ungeheure Ziffern ergeben würden. Da hat man nun die photographische Platte zu Hilfe genommen und die einzelnen Teile des Himmeis photographiert. Danach glaubte man zunächst etwa eine Milliarde Sterne feststellen zu können. Ein verbessertes Verfahren ergab schon bald darauf drei bis vier Milliar­den, und eine letzte Schätzung, die mit Hilfe eines Appa­rates vorgenommen wurde, der Sterne bis zur 21. Grö­ßenklasse photographiert, ist sogar auf 30 Milliarden ge­kommen. Natürlich ist auch diese Zahl keine endgülttge. Nicht nur sind die Sterne niedrigerer Größenklassen un­berücksichtigt geblieben, sondern auch die sogenannten Weltnebel, die ja auch nichts anderes als ferne Sternen­welten darstellen, die aber selbst im stärksten Teleskop nicht anders als Nebel erscheinen und sicb nicht in ein­zelne Gestirne auflösen. Die Sterne der Milchstraße da­gegen, die schon in kleineren Fernrohren als Zusammen­ballung von Sternen erkennbar ist, sind in der Schätzung einbegriffen.

Sollte bei dieser ungeheuren Zahl von Sternen nun jeder einzelne Stern so fern von allen anderen feine Bahn ziehen, daß eine kosmische Beeinflussung, ein Zu­sammenstoß ober wenigstens eine Annäherung ganz au­ßer dem Bereich der Möglichkeit läge?

Wir müssen zu der großen Zahl der Sterne d i e Größe des Weltalls in Beziehung setzen. Der uns nächste Fixstern Alpha Centauri, ist von uns 285000 mal so weit entfernt wie die Sonne. Das Licht, weiches in der Sekunde etwa 300 000 Kilometer zurücklegt, braucht fast viereinhalb Jahre, um zu uns zu gelangen. Dcfiwt ist Wes noch nicht einmal die dmchfchMtliche Ent­fernung der Sterne voneinander, sondern diese brtränt sogar sechs Lichtjahre Mit diesen ungeheuren Entfer­nungen der Himmelskörper müssen wir nun deren ver­hältnismäßig geringe Massen vergleichen. Wenn in der hohl gedachten Erdkugel, deren Durchmesser bekanntlich 12 756 Kilometer beträgt ein Dutzend Tennisbälle ver-

Was uns die Sterne sagen.

Vellenlstehung nach der Zeansschen Hypothese. — Ein rechnerisch nicht zu bewältigender „Zufall" Veiluvkergavg durch kosmische KrSfke? — Weltanschauliche Folgerungen.

Von Dr. Hermann S ch u ch e r t.

23. November.

ten großen Massen, und die sonnennahen Planeten end­lich die bei wieder wachsender Entfernung noch herausge- schleuderten kleineren Protuberanzen.

Aber ob wir von einem Zusammenstoß ober einer bloßen Annäherung zweier Weltenkörper sprechen, das ändert nichts an der durch Zahlen nicht ausbrütbaren rechnerischen Unwahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses. Eine die Entstehung eines Planeten­systems bewirkende Annäherung zweier Sonnen würde, um einen veranschaulichenden Vergleich zu gebrauchen, ooraussetzen. daß zwei faustgroße Kugeln, die in einer Entfernung wie zwischen Berlin und Barcelona schwe­ben würden, und zwar mit der Möglichkeit, sich nach allen nur denkbaren Richtungen zu bewegen, einander bis auf wenige Zentimeter nahekommen würden, — ein Fall, für den, wenn er sich einmal ereignet hat, doch kein zweites Beispiel im Weltall gefunden werden dürfte, — nicht einmal bei dem Stern, mit dem die Sonne gegebenenfalls die Begegnung gehabt hat: denn dieser kann von so großer Masse gewesen sein, daß die Beeinflussung einfeitig gewesen ist und die Einwirkung unserer Sonne auf ihn gleich Null gewesen ist. Außer­dem kann eine solche Ablösung vom Zentralkörper auch nur bei einem ganz bestimmten Dichtigkeitsgrad und in einem ganz bestimmten Augenblick der Kondensierung erfolgen; es ist unwahrscheinlich, daß auch der andere Weltkörper gerade diesen Dichtigkeitsgrad gehabt haben sollte. Alles in allem war es, um mit Eddington zu reden, ein „Spiel der Natur", „ein unerhör­ter Zufall", der eine andere Sonne an der unftigen vorübergehen ließ und zur Bildung unserer Planeten- wett führte. Darf man sich aber mit der Annahme eines solchen, rechnerisch geradezu als unmöglich erscheinen­den Zufalles begnügen? Drängt nicht alles zu der An­nahme, daß hier nur eine Maßregel der Vor­sehung, hie eben eine bewohnbare Welt schassen wollte, vorliegen kann? Tatsächlich hat man denn auch bis jetzt nicht den geringsten Anhalt dafür finden können, daß irgendwo im Weltall eine andere Sonne von Pla­neten umkreist würde. Man hat Doppelsterne in immer wachsender Zahl gesunden, auch Dreigestirne, aber im­mer nur in hem System der Nebenordnung, nicht in dem System der Unterordnung. Ja, gerade diese Doppel­sterne — cs gibt deren bereits an 20 000. und es ist da­mit zu rechnen, daß viele der anscheinenden Einzelsterne sich noch als Doppelsterne erweisen werden — sche-den für die Planetenbildung völlig aus; denn sie sind durch Teilung eines Himmelskörpers entstanden, ein Vorgang, der infolge der Schwereverhältnisse keine untergeordneten Trabanten duldet.

Noch eine Frage drängt sich dem wißbegierigen Men­schen auf. Wird, so wie möglicherweise der Vorbeigang eines Sternes der Anstoß zur Entstehung unserer Welt war, ein solcher Vorheigang auch den Untergang herbeiführen? Möglich wäre es. Dem, der die Welt­untergangsprophezeiungen der Bibel lieft, drängt sich die Annahme einer Erschütterung der Welt durch kosmische Kräfte ja geradezu auf. „Die Sterne werden vom Himmel fallen", „Sonne und Mond werden ihren Schein verlieren", „die Kräfte des Him­mels werhen erschüttert werden". Man kennt noch an­dere Todesarten für die Welt, die Entropie, den allmäh­lichen Wärmeausgleich, der zu allgemeinem Stillstand führt, die Erkaltung der Sonne, die Erkaltung der Erde selbst. Sie alle würden keine Katastraphe bedeuten, sondern nur ein langsames Erlöschen der Lebensfuktio- nen. Eine Katastrophe, wie sie die Bibel voraussetzt. ist kaum anders als durch kosmische Einwirkung denkbar, wobei allerdings auch an eine aus internen Kräften kom­mende Sonnenkatastrophe gedacht werden kann, wie solche am Himmel in dem plötzlichen Ausflammen ein­zelner Sterne schon öfters bemerkt worden ist.

Die moderne Astronomie hat dem Menschen den Blick in ungeheure Weiten eröffnet; sie hat ihm feine ganze Winzigkeit und auch die Bedeutungslosigkeit der von ihm bewohnten Erde, die er sich früher im Mittel­punkt des ganzen Weltalls dachte, zu Bewußtsein ge­führt. Kein Wunder, daß eine Zeitlang dem Menschen Bedenken aufstiegen, ob diese ganze große Welt für ihn allein da sei, und er von anderen bewohnten Welten t r ä um t e. Es hat sehr den Anschein, als ob die Wissenschaft je weiter sie in das All »erbringt,

reu, ist Legion, sie wird übertraf

urdjeinanber schnür- durch die der Beit-

\ Irr und Hausierer, die diesem stolzen Boulevard der Wldftanzösischen Hafenstadt vor allen anderen Boule- | Mrbs her Welt erst feinen eigentümlichen Reiz Derlei« I hm. Kaftan und Burnus, Turban und Sarong, Fez i md Samtkäppchen, zusammen mit den bunten Unifor- t men der in die Garnison hinaus ziehenden, der auf ptoaub heimkehrenden weißen und farbigen Kolonial« ' Wien bilden sie das Regenbogenfarbenspiel dieser Can- I Bbiere. Und damit noch nicht genug. Neapel, Smyrna, nnb die Casbay von Algier scheinen hiev-ein fröhliches s, rluierstchungsfest zu feiern. £

I 1®on allen Ecken und Enden der Erde strömen sie ihr B"- unten in Marseiile unablässig zu. Und das Maul ' Paris schluckt und schluckt. Freilich! Gleich einem ’ «meiekel steht es heute auf Marseilles Mauern ge­schrieben' „Finde Dich zurecht!" Auf einen, der in die- !« ungeheuerlichen Stadt „schwimmen lernte, kommen - »vmundneunzig. die ertrunken sind!"

Der Brunnen.

«„-steigt der Strahl, und fallend gießt ” vog der Marmorschale Rund, iie sich verschleiernd, überfließt m'einer zweiten Schale Grund; die zweite gibt, sie wird zu reich, der dritten wallend ihre Flut, und jede nimmt und gibt zugleich unb strömt und ruht ...

Conrad Ferdinand Meyer.

Das Wanl von Paris.

Von Joh. Edward Brandt.

«e« Süden sperrt es sich auf und schlingt alltäglich Kolonialprodukte eines Reiches in sich hinein, das * Aadratmeilenzahl achtzigmal so groß ist wie das - tterland selbst. Mit einer Fahrtgeschwindigkeit von m Kilometern in der Stunde verbindet Frankreichs «snlt« Eisenbahn Marseille mit der Mettopole, U ^/unersättlichen Magen, der den weitaus besten Teil jj, hem größten Mittelmeerhafen einlaufenden l «-re verdaut.

k " Kapitale des Mittelmeeres, die „Graue Stadt", nach U tmis ber bevölkertste Platz der Republik. Heute an d«e I efflion Einwohner, von benen aber nach der Zählung F“ Jahres 1921 nur 581 341 Franzosen waren. Und btt Erleichterung des Einwanderergesetzes ist auch diese »in gallische Abstammung fraglich: Neben Urnen bilden »ie Italiener bei weitem den Hauptbestandteil. Aus allen Provinzen des Regno strömten und strömen sie, ' höheren Verdienstes und der leichteren Arbeitsmög- lichktit halber, der Ungeheuerlichen zu. Piemontesen die | Handwerker und Erdarbeiter beschäftigt sind, Nea- noliianer, die als Fischer und Seeleute Verwendung ftn- Toskaner, denen das Schustergewerbe vor allem ESLe Ihre Kopfzahl hat die stattliche Ziffer von W 000 bereits überschritten. 30 000 Spanier, etwa [ gfloo Griechen und Türken, 13 000 Armenier, fast 5000 I Perser und 2000 Russen kommen noch hinzu.

Denn ungeheuerlich, wie schon einmal gesagt, bleibt : diese seltsame Stadt. Ein neues Babel, auf dessen Hauptstraße die arabischen Dialekte aus Algier und Tu­nis, Tripolis und Marokko sich beim Angebot der flie­genden Händler vor das Gestammel des Schwarzen vom Kongo und Zambesi und das des Braunen aus Tonking unb Inbochina drängen. Ein neues Sybaris mit seinen Restaurants und den hier verabreichten Bouillabaisse, $ranbabe und Aioli, ein neues Sodom für den. der an die Kneipen und Chantants, Kaffeehäuser und Bars ir bet nördlich des Veux Port gelegenen Altstadt denkt

Aus den Kajüten und Zwischendecken der Personen- bampfer ergießt sich ein Strom allermöglichen Rassen in bitte Stabt Indische Maharadschas und afrikanische LcheüHs, Teppichhändler von der Levante, Orientjuden, die in Kairo und Alexandrien handelten und nun das Ergebnis ihres Feilschens an den Mann zu bringen hoffen, Nubier und Somalis, die Mitleid oder Schwin­del aus unsagbarem Elend in noch unsagbareres gebracht

Und nicht nur diese! Die Zat -er Sprachen und der W Dialekte, die aus der Kannebier