Einzelbild herunterladen
 

uld aerZ ertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

tLrjcheinl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt Ati-l >m Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag jvvO der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Echrift- Leitung 1152. Fuldaer dictiendruckere' 1150 und 1151 r.

Donnerstag, 13. Aon. 1930.

Monatlich 1,80 einschlietzl. Postgebühr (48 Pfg.» ohne Zustetlg. Anzeigen-Preise Kleinzeile (Sol.) lokal 0,15 JIM, auswärts 0,20 JIM Reklamezeile: lokal 0,60 .JIM, auswärts 0,80 JIM Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a M. 4051

57. Zahrg.

612 Mill. Rm.

530 Mill. Rm.

unaufschiebbare Reparationen zu leisten und auch zu transferieren, 50 Prozent der aufschiebbaren Lei­stungen trotz Zahlungsaufschubs aufzubrinqen, was aber in Form von Sachlieferungen erfolgt, die für 1932/33 sogar mit 610 Mill Rm. angesetzt sind,

Rm. gestundet ins. Zahlungsaufschub. -®72 Mill. Rm. jährlich Gesamt-Betrag 32/33. faFnn Deutschland herrscht nun vielfach die Auf-

übernl.Dor' wir bei einem Moratorium vor- Atzend sofort von allen Leistungen befreit HR»r Dabei beträgt doch der Zahlungsaufschub ,\l Rm., also «nur etwa 31 Prozent des leiAt» tra9C5- diele nicht sehr große Er- ?eirFotU-9 ^itt — berücksichtigt auch monatliche 3ahr °9e und Geltungsdauer lediglich für ein on d» Jahr nach dem Zeitpunkt in Kraft, erhsl l . deutsche Regierung das Moratorium

"urr j)Qt.

2jäJ?.“n wird aber Deutschland nach Ablauf d.es 'ehr i?c.rt Moratoriums, also ab 1. April 1933, bem be Leistungen zu erfüllen haben. Denn in ape hi sn Unfl®*ai,r 1933/34 müßten wir nicht nur Leist»» Verpflichtungen erfüllen, die als reguläre dern ^en auf dieses Jahr 1933/34 entfallen, son- hrinn.Jr wüßten noch darüber hinaus das auf«

• n, was aufgeschoben wurde.

1. wüßten wir also für die Zeit vom betracht zi^h^ 6is 31* TOär3 1934 folgendes in ^uhlungsleistung:

iS? ^ia- Rm. nicht geleistet 1932/33

—Rm. für 1933/34

74 Mill. Rm. f. Gesamt-Zahlungen 1933/34 OOß’ ^^usfer-Leistung:

Rm. geleistet aber nicht transferiert 530 P>:n m 1931/32

u- -nw. geleistet aber nicht transferiert '44 Mill re 1932/33

volle Jahresleistung 1933/34

>-jJLJKm. Sachlieferg. f. 3 Rechnungsjahre .

Rm. Gesamt-Transfer 1933/34.

am Ende des Rechnungsjahres » ? ?^rpflichtungen erfüllt wären, könnte

oer >ur den 1. April 1934 ein Transfer-

Die Reparattons-PoNttk.

Das bedeutet ein Moratorium?

Don einem besonderen Mitarbeiter.

«„ gibt ungezählte Deutsche, die glauben, wenn deutsche Rraierang auf Grund des Poung- mes ein Moratorium erklären würde, daß dann * in allernächster Zeit ein Zahlungsaufschub Z^eten würde. Man sagt sich nämlich so leicht­hin Moratorium bedeute ja Zahlungsaufschub. Es Dich darum gut fein, einmal darüber einige Auf­klärungen zu geben.

Wir haben im Doung-Plan, bei dem dort vor- aeiehenen Moratorium, es mit zwei Arten des so- aenannten „Aufschubs" . zu tun: Transfer- ausichub und Zahlungsaufschub. Zwi­schen diesen beiden Begriffen ist eine scharfe Unter­scheidung notwendig.

Der Transferaufschub bedeutet eine »itroeiie Unterbrechung der Umwandlung deutscher Zahlungen in fremde Währungen. Zahlungs­aufschub dagegen bedeutet zeitweise Unterbre­chung der Zahlungen selbst. Wenn also ein Irans« seraufschub gewährt ist, bleibt Deutschland dennoch verpflichtet, sämtliche Zahlungen unveränderl an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu leisten. Es ist nur vorübergehend befreit von der Erfüllung jener Vorschrift, die Zahlungen in Devisen zu leisten, sondern diese erfolgen während des Transferaufschubs in deutscher Reichsmark. ' Nur dann, wenn ein volles Jahr hindurch unsere | Nichtzahlungen in dieser Form geleistet wurden, fopn der Zahlungsaufschub in Kraft treten.

Mr wollen nun den Fall setzen, die deutsche Regierung würde am 1. Januar 1931 ein Mora­torium erklären. Sie hat dazu das Recht auf Grund des Noung-Planes und braucht keine Zu­stimmung irgend eines Gläubigers. Sie richtet biete Erklärung des Moratoriums an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Doch würde die Erklärung des Moratoriums erst ein Viertel­jahr später, in unserem hier angenommenen Falle demnach am 1. April 1931, und zwar zunächst le­diglich als Transferaufschub wirksam. Dann nach einem Jahr Transferaufschub, also hier am 1. April 1932, wurde der Zahlungsaufschub beginnen. Doch müssen auch bei diesem von den aufschiebbaren Lei­stungen 50 Prozent weiterhin geleistet werden.

Von einem Transfer- und einem Zahlungsauf­schub unberührt bleibt der unanfechtbare Re- para/tonsbetrag: Jährlich 612 Millionen Reichs­mark in Gold oder Devisen zu leisten. Unter Be­rücksichtigung dieser Tatsachen hätten wir also bei einer Moratoriumserklärung zum 1. Januar 1931 mit folgender Sachlage zu tun: Der Transferauf­schub beginnt am 1. April 1931, der Zahlungsauf­schub am 1. April 1932, die Moratoriumsfrist wäre am 1. März 1933 abgelaufen..

Nun das 1. Moratoriumsjahr:

612 Mill. Rm. unaufschiebbare Reparationen zu leisten und auch zu transferieren, 1006 Mill. Rm. nicht zu transferieren, aber von Deutschland an die Bank für In­ternationalen Zahlungsausgleich in Rm. zu leisten. Hiervon sind 663 Mill. Rm. Sachlieferungen, die gewissermaßen eine einmalige -___ Transfererleichterung darstellen.

1618 Mill. Rm. jährlich Gesamtbetrag 1931/32.

Breites Moratoriumsjahr:

Die preissenkungsakliou in vollem Gang. Der Reichskanzler an der Spitze eines Preissenkungs - Aktions­ausschusses. — Kamps gegen die Widerstünde. — Billige Ge­schäfte werden empsohlen. — Rückkehr zur Pfennig-Rechnung.

Wie wir erfahren, sind bei der Aktion des Reichsernährungsministeriums zur Herabsetzung der Preise für Brot und Fleisch nachträglich noch Schwierigkeiten aufgetreten, die sich aus der Tat­sache ergeben, daß im Augenblick keine gesetz­liche Handhabe besteht, die beteiligten gewerb­lichen Verbände zur Einhaltung der Vereinbarun­gen zu zwingen. So stellt sich nun heraus, daß zwar die Bäcker in Groß-Berlin bereit sind, den Brotpreis verabredungsgemäß unter gleichzeiti­ger Heraufsetzung des Gewichtes, von 50 auf 46 Rpfg. zu senken. Dagegen haben die Berliner Brotfabriken nun erklärt, daß für sie nur eine Senkung um 2 Rpf., also auf 48 Rpf., möglich sei. Heber die Herabsetzung im Reich muß noch weiter verhandelt werden.

Aehnliche Widerstände ergeben sich bei der Herabsetzung des Fleischpreises. Aus dem Berliner Schweinemarkt ist der Preis bei einem Auftrieb von 19000 Schweinen um 5 RM. pro Zentner heruntergegangen. Da auch die verein­barte Verminderung der Preisspanne 5 Rpf. pro Pfund ausmacht, hätte der Ladenpreis pro Pfund 10 Pfg. niedriger fein müssen. Eine Senkung ist jedoch, wie eine Umfrage in den Schlächtereien ergeben hat, nicht eingetreten. Un­ter diesen Umständen wird das Reichsernährungs­ministerium die Preisbewegung nun genau nach­prüfen und wöchentlich die Ergebnisse veröffent­lichen, um den Konsumenten die Möglichkeit zu geben, die Preisbewegung genau zu kontrollieren. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß ein solcher Druck der Oeffentlichkeit die Verkäufer schließlich doch dazu bringen wird, daß sie die Vereinbarungen respektieren.

*

C. N. B. Berlin, 12. Nov. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, besteht der Ausschuß zur För­de r u n g d e r P r e i s s e n k u ng, den das Reichs­kabinett in einer Nachtsitzung eingesetzt hat, aus dem Reichskanzler, dem Reichsernährungsminister, dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichsfinanz­minister, dem Reichsarbeitsminister und dem preu­ßischen Handelsminister. Die Einsetzung dieses Aktionsausschusses hat den Sinn, daß die Preissen­kung mit aller Energie weitergetrie­ben werden soll. Das geht auch daraus hervor, daß der Reichskanzler selbst an seiner Spitze steht. Der Ausschuß wird am morgigen Donnerstag zum ersten Mal zusammentreten, um zunächst die Mög­lichkeiten festzusetzen, die für eine wirkungsvolle Ausdehnung der Preissenkung gegeben sind. Er wird also untersuchen, mit welchen Organisationen verhandelt werden muß und welche Möglichkeiten der Regierung in jedem einzelnen Falle zur Ver­fügung stehen, um ihre Absichten auch dann durch­zusetzen, wenn sich Widerstände bemerk­bar machen. In politischen Kreisen wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die für die ganze politische und wirtschaftliche Entwicklung so überaus

wichtige Aktion des Kabinetts auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Propaganda un­terstützt werden muß, durch die bekannt werden kann, w o die Preise billig sind und wer sich einer Preissenkung entgegenstellt. Diese Methode hat die englische Regierung vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation mit erheblichem Erfolg angewandt. Dabei ist z. B. auch der RundfunkzurBekanntgabevonbilli- gen Geschäften benutzt worden. Auf der anderen Seite können diese selbst die Bewegung durch deutliche Preisbekanntgabe unter­stützen. Dabei muß beachtet werden, daß eine der Voraussetzungen des Gelingens der Aktion d i e Rückkehr zur Pfennig-Rechnung ist. Wenn beispielsweise der Straßenbahntarif 25 Pfg. beträgt, und eine Senkung auf 20 Pfg. ausgeschlos­sen sein sollte, so muß die Frage geprüft werden, ob nicht eine Verbilligung des Fahrscheins auf 23 Pfg. erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang taucht natürlich auch die Möglichkeit neuer drei und vier-Pfennig-Stücke wieder auf. Besondere Möglichkeiten sieht man in unter­richteten Kreisen auch in der Mitwirkung der Gön­ner, deren Aufgabe es sein muß, den Rahmen, den die Reichsregierung für die Preissenkung zieht, durch Einzelmaßnahmen auszufüllen. Es ist anzu­nehmen, daß sich der Ausschuß des Reichskabinetts nun in den nächsten Tagen mit allen diesen Fragen beschäftigen wird, um schon in kurzer Zeit eine stär­kere Aktivierung der ganzen Preissenkungsbewe­gung herbeizuführen.

♦

V. D. Z. Berlin, 12. Nov. (Eig. Meld.) Der Haushaltsausschuß des Reichstages tritt heute nachmittag 3 Uhr zusammen. Auf der Taaes- ordnung steht die Notverordn'ung der Re­gie r u n g mit den vielen dazu vorliegenden An­trägen der Parteien.

.*

wtb. Berlin, 12. Nov. (Eig. Meld.) Das Reichs­kabinett verabschiedete den Entwurf eines Steueroereinfachungsgesetzes. — Das Kabinett beschäftigte sich weiter mit Fragen der Preis- und Arbeitspolitik. U. a. wurden die Fra­gen der Arbeitsstreckung, eines weiteren Schuljah­res und der Zulassung von ausländischen Wander­arbeitern erörtert.

V. D. Z. Berlin, 12. Nov. (Eig. Meld.) Die Reichsratsausschüsse begannen heute vor­mittag mit der 2. Beratung der Sanierungs­oorlagen, an erster Stelle des Gehaltskür­zungsgesetzes. Die große Bedeutung der Sitzung wird dadurch gekennzeichnet, daß der baye­rische Ministerpräsident Held und Minister anderer süddeutscher Länder persönlich an der Bera­tung teilnehmen. Den Vorsitz hat Reichsfinanzmini­ster Dietrich.

Ein deutscher Vorschlag.

Graf Vernstorffs kitzlige Frage: Wieviel Soldaten haben die Abrüskungs„ftelinde"?

wtb. Genf, 12. Nov. (Eig. Meld.) Graf Bern­storfs hat heute dem vorbereitenden Abrüstungsaus­schuß einen Vorschlag über die Offenlegung des gegenwärtigen Rüstungsstandes aller Staaten, die an der künftigen Ab­rüstungskonferenz teilnehnlen, unterbreitet.

Der Vorschlag geht davon aus, daß die Ab- rüstungskonftrenz nur dann zu einem praktischen Ergebnis kommen kann, wenn zu Beginn der Konferenz genaue Angaben über die Rüstungen der einzelnen Länder, die eine Abrüstungskonvention schließen wollen, vor­liegen. Die Ausarbeitung eines Konventionsent­wurfes durch den vorbereitenden Ausschuß genüge nicht. Der Londoner Flottenkonsernz hätten solche Angaben über die maritimen Rüstungen als Ver­handlungsgrundlage Vorgelegen. Während aber für den Flotten genaue und authentische Statisti­ken vorhanden seien, sei das bei d e n L a n d- rü st u n g e n nicht der Fall. Das militärische Jahrbuch des Völkerbundes sei unvollständig. Seine Angaben seien zum Teil vage und nicht immer zu­verlässig. Der Vorbereitungsauslchuß müsse an alle Regierungen, die auf der Konferenz vertreten

sein werden, das Ersuchen richten, ihm genaue und einwandfreie Angaben über die Land- und See- rüstungen so rechtzeitig zu liefern, daß sie der Kon­ferenz als Grundlage für ihre Arbeiten dienen können. Aufgabe der Tagung fei es, einSchema für diese Statistiken auszuarbeiten.

Kronprinz warnt vor Krieg.

wtb. London, 12 Nov. (Eig. Meld.) Der Prinz von Wales sagte gestern abend in einer Rede an­läßlich des Waffenstillstandstages: Wir wollen keinen neuen Krieg und wir müßten un­ser äußerstes tun, einen neuen Krieg zu vermei­den. In der Vergangenheit waren Nationen fä­hig, ruhigen Herzens zu den Waffen zu greifen, offenbar, weil die jeweils Heranwachsende Genera­tion sich die Schrecknisse nicht klar machte, die sich vor ihrer Geburt ereignet hat­ten. Heute ift das nicht mehr in gleichem Maße der Fall: aber es besteht doch die Gefahr, daß die Heranwachsende Generation wenig oder gar nichts über den Weltkrieg lernt. Für solches Wissen zu sorgen ist die Aufgabe der ehemaligen Kriegsteilnehmer.

aufschub und am 1. April 1935 ein neuer Zah­lungsaufschub erfolgen.

Diese Tatsachen gilt es unter allen Umständen zu berücksichtigen, wenn wir jetzt soviel über Re- parationspolitik hören und lesen. Für das deutsche Wirtschaftsleben am wichtigsten bleibt, daß auch bei einer Erklärung des Moratoriums noch IV« Jahr vergeht, ehe die Aufbringungspflicht eine Vermin­derung erfährt und dann auch nur in Höhe von rund 31 Prozent des Gesamt-Betrages.

Darin sehen wir aber auch einen Punkt, wo zu gegebener Zeit Revisionen unter allen Um» ft ä n b e n anzumelden smd. Es bedeutet doch einen glatten Widersprach in sich selbst, wenn die deutsche Regierung nur bei zwingender Notlage der deutschen Wirtschaft ein Moratorium erklären darf, wenn ober trotzdem erst nach VA Jahr die Wirkung Zohlungserleichterung eintreten soll. An sich könnte schon ein nach 3 Monaten eintretenber Transferaufschub unter Umftänben eine wirtschaft­liche Erleichterung bebeuten, weil eine vorüberge­hende Entlastung unseres Divisenmarktes unter

Umftänben unseren Reichsbankdiskont günstig be­einflussen würbe. Allein, wenn mir gezwungen sinb in Zeiten höchster wirtschaftlicher Not ein Moratorium zu erklären, bann ist boch bie Haupt­sache, baß wir schnell entlastet werden von ber Auf- brmgungspflicht. Tritt biefe erst 15 Monate spä­ter ein, bann kann sie ber Wirtschaft nicht mehr hel­fen.

Dringenb reoifionsbebürftig ist ferner bie Be­stimmung im Moratorium, baß nach Schluß des Moratoriums nicht nur ber Gesamt-Aufschub nach­geholt, sonbern gleichzeitig bie laufenden Verpslich- , tungen voll erfüllt werden müssen. Das ist ganz ausgeschlossen. Eine Wirtschaft, die zusammenge­brochen ist, die eines Moratoriums bedurfte, kann nach so kurzer Zeit nicht noch höhere Leistungen volbringen. Es war ihr ja schon nicht möglich, die Pflichtleistungen zu erfüllen, und kein vernünftiger Wirtschaftspolitiker wird glauben, daß dieselbe Wirtschaft dann zwei Jahre später in der Lage ist, in erhöhtem Maße Verpflichtungen auf sich zu neh­

men. Eine solche Pflicht zur Aufbringungsleistung müßte die deutsche Währung gefährden.

Wir führen bas insbesondere beswegen aus, weil man auf Erunb ber von uns geschilberten Tatsachen zu ber einzig möglichen Erkenntnis kam« men soll, baß am Schluß bes 2. Moratoriums­jahres bie Revision bes Noung-Planes spruchreif würbe. Nun sagen über biefe Revisionsmöglich­keiten die Bestimmungen des Poungplanes: „Falls Deutschland einen Aufschub erklärt, ober wenn sie zu irgenb welcher Zeit bie Deutsche Regierung ben Regierungen ber Gläubigerlänber unb ber Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erklärt, sie sei in gutem Glauben zu bem Schluß gekommen, baß bie Währung unb das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den teilroeifen. oder vollstän­digen Transfer bes aufschiebbaren Teils ber An­nuitäten ernstlich in Gefahr gebracht werben formte, soll bie Bank für Internationalen Zah­lungsausgleich ben beratenden Sonderausschuß ein- berufen. — Der beratende Sonderausschuß soll alsbald die Sage unter allen Geschichtspunkten un­tersuchen, wie es im Neuen Plan vorgesehen ist und soll den Eläubigerregierungen und der Bank zur Erwägung unterbreiten, welche Maßnahmen nach seiner Ansicht hinsichtlich der Anwendung des Planes ergriffen werden sollten."

Die Aufgabe der Deutschen Regierung wird es nun sein, nachdem sie im Innern die Finanzen ge­ordnet und die Wirtschaft wieder angekurbelt hat, ben Boben vorzubereiten für jene Zeit, wo wir uns vor dem Weltforum über die Revision bes Poung- Planes zu unterhalten haben werden. Wir be­trachten diese Aufgabe als eine der dringlichsten ftzr die Zukunft. Es wäre verkehrt und könnte für Deutschland geradezu gefährlich werden, würden wir unvorbereitet und übereilt in solche Revisions- verhandlungen eintreten. Wir müssen unseren Gläubigern ben klaren, unabroenbbaren Beweis er­bringen, daß nicht nur die deutschen, sondern die europäischen Interessen eine solche Revision gebie­terisch fordern. Wohl werden die Gläubigerstaa­ten mit Ausflüchten und Entgegnungen zuerst ant­worten. Doch an der Tatsache selbst formen sie nicht mehr vorübergehen. Denn die Revisionsfrage ist nicht allein die deutsche, sondern ist eine euro­päische Kardinalfrage, an der auch die Vereinigten Staaten auf das lebhafteste wegen der gesamten politischen Schuldenregelung interessiert find. ,

Der evangelische Mchen-Verlrag.

wtb. Frankfurt a. M., 12. Nov. (Eig. Meld.) Zu der in der heutigen Morgenpresse verbreiteten, Meldung, daß die Landeskirchenversammlung in Frankfurt a. M. dem Entwurf eines Vertrages der evangelischen Landeskirche mit dem preußischen Staat zugestimmt und den Landeskirchenrat mit der Unterzeichnung beauftragt habe, wird dem evangelischen Pressedienst von zuständiger Stelle ans Frankfurt a. M. mitgeteilt, daß diese Meldung unzutreffend ist. Die Landes­kirchenversammlung in Frankfurt a. M. hat ledig­lich stach dem Vorgang der altpreußischen Gene­ralsynode der Kirchenleitung Vollmacht gegeben, die Verhandlungen weiterzuführen und ge­gebenenfalls den Vertrag zu vollziehen. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß die zur Zeit noch vor­handenen schwerwiegenden.Bedenken in den be- vorstehenden gemeinsamen, mit den anderen be­teiligten Landeskirchen zu führenden weiteren Ver­handlungen mit dem Staate behoben werden. Von einer abschließenden Stellungnahme der Frank­furter Kirche zu dem Dertragswerk kann hiernach keine Rede sein.

Spanien.

wtb. Paris, 12. Nov. (Eig. Meld.) Dem Jour­nal zufolge hat der spanische Ministerrat beschloßen, die Kammer-Wahlen am 1. März und die Senats­wahlen am 15. März 1931 stattfinden zu lassen.

Kabinettskrise in Belgien.

Die liberalen Mitglieder bes Kabinetts Jaspar sind zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgte nach ei­ner Sitzung, in ber bie Frage ber Kumulierung ber Professuren an ber Genter Staatsunioerfität unb an bem Senter Institut für höhere Stubien erörtert worben war. Er hatte zur Folge, baß auch bie katholischen Minister sich anschlossen unb bamit bas Gesamt-Kabinett Jaspar seinen Rück­tritt bem König anbot, ber sich Bedenkzeit erbeten hat.

i -

Ministerpräsident Jaspar.

— Der Reichsverband der Deutschen Industrie fordert beschleunigte Senkung der Postgebühren. Dem Reichs» verband der Deutschen Industrie sind in letzter Zeit zahl­reiche Schreiben zugegangen, in denen die Notwendigkeit einer Senkung der Postgebühren heroorgehoben wird. Der Reichsverband ist infolgedessen beim Reichspostmini­sterium für eine beschleunigte Senkung der Postgebühren eingetreten.