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NILS
23. Aovember
VeUage zur Fuldaer Zeitung
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Retter der ganzen Gemeinde aus Elend, Hunger und Tod. Noch heute steht hier eine von fahrenden „lobben* einst gestiftete Wallfahrtskapelle, linbenumrauscht, mit dem uralten St. Annenbild. Auch diese St. Annenpro- zession führte Ketteler erst wieder zur Höhe. Der Dichter schildert nun, wie er als Meßdiener an dieser feierlich-bunten Prozession teilnahm, die sein Großvater als Kommandeur anführte, wie dann in der Halle des gewaltigen alten Töddenhaufes mit der ganzen Familie, allen Nachbarn, Groß- und Urgroßeltern aus verschollenen Aufzeichnungen über Kettelers Wirken zu Bier. Speckpfannekuchen bei der Petroleumlampe vorgelesen wird und wie der Knabe alsdann zum erstenmal, hingerissen von allen hohen Geistern seiner Heimat, das hl. Brot des Herrn empfängt. „Hier klingt die ganze Seele Westfalens", sage ein Kritiker un» ein anderer: „Diese Stücke sollten in alle Schullesebücher ausgenommen werden — es wird ein Heldengedicht aus Kettelers Wirken und die Erinnerungen an die erste hl. Kommunion werden zu einem ergreifenden Weihe- und Bekenntnisgesang — diese beiden Kapitel gehören zum Schönsten, was ein in katholischer Luft gewachsenes Dichtergemüt hervorgebracht hat!"
Hier haben wir tatsächlich denTriumphderdich- terischen Heimatkunst in solch entzückender Schönheit, in solcher Reinheit und andächtigen Ergriffenheit, in solch wunderbarer Verknüpfung mit dem Leben der Dorfgemeinde, die zugleich Dorfgemeinschaft ist, daß wir diese Stücke zu einem Bändchen vereinten und allen westfälischen Erstkommunikanten als Festgeschenk verehren möchten. Hier leuchtet Westfalenmensch, hier leuchtet Westfalenland.
aufkommen und die bann darauf sich etwas zugute tun, damit prunken. Auf die
christliche Karitasarbeit, von der Bodelschwinghs Werk ein Stück ist, schauen sie mit Geringschätzung, wenn sie nicht gar dagegen ankämp- fen und sie unmöglich zu machen suchen. Als die christliche Karitas sich der verlassenen Kranken und Armen annahm, als Bodelschwingh den Epileptikern die erste gesonderte Heimstätte bot, da haben sie noch nicht an die Verantwortung für diese Menschen gedacht, die ihnen auflag. Und jetzt, da ihnen der Gedanke daran gekommen ist, glauben sie der bisherigen tätigen Kräfte entbehren zu können. Aber was diese oft so heldischen Menschen der Liebe ihren armen Brüdern und Schwestern gegeben haben, woraus sie die Kraft zu ihrer schweren Arbeit gezogen haben, wodurch sie die ihnen Anvertrauten so weit gebracht haben, daß sie ihr Leid innerlich überwanden und froh darüber wurden, wie es gerade Bodelschwingh erstrebte und erreichte, das können diese modernen Helfer der Menschen nicht geben, das wollen sie darum auch da her- ausreißen, wo es sich findet. In ihren Heimen ist keine Kirche im Mittelpunkt, kein Kreuz, kein Gedanke an den Erlöser. All das, was bisher so viel Segen gestiftet hat, wird als christliches Erbgut verworfen. „Durch Liebe", ich las es gerade noch auf der Heimfahrt als
sozialistische Auffassung, „Barmherzigkeit, Selbstaufopferung wird die Menschheit nicht befreit. Reue, Buße, Demut lähmen bas Verantwortungsgefühl und den Handelseifer" usw.
Ein Werk, wie Bodelschwingh es begründet hat, wird damit nicht geschaffen. Denn dazu ist anderes not als kaltes Geld und kalter Fanatismus. Und die Atmosphäre des Friedens und des Glücks, die als ein Erbe des ganz in Christus lebenden Stifters noch heute über die Anstalt gebreitet ist und sie durchweht, werden die Gegner christlicher Karitas in ihren Anstalten vergeblich suchen. Denn dieser Friede kommt aus der Quelle, die sie nicht kennen wollen. „Es gibt hienieden", dies noch ein Wort des großen Bodelschwingh, „nur einen Frieden, der von Dauer ist, das ist der Friede, den der Sieger von Golgatha errungen hat". Dieser in Christus gegründete Friede ist Grundlage aller Friedensarbeit unter den Völkern, er ist auch Grundlage aller Arbeit, die sich um irgendwelches Leid und irgendwelche Not leiblicher oder seelischer Art müht. Diesen Frieden in Christus müssen die zuerst in sich selber tragen, die ihn andern vermitteln wollen. Das ist eine Lehre, die ein Besuch in Bethel und eine Betrachtung des Lebens Bodelschwinghs gibt. Und ein Wunsch wirb auch bei bieser Betrachtung wach, baß mehr unb mehr ber Sinn für bas Helbenhaste, das solche Menschen in ihrem Leben ausgeprägt haben, in unferm Volk wach werbe, baß unsere Jugend zumal mit frohen Augen und mit einem begeisterungsfähigen Herzen auf diese wahrhaft Großen hinschaue und sich aneifern-lasse zur Nachfolge.
P. Norbert Köstner O. F. M.
Höhenrücken völlig in sich abgeschlossen ist, ohne daß eine äußere Einfriedigung nötig und ohne daß die Möglichkeit einer Einkreisung durch andere Bauten möglich ist. Auf die beiden Täler und die dazwischen liegende Erhöhung verteilen sich die vielen Häuser, die zur Unterbringung der 6000 Menschen notwendig sind, die nach und nach im Lause der Jahre emporwuchsen, nicht so, daß ein Gebäude durch immer weiteren Anbau zu einem Riesenkomplex erweitert wurde, sondern so, daß immer wieder ein neues, größeres oder kleineres Haus erstand. Gärten und Anlagen schieden sich zwischen die einzelnen Häuser und machen das ganze zu einer großen schmucken Gartenstadt, die den Eindruck der Masse hinwegnimmt und schon rein äußerlich den Familiencharakter, ber bie große Gemeinschaft beherrscht, hervortreten läßt.
Stunden braucht man, wenn man durch die Anstalt geht unb nur einen kleinen Einblick in bie bemerkenswertesten einzelnen Häuser tut. In eine Reihe Abteilungen gesonbert wohnen die Kranken: die bildungsfähigen Kinder, die schwachsinnigen, epileptischen Kinder, die dem Schulalter entwachsene Jugend, die Erwachsenen, jedesmal nach Geschlechtern getrennt, die verkrüppelten Epileptiker, für die auch eine eigene Heilanstalt besteht, bie nerven- unb geisteskranken Epileptiker. Den Anstalten für männliche Pfleglinge steht jeweils ein verheirateter Hausvater vor und Brüber, Diakone genannt, finb als Pfleger tätig. Die Häuser mit weiblichen Kranken werben von Diakonissinnen besorgt, an beren Spitze eine Oberschwester steht. Dazwischen kommen bann bie Mutterhäuser ber Diakone unb ber Diakonissinnen, Krankenhäuser für Pflegepersonal unb Pfleglinge, ein Altersheim der Schwestern. Desgleichen die verschiedenen Werkstätten. Jedes Handwerk ist vertreten und bietet den dazu fähigen Pfleglingen Gelegenheit, nach ihrer Wahl und Eignung darin sich auszubilden und ihre
heilige Elisabeth van Thüringen
i,ne J^gabe von Franz Joh. Weinrich (1231-1930-31).
Glaube hat dir geholfen.
llaiibst du an Gott, mein Freund?"
e sonderbare Frage. Natürlich glaube ich Dafür bin ich doch ein CH »st und bin
was denkst du dir dabei, wenn du sagst iläubc an Gott?"
v.lin, was sech eben jeder Mensch dabei denken "Ich halte es für wahr, daß über uns ein lebt, ein gerechter Richter, der das Gute be- und das Böse bestraft."
einst du, daß es genug sei mit diesem Fürzen, mit diesem Glauben, daß da irgendwo, ^llcÄt über uns in den Wolken, ein Gott thront-. « temit dem Glauben genug getan, daß du das " Gottes anerkennst, oder gehört zum rechten
n doch noch etwas mehr?
cts soll denn da noch mehr zugehören? Das du mir schon erklären."
meine, zum rechten Glauben gehört doch ^daß wir irgend ein Verhältnis zu Gott haben, wir in irgend einer Verbindung mit ihm stehen, er tagtäglich mit uns und wir mit ihm zu tun
daß er uns nahe ist in jedem Augenblicke 's Lebens. Nicht nur am Sonntag und in der ,, sondern auch ebenso am Werktag, auf dem r. am Arbeitsplatz und überall."
„Ja, ich weiß, Gott ist ja allgegenwärtig, das " iK schon in der Schule gelernt."
'' „Freund, darauf kommt es nicht an, was du t hast und was du weißt. Was nützt es dich, du weißt, daß der liebe Gott dir überall ent- mimt, und du kümmerst dich nicht darum? Icy teilte, die Hauptsache ist doch die, daß du lebendig n diesem Gedanken durchdrungen bist, daß er dir ®ie ein Licht in der Seele steht: Gott ist mir nah. Dann erst ist dein Glaube lebendig."
„Aber das ist doch eigentlich ein Gedanke zum ten. Wie kann man da noch aus der Angst aus dem Sagen kommen, wenn man immer dem Bewußtsein lebt, daß uns Gott, der Un- liche, Gerechte, stets nahe ist?"
„Du bist int Irrtum, und Viele sind mit dir im m, wenn sie meinen, sie müßten Angst haben Gott. Darüber hat uns einer belehrt, der es besser wissen mußte wie du und ich ich meine t Heiland. Er lehrte uns doch beten: Vater . Und du weißt doch recht gut. daß man vor einem rechten Vater nicht stets Angst und Bangen sondern in der Hauptsache Vertrauen. Oder willst du, daß sich deine Kinder stets vor dir sürch-
Ja, ich weiß, daß es auch solche Väter gibt, aber du wirst nicht sagen wollen, daß es rechte Vä- smd, ober daß sie irgend jemand dafür hält, ich glaube, sie halten sich selbst noch nicht ein
en ber Paderborner Frikdenstagung aus machte einen Abstecher nach bem nicht allzuweit entfern- :n Bethel bei Bielefelb, bem großen Werke B o- elfchwinghs, bas Taufenben von kranken Men- , armen Epileptikern eine Heimstätte bietet. Beeilt Zusammenhang zwischen ber Teilnahme an Friebenstagung unb bem Besuch bieser von teil- jenber Liebe gegrünbeten Stabt? Ich glaube schon, .ist das gleiche Prinzip, aus beni soziale Arbeit, sarbeit unb Friebensarbeit fließen, bas große Gebot ber Liebe. Diese Liebe soll sich auswirken m persönlichen Leben, ben Beziehungen von Mensch zu Mensch, aber auch im sozialen, wirtschaftlichen unb na- en Leben unb weiterhin in ber großen Bölter- wtnschast. Das Wort eines französischen Bischofs auf ber Friebenstagung angeführt: Zwei Dinge uns Katholiken heute not:
soziale Arbeit unb Arbeit für ben Frieben!
Such fönst brang oft noch diese Parallele burch: M mt Dienste bes Sozialen, ber Karitas unb im des Friebens. So fügte sich ber Besuch in Be- hefer Stätte einer außerordentlichen christlichen — eit, zwanglos an die Friebenstagung an. Der war bereits wach geworben bei ber Le- t»n » x Lebensbilbes bes großen Stifters, Friebrichs MLeljchwingh, dieses Helden ber Siebe.
. st der evangelische Pastor Bobelschwingh 1872 nach heutigen Bethel kam, fanb er dort ein Haus mit klein»^zepüeptischen Kranken und getrennt davon ein «lern». uklmissenhaus vor. Heute zählt die Bethel- «-/^-'nde mit ben Kranken unb ben in ihrem Dienst «ert.u» fost 6 0 0 0 Seelen, bie sich auf eine Stabt oh». icn’, sich unmittelbar an Bielefelb anschließt,
"urch seine Lage in zwei Tälern zwischen walbigen
Ein Kinderbrevier von Mph Winckler.
Im Helios-Verlag, Münster i. W., erschien „Das heilige Brot, ein Kinberbrevier", aus ber wir mit Erlaubnis des Verlages bie Einführung von Friedrich Muckermann, 6. I., roiebergeben.
Die Reb.
Diese brei Erzählungen bes westfälischen Dichters Josef Winckler führen uns in fein Kinbheits-, fein Heimat- borf. Das liegt irgenbwo versteckt, in ber großen Heibe hinten am „Heiligen Meer", brin nach der Sage einst ein Kloster versunken ist. Viele nennen dies Dorf bas „schönste Dorf Westfalens", benn es war einst voll Glanz und Reichtum. Auch hier hausten nämlich bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts jene Kaufleute, bie man „lobben" nennt, von Tjöbden, was Wanbervogel 6ebeutet, bie bis zum Kap der Guten Hoffnung zu Pferd auf Handel durch Afrika ritten oder mit Planwagen voll Waren bis hinauf zur Wolga durch Rußland zogen, meist mit westfälischen Leinenballen, wie die Winterberger mit Stahlwaren so weit in die Welt hinaus liefen, baß es im Sprichwort heißt: „Wo ber liebe Gott noch nicht hingekornrnen ist, ba sitzt bereits ein Winterberger!" Viele „Többen" aber hatten auch feste Kaufhäuser in Arnster- bam, Leuwarben, Lübeck, felbft in Riga, wenngleich die meisten „Tödden" nur ewig fahrende Kiepenkerle blieben. Fast alle „Tödden" aber gingen später unter, viele verpraßten in der Heimat das in der Fremde erworbene Gut und das ganze schöne Dorf verkam.
Da wurde der später so berühmt gewordene Bischof Ketteler in dieses verlodderte „Töddendorf" geschickt unb hier begann er seine erste ergreifenbe Volksmission, wurde
mal für rechte Väter. Christus hat so oft vom Dater im Himmel gesprochen, ich glaube, das har er deshalb getan, daß wir ergriffen werden von der Gewißheit, daß unser Verhältnis zu Gott nicht anders ist als das eines rechten Vaters zu seinen Kindern, eine Bindung des Vertrauens und der Liebe, ein rechter Treubund."
„Ja, kann uns denn dieser Glaube etwas helfen? Kann er uns zu irgendetwas nützlich sein? Ich meine, heutzutage hätten all diese Dinge nicht mehr so viel Wert."
„Ja, das meinen Viele. Sie wissen es nicht besser. Man redet von allen möglichen Dingen, von Politik vor allem, von der wirtschaftlichen Not, von Steuern und dergleichen mehr. Vom Glauben hört und liest man selten. Und wenn man schon etwas von ihm hört oder liest, so tut man es vielleicht mit dem Nebengedanken, daß das nicht allzuviel zu bedeuten hätte, weil viele andere Dinge wichtiger wären. Das Sonderbarste ist aber, daß die Menschen nicht mehr wissen, daß jedes Einzelnen Leben tatsächlich auf den Glauben aufgebaut ist."
„Das ist aber eine sonderbare Behauptung. Das Leben jedes Menschen soll auf den Glauben aufgebaut sein? Und dabei gibt es eine Unmenge von Menschen, die überhaupt nichts mehr glauben?
„Nur gemach, mein Lieber. Ich habe nicht gesagt, daß das Leben eines jeden Menschen auf den Glauben an Gott gebaut sei, sondern nur einfach auf den Glauben. Das ist ein Unterschied."
„Wieso?"
„Du gibst doch wohl zu, daß es im Leben jedes Menschen einen beherrschenden Gedanken gibt? Bet dem einen ist es der Gedanke an das Parteiprogramm, bei dem andern die Allmacht des Geldes, wieder bei anderen die Erbitterung darüber, daß es nicht gerecht zugeht auf der Welt — es sei wie es wolle, irgend ein Gedanke beherrscht das Leben jedes Menschen. Und an diesen Gedanken glauben die Menschen so gut und vielleicht noch stärker, wie wir an Gott glauben. Man könnte vielleicht sogar sagen, daß sie diesen Gedanken zu ihrem Gott machen. Meinst du, daß ihnen ihr Glaube helfen wird? — Und wenn du mit diesem Glauben nur den Glauben an Gott, den Vater vergleichst, den Glauben, den uns Christus gelehrt und lebendig vorgelebt hat. Wenn du mit diesem Glauben oder besser Wahn so vieler Menschen vergleichst das lebendige Vertrauensverhällnis, den Treubund zu Gott, der da sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid . ." und . . „bei mir werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht", meinst du nicht, daß dieser Glaube uns helfen wird?
Viator.
zu erwachsen als Brot unb als Verheißung bes Brotes für alle Gezeiten ber Not. Unb wirklich, sie wächst bie ganze Höhe bes corpus Christi rnysticum hinan, um ihn auf Stirn unb Munb zu küssen, um in solchem Kusse Vollendung zu finben unb Segen zu werben für alle kommenben Jahrhunberte. Weinrich ist biese organische Entwicklung Elisabeths aus Natur unb Uebernatur prächtig gelungen. Unb ich glaube beshalb, weil er mit ber ganzen Inbrunst bes berufenen Dichters sich ans Werk gemacht. Was Dr. Robert Grosche ben Heiligenbiographien nachsagt, ist leiber nur zu wahr. Die Acta Sanc» torum ber Historiker unb bie von bloßer Anbacht frisierten Heiligen stehen uns zu fern. Ins Leben führt sie nur bas Erleben. Unb zum Erleben führt ber Dichter. Weinrich hat sein ganzes begnabetes Können barauf verwen- bet, unb jetzt steht Elisabeth so nahe vor uns, haß wir sie einlaben können, mitzukommen in unsere Kammer, mitzusorgen um unsere Not. Prunkvoller Reichtum ber Sprache, ber ganze Himmel, ben ein Dichter auf bie Erbe bannen kann, ist als ein Fürstenmantel um bie Gestalt ber hohen Frau getan, selbst um ihren „bösen Rock". Sie soll ja Fürstin fein! Die Herrin unserer beutschen Not!
Ein gewaltiges, hinreißendes Prälubium zum Jubeljahr ber unvergeßlichen ßanbgräfin ist biefes Buch Wein- richs. Unb ich wünsche nur, es möchte hineinklingen in alle beutschen Stuben unb bie Leute vor bie Tür locken, bamit sie ein Stücklein Brot bekämen von ber Hanb ber Milben Herrin, davon sie satt und stark würden.
Leo Holl.
Kräfte nutzbringend zu verwerten. Ein eigenes Kaufhaus, eine Buchhandlung vervollständigt die Betriebe. Ein Büro mit etwa 100 Angestellten, Gesunden unb Epileptikern, erlebigt, was bie Geschäftsführung bes großen Unternehmens mit sich bringt unb hält vor allem auch bie Beziehungen zu ben vielen aufrecht, bie burch kleine und große Gaben bas Liebeswerk bauernb ober vorübergehend unterstützen. Der Geselligkeit und Bildungsarbeit dient auch ein großer Saal mit ungefähr 2000 Sitzplätzen. Und inmitten all dieser Häuser, deren wesentlichste genannt wurden, steht auf der Höhe, bie beibe Täler trennt, die Kirche, der geistliche Mittelpunkt der ganzen Gemeinde, aus dem bie Gesunben wie bie Kranken bie Kraft holen, bie ihnen für ihr Leben, ihre Arbeit ober ihr Leib not tut.
Erwähnt werben muß noch, daß in einem weiteren GJebäube ein Seminar für bie Ausbilbung evangelischer Theologen sich befindet, bas gegenüber ber immer freier roerbenben theologischen Lehre an ben Universitäten ge- grünbet würbe. Gegen 200 Theologen ftubieren ba für gewöhnlich. Daneben beherbergt Bethel jeweils eine kleinere Zahl von Theologen, bie ihre Studien auf 1—2 Semester unterbrechen, um praktische Karitasarbeit zu leisten burch Mithilfe an ber Pflege der hier untergebrachten Menschen.
Der Vollständigkeit halber fei noch angeführt, daß für die gesunden Kinder der in bem großen Betrieb Angestellten neben anberen Bilbungsmöglidjteiten eine Bolts- fchule, eine Aufbauschule unb ein Lyzeum innerhalb bes Anstaltsbereiches eingerichtet finb. Das soll in kurzen Strichen ein Bilb bieser merfroürbigen Stabt geben. Aber bas ist noch nicht alles. Mehr ober weniger räumlich von Bethel getrennt, haben sich im Lauf ber Zeit noch eine Reihe anberer Stätten geb übet, auf bie bie eine ober anbere Aufgabe übertragen wurde. Ein halbes Dutzend solcher Zweigstellen müßte noch angeführt werden, die Arbeiterkolonien, Erziehungsheime für männliche und weibliche Jugendliche, eine Trinkerheilstätte, Erholungsheime und andere Betriebe in sich bergen. Mit ihnen wächst die Betheler Gemeinde auf etwa 10 000 Mitglieder. Ein letzter Arbeitszweig kommt noch hinzu, der dem Stifter ganz besonders am Herzen lag unb in seinem Geiste ber ganzen Gemeinbe: bie Arbeit in ben Missionen, in Afrika.
Das alles war im großen Ganzen schon vorhanben, als ber Begrünber, Fr. v. Bobelschwingh, 80jährig, im Jahre 1910 feine Augen schloß. Ein Menschenleben, eine Lebensarbeit, schloß ein solch gewaltiges Werk ein. Unb es ist noch lange nicht alles, was bieser Mann geschaffen hat. Vieles kommt noch hinzu, was allein schon genug für ein Menschenleben gewesen wäre. Wie kam bas zustanbe? Es kann hier nicht angefangen werben auf bie Entwicklung einzugehen, benn bas gäbe — bei kürzester Fassung — einen langen Bericht. Es kann auch nicht die Persönlichkeit des Stifters geschildert werden, benn bie ist so groß unb so reich, baß sie nicht in einen engen Rahmen eingespannt werben kann.
Wer sie kennen lernen unb wer bie Entwicklung bes Liebeswerkes kennen lernen will, ber muß zu bem Le- bensbilb greifen, bas der Sohn dieses großen Menschen, Gustav v. Bodelschwingh, geschrieben hat, das wohl eines der schönsten Bücher ist, bie es gibt. Nur bie Quelle, aus ber bies Werk, aus ber bas ganze Schaffen Bobei» fchwinghs geflossen ist, sei eingebeutet mit einem kurzen Satz, ben wir Bobelschwinghs eigenem Munb entnehmen. Ein Professor ber freien Theologie hatte einmal feine Stubenten burch Bethel geführt. Am Schlüsse machte er Bobelschwingh einen Besuch unb sagte ihm: „Herr Pastor, wieviel Gutes tun Sie ben Kranken, unb wie gütig haben Sie uns ausgenommen; warum finb Sie zugleich so ablehnenb gegen meine theologische Arbeit?" „Lieber Professor", war die Antwort, „ohne den alten (Stauben könnte ich keinen einzigen epileptischen Kranken pflegen — und Du auch nicht!" Der tiefe Glaube an Gott, an den Heiland, die gründ- unb grenzenlose Gottes- unb Heilanbsliebe war es, in ber Bobelschwingh bas staunenswerte Werk christlicher Karitas geschaffen, in ber er Tausenbe unb Tausende von armen Menschen, jungen unb alten, beglückt hat und immer noch beglückt durch die Stiftung, die er begründet und die in feinem Geist fortgesetzt wird. Man muß gelesen haben, was diese Arbeit aus den armen Epileptikern gemacht hat, man muß mit sehenden Augen einmal hineingeblickt haben, vielleicht einer Gruppe Kinder zugehört haben, wie sie ein Lied fangen auf Gottes, des Vaters Güte, ein Lied, das bankt für alles, was biefer Vater uns gibt, bas Wasser unb bie Blumen unb ben Himmel zuletzt, ähnlich dem Sonnengesang bes hl. Franz, wenn man verstehen will, was Bobelschwinghs Werk bebeutet.
Bobelschwingh hat sich nie gerne mit Theorien befaßt, er hat nicht viel gerebet von Karitasarbeit, er hat nicht von anberen gefordert, ohne selber einen Finger zu rühren. Er hat angepackt, er hat gehandelt. Und das unterscheidet ihn, wie die ganze christliche Karitasbewegung, von so vielen in unseren Tagen, Einzelnen und Gruppen, die nur reden unb forbern unb vielleicht (Selber unb Einrichtungen von Anstalten genehmigen, für bie anbere
ichs ehrlich sage: bies Buch hat mir ein Leibs r»-f <?5 roar f°: mein Cieblingsgebante, beffentmegen gj'tt Jahren schon nach fernen Zeiten unb Burgen ge- batte in himmelnaher Bergeinsamkeit Gestalt ge- 1"' f°st bis zum Enbe schon. Unb reich, als trüge me Offenbarung der größten Frau Deutschlands Stert h rC 3eit, brachte ich mein Bündel zu Tal. Und »Tv Regnete ich Weinrichs Buch. Mein Bündel ließ Kb i* b'3 in die unterste Schublade hinein. So me Hand freibekommen, um Weinrichs Schöp- §Z®,?n9ebinbert begrüßen zu können. Ich tue es in »«Er??. -pißen Freude, daß die hohe Herrin ber ben b Ur® c!nen ungleich besseren Dienftmannen gefun- ^nn mich, um ben golbigen Reichtum ihres Lebens . as^ heutige Deutschlanb zu verschütten, bamit es m üruhling käme über uns nach der harten, hun- Winterszeit. Zufolge meiner emsigen Arbeit .7 aber wohl berechtigt, Weinrichs Schöpfung zu d"en. Unb mein Urteil ist neidloses Lob unb herz- T 2°nk bem Meister.
schwierigste mag wohl bie Einführung in
>t Elisabeths fein. Die ist von scharfer 8char burchackert, durchschnitten — und konnte so utterboben der Heiligen fein. Elisabeth ist bas fern (Bottes für ben burchfurchten Ackerboben, bas r rauhen, buntlen Scholle sterben sollte, um als reife e Don hunbertsältiger Frucht ber Hungerleben Zeit
katholische Wett.
Zur Durchführung der katholischen Aktion auf dem Gebiete christlicher Erziehung.
Die diesjährige Bischofskonferenz in Fulda hat in Fortführung ihrer Richtlinien zur Katholischen Aktion vom vorigen Jahre, in denen die Notwendigkeit der Erziehergemeinschaft von Elternhaus, Schule und Kirche betont war, die Bildung von Arbeitsausschüssen zur Lösung der praktischen Aufgaben eindringlichst angeregt. Der bald folgende Katholikentag von Münster zeigte die ganze Bedeutung, den Umfang und die Tragweite der Erziehungsfragen in der Gegenwart auf und stellte diejenigen Aufgaben heraus, die wir als Katholiken auf dem Gebiete christlicher Erziehung zu leisten haben. Nun heißt es an die Arbeit gehen! Wie diese seitens der Kathol. Sdjulorganifation Deutschlands, in deren Bereich ja ganz besonders die Bilbungs- unb Erziehungsaufgaben gehören, angefaßt wird, beweist ber neue Rund- und Führerbrief, ber in diesen Tagen in vielen tausenden Exemplaren an alle schul- intereffierten Kreise versandt wird, und besonders den einzelnen Pfarrämtern in soviel Exemplaren zugehl, als für Geistlichke it .Lehrerkollegien und Elternbeiräte benötigt werden. In seinen einzelnen knapp gefaßten Artikeln berichtet der Brief über: Die Kathol. Schulorganisation und der Katholikentag in Münster. Warum ist die Neubelebung der Kath. Schulorganisation überall notwendig, und wie soll sie gesche» hen? Richtlinien für den Aufbau der Kath. Sdjulorganifation unter Berücksichtigung der katholischen Elternbeiräte und Elternausschüsse. Zweck und Aufgaben bxr Pfarrausschüsse der Kath. Sdjulorganifation. In Sorgen um die Kinder. Winter-Aufgaben. Katholische Erziehungsberatungsstellen. Eine allgemeine „Schulordnung (Sch. D.) für die öffentlichen mittleren und höheren Schulen" in Preußen?
Die ständig wachsende Bezieherzahl beweist, welches Interesse diese Rund- und Führerbriefe bei all denjenigen gesunden haben, die sich über akute Schul- und Erziehungsfragen der Gegenwart vorn katholischen Standpunkte aus orientieren wollen. Dr. Ranft.
Sic Hiebe ist Sech bie stackste Mach« Ein Besuch in Veltzsl.
F.