Nr. 266
Vellage zur Fuldaer Zeitung
Aeberschähung -es Wissens.
„Wissen ist Macht" — Wie falsch gedacht!
D issen ist wenig, Können ist König!
Besteht eigentlich ein Unterschied zwischen Wissen und Können?
Ich denke doch, daß da sogar ein sehr großer Unterschied besteht. Man kann z. B. den ganzen Katechismus auswendig wissen und kann ein sehr schlechter Mensch dabei sein. Hier liegt der Fehler darin, daß das Wissen nicht weiterwuchs zum Tun und zum Können.
Es gab einmal eine Zeit — und sie ist noch nicht ganz vorbei — da glaubte man, es wäre genug, wenn die Menschen nur wüßten, was sie zu tun hätten. Das Tun käme dann schon von selber. Man hat mittlerweile eingesehen, daß diese Meinung ein Irrtum war. Wissen an sich ist etwas Totes, wenn es nicht fruchtbar gemacht wird in dem entsprechenden Tun. Dieser Schritt vom Wissen zum Tun und zum Können ist durchaus keine notwendige Folge des Wissens, sondern der Mensch muß zu ihm angeleitet und erzogen werden, und gerade diese Anleitung ist der weitaus wichtigere Teil aller Erziehung. Wir stoßen hier auf den gleichen Gegensatz, der auch in den Worten liegt: Theorie und Praxis.
Thomas von Kempis sagt in seinem Buche von der Nachfolge Christi den sehr feinen Satz: Ich will lieber Reue empfinden als wissen, was Reue ist". Wir haben uns in den vergangenen Jahren im öffentlichen Leben und in den Schulen viel zu sehr um das Wissen über die Dinge bemüht. Wir mühen uns heute mehr um das Können und das Tun und stehen darin erst am Anfang. Wie weit wir mit unserer Arbeit kommen, das wird die Zukunft zeigen. w.
M n kann nie genug wissen.
Dieses geflügelte Wort nimmt einen ähnlichen Rang ein wie jenes andere, daß der Mensch nie ausgelernt werde. Beiden ergeht es so, wie es allen landläufigen Redewendungen geht: sie werden nur zu oft ohne tiefere Berecht'gung gebraucht und verbauen dann den tieferen Einblick in die Dinge.
Denn es kann sehr wohl der Fall eintreten, daß einer zu viel oder doch zu früh weiß und wissen soll. Wer sich ein wenig auskennt, wird unter Pädagogen und Schulmännern manche finden, die allen Ernstes ihrer praktischen Erfahrung (das ist sehr wichtig zu betonen) heraus behaupten, daß z. B. dem Durchschnittsschulkind zu vielerlei zugemutet und dadurch dasjenige Wissen, das es tagtäglich brauche, unzuverlässig werde.
Ohne uns auf diese und ähnliche Behauptungen oder Vorwürfe cinzulassen, darf gesagt werden, daß tatsächlich ungeheure Anforderungen an die Fassungskraft und das Gedächtnis unserer Schuljugend aller Schularten, in Stadt und Land, gestellt werden. Wir :rwachsenen, denen manches Wissen so selbstverständlich ist, vergessen leider zu bald, welcher Mühe es bedarf, um die einfachsten Fertigkeiten zum festen und jederzeit frei verfügbaren Besitz des Kindes zu machen. Daher Vorsicht und Zurückhaltung gegen die unaufhörlich an die Schule gerichteten Forderungen!
Man kann eben auch zuviel lernen und das Wissen gründlich überschätzen. Cs sei kräftig unterstrichen, daß die Durchschnittsschule vollauf genug damit hat, gediegene ©run biogen für die weitere geistige Entwicklung zu legen, daß sie dem Kinde zuliebe davon absehen muß, sich auf Seitenwege zu verlieren. Soviele Versuche auch ang:stellt werden mögen: Lernen, Wissen aneignen wird dem Kinde nie ein ungetrübtes Vergnügen sein können. Dafür ist es zu schwer, und die kindliche Kraft ist noch zu schwankend. Alles mit Maß und Ziel, auch hier und gerade hier.
Diesen mehr allgemeinen Bemerkungen mögen nun einige Anwendungen folgen, die manchen besorgten Eltern einen Fingerzeig geben oder einen Stein vom Herzen nehmen könnten. Ist es gut, wenn Eltern darauf drängen, ihr Kind recht früh, möglichst noch vor dem behördlich festgesetzten Alter, in die Schule zu bringen? Ich sage: Nein! Auch den Ausnahmekindern, die vielleicht zu einer vorzeitigen Schulaufnahme reif wären, tut es wunderbar gut, wenn sie noch ein Jahr herumspringen können. Im allgemeinen dürfte sogar eine noch spätere Aufnahme die bessere Lösung darstellen, jedenfalls ist der Erlaß zu begrüßen, der das Schulaufnahmealter heraufgesetzt hat. Eltern vom Lande wünschen manchmal eine frühe Ein
schulung, um recht bald in der elterlichen Wirtschaft über das Kind verfügen zu können. Ein vernünftiger Lehrer wird immer davor warnen. Ebenso wenig hat es mit Schätzung oder Ueberschätzung des Wissens zu tun, wenn Eltern möglichst früh mit ihrem Kinde der Schule eine Last aufbürden wollen, deren sie sich selber aus vielerlei Gründen gerne entledigen möchten. „Der Lehrer wird ja dafür bezahlt!"
Es ist eine auffallende Erscheinung, daß gerade im ersten Schuljahre viele £<7er im Gewicht abnehmen, schlechte Esser oder sogar mit ernstlichen Erkrankungen geplagt werden. Eine nur zu deutliche Warnung! Beachtenswert ist auch, daß die Lehrer an höheren Schulen lieber sehen, wenn die Aufzunehmenden etwas älter als jünger sind. Sie werden schon wissen, warum.
Und ein zweiter Punkt. Immer wieder werden Kinder das Klassenziel nicht e'reichen, ohne deshalb hilfsschulreif zu sein. Manche Eltern bringen sich rein um, wenn ihrem Herzblättchen die Wohltat des sogenannten Sitzenbleibens erwiesen werden soll. Ist das denn ein Unglück ober sogar ein Schimpf? Wie oft wächst sich ein anfängliches Versagen in den folgenden Schuljahren aus, besonders in der ein- und zweiklassigen Landschule, die Gott sei Dank dem langsamen Schritt noch nicht ganz abgeschworen hat. Solche Kinder können zum guten Schluß doch aus der obersten Abteilung entlassen werden wie es manche Berufestände (z. B. Gärtner) für ihren Nachwuchs verlangen. In diesen Zusammenhang gehört auch, daß manchmal ein Sitzenbleiben dem Kinde dienlicher ist, als außerschulischer Nachhilfeunterricht, der naturgemäß noch schärfere Ansprüche an die Kraft des Kindes stellt.
Mit diesen Hinweisen sei nicht gesagt, Wissen und Lernen gering zu achten und es darauf ankommen zu lassen. Das Elternhaus hat vor wie nach alle Veranlassung, die Schularbeit kräftig zu unterstützen. Anstattempfindlich zu sein, möge es sich durch eigenen Augenschein davon überzeugen, was das Kind in der Schule leistet und in offenherziger Aussprache mit Lehrer oder Lehrerin das gemeinsame Werk am Kinde fördern u. fruchtbar machen.
Egidius P o ft.
Vom Auswendiglernen.
Diele Eltern stehen der heutigen Schularbeit fremd gegenüber. Der Grund liegt nicht in bösem Willen von selten des Elternhauses, sondern an mangelnder Kenntnis dessen, was die heutige Schule will. So oft kann man von Eltern die Klage hören, daß ihre Kinder heute nicht mehr so viel auswendig lernten, wie sie früher. „Wir mußten den ganzen Katechismus auswendig können", fo
Als ich gestern morgen in die Schule kam, rief mir eine von den Kleinen schon entgegen: „Ich habe dich gestern gesehen im Zug fortfahren. Warst du beim heiligen Nikolaus? Hast du auch gesagt, er solle wieder in unsere Schule kommen?" Und gleich ruft ein anderes dazwischen: „Es sind nur mehr vier Wochen, dann kommt er. Wir setzen wieder den schönen Stuhl da vorne hin aufs Pult. Die großen Mädchen müssen die Schule sein machen." Und die anderen wissen noch, daß er voriges Jahr Spangenschuhe mit Gold, einen roten Mantel, eine Bischofsmütze anhatte. Und auch das, was er ihnen sagte, ist noch in Erinnerung. Von dieser Stunde an steht der hl. Nikolaus im Mittelpunkte unseres Schullebens. Mit dem Erzählen von ihm begrüßen die Kinder mich am Morgen. Wenn so ein kleiner Sünder nicht geschrieben oder gelernt hat, dann höre ich gleich: „Das mußt du dir aufschreiben und dem hl. Nikolaus erzählen, dann kommt der Ruprecht mit der Rute". Mit heiligem Eifer lernen sie, aber besonders gern die Gebete, damit sie bei der Prüfung bestehen können. Ueberaus groß ist die Freude, wenn wir uns noch ein kleines Spiel einüben. Ihre Freude wächst mit jedem Tage, der dem Feste näherrückt, zuletzt wird nur mehr gezählt, wie oft man noch aufstehen muß. Wenn man dieses selige Erwarten Jahr für Jahr mit* erlebt, dann wird man wieder Kind mit den Kindern. So wie mir ergeht es auch meinen großen Mädchen. Sie wirken und schaffen alles, was in ihrer Kraft steht, um ihren kleinen Mitschülern und -schülerinnen das Fest schön zu gestalten. Nie gehen sie mir bereitwilliger zur Hand, als in dieser Zeit. Schon bald nach den Herbstserien kommen sie und fragen: Kommt der Nikolaus auch wieder in die Schule? Bewußt entgegne ich ihnen jedesmal: „Das weiß ich nicht". Rasch kommt die Antwort: „Wir gehen gerne sammeln. Franziska und ich gehen in die Häuser
hört man oft sagen. Da ist man fast versucht zu erwidern: „Leider!"
Es kommt doch wirklich nicht darauf an, etwas „auswendig" zu wissen. Viel nützlicher müßte es doch [ein, etwas „inwendig" zu wissen, d. h. es zu erfühlen". Goethe hat dies mit dem bekannten Worte ausgedrückt: „Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nie erjagen!" Das Wissen erzeugt ja noch kein Tun. Es ist auch einer noch nicht religiös, wenn er alle Katechismusfragen wie am Schnürchen dahersagen tarnt.
Die Neue Schule will den Menschen allseitig „gebildet" machen. Darum führt sie die Kinder hinein in die heimatliche Umwelt, läßt sie die Heimatwerte erfahren und weckt dadurch in den kindlichen Seelen die Siebe zur Heimat. Gerade das Land hat die Heimatliebe so nötig, um der Landflucht Einhalt tun zu können. Wanderungen in die Natur spielen heute eine größere Rolle als früher, wo wir „im ganzen Jahr eine einzige Wanderung" machten. Der Wert dieser Ausflüge liegt auch wieder auf dem Gebiete der Gefühlswelt. Lehrer und Schüler werden enger verbunden, lernen sich gegenseitig besser kennen und schätzen, weil die Abhängigkeit draußen weit stärker hervortritt und notwendig wird, als im Klassenzimmer. Wie froh eine „Fahrt" die Wanderguppe macht, wie lange die Einnerungen in den kindlichen Gemütern noch wach und einflußreich bleiben, kann nur der beurteilen, der einmal m:t feiner Klasse gewandert ist.
Auch in der Klasse selbst ist das Verhältnis von Lehrer und Schüler heute ein anderes als früher. Weil der Lehrer nicht mehr so viel Wert auf den „Stoff" zu legen braucht, sondern sich mehr dem „Kind" widmen kann, ist ein Vertrauensverhältnis zwischen beiden Seiten angebahnt. Die Klasse ist dann wirklich eine Gemeinschaft geworden. Die gemeinschaftsbildenden Werte sind es besonders, die heute mehr als je gepflegt werden sollten, da sie unserem Vaterland und unserer Volksgemeinschaft so bitter nötig sind. Man kann diese Werte nicht in einer Prüfung offenlegen, kann damit nicht prahlerisch auftrumpfen, diese Werte wirken in der Tiefe und kommen nur langsam und scheu ans Tageslicht.
Das Volkslied verdient im Unterricht der Schule eine besondere Betonung, da in ihm alte Dolkswerte schlummern, die zu heben unsere Ausgabe sei. Ein fröhliches Lied hat schon oft Wunderdinge vollbracht.
Gerade das Land braucht heute keine mit Wissen beladenen Menschen. Hier sind Männer und Frauen von Nöten, die handeln können, die zur rechten Zeit zugreifen und Taten zeigen, die in echter Hilfsbereitschaft und stetem Mitgefühl eine wahre Gemeinschaft bilden.
Otto 21 bei.
von 1—20". Und nun verteilen sie die Arbeit, bis jedes der 12 Mädchen weiß, Lei welche Familien es gehen soll. So ganz heimlich kommen sie am andern Morgen und erzählen mir: „Wir haben aber viel gekriegt: 39 Eier, 15 Pfund Mehl, Butter, Zucker, Nüsse, Birnen, über 20 Mk. Wenn wir am Backen sind, bekommen wir auch noch Rahm in vielen Häusern". Ganz sorgsam haben sie sich alles ausgeschrieben, damit ich es überprüfen kann. Nur zwei sehr reiche und sehr geizige Bauernfrauen haben sie fortgeschickt. Von da ab geht es jeden Dienstag sehr lebhaft zu in unserer Kochküche. Da wird gerührt und geknetet und gestrichen und geleckt und gebacken, bis zuletzt die schönsten Honigmänner und Hasen, Puppen, Buttergebäck, Spritzgebackenes und wie die Herrlichkeiten alle heißen, in Kisten und Kasten uns anlachen. Nun nähen wir noch ungefähr 150 Düten, farbenprächtig zusammengesucht. Dann werden alle Kostbarkeiten gezählt und in die einzelnen verteilt. Ich sage immer ein von Herzen kommendes „Gott fei Dank", wenn die letzte Düte gefüllt ist.
Und wenn bann der 5. Dezember herankommt, bann eilt zur Mädchenschule, wer laufen kann, allein ober an der Hand und auf dem Arm der Mutier. An dem Tage findet man kaum ein Plätzchen. Kommt nun der Arbeiterzug herangepustet, fo sind wir alle in seliger Erwartung, wir wissen doch, daß der hl. Mann mit dem Zuge reift. Und wirklich: Es schellt ja schon! Wer dann die leuchtenden Kinderaugen sieht, vergißt für Augenblicke alle Weisheit der Erwachsenen, wird wieder selig gläubig wie ein Kind. Mit einem herzlichen „Grüß Gott! wird er empfangen und zu seinem Ehrenplatz geleitet. Nun begrüßt er die herrende Kinderschar. Dann schlägt er das große Himmelsbuch auf, das ihm fein Knecht Ruprecht nachgetragen hat. Mit angehaltenem Atem lauschen sie
„Nikolaus** in unserer Schirle.
Wilhelm.
Von Josef Bremer.
Urplötzlich und unvermittelt ging am 22. Oktober die Türe unseres Schulzimmers auf. Wilhelm trat herein. Die Gefchichtsstunde bekam einen ganz gewaltigen Riß. Wenn Wilhelm uns besucht, bann ist bas ein Eingriff höherer Gewalt, vor ber bie Vergangenheit mit ihrem toten Wifsenskram weichen muß wie Nebel vor ber Sonne.
Ich gab meinem Freunde Wilhelm bie Hand mit ber ehrlichen und herzlichen Versicherung, daß es für uns eine große Freude fei, wenn er uns besuche. Ein froher Sdj'mmer huschte über sein bartloses Gesicht, in dem die Spuren geistiger Nacht deutlich geschrieben stehen. Er, der 25jährige, erzählte mir und den aufhorchenden Schülern mit lallender Stimme und kindlicher Einfalt, daß feine liebe Mutter, bie er kürzlich durch ben Tob verlor, nun im Himmel fei. Dann setzte er sich auf den Eckplatz der ersten Bank und kramte aus feiner Westentasche mit großer Umständlichkeit einige Erdalbildchen aus, die er mir aus ganz besonderer Huld zum Geschenk machte.
Die Freundschaft zwischen Wilhelm und mir ist schon zehn Jahre alt und wird alljährlich feierlich erneuert. Im Jahre 1920 stand er einmal am offenen erfjulfenfter, durch das die lieblichste Maisonne in das Schulzimmer flutete. Die Nähe der Kinder heimelte ihn an. Ich winkte ihm, und er trat ein. Ein ganz unbändiges Gelächter brauste ihm entgegen und schien ihn etwas stutzig zu machen. Er setzte sich auf einen Seitenplatz und schaute mich hilflos an — schaute mich an mit einem Blick, ber zu sagen schien: So nimm doch wenigstens du dich meiner an! Wie deine Schüler jetzt über mich lachen, so macht man es fast immer mit mir! Ich bin ben Menschen durchweg ein Gegenstand der Belustigung, eine Zielscheibe für ihre dümmsten Witze. Ich bin der Aermste der Armen. Ich suche verlorenes Jugendland,'
darum komme ich zu euch in die Schule. Hätte ich den Unterricht mit Erfolg genießen können, bann würde ich sicherlich jetzt meinen Platz im Leden aussüllen. So aber bin ich hilflos wie ein Kind und auf die Hilfe guter Menschen angewiesen, bis der Tod meine Seele von dem kranken Leibe erlöst. So lange habt ihr einen Vorsprung vor mir, dann aber bin ich euch weit voraus. Ich habe mich nicht im Gerichte über den Mißbrauch des Talentes, das ter Schöpfer mir gab, anzuklagen. Ich werde dem Herrgott meine Seele rein zu* rüctgeben, fo rein, wie ich sie empfing. Ob ihr in derselben glücklichen Lage sein werdet, ob ihr von eurem Verstände immer den besten Gebrauch gemacht haben werdet, das möchte ich bezweifeln.
So predigte Wilhelm damals mit hilflosem Blick. Ich habe seine Predigt den Schülern übersetzt, und die Wirkung war, daß das Lachen sich augenblicklich legte und einem tiefen Ernste, ja einer großen Ergriffenheit Platz machte.
Seitdem besucht uns Wilhelm bann unb mann. Wenn er kommt, so klinkt er die Tür aus, ohne angeklopft zu haben. Wilhelm braucht nicht anzuklopfen. Für ihn ist die Schule ein öffentliches Gebäude im wahrsten Sinnes des Wortes. Er, den die Menschen für unzurechnungsfähig halten, ist für uns ein unentbehrlicher Erzieher geworden. In feiner Gegenwart klappt der Unterricht wie am Schnürchen. Jeder Schüler fetzt feine Ehre darein, zum guten Gelingen der Stunde beizutragen, damit Wilhelm, unser lieber Gast, keinen Anlaß zum Tadel habe. Wenn ich einmal zur Behandlung des allzu ftörrigen Schulesels die Stimme zur Donnergewalt steigere, dann zieht Wilhelm sein Gesicht breit und blinzelt mich mit kleinen Aeuglein an. Die Wirkung ist wunderbar. Wie besänftigendes Del glättet dieses Lächeln die Brandung des Zornes.
Wilhelm hat eine ganz besondere Art, sich als Teilnehmer am Mariinszuge anzumelden. Er stoßt mich unsanft in die Rippen, läßt seine Fackel aufdringlich vor meiner Nase hin und herschwanken unb stottert da
bei: Le—Lehrer, i—ich, bi—bin auch da! Wenn Wilhelm da ist, so steht auch rein gar nichts mehr im Wege, den Fackelzug zu beginnen. Die Bescherung am Schlüsse geht ihm meist nicht schnell genug. Er tritt dann aus der Reihe und schimpft aus Leibeskräften. Ohne ihn würde dem heiligen Martin ein wichtiger, die nötige Heiterkeit erregender Gefolgsmann fehlen. Und 6rum werden wir alles tun, um uns feine Freundschaft noch recht lange zu erhalten.
Lustiges aus der Schule.
Else kommt in die Schule und hat nicht gelesen. Aber die erste Reihe kann sie auswendig, die heißt nämlich: he, ein Hase. Und sie vertraut darauf, daß das genügen wird und meldet sich getrost. Und sie hat Glück, sie kommt als erste dran und lieft fröhlich: he, ein Hase — und schweigt. Wider alles Erwarten sagt die Lehrerin aber: „Und weiter, Else?" — „Aber jetzt kommt doch die Andere dran, Fräulein!"
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Die kleine Gertrud kommt aus ber Schule heim. Schnell wird die Tafel ausgepackt, aber schon nach einer Minute ist sie fertig. Eins, zwei, drei, alles wieder rein und schnell fort zum Spielen. Die Mutter, die ihr heimlich zugeschaut hat, ruft sie zurück. „Jetzt wird zuerst geschrieben." — „Aber Mutter, ich Habs ja schon getan!" — „Dann zeig mir mal deine Tafel!" Da stehen
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Es war vor vielen Jahren, als der Stock noch oftmals feine unangenehmen Eindrücke vermittelte. Der Lehrer hat nachmittags einige Geisteshelden zum „Nachexerzieren" um sich versammelt und sieht sich bei einem ganz besonders hartnäckigen Sünder gezwungen, den Stock zu Worte kommen zu lassen. Des Lehrers Töchterlein hat mit Spannung die Ereignisse verfolgt. Offenbar ist es mit dem Erfolg nicht ganz zufrieden: denn es ruft dem aufgebrachten Vater ermunternd zu: „Du
16. Nove
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Kleine zu denen sagte: „Bitt schon, bitt Tante sagt auch immer bitt schön, wenn da sind!"
ein herzliches Grüß Gott!
Ein Landlehr
Die kleine Irmgard war fünf Wochen bei Tante in der Stadt zu Besuch. Als sie wieder U» kam, wollte sie auch vornehm fein wie die Vor allem mußte man dann hochdeutsch sprechen । Dorskindern. Da hörte die Mutter einst zu,
das Vorstellungsbild zu prüfen. Nachdem |T,a’’T über Große, Kleidung, Bewaffnung usw. gesagt ist, fügt der kleine Horst hinzu, während feine Arme eine Entfernung von etwa Vi IMer ai>M *. • . und ihre Zahnbürsten sind sooo la.igi"
Anser Adven?skranz.
Die Adventszeit ist für unsere Schule etwas All die Tage des Wartens auf ein beglückendes bas man nicht genau kennt, dessen Schönheit unb denfülle man aber in tiefster Seele ahnt, sind tränkt von religiöser Ahnung unb Hinneigung.
Unser Schulzimmer schmückt in biesen vier schlichter Abventskranz. Die Mädchen haben i Tannengrün an einem freien Nachmittag gerounbe bie Jungen haben bie Zweige mit ben schönen zapfen von ben Fichten unseres Bergwalbes geholt, ti dem sie schon tagelang vorher Ausschau hielten, w Fichte mit den schönsten Zapfen zu finden wäre, die Kletterkünsten keine allzugroßen Hindernisse Vier rote Bänder schmücken ihn, und vier Kerzen sinnvoll die vier Wochen Vorfreude an, die Weihnachtsfeste trennen. j.
Des Morgens während der Religionsstundeiste§» noch duster in der Klasse, es herrscht jenesU Zwielicht, das so gut in diese Tage der frohen gen paßt. Dann zünden wir unsere Kerzen an, flatfern mit traulichen Flämmlein und wersen Strahlen in unsere Herzen. Wir alle sind froh, baf', beste Vorbereitung auf ein frohes Fest. Die Kinder still, feierlicher als sonst ist ihnen zumute. In b zenglanz und dem Tannengrün des Adventskranzes li schon etwas vom Lichterschimmmer und Dust des nachtsbaumes, der hinter diesen vier Wochen steht al strahlende Erfüllung.
In diesen Religionsstunden hat nicht in erster der Stundenplan das Wort oder irgend ein Buch, s wir sprechen von Mensch zu Mensch über die DniD uns am Herzen liegen, und immer wieder ist es das nachtsfest, dessen Zauber uns lockt. Dann wird auch m nicht gebetet wie sonst zu Beginn des Tagewerks, wir fingen: Morgenstern der finstern Nacht, ober: fei gegrüßet, du lichter Morgenstern. Wie manchmal der Morgenstern bei unferm Gesang noch am Hi schaute mit lichtem Scheine in unser Fenster, unb sprachen dann, warum Maria für unser Weihn der lichte Morgenstern sei. Dabei sahen die Kinder Schulfenster hinaus in den blossen Morgenhimm tm Osten schon der erste Schein der aufgehenden flammte, indes der schöne Stern in ruhiger Majestät Himmel stand. Derartige Stunden sind unvergeßlich-
Weihnachtsfeiern sind heute Mode, ob sie außer W trieb und Vergnügen noch etwas bedeuten, bas ist große Frage. Die stelle Adventsfreude aber ist eine! und wirkungsvolle Einstimmung auf dieses Kinder. a
Wir lesen das Märchen vom tapfern - . _ unb kommen dabei an die Stelle mit dem Riesen. Ich lasse mir einiges darüber berichte
auf das, was darin steht. Der und die Enasi h weis haben aber auch alles ausgeschrieben qar geffen, nicht das Gute unb nicht bas Böse' M Kleinen auf dem Arm und an der Hand ber Mm?*" von den Abcjchützen, noch von den Großen sä’'S Wertvolle unb Ernste sagt er den Müttern unb Da senkt sich mancher kleine Kops, wenn etwas wirb vom Steinewerfen und Glockenscilziehen umlaufen und Lügen, vom S chnichtsch cken inSirrhJ^ Schule. Erst recht wird es ihm angst und banal Knecht Ruprecht mit seinen Ruten suchten und nJ** Ketten rasselt. Aber auch manches Auge erstrahlt die guten Werke ihre Würdigung finden. Sulefee** mahnt der hl. Mann alle, brav zu fein, bann nfö ? nächsten Jahre wieder kommen. Weil die großen so brav waren, dürfen sie die Gaben verteilen muß noch in viele Dörfer und Städte heute abe’nb fingen ihm einen Abschiedegruß unb rufen ihm zu S Wiedersehen!" — Aber für bie nächste Haitz. -7*7 brauchten wir ben Parabiesesengel mit flantnwuZ Schwerte, damit jeder wartet, bis er an die Reihe kau,'" i bin immer sehr froh, wenn der letzte mit (einer $5 bewaffnet nach Hause zieht. Dann sage ich „och ein herzliches „Gott sei Dank", sperre die Schult^!, und gehe nach Hause. Das wird mir ja jede Slutter no2 fühlen können, daß ich bei aller Mitfreude mit benS? nen doch nicht wünschte, daß der hl. Nikolaus jeden Ta,^ die Schule käme: denn es kostet doch eine große HW viel Geduld und Kleinarbeit. Und nun wünsche ich ^ Müttern mit ihren großen und kleinen Kindern Freude für ben Nikolaustag unb fenbe Euch allen
mußt sie richtig in bie Augen sitzen, bann kreischend besser!"
brei e, nicht mehr unb nicht weniger. „Aber ®erWk bas nennst bu geschrieben? Gleich wirb bie Tafel geschrieben!" — O, Mutter, ber Herr Lehrer gesagt, wir sollten so viel e schreiben, wie wir wom Was wollte bie Mutter gegen biefe Weisheit!
Willi war ein guter Junge, aber bas Lernen halt entsetzlich schwer. Es war kein Wunber. da» *| Lehrerin manchmal seufzend sagte: „O Willi, nxrt|M doch erst groß!" Da kommt der Willi heim der Mutter schon auf der Treppe entgegen: „D > ich wollte, ich wäre schon groß!" „Aber warum dei"^ fragt die Mutter, die an sonderbare Wünsche ihres gen gewohnt ist. „Ja, wenn ich groß bin, die Lehrerin!" Die erstaunte Mutter lacht ben 3-*^ aus, aber der läßt sich nicht beirren und sagt ein । betroffen: „Aber ber Lehrerin wird die Zeit selber sie sagt jeden Tag: „O Willi, wärst du erst groß' z