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Samstag, 22. November 1930.
Monatlich 1,80 einschliehl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne ZusteUg-
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Wechsel in der Leitung des Marineamts
ton neuer IlederbriSnnzsIredil.
Sn einem Teil der Press« ist die Nachricht verbreitet, daß zum Ende des Jahres ein Kredit zur Deckung eines Defizits von erheblicher Höhe ausgenommen werden müsse, und daß für die Zurverfügungstellung dieses Kredites wiederum die Annahme des Sanierungsprogramms zur Bedingung gestellt sei. Diese Nachricht entspricht in keinem ihrer Teile der Wahrheit. Es wird ein neuer Ueberbrückungskredit nicht benötigt. Alle daran geknüpften Folgerungen fallen hiernach fort.
die Erhöhung der Zsichensteuer von 33 auf 35 v. H. zu tragen, während der übertrieben hohe Satz der Zeichensteuer bei Feinschnitt von 60 auf 50 v. H. gesenkt worden ist. Bei der Zigarette wird mit Rücksicht auf die höhere Zollbelastung die Materialsteuer von 500 auf 450 Mark für einen Doppelzentner herabgesetzt. Dagegen wird Zeichensteuer von 33 auf 38 v. H. erhöht.
Es ist nicht zu bestreiten, daß die dem Tabak- gewerbe damit auferlegten neuen Lasten namentlich in der jetzigen Zeit noch immer e in e ganz scharfe Anspannung für das Gewerbe bedeuten, die gern vermieden worden wäre, wenn nicht die unbedingte Zwangslage für diese Mehrbelastungen bestünde. Andererseits kann nunmehr das Tabakgewerbe der Zuversicht sein, daß es künftig mit weiteren Abgabebelastungen verschont bleiben wird, weil kein vernünftiger Mensch der Ansicht sein kann, daß steuerlich über die Vorlage hinaus noch mehr aus dem Tabak wird herausgeholt werden können. Die nunmehrige Abgabenbelastung bringt in künftigen Normaljahren ein Erträgnis von rund 11- Milliarden Mark, also eine Summe, die auch durch anderweitige Gestaltung der Abgabenbelastung beim Tabak insbesondere auch nicht durch Monopolisierung wird überboten werden können. Der Monopolgedanke darf menschlichem Ermessen nach als überstanden angesehen werden.
Im übrigen enthält die Vorlage eine Reihe von Sonderbestimmungen zum Ausgleich von Härten insbesondere während der Uebergangszeit für Tabakwarenhersteller, Tabakarbeiter und Gemeinden.
Konteradmiral Heusinger v. Waldegg, wurde zum Chef des allgemeinen Marineamts im Reichswehrministerium ernannt,
* Der Konflikt in der sächsischen Volksparkei. Der Führer der sächsischen Landtagsfraktion der Deutschen Bolkspartei, Oberbürgermeister Dr. B l ü h e r (Dresden), hat, wie das „B. T." aus Dresden berichtet, sein Mandat niedergelegt. Den Grund zu diesem Verzicht liegt, wie das Blatt weiter meldet, in der Kritik, die der Landesvorstand an Dr. Blü- her geübt hat. Der Vorstand hatte es, wie gemeldet, mißbilligt, daß Dr. Blüher sich bei der Wahl des Landtagspräsidiums gegen den nationalsozialistischen Kandidaten aussprach.
* Unterredung Stegerwalds mit Lord vrad- bury in London. Nach einer Meldung des WTB.» Handeksdienstes hatte Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald gelegentlich seines Aufenthaltes unter anderem auch eine Unterredung mit Lord Brad- bury, der im Jahre 1925 die erfolgreiche Preissenkungsaktion in England durchgeführt hat.
Die Tabaksteuervorlage.
In der Vollsitzung des Reichsrates wurde die Tabaksteueroorlage der Reichsregierung mit den durch die Reichsratsausschüsse vorgeschlagenen Aen- derungen angenommen.
Die Vorlage sieht nunmehr eine Erhöhung des Rohtabakzolles auf 200 Rm. für einen Doppelzentner vor. Der fogenannte steuerbegünstigte Feinschnitt wird auch weiterhin wie Pfeifentabak versteuert. Die durch diese beiden Maßnahmen bedingte Preissteigerung für In - landstabak bietet die Gewähr, daß die Tabakpflanzer künftig unter allen Umständen angemessene Preise für ihre Erzeugnis erzielen. Die weiterhin in der Vorlage enthaltenen Vorschriften über die Kontingentierung desTabakbaues schaffenSicher- heit dafür, daß durch übertriebenen Mengenanbau die Vorteile der Zollerhöhung für die Pflanzer nicht hinfällig werden. Außer der höheren Zollbelastung hat die Zigarre noch die Erhöhung der Zeichensteuer von 20 auf 23 v. H., der Pfeifentabak
Deutsche Protestkundgebung.
Gegen geplanten Lolonialraub Englands.
Von unserem parlamentarischen Vertreter:
Am 20. November findet im ehemaligen Herrenhause zu Berlin eine große Protestkundgebung gegen die geplante Einverleibung Deutsch-Ost-Afri- kas in das Britische Kolonialreich statt. Diese öffentliche Kundgebung ist einberufen von nahezu allen Organisationen im öffentlichen, politischen und wirtscknrstlichen Leben.
Wie in der Frage der Revisionen, so geht auch m der Kolonialfrage eine tiefe Bewegung durch unser Volk. Mit barbarischer Rücksichtslosigkeit wurde uns ein Kolonialreich von mehr als der sechsfachen Größe des "heutigen Deut instand geraubt. Mr sind ausgeschlossen von eigener Kolonisation, die ehemaligen deutschen Kolonien sind unter die Mandatverwaltung fremder Mächte gekommen. Unsere ohnehin bis zum Höchstmaß durch Reparationsverpflichtungen belastete Wirtschaft muß heute alle Rohstoffe und Nahrungsmittel aus den Kolonien nunmehr vom Ausland kaufen, ist deshalb ausgeschaltet aus der Konkurrenz. Wir haben keine Möglichkeiten mehr, unseren Bevölke- rungsüberschuß in den Kolonien unterzubringen. Nirgendwo ist Deutschland Ersatz geboten. Unsere kolonialen Forderungen blieben bis heute ungehört. Hie und da wohl machten sich Stimmen vernehmbar, wir erinnern an Philip Snowden, der im Juli 1926 einen Artikel mit der Ueberschrift veröffentlichte: „Gebt Deutschland seine Kolonien wieder", aber es blieb dabei. Und als Snowden als Schatzkanzler in das englische Arbeiterkabinett ein« trat, hat er sich völlig gewandelt.
Die englische Arbeiterregierung hat bekanntlich sogar eine Vorlage gemacht, in der ihre Absicht, Deutsch-Ost-Afrika in das Britische Kolonialreich einzuverleiben, deutlich zum Ausdruck kommt. In einem Weißbuch, das einer parlamentarischen Kommission zur Bearbeitung vorliegt, wird die Zusammenlegung des deutsch-ost-afrikanischen Mandatsgebietes mit den angrenzenden englischen Kolonien Kinya und Uganda unter einem englischen Ober» kornrnissar gefördert werden.
Die Deutsche Reichsregierung hat sich sofort in aller Oeffentlichkeit und beim Völkerbund gegen diese englische Bedrohung des Mandatssystems mit- aller Schärfe gewandt. England hat nur die Verwaltung über Deutsch-Ost-Afrika, niemals aber das Recht, dieses Gebiet ohne weiteres in feine Tasche zu stecken.
Nunmehr soll das deutsche Volk in seiner Gesamtheit zum öffentlichen Protest aufgerufen werden. Es soll protestieren gegen die englischen Anek- tionsabsichten. Und dieser Protest muß sich fortpflanzen durch alle Städte Deutschlands, soll ausklingen in unserer erneut erhobenen ausdrücklichen Forderung: Gebt uns die Kolonien wieder.
Vizeadmiral Prenhel.
der bisherige Chef des Marineamts, scheidet mit dem 30. November aus dem Marinedienst aus.
Die Lage in Spanien.
Der spanische Ministerpräsident General Be- renguer erklärte, wie aus Madrid gemeldet wird, daß an den Gerüchten von einem Aufstand einiger Regimenter nichts Wahres fei. Das Militär stehe hinter der Regierung. Das Heer wünsche nur Gelegenheit zu haben, gegen die zu kämpfen, die die Ordnung stören wollen. Die Regierung fei auf ihrer Hut und fürchte sich vor niemanden.
Aus Sevilla wird gemeldet, daß Streikende in Triana Privatautomobile, die nach Sevilla fahren wollten, anhielten und zur Umkehr zwangen. Die Universität ist infolge der Student en Unruhen geschloffen worden. In Alicante können die Zeitungen wegen des Setzerftreiks nicht erscheinen. Bei Demonstrationen der Streikenden vor dem Regierungsgebäude mußte Zivilgarde aufgeboten werden, um die Demonstranten ausemander- zutreiben. Zahlreiche Verhaftungen sind vorge- nommen worden. Der Gouverneur hat versvro- chen, alle verhafteten Personen wieder in FreitM zu setzen, falls Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen würde.
Gerüchte von einer neuen Militärdiktatur.
wtb. Paris. 21. Nov. (Eig- Meld.) Oeuvre und Populaire wollen aus sicherer Quelle erfahren haben und berichten übereinstimmend, daß König Alfons von Spanien eine neue Militärdiktatur nach dem Muster Primo de Riveras vorbereitet und zu diesem Zweck vorgestern mit General Mola, dem Leiter der spanischen Sicherheitspolizei verhandelt habe.
Vom Reichsrat zum Reichstag
Eine Kundgebung des deutschen Autzen-Ministers.
Worte, mit denen er gewöhnlich feine Hörer überschüttete.
Figaro meint, kein deutscher Minister habe bisher die Forderung seines Landes in einem derartigen Ton vorgetragen. In Frankreich würden si chdarüber nur die wundern, die auf die Konzessionspolitik große Hoffnungen gesetzt und von Deutschland Dankbarkeit dafür erwartet hätten, daß Frankreich die deutsche Reparationsschuld herabgesetzt und das deutsche Gebiet 5 Jahre früher als vorgesehen geräumt habe. Es wäre gut, wenn die Berliner Regierung sich darüber klar sei, daß von Frankreich keine neuen Konzessionen zu erwarten seien, die sowieso dem Frieden nicht dienlich wären.
Wir kennen ja die Redensarten der französischen Nationalisten! Sie sind ebenso geistreich wie diejenigen der deutschen -Nationalisten. Und ebenso unfruchtbar!
And Amerika?
wtb. Jtero Pork, 21. Nov. (Eig. Meld.) Von den Morgenblättern beschäftigt sich vorläufig nur „Times" in einem Leitartikel mit der gestrigen Rede des Reichsaußenministers. Das Blatt weist auf die „beruhigeichen Versicherungen" Dr. Curtius hin und erklärt, der Minister habe die öffentliche Meinung in Deutschland darauf verwiesen, daß, falls die Lasten des 'goung-Planes unerträglich werden sollten, Deutschland nicht hilflos sei, da der $oung= Plan selbst das Zugeständnis enthalte, daß eine Revision eines Tages sich als notwendig erweisen könnte. Dr. Curtius habe auch erklärt, daß Deutschland den Ioung-Plan nicht zerreißen und sich seinen ausdrücklich übernommenen Verpflichtungen nicht entziehen werde. Aehnliche Zusicherungen seien bereits von Dr. Schacht gegeben worden Nachdem sie nun aber Dr. Curtius für die Deutschs Regierung gegeben habe, sollten die ehrlichen Absichten der deutschen Republik nicht leichthin angezweifelt werden.
uldaerZeitung
Anzeiger für die Skadk Iulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.
Forderung der Gewerkschaften.
Der Gesamtvorstand der christlichen Gewerks dui st en hielt in Berlin eine Konferenz der Vervandsvorstände ab. Den breitesten Raum in den Beratungen nahmen wie der „Deutsche" berichtet, die Fragen der Arbeitslofig- keit, der Lohnsenkung und des Preisabbaues ein. Obschon Beschlüsse zu diesen Fragen nicht gefaßt wurden, war die Aussprache von voller EinmütigSeit getragen. Zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit wurde vor allem die Schaffung zusätzlicher Arbeitsgelegenheit verlangt. Auch im Rahmen der Arbeitslosenversicherung müßten Mittel für produktive Arbeiten bereitgestellt werden. Die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse der Unterbringung von Arbeitslosen kann nicht generell, sondern nur von Beruf zu Beruf entschieden werden. Zumeist sei die Kurzarbeit schon sehr stark. Insgesamt sei eine Verkürzung der Arbeitszeit schon aus dem Grunde anzustreben, da der Bedarfsnachfrage bei erheblch verkürzter Arbeitszeit genügt werden könne, ohne daß sich dadurch die Produktionskosten erhöhen würden.
In der Lohnstage ergab sich völlige Einmütigkeit darin, daß unter allen Umständen der seitherige Real lohn der 2trbeiter(*aft über die Krisenzeit h'nübergerettet werden mülle, lieber die Lohngestaltung in der Krisenzeit müßten die Gewerkschaften mitbeftimmen. Zur Hebung und Haltung des Reallohnes fei der Preisabbau nachdrücklichst zu fordern. Da die Staatsnot mindestens so groß wie die Wirtschaftsnot sei, müßten die Diener des Staates in erster Linie Opfer bringen, um die finanzielle Staatskrise zu überwinden. Mit der finanziellen Staatskrise stehe die Frage der Reva- rationen in engstem Zusammenhang. Diese Belastung sei nicht nur eine Ungerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlicher Irrsinn, der die wirtschaftliche Ordnung in der ganzen Welt bedrohe.
Das deutsch-polnische Problem.
Der Ausgang der polnischen Wahlen und der nunmehr bekannt gewordene Aufruf des polnischen Aufständischen-Verbandes, in welchem der Dank dafür ausgesprochen wird, daß die Mitglieder den Kampf gegen die Sermanifierung Oberschlesiens mit so „zweckentsprechenden" Mitteln aufgenommen hätten, verstärken bei uns die Auffassung, daß auf dem Wege direkter Verständigung mit Polen niemals die Rechte der deutschen Minderheiten vollauf zu schützen sind, daß überhaupt das deutsch-polnische Problem nur zu einer gerechten Lösung gebracht werden kann, wenn wir dasselbe vor das Weltforum bringen und in der öffentlichen Diskussion unsere berechtigten Forderungen für den deutschen Osten erneut vortragen.
Wohl hat Zaleski heuchlerisch betont, Polen habe den lebhaften Wunsch, gute Beziehungen zum Nachbar Deutschland zu unterhalten und sei bereit, tm Geiste der Versöhnung und der Zusammenarbeit ztt prüfen, wie die Lage in Ost-Preußen verbessert werden könne. Kein Wort aber verlor er über den Regierungsterror gegenüber den Minderheiten in Ost- Oberschlesien. In feiner bekannten Anmaßung erklärte er sogar bezüglich der Streitfragen zwischen Deutschland und Polen, daß Polen niemals auf den Korridor verzichten werde, daß es nach seiner Meinung Ostvreußen sogar febr gut gebe.
Jetzt, wo wir inmitten der Debatte über die Revision der Reparationspolitik, der Weltwirtschaftskrise, der Abrüstung, der europäischen Verstandl- qung überhaupt stehen, rückt das deutsch-polnische Problem in den Vordergrund des Interesses und muß bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Debatte kommen. Wir haben ebenfalls im Geiste der Verständigung, aber doch mit betonter Entschieden- beit eine Revision des gekirnten Ost-Problems zu fordern, vor allem eine Revision der unerträglich gewordenen Grenzziehungen.
| - r Reichsrat hat am Donnerstag einen großen KJaebabt, dessen Bedeutung noch über die der «ntliÄen Sitzung hinausging, mit der vor 14 die jetzt abgeschlossene Session eingeleitet ■K gn dieser kurzen Zeit hat der Reichsrat » Stbin gtftellte Ausgabe wesentlich gelöst, indem M2« Reichsetat und die Reformvor- I f .n erledigte bis auf den Finanzausgleich I ws Steuervereinfachungsgesetz, die am kom- -«den Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung be- I ”“X[t werden. Mit dieser schnellen und gewalti- | V®; Weit hat der Reichsrat nach Ansicht politi- I Axeise die gute Zensur verdient, die der
Kanzler ihm erteilt hat.
Anschließend an den Reichskanzler sprach der Reichsaußenminister Dr. Curtius.
Der Außenminister wies auf den engen Zusam- | -ahang zwischen dem eben verabschiedeten Ge- Mebungswerk und der deutschen Außenpolitik hin, I er Verständnis auch im Auslande verlangte, sei abwegig, wenn von gewissen Stellen k Auslande ein Jnfragestellen der deutschen Unff terlchrift vermutet werde. Wir werden, sagte Dr. Lurtius, den neuen Plan nicht zerreißen, den tzeittagsboden nicht verlassen, aber eine Saran» I t,e für die Durchführbarkeit des Planes hat Deutschland in keinem Augenblick gegeben.
Wit Recht verwies Curtius darauf, daß feit der Haager Konferenz eine völlige Verschiebung der - ganzen Wirtschaftslage eingetreten sei. Die außenpolitischen Ziele der deutschen Reichsregierung bleiben unverändert: Erringung der nationalen Frei- s beit sowie der moralischen und materiellen Eleich- | berechtigung Deutschlands auf dem Wege des Friedens unter Ablehnung einer Politik der Abenteuer.
Nachdem Curtius diesen im Wesen unverän- ■ betten Zug der deutschen Außenpolitik nochmals scstgestellt hatte, ging er auf die
merkwürdige These Tardieus
ein, daß von einem vertraglichen Recht Deutschlands auf eine allgemeine Abrüstung nicht die Rede sein könne.
Bekanntlich beginnt die Bestimmung des Versailler Verttages über die Entwaffnung Deutschlands mit der Feststellung, daß der Zweck der | deutschen Entwaffnung die Herbeiführung der a 11= | gemeinen Abrüstung ist. Im Perttage von | Locarno ist das noch einmal bestätigt worden. Klar | und einwandfrei stellte Curtius fest: Nachdem K Deutschland die Voraussetzung erfüllt hat, muß die vertraglich festgelegte Folge, nämlich die allgemeine Abrüstung, eintreten.
Noch einmal betonte der Außenminister die \ feste Entschlossenheit, allen radikalen Bestrebungen, s allen abenteuerlichen Plänen in der Außenpolitik ! mit ruhiger Besonnenheit entgegenzutteten.
Aber nochmals spricht er die Erwartung aus, | daß das Ausland für unsere Lage mehr Verständnis zeigt, als es bisher vielfach der Fall gewesen ist. Ebenso wie auf dem Gebiete der Abrüstung befindet sich der französische Ministerpräsident hinsichtlich des Revisionsgedankte ns im Irrtum. Curtius nannte es einen schweren fehler, wenn Tardieu die Ansicht vertrete, schon das Aufwerfen gewisser Fragen sei gleichbedeutend mä Krieg. Es verdient, wörtlich festgehalten zu werde», was Curtius zu dieser absonderlichen These sagte:
„Wäre das richtig, bann wäre — das muß mit allem Ernst ausgesprochen werden — jede Hoff- ™U18 aus eine gedeihliche Zukunft nicht nur Deutsches, sondern Europas verloren! Wir lassen uns mcht von romantischen Träumereien bewegen und nicht imperialistischen Plänen nach.
Was wir erstreben, wird uns diktiert von den ^«ensnotwendigkeiten unseres Vol- Lebensnotwendiakeiten, die mit denen keines mDeien Volkes unvereinbar sind. Einen anderen rre3 den der friedlichen Verständigung ziehen AftMcht in Betracht. Das bestätige ich dem franzö- rnh n Außenminister ohne Vorbehalt. Wir, ge= 5 bedürfen des Friedens, wir sind von gD.ttoenbig£eit feiner Erhaltung durchdrungen. Zeitalter internationaler Zusammenarbeit muß L7 em friedlicher Weg zur Anpassung und zum h«„ der Lebenserfordernisse der Völker fin- Die Vernunft wird sich durchsetzen."
ganzen eine deutliche und würdige Ant- nivtt nach Paris.
Das Pariser Echo.
. ?"b. Paris, 21. Nov. (Eig. Meld.) Die Rede ° Reichsaußenministers Dr. Curtius ist von der breit' H^das in einem längeren Auszug ver- bl~tt Morden und wird von den meisten Morgen- ."n wiedergegeben, jedoch nur von wenigen Sr kommentiert. Das radikale Blatt „La Re- llgue" begnügt sich mit der vorläufigen Fest- ^ung, baß ber Reichsaußenminister bie schwieri- . Fragen nicht umgangen habe unb daß seine egungert ein wenig rauh klängen, aber ,5 Aggresives enthielten, was Frankreich zu ^atte herausfordere. Dagegen verhalten die beiden rechtsstehenden Blätter, die Ns Kommentare veröffentlichen, ablehnend, ^cha be Paris spricht vom beutschen Zorn über 'rus „Neuerung" in ber Frage der Abrü- und ber Revision ber Verträge. Dieser mehr weniger im Zaun gehaltene Zorn komme auch r Rebe von Dr. Curtius zum Ausbruck. Dr.
* wiederhole laut, was sehr ost in ge= > persönlichen Aussprachen erörtert worden leifte Frankreich damit einen Dienst. Man mm doppelt dankbar fein, wenn seine Dar- m dem französischen Parlament die Kraft von Briand mehr zu fordern als die-vagen
B- Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well
.ma im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag
*<• ZfU der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leifuna 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::