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NILS

IS. Aovember

Beilage zur Fuldaer Aettung

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serer Zeit angelegt wurde. Wenn man von dem zeitlich weiter zurückliegenden großen Rheinländer I. G ö r r e s absieht, dessen eigenhändiger Brief an Gneisenau mit 220 Mark abgegeben wurde, ist Karl Marx schon ein Politiker der neueren Zeit, der den Bismarckpreisen am nächsten kommt: 115 Mark für seinen Brief an Las­salle. Sein einflußreichster deutscher Anhänger 21 u g u ft Bebel fand für einen sechsseitigen Bries mit Unter­schrift nur einen Preis von 30 Mark. Ludwig Fulda erfuhr mit einem eigenhändigen Manuskript mit Na­menszug sogar nur eine Bewertung von 3 Mark; für einen Bries von Theodor Fontane wurden auch nur 6 Mark gegeben. Thomas Manns Einschät­zung — 11 Mark, für einen eigenhändigen Bries mit Unterschrift — ist auch nicht überwältigend. Eine schon beachtlichere Aufmerksamkeit erfuhr ein Brief Richard D e h m e l s mit Unterschrift, der für nur 25 Mark er­worben wurde. Ein Liliencronverehrer erschien gleich mit einem Paket von 29 eigenhändigen Briefen des unvergeßlichen Dichters der Adjutantenritte und kam

„Sie finden kein Gegenmittel, alles fruchtlos?" Dimitris Augen wurden groß und starr.

„Herr Kapitän, eine Idee erfüllt mich. Sie haben doch mein Gepäck versiegelt und in den Gepäckraum brin­gen lassen. Sie wissen doch, damals . .

„Es steht Ihnen selbstverständlich zur Verfügung."

„Ich suche ein grünes Krüglein. Mir ist, als führe ich seit Jahren ein solches Gesäß in meinem Gepäck herum."

„Eilen Sie, eilen Sie," gab der Kapitän zurück, „hier ist eine Bescheinigung für den Gepäckmeister —" er riß ein Blatt aus seinem Notizbuch, „da haben Sie, was Sie brauchen."

Dimitri stürmte fort, nur ein Gedanke beseelte ihn, der grüne Krug mußte herangeschafft werden.

Der Gepäckmeister wich entsetzt zurück, als plötzlich der Arzt zu ihm in die Kabine kam. ■

„Herr Doktor — Sie bringen mir den Tod — in meine stille Behausung —"

„Hier — Ausweis vom Kapitän, ich muß sofort an mein Gepäck."

Der Gepäckmeister überflog den Inhalt des Zettels, ohne das Papier anzufaffen. Er hatte eine unbefchreib- Angst vor einer Ansteckung.

„Ich gebe Ihnen alles, was Sie benötigen, Herr Dok­tor, nur gehen Sie aus meiner Zelle."

„Mir auch recht . Nur schnell, es brennt."

Wenige Minuten später waren sie beide im Gepäck­raum, der Gepäckmeister schasste die großen Gepäckstücke Dimitris herbei, die nach seiner Verhaftung vom Kapitän ebenfalls unter Siegel gestellt worden waren und half dem Arzt beim Oeffnen und Suchen.

Während Dimitri in seinem Gepäck herumwühlte, ver­suchte er sich mit äußerster Anstrengung in den Tiefen seines Gedächtnisses das schemenhafte Erinnerungsbild eines grünen Krügleins zu vergegenwärtigen. Ja, ihm war es so, als hätte er ein solches Gefäß, richtig, ja, es war gehimnisvoll verschlossen und versiegelt — bei sich gehabt. Natürlich — damals, viele Jahre zurück, als er Abschied nahm aus dem Kloster des Guta von Borobudor, als er den unwiderstehlichen Drang in sich fühlte, wieder in die Welt zurückzukehren. Damals ga­ben sie ihm allerlei geheimnisvolle Dinge mit ins Leben

verlassend, wieder in die Welt hinauszog, dem Arzte, der sicher eines Tages wieder seinen Beruf aufnehmen würde, gab man für alle Fälle letzter Not ein Krüglein dieses Heilserums mit. Vor dem geistigen Auge des sterbenden Asketen, der erschüttert war vor der verzweifelten Not dieses Unglücksschiffes, erschien das Bild des grünen Krügleins. Und mit schier übersinnlicher Gedankenkraft erweckte der zum Seher gewordene Inder in dem Arzt das entschwundene Erinnerungsbild an dieses einzige Mittel, das den Passagieren des Superator einzig und allein in diesem ungleichen Wettlauf mit dem Tode die Rettung bringen konnte.

Dimitri arbeitete mit wütendem Eifer, jetzt riß er eine ganze Sammlung siamesischer Marken aus einer Kiste heraus, eine Unmenge Flitterkram folgte und — es pol­terte ein harter Gegenstand aus einem Zeugbündcl zur Erde — Dimitri schrie auf — das Krüglein — das er im Traum gesehen. Wie ein Geier stürzte der Mann auf den zierlichen Krug, packte ihn und starrte ihn an. Dann stürzte er über die kleine Stiege hinauf aus dem Ge­päckraum und raste förmlich zur Apotheke hinüber. Hier öffnete Dimitri den versiegelten Verschluß des Krügleins. Es enthielt eine starkduftende wasserhelle Flüssigkeit, die Dimitri nicht kannte. Er experimentierte mit einigen Tropfen an infiziertem Blut, konnte aber die Wirkung nicht feststellen, weil er kein Mikroskop besaß. Kurz ent­schlossen nahm er die Serumspritze und alles, was er zur Injektion benötigte und eilte in das neueingerichtete Lazarett. An der Tür begegnete er Lord Huxleigh und Lord Shrewsbury, die mit einem Pflev-r sich herum­stritten, weil ihnen der Mann den Einlaß verweigerte. Dimitri Urgejowiffch kam.

„Lord Huxleigh — ich habe es —" rief er in seiner Freude dem ersten besten Menschen zu, den er hier zu Gesicht bekam.

„Was haben Sie?"

„Triumphierend hielt er es hoch.

„Und was ist damit?"

„Nun, ich setze große, ja entscheidende Hoffnung auf die Heilwirkung des Serums, das sich darin befindet." Dimitri reckte sich stolz auf wie ein in die Arena treten*

hinaus, ohne viel Worte zu machen, Erinnerungszeichen, mahnende Symbole, wie er damals annahm. Manches war ihm bei feinem ewigen Herumreisen wohl verloren gegangen oder gestohlen worden. Aber das grüne Krüg­lein, jetzt erinnerte er sich ganz deutlich, das hatte er noch zu Gesicht bekommen, als er vor einigen Monaten einmal sein ganzes Gepäck einer Generalrevision unter­zog. Manches hatte er damals ausgeschieden. Sein Gepäck hatte ja immer das Bestreben, zu ganzen Bergen anzuwachsen,. vor lauter Kuriositäten, Büchern und all dem viesen Kram, der sich einem in der Welt herum- reifenben Menschen anhaftet. Aber das grüne Krüglein hatte er bestimmt aufgehoben. Das erinnerte er sich noch ganz genau.

Und dann — ein einziges heißes Wünschen flieg in Dimitri auf, daß die Annahme sich bewahrheitete, die er sich jetzt von dem geheimnisvollen Zusammenhang der Dinge machte. Einerlei ob Camartha Botha, sein Bru­der vom Mönchsorden von Borobudor, ihn nun tatsäch­lich noch in seiner Sterbestunde ausgesucht hatte ober ob er ihm nur im Dämmerzustand des Halbschlafs erschienen war . . . Telepathische Geschehnisse dieser Art gab ja selbst die streng materielle Wissenschaft zu, so unverständ­lich sie sich unserer Verstandeswelt auch darstellen wollen. Camartha Botha, der indische Asket, wurde sich in dem übersinnlichen Erkennungsvermögen seiner Sterbestunde auch weit zurückliegender Dinge in ihrer geheimnisvollen Verbundenheit bewußt. So sah er vor seinem geistigen Auge die Werkstätten der Geheimwissenschast vor sich, in denen indische Mönche Wunder wirken. Dort in ihrer klösterlichen Abgeschiedenheit, gestützt auf eine jahrtau- sende alte Tradition, vollbringen die indischen Mönche auf den Gebieten der Mathematik, der Sternwissenschaft, der Chemie und der Heilkunde Leistungen, die keinem Laienauge offenbar werden und zum Teil aber die Er­folge abendländischer Wissenschaft bei weitem übertreffen. Kannte das Morgenland rätselhafte Bakterienkrankheiten, von denen das Abendland nie berührt worden ist, so kannte die Geheimwissenschast des Klosters von Boro- budor auch das Heilmittel dazu. Ja, man kannte in die­sem Kloster ein Heilserum, das universell jedwede durch Bakterien verursachte Krankheit zu heilen vermochte. Dem scheidenden Klosterbruder, der die heilige Stätte

und der Verhältnisse in ihrem eigenen Bezirk abfassen.

Endlich ist heute noch der Flugwetterdienst zu hoher Bedeutung gelangt, man möchte fast sagen, auch zu selbständiger Bedeutung. Die Meldungen der Ham­burger Seewarte sind für ihn selbstverständlich wichtig, ober da sie sich in der Hauptsache auf die erdnhe Atmos­phäre beziehen, erfordern sie eine Ergänzung durch Er­forschung der oberen Luftregionen. Diese Ergänzung liefert das aeronautische Observatorium zu LindenberginderMark, etwa 50 Kilometer süd­östlich von Berlin. Es läßt regelmäßig Fesselballons, Flugzeuge, Drachen und Beobachtungsballons steigen und stellt so die Verhältnisse in den hohen Lustschichten fest. Unterstützt wird es von den über ganz Deutschland verstreuten Flugwetterwarten, deren wichtigste Fried­richshafen am Bodensee und Rostock sind. Lindenberg hat eine eigene Großfunkstelle, um sich jederzeit mit den unterwegs befindlichen Flugzeugen und Luftschiffen in Verbindung setzen zu können.

Mit welcher Schnelligkeit und Exaktheit dieser Welt­wetterdienst funktioniert, mag man daraus entnehmen, daß man in fast jedem Orte Deutschlands in der Lage ist, eine Wetterkarte von der gesamten nördlichen Halbkugel, mit den Wetterangaben bis nach San Franzisko, bereits an dem auf die Feststellungen folgenden Tage in Hän­den zu haben. Das Wetter nach Osten hin interessiert uns im allgemeinen weniger, da unser Wetter von Osten her nur selten beeinflußt wird. Und dabei arbeitet der Wetterdienst billig. Man muß es wirklich als preiswert bezeichnen, wenn jeder für 20 Pfennige von seiner Distriktswetterstelle telephonische Auskunft darüber er­hält, ob es nach der Wetterlage ratsam ist, — einen, Wochenendausflug zu machen ober nicht.

B. Meyer-Kruglank.

Die Wissenschaft hat immer schon das Bestreben ge­habt, die Grenzen zwischen den Ländern, Völkern und Kontinenten zu überbrücken, sie ist international und will es sein. In ganz besonderer Weise aber gilt dies für die allerjüngfte Wissenschaft, die Wissenschaft vom Wetter, die ohne eine enge internationale Zusammenar­beit gar nicht denkbar wäre. Auf diesem Gebiet existiert wirklich ein „Völkerbund" mit einer vorbildlichen Or­ganisation, da gi6t es keine Rivalität, keine Konkurrenz, keine althergebrachten Feindschaften, keine Mißgunst — das alles ist gewichen vor der Macht der Elemente, die man durch die gemeinsame Arbeit zwar nicht bändigen, wohl aber erkennen, bestimmen und zum Teil unschäd­lich machen kann. Tausende spähender Augen richten sich Tag für Tag in allen Gegenden der Erde nach dem Himmel, richten sich dann auf Barometer, Hygrometer, Thermograph und all die anderen Meßapparate, und in einem genau organisierten Austauschverkehr werden die Beobachtungen über die Erde verbreitet und liefern das Material für die Erfüllung der mannigfachen Aufgaben, die dem „Wetterdienst" obliegen.

Viele hundert Beobachtungsstationen sind über die ganze Erde verstreut. Auf der nördlichen Halbkugel gibt es etwa 300, deren nördlichste auf Nowoja Semsja und Spitzbergen liegen. Unter den deutschen Stationen nimmt die Wetterstation auf der Zugspitze, die höchstgelegene Station, eine besondere Stellung ein. Natürlich können nicht alle diese Stationen untereinander in Austausch- oerkehr treten, sondern es ist zu diesem Zweck eine ge­naue Unter« und Ueberorbnung geschaffen. Jeweils eine Anzahl von Stationen unterstehst einer Distrikts- station — nur dieser teilen sie ihre Beobachtungen mit. Die Distriktsstationen haben bereits selbständige Aufgaben zu erfüllen; auf Grund der Meldungen, b;e an sie gelangen, geben sie Wetterberichte und -karten für ihren Distrikt heraus. Im übrigen unterstehen sie der

Hauplwellerstelle ihres Lande»,

der sie ihr Material weitergeben. Nur diese Hauptwetter­stellen der einzelnen Länder stehen miteinander in inter­nationalem Verkehr. Die Hauptwetterstelle für Deutsch­land ist die Deutsche Seewarte in Hamburg. Durch den Namen sowohl wie durch den Ort, an dem sie sich befindet, wird angedeutet, welches der anfängliche und auch heute noch bedeutendste Zweck des interna­tionalen Wetterdienstes ist: die Sicherung der Schiffahrt.

Auf der Hamburger Seewarte herrscht Tag für Tag ein gewaltiger, weitreichender Betrieb. Viermal am Tage, um ein Viertel vor 8, vor 10, vor 14 und vor 19 laufen die Meldungen der europäischen Stationen ein. Dreimal täglich, um ein Viertel nach 8, nach 14, nach 17 Uhr die Meldungen aus den anderen Erdteilen. Unter den letzteren nimmt eine besondere Stellung die Mel­dung der amerikanischen Station Annapolis ein, die zusammen mit den Meldungen der deutschen Schisse — die Schisse in allen Teilen der Welt melden ihre Wahr­nehmungen der Hauptwetetrstelle ihres Landes und ver­mehren dadurch die Zahl der Wetterstationen in die Tausende — wichtig für die Feststellung des Wetters

über dem Ozean und jenseits des Ozeans ist. Da unser Wetter vornehmlich vom Westen her beeinflußt wird, ist eine Kenntnis der Wetterlage über dem Atlantik und über Amerika für eine Voraussage auf längere Sicht wesentlich. 60 000 Funkzeichen laufen so täglich in Ham­burg ein. Diese Meldungen sind in einer seltsamen

Lhisfresprache

gehalten, die den Vorzug der äußersten Kürze hat und gleichzeitig auch den Vorzug, daß sie allgemein verständ­lich ist und keine Kenntnis der verschiedenen Sprachen erfordert. Sie besteht nämlich nur aus Ziffern. Bis vor kurzem waren drei solcher Ziffersprachen in Uebung, eine deutsche, eine französische und eine schwedische. Heute hat man sich auf den Gebrauch der schwedischen Ziffersprache geeinigt. Die ersten drei Zahlen der Ziffer­sprache geben den Barometerstand an, also zum Bei­spiel 745 — 774,5 Millimeter (der Hunderter wird der Kürze halber weggelassen). Dann folgt die Windrich­tung, die durch die Zahlen der Windrose, 1 bis 32, an­gegeben wird, und sodann die Windstärke, für die auch Zahlenzeichen gelten (0 --- Windstille, 1 = schwach, 9 — Orkan; auf dem Lande werden läufig auch nur sechs Zahlen angewandt.) Die nächste Zahlenangabe betrifft die Wolkenverhältnisse und tut kund, ob heitere oder be­deckter Himmel ist, und dann folgen die Temperaturan­gaben in Celsiusgraden. Hierbei wird man im Winter oft auf ungewöhnlich hohe Zahlen stoßen: 60, 70, ja, 80. Diese bedeuten jedoch nicht etwa 60, 70 Grad Wärme, sondern 10 bezw. 20 Grad Kälte; denn die Kältegrade werden in dieser Zahlenschrist durch die Zahlen über 50 ausgedrückt. Endlich geben noch zwei Zahlen die Art der Wolkenbildung an, ob Haufen-, Cirrus-, Cirro- stratuswolke und bergt, und den Feuchtigkeitsgehalt der Lust. Damit ist die Wettermeldung vollständig

Auf Grund dieser Telegramme wird in Hamburg die Wetterlage festgestellt und wird der

Wetterbericht

ausgegeben, und zwar gibt es einen ,,W etterbericht Deutschland" und einen „Wetterbericht Eu- rop a". Diese eBrichte nehmen nun die verschiedensten Wege und erfahren noch die verschiedensten Ausarbeitu.i- gen, je nach dem Zweck, den die einzelnen Wetterdienst­stellen, an die der Bericht gegeben wird, haben.

Da ist zunächst der Schiffs we Her dienst Norddeich. Der Großstation Norddeich, die in die­sem Jahre auf ein zwanzigjähriges Bestehen zurück­blickt, liegt es ob, die Schiffahrt zu betreuen, Auskunft zu erteilen, Sturmwarnungen zu erlassen. Für die' Küstenschiffahrt und für örtliche Warnungen ist eine Reihe von Küstenstationen vorhanden, denen die gleiche Aufgabe für ihren Bezirk obliegt.

Dann ist der W i r t s ch a f t s w e 11 e r d i e n st zu nennen, dem wir u. a. die Wetterberichte in der Presse verdanken. Er obliegt für den Bezirk Hamburg der See­warte felbst, für die anderen Bezirke jedoch den Bezirks- ftationen, deren bedeutsamste Berlin, Frankfurt, Bremen, Dresden, Esfen, Aachen, Königsberg und Breslau find, die die Berichte auf Grund der Hamburger Meldungen

Warten.

lieber die kahlen Wände des Wartezimmers irrt fein Blick; durch die nackten Fenster fchaut die Nacht in den spärlich erhellten Raum. Vor einer Stunde ist er von seiner entlegenen Hosreite heruntergefahren, sein schwer- krankes stöhnendes Weib im einen Arm, in der freien Hand die Zügel. Es war eine fürchterliche Fahrt bet Sturm und Finsternis. Im Hospital hat man dann die junge Frau sofort zum Operationssaal gebracht. Es wird wohl einige Stunden dauern. Aus sein Bitten hin hat man ihn nicht fortgeschickt — er darf warten, bis alles vorüber ist. _ t

Eine große Uhr hängt an der Wand. Eben ist es ein Uhr nachts. Vor einer Viertelstunde haben sie an-ge­fangen. Er steht auf und beginnt im Zimmer mit gro­ßen Schritten zu wandern. Kein Laut im ganzen Hause, nur seine Schritte hallen in dem kahlen Raum, und dazwischen ist nur das Ticken der Uhr vernehmbar. Laut und deutlich tickt sie, als ob sie Vieles und Wich­tiges zu sagen habe. Er kann es nicht mehr hören —* er geht ans Fenster — draußen sieht man nichts, es ist tiefschwarze Nacht. Was soll er nur tun, damit die Zett vergeht? Er will beten und er saßt nach dem Rosen­kranz, den er bei sich trägt. Langsam läßt er die Per­len durch die Finger gleiten:

Vater unser, der du bist in dem Himmel, ' Geheiliget werde dein Name, -»•

Dein Reich komme, dein Wille geschehe...

Seine Augen blicken starr, — wenn es der Wille des Vaters wäre — — ihm ist als stünde fein Herz still. Nein, das kann nicht der Wille des Vaters sein, das nicht! ,

Er beginnt wieder die Wanderung durchs Zimmer. Was pocht nur in einem fort? die Uhr — fein Herz —? Er kann beider Pochen kaum voneinander unterscheiden.

Die Nacht im Garten Getsemane geht ihm durch den Sinn. Wie hatte dort Christus gebetet? „Vater ist es möglich so gehe dieser Kelch von mir, aber wie du willst, ich trinke chn denn."--Nein! nein! nein! er ist ja

nicht Christus, er ist nur ein schlichter Bauer, und alles was er lieb hat auf der Welt ist fein Weib. Ihm ist siedend heiß. Was sie eben wohl tun--ob sie auch

wirklich schläft? Er sieht den weihen Körper grüß ich entstellt---er schließt die Augen, er kann das nicht

zu Ende denken! Sein Atem stockt. Er reißt das Fenster auf und lehnt sich weit hinaus. Der Sturm hat sich gelegt. Draußen steht der Nebel und die Nacht. — Nach Minuten schließt er das Fenster wieder. — Ob die Wanduhr noch geht? Wie wenig Zeit erst verstrichen ist. Jetzt hört er sie ticken, ganz deutlich und laut sogar: tick

auf den guten Gesamtpreis von 650 Mark. Von den Modernen erzielte den besten Preis Otto Erich Hartleben, dessen eigenhändige Autobiographie von 6% Seiten nach zäheck Bietungskampfe seiner Freunde mit 51 Mark abgegeben wurde.

Den Leitern derartiger Auktionen ist es immer anzu- merken, wie lächerlich gering sie solche Preise finden und wie grotesk ihnen ein Kampf um einzelne Mark er­scheint bei der Anwesenheit von Leuten, die bei Bildern gleich um Hunderte, ja Tausende in die Höhe gehen. Die Autographensammlung ist aber ein ausgesprochene Ange­legenheit der kleinen Sammler, die bei den Auk­tionen in den letzten Monaten wieder lebhafter heroor- treten. Es sind Leute dabei, denen der Erwerb weniger von ihrem geliebten großen Mann geschriebenen Zeilen zuweilen eines der größten Ereignisse ihres Lebens aus­macht, die es monatelang spüren, daß sie für einen Brief F. T. A. Hoffmanns beispielsweise 205 Mark aus der Brieftasche holten oder sich an einen Goethebrief gar mit 400, 670, ja 700 Mark heranwagten.

Spionage rings nm den Erdball.

Internationale Zusammenarbeit aus dem Gebiete des Wetterdienstes

November.

... rage spinnen sich in Nebel ein;

« tröpfelt grau und kalt auf alles nieder, Ar;,.r[te niemals wieder Sonne fein

v jemals wieder kleine Dogellieder.

xoö geht durch das Land. Wie groß und sehr wittert ihn urewiges Vergehen —.

- Erde aber duftet schollenschwer;

weih von srühlingsneuem Auferstehen!

M» Zoe Droysen.

Das Batterienschiff.

Ein Roman in 7 lagen.

Von Hellmuth Quast-Peregrin.

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Dann ging er und überließ den Arzt sich selbst, er iU(f)te Kensington auf, den Offizier, der die Maschinen r Kesselräume zu beaufsichtigen hatte.

»Mister Kensington, wir müssen die Geschwindigkeit oer Maschinen erhöhen, die Seuche nimmt überhand."

-Herr Kapitän, mehr können die Maschinen nicht leisten."

»Sie müssen . .

»Nein, es siihrt zur Katastrophe . . *

I a ",®rüBer, wie sie ist, kann sie kaum noch werden, «weiundachtzig neue Erkrankungen heute morgen . . ." »Um Gotteswillen . . ."

»Sie sehen, wie grauenvoll unsere Lage ist, lassen । !e 6as Schiss fahren, so schnell es kann . .

»Ich will mit dem Ingenieur sprechen."

»Tun Sie das."

K $er Gesellschastssaal war bald in ein Lazarett oer«

Irh*;; i3ie überflüssigen Möbel hatte man hinausge- V, üyasft^und nun die Kranken mit ihrem Bettzeug auf " oft11 ^Bdoden nebeneinander gebettet Die Kranken- E Ij*e**cr hantierten mit umwickelten Händen und fast völ- 9 verhüllten Gesichtern im Saale herum.

■ Gnh Im^r* hackte erschöpft in einem Sessel, er war am h"Oe [eincr Kruft. Man hatte Vera auch zu den in- b e" betten müssen, was ihn schier zur Verzweiflung

■bte Die Baronin Esterhazy war bereits tot und ihr e nJDQr mit irrsinnigem Geheul über Bord gesprun-

• 2)a lag auch Sir Haigoille. —

aef*r n Batte man Thomas Harrison in den Saal trhni.6^*' G*5 Kapitän Oliver Sidney erschien. Müde ■ e;L;Jlc6 der Arzt und ging zu ihm, er sah die Passa- I J e m der Hand des Kapitäns.

l nen - e Kreuze habe ich schon hier einzeichnen miis- , oktor, hoffentlich bekommen sie nicht alle ihr £***ei. lein/'

& ’, ÜJer weiß es, ich habe allen Mut verloren."

Menoffen als Llebhabemerie.

e preise für Musiker, Maler und Dichter. — Ach- tfOlge der Politiker. — Dichter von heute wenig JE?1 begehrt.

Von Herbert Langenscheidt.

Wieviel würben Sie für den Besitz eines eigenhän- . '' Briefes von Mozart an feine Gattin Instanze anlegen, gnädige Frau, wenn Sie über unbeschränkte Mittel verfügen könnten?" Diese & richtete ich in einer Gesellschaft geistig nicht unbe« 0'tender Männer und Frauen an eine schöne Nachbarin, £ unterhaltsam von der Liebenswürdigkeit Mozarffcher «zjen- und Geigerkonzerte schwärmte. Das Problem Nesselte eine allgemeine Aussprache. Man einigte sich «in allgemein über einen Preis, der nicht unter 1000 ®art zu liegen brauche. Als ich mittette, daß ein solcher Brief bei einer der letzten großen Kunstauktionen für ,-0y Mark einen neuen Besitzer gesunden habe, fand «m das ganz in der Ordnung. Ich fuhr fort: „Bei d« gleichen Auktion wurde auch ein Brief Napo- leons I. mit der sehr seltenen eigenhändigen Unter­schrift „Napoleon" anstelle des berühmten „N." verkauft. Wieviel würde Ihnen der wert fein?"

Mine blonde blühende Nachbarin meinte: „Es ist oar nicht nett von Ihnen, daß Sie das Gespräch von dem Brief der Constanze so unvermittelt auf Napoleon brin- gen. Napoleon und Mozart? Unmögliche Zusammen­stellung! Na ja, Napoleon fft ein großer, ein ganz qrojjer Mann. Zugegeben! Aber mehr als 100 ober Eens 200 Mark würbe ich für einen interessanten Bries von ihm nicht bieten." — „Sie hätten ihn für 260 Mrk haben können!" — Meine Nachbarin meinte trium­phierend: „Sehen Sie! Also habe ich recht gehabt!"

Seltsam biefe Sammelwut der Menschheit, die bei hen Naturvölkern gleiche Grade der Leidenschaft erreicht wie bei den Kulturvölkern. Die heutige Zeit muß als hervorragend politisch gekennzeichnet werden. Und doch haben Autogramme von Musikern und Dichtern und Malern niemals so hohe Preise erzielt wie heute, wäh­rend die Politiker doch noch recht billig zu haben sind.

Bei einer der letzten Versteigerungen erzielte beispiels­weise ein Brief des Generals York v. Wartenburg, eigenhändig und mit voller Unterschrift nur 300 Mark, obwohl er sich auf Yorks welthistorische Leistung, die Konvention von Tauroggen, den Uebertritt der preußi- Wschen Truppenteile der großen Armee Napoleons zu den Russen bezog, und obwohl dieser Brief geschichts- [■ hmMidj von größtem Wert ist, weil er die Vermutung mancher Historiker zur Gewißheit macht, baß ber König von Preußen vorher unb frühzeitig über den bevorste­henden Schritt des Generals unterrichtet wurde unb ihn sogar gebilligt hat. Napoleon brachte es bei dieser Auktion mit einem vierseitigen Josephinenbrief auf 100 Mark mehr als bei der vorhin erwähnten Versteigerung, er erzielte 360 Mark. Robespierre holte für einen einseitigen Brief mit Unterschrift den immerhin schon be­achtlichen Preis von 770 Mark. Goethes Groß- Herzog Karl August von Sachsen-Weimar war gleichzeitig mit einem Brief über Napoleon vertreten, her für 380 Mark in andere Hände überging.

In die Reihe der Dichter und Musiker, die es fast niemals unter 1000 Mark tun, schiebt sich von großen Politikern aber nur Bismarck vor. Einer seiner eigenhändigen Briefe — von 10% Seiten Umfang — Mit Unterschrift wurde zwar schon für 600 Mark oer* UMst. Ein zweiseitiger Brief jedoch an Wilhelm I., kurz vor dem Ausbruch des Krieges 1866 geschrieben wv, mußte von seinem neuen Liebhaber mit genau 1000 Mark honoriert werden.

Das ist der höchste Preis, der überhaupt für eine Nrkundlicbe Aeußerung eines bedeutenden Mannes un-

SitMnSs