Aufsatz über die wirkliche Lage veröffent- ! ins Gefängnis. Andererseits ist es schon
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= Eisenach. Zur Sanierung der städt. Finanzen steht die Wartburgstadt schon seit etlichen Wochen unter dem Staatskommissar, und zwar wurde als solcher Oberbürgermeister Dr. Janson ernannt. Nachdem die Werktarife erhöht wurden, steht noch die geplante Bürgerabgabe in Aussicht, zu der die Thür. Regierung vorerst ihre Genehmigung erteilen muß. Der Oberbürgermer» ster wird in nächster Woche den Stadtrat zusammenrufen, um ihm Bericht über die Finanzlage der Stadt zu erstatten. — Zum ehrenden Gedächtnrs von Walter F l e x, dem im Weltkriege gefallenen jungen Eisenacher Dichter, soll auf der estnischen Insel O e s e l, dem Todes-Streitfeld des Dichters, eine Jugendherberge errichtet werden. Diese kulturelle Tat verdient besondere Beachtung, weil dadurch auf dem entdeutschten Lande ein deutscher Stützpunkt geschaffen wird.
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lichte, wanderte ins Gefängnis. Andererseits ist es schon vorgekommen, daß ein Unberufener im Auftrage der Regierung durch günstige Berichte den deutschen Katho-
fähr neben uns einherwandelt, ein Spitzel der Reoie- rung. Man erfährt den Grund, warum wir zu Hause über die Lage falsch unterrichtet sind. Die Briefzensur arbeitet gründlich. Kein Katholik wird es wagen, in einem Briefe nach dem Ausland über diese gefährlichen Dinge zu reden. Ein Priester X., der einmal in der Schweiz einen Aufsatz über die wirkliche Lage veröffent-
bie Städte von den großen Wohlfahrtslasten, unter denen sie zusammenzubrechen drohen, zu befreien.
nach Gewicht getauscht wurden, wurden nun befti Einheitsgewichte aus Gold hergestellt, also Münzen, nur die Seltenheit des Goldes, auf der ja fein Wert, । auch fein Wert als Zahlungsmittel, beruht, sondern < seine wertvollen metallischen Eigenschaften, seine Um wiistlichkeit, fein Widerstand gegen alle zersetzenden flüffe, waren in jener ältesten Zeit bereits bekannt, her verwandten die Israeliten es beim Bau der Sti Hütte und später auch beim Bau des Tempels, für ungeheure Masse von 100 000 Zentnern Gold Derbraa wurde.
Dr. theol., jur. et meb. h. c Adolf Dam der Begründer der Bewegung für Bodenre feiert am 24. November seinen 65. Geburt! Damaschke wählte zuerst die Lehrerlaufbahn, w mete sich aber später ganz dem Gedanken der denreform, den er in zahlreichen Schriften stet« neuer Energie vertrat. In Anerkennung se" hohen Derdienste wurde Damaschke von drei F täten der Ehrendoktor verliehen.
Steine Nachrichten.
Der 60 Jahre alte Steuerassistent Hirschelmann aus R u d o l st a d t erlitt in der Versammlung eines Gesangvereins in dem Moment einen Herzschlag, als das Ergebnis seiner Wiederwahl zum 1. Vorsitzenden des Vereins bekannt wurde.
In der Gegend von I l m e n a u und von O b e r- hof ist nach dem Eintreten starten Frostes nachts wiederum Schnee gefallen. Eine Schneedecke liegt bereit. Die Sportbegeisterten hoffen auf einen guten Sportwinter.
Das Kinderheim der Stadt Pößneck wurde durch ein Schadenfeuer heimgesucht, dem ein Schuppen zum Opfer gefallen ist. Die Entstehung des Brandes wird darauf zurückgeführt, daß Kinder mit Streichhölzern gespielt haben.
Da der Stadtrat von Apolda in seiner letzten Sitzung eine Erhöhung der Hundesteuersätze abgelehnt hatte, verfügte der Staatskommissar Dr. Trümmler die zwangsweise Einführung.
Der 65jähr. Landwirt Julius Heise aus Badra bei Sondershausen erlitt auf dem Heimweg vom Felde einen epileptischen Anfall, fiel mit dem Gesicht auf die Erde und erstickte.
In Ostheim (Rhön) feiert am kommenden Samstag das seltene Fest der dimantenen Hochzeit das Ehepaar Georg Ludwig Ferdinand Genßler und Frau Marie Christiane, geb. Trabert.
In Euerdorf (Rhön) wurde bei der Einfahrt des Zuges um 20.46 Uhr dem Schneidermeister Hesselbach aus Sulzthal beide Beine und em Arm abgefahren. Der Unglückliche verstarb kurze Zeit darauf.
Die Nationalsozialisten haben wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Hoffentlich führt dieser Vorfall zu der Erkenntnis, was die katholische Minderheit in Deutschland unter nationalsozialistischer Herrschaft zu erwarten hätte. So lange die Katholiken einig sind, wird es diesen rücksichtslosen Herrschaften freilich nicht gelingen, ihren Haß an dem Katholizismus, dem einzigen Bollwerk gegen den Radikalismus, auszulassen. Rüsten wir uns zum Kamps l
General Blücher,
der populäre Führer der Sowjetarmee im 8 Osten, ist plötzlich fernes Kommandos enthoben verhaftet worden. Blücher war der Kommais der Sowjettruppen während der Kämpfe uM mandschurische Bahn.
Kulturkampf in Jugoslawien.
Das „Königreich her Serben, Kroaten und Slowenen" ist von der Natur reich bedacht worden. Es besitzt beispielsweise in Dalmatien eine Küstenlandschast, die der italienischen Riviera an Schönheit kaum nachsteht. Um den schon starken Fremdenverkehr noch zu steigern, begegnen Beamte und Volk den Ausländern, zumal den vielen Deutschen, mit aller nur wünschenswerten Freundlichkeit.
Der katholische Besucher Jugoslawiens sucht naturgemäß auch die kirchlichen Verhältnisse kennen zu lernen. Sobald er aber hier und dort zu fragen beginnt und Umschau hält, wirb er Dinge gewahr, die ihn in Erstaunen setzen, von denen er zu Hause bisher nich.s gehört oder gelesen hat.
Befinden sich Menschen in Hörweite, so spricht der Berichterstatter mit gedämpfter Stimme; denn vielleicht ist der freundliche Herr, der im Eisenbahnabteil uns ge- genübersitzt oder auf öffentlichem Platz wie von unge«
Billige
und trotzdem gute
Gold und Geld
Vielfach wird angenommen, daß die beiden Wärter „Gold" und „Geld" den gleichen sprachlichen Ursprung hätten und miteinander verwandt wären. Dem ist jedoch nicht so, sie gehen vielmehr auf ganz verschiedene Sprachwurzeln zurück. Während das Wort „G el d" mit dem Zeitwort „gelten" zusammenhängt, steckt in dem Wort „G o l b" bieselbe Wurzel wie in „g e l b". Die Germanen haben also in biefem Falle nicht, wie es sonst meist geschah, mit bem von fremben Völkern eingeführten Ding auch ben fremben Namen übernommen, sondern haben das ihnen unbekannte Metall mit einem eigenen Wort („Das Gelbe") bezeichnet, während das Wort „Silber" ein Lehnwort aus einer nicht mehr festzustellenden Sprache ist. Die edlen Metalle waren in Mittel- und Nordeuropa nickst heimisch, sie gelangten dorthin wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten vor Christus, möglicherweise durch die Phönizier, vielleicht auch durch die Römer. Auch Italien und Griechenland waren nicht die Ursprungsländer der edlen Metalle, sondern die Griechen und Römer lernten diese erst durch die orientalischen Völker kennen. Wir wissen, daß in Babylon und Ninive Gold schon im zweiten und dritten Jahrtausend vor Christus zu Zwecken des Geldverkehrs gebraucht wurde. Zum Teil wurde es in den angrenzenden Ländern, besonders in Persien und Kolchis, gefunden (daher der Zug der Argonauten nach Kolchis zum Erwerbe des „goldenen Vlieses"), größtenteils aber kam es aus Aegypten. Aegypten besaß in dem Goldland Nubien die d a m a l i ge Goldkammer der Welt, und seine derzeitige große Bedeutung beruhte nicht zuletzt auf dem reichen nubischen Goldvorkommen. Unter Ramses II., also um 1300 vor Christus, lieferten die nubischen Bergwerke jährlich für zwei Milliarden Gold. Seit dem Jahre 2000 kannte man in Aegypten auch bereits die Prägung des Goldes. Während bis dahin unbearbeitete Goldstücke und -klumpen
Dr. Käthe Schirmacher,
ist im Alter von 65 Jahren an Herzschwa, storben. Käthe Schirmacher, eine geborene gerin, trat in der Nachkriegszeit besonders käm-ferin für das Deutschtum im Osten ein hörte 1919—20 als deutschnationale Abgeör der Nationalversammlung an.
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ungerechtfertigsten Weise mit seinem politischen Haß verfolgt und sein Amt als R ichsinnen- minister einseitig dazu mißbraucht, dem Land Thüringen und seiner durchweg in einem andern weltanschaulichen Lager stehenden Bevölkerung schwersten Schaden zuzufügen.-
Zum Schluß gibt die Erklärung der Hoffnung Ausdruck, daß die thüringischen Koalitionsparteien rücksichtslos ihren Einfluß anwenden werden, um Dr. Wirth aus dem Reichskabinett zu entfernen.
Rach dieser maßlos frechen Provokation, die von den bürgerlichen Parteien geduldet und ermöglicht wurde, wurde der kommunistische Antrag auf Landtagsauslösung mit 28 Stimmen der Rechten gegen 24 der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Enthaltung des Vertreters der Staatspartei abgelehnt.
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Abgeordneter Buresch wurde zum Vorsitzenden der christlich-sozialen tion im österreichischen Staatsrat wiedergewähl
KommunalpolMsches.
— Der Fehlbetrag der Stabt Bonn. Nach bem letzten Vierteljahresbericht über bie Einnahmen unb Ausgaben ber Stabt Bonn ergibt sich ein neuer Fehlbetrag von 191291 Mark. Der aus bem vergangenen Rechnungsjahr übernommene Fehlbetrag beträgt 3 070 876 Mark. Insgesamt ergibt sich also ein Defizit von 3 262167 Mk. Diese brücfenbe Schuldenlast, bie durch die erhöhten Wohlfahrtslasten und das Sinken der Einnahmen immer mehr ansteigt, hat bie Stadtverorbneten veranlaßt, eine Entschließung burch die Stadtverwaltung an den preußischen Minister bfs Innern, den Reichsfinanzminister und an die Präsidenten des Preußischen Landtags, des Preußischen Staatsrats und des Reichstags zu übersenden. In der Entschließung kommt zum Ausdruck, daß die Reichsund Staatsregierung Maßnahmen ergreifen mögen, um
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genb sofort wieder unter berri Namen „Kreuzfahrer" sammelte, wurde der ehemalige Vorsitzende ber £)rao gefangengefetzt unb 12 Tage lang mißhandelt. Es ist auch bezeichnend, daß die kleine von einigen abgefallenen kroatischen Priestern gestiftete Sette der „Altkatholiken" in auffälliger Weise von ber Regierung begünstigt wirb.
Die Freimaurerei von Belgrab, bie von ber französischen Loge ihre Befehle empfängt, hat diesen Kultur- kampf ins Werk gesetzt. General Zivkovic, der Präsident des Kabinetts, bas im Namen bes Königs bie Diktatur ausübt, ist Freimaurer von hohem Rang. Man weiß, baß bie serbische Regierung vor keinem Mittel zurückschreckte, um ben jugoslawischen Staat zu begründen unb zu festigen. Wie sie sich ihrer politischen Feinbe entledigte (und ben Mörber bes Erzherzogs Ferbinanb unb feiner Gemahlin durch eine Gedenktafel in Serajewo verherrlichte), so wird sie auch gegenüber den Katholiken Mm äußersten Mittel greifen, wenn sie es für nötig hält. Cs ist leider in Deutschland zu wenig bekannt geworden, daß eine serbische Behörde am 13. Oktober 1929 ben Franziskanerpater Gjekov durch zwei Gendarmen erschießen ließ, weil er die wegen ihres Glaubens bedrängten katholischen Albaner in Sübferbien in Schutz nahm.
Es ist gut, daß die deutschen Katholiken erfahren, was in Jugoslawien vorgeht. Das katholische kroatische Volk aber darf unserer aufrichtigen Teilnahme versichert
Das Verkrauensvokum angenommen.
Die Regierungskrise beigelegt. — Die Nationalsozialisten bestimmen den Kurs Thüringens. — Schmählicher Umfall der Bolkspartei. — Konfessionelle Hetze gegen Wirth und das Zentrum.
In Thüringen hatte bekann.ich eine Regierungskrise gedroht, weil Dr. Frick den völkisch eingestellten Führer der Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei zum Ministerialdirektor im Innenministerium machen wollte. Auf den Protest der Deutschen Volkspartei ist diese Ernennung jedoch „vorläufig" unterblieben. Die Nationalsozialisten waren so klug, durch dieses kleine Entgegenkommen der Volkspartei den taktischen Vorwand zu nehmen, den sie gebrauchte, um nicht für den nationalsozialistischen Dertrauensantrag für die gesamte Regierung stimmen zu müssen. Die Deutsche Volks- Partei hatte dann auch nicht den Mut, dem Diktat der Nationalsozialisten zu trotzen, was bei den Abstimmungen am Donnerstag deutlich zum Ausdruck kam.
In der Sitzung stellte Abg. Höfer (Landvolk) namens her Regierungsparteien einschließlich der Deutschen Volkspartei den Antrag, über die neuen sozialdemokratischen Mißtrauensanträgege- g e n die nationalsozialistischen Regierungsmitglieder Frick und Marschner zur Tagesordnung überzugehen. Offenbar sollte so den volksparteilichen Abgeordneten, die sich vor den Sommerferien bei der Abstimmung über ähnliche Anträge der Stimme enthalten hatten, wenigstens das Schlimmste erspart bleiben. Der Antrag wurde mit 28 Stimmen der Koalitionsparteien gegen 25 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und der Staatspartei angenommen.
Ehe dann die Abstimmung über den n a t i o - nalsozialistischen Antrag, der Regie- rung das volle Vertrauen auszusprechen, erfolgte, wurde der von der Volkspartei gestellte Antrag, über diesen, in der Verfassung nicht vorgesehenen Vertrauensantrag zur Tagesordnung überzugehen, zurückgezogen. Der Vertrauensantrag der Nationalsozialisten für die Gesamtregierung wurde dann mit 28 Stimmen der Regierungs- koaliüon, einschließlich der Deutschen Volkspartei gegen 25 Stimmen der Staatspartei, der Sozialdemokraten und ber. Kommunisten angenommen.
Die Bolkspartei motivierte ihren Umfall mit der Erklärung, daß die Verhandlungen der Koalitionsparteien ein für sie tragbares Ergebnis gehabt hätten. Die volksparteiliche Fraktion stimme für den Vertrauensantrag, der nach der übereinstimmenden Auffassung aller Koalitionsparteien nachträgliche Revision der Stellungnahme der einzelnen Parteien für die Vergangenheit bedeute, sondern „eine Brücke bilden solle für eine bessere und vertrauensvollere Zusammenarbeit in der Zukunft!" Erleichtert werde der Volkspartei die Zustimmung auch dadurch, daß sie mit den anderen Koalitionsparteien durchaus einig sei im Kampf gegen den Reichsinnenminister Dr. Wirth um die Weitergewährung der Polizeizuschüsse.
Die Abstimmung der Bolkspartei ließe man sich bei der Zwangslage, in' der sich die Deutsche Volkspartei in Thüringen befindet, noch gefallen, wenn die Nationalsozialisten n cht in einer von Abg. S a u ck e l abgegebenen Erklärung die Abstimmung in ihrem Sinne ausgelegt hätten. Diese nationalsozialistische Erklärung enthält die denkbar frech st en und schärf st en Angriffe gegen Dr. Wirth. U. a. wurde ihm vorgeworfen, er betreibe „in unerhört verfassungswidriger Weise" die Zerstörung der finanziellen Existenzgrundlagen des Landes Thüringen. Die „willkürliche Sperrung der Polizeigelder" habe Thüringen schwersten finanziellen Schaden zugefügt. Dann heißt es wörtlich:
„Diese willkürlichen Maßnahmen zwingen zu der Erkenntnis, daß der Reichsinnenminister Dr. Wirth als Angehöriger des schwarzreaktionären Zentrums das durch feine evangelische Tradition bekannte Land Thüringen in der
liken Sand in die Augen streute.
Mit raffinierten Mitteln wirb in Jugoslawien ein Kulturkampf gegen bie katholische Kirche geführt. Die Regierung in Belgrab erstrebt ein einheitliches Groß- ferbien, in bem bie griechische Orthodoxie soweit als möglich herrschen soll. In der katholischen Kirche sieht isie ben Hauptfeind ihrer Bestrebungen. Diesem „staatsfeindlichen Element" ist deshalb ein rücksichtsloser Krieg erklärt. Zunächst beschränkt er sich auf bie kroatischen Landesteile. Der Staatsstreich vom 6 .Januar 1929, ber die Diktatur bes Königs errichtete, hat trotz schöner Versprechungen keine Besserung gebracht.
Der Kampf wird namentlich auf bem Gebiete ber Schule geführt. Die neutrale, b. h. praktisch religionsfeindliche Staatsschule nach französischem Muster schwebt ioIs Ziel vor Äugen. Man hat die bestehenden katholischen Volks- und Mittelschulen noch nicht unterdrückt, «aber das neue Schulgesetz verbietet bie Eröffnung von weiteren katholischen Schulen unb bebroht bie Existenz her bestehenden.
Die katholischen Mittelschulen hatten bas Recht, bie Reifeprüfung abzuhalten. Zu Beginn bes Schuljahres 1929-30 wurde der Versuch gemacht, dieses Recht für nichtig zu erklären. Auf bie Vorstellungen bes Episkopates versprach ber König, baß nichts geändert werben solle. Aber einige Tage vor der Prüfung erschien ein Erlaß bes Unterrichtsministeriums, ber jenes Recht aufhob. Daraufhin begab sich ber Erzbischof von Zagreb persönlich zum König unb erwirkte für biefes Mal bie Zurückziehung bes Erlasses. Was wird aber in den folgenden Jahren geschehen? Hat doch der Unterrichts- minifter Maksiniovic bei einer Gelegenheit geäußert: Der König mag befehlen, was er will: ich werbe schon Mittel finden, meinen Willen' durchzusetzen.
Im Juli 1930 erschien das Schulgesetz in „verbesserter" Auflage. Worin besteht bie „Verbesserung"? In ber Erdrosselung der Lehrer- und Lehrerinnenseminare. Nach § 4 bes „verbesserten" Gesetzes wird ein Bevollmächtigter des Ministeriums bei den Schlußprüfungen zugegen fein. Auf Grund feines Berichtes wird ber Un- terridjtsminifter die ausgestellten Diplome für gültig ober ungültig erklären. Der Besitzer eines Diploms „kann" bann Anstellung in einer staatlichen Volksschule erhalten. Die Teilnahme bes Regierungsvertreters unb bie Gültigkeitserklärung ber Diplome sind Ausnahmebestimmungen für bie katholischen Anstalten, unb bann hängt bie Anstellung ber erfolgreichen Kandidaten noch von dem guten Willen der Regierung ab. In ber Tat warten hundert Lehrerinnen aus katholischen Seminaren schon lange vergeblich auf Anstellung, während alle aus staatlichen Anstalten hervorgegangenen sofort einen Platz finden. Man will durch solche Mittel die katholischen Eltern zwingen, ihre Töchter in staatliche, b. h. katho- slkenfeindliche Bildungsanstalten zu schicken.
Damit ben Kindern ber „richtige Geist" — bas heißt IHaß gegen Papst unb Kirche — eiygepflanzt werde, schickt man orthodoxe serbische Lehrer in bie katholischen Dörfer jener Landesteile, die man am leichtesten ferbifieren zu können glaubt: Bosnien, die Herzegowina, Mazedonien, das Banat. Umgekehrt versetzt man katholische Lehrkräfte in orthodoxe Gebiete, Lehrerinnen mit Vorliebe in Dörfer, die nur einen serbischen Lehrer haben, um die Katholikinnen zu zwingen, orthodoxe Serben zu heiraten. So hat man 1929-30 127 katholische bosnische Lehrerinnen in Serbien untergebracht, dagegen 300 serbische Lehrer in katholischen Gegenden Bosniens.
Ferner sind fast alle Inspektoren ber katholischen Privatschulen orthodoxe Serben. In ben katholischen Gymnasien von Serajewo, Mostar, Banjaluka und Su- botica wurden alle katholischen Lehrer durch Serben ersetzt. Nach dem neuen Schulprogramm für 1930-31 ist ■in den beiden obersten Klassen ber Mittelschulen ber Religionsunterricht von zwei Stunben auf eine herabgesetzt, in ben beiben obersten Klassen ber Lehrerseminare ist er ganz unterbrückt. Die Bischöfe sind nicht mehr frei in der Wahl ber Relimonskebrer für h;» Volksschulen. Sie haben nur bas Vorfchlagsrecht. Der Bezirksbeamte kann die Anstellung verweigern oder widerrufen, wenn die' Unterrichtsmethoden des vorgefchla- genen Priesters „nicht auf pädagogischer Höhe" stehen, oder wenn fein Charakter keinen günstigen Einfluß aus bie Kinder erwarten läßt, wenn er beispielsweise zu eifrig ist unb bie katholische Kirche als bie allein wahre ver- tünbet. So kommt es häufig vor, baß ber einzige Priester in einem Dorf keinen Religionsunterricht erteilen darf und ein weltlicher Lehrer, vielleicht gar ein Serbe, feine Stelle einnimmt. .
Die Schüler der Staatsschulen dürfen keine katholischen Zeitschriften beziehen, weder religiöse, wie den Herz-Jesu-Sendboten unb Missionsblätter, noch wissenschaftliche.
Nur staatlich vorgeschriebene Schulbücher finb gestattet. Die Handbücher der Gefcknchte sind voll von gehässigen Bemerkungen. So schreibt die von ber Regierung empfohlene Geschichte bes Altertums von Danilo Vu- lovic, die übrigens auch obszöne Bilder enthält, im Sinne Harnacks gegen die Gottheit Christi. Die Geschichte der Serben, Kroaten und Slowenen von Gabre- novie, die für die Volksschule vorgeschrieben ist, nennt ben Katholizismus ben Feinb ber jugoslawischen Einheit und verherrlicht den Apostaten Trüber als Nationalhelden. Die Geschichte des Mittelalters von Vulovic- Deric, die fast allein im Gebrauch ist, enthält Dutzende von Verleumdungen gegen die katholische Kirche. Die katholische Presse muß sich jeder Kritik dieser Lehrbücher enthalten.
Die Presse untersteht strengster staatlicher Zensur. Sie bars nicht über bie kirchliche Union, nicht gegen ben Protestantismus ober Mischehen, vor allem nicht gegen bie Freimaurerei schreiben. Wenn ein katholisches Blatt einmal bas Wort Jube statt Israelit gebraucht, wird es unterdrückt. Dagegen sind den nichtkatholischen Blättern alle Angriffe auf Papst und Kirche erlaubt: Die Päpste hätten stets die politische Weltherrschaft erstrebt: sie seien verantwortlich für bie Trennung ber Kirchen; sie hätten bie Christenheit zu ben unseligen Kreuzzügen aufgehetzt; bie Gegenpäpste seien immer noch die besten gewesen.
Die Regierung hat bie ausgezeichnete katholische Jugendvereinigung „Oro" unterdrückt, unb als sich bie Ju-
Vilder vom Tage.
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